Potentiale nutzen und Verbindungen herstellen

Neue fachliche Aufgabenbereiche für Bibliotheken am Beispiel Forschungsdatenmanagement

Benjamin Auberer, Universitätsbibliothek der Ludwig-Maximilians-Universität München
Alexander Berg-Weiß, Universitätsbibliothek der Ludwig-Maximilians-Universität München
Vanessa Gabriel, Universitätsbibliothek der Ludwig-Maximilians-Universität München
Martin Spenger, Universitätsbibliothek der Ludwig-Maximilians-Universität München

Zusammenfassung

In diesem Artikel werden Handlungsoptionen und -spielräume wissenschaftlicher Bibliotheken im Kontext eines sich durch die Digitalisierung verändernden Aufgaben- und Anforderungsspektrums thematisiert. Dieses Themenfeld wird durch die Linse der Berufsgruppe der wissenschaftlichen Bibliothekar*innen bzw. Fachreferent*innen betrachtet. Bestehenden Strukturen, insbesondere den Fachreferaten, kommt in diesem Prozess eine besondere Rolle zu, bieten sie doch Chancen, neue Themen effizient und gezielt an der eigenen Einrichtung einzubinden. Durch die Übernahme neuer Aufgaben durch die Fachreferent*innen besteht jedoch der Bedarf einer Selbstvergewisserung, um adäquat auf neue Situationen reagieren zu können. Anhand des Beispiels Forschungsdatenmanagement (FDM) an der Universitätsbibliothek der LMU (UB der LMU) werden Möglichkeiten aufgezeigt, wie eine Kooperation zwischen FDM-Beratung, Fachreferaten und Forschenden aussehen kann. Welche Rolle spielen dabei Konzepte wie „Embedded Librarian“ oder „Data Literacy“? Und wie können Fachreferent*innen einbezogen werden, um die FDM-Strukturen der eigenen Einrichtung erfolgreich weiterzuentwickeln?

Summary

This article discusses the opportunities and challenges for academic libraries in the context of changing requirements and tasks due to digitization. These developments are viewed through the lens of the professional group of academic librarians, more specifically the subject librarian. Existing structures, especially the subject librarian departments, play a crucial role in these developments, as they offer opportunities to efficiently and adequately address new topics within their institution. However, when subject librarians take on new tasks, there is a need for self-assurance in order to react adequately to new situations. Using the example of research data management (RDM) at the University Library of LMU, new possibilities like a cooperation between RDM services, subject librarians and researchers are emerging. What role do concepts such as “Embedded Librarian” or “Data Literacy” play in the context of RDM? And how can subject librarians be involved to successfully improve the RDM structures of their institutions?

Zitierfähiger Link (DOI): https://doi.org/10.5282/o-bib/5783

Schlagwörter: Fachreferat; Forschungsdaten; Forschungsdatenmanagement; Berufsbild; Berufsbilddebatte; Digitalisierung

Autorenidentifikation:
Auberer, Benjamin:
ORCID: https://orcid.org/0000-0002-6938-0123; GND: 1050878981
Berg-Weiß, Alexander: ORCID: https://orcid.org/0000-0002-7435-8676
Gabriel, Vanessa: ORCID: https://orcid.org/0000-0002-2058-5160; GND: 1253928398
Spenger, Martin: ORCID: https://orcid.org/0000-0002-8841-5985; GND: 1207001511

Dieses Werk steht unter der Lizenz Creative Commons Namensnennung 4.0 International.

1 Fragen der Positionierung

1.1 Bibliotheken

Die Frage „Warum sollte man über die Zukunft des Fachreferats und seine künftige Ausrichtung sprechen?“ lässt sich mit dem dringenden Verweis auf den digitalen Wandel beantworten. Auch wenn monokausale Erklärungen immer vereinfachend sind, kann konstatiert werden, dass die Digitalisierung auch in der Bibliothekswelt seit langem ihren disruptiven Charakter zeigt und nicht mehr länger ignoriert werden kann: So verändern sich nicht nur die Dienstleistungen, sondern es werden auch zunehmend neue Anforderungen an das Personal gestellt. Der inflationär gebrauchte Begriff der Digitalisierung wird dabei oftmals missverstanden – gerade in Deutschland scheint Digitalisierung zu bedeuten, dass das, was früher analog gemacht wurde, nun gleichermaßen am Computer und in der digitalen Welt umgesetzt werden kann. Dieses Verständnis missachtet allerdings die Konsequenzen der Digitalisierung, denn Digitalisierung bringt einen gewaltigen Mangel mit sich: Sie ist nicht in der Lage, die Komplexität des realen Lebens adäquat abzubilden. Um etwas ins Digitale überführen zu können, muss es zwangsweise in seiner Komplexität reduziert werden, damit die Spezifika von Computern genutzt werden können. Das Resultat ist dann das, was zu dem erhofften Gewinn an Schnelligkeit, Effizienz etc. führt. Dieser Gewinn an Optionen und Möglichkeiten der Digitalisierung ergibt sich somit aus der Reduktion der Realität: Man tauscht die offene, komplexe reale Welt mit wenig greifbaren Optionen gegen eine abgeschlossene, reduzierte Welt, in der viele Optionen unmittelbar greifbar sind.

Eine zentrale Einsicht ist, dass im Zentrum von Digitalisierung nicht die Hardware oder die Software steht, sondern die Veränderung von Prozessen, Vereinbarungen, Interaktionen etc. Digitalisierung ist also zuallererst eine Aufgabe des Managements. In nur wenigen Bibliotheken wird diese Herausforderung jedoch als Managementaufgabe wahrgenommen, sondern oftmals als Aufgabe des „IT-affinen” Bibliothekspersonals gesehen. Durch die Delegation auf eine operativ agierende Ebene scheint die Digitalisierung ihren disruptiven Charakter und damit ihren Schrecken zu verlieren, denn dadurch verlangsamt sie sich enorm. Damit entkommen die Bibliotheken jedoch nicht dem Digitalisierungsdruck, denn dieser durchdringt die gesamte Gesellschaft und damit auch die Forschung.1 Bibliotheken sollten die Verlagerung ins Digitale als Chance und nicht als Nachteil begreifen: Die Digitalisierung der Forschung hat Konsequenzen für jene Bibliotheken, deren Aufgabe und Kernkompetenz in der Informationsversorgung – immer noch meist konventionell in Form von Monographien und Zeitschriften(-aufsätzen) – liegt, da selbst in traditionell „bücherlastigen“ Fächern das digitale Arbeiten zum Standard wird (Stichwort „Digital Humanities“) und andere bereits seit Jahren rein digital arbeiten. Die Möglichkeiten der Informationsversorgung waren in den vergangenen Jahrhunderten geprägt durch die Knappheit an Informationen.2 „Information“ war an physische Träger gebunden, die man einzeln beschafft hat – ein Prozess, der nicht nur zeit- und kostenaufwändig war, sondern Fachwissen voraussetzte und deshalb an Bibliotheken von Spezialist*innen übernommen werden musste. Doch das aktive Beschaffen von Informationen ist nicht mehr der einzige Weg, wie das wachsende Informationsbedürfnis der Wissenschaft erfüllt werden kann. Informationen müssen nicht mehr „nur“ beschafft werden, sondern drängen sich heute auf. Begriffe wie Informationsüberfluss und Informationsexplosion beschreiben dieses Szenario bildhaft.3 Man muss sich also geradezu eine Strategie für das Informationsmanagement zurechtlegen, die darin liegt, die Informationsmenge zu verwalten, ggf. zu reduzieren und passgenau zur Verfügung zu stellen.4

1.2 Fachreferate

Die skizzierten Prozesse betreffen fast alle Tätigkeitsbereiche wissenschaftlicher Bibliotheken. Dies übt starken Veränderungsdruck auf die an Bibliotheken existierenden Berufsbilder aus. Neue Aufgaben entstehen auf allen Qualifikationsebenen; bisherige Berufsfelder bleiben erhalten und neue kommen – langsam – hinzu. In den folgenden Überlegungen soll vor allem das Fachreferat als klassisches Aufgabenfeld des bibliothekarischen höheren Dienstes im Fokus stehen, da neue wissenschaftsnahe Services hier besonders akuten Veränderungsdruck bewirken. Mit der Frage nach Rollenverständnis und Aufgabenspektrum der wissenschaftlichen Bibliothekar*innen bzw. Fachreferent*innen trägt der Beitrag zu einer der beständigsten bibliothekswissenschaftlichen Debatten bei. Während in der Diskussion um das Berufsbild5 früher vor allem die Verortung zwischen wissenschaftlichen und administrativen Aufgaben im Zentrum stand6, erhält die Debatte im Zuge der Digitalisierung neue Sprengkraft.7

Charakteristisch für alle Diskussionen in diesem Bereich ist eine begriffliche Unschärfe. Achim Bonte hat darauf hingewiesen, dass „höherer Dienst“, „wissenschaftlicher Bibliothekar“ und „Fachreferent*in“ häufig synonym und deckungsgleich verwendet werden, konstatiert jedoch ein Aufbrechen und eine stärkere Ausdifferenzierung.8 Tatsache ist jedoch, dass an fast allen wissenschaftlichen Bibliotheken Personen als Fachreferent*innen tätig sein dürften. Zwar existiert im bibliothekarischen Diskurs anscheinend ein (unausgesprochener) Konsens, was Fachreferat und Fachreferatsaufgaben sind, jedoch keine scharfe Definition im eigentlichen Sinne. In der Webpräsenz der Kommission für Fachreferatsarbeit des VDB wird die Heterogenität und Vielfalt der Aufgaben dieses Tätigkeitsfeldes betont.9 Diese Unschärfe soll jedoch nicht als Schwäche, sondern eher als Abbild eines dynamischen und vielfältigen Berufsbilds gesehen werden, das sich an die jeweiligen wissenschaftlichen und bibliothekarischen Notwendigkeiten anpasst und weiterentwickelt. Daher soll und muss das den folgenden Überlegungen zugrunde liegende Verständnis von Fachreferatsarbeit pragmatisch und eng an den Tätigkeiten geführt erfolgen.

Die folgende Konsensdefinition wurde aus verschiedenen Darstellungen der Fachverbände und der Bibliothekswissenschaft kompiliert.10 Ein/e Fachreferent*in betreut eines oder mehrere Fächer an einer Universität als Schnittstelle zwischen Bibliothek und der jeweiligen Disziplin und verantwortet deren Medienversorgung. Zentrale Aufgabe ist es, die fachspezifischen Bedürfnisse an die Bibliothek zu kommunizieren und im Gegenzug die Services der Bibliothek an die betreute Fachgemeinschaft zu vermitteln. Die Fachreferent*innen haben somit die Aufgabe, die Informationsbedürfnisse der Studierenden und Wissenschaftler*innen ihrer Fächer optimal und medienunabhängig zu erfüllen. Dabei ist es wichtig, „Informationsbedürfnis“ möglichst breit zu verstehen: Kernaufgaben sind vor allem die Erwerbung und Lizenzierung gedruckter und elektronischer Medien und Datenbanken, Etatverantwortung über Fachbudgets, Pflege und inhaltliche Erschließung des Bestandes sowie die Vermittlung von fachspezifischer Informationskompetenz. Dies erfolgt im Idealfall im Austausch mit den Wissenschaftler*innen der jeweiligen Institute bspw. durch Bibliotheksbeauftragte oder in Bibliothekskommissionssitzungen. Im besten Fall hat der/die Fachreferent*in das zu betreuende Fach oder ein verwandtes Fach studiert und so bereits ein Verständnis für die jeweiligen Fachkulturen erworben.11 In den vergangenen Jahren wurde immer wieder betont, dass gerade die Vermittlung von digitaler (fachspezifischer) Informationskompetenz zu den wesentlichen Aufgaben des Fachreferats gehört.12 Die wenigsten Fachreferent*innen können sich mit ihrer vollständigen Arbeitskraft dem Fachreferat (im engeren Sinne) widmen, da ihnen häufig weitere Aufgaben in der Bibliothek, wie bspw. die Leitung von bibliothekarischen Teileinheiten oder Projektaufgaben, übertragen werden.

1.3 Neue Handlungsfelder

Die Digitalisierung der Wissenschaft führt zu einem breiten Portfolio an neuen Aufgabenstellungen für die Infrastruktureinrichtungen. Während die „alten“ Aufgaben nur in begrenztem Ausmaß für die Bibliotheken wegfallen, kommen eine Reihe neuer Aufgaben hinzu. Die wesentlichen Handlungsfelder wurden von der Sektion 4 des dbv im Strategiepapier „Wissenschaftliche Bibliotheken 2025“ zusammengefasst.13 Dabei werden die Entwicklungen in Wissenschaft, Forschung und Lehre als disruptive Prozesse wahrgenommen, die die Infrastruktureinrichtungen zwingen, ihre bisherigen Strukturen und Geschäftsgänge zu durchdenken.14

Zu den neuen Aufgaben und Herausforderungen gehört die zunehmende digitale sowie inter- und transdisziplinäre Form der Wissenschaft, was mit einem Veränderungsdruck auf die bisherigen, Fächer und Fakultäten aufbauenden Organisations- und Etatstrukturen von Universitätsbibliotheken einhergeht. Bibliotheken erweitern ihre Funktion als Infrastruktureinrichtung und treten als Wissenschaftsdienstleister, Beratungsstelle sowie als Bindeglied zwischen unterschiedlichen Akteuren –
bspw. den Fakultäten oder der Hochschulleitung – in den Vordergrund. Wahrgenommen werden Aufgaben, die weit über die grundlegende Bestimmung der Literaturversorgung hinausgehen, wie die Bereitstellung von technischen und organisatorischen Infrastrukturen, Angebote rund um den Bereich Open Access sowie die Beratung und Unterstützung von Wissenschaftler*innen, akademischen Mitarbeiter*innen und weiteren Mitgliedern der Organisation im Forschungsprozess.

Mit der Datafizierung der Wissenschaft übernehmen Bibliotheken im Bereich Datenkuratierung ebenfalls neue Aufgaben in der Speicherung, Erschließung und Verfügbarmachung wissenschaftlicher Daten. Dabei ist es ein Kennzeichen dieser Entwicklung, dass Strukturen heterogener werden und Akteure wie der Rat für Informationsinfrastrukturen (RfII) prägende Impulse setzen. Bibliotheks­services begleiten Forschungs- und Lehrkontexte über längere Zeiträume hinweg und sind damit oft auch im Projektkontext – von Konzeption und Antragsstellung bis zur Veröffentlichung – eingebunden.

Der vorliegende Text versteht sich als Beitrag zu einer Selbstvergewisserung der Herausforderungen der neuen Handlungsfelder für wissenschaftliche Bibliotheken und veranschaulicht dies am Beispiel des Aufgabenfeldes Forschungsdatenmanagement.

2 Forschungsdatenmanagement als Beispiel für ein neues Handlungsfeld an Bibliotheken:

Die zentrale Problemstellung des Forschungsdatenmanagements (FDM) geht mit dem bereits erwähnten Informationsüberfluss einher. Die Herausforderung für das FDM besteht darin, diesen Überfluss an Information – in diesem Fall Forschungsdaten – zu bändigen. Wichtig ist dabei eine professionelle Handhabung der Daten über den gesamten Datenlebenszyklus hinweg. Um dies zu erreichen, müssen Daten so aufbereitet werden, dass sie auffindbar, zugänglich, interoperabel und nachnutzbar sind.15 Forschungsdaten sind kein Nischenprodukt rein datengetriebener Wissenschaften, sondern fallen in allen wissenschaftlichen Disziplinen an. Dabei bilden sie nicht nur die Grundlage von Forschungsvorhaben, sondern sind auch für die Reproduzierbarkeit von Forschungsergebnissen und die Nachnutzung für weitere Forschungsvorhaben unabdingbar. Dies kann natürlich nur ermöglicht werden, wenn Forschungsdaten entsprechend verwaltet, aufbereitet (bspw. mit Metadaten), veröffentlicht und langfristig archiviert werden. Entsprechend wachsen die Erwartungen von wissenschaftspolitischen Akteuren wie Forschungsförderern und Hochschulen an ein qualitatives und nachhaltiges Daten­management. Auch im Kontext der Entwicklung von domänenübergreifenden Infrastrukturen wie der Nationalen Forschungsdateninfrastruktur (NFDI) in Deutschland sowie internationalen Vorhaben wie der European Open Science Cloud (EOSC), ist die Auseinandersetzung mit Fragen zu Methoden, Technologien und Rahmenbedingungen im Umgang mit Forschungsdaten aktuell. So setzen sich die NFDI-Konsortien mit der den einzelnen Disziplinen inhärenten Heterogenität durch die Bildung von Task Areas (TA) auseinander, die aktiv in den zugehörigen Transferteams an den wissenschaftlichen Einrichtungen organisiert werden. Auch wissenschaftliche Bibliotheken können in diesem Kontext aktiv werden und forschungsnahe Dienste mit Blick auf die NFDI adaptieren.

Im Kontext des FDM fällt eine Vielzahl von Tätigkeiten an, die grob den Kategorien Kuratierung (Curation) und Erhaltung (Preservation) von Forschungsdaten zugeordnet werden können.16 In ihrer Funktion als Infrastruktureinrichtungen und Wissenschaftsdienstleister können wissenschaftliche Bibliotheken die Chance wahrnehmen, an der Entwicklung organisatorischer sowie technischer Lösungen zur Koordination, Erschließung und Veröffentlichung von Forschungsdaten mitzuwirken und Verantwortung in diesem Bereich zu übernehmen. Dahingehend haben bereits viele Bibliotheken einschlägige Services etabliert. So bieten sie bspw. Tools zur Erstellung von Datenmanagementplänen (DMP), betreiben Forschungsdatenrepositorien und entwickeln forschungsunterstützende Workflows. Durch deren Einsatz entstehen jedoch auch neue Entwicklungsbedarfe, die durch spezialisiertes Personal abgedeckt werden müssen.17 Als langfristiges Ziel sollte es zudem als Aufgabe wissenschaftlicher Bibliotheken gesehen werden, kooperativ – in Zusammenarbeit mit zentralen Einrichtungen wie Rechenzentren oder Forschungsdezernaten – FDM-spezifische Empfehlungen und Guidelines zu erarbeiten und disziplinspezifische Angebote zu erstellen.18 Dies bleibt an vielen wissenschaftlichen Einrichtungen bis heute lediglich ein Desiderat, da es häufig an einer praxisgerechten Umsetzung scheitert.

Der bibliothekarische Arbeitsalltag wird somit zunehmend geprägt von Datenmanagement, wodurch sich neue Aufgabenfelder entwickeln, die genuin von Bibliotheken übernommen werden können. Auch hier fallen klassische Aufgaben wie die Speicherung, Erschließung und Zugänglichmachung von Daten an. Eine Spezialisierung zu einem/einer Forschungsdatenreferent*in stünde hier in keinem Widerspruch zu anderen Spezialisierungen im höheren Dienst bzw. der vierten Qualifikationsebene (QE4) im bayerischen Landesdienst.

Die große Herausforderung liegt darin, dass die neuen Aufgabengebiete, nicht nur finanziell, sondern vor allem personell gestemmt werden müssen. Dazu müssen neue Strukturen, bspw. in Form von Kompetenzzentren wie FDM-Beratungsstellen oder FDM-Arbeitsgruppen, entstehen.19 Wissenschaftliche Bibliotheken können hier als Initiatoren und treibende Kräfte agieren. Dafür wurde in den vergangenen Jahren für Stellenausschreibungen in diesem Bereich eine Vielzahl an neuen beruflichen Profilen in allen Qualifikationsebenen entwickelt, bspw. Funktionspositionen mit den Bezeichnungen „Data Steward“, „Data Scientist“, „Data Curator“ oder „Data Librarian“.20 Häufig genannte Aufgaben dieser neuen Positionen sind:

  • Qualitätssicherung von Forschungsdaten
  • Erleichterung der Kommunikation zwischen Forschenden und Infrastruktureinrichtungen („Networking“)
  • administrative Umsetzung des Datenmanagements (Standards, Policies)
  • Verbindung von fachlichem Wissen und kommunikativen Kompetenzen

Diese Tätigkeitsfelder legen nahe, dass FDM Teil eines sozioökonomischen Systems ist, mit vielen beteiligten Stakeholdern, die einen gemeinsamen Konsens schaffen müssen. Das Zusammenbringen dieser Akteure ist eine zentrale Aufgabe innerhalb der neuen Profile und kann auch als „Boundary Work“ – oder Grenzarbeit – bezeichnet werden.21

Viele der Aufgaben haben einen fachlichen Fokus und decken sich bei der Kommunikation mit dem Forschungsbetrieb ebenfalls mit Tätigkeiten, die bisher primär von Fachreferaten übernommen wurden. Um diese neuen Themenfelder auch gezielt an die Bibliotheken zu bringen, wurden Aus- und Weiterbildungsangebote eingerichtet. Die MALIS-Studiengänge sind zusammen bzw. als Teil der klassischen Referendariats- bzw. Volontariats-Ausbildung eine der Hauptzugangsmöglichkeiten zum höheren Dienst bzw. zur QE4 in Bibliotheken. Dennoch besteht ein gewisses Desiderat in den bisherigen Ausbildungs- und Studienangeboten: Themen wie Datenkompetenz oder „Data Literacy“, also „die Kompetenz des kritischen und lösungsorientierten Umgangs mit digitalen Daten“,22 sind kaum Bestandteil der akademischen Curricula. Dies thematisiert bspw. auch der RfII bereits im Jahr 2016.23 Jedoch herrscht in diesem Bereich kein Stillstand und „[d]em Ruf der Politik nach verbesserter Hochschulbildung und Ausbildung für die Digitalisierung und Datenrevolution wird gefolgt und die ersten Schritte sind getan“.24

So hat das Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft (IBI) der Humboldt-Universität zu Berlin zusammen mit der FH Potsdam einen weiteren berufsbegleitenden Studiengang begründet, um eben diese neuen Aufgabenfelder abzudecken und speziell mit „Digital Data Literacy“ neues Personal u. a. für Bibliotheken auszubilden. Der Masterstudiengang Digitales Datenmanagement (DDM) ist 2020 gestartet und die ersten Absolvent*innen werden im Frühjahr 2022 den Studiengang erfolgreich abschließen und anschließend mit einem Tätigkeitsportfolio aufwarten können, welches an vielen Einrichtungen stark nachgefragt wird25 und in den auf den höheren Dienst bzw. die „klassischere QE4-Ausbildung“ ausgerichteten Studiengängen oft aus Kapazitätsgründen nicht in dieser Tiefe vermittelt werden kann.

3 Forschungsdatenmanagement und Fachreferate am Beispiel der Universitätsbibliothek der LMU München

3.1 Potential der Fachreferate

Die skizzierten Prozesse setzen das deutsche Fachreferatesystem erneut unter Druck. Zuletzt konstatierte der RfII 2019 im Kontext des NFDI-Prozesses einen Mangel an wissenschaftlich qualifiziertem Personal in zentralen Infrastruktureinrichtungen und stellt dadurch beinahe unverhohlen die etablierten bibliothekarische Ausbildungs- und Qualifikationswege in Frage.26 Aber auch in der Bibliothekswelt wird zunehmend ein Wandel des Systems gefordert oder dieser ist bereits vollzogen.27 Unstrittig ist der Druck auf die bibliothekarischen Services, die noch wissenschaftsnäher ausgerichtet werden müssen.

Dabei hat dies auch einen Einfluss auf die interne Organisation(sstruktur) von Bibliotheken. In vielen Einrichtungen werden neue bibliothekarische Aufgabenfelder wie Publikationsdienstleistungen oder FDM häufig als Projektaufgaben und vom Fachreferat losgelöst etabliert. Daraus ergibt sich in vielen Fällen eine Schere, die dazu führt, dass im Rahmen der Fachreferate weiterhin vor allem Medienerwerbung und -lizenzierung stattfindet, während forschungsunterstützende und innovative Services als zentrale Aufgaben entwickelt und umgesetzt werden. Hier besteht die Gefahr, dass Bibliotheken nicht mehr als einheitliche Organisation auftreten, sondern sich in eine „konventionelle“ Medien- und Lizenzierungseinrichtung auf der einen und eine „digitale“ Forschungs- und Entwicklungsbibliothek auf der anderen Seite entwickeln. Dieses Auseinanderentwickeln stellt, konsequent zu Ende gedacht, auch die Bibliothek als geschlossene Infrastruktureinrichtung in Frage.

Das Ziel der Bibliothek muss also sein, neue und alte Services in ein gemeinsames Selbstverständnis als universitäre Informationsinfrastruktureinrichtung zu überführen und sich somit in ihrer Gesamtheit nahe an den wissenschaftlichen Bedürfnissen zu positionieren. Auch von Bibliothekar*innen wird in Deutschland immer wieder die Preisgabe des Fachreferatesystems gefordert, das so bspw. zuletzt nach Bonte zwar laufend unzureichend reformiert wird, aber dessen grundsätzliche Dysfunktionalität nicht mehr zu beheben sei. Statt des Fachreferatesystems schlägt er für die SLUB eine Aufteilung des höheren Dienstes in Wissensmanager*innen, Forschungsbibliothekar*innen, IT-Spezialist*innen und sonstige Expert*innen vor.28 Aber auch in anderen Bibliotheken ist ein systematisches Verschieben von Personalressourcen – weg von klassischen Fachreferatsstellen hin zu wissenschaftsnahen Dienstleistungen und der IT-Abteilung – zu beobachten. Vorbilder hierfür sind die vor allem im anglo-amerikanischen Kontext verbreiteten Embedded oder Blended Librarians.29 Diese bewegen sich enger in Forschungskontexten und betreuen die Informations- und Datenflüsse von Forschungsprojekten von der Planungs- bis zur Abschlussphase als gleichberechtigte Projektmitglieder. Dadurch werden sie von den Wissenschaftler*innen als Mitforschende wahrgenommen und bringen dadurch die spezifischen bibliothekarischen Kompetenzen direkt in den Forschungskontext ein.

Gerade hier können die Fachreferent*innen durch ihre Schnittstellenfunktion vor allem in dezentral organisierten, forschungsstarken Einrichtungen eine wesentliche Aufgabe beitragen. Die Kommission für forschungsnahe Dienste des VDB betont die Notwendigkeit, bestehendes Personal und Berufsbilder in die neuen forschungsnahen Aufgaben einzubeziehen.30 Fachreferent*innen helfen, eine Verbindung der Bibliothek innerhalb ihrer Services herzustellen und eine „Vermarktung“ der Bibliotheksservices bei den Wissenschaftler*innen sicherzustellen. Fachreferent*innen leisten in vielen Fällen die Erstberatung von Nutzer*innen, weswegen sie trotz ihrer Spezialisierungen gewissermaßen als Allrounder der Bibliotheksservices auftreten müssen. In einer Darstellung der Kommission für Fachreferatsarbeit des VDB wie auch der für Forschungsunterstützung wird betont, dass Fachreferent*innen durch ihre enge Vernetzung zu den Wissenschaftler*innen prädestiniert dafür sind, den Forschungsprozess zu unterstützen: Hier werden Forschungsdaten, Open Science und die Vermittlung und Einführung von Forschungstools als Beispiele genannt.31 Die Betonung der Schnittstellenkompetenz des Fachreferats ist dabei kein neues Argument,32 es gewinnt jedoch durch die neuen Anforderungen an Bibliothek und Forschung an Dringlichkeit.

Die postgraduale Ausbildung von wissenschaftlichen Bibliotheksmitarbeiter*innen, sei es an der Bibliotheksakademie Bayern, in den verschiedenen Masterstudiengängen oder neuen Angeboten, wie dem Masterstudiengang DDM – legen zunehmend Schwerpunkte auf neue wissenschaftsunterstützende Themen wie Forschungsdaten. Weiterbildungen der Bibliotheksverbände sowie der FIDs sorgen dafür, dass die Fachreferent*innen durchaus die Kompetenzen besitzen, sich auch aktiv in digitale und forschungsnahe Themenfelder einzubringen. Hier würde jedoch eine Preisgabe des Fachreferats eher die Gefahr einer Entfernung als ein Potenzial für eine Annäherung bieten. Fachreferent*innen sind etablierte Ansprechpartner*innen für die jeweiligen Fächer. Sie sind idealerweise in Fakultäten, Instituten und Departments vernetzt und fungieren aufgrund ihrer Aufgaben im Bereich Bestandsaufbau und -pflege sowie Informationskompetenzvermittlung als Ansprechpartner*innen für die Wissenschaftler*innen. Ein breites Verständnis von Informationsversorgung erlaubt es, Forschungsdaten(management) und Publikationsberatung durchaus als Teil des Fachreferats zu denken. Durch ihre Sensibilisierung für die Forschungsschwerpunkte der betreuten Fächer können Fachreferent*innen, wenn sie es schaffen, als kompetente Ansprechpartner*innen auch für neue Services etabliert zu werden, gerade auch bei den neuen Themen Aufgaben übernehmen und so ein Auseinanderdriften der Bibliothek verhindern.

3.2 Einbindung neuer Aufgabenfelder in bestehende Strukturen

Zentrale Aspekte des FDMs sind inzwischen an jeder Universität relevant. Je nach Art der Einrichtung kann es hier jedoch zu größeren Herausforderungen kommen, die durch historisch gewachsene Strukturen bedingt sind. Am Beispiel der LMU wird aufgezeigt, wie auch bei einem vielschichtigen und dezentralen Universitätsbetrieb das Thema FDM durch die lokale Universitätsbibliothek mitgestaltet und umgesetzt werden kann. Die LMU ist eine international anerkannte, forschungsstarke Universität mit einem überaus breiten fachlichen Spektrum in den Geistes- und Kulturwissenschaften, den Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, den Naturwissenschaften sowie der Medizin. Mit über 52.000 Studierenden und 780 Professor*innen gehört sie zu den größten Universitäten Deutschlands. Dies spiegelt sich in 18 Fakultäten sowie in zahlreichen inner- und überfakultären Forschungseinrichtungen wider. Dabei ist jede Fakultät finanziell sowie strukturell eigenverantwortlich organisiert. Dies schlägt sich auch auf den Bereich FDM nieder: Es gibt keine einheitlichen Infrastrukturen und Best Practices, die in den einzelnen Einrichtungen Anwendung finden. Deshalb ist es notwendig, zentrale Angebote zu schaffen, die den heterogenen Bedarfen aller Einrichtungen gerecht werden, sowie bereits existierende Angebote sichtbar zu machen und zu vernetzen. Dies ist ein schwieriges Unterfangen, dennoch sind dahingehend an der LMU erste wichtige Schritte getan: Als technische Grundlage für das FDM bietet die UB der LMU bereits seit 2010 mit Open Data LMU33 ein institutionelles Repositorium an, auf dem Universitätsangehörige ihre Forschungsdaten veröffentlichen können. In den letzten drei Jahren ist das Thema FDM an der UB der LMU zu einem zentralen Bestandteil des Service-Portfolios geworden und es wurden zahlreiche Angebote eingerichtet, die neben der reinen Datenveröffentlichung auch weitere Aspekte des FDMs umfassen.

Wegweisend war vor allem das Modellprojekt „eHumanities - interdisziplinär“34 (Projektbeteiligte: UB der FAU Erlangen-Nürnberg, UB der LMU, IT-Gruppe Geisteswissenschaften der LMU), in dessen Rahmen unter anderem eine Strategie für das FDM in den geisteswissenschaftlichen Fächern entwickelt und an den beteiligten Einrichtungen ein Tool zu Erstellung von Datenmanagementplänen (RDMO) eingeführt wurde. An der LMU wurden von der Universitätsbibliothek in enger Zusammenarbeit mit der interfakultären IT-Gruppe Geisteswissenschaften und Fachwissenschafter*innen insbesondere aus den Sprachwissenschaften, anhand eines Langzeitprojekts diverse Workflows und eine technische Infrastruktur zur Metadatenreferenzierung und damit zur nachhaltigen Erschließung eines umfangreichen Korpus an linguistischen Forschungsdaten entwickelt. Während im Modellprojekt der Fokus auf den (Digitalen) Geisteswissenschaften lag, wurden parallel auch, bspw. mit der Ende 2020 eingerichteten FDM-Beratungsstelle, Angebote für alle LMU-Angehörigen geschaffen. Besonders im Beratungsprozess wurde allerdings deutlich, dass vor allem fachspezifische Anfragen die Bibliotheken vor große Herausforderungen stellen. Da fachspezifische Fragestellungen und Herausforderungen jedoch zentrale Themen bei der FDM-Beratung sind, ist es wichtig, diese bspw. durch geeignete Kooperationen zu adressieren.

Im Folgenden werden einige Beispiele aufgezeigt, die bereits an der LMU umgesetzt wurden:

Beispiel 1: Servicestelle FDM-DH

Durch das erwähnte Projekt „eHumanities – interdisziplinär“ konnten an der LMU bereits umfangreiche FDM-Strukturen im Bereich der (Digitalen) Geisteswissenschaften aufgebaut werden. Zentraler Baustein ist die eigens dafür eingerichtete Servicestelle FDM-DH, die von Mitarbeitenden der UB der LMU und von fachlichen Expert*innen des Kompetenzzentrums IT-Gruppe Geisteswissenschaften (ITG) der LMU betreut wird. Hier wird Forschenden aus den geisteswissenschaftlichen Fakultäten die Möglichkeit gegeben, sich zu allen Angelegenheiten rund um das Thema FDM beraten und unterstützen zu lassen. Ergebnisse der Kooperation sind ein „Leitfaden für den Umgang mit Forschungsdaten in den digitalen Geisteswissenschaften an der Ludwig-Maximilians-Universität München“35, in dem sowohl von Seiten der Bibliothek als auch aus fachlicher Perspektive relevante Punkte des FDMs abgedeckt werden. Das gemeinsame Auftreten von ITG und UB wird zudem von einem eigenen Webauftritt36 und speziell entwickelten Beratungsworkflows37 begleitet, die den kompletten Datenlebenszyklus im Forschungsprozess – von der Antragsstellung bis hin zur Datenveröffentlichung bzw. -archivierung – abdecken. Forschende haben damit eine klare Anlaufstelle zu ihren FDM-Anfragen. Hinter den Kulissen besteht ein komplexes Netzwerk mit Kontakten in die Fakultäten, in das Kompetenz- und Datenzentrum sowie in die Bibliothek und damit zu den Fachreferaten. Je nach Inhalt und Umfang der FDM-Anfrage werden diese Stellen nach Bedarf mit einbezogen.

Beispiel 2: Netzwerke der Fachreferate nutzen

Wie am Beispiel der Servicestelle FDM-DH aufgezeigt, kann ein Netzwerk dieser Art den FDM-Prozess innerhalb einer Einrichtung deutlich erleichtern und beschleunigen. Jedoch existiert für die UB der LMU eine Kooperation dieser Art nur mit sehr wenigen Fakultäten. An allen Fakultäten fallen Forschungsdaten an, jedoch sind die Beratungsmöglichkeiten nicht geklärt bzw. nicht vollständig ausgeschöpft. Hier hat die UB der LMU jedoch den Vorteil, Kontakte in die einzelnen Fakultäten aufgebaut zu haben. Dies sind bspw. die Bibliothekskommissionen, in denen aktuelle und relevante Themen angesprochen werden können, die sich mit Fragen in der Bibliotheks- und Forschungslandschaft beschäftigen. In vielen Fällen sind die Fachreferent*innen auch vor Ort präsent und in die Strukturen der Institute und Departments eingebunden. Aufgrund ihrer fachlichen Qualifikation sind Fachreferent*innen mit den jeweiligen Forschungs- und Lehrschwerpunkten vertraut und werden durch laufende Weiterqualifizierung von den Fachwissenschaftler*innen als kompetente Ansprechpartner*innen wahrgenommen. Es bietet sich daher an, auch FDM-Themen regelmäßig bei diesen Treffen aufzugreifen bzw. über neue Entwicklungen und Services zu informieren. Eine Aufgabe, die Bibliotheken auch immer öfter – teilweise indirekt – betrifft, ist die Mit- bzw. Zuarbeit beim Stellen von Drittmittelanträgen. ERC, BMBF und DFG betonen die zentrale Rolle des Datenmanagements im Kontext der guten wissenschaftlichen Praxis sowie die Bedeutung der Verbreitung bzw. Veröffentlichung von Forschungsdaten. Hierbei werden Bibliotheken mit ihren Repositorien, Speicher- und (Langzeit-)Archivierungskonzepten sowie durch unterstützende Angebote bei der Erstellung von Datenmanagementplänen als natürliche Kooperationspartner angesehen. Dabei ist es wichtig, früh in Vorhaben einbezogen zu werden, damit über die gesamte Projektlaufzeit und darüber hinaus ein gutes Datenmanagement und schließlich eine adäquate Datenveröffentlichung ermöglicht werden können. Hier ist die Rolle der Fachreferent*innen ebenfalls zentral, da sie durch ihre Tätigkeiten idealerweise einen guten Einblick in den Forschungsalltag und in ihre Fachbereichen haben.

Die Größe einer Einrichtung wie der LMU München kann dabei eine Herausforderung sein: Die Bibliothek hat nicht die personelle Ausstattung, Embedded Librarians für die Vielzahl an laufenden (Drittmittel-)Forschungsprojekten zur Verfügung zu stellen. Im Rahmen einer Profilierung der Einrichtung Universitätsbibliothek ist es möglich, verschiedene innovative Projekte zu begleiten, aber nicht, diesen Service auf gesamtuniversitärer Ebene anzubieten. Daher ist es umso bedeutsamer, dass die Fachreferent*innen dazu beitragen, die notwendige Vernetzung zwischen einzelnen Projekten und den bibliothekarischen Services herzustellen.

Hier hat es sich als sinnvoll erwiesen, dass auch die FDM-Stellen die Fachreferent*innen über Anfragen und Projekte von Wissenschaftler*innen aus ihrem Fächerspektrum informieren, um ein einheitliches und informiertes Auftreten der Gesamtinstitution zu gewährleisten. Mit internen Weiterbildungen und Workshops wurde ein Prozess angestoßen, die Fachreferent*innen stärker für die Thematik Forschungsdaten zu sensibilisieren und sie so als Erstansprechpartner*innen gegenüber den Fächern zu stärken. Dies wird oft durch die Teilnahme bei und Durchführung von Veranstaltungen rund um Informationskompetenz unterstützt. Um diese Verbindungen aufzuzeigen und die FDM-Services bekannter zu machen, ist ebenfalls eine klare und zielgruppenorientierte Öffentlichkeitsarbeit notwendig. Darunter zählen an der UB der LMU die Bespielung von Social-Media-Kanälen und das Versenden von FDM-Updates in Form von Info-Mails.

Beispiel 3: Im Bereich Forschungsdatenmanagement (auch über die Grenzen
der eigenen Einrichtung hinaus) vernetzen

Im NFDI-Kontext spielen fachspezifische Grundlagen eine zentrale Rolle. Die UB der LMU engagiert sich durch die Bereitstellung von „Letters of Intent” und „Letters of Commitment” bei einer Reihe von NFDI-Konsortien und beteiligt sich in Arbeitsgruppen, die sich im Rahmen der NFDI mit Themen wie Metadatenmanagement oder Data Literacy beschäftigen. In fast jeder Fachrichtung werden durch die NFDI in den nächsten zehn Jahren zentrale Angebote aufgebaut sowie Standards entwickelt und etabliert. Ähnlich wie bei den Empfehlungen zur langfristigen Verfügbarkeit von Forschungsdaten (aktuell werden von vielen Forschungsförderern mindestens zehn Jahre empfohlen), lässt sich auch bei der NFDI vorerst nur spekulieren, wie die Forschungslandschaft nach 2030 aufgestellt sein wird. Fest steht jedoch, dass die konzeptionellen Arbeiten begonnen haben und in vielen Bereichen bereits zentrale Entscheidungen getroffen werden, die über das weitere Vorgehen entscheiden. Aufgrund der fachspezifischen Ausrichtung der 19 bisher bewilligten Konsortien und auch der Beteiligung von Staats- und Universitätsbibliotheken ist es empfehlenswert, für die FDM-Infrastruktur am eigenen Standort die Vernetzungsmöglichkeiten zwischen Fachreferat und Forschung zu nutzen und auch in Bezug auf die NFDI-Entwicklungen neu zu überdenken. In der aktuellen Phase, in der fast wöchentlich zentrale Weichen im Bereich FDM gestellt werden, ist es notwendig, die Fahrtrichtung im Blick zu behalten und ggf. „auf den richtigen Zug aufzuspringen“. Dies kann durch eine gute Kommunikation und Einbeziehung aller relevanten Stellen an den eigenen Einrichtungen begünstigt werden.

4 Fazit und Ausblick

Der digitale Wandel in der Wissenschaft stellt auch wissenschaftliche Bibliotheken vor tiefgreifende Herausforderungen, wenn sie ihrem Selbstverständnis als Informationsversorger weiter nachkommen wollen. Das Liefern von passgenauen Informationen besteht nur noch zum Teil aus konventioneller Fachreferatsarbeit, die auf die Beseitigung eines Mangels an Information durch Beschaffung von Literatur abzielt. Durch (Retro-)Digitalisierung, Open Access, Forschungsdatenmanagement etc. werden Bibliotheken ergänzend zu ihrer Rolle als Anbieter von Informationen immer mehr auch selbst mit zu Informationsproduzierenden. Damit kommt eine Vielzahl an neuen Aufgabengebieten hinzu, für deren Bewältigung (nicht nur) im höheren Dienst bzw. in der QE4 Kompetenzen benötigt werden, die über den traditionell bibliothekarischen Hintergrund hinausgehen.

Dabei bewegt sich die Einrichtung Bibliothek in einem zunehmend unübersichtlichen Feld von verschiedenen Akteuren und Organisationen, sowohl in der eigenen Universität als auch in der übergreifenden Forschungsinfrastrukturlandschaft (WR, RfII, DFG, BMBF etc.). Die bislang im Fachreferat vollzogene Erwerbungs- und Erschließungsarbeit wird keineswegs obsolet, denn vor allem die formale und inhaltliche Erschließung von Daten ist gerade auch im FDM-Kontext von großer Bedeutung. Es ist jedoch davon auszugehen, dass die die konventionelle Literaturversorgung betreffenden Tätigkeiten zukünftig zugunsten neuer forschungsnaher Dienstleistungen weniger Zeit in Anspruch nehmen werden.

Gerade angesichts dieser Entwicklungen ist die Etablierung bibliothekswissenschaftlich fundierter Informationsdienste ein Schlüsselbereich für Bibliotheken. Am Beispiel der Forschungsdatenservices an der UB der LMU wurden im vorliegenden Artikel Überlegungen angestellt, wie auf adäquate Weise lokal auf diese übergreifenden Handlungsfelder reagiert werden könnte. Auch wenn die Veränderungen alle Bereiche und Positionen der Bibliothek betreffen werden, konnte der wissenschaftliche Bibliotheksdienst und insbesondere das Aufgabenfeld des Fachreferats als Schlüsselposition identifiziert werden. Dabei zeigt sich insbesondere am Beispiel des Fachreferats, dass dessen genuine Aufgabe, nämlich die Bildung einer funktionierenden Schnittstelle zwischen Bibliothek und Wissenschaft, keineswegs an Bedeutung verliert, sondern in einem an Dienstleistungsbedarfen zunehmenden Wissenschaftssystem noch zentraler werden wird; damit agieren Fachreferate gewissermaßen als „Vertrieb“ der Bibliothek. Dieser ist gerade durch die zunehmende Unübersichtlichkeit in der Informationsinfrastrukturlandschaft unbedingt nötig, denn oftmals existieren hervorragende Services in den Bibliotheken, die nicht genutzt werden, weil die Zielgruppen sie nicht kennen. Das Resultat ist, dass die Wissenschaftler*innen zu anderen Dienstleistern abwandern, nicht weil deren Angebot besser ist, sondern einfach nur, weil sie sichtbarer sind.

„Vertrieb“ bedeutet im Kontext von Bibliotheken das Identifizieren von Stakeholdern, die Neugewinnung von Kooperationspartnern, das Knüpfen von Kontakten und Netzwerken und zuletzt die Betreuung und Bindung von Wissenschaftler*innen. Durch ihre fachnahen Tätigkeiten und ihre disziplinspezifische Qualifikation sind Fachreferent*innen für diese Aufgabe prädestiniert. Sie haben qua Definition eine gute Verbindung zum Fach und können auf Augenhöhe mit den Wissenschaftler*innen kommunizieren. Diese wesentliche Stärke des Fachreferatesystems sollte nicht nur nicht vergessen, sondern gewinnbringend in den „Vertrieb“ der Bibliotheksservices eingebracht werden. Die Quantität und Qualität der von Fachreferent*innen kuratierten Informationen verändern sich, nicht aber das grundsätzliche Aufgabenportfolio. Die Informationsversorgung bleibt Kernaufgabe der wissenschaftlichen Bibliothek und dafür wird es auch zukünftig Personen brauchen, für die Vernetzung und Kommunikation primäres Aufgabenfeld ist.

Um die Rolle als Informationsversorger für die Spitzenforschung in einer digitalisierten Welt weiterhin wahrnehmen zu können, müssen Bibliotheken näher an die Forschung herantreten. Die Entwicklung neuer Formate für diese Vernetzung der Einrichtung Bibliothek mit einer immer stärker in Projekten organisierten Wissenschaft ist eine der drängendsten bibliothekarischen Aufgaben der kommenden Jahre. Eine solche Re-Positionierung der Institution Bibliothek als forschungsorientierte Informationseinrichtung innerhalb des universitären Ökosystems wird nicht zuletzt von Fachreferent*innen getragen werden. Hier liegt großes Potential – es wäre schade, diese Chance nicht zu nutzen.

Literaturverzeichnis

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1 Vgl. Deutsche Forschungsgemeinschaft: Digitaler Wandel in den Wissenschaften, 2020. Online: <https://doi.org/
10.5281/zenodo.4191345
>.

2 Vgl. dazu die Diskussion um die „cultures of scarcity” bzw. „abundance”: Rosenzweig, Roy: Scarcity or Abundance?
Preserving the Past in a Digital Era, in: American Historical Review 108 (3), June 2003, S. 735–762. 

3 Vgl. Toffler, Alvin: Future Shock, New York 1970.

4 Vgl. Bawden, D.; Holtham, C; Courtney, N.: „Perspectives on information overload“, in: Aslib Proceedings 51 (8), 1999, S. 249–255. Online: <https://doi.org/10.1108/EUM0000000006984>.

5 Einstieg in die komplexen Diskussionen bietet der von Irmgard Siebert und Thorsten Lemanski herausgegebene
Sammelband zur Berufsbilddebatte Siebert, Irmgard; Lemanski,Thorsten: Bibliothekare zwischen Verwaltung und Wissenschaft – 200 Jahre Berufsbilddebatte, Frankfurt 2015.

6 Vgl. Brintzinger, Klaus-Rainer: Wissenschaft, Berufsbild und Fachreferat, in: Siebert, Irmgard; Lemanski, Torsten (Hg.):
Bibliothekare zwischen Verwaltung und Wissenschaft. 200 Jahre Berufsbilddebatte, Frankfurt 2014, S. 237–260.

7 Vgl. Barth, Dirk; Brugbauer, Ralf: Zwischen Fachreferat, Management und Informationstechnologie. Zur Berufswirklichkeit des wissenschaftlichen Dienstes in universitären Bibliothekssystemen, in: Siebert, Irmgard; Lemanski,
Torsten (Hg.): Bibliothekare zwischen Verwaltung und Wissenschaft. 200 Jahre Berufsbilddebatte, Frankfurt 2014,
S. 81–98. Die Auswirkungen der Digitalisierung auf das Arbeiten haben sich seit 2014 weiter verändert.

8 Bonte, Achim: Der wissenschaftliche Dienst in der Digitalen Bibliothek. Was kommt nach dem Fachreferentensystem? 2014. Online: <https://de.slideshare.net/Achim_Bonte/der-wissenschaftliche-dienst-in-der-digitalen-bibliothek-was-kommt-nach-dem-fachreferentensystem-39650127>, Stand: 07.02.2022. Vgl. auch die Studie von Inka Tappenbeck und Achim Oßwald: Tappenbeck, Inka; Oßwald, Achim: Fachliche Informationsberatung. Perspektiven für eine Neuorientierung der Fachreferatsarbeit, in: Siebert, Irmgard; Lemanski, Torsten (Hg.): Bibliothekare zwischen Verwaltung und Wissenschaft. 200 Jahre Berufsbilddebatte, Frankfurt 2014, S. 159–172.

9 VDB: Kommission für Fachreferatsarbeit, Online: <https://www.vdb-online.org/kommissionen/fachreferat/>,
Stand: 07.02.2022.

10 Vgl. Gantert, Klaus: Bibliothekarisches Grundwissen, München 2016, S. 39, 139; Tappenbeck, Inka; Oßwald, Achim: Fachreferat. (K)ein Ziel des bibliotheks- und informationswissenschaftlichen Masterstudiums, 2012. Online: <https://
docserv.uni-duesseldorf.de/servlets/DerivateServlet/Derivate-22426/Tappenbeck_Osswald_Duesseldorf_2703
2012_end.pdf
; https://blog.hapke.de/libraries-in-general/ein-blick-auf-das-fachreferat-in-bibliotheken/>, Stand: 07.02.2022; <https://www.bib-info.de/ausbildung/berufsbilder/wissenschaftliche-bibliothekare-bibliothekarinnen>, Stand: 07.02.2022.

11 Die Ausbildung der Fachreferentin/des Fachreferenten ist durch verschiedene Laufbahnreformen und eine Demokratisierung des Zugangs kaum zu generalisieren. Grundsätzlich wird ein Hochschulstudium auf Master-Niveau und häufig eine bibliothekswissenschaftliche Weiterbildung beispielsweise im Rahmen eines Referendariats oder eines postgradualen bibliothekswissenschaftlichen Studiums vorausgesetzt.

12 Deutscher Bibliotheksverband e.V.: Wissenschaftliche Bibliotheken 2025 (beschlossen von der Sektion 4 „Wissen­-
schaftliche Universalbibliotheken“), 2018. Online: <https://dbv-cs.e-fork.net/sites/default/files/2021-08/2018_
02_27_WB2025_Endfassung_endg.pdf
>, Stand: 07.02.2022. Vgl. bspw. auch den Themenschwerpunkt zum Frame­-
work for Information Literacy for Higher Education in o-bib 8 (2), 2021. Online: <https://doi.org/10.5282/o-bib/
2021H2
>.

13 Deutscher Bibliotheksverband e.V.: Wissenschaftliche Bibliotheken 2025 (beschlossen von der Sektion 4 „Wissen-
schaftliche Universalbibliotheken“), 2018. Online: <https://dbv-cs.e-fork.net/sites/default/files/2021-08/2018_02_
27_WB2025_Endfassung_endg.pdf
>, Stand: 07.02.2022.

14 Stille, Wolfgang et al.: Forschungsunterstützung an Bibliotheken. Positionspapier der Kommission für forschungsnahe Dienste des VDB, in: o-bib 8 (2), 2021. Online: <https://doi.org/10.5282/o-bib/5718>; Wissenschaftsrat: Empfehlungen zur Transformation des wissenschaftlichen Publizierens zu Open Access, Köln 2022. Online: <https://www.wissenschaftsrat.de/download/2022/9477-22.pdf>, Stand: 07.02.2022.

15 Diese Aufzählung ist auch als FAIR-Prinzipien bekannt, vgl. <https://www.go-fair.org/fair-principles/>, Stand: 07.02.2022.

16 Vgl. Rothfritz, Laura: Data Stewardship als Boundary-Work, Berlin 2019, S. 9. Online: <https://doi.org/10.18452/
20636
>.

17 Breuer, C., Trilcke, P.: Die Ausweitung der Wissenschaftspraxis des Publizierens unter den Bedingungen des digitalen
Wandels, Herausgegeben von der Arbeitsgruppe »Wissenschaftspraxis« im Rahmen der Schwerpunktinitiative »Digi-
tale Information« der Allianz der deutschen Wissenschaftsorganisationen, 2021, S.13. Online: <https://doi.org/10.48
440/allianzoa.041
>.

18 Vgl. Rösch, Hermann: 1.5 Forschungsethik und Forschungsdaten, in: Putnings, Markus; Neuroth, Heike; Neumann,
Janna (Hg.): Praxishandbuch Forschungsdatenmanagement, Berlin, Boston 2021, S. 136. Online: <https://doi.org/
10.1515/9783110657807-006
>.

19 Siehe: forschungsdaten.org: FDM-Kontakte. Online: <https://www.forschungsdaten.org/index.php/FDM-Kontakte>, Stand: 07.02.2022.

20 Vgl. Petras, Vivien; Kindling, Maxi; Neuroth, Heike; Rothfritz, Laura: Digitales Datenmanagement als Berufsfeld im
Kontext der Data Literacy, in: ABI Technik 39 (1), 2019, S. 26–33. Online: <https://doi.org/10.1515/abitech-2019-
1005
>.

21 Vgl. Rothfritz, Laura: Data Stewardship als Boundary-Work, Berlin 2019, S. 9. Online: <https://doi.org/10.18452/
20636
>.

22 Vgl. Petras, Kindling et al., S. 28.

23 RfII – Rat für Informationsinfrastrukturen: Leistung aus Vielfalt. Empfehlungen zu Strukturen, Prozessen und Finan-
zierung des Forschungsdatenmanagements in Deutschland, Göttingen 2016. Online: <https://d-nb.info/1104292440/
34
>, Stand: 07.02.2022.

24 Vgl. Petras, Kindling et al., S. 33.

25 Einen Einblick in die zunehmende Anzahl an Ausschreibungen und ihren Inhalt gibt folgende Untersuchung. Kalová, Terena; Gänsdorfer, Nikas: Die Rolle von Data Stewards: Analyse aktueller Stellenausschreibungen. FAIR Data Austria 2021, Online: <https://doi.org/10.25365/phaidra.286>.

26 Siehe: RfII – Rat für Informationsinfrastrukturen: Digitale Kompetenzen – dringend gesucht! Empfehlungen zu Berufs- und Ausbildungsperspektiven für den Arbeitsmarkt Wissenschaft, Göttingen 2019. Online: <https://rfii.de/download/digitale-kompetenzen-dringend-gesucht/>, Stand: 07.02.2022.

27 Vgl. Tappenbeck, Inka: Wissenschaftlicher Dienst im Wandel? Eine Bestandsaufnahme am Beispiel der Universitätsbibliotheken in Nordrhein-Westfalen, in: Meinhardt, Haike, Tappenbeck, Inka (Hg.): Die Bibliothek im Spannungsfeld. Geschichte - Dienstleistungen - Werte. Festschrift für Hermann Rösch, Bad Honnef 2019, S. 129–140.

28 Bonte, Achim: Befähigung im Wandel. Personalgewinnung und -entwicklung in deutschen Bibliotheken, in: Bibliothek
Forschung und Praxis 41 (1), 2017. Online: <https://doi.org/10.1515/bfp-2017-0014>.

29 Blaser-Meier, Susanna, Embedded Librarianship und Forschungsdatenmanagement in den Geisteswissenschaften, Berlin 2019. Online: <https://doi.org/10.5167/uzh-177349>.

30 Stille, Wolfgang et al., Forschungsunterstützung an Bibliotheken. Positionspapier der Kommission für forschungsnahe Dienste des VDB, o-bib 8 (2), 2021, Online: <https://doi.org/10.5282/o-bib/5718>.

31 Vgl. Online: <https://www.vdb-online.org/kommissionen/fachreferat/>, Stand: 07.02.2022.

32 Klein, Annette: Zur Rolle der Wissenschaftlichen Bibliothekare an der UB Mannheim, in: Siebert, Irmgard; Lemanski, Torsten (Hg.): Bibliothekare zwischen Verwaltung und Wissenschaft. 200 Jahre Berufsbilddebatte, Frankfurt 2014,
S. 147–158.

33 Siehe: <https://data.ub.uni-muenchen.de/>, Stand: 07.02.2022.

35 Vgl. IT-Gruppe Geisteswissenschaften, Universitätsbibliothek der LMU München: Leitfaden für den Umgang mit
Forschungsdaten in den digitalen Geisteswissenschaften an der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU), München 2020. Online: <https://doi.org/10.5282/ubm/epub.72675>.

36 Siehe: <https://fdm.ub.uni-muenchen.de/>, Stand: 07.02.2022.

37 Vgl. Servicestelle FDM-DH et al.: Workflows für das Forschungsdatenmanagement (FDM) in den Digital Humanities an der LMU München (LMU), München 2021. Online: <https://doi.org/10.5281/zenodo.5031603>.