Zu Artikeldetails zurückkehren Bibliothekare und Data Librarians – neue Profile für das bibliothekarische Fachpersonal der Zukunft
TK1-Fuehles-Ubach

Themenkreis „Fokus Politik & Gesellschaft“

Bibliothekare und Data Librarians – neue Profile für das bibliothekarische Fachpersonal der Zukunft1

Simone Fühles-Ubach, TH Köln

Zusammenfassung:

Alle sieben Jahre werden Bachelor-Studiengänge neu akkreditiert und dabei strukturell und inhaltlich den neuesten Entwicklungen der jeweiligen Berufsbilder angepasst. Wie sieht das zukünftige Profil eines Studierenden der Bibliothekswissenschaft aus und kann ein einziges Berufsbild den Anforderungen der Zukunft noch genügen? – Aufgegriffen wurden diese Fragen im Rahmen einer Studienreform am Institut für Informationswissenschaft (IWS) der TH Köln. Im Vordergrund einer sogenannten „Curriculumwerkstatt“ standen die zukünftigen Absolventenprofile der Studierenden, die nicht nur aus dem Blickwinkel der Lehrerenden entwickelt wurden, sondern in einem mehrstufigen Verfahren ebenso von Bibliotheksleitungen, Ausbilderinnen und Ausbildern und Studierenden wesentlich mitgestaltet wurden. Zentrales Ergebnis aller Gespräche und Workshops war, dass zahlreiche neue Themen für Absolventinnen und Absolventen erforderlich sind und daher eine einzige Studiengangausrichtung nicht mehr ausreichend sein kann.

Summary:

Bachelor’s degree programmes are newly accredited every seven years and adapted to the latest developments in their respective careers in terms of structure and content. What is the future profile of a library science student and can a single job profile still meet the requirements of the future? These questions were addressed in the context of a study reform at the Institute for Information Science of the TH Köln. At the centre of a so-called “curriculum workshop” were the future graduate profiles of the students, which were not only developed from the perspective of the teachers, but were also significantly shaped by library management, trainers and students in a multi-stage process. The central result of all conversations and workshops was that numerous new topics are necessary for graduates and therefore a single course of study can no longer be sufficient.

Zitierfähiger Link (DOI): https://doi.org/10.5282/o-bib/2018H4S7-17

Autorenidentifikation: Fühles-Ubach, Simone: GND: 115700560; ORCID: https://orcid.org/0000-0001-5985-739X

Schlagwörter: Studienreform; Bibliothekswissenschaft; Data and Information Science; Curriculum

1. Warum eine Studienreform?

Der reguläre Turnus, in dessen Verlauf Studiengänge neu- oder reakkreditiert werden, liegt bei sieben Jahren. Das Kollegium des Instituts für Informationswissenschaft (IWS) der TH Köln hat sich jedoch dafür entschieden, etwa zwei Jahre vor Ablauf dieser Zeit in den Prozess der Studienreform einzusteigen. Damit sollte den gravierenden Veränderungen in der Praxis des Bibliotheks- und Informationsbereichs und in der scientific community Rechnung getragen werden. Auch wurde gesehen, dass Institutionen mitunter recht plötzlich vor der Herausforderung durch einen von außen erzwungenen massiven Wandel stehen. Beispielhaft seien hier die äußerst schwierige Lage der ZB Med in Köln und Bonn oder die Situation der Informationswissenschaft an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf genannt, deren Studiengänge 2022 auslaufen.

Gleichzeitig diente dieser Prozess auch der Sicherung der Zukunftsfähigkeit und der strategischen Positionierung des Instituts innerhalb der TH Köln. Bisher galt die Content- und Recherche-Orientierung als die Kernkompetenz des Instituts für Informationswissenschaft mit seinen Bachelor-Studiengängen „Bibliothekswissenschaft“, „Angewandte Informationswissenschaft“ und „Online-Redakteur“. Diese Kernkompetenz wird zukünftig in allen Studiengängen um den Bereich „Daten“ erweitert und ergänzt werden. In wissenschaftlichen Bibliotheken entwickelt sich das Feld der Forschungsdaten seit mehr als 10 Jahren als eigener Zweig.2 Die Informationswissenschaft, die bisher den Aspekt „Information“ in den Vordergrund stellte, hat mit dem Feld „Daten“ bzw. „Data Literacy“ einen weiteren Schwerpunkt ins Blickfeld gerückt. „Data literacy ist die Fähigkeit, planvoll mit Daten umzugehen und sie im jeweiligen Kontext bewusst einsetzen und hinterfragen zu können. Dazu gehört: Daten zu erfassen, erkunden, managen, kuratieren, analysieren, visualisieren, interpretieren, kontextualisieren, beurteilen und anzuwenden.“3 Die Online-Redakteure und -Redakteurinnen haben nicht zuletzt durch das sich entwickelnde Spezialfeld „Daten-Journalismus“ ebenfalls neue Perspektiven erhalten. Dies ist eine Form des Journalismus, die „Daten zum zentralen Gegenstand der Berichterstattung macht. Datenjournalismus umfasst neben der Recherche in Datenbanken auch die Analyse, Validierung, Visualisierung und Publikation von Daten.“4 Neben dem Content werden zukünftig also die verschiedenen Dimensionen des Forschungsfeldes „Daten“ in den Vordergrund treten, um die Absolventinnen und Absolventen auch weiterhin mit den geforderten Kompetenzen entsprechend der sich wandelnden Anforderungen auszustatten.5

Es gab auch interne Ursachen für Veränderungsbedarf. So erfordert ein sich erweiterndes inhaltliches Spektrum strukturelle und personelle Synergien, wenn mit ähnlich großem Kollegium neue Aufgaben übernommen und gestaltet werden müssen. Parallel zu diesen Überlegungen haben sich auch die Bewerberzahlen und die Abbrecherquoten in den vergangenen Jahren nicht nur positiv entwickelt, so dass auch dieser Trend für die Notwendigkeit einer inhaltlichen Veränderung sprach.

2. Curriculumwerkstatt: Studienreform vom Kopf auf die Füße gestellt

In einer Curriculumwerkstatt wird die Herangehensweise an die Entwicklung neuer Studiengänge vollständig verändert: In früheren Prozessen starteten die Überlegungen häufig bei den Forschungsschwerpunkten und Kompetenzen der Kolleginnen und Kollegen, die dann auch das Fächerspektrum, die Veranstaltungen und letztlich die Kenntnisse der Studierenden bestimmt haben.

Jetzt wird der Prozess umgekehrt: Im ersten Schritt wird ein Absolventenprofil der zukünftigen Studierenden erarbeitet. Zentrale Frage ist: Was sind die geforderten Kernkompetenzen? Im konkreten Fall: Was müssen Bibliothekarinnen und Bibliothekare zukünftig können (und was nicht mehr)? Wie kann eine zukunftsorientierte, ebenso spezialisierte wie zugleich breite Berufsausrichtung gelingen? Über die gewünschten Kompetenzen und die didaktisch angemessenen Lehr- und Prüfungsformen werden die Fächer erkannt, die im Zentrum stehen müssen, und sodann dem Kollegium zugeordnet.

Der Hochschulentwicklungsplan 2020 der TH Köln stellt die Kompetenzorientierung in den Fokus ihrer Bildungs- und Entwicklungsziele,6 wie dies seit mehreren Jahren auch von der Hochschulrektorenkonferenz gefordert wird.7 Zentraler Aspekt ist dabei die Ausrichtung der Hochschulbildung auf die sogenannte „Employability“ der Studierenden und damit auf die aktuellen und zukünftigen Entwicklungen der Arbeitswelt. Das Instrument, um eine kompetenzorientierte Studiengangsentwicklung zu erreichen, ist eine Curriculumwerkstatt, die an der TH Köln mit verschiedenen Prozessschritten für alle neuen Studiengänge in einer spezifischen Form definiert wurde. Eine Besonderheit liegt darin, dass der Weg zu einem Absolventenprofil nicht eindimensional aus der internen Lehrendenperspektive, sondern aus einer multi-perspektivischen Betrachtung erarbeitet wird, wie die folgende Grafik verdeutlicht.

Abb. 1: Kompetenzorientierte Studiengangsentwicklung

Stufe 1: Binnensicht / Perspektive Lehrende

Zunächst erfolgte eine kritische Reflektion von Inhalt und Struktur der derzeitigen Studiengänge und die Erarbeitung einer Stärken- und Schwächenanalyse (SWOT), um erste Ansatzpunkte für Veränderungen und Verbesserungen zu ermitteln. Darüber hinaus wurde eine Sichtung von Daten und Publikationen zur Arbeitsmarktsituation, von Stellenausschreibungen und aktuellen Positionspapieren aus Verbänden und Industrie vorgenommen,8 um die sich ändernden zukünftigen Rahmenbedingungen und Erwartungen aus dem Arbeitsmarkt gezielt zu erfassen.

Die folgenden Stufen 2 bis 4 wurden innerhalb von zwei Monaten in Form mehrerer Zukunftswerkstätten durchgeführt, die zeitlich nacheinander stattfanden und deren Ergebnisse für die jeweils nächste Zukunftswerkstatt wiederum die Grundlage bildeten. Der Abstand lag bei 2-3 Wochen und die Dauer einer Zukunftswerkstatt war auf 4-6 Stunden festgelegt. Der grundlegende Ablauf wird hier kurz skizziert: In der Startphase besteht u.a. die Möglichkeit, Kritik an bestehenden Inhalten und Strukturen zu äußern, was in der Regel den Bedarf für einen Änderungsprozess noch einmal klar vor Augen führt. Das anschließend zu formulierende Idealbild soll die bestmögliche vorstellbare Situation beschreiben. Dahinter steht die Absicht, sich nicht frühzeitig in seinen eigenen Vorstellungen von bestehenden Rahmenbedingungen limitieren zu lassen. Die Orientierung an der Realität findet in der letzten Phase statt, in der geprüft wird, wie viel von der Idealvorstellung sich auch in der Praxis umsetzen lassen würde. Die folgende Grafik skizziert die Vorgehensweise.

Abb. 2: Zukunftswerkstatt

Stufe 2: Außensicht / Perspektive Bibliotheksleitungen und IT-Verantwortliche

Methodisch moderiert durch ein Team von 1-2 Kolleg/inn/en aus dem Zentrum für Lehrentwicklung (ZLE) der Hochschuldidaktik der TH Köln wurde eine halbtägige Zukunftswerkstatt mit ca. 20 Vertreterinnen und Vertretern aus Öffentlichen (ÖB) und Wissenschaftlichen Bibliotheken (WB) unterschiedlicher Größenordnung, Fachstellen und Spezialbibliotheken veranstaltet. Die bisherigen Studieninhalte wurden vorstellt und auf ihre Zukunftsfähigkeit hin analysiert. Gleichzeitig wurden neue Bedarfe artikuliert, Streichungen vorgeschlagen und abschließend die Inhalte themenspezifisch gesammelt und geclustert.

Bereits nach dieser ersten Zukunftswerkstatt zeichneten sich – ebenso wie bei der vorherigen Diskussion im Kollegium (Stufe 1) – folgende Punkte ab:

  • Die Möglichkeit einer deutlicheren Schwerpunktsetzung nach Bibliothekssparten (WB, ÖB) aufgrund der sich immer stärker vollziehenden Ausdifferenzierung von Wissenschaftlichen und Öffentlichen Bibliotheken und den sich daraus ergebenden unterschiedlichen Kompetenzprofilen.
  • Der Bedarf für die Entwicklung eines neuen Profils für einen „Data Librarian“ (DaLi), d.h. einen hoch IT-affinen Spezialisten im Bereich von Repositorien, Forschungsdaten, eScience-Prozessen und anderen neuen, datenbasierten Aufgabenfeldern in Wissenschaftlichen Bibliotheken.

Stufe 3: Außensicht / Perspektive Ausbildungsleitung

Im Treffen mit den Ausbildungsleiterinnen und -leitern von Bibliotheken (Schwerpunkt Nordrhein-Westfalen) stand die Zuordnung von Kompetenzen und Kompetenzniveaus (Basis / Fortgeschritten) zu den bisher festgehaltenen Spezialisierungen ÖB, WB und DaLi im Vordergrund. Diskutiert wurden die Unterschiede zwischen Öffentlichen und Wissenschaftlichen Bibliotheken z.B. in den Bereichen der Formalerschließung (u.a. RDA), Informationskompetenz oder Bibliotheksmanagement.

Stufe 4: Innensicht / Perspektive Studierende

Die Zukunftswerkstatt mit den Studierenden bezog sich in der Hauptsache auf das Erleben und die Wahrnehmung des aktuellen Studiengangs, seiner Organisation (u.a. Praxisphase) und seiner inneren Struktur der Aufeinanderfolge der Module. Gleichzeitig wurden die Vorschläge der Leitungen sowie der der Ausbildungsleitungen thematisiert und mit den Vorstellungen der Studierenden abgeglichen.

3. Ergebnis: Ein neuer Schwerpunkt in einem anderen Studiengang

Die Zusammenfassung der internen und externen Ergebnisse ergab, dass insbesondere in wissenschaftlichen Bibliotheken zukünftig ein großer Bedarf an IT- bzw. Daten-Spezialist/inn/en entstehen wird, deren IT-Kenntnisse weit über Zusatzkenntnisse in Form von einzelnen Modulen hinausreichen. Der Studienschwerpunkt „Data Librarian“ wurde damit als eine Spezialisierungsoption des Studiengangs „Data and Information Science“ konzipiert. Die zweite Schwerpunktoption lautet „Data Analyst“.

Auf diese Weise entstanden die beiden neuen Bachelor-Studiengänge

  • BA „Data and Information Science“ mit den Schwerpunkten „Data Librarian“ oder „Data Analyst“ sowie
  • BA „Bibliothek und digitale Kommunikation“ mit den Schwerpunkten „Öffentliche Bibliothek (ÖB)“ oder „Wissenschaftliche Bibliothek (WB)“

3.1. BA „Data and Information Science“

Der BA-Studiengang „Data and Information Science“ ist in den ersten drei Semestern fachlich einheitlich ausgerichtet, bevor er sich in der Praxisphase im vierten Semester in die bereits erwähnten zwei Richtungen ausdifferenziert. Die Studienausprägung des „Data Analyst“ orientiert sich stark an den Bedürfnissen von Privatwirtschaft bzw. Industrieunternehmen, während der „Data Librarian“ an den Bedürfnissen der Wissenschaft und hier insbesondere der Wissenschaftlichen Bibliotheken ausgerichtet ist. Der „Data Librarian“ stellt ein völlig neues Berufsbild in Bibliotheken und Informationseinrichtungen dar. Eine solche Fachkraft kümmert sich als Daten-Spezialist/in um den gesamten v.a. technisch zu organisierenden Lebenszyklus von Forschungsdaten und den zugehörigen IT-Systemen in den verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen. Der Studienschwerpunkt „Data Analyst“ hingegen berücksichtigt unter anderem die gestiegene Bedeutung von Auswertung und Analyse von wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Daten (Stichwort „Big Data“).

In den ersten drei Semestern, die in Abbildung 3 durch den roten Rahmen hervorgehoben sind, ist das Studium ausschließlich auf den Bereich Daten und IT fokussiert. Die Studienmodule sind mit jeweils 6 ECTS belegt, so dass in jedem Semester 30 ECTS erlangt werden können. Erst im vierten Semester erfolgt in einer sechsmonatigen Praxisphase die Entscheidung für den Schwerpunkt „Data Librarian“ oder „Data Analyst“.

Abb. 3: Vorläufiges Curriculum des BA Data and Information Science

Das Praxissemester besteht aus einem Vorbereitungs- und einem Nachbereitungsmodul und erbringt insgesamt ebenfalls 30 ECTS. Studierende des Schwerpunkts „Data Librarian“ lernen dann den bibliothekarischen Betrieb mit seinen Spezifika kennen. Die fachliche Vertiefung erfolgt im fünften und sechsten Semester in Form von Projekten und Fachmodulen, die z.B. auch mit den Studierenden aus dem Schwerpunkt „Wissenschaftliche Bibliothek“ gemeinsam besucht werden, wie etwa das Modul „Forschungsdaten“. Studierende des Schwerpunkts „Data Analyst“ haben ein entsprechend anderes Curriculum in den späteren Semestern und vor allem auch thematisch andere Projektthemen, die privatwirtschaftliche Aspekte in den Vordergrund stellen.

ASC steht für „Activities and Social Credits“.10 In diesem Modul haben die Studierenden die Gelegenheit, ihre überfachlichen Kompetenzen gezielt auf ihr künftiges Berufsbild hin weiterzuentwickeln. Auf der Grundlage einer Analyse der berufsfeldspezifischen überfachlichen Kompetenzen (Soll-Profil) und der Erstellung eines persönlichen Ist-Profils, z.B. mit dem Kompetenzcheck der TH Köln unter http://kompass.web.th-koeln.de, identifizieren die Studierenden Kompetenzbereiche, in denen sie persönlichen Entwicklungsbedarf sehen. Die Farben in der Grafik stehen für die inhaltlich zusammenhängenden Handlungsfelder der Module und sind in der nebenstehenden Legende erläutert.

3.2. BA „Bibliothek und digitale Kommunikation“

Die zunehmende Digitalisierung aller bibliothekarischen Praxisfelder führt zum Verschwinden analoger Prozesse und zu einer zunehmenden Datenorientierung. Im bibliothekarischen Bereich zeigt sich dies bei den Wissenschaftlichen Bibliotheken in der Scholarly Communication, d.h. in der bibliothekarischen Begleitung des gesamten Forschungsprozesses von der Idee bis zur Veröffentlichung. Dazu zählen nicht nur Aspekte wie Forschungsdatenmanagement, sondern auch Publikationsberatung, Bereitstellung von Repertorien u.ä. In Öffentlichen Bibliotheken spielen insbesondere bestands- und verwaltungsbezogene Daten im Sinne der hybrider werdenden Bestände eine größere Rolle. Zunehmend wichtig wird auch die Kommunikationsfähigkeit der Absolventinnen und Absolventen: Kommunikation mit Stakeholdern und den Kolleginnen und Kollegen im Kontext der innovativen Weiterentwicklung von Dienstleistungen, Kommunikation aber auch im Sinne der Vermittlung von digitalen Kompetenzen an die verschiedenen Zielgruppen und Kund/inn/en vor dem Hintergrund von Community Building, Teilhabe, Bürgerpartizipation und kommunaler Vernetzung zwischen den Bildungseinrichtungen.

Diese stärkere Kommunikationsorientierung zieht sich durch das gesamte Curriculum und trägt bzw. trug auch zur Entscheidung bei, die „digitale Kommunikation“ in den Studiengangsnamen aufzunehmen. Bereits vor der Aufnahme des Studiums soll Interessierten klar signalisiert werden, dass – im Gegensatz zum sich hartnäckig haltenden Klischee eines „stillen“ Berufsbildes – eine ausgeprägte Kommunikationsfähigkeit unabdingbare Voraussetzung für die erfolgreiche Berufsausübung darstellt, z.B. für die Vertretung bibliotheksspezifischer Positionen nach außen.

Abb. 4: Vorläufiges Curriculum des BA Bibliothek und digitale Kommunikation

In den ersten drei Semestern – hervorgehoben wiederum durch den roten Rahmen – ist das Studium rein auf die bibliothekarischen Grundlagen fokussiert. Der Studiengang bietet die Möglichkeit, sich bereits ab dem vierten Semester in Richtung eines Schwerpunktes zu orientierten. Damit wird berücksichtigt, dass in wissenschaftlichen zunehmend andere Kompetenzen als in öffentlichen Bibliotheken gefragt sind: Die Verhandlung von elektronischen Lizenzen und Publikationsberatung für Wissenschaftler verlangen andere Fähigkeiten als die Leseförderung mit Kindern oder Veranstaltungsmanagement.

Daher können die Studierenden einen Schwerpunkt wählen, müssen dies jedoch nicht zwingend, wenn sie noch keine Entscheidung treffen können oder wollen. Folgende Studienprofile stehen zur Auswahl:

  • Allgemeiner Abschluss
  • Public Education und Community Communication - Schwerpunkt Öffentliche Bibliothek (ÖB)
  • Digital Scholarship und Scholarly Communication - Schwerpunkt Wissenschaftliche bzw. Spezialbibliothek (WB)

Grundsätzlich gilt, dass bei Vorliegen von 60 ECTS ein Schwerpunkt im Studium anerkannt werden kann, der auf dem Zeugnis ausgewiesen wird. Projekt / WP bedeutet, dass die Projekte zum Wahlpflichtbereich gehören, d.h. grundsätzlich ein Projekt zu wählen ist, das entsprechend des gewünschten Schwerpunktes ausgewählt werden kann.

Die Absolvierenden des Bachelorstudiengangs sind in der Lage, bibliothekarische Aufgaben innovativ zu lösen. Sie können strategische Konzepte entwickeln, umsetzen und evaluieren. Die IT-Grundlagen gehen stärker als bisher in den Bereich der fortgeschrittenen Anwendung und stellen gleichzeitig auch Internet- und Social Media Anwendungen in den Fokus. Das Praxissemester wird erst im fünften Semester absolviert, um so dem Wunsch der Bibliotheksleitungen zu entsprechen, dass Studierende im Praxissemester bereits über möglichst viel theoretisches Grundlagenwissen verfügen.

4. Wer trägt die Neuerungen? – Strategische Personalentwicklung

Der inhaltliche Wandel der Bibliotheks- und Informationswissenschaft erfordert eine langfristige Umorientierung im Bereich der Professuren, um den neuen Anwendungsgebieten und Forschungsfeldern gerecht zu werden. Gleichzeitig braucht diese Neuorientierung auch klare Signale nach außen um zu verdeutlichen, dass neue Gebiete, wie z.B. die stärkere Datenorientierung, mit hierauf spezialisierten neuen Kolleginnen und Kollegen besetzt werden. Das Institut für Informationswissenschaft hat seine Personalentwicklung daher bereits in den vergangenen Jahren mit Blick auf diesen Wandel ausgerichtet. Freiwerdende Professuren wurden u.a. wie folgt besetzt:

  • Professur für Information Retrieval – besetzt mit einem Informatiker mit Schwerpunkt „Data Harvesting und Analyse“
  • Professur für Web Recherche – besetzt mit einem Physiker mit Schwerpunkt „Text und Data Mining“
  • Professur für Informationskompetenz (aber auch Data Science) – besetzt mit einem Bioinformatiker mit Schwerpunkt „Data Carpentry“, d.h. der Entwicklung von Datenkompetenz-Trainings für Forscher

Diese drei Kollegen ergänzen insbesondere im „Daten“-Schwerpunkt die drei Kolleginnen und Kollegen, die als Mathematiker/innen im bisherigen Kollegium überwiegend mit IT-Themen beschäftigt waren.

Mit Unterstützung des Präsidiums der TH Köln kann zusätzlich für 5 Jahre eine Innovationsprofessur besetzt werden, die in zwei 50%-Professuren geteilt wurde.

  • Professur „eScience und Forschungsdatenmanagement“ (Verfahren läuft)
  • Professur „Open Access und Management digitaler Ressourcen“ (Verfahren läuft)

Diese beiden Professuren ergänzen und vervollständigen den Teil des Kollegiums, der sich mit überwiegend bibliotheksnahen Themen auseinandersetzt. 2019 werden darüber hinaus aufgrund von (Vor-)Ruhestand zwei weitere Stellen in den Bereichen „IT in Bibliotheken“ und „Informationsdienstleistungen“ nachbesetzt werden, deren zukünftige fachliche Ausrichtung in der Studiengangsentwicklung bereits angedacht wurde.

5. Fazit und Ausblick

Das Institut für Informationswissenschaft der TH Köln hat in den vergangenen Jahren einen umfassenden Prozess zur Neuaufstellung all seiner Bachelor-Studiengänge durchlaufen und drei inhaltlich miteinander verzahnte, auf Content- und Daten-Orientierung beruhende Abschlüsse geschaffen, die ein klar definiertes Absolventenprofil aufweisen und im WS 2018/19 starten werden: Bibliothek und digitale Kommunikation, Data and Information Science und Online-Redaktion. Die Akkreditierung erfolgt im Oktober 2018.11 Auch die strategische Personalentwicklung des Instituts unterstützt die fachlich-wissenschaftliche Neuorientierung. In den kommenden Jahren wird es darauf ankommen, die Masterstudiengänge des Instituts für Informationswissenschaft einem gleichartigen Wandel zu unterziehen. Erste Ansätze hierzu zeichnen sich bereits ab: Für den Weiterbildungsmaster MaLIS ist ein Medizinfokus ins Auge gefasst, für den Masterstudiengang „Markt- und Medienforschung“ eventuell eine Verstärkung der Medienforschung; darüber hinaus gibt es Überlegungen für einen neuen konsekutiven Master „Data and Information Science“, gemeinsam mit der Fakultät für Informatik und Ingenieurwissenschaften in Gummersbach.

Literaturverzeichnis:

- Data Literacy Education: Datenkompetenzen für die Studierenden aller Fächer, <https://www.stifterverband.org/data-literacy-education>, Stand: 07.08.2018.

- Deutsche Forschungsgemeinschaft, Ausschuss für Wissenschaftliche Bibliotheken und Informationssysteme, Unterausschuss für Informationsmanagement: Empfehlungen zur gesicherten Aufbewahrung und Bereitstellung digitaler Forschungsprimärdaten, Januar 2009, <http://www.dfg.de/download/pdf/foerderung/programme/lis/ua_inf_empfehlungen_200901.pdf>, Stand: 07.08.2018.

- Deutscher Bibliotheksverband: Bericht zur Lage der Bibliotheken 2017/18, <https://www.bibliotheksverband.de/dbv/publikationen/bericht-zur-lage-der-bibliotheken.html>, Stand: 07.08.2018.

- Fachhochschule Köln: Hochschulentwicklungsplan. Strategischer Rahmenplan 2020, Köln 2011. Online: <https://www.th-koeln.de/mam/downloads/deutsch/hochschule/profil/hochschulentwicklungsplan2020.pdf>, Stand: 07.08.2018.

- Mantel, Diana: Datenjournalismus, <https://www.medienwiki.org/index.php/Datenjournalismus>, Stand: 07.08.2018.

- Modulhandbuch für den Studiengang Data and Information Science (Bachelor of Science), <https://www.th-koeln.de/mam/downloads/deutsch/studium/studiengaenge/f03/180111_dis-modulbuch_vorlaufig_lz.pdf>, Stand: 07.08.2018.

- Schaper, Niclas: HRK-Fachgutachten zur Kompetenzorientierung in der Lehre, Hochschulrektorenkonferenz - Projekt nexus, 2012, <https://www.hrk-nexus.de/fileadmin/redaktion/hrk-nexus/07-Downloads/07-02-Publikationen/fachgutachten_kompetenzorientierung.pdf>, Stand: 07.08.2018.

1 Überarbeitete Fassung eines Vortrags, gehalten auf dem 107. Deutschen Bibliothekartag 2018 in Berlin, unter dem Titel: Studienreform als Quadratur des Kreises oder „Warum ein Data Librarian kein Bibliothekar mehr ist.“

2 Deutsche Forschungsgemeinschaft, Ausschuss für Wissenschaftliche Bibliotheken und Informationssysteme, Unterausschuss für Informationsmanagement: Empfehlungen zur gesicherten Aufbewahrung und Bereitstellung digitaler Forschungsprimärdaten, Januar 2009, <http://www.dfg.de/download/pdf/foerderung/programme/lis/ua_inf_empfehlungen_200901.pdf>, Stand: 07.08.2018.

3 Data Literacy Education: Datenkompetenzen für die Studierenden aller Fächer, https://www.stifterverband.org/data-literacy-education>, Stand: 07.08.2018.

4 Mantel, Diana: Datenjournalismus, <https://www.medienwiki.org/index.php/Datenjournalismus>, Stand: 07.08.2018.

5 Der Studiengang „Online-Redaktion“ (vormals „Online-Redakteur“) wird weiterhin im Institut für Informationswissenschaft angeboten, ist jedoch wegen der deutlich geringeren inhaltlichen Überschneidungen hier nur am Rand erwähnt.

6 Fachhochschule Köln: Hochschulentwicklungsplan. Strategischer Rahmenplan 2020, Köln 2011. Online: <https://www.th-koeln.de/mam/downloads/deutsch/hochschule/profil/hochschulentwicklungsplan2020.pdf>, Stand: 07.08.2018, S. 6 ff.

7 Vgl. Schaper, Niclas: HRK-Fachgutachten zur Kompetenzorientierung in der Lehre,Hochschulrektorenkonferenz - Projekt nexus, 2012, <https://www.hrk-nexus.de/fileadmin/redaktion/hrk-nexus/07-Downloads/07-02-Publikationen/fachgutachten_kompetenzorientierung.pdf>, Stand: 07.08.2018. Die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) befasst sich seit 2010 gemeinsam mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Projekt nexus mit der Weiterentwicklung der Studienprogramme und der Sicherung der Studienqualität.

8 Hier bspw. DBV-Berichte zur Lage der Bibliotheken der letzten Jahre, <http://www.bibliotheksverband.de/dbv/publikationen/bericht-zur-lage-der-bibliotheken.html>, Sichtung der Stellenbörsen Bibliojobs, <www.bib-info.de/verband/berufsfeld-information-bibliothek/bibliojobs.html>, und OpenBibliojobs, <https://jobs.openbiblio.eu/>, sowie von aktuellen Positionspapieren, bspw. IFLA Trendreport, <https://trends.ifla.org>, und das Positionspapier des ekz-Fachbeirats „Berufsbild und Entwicklung“.

9 Vorbehaltlich der Akkreditierungsbegehung im Oktober 2018

10 Modulhandbuch für den Studiengang Data and Information Science, <https://www.th-koeln.de/mam/downloads/deutsch/studium/studiengaenge/f03/180111_dis-modulbuch_vorlaufig_lz.pdf>, Stand: 07.08.2018.

11 Ähnliche Prozesse finden derzeit an der Humboldt-Universität zu Berlin und der Fachhochschule Potsdam statt. Dort startet im Sommersemester 2019 ein kooperativer berufsbegleitender Masterstudiengang Digitales Datenmanagement. Die Veränderungen an der Hochschule der Medien in Stuttgart wurden im Beitrag von Cornelia Vonhof im Bibliotheksdienst 2017, Heft 10/11 ausführlich erläutert.