Open Access an Hochschulen für angewandte Wissenschaften und Pädagogischen Hochschulen in Baden-Württemberg

Eine empirische Erhebung der Bedarfe, Hemmnisse und Wünsche bei Bibliotheken und Forschenden

Autor*innen

DOI:

https://doi.org/10.5282/o-bib/5793

Schlagwörter:

Open Access, Hochschulen für angewandte Wissenschaften, Pädagogische Hochschulen, Baden-Württemberg, Empirische Erhebung

Abstract

Einleitung: Open-Access-Publikationsverhalten und benötigte Open-Access-Dienstleistungen der Hochschulen für angewandte Wissenschaften (HAWs) und Pädagogischen Hochschulen (PHs) sind bisher unbekannt. Die E-Science-Strategie Baden-Württembergs zielt u.a. auf Digitalisierung, Open Access und Forschungsdatenmanagement ab zur Erhöhung der Qualität und Wettbewerbsfähigkeit von Wissenschaft. Auf Basis umfassender empirischer Umfragen werden die spezifischen Bedarfe, Hemmnisse und Wünsche der HAWs und PHs identifiziert. Somit können bedarfsorientiert für das Open-Access-Publikationsverhalten an HAWs und PHs benötigte Dienstleistungen identifiziert werden, um die Sichtbarkeit und Wettbewerbsfähigkeit der Forschung zu fördern.

Methoden: Umfassende empirische Erhebungen wurden 2020 mit einem Mixed-Methods-Ansatz durchgeführt. Neben 19 explorativen digitalen Leitfadengesprächen mit Angehörigen von Hochschulen und Instituten, wurde auf Basis dieser Gespräche sowie Umfragen und Austausch innerhalb der Open Access Community ein Fragenkatalog für die Befragung aller 47 Bibliotheksleitungen der nichtuniversitären Hochschulen in Baden-Württemberg erstellt. Mit einem zweiten Fragenkatalog wurden zudem Forschende an acht ausgewählten HAWs und PHs in Baden-Württemberg online befragt. Ziel war die Erhebung der Hemmnisse, Bedarfe und Wünsche der HAWs und PHs in Baden-Württemberg.

Ergebnisse: 34 Bibliotheksleitungen (72 %) und 563 Forschende nahmen an den Umfragen teil. Aus der Bibliotheksleitungs-Befragung geht hervor, dass drei HAWs und eine PH eine/n Open-Access-Beauftragte*n haben und 12 HAWs (aller 16 HAWs) und 5 PHs (aller 6 PHs) ein Repositorium betreiben. Die Forschenden und Bibliotheksleitungen geben an, dass die Finanzierung von Open-Access-Publikationskosten an HAWs vorwiegend über Drittmittel (69 %) und an PHs über den Landesfonds (83 %) erfolgt.

Seit 2017 haben die meisten Forschenden der HAWs (71 %) und PHs (77 %) wissenschaftlich publiziert. Bewusst Open Access zu publizieren ist dabei der Hälfte der Forschenden (49 % HAW, 48 % PH) wichtig, wohingegen 7 % bzw. 4 % ein bestimmtes Journal präferieren, unabhängig von Open Access. Wissentlich Open Access publiziert haben 39 % bzw. 49 %.

Der Kenntnisstand der Bibliotheksleitungen ist sehr heterogen und viele Themen konnten sie nicht oder nicht ausreichend beantworten. Anfragen von Forschenden beziehen sich meist auf das Thema Finanzierung (58 %, 59 %). Der Großteil der Forschenden kennt weder die Publikationsmöglichkeit des Hochschul(69 %, 60 %) oder Fachrepositoriums (77 %, 72 %) noch die DEAL-Verträge (78 %, 90 %). Die Forschenden sehen viele Vorteile von Open Access, dennoch bestehen Bedenken hin sichtlich Fake-Journals und Finanzierung. Die Forschenden wünschen sich v.a. die Übernahme von Publikationskosten (70 %, 69 %), eine Kontaktperson an der Hochschule (60 %, 74 %) und digitale Informationen auf der Hochschul-Webseite (56 %, 72 %).

Diskussion: An PHs und HAWs wird aktiv geforscht und publiziert. Die infrastrukturellen Voraussetzungen für die Unterstützung und den Beratungsbedarf der Forschenden in Bezug auf Open-Access-Publikationen sind jedoch nicht parallel mitgewachsen. Der aktiv formulierte Bedarf für adäquate Unterstützung und Informationen kann durch die geringe personelle Ausstattung nicht erfüllt werden. Bedarf besteht in der Unterstützung der Forschenden, aber v.a. auch in der Stärkung der Kompetenzen und Informationen für die Bibliotheken, um die Forschenden bedarfsorientiert beraten zu können. Fazit: Eine gezielte Adressierung der HAWs und PHs auf Basis der empirischen Erhebungen ist notwendig, um die Open-Access-Transformation zu unterstützen und damit die Qualität und Wettbewerbsfähigkeit der Forschung an HAWs und PHs zukünftig weiterhin zu sichern. Die Open-Access-Publikationsunterstützung ist ein breites Arbeitsfeld und es bedarf vielfältiger, aktueller und hochwertiger Materialien an den einzelnen Hochschulen. Durch die geringe personelle Ausstattung wird empfohlen, die Kompetenzen hochschulübergreifend zu bündeln und so Synergieeffekte zu nutzen.

Literaturhinweise

Halbherr, Verena; Reimer, Nadine; Paichard, Marine u.a.: Open Access an Hochschulen für Angewandte Wissenschaften und Pädagogischen Hochschulen in Baden-Württemberg: Potentiale und Defizite, zenodo, 24.09.2021, https://doi.org/10.5281/zenodo.5526742.

Heise, Christian: Von Open Access zu Open Science. Zum Wandel digitaler Kulturen der wissenschaftlichen Kommunikation, 2017, https://pub-data.leuphana.de/frontdoor/deliver/index/docId/841/file/final_druck_diss_heise_de_en_2017_61217.pdf, Stand: 04.12.2021

Pampel, Heinz: Open Access an wissenschaftlichen Einrichtungen in Deutschland. Ergebnisse einer Erhebung im Jahr 2018, 2018, https://gfzpublic.gfz-potsdam.de/rest/items/item_4550890_6/component/file_4570895/content, Stand: 04.12.2021.

Reimer, Nadine; Halbherr, Verena; Ackermann, Sebastian u.a.: Ein Projekt zur Implementierung von Open Access an den Hochschulen für angewandte Wissenschaften (HAW) und den Pädagogischen Hochschulen (PH) in Baden-Württemberg, zenodo, 24.09.2020, https://doi.org/10.5281/zenodo.4035970.

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Veröffentlicht

31.03.2022

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Rubrik

Aufsätze

Zitationsvorschlag

Open Access an Hochschulen für angewandte Wissenschaften und Pädagogischen Hochschulen in Baden-Württemberg: Eine empirische Erhebung der Bedarfe, Hemmnisse und Wünsche bei Bibliotheken und Forschenden. (2022). O-Bib. Das Offene Bibliotheksjournal Herausgeber VDB, 9(1), 1-26. https://doi.org/10.5282/o-bib/5793