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Teaching Libraries zwischen Vermittlung fachwissenschaftlicher Informationskompetenz und der Unterstützung einer Propädeutik für die Digital Humanities

Marcus Schröter, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Universitätsbibliothek

Zusammenfassung:

Der Beitrag geht von der Beobachtung aus, dass Bibliotheken bisher zwar die Themen E-Science und Forschungsdaten in ihre Überlegungen hinsichtlich spezifischer Angebote zur Informationskompetenz einbezogen haben. Aber obwohl Bibliotheken über ein breites Portfolio an Veranstaltungen zur Vermittlung von Informationskompetenz gerade in den Geisteswissenschaften auf B.A.-Niveau verfügen, wurde bisher nicht konzeptionell die Möglichkeit diskutiert, auf dieser Grundlage für die darauf aufbauenden Niveau-Stufen Anschlussmöglichkeiten im Hinblick auf Themen und Tools der Digital Humanities zu entwerfen. Mit Blick auf die gegenwärtig insbesondere innerhalb der deutschen Geschichtswissenschaft diskutierten Zusammenhänge zwischen Historischen Grundwissenschaften, Digitalisierung und Digital Humanities könnte die Unterstützung einer Propädeutik für die Digital Humanities durch Bibliotheken im Rahmen der Veranstaltungen zur Vermittlung von Informationskompetenz jedoch zukunftsweisend sein. Hierdurch wäre auch an Universitäten ohne institutionelle Verankerung von Digital-Humanities-Studiengängen eine Grundorientierung durch aufeinander abgestimmte Angebote unterschiedlicher Partner für historisch orientierte Geisteswissenschaften möglich.

Summary:

This paper takes its cue from the observation that many libraries have already integrated the subjects of e-science and research data into their specific curricular offers of information literacy classes. But despite the fact that libraries offer a broad range of training courses in information literacy, especially in the humanities at a B.A. level, so far there has been little discussion of concepts for possible consecutive classes on the basis of these courses, with a view to teaching the topics and tools of the digital humanities. Against the background of the current discussion among German historians about the connections between basic historical skills, digitisation and the digital humanities, a library-developed propaedeutics in the digital humanities as part of information literacy courses could prove to be trendsetting. Thus, a basic orientation through coordinated efforts by different partners within the historically oriented humanities could be provided – even at universities which do not offer an institutionally based program of digital humanities studies.

Zitierfähiger Link: http://dx.doi.org/10.5282/o-bib/2017H1S76-94

Autorenidentifikation: Schröter, Marcus: GND: 131911546; ORCID: http://orcid.org/0000-0002-4494-1473

Schlagwörter: Vermittlung von Informationskompetenz; Digital Humanities; Digitalisierung; Historische Grundwissenschaften

1. Die Problematik

Gegenwärtig erkennen nicht nur geisteswissenschaftliche Forschungsbibliotheken wie die Herzog August Bibliothek oder die Herzogin Anna Amalia Bibliothek das Innovationsfeld der Digital Humanities im Allgemeinen und der historisch-philologischen Editionsprojekte im Besonderen als „naturgegebene Scharniere“ der Kooperation zwischen Bibliothek und Fachwissenschaft. Auch Universitätsbibliotheken erwarten von Stellenbewerberinnen und Stellenbewerbern immer häufiger Kompetenzen in den Digital Humanities. Wurde die Vermittlung von Informationskompetenz bisher im Zusammenhang mit E-Science und Forschungsdaten allgemein diskutiert, so lagen die Digital Humanities als geisteswissenschaftlicher Fachausschnitt bisher jedoch kaum im Fokus. Eher wahrgenommen wird beispielsweise die Diskussion, was genau unter geisteswissenschaftlichen Forschungsdaten zu verstehen sei.1 Für die Digital Humanities spielen insbesondere die von Bibliotheken und Archiven digitalisierten Quellen eine wichtige Rolle, die Grundlage und Gegenstand spezifischer Instrumente beispielsweise zur Erschließung, Analyse, Visualisierung und Vernetzung dieser Ressourcen sein können – einschließlich ihrer Integration in digitale Editionen. Auf diesen Zusammenhang machte unter dem Aspekt der Ausbildung Studierender jüngst die – im bibliothekarischen Diskurs bisher kaum beachtete – Stellungnahme des Verbandes der Historiker und Historikerinnen Deutschlands (VHD) „Quellenkritik im digitalen Zeitalter. Die Historischen Grundwissenschaften als zentrale Kompetenz der Geschichtswissenschaft und benachbarter Fächer“2 aufmerksam.

Wenn inzwischen aber an zahlreichen Pilotprojekten das Zukunftsfeld der Digital Humanities für Geisteswissenschaftlerinnen und Geisteswissenschaftler immer deutlicher an Konturen gewinnt, so stellt sich die drängende Frage, wie der wissenschaftliche Nachwuchs, sofern er nicht über die formale Qualifikation eines Abschlusses in dem erst an wenigen Universitäten etablierten Fach Digital Humanities verfügt, frühzeitig an diese Thematik herangeführt werden könnte. Im Folgenden werden diese unterschiedlichen Fäden aufgenommen und aus Bibliothekssicht überlegt, inwieweit es sinnvoll wäre, das traditionelle Handlungsfeld der Vermittlung fachwissenschaftlicher Informationskompetenz im Hinblick auf eine aktive Mitwirkung an einer Propädeutik für die Digital Humanities konzeptionell zu erweitern.3

Die vorgestellten Überlegungen tragen der Beobachtung Rechnung, dass der Begriff Digital Humanities mit einer bemerkenswerten Definitionsvielfalt verbunden ist, die beispielsweise in der Metapher „Big Tent Digital Humanities“, dem Motto der internationalen DH-Konferenz 2011 in Stanford, einen prägnanten Ausdruck fand.4 Im Hinblick auf die Rolle der Bibliotheken scheint ein Konsens jedoch darin zu bestehen, dass „Digital Humanities und Informationswissenschaft […] – zumindest, was den dokumentarisch-bibliothekarischen Teil angeht – genuin miteinander verbunden“5 sind und dass Bibliotheks- und Informationswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler in der Digital-Humanities-Community eine wichtige Rolle spielen.6 Allerdings gebe es kein „bestimmtes Idealmodell für die Beziehung zwischen Informationswissenschaft, Digital Humanities und den geisteswissenschaftlichen Bezugsfächern.“7 Bei allen strategischen Überlegungen, so eine im Folgenden vertretene These, sollte diese Beziehung zwischen den einzelnen Kooperationspartnern vor Ort mit Blick auf die konkreten lokalen Bedürfnisse immer auch individuell gestaltet werden.

2. Das Rätselraten

Zu den konkreten Auslösern der hier vorgetragenen Überlegungen gehören vielfältige Erfahrungen, die der Autor in zahlreichen Veranstaltungen nicht allein zur Vermittlung fachwissenschaftlicher Informationskompetenz, sondern auch in geisteswissenschaftlicher Lehre sowie in Gesprächen zu Themen rund um die Digitalisierung in Bibliothek und Fachwissenschaft hat sammeln dürfen.

Ein prägnantes Beispiel ist eine Diskussion zwischen Vertreterinnen und Vertretern einer Bibliothek auf der einen Seite und Mitgliedern eines geisteswissenschaftlichen Fachbereichs auf der anderen Seite über neuere Entwicklungen im Bereich Bibliothek und Digitalisierung, die der Autor selbst mit gestalten durfte. Nach dem Blick zurück auf erfolgreiche Meilensteine der Digitalisierung an Bibliotheken wurden einige wenige Zukunftsthemen aus dem Feld der Digital Humanities skizziert. Die intensive Diskussion machte deutlich: Den Studierenden, zu denen auch erfahrene Tutorinnen und Tutoren gehörten, war bereits der Begriff „Digital Humanities“ weitgehend unbekannt. Von den Graduierten und Postgraduierten hatten nur wenige eine genauere Vorstellung davon, welche konkreten Methoden und Instrumente Digital Humanities entwickeln und welche Forschungsfragen mit diesen zu beantworten wären. Alle hingegen teilten die fundamentale Verunsicherung, wie man sich derart komplexe technische Kompetenzen neben dem Fachstudium überhaupt aneignen könne, um sich für die Mitarbeit an Projekten, die mittlerweile schon beinahe standardmäßig die Kenntnis von Methoden der Digital Humanities erfordern,8 zu qualifizieren. Ein zentrales Argument: Geisteswissenschaften, bei denen natürlich auch klassische hermeneutische Methoden nach wie vor eine wichtige Rolle spielen, würden doch wohl primär durch anspruchsvolle Fragestellungen und intellektuelle Methoden getrieben anstatt von Datenmengen, quantitativen Verfahren und Analysetools.9 Daher müsse – so ein Konsens – die begrenzte Studienzeit besser auf die Fachinhalte im engeren Sinn konzentriert werden.

Ein anderes Beispiel ist die langjährige Erfahrung des Autors in der Durchführung editionswissenschaftlicher Übungen für Studierende der Deutschen Philologie auf Bachelor- und Masterniveau. Auch hierbei wird überdeutlich, dass selbst besonders bekannte Handlungsfelder aus dem Bereich der Digital Humanities wie Digitale Editionen oder etablierte Projekte wie DARIAH oder TextGrid in der Regel unbekannt sind und daher nur Gegenstand intensiven Rätselratens bleiben können.

Ohne diese Beobachtungen überbewerten zu wollen, dürften sie durchaus keine Einzelfälle sein, sondern möglicherweise relativ typisch für die Situation an Universitäten, an denen Digital Humanities weder institutionell noch inhaltlich etabliert sind. Daraus ergeben sich Fragen, beispielsweise: Warum sind die inzwischen im geisteswissenschaftlichen Diskurs scheinbar allgegenwärtigen Digital Humanities unter Studierenden der Geisteswissenschaften noch immer so unbekannt? Arbeiten Studierende nicht längst – und völlig selbstverständlich – beispielsweise mit Digitalen Bibliotheken oder Datenbanken für Quellen und Forschungsliteratur, die zugleich Bausteine im Gebäude der digitalen Geisteswissenschaften sind? Würde nicht der zu einem geeigneten, möglichst frühen Zeitpunkt innerhalb eines geisteswissenschaftlichen Fachstudiums vermittelte Überblick sowie die Demonstration exemplarischer, digital-humanities-gestützter Projekte und Produkte diese Unkenntnis und Unsicherheit beseitigen helfen? Eine schrittweise, praktische Schulung in ausgewählten digitalen Werkzeugen könnte einerseits dafür sensibilisieren, welche Forschungsfragen sich aus deren Anwendung ergeben könnten, andererseits natürlich auch, welche Forschungsfragen neue digitale Werkzeuge generieren können.

3. Digitalisierung, Bibliotheken und Sammlungen – new materialism!

Obwohl – oder gerade weil – die Digitalisierung nicht nur unser schriftliches Kulturerbe ubiquitär virtuell sichtbar macht, werden Sammlungen in ihrer realen Materialität und historischen Einzigartigkeit wiederentdeckt. Nach eher vereinzelten frühen Initiativen in Bibliotheken10 legte auf wissenschaftspolitischer Ebene beispielsweise die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) 2010 das Programm zur „Erschließung und Digitalisierung von objektbezogenen wissenschaftlichen Sammlungen auf“,11 der Wissenschaftsrat (WR) definierte 2011 Sammlungen als „Forschungsinfrastrukturen“,12 die Stiftung Mercator konzipierte 2012 die Initiative „SammLehr – an Objekten lehren und lernen“,13 und das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) startete 2013 die Förderrichtlinie „Die Sprache der Objekte. Materielle Kultur im Kontext gesellschaftlicher Entwicklungen.14

An den Universitäten werden diese wissenschaftspolitischen Impulse in vielfältigen Formen konkretisiert, beispielsweise in Sonderforschungsbereichen oder Graduiertenkollegs wie „Materiale Textkulturen. Materialität und Präsenz des Geschriebenen in non-typographischen Gesellschaften“ (Universität Heidelberg),15 „Manuskriptkulturen in Asien, Afrika und Europa“ (Universität Hamburg)16 oder „Dokument, Text, Edition: Bedingungen und Formen ihrer Transformation und Modellierung in transdisziplinärer Perspektive“ (Universität Wuppertal).17 Daneben dokumentieren zahlreiche Workshops und Konferenzen mit einschlägigen Themen den anhaltenden Boom zum material turn.

Für kulturbewahrende Institutionen wie Bibliotheken mit vielfältigen Sammlungen und der Möglichkeit ihrer unmittelbaren Einbindung in Forschung und Lehre bietet dieser new materialism insbesondere in den Geistes- und Kulturwissenschaften eine Chance, nicht nur den Dialog mit Wissenschaft, Forschenden und Studierenden zu intensivieren, sondern darüber hinaus sich auf traditionelle Kompetenzen zu besinnen und auf neue einzulassen – und dabei innovative Service-Angebote zu konzipieren.

4. Digital Humanities und Historische Grundwissenschaften – new symbiosis?

Trotz dieses new materialism und seines Niederschlags in zahlreichen Förderlinien und Projekten wird doch eine signifikante Diskrepanz zwischen einer über das Internet leichten Zugänglichkeit des digitalen Kulturerbes einerseits und den zunehmend schwierigen inhaltlichen Verständnismöglichkeiten andererseits beobachtet. Unmittelbar in diesem Zusammenhang sind auch die oben skizzierten beobachteten Situationen einer vielfachen Uninformiertheit und Verunsicherung in Bezug auf Grundlagen und Möglichkeiten digitaler Geisteswissenschaften zu sehen. Hierauf reagiert das vom Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands (VHD) 2015 veröffentlichte Grundsatzpapier „Quellenkritik im digitalen Zeitalter: Die Historischen Grundwissenschaften als zentrale Kompetenz der Geschichtswissenschaft und benachbarter Fächer“.18 Quellenkritik als traditionelle Schlüsselkompetenz jeder Art historischen Arbeitens sei im Kern bedroht durch die Verdrängung der nicht allein in Deutschland so traditionsreichen Historischen Grundwissenschaften aus den Universitäten – entsprechende Professuren würden zugunsten von als in höherem Maße zukunftsorientiert eingeschätzten geschichtswissenschaftlichen Studiengängen nicht wiederbesetzt, sodass Lehrangebote zum Erwerb der Kernkompetenz des Umgangs mit historischen Quellen seltener werden. Dies ist umso bemerkenswerter, als ein wichtiges Ziel des Bologna-Prozesses doch insbesondere in der Praxisorientierung innerhalb der Curricula liegt – erwartet man nicht gerade von ausgebildeten Historikerinnen und Historikern, dass sie in der Lage sind, die Zeugnisse unserer Vergangenheit für die Gegenwart lesbar zu machen und zu übersetzen? Diese von der deutschen Historikerzunft beklagte Situation betreffe allerdings nicht allein die eigene Fachkultur und Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses, sondern gleichermaßen die Bibliotheken als maßgebliche Träger der Digitalisierung unseres kulturellen Erbes: „Noch nie standen die Bemühungen zur Sicherung und Verfügbarmachung des historischen Erbes in einem so krassen Missverhältnis zur Aufschlüsselbarkeit wie heute […]. Damit droht die Digitalisierungsoffensive in einen medialen, technisch hochwertigen und gut verfügbaren Illustrationsfundus zu münden, der letztlich nurmehr bestaunt, kaum noch bearbeitet werden kann.“19

Adressiert auch an die Bibliotheken wird aus geschichtswissenschaftlicher Perspektive das häufige Fehlen inhaltlicher Tiefenerschließung, wissenschaftlicher Transkription und Kommentierung von digitalisierten historischen Quellen beklagt. Bibliothekarische Digitalisierung und Erschließung sollten daher in Zukunft noch intensiver durch wissenschaftliche Expertise und insbesondere durch die konzeptionelle Anschlussfähigkeit von Digitalisierungsprojekten für die potentielle Anwendung von Instrumenten der Digital Humanities begleitet werden. Die Grundwissenschaften, so der weitgehende Konsens der deutschen Historikerzunft, kommen künftig zwar „ohne die Nutzung großer internetgestützter Datenressourcen nicht mehr aus.“20 Eine „data driven history“, die alle möglichen Daten sammele und nebeneinander stelle, sei aber ebenso problematisch. Bei der Auswahl der zu digitalisierenden Quellen solle daher stets die wissenschaftliche Frage, nicht das informationstechnisch Machbare im Vordergrund stehen: Digitalisierung bedeute mehr als einen „fröhliche[n] Positivismus des Einfach-mal-auf-den-Scanner-legen-irgendwer-wird-es-schon-brauchen-in-den-nächsten-100-Jahren.“21

Eine starke Zukunftsperspektive sieht die historische Fachcommunity Deutschlands schließlich darin, dass gerade die Verbindung von Digitalisierung und Digital Humanities zu einer neuen Blüte der traditionsreichen Grundwissenschaften führen könnte, wenn zu diesen nicht nur eine „umfassende Quellenkunde des Digitalen“22 trete, sondern die Historischen Grundwissenschaften selbst „methodisch digitalisiert“23 würden – schließlich sei auch Programmieren eine „Kulturtechnik.“24 Künftig seien die Historischen Grundwissenschaften daher nicht nur personell wieder fester in den Universitäten zu verankern und den Studierenden traditionelle paläographische, kodikologische oder epigraphische Kompetenzen zu vermitteln, damit das ubiquitär sichtbare digitalisierte Kulturerbe wieder lesbar werde, sondern eben auch grundlegende Methoden der Digital Humanities in die Curricula zu integrieren. Bei der fachwissenschaftlichen Arbeit mit den originalen Quellen seien im Hinblick auf ihre digitale Präsentation zugleich Fragen zu berücksichtigen wie: Auf welche Weise sollen digitale Daten aufbereitet und strukturiert werden? Welche Möglichkeiten der Kontextualisierung und Vernetzung gibt es? Welche Werkzeuge der Digital Humanities ermöglichen unterschiedliche Analyseszenarien, um bisher ungelöste Forschungsfragen zu beantworten oder neue zu stellen? So verstanden seien die digitalen Techniken und Methoden „nicht nur eine Chance, sondern vielleicht die einzige Möglichkeit für eine sinnvolle Weiterentwicklung der Hilfswissenschaften.“25 Voraussetzung dafür sei aber eine ernsthafte „Rückeroberung der quellenkritischen Kompetenzen durch Bibliotheken, Archive sowie Medien- und Informationswissenschaften auch im Digitalen.“26

Historisch orientierte Geisteswissenschaftlerinnen und Geisteswissenschaftler beklagen also nicht nur eine durch Verdrängung aus den Curricula zunehmend verloren gehende Kernkompetenz der Entschlüsselung und Übersetzung historischer Dokumente für die heutige Zeit innerhalb ihrer eigenen Fachcommunity, sondern wünschen zugleich von Bibliotheken eine Rückbesinnung auf deren in diesem Zusammenhang notwendige Kernkompetenzen: Bibliothekarische Digitalisierung, die der Wissenschaft und der Bewahrung des kulturellen Erbes einen nachhaltigen Dienst erweisen wolle, sei ohne traditionelle fachwissenschaftliche und ohne digitale Quellenkompetenz wenig zukunftsfähig. Es genüge daher nicht – so wird in der Diskussion immer wieder betont –, wenn Bibliotheken lediglich schöne digitale Bilder ihrer Objekte und Sammlungen erzeugen und präsentieren, Bibliotheken sollten auch selbst ihre Sammlungen und Objekte wieder lesen lernen und im engen Dialog mit den geisteswissenschaftlichen Disziplinen zuverlässig beurteilen können, welche Analyse- und Forschungsperspektiven sich aus Anwendungsszenarien der Digital Humanities, deren Voraussetzung unter anderem auch die von Bibliotheken hergestellten Digitalisate sind, ergeben könnten.

Denkt man die aktuellen sammlungsbezogenen Forschungen im Kontext des material turn strategisch zusammen mit einer konsequent forschungsbezogenen Digitalisierung von Sammlungen und Einzelobjekten, so könnten die Historischen Grundwissenschaften unter dem Paradigma der Digital Humanities in Studium, Lehre und Forschung möglicherweise in vollem Umfang ihre Bedeutung zurückerhalten. Und auch Bibliotheken könnten gerade in diesem Zusammenspiel neue Handlungsräume gewinnen, wenn sie als Teaching Libraries ihren Auftrag der Vermittlung fachwissenschaftlicher Informationskompetenz auf historische Medien, die in Sammlungen überliefert sind, konzeptionell ausdehnen.27 Bibliothekarische Digitalisierung, objektbezogene Lehre und Forschung, Digital Humanities und die Ausbildung in den Historischen Grundwissenschaften erweisen sich unter dieser Perspektive als unmittelbar miteinander verbunden.

Da die Digitalisierung in Bibliotheken bewahrter Dokumente und Sammlungen nicht allein dem Bestandsschutz und der besseren weltweiten Sichtbarkeit dient, sondern wesentliche Grundlage dafür ist, dass bekannte und zum jetzigen Zeitpunkt noch unbekannte Methoden und Instrumente der Digital Humanities die fachwissenschaftliche Erforschung dieser Dokumente und Sammlungen erst ermöglichen sollen, sind Digitalisierung und Digital Humanities konsequent aufeinander zu beziehen. Mit anderen Worten: Galt bisher der Grundsatz, dass jedes Digitalisat bibliothekarisch zuverlässig zu erschließen und in entsprechenden Datenbanken und Portalen nachzuweisen sei, so wird von den Bibliotheken künftig in noch engerer Kooperation mit den fachlich zuständigen Disziplinen zu entscheiden sein, welche Voraussetzungen geschaffen werden sollten, um Digitalisierungsprojekte anschlussfähig zu machen für vielfältige Forschungsszenarien, die sich spezifischer Instrumente und Fragestellungen aus dem Bereich der Digital Humanities bedienen.

5. Alte Empfehlungen – neu gedacht

Hochschulbibliotheken bieten nach anglo-amerikanischem Vorbild seit knapp zwei Jahrzehnten zunehmend curricular eingebundene Lehrveranstaltungen zur Vermittlung fachwissenschaftlicher Informationskompetenz an. Diese Konzepte werden durch Empfehlungen unter anderem von Wissenschaftsrat, Deutschem Hochschulverband oder Hochschulrektorenkonferenz (HRK) nachdrücklich unterstützt. Mit Blick auf neue Anforderungen an Wissenschaft und Bibliotheken, die insbesondere im Kontext der immer umfassenderen Digitalisierung und der E-Science stehen, fordert die HRK-Entschließung „Hochschule im digitalen Zeitalter: Informationskompetenz neu begreifen – Prozesse anders steuern“28 wissenschaftliche Bibliotheken auf, neben einer flächendeckenden Versorgung Studierender im B.A.-Bereich insbesondere für Graduierte und Forschende einschlägige Lehr- und Qualifizierungsangebote zu konzipieren. Im Einzelnen wird empfohlen:

Stärkung der Informationskompetenz der Studierenden durch flächendeckende curriculare Verankerung aufeinander abgestimmter Lehrangebote unterschiedlicher Akteure der Hochschule.

Sicherung der Informationskompetenz der Lehrenden durch spezifische Fortbildungen, um diese in die Lage zu versetzen, ihrerseits den Studierenden fachliche Informationskompetenz vermitteln zu können.

Ausbau der Informationskompetenz der Graduierten und Postgraduierten durch Verankerung von geeigneten Qualifikationsangeboten in den Curricula.

Ausbau der Informationskompetenz der Forschenden durch hochspezifische Qualifikationsangebote.

Innerhalb der Hochschulbibliotheken wird seitdem eine intensive Diskussion darüber geführt, wie solche Angebote und Szenarien konkret aussehen könnten. Wenn auch eine flächendeckende curriculare Verankerung der Angebote zur fachwissenschaftlichen Informationskompetenz noch keineswegs in allen Hochschulen und Universitäten erreicht ist, so scheinen doch für den B.A.-Bereich die bisher größten Erfolge erzielt worden zu sein.29 Hinsichtlich der übrigen Statusgruppen und Qualifikationsebenen befinden sich insbesondere die Universitätsbibliotheken häufig noch im Prozess der Sondierung von Themen und formaler Verankerung entsprechender Angebote. Für die Zielgruppe der Forschenden scheint sich aktuell die Thematik der Forschungsdaten als besonders wichtiges Feld herauszukristallisieren.

Eine weitere zentrale und bisher in diesem Zusammenhang noch nicht diskutierte Thematik sind die Digital Humanities: Welche Möglichkeiten haben Universitätsbibliotheken nicht zuletzt vor dem Hintergrund der HRK-Empfehlungen zur Informationskompetenz, um einerseits Studierenden der Geisteswissenschaften von heute eine erste Orientierung in der Welt der Digital Humanists von morgen zu erleichtern, anderseits Graduierte und Forschende zu aktuellen Themen aus dem Arbeitsbereich Digital Humanities angemessen zu beraten?

Die HRK-Empfehlungen sind mit ihrer Erweiterung des Begriffes und des Handlungsfeldes der Informationskompetenz so weitreichend, dass auch von einer nur ansatzweise flächendeckenden Umsetzung und inhaltlichen Auslotung zum gegenwärtigen Zeitpunkt kaum ausgegangen werden kann. Inhaltlich und konzeptionell haben sie daher ihre Bedeutung aus meiner Sicht keineswegs verloren und sollten mit Recht noch immer auf der Agenda der Bibliotheken und Universitäten stehen.30

6. Informationskompetenz und Digital Humanities

Im Folgenden möchte ich versuchen, diese Argumentationsfäden zusammenknüpfen: Wie könnte durch geeignete Angebote von Bibliotheken und weiteren Partnern die beobachtete Skepsis von Geisteswissenschaftlerinnen und Geisteswissenschaftlern an einer Universität ohne Digital-Humanities-Studiengänge gegenüber digitalen Angeboten, Methoden und Werkzeugen nachhaltig überwunden werden? Und wie könnte deutlich werden, dass auch in digital getriebenen Geisteswissenschaften am Anfang eine Forschungsfrage steht, auf deren Grundlage Werkzeuge beispielsweise für die Analyse eines digitalisierten Text- oder Quellenkorpus entworfen werden können – und dass die Auswertung dieser Daten sehr wohl auch traditionell hermeneutische Kompetenzen erfordert?

Da Studierende vielfach noch immer weniger im regulären Fachcurriculum, sondern eher in bibliothekarischen Informationskompetenzveranstaltungen eine erste systematische Begegnung mit den digitalen Grundlagen ihres Faches erleben: Wäre es nicht sinnvoll und möglich, auf dieser Expertise aufbauend im Hinblick auf das komplexe Feld der Digital Humanities über gezieltere Anschlussmöglichkeiten und Verknüpfungen nachzudenken? So wäre an Universitäten in der Breite eine erste Grundorientierung nicht nur bei Studierenden im B.A.- und M.A.-Bereich gewährleistet, sondern auch bei Graduierten und Forschenden. Letztere könnten auf diese Weise effizienter unterstützt werden, entsprechende Werkzeuge und Methoden aus dem Arbeitsbereich der Digital Humanities noch besser zu berücksichtigen – beispielsweise bei der Planung von Infrastrukturprojekten innerhalb von Sonderforschungsbereichen oder in sammlungsbezogenen Forschungsvorhaben mit Digitalisierungskomponenten in Kooperation mit der lokalen Universitätsbibliothek.

Insbesondere Universitätsbibliotheken – so die Überlegung – haben aufgrund ihrer inhaltlichen Expertise, ihrer bisherigen Handlungsfelder und Services im Zusammenhang mit E-Science und Forschungsdaten besonders gute Voraussetzungen dafür, eine Propädeutik für die Digital Humanities auf unterschiedlichen Ebenen von Anfang an gezielt zu begleiten. Wie aber könnte vor dem Hintergrund hochschulpolitischer Papiere und bibliothekarischer Praxis in der Vermittlung fachwissenschaftlicher Informationskompetenz eine derartige Propädeutik konkret aussehen? Dabei kann es natürlich nicht darum gehen, mit Digital-Humanities-Studiengängen zu konkurrieren, sondern vielmehr darum, aus der spezifischen Perspektive einer Bibliothek und geeigneter Partner grundlegende Angebote zur ersten Orientierung zu entwerfen.

Traditionelle Gegenstände der Informationskompetenzvermittlung sind, neben der Orientierung innerhalb gedruckter Informationsressourcen, die konkrete Informationsrecherche in elektronischen Ressourcen wie Datenbanken, Digitalen oder Virtuellen Bibliotheken, aber auch allgemeinere Themen wie Wissensmanagement und Literaturverwaltung, Open Access, elektronisches Publizieren oder Urheberrecht – insofern stehen wissenschaftliche Arbeitstechniken, Werte und Normen im Zentrum.31 Insbesondere durch die zunehmend curriculare Einbettung bibliothekarischer Veranstaltungen zur Vermittlung fachwissenschaftlicher Informationskompetenz konnte die Produktorientierung immer mehr durch Prozessorientierung abgelöst werden. Jede Informationsrecherche ist immer auch integraler Bestandteil der Dynamik wissenschaftlichen Arbeitens. Gleichzeitig sind Studierende und Forschende nicht mehr nur Konsumenten, sondern in immer größerem Umfang auch Produzenten digitaler wissenschaftlicher Informationen, die nicht nur als Bestandteile, sondern auch als Ergebnisse des wissenschaftlichen Arbeitsprozesses generiert werden. In diesem Zusammenhang sollten auch die Digital Humanities verortet werden.

Definiert man den Prozess des wissenschaftlichen Arbeitens als Bezugspunkt und Referenzsystem bibliothekarischer Angebote zur Vermittlung fachwissenschaftlicher Informationskompetenz, so erschließen sich die hier vorgestellten bibliothekarischen Überlegungen zu den Digital Humanities analog zu der Diskussion über Kooperationen von Bibliotheken mit Schreibzentren. Da (nicht nur) im Bereich der Geisteswissenschaften ein zentraler Bestandteil des wissenschaftlichen Arbeitens das wissenschaftliche Schreiben ist, haben Bibliotheken konsequenterweise auch diese Thematik – nicht zuletzt vor dem Hintergrund der Plagiarismus- und Urheberrechtsdiskussion – gezielt aufgegriffen. Und nicht nur am Beispiel der von Bibliotheken angebotenen Kurse zur Literaturverwaltung zeigt sich schließlich ganz konkret, wie unmittelbar die Recherche von und der Umgang mit Informationen in den Schreibprozess unmittelbar hineinwirken und dass es sinnvoll ist, beide Phasen des wissenschaftlichen Arbeitens in Veranstaltungen zur Vermittlung von Informationskompetenz miteinander zu verknüpfen. Auch hat sich gezeigt, dass die traditionellen Standards der Informationskompetenz, die ihre Bedeutung als Referenz für bibliothekarische Veranstaltungen nicht verloren haben, in vergleichbarer Weise den Diskurs über die Textproduktion innerhalb der Schreibzentren bestimmen.32

Vergleichbar scheint die vorgeschlagene Öffnung der Bibliotheken hin zu dem Handlungsfeld der Digital Humanities. Die Digitalisierung geisteswissenschaftlichen Lernens, Lehrens und Forschens, wofür sich der Begriff der Digital Humanities etabliert hat, betrifft den Umgang mit digitalen Informationen und die innovative Gestaltung geisteswissenschaftlicher Arbeitsprozesse auf einer umfassenden Ebene − insbesondere die Unterstützung durch spezifische Werkzeuge. Informationskompetenz schließt – und hierin liegt mit Blick auf die Digital Humanities eine Stärke dieses Konzepts – Medienkompetenz ausdrücklich mit ein. Vor dem Hintergrund der Entwicklung, dass Bibliotheken die Inhalte ihrer Veranstaltungen zur Vermittlung von Informationskompetenz immer enger an den konkreten Prozessen wissenschaftlichen Arbeitens orientieren (müssen) und notwendigerweise kontinuier­liche Grenzverschiebungen vornehmen, liegt aus meiner Sicht nahe, dass sie ihre Expertise auch auf dem Feld der Digital Humanities im Rahmen ihrer Möglichkeiten systematisch einbringen könnten.

Selbstverständlich wird eine solche Mitwirkung an einer Propädeutik für die Digital Humanities von Bibliotheken keinesfalls alleine zu leisten sein: Im Sinne der HRK-Empfehlungen wäre eine enge Abstimmung mit anderen Partnern im Hochschulbereich, beispielsweise den Rechen- und Medienzentren sowie den Fachbereichen, zwingend notwendig. Bei einem solchen Ansatz ist natürlich klar, dass die Kenntnis Digitaler Bibliotheken, Datenbanken oder der Informationsrecherche keineswegs mit Digital Humanities verwechselt werden soll: Gleichwohl stellen diese wichtige Grundlagen digitalen geisteswissenschaftlichen Arbeitens dar, die es erlauben, unter Einsatz spezifischer Methoden und Instrumente neue Forschungsfragen zu formulieren und möglicherweise auch bisher ungelöste zu beantworten. Vergleichbar mit der ebenfalls institutionelle Grenzen überschreitenden Diskussion über die Anschlussfähigkeit bibliothekarischer Informationskompetenzangebote im Hinblick auf die Produktion wissenschaftlicher Texte sollte im Hinblick auf die Digital Humanities ein ernsthafter Dialog darüber geführt werden, wo Verzahnungen mit der Produktion digitaler wissenschaftlicher Konzepte und Instrumente möglich sind.

Als Zwischenfazit lässt sich also konstatieren: Vor dem Hintergrund der viel zitierten Standards ist Informationskompetenz – wie seit jeher – weniger als technisches Bedienwissen im Hinblick auf spezifische elektronische Produkte und digitale Tools zu verstehen, sondern vor allem als echte Kompetenz, als Literacy. Diese kann, muss aber nicht notwendigerweise im Zusammenhang mit bibliothekarischen Ressourcen stehen. Wichtiger scheint die Fokussierung auf ein methodisches Orientierungswissen in der digitalen Welt, in der für zahlreiche Geisteswissenschaften die Digital Humanities eine immer wichtigere Rolle spielen. Hier gilt es auch aus bibliothekarischer Sicht Schnittstellen zu definieren. Die lebendige theoretische Weiterentwicklung traditioneller Konzepte der Informationskompetenz findet beispielsweise in der gegenwärtigen Ablösung der Standards durch das Framework for Information Literacy for Higher Education, das auf den Ideen der Threshold Concepts sowie der Metaliteracy gründet, ihren prägnanten Ausdruck.33

Der von Mackey und Jacobson34 entwickelte Begriff der Metaliteracy versteht sich als Erweiterung des traditionellen Verständnisses von Informationskompetenz, da die „standard definitions of information literacy are insufficient for the revolutionary social technologies currently prevalent online“35. Metaliteracy sei zu verstehen als „concept that promotes active engagement with emerging technologies and learner-centered production of information. Rather than separate information literacy from other forms of literacy, we argue that a comprehensive understanding of information and related competencies are central to these literacy concepts. This approach is grounded in the idea that emerging technologies are inherently different from print and require active engagement with multiple information formats through different media modalities“.36 Die hier vorgeschlagene pragmatische Verbindung von Informationskompetenz und Digital Humanities erweist sich somit als stimmig zu der konzeptionellen Erweiterung des Begriffs der Informationskompetenz im Kontext der Ablösung der Standards durch das Framework. Da der deutschsprachige bibliothekswissenschaftliche Diskurs hier noch ganz am Anfang steht, möchte der vorliegende Beitrag als konkretes Beispiel verstanden werden, das Konzept der Metaliteracy an einem innovativen Beispiel möglicher bibliothekarischer Praxis zu diskutieren.

Der Blick zurück zeigt schließlich, dass Themen und Inhalte bibliothekarischer Veranstaltungen zur Vermittlung von Informationskompetenz seit jeher einem beständigen Wandel unterliegen, da sich die immer umfassender durch digitale Informationen und Medien geprägten Formen wissenschaftlichen Arbeitens permanent weiter entwickeln. Und weil diese Recherche- und Arbeitstechniken auch gegenwärtig nicht immer explizite Gegenstände der Ausbildung innerhalb geisteswissenschaftlicher Fachseminare sind, sollten Bibliotheken auf Grundlage ihrer spezifischen Expertise auch die neuen Entwicklungen digitalen geisteswissenschaftlichen Arbeitens im Kontext der Digital Humanities bei der Konzeption ihrer Veranstaltungen berücksichtigen.

Diese auf die Informationspraxis geisteswissenschaftlicher Disziplinen bezogene Perspektive könnte schließlich die zu Recht beunruhigende Entwicklung zu überwinden helfen, „dass sich Forschung und Bibliothek zum Teil voneinander entkoppelt haben und ein zusammenhängendes Angebot zur Vermittlung wissenschaftlicher Informationspraxis am Campus in Gefahr ist“.37

Für die – insbesondere historisch orientierten – Geisteswissenschaften ist nun konkret zu überlegen, wie auf der Grundlage bisheriger Angebote und der jeweils einschlägigen Expertise unterschiedlicher Partner im Hochschulbereich eine Propädeutik der Digital Humanities im Sinne einer strukturierten Grundorientierung über ihre Werkzeuge und Methoden aus Bibliothekssicht konzeptionell zu unterstützen wäre. Nur so ließe sich erreichen, dass auch an Universitäten, die Digital-Humanities-Studiengänge (noch) nicht anbieten, geisteswissenschaftlichen Absolventinnen und Absolventen in der Breite Kernkompetenzen vermittelt würden, damit diese leichter Anschluss an einen zunehmend von digitalen Geisteswissenschaften geprägten Arbeitsmarkt finden. Und hierbei dürfte dem etablierten bibliothekarischen Aufgabenfeld der Vermittlung fachwissenschaftlicher Informationskompetenz eine wichtige Rolle zufallen.

7. Ausblick: Mögliche Inhalte und curriculare Einbindung einer Propädeutik für die Digital Humanities

Der Blick auf das jeweilige Portfolio einzelner Zentren für Digital Humanities und die Inhalte entsprechender Studienordnungen zeigt, dass häufig auch „normale“ Universitätsbibliotheken in der Praxis ähnliche Themen bearbeiten und Dienstleistungen erbringen wie jene, beispielsweise: Erstellung von Digitalisaten, Erschließung digitaler wissenschaftlicher Informationen, Entwicklung neuer Publikationskulturen, Stärkung der Akzeptanz digitaler Publikationsformen, Aufbau von Forschungsinformationsinfrastrukturen, Entwicklung fachspezifischer IT-Werkzeuge, Erstellung Digitaler Editionen, Realisierung von Datenbankprojekten, Forschungsdatenmanagement, Langzeitarchivierung von Forschungsdaten, technische Beratung und Unterstützung von Forschungsvorhaben insbesondere in Fächern, die traditionell weniger quantitative Arbeitsmethoden nutzen, Schulungen, Workshops, Entwicklung von Lehrkonzepten.38

Nach Auffassung der Digital-Humanities-Zentren sollten Rechenzentren und Bibliotheken als zentrale universitäre Einrichtungen nicht nur im Bereich der Bereitstellung geeigneter Infrastrukturen mit den Digital Humanists eng kooperieren. Allerdings wird aus meiner Sicht an Bibliotheken in der Breite erst allmählich eine systematische Kenntnis der spezifischen Methoden der Digital Humanities aufgebaut. Indizien dafür sind beispielsweise die Ausschreibung von Stellen, die eine Qualifikation in den Digital Humanities erfordern. Da eine solche noch eher selten sein dürfte – entsprechende Studiengänge existieren erst seit kurzer Zeit –, besitzt insbesondere die Fortbildung des Bibliothekspersonals eine entscheidende Bedeutung. Für die Fachreferentinnen und Fachreferenten, denen aufgrund ihrer wissenschaftlichen Expertise eine Schlüsselstellung an der Schnittstelle zwischen Bibliothek und Fachbereich zukommen dürfte, wird die generelle Thematik E-Science bereits seit Jahren in Fachfortbildungen oder auf Bibliothekartagen berücksichtigt.39 Doch diese noch eher punktuellen Initiativen scheinen kaum ausreichend, um künftige Anforderungen auf Hochschulebene insgesamt effizient zu schultern. In seiner Stellungnahme zu den HRK-Empfehlungen zur Informationskompetenz fordert beispielsweise das Netzwerk Informationskompetenz Baden-Württemberg (NIK-BW) in Bezug auf die Notwendigkeit von Fortbildungen: „Das vorhandene, fachwissenschaftlich verankerte und didaktisch qualifizierte Personal muss einerseits spürbar verstärkt und andererseits fortlaufend qualifiziert werden, um den notwendigen Ausbau der Angebote für Forschende bei den Bibliotheken umsetzen zu können.“40 Diese nachdrückliche Einschätzung dürfte für die spezifischen Themenfelder der Digital Humanities genauso gelten wie für E-Science insgesamt.

Wie könnten Inhalte, Lehrformate und Zielgruppen für eine bibliothekarische Unterstützung einer Propädeutik für die Digital Humanities aussehen? Wäre es bereits ausreichend, darüber zu informieren, was unter Digital Humanities generell zu verstehen ist, welche Referenzprojekte existieren und welche Tools dabei Anwendung finden? Oder sollte das Erlernen dieser Tools Gegenstand solcher Veranstaltungen sein? Aus meiner Sicht wäre ein pragmatisch gestufter „Mix aus eigenen DH-Studiengängen, zusätzlichem Lehrangebot (ggf. als Zertifikationsangebot) und unmittelbarer Integration von DH-Themen und -methoden in die grundständige Lehre, ggf. unter Beteiligung der DH-Zentren“41 denkbar:

Digital-Humanities-Experten empfehlen konkrete Basiskompetenzen zur Aufnahme in die Fachcurricula.

Vertreterinnen und Vertreter der Fächer, der Bibliotheken und geeigneter Partner im Hochschulbereich entwerfen gemeinsam ein geeignetes System von Modulen und Veranstaltungen zur Vermittlung von Orientierungswissen und Basiskompetenzen für die Digital Humanities.

Hochspezifische Themen & Tools der Digital Humanities könnten entweder auf der Ebene der einzelnen Universität kooperativ (Bibliotheken, Rechen-/Medienzentren) betreut oder durch gezielte externe Angebote der Digital-Humanities-Zentren geschult werden.

Aus Bibliothekssicht wären vor allem Anschlussmöglichkeiten an bereits etablierte, curricular verankerte Veranstaltungen zur Vermittlung fachwissenschaftlicher Informationskompetenz intensiv zu prüfen. Hinsichtlich konkreter Inhalte einer möglichen Propädeutik für die Digital Humanities könnten sich Anhaltspunkte aus etablierten DH-Studiengängen ergeben, beispielsweise:

Bachelor of Arts – Fokus Nutzersicht: Grundkenntnisse der digitalen Ressourcen für wissenschaftliches Arbeiten im betreffenden Fach wie beispielsweise: Digitale Bibliotheken; Datenbanken für Quellen, Texte, Forschungsdaten; Informationsrecherche; Metadaten und Erschließung; Kenntnis grundlegender Methoden und Instrumente der Digital Humanities.42

Master of Arts – Fokus Nutzersicht & Produzentensicht: Spezialkenntnisse der digitalen Ressourcen für wissenschaftliches Arbeiten im betreffenden Fach; Digitalisierung; OCR-Verfahren; Open Access; elektronisches Publizieren; Normdaten und Standards; Kenntnis konkreter DH-Tools (z.B. Visualisierungstools, Georeferenzierung, Text-Mining-Verfahren).

Graduierte/Postgraduierte − Fokus Produzentensicht: Spezialkenntnisse der digitalen Ressourcen für wissenschaftliches Arbeiten im betreffenden Fach; Design von Digitalisierungsprojekten in Kooperation mit der Universitätsbibliothek; Metadaten und Erschließung; Standardisierung; Semantic Web; Anwendung konkreter DH-Tools (z.B. Visualisierungstools, Georeferenzierung, Text-Mining-Verfahren).

Lehrende/Forschende − Fokus Produzentensicht: Spezialkenntnisse der digitalen Ressourcen für wissenschaftliches Arbeiten im betreffenden Fach; Design von Digitalisierungsprojekten in Kooperation mit der Universitätsbibliothek; Open Access; elektronisches Publizieren; Entwicklung von Forschungsdatenrepositorien; Erstellung digitaler Editionen; Anwendung und Entwicklung konkreter DH-Tools (z.B. Visualisierungstools, Georeferenzierung, Text-Mining-Verfahren).

Diese Punkte sollen zum jetzigen Zeitpunkt nicht mehr als erste Vorschläge dafür sein, in welcher Form Universitätsbibliotheken im Rahmen ihres Informationskompetenzvermittlungsauftrags durch eine Systematisierung und Erweiterung ihres bisherigen Portfolios die Digital Humanities konzeptionell berücksichtigen könnten, um auch jenseits formalisierter Digital-Humanities-Studiengänge Geisteswissenschaftlerinnen und Geisteswissenschaftlern eine erste und systematische Grundorientierung auf diesem Feld zu vermitteln. Da zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht erkennbar ist, ob Digital Humanities künftig vorzugsweise in eigenen Bachelor- oder (konsekutiven) Master-Studiengängen verankert oder aber grundständig in die jeweiligen Fachcurricula integriert sein werden, empfiehlt sich aus meiner Sicht zunächst ein solches pragmatisches Vorgehen, das auch in die HRK-Empfehlungen eingebettet ist: Bibliotheken, Medien- und Rechenzentren könnten als Partner auf ihrer jeweiligen spezifischen Expertise aufbauend ein kooperatives Angebot konzipieren, das modular in die jeweiligen geisteswissenschaftlichen Curricula integriert würde.

Eine wichtige Voraussetzung wäre aber, dass von der in Deutschland etablierten Digital-Humanities-Community einerseits und von der jeweiligen Fachcommunity andererseits die bisherigen einschlägigen Initiativen der Bibliotheken bewusster wahrgenommen werden und darauf aufbauend Impulse und konkrete Vorschläge ausgehen, um eine solche Entwicklung anzustoßen. Es scheint daher nicht nur wünschenswert, sondern notwendig im Sinne der Zukunftsfähigkeit der Ausbildung Studierender in geisteswissenschaftlichen Disziplinen, dass bibliothekarische und geisteswissenschaftliche Fachcommunities noch intensiver als bisher konkrete Möglichkeiten der Universitätsbibliotheken und geeigneter Partner diskutieren, traditionelle Lehrinhalte und Lehrformate aus dem Bereich der Vermittlung fachwissenschaftlicher Informationskompetenz im Hinblick auf Konzepte der Digital Humanities kooperativ und innovativ zu erweitern. Hierfür haben einerseits die Empfehlungen der HRK wichtige Impulse gesetzt, die es noch intensiver mit konkreten Inhalten auszufüllen gilt. Andererseits zeigt eine grundsätzliche Diskussion wie die vom deutschen Historikerverband ausgelöste, wie wichtig eine strategische Kooperation zwischen Bibliothek und Wissenschaft auf dem Feld von E-Science, Digitalisierung und Digital Humanities ist.

Vor diesem Hintergrund ist zu fragen, wie strategische Partnerschaften zwischen Bibliotheken, Rechen- und Medienzentren, Fachbereichen und den Digital-Humanities-Experten bei der Vermittlung von Grundkenntnissen der Digital Humanities künftig konkret aussehen könnten. Universitätsbibliotheken verkörpern bereits einen institutionalisierten Dialog mit Fachwissenschaften, Informationswissenschaft, Informatik – und in Zukunft vielleicht mit den Digital Humanists. Auf diesem Feld scheint allerdings wichtig – und hier lassen sich die vorliegenden Gedanken zusammenfassen –, Grenzen bewusst zu überschreiten und Brücken zu bauen. Neben dem unter Berücksichtigung der lokalen Verhältnisse jeweils individuell zu bestimmenden Verhältnis möglicher Angebote der einzelnen Partner könnte die Vermittlung von Informationskompetenz im Sinne der Mitwirkung an einer Propädeutik digitalen geisteswissenschaftlichen Arbeitens nicht zuletzt durch innovativ verstandene Fachreferatsarbeit in den Bibliotheken eine vielversprechende Perspektive bieten.

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1 Vgl. Peter Andorfer, Forschen und Forschungsdaten in den Geisteswissenschaften: Zwischenbericht einer Interviewreihe, DARIAH-DE Working Papers 10 (Göttingen: GOEDOC, Dokumenten- und Publikationsserver der Georg-August-Universität, 2015), zuletzt geprüft am 26.02.2017, http://resolver.sub.uni-goettingen.de/purl/?dariah-2015-3.

2 „Quellenkritik im digitalen Zeitalter. Die Historischen Grundwissenschaften als zentrale Kompetenz der Geschichtswissenschaft und benachbarter Fächer,“ Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands (VHD), Oktober 2015, zuletzt geprüft am 26.02.2017, http://www.historikerverband.de/verband/stellungnahmen/quellenkritik.html.

3 Die folgenden Überlegungen basieren auf einem Beitrag für den Workshop „Wissenschaftsgeschichte und Digital Humanities in Forschung und Lehre“, der vom 07. bis 09. April 2016 vom Fachverband Wissenschaftsgeschichte (FVWG) und dem Göttingen Centre for Digital Humanities (GCDH) in Göttingen durchgeführt wurde, zuletzt geprüft am am 26.02.2017, http://www.gcdh.de/en/events/calendar-view/workshop-wissenschaftsgeschichte-und-digital-humanities-forschung-und-lehre.

4 Zum Folgenden vgl. Manuel Burghardt, Christian Wolff und Christa Womser-Hacker, „Informationswissenschaft und Digital Humanities,“ Information. Wissenschaft & Praxis 66 (2015): 287-294.

5 Ebd., 289.

6 Vgl. ebd.

7 Ebd., 291.

8 Um diesen Umstand zu belegen, genügt der Blick beispielswiese in die Stellenanzeigen, Forschungs- oder Tagungsberichte in Fachorganen wie H-Soz-Kult, der Informations- und Kommunikationsplattform für die Geschichtswissenschaften, zuletzt geprüft am 26.02.2017, http://www.hsozkult.de.

9 Vgl. Ben Heuwing und Christa Womser-Hacker, „Zwischen Beobachtung und Partizipation – nutzerorientierte Methoden für eine Bedarfsanalyse in der digitalen Geschichtswissenschaft,“ Information. Wissenschaft & Praxis 66 (2015): 337: „Historiker erwarten von Werkzeugen für die Textanalyse primär eine Steigerung der Produktivität ihrer bestehenden Vorgehensweisen […]. Die Teilnehmer einer Interviewstudie äußern sich zunächst skeptisch gegenüber Werkzeugen, die ihnen Methoden vorgeben, und erwarten für diesen Fall, dass die neuen Methoden sich in ihre bestehenden Abläufe integrieren […]. Die allgemeine Verfügbarkeit von digitalisierten historischen Primärquellen verändert die Voraussetzungen der Arbeit von Historikern insgesamt […]. In der Disziplin wird jedoch häufig ein allgemeines Misstrauen gegenüber dem Erkenntnispotenzial von quantitativen Studien mit den Mitteln des Text Minings festgestellt.“

10 Hier der Hinweis auf zwei exemplarische Konzepte: Hans Zotter, „Erlebnisräume, gebaut aus Erinnerungen. Die Sondersammlung als Teaching Library,“ in Sondersammlungen im 21. Jahrhundert: Organisation, Dienstleitungen, Ressourcen, hrsg. Graham Jefcoate und Jürgen Weber (Wiesbaden: Harrassowitz, 2008), 136-144. – Marcus Schröter, „Bücher, Bildung, Bibliotheken – Altes Buch und neue Medien an der Universität Rostock. Zur Verwirklichung von Kulturauftrag und Bildungsverantwortung an einer wissenschaftlichen Bibliothek,“ Bibliothek. Forschung und Praxis 29 (2005): 25-37.

11 Deutsche Forschungsgemeinschaft, „Entschließung und Digitalisierung von objektbezogenen wissenschaftlichen Sammlungen,“ zuletzt geprüft am 26.02.2017, http://www.dfg.de/foerderung/info_wissenschaft/2010/info_wissenschaft_10_26/index.html.

12 Wissenschaftsrat, „Empfehlungen zu wissenschaftlichen Sammlungen als Forschungsinfrastrukturen“, Berlin 2011, zuletzt geprüft am 26.02.2017, http://www.wissenschaftsrat.de/download/archiv/10464-11.pdf.

13 Stiftung Mercator, „SammLehr – an Objekten lehren und lernen,“ zuletzt geprüft am 30.11.2016, https://www.stiftung-mercator.de/de/projekt/sammlehr-an-objekten-lehren-und-lernen/.

14 Bundesministerium für Bildung und Forschung, „Die Sprache der Objekte. Materielle Kultur im Kontext gesellschaftlicher Entwicklungen,“ zuletzt geprüft am 26.02.2017, https://www.bmbf.de/foerderungen/bekanntmachung.php?B=837.

15 Sonderforschungsbereich 933, zuletzt geprüft am 26.02.2017, http://www.materiale-textkulturen.de/.

16 Sonderforschungsbereich 950, zuletzt geprüft am 26.02.2017, http://www.manuscript-cultures.uni-hamburg.de/.

17 Graduiertenkolleg 2196, zuletzt geprüft am 26.02.2017, http://www.editionen.uni-wuppertal.de/.

18 Vgl. Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands (VHD), „Quellenkritik im digitalen Zeitalter.“ – Eva Schlotheuber, Frank Bösch, „Quellenkritik im digitalen Zeitalter: Die Historischen Grundwissenschaften als zentrale Kompetenz der Geschichtswissenschaft und benachbarter Fächer,“ H-Soz-Kult, 16. November 2015, zuletzt geprüft am 26.02.2017, http://www.hsozkult.de/debate/id/diskussionen-2866. – „Forum ‚Historische Grundwissenschaften und die digitale Herausforderung‘,“ H-Soz-Kult, 16. November 2015, zuletzt geprüft am 26.02.2017, http://www.hsozkult.de/debate/id/diskussionen-2889. – Die zahlreichen Diskussionsbeiträge ebenda, zuletzt geprüft am 30.11.2016, http://www.hsozkult.de/text/id/texte-2890.

19 Harald Müller, „Schlüsselkompetenzen der Quellenkundigkeit,“ H-Soz-Kult, 20. November 2015, zuletzt geprüft am 26.02.2017, http://www.hsozkult.de/debate/id/diskussionen-2892.

20 Wolfgang Spickermann, Leif Scheuermann, „Grundwissenschaften in den Altertumswissenschaften,“ H-Soz-Kult, 05. Dezember 2015, zuletzt geprüft am 26.02.2017, http://www.hsozkult.de/debate/id/diskussionen-2907.

21 Markus Krajewski, „Programmieren als Kulturtechnik,“ H-Soz-Kult, 30. November 2015, zuletzt geprüft am 26.02.2017, http://www.hsozkult.de/debate/id/diskussionen-2901.

22 Harald Müller, „Schlüsselkompetenzen der Quellenkundigkeit.“

23 Vgl. Torsten Hiltmann, „Hilfswissenschaften in Zeiten der Digitalisierung,“ H-Soz-Kult, 14. Dezember 2015, zuletzt geprüft am 26.02.2017, http://www.hsozkult.de/debate/id/diskussionen-2936.

24 Markus Krajewski, „Programmieren als Kulturtechnik.“

25 Torsten Hiltmann, „Hilfswissenschaften in Zeiten der Digitalisierung.“

26 Eva Pflanzelter, „Historische Quellenkritik in Lehre und Forschung,“ H-Soz-Kult, 24. November 2015, zuletzt geprüft am 26.02.2017, http://www.hsozkult.de/debate/id/diskussionen-2903.

27 Vgl. Zotter, „Erlebnisräume, gebaut aus Erinnerungen. Die Sondersammlung als Teaching Library.“

28 Hochschulrektorenkonferenz, „Hochschule im digitalen Zeitalter: Informationskompetenz neu begreifen – Prozesse anders steuern,“ zuletzt geprüft am 26.02.2017, https://www.hrk.de/themen/hochschulsystem/informationskompetenz/.

29 Vgl. die Statistiken der vergangenen Jahre auf www.informationskompetenz.de, zuletzt geprüft am 26.02.2017.

30 Die HRK hat daher beschlossen, auf einem insbesondere an die Hochschulleitungen adressierten Workshop am 12./13. Juni 2017 das Thema Informationskompetenz wieder aufzunehmen und mit Blick auf aktuelle Entwicklungen innerhalb von Bibliothek und Wissenschaft neu zu diskutieren.

31 Vgl. beispielsweise Tina Rotzal und Dominik Schuh, „Grundlagenlehre: Bibliotheken als Vermittler wissenschaftlicher Arbeitstechniken, Werte und Normen,“ o-bib 3, Nr. 4 (2016): 61-74, http://dx.doi.org/10.5282/o-bib/2016H4S61-74.

32 Vgl. Gabriela Ruhmann und Marcus Schröter, „Grenzverschiebungen: Wissenschaftliches Schreiben, Schreibwerkstätten und Informationskompetenz,“ in Handbuch Informationskompetenz, hrsg. Wilfried Sühl-Strohmenger, 2., vollständig überarbeitete u. erweiterte Auflage (Berlin: De Gruyter Saur, 2016), 227-244.

33 Vgl. Thomas P. Mackey und Trudi Jacobson, Metaliteracy: Reinventing Information Literacy to Empower Learners (London: Facet Publishing 2014). – Thomas P. Mackey, Trudi Jacobson, Metaliteracy in Practice (Chicago: ALA Editions 2016). – „Framework for Information Literacy for Higher Education, “ Association of College and Research Libraries, 2015, zuletzt geprüft am 28.02.2017, http://www.ala.org/acrl/sites/ala.org.acrl/files/content/issues/infolit/Framework_ILHE.pdf . – Patricia Bravender, Hazel McClure, Gayle Schaub, Teaching Information Literacy Threshold Concepts: Lessons Plans for Librarians (Chicago: Association of College and Research Libraries 2015).

34 Thomas P. Mackey und Trudi Jacobson, „Reframing Information Literacy as a Metaliteracy,“ College and Research Libraries 72, Nr. 1 (2011): 62-78, http://dx.doi.org/10.5860/crl-76r1

35 Mackey / Jacobson, ebd., S. 63

36 Mackey / Jacobson, ebd., S. 68

37 Wolfram Horstmann, Najko Jahn und Birgit Schmidt, „Der Wandel der Informationspraxis in Forschung und Bibliothek,“ Zeitschrift für Bibliothekswesen und Bibliographie 62, Nr. 2 (2015): 73. Vgl. auch Inka Tappenbeck, „Informationskompetenz im Wissenschaftssystem,“ In Handbuch Informationskompetenz, hrsg. Wilfried Sühl-Strohmenger, 2. Auflage (Berlin, Boston: De Gruyter, 2016), 279-288

38 Vgl. Manuel Burghardt und Christian Wolff, „Zentren für Digital Humanities in Deutschland,“ Information. Wissenschaft & Praxis 66 (2015): 313-326. Die genannten Dienstleistungen werden unter anderen in den „Steckbriefen“ dreier ausgewählter Zentren für Digital Humanities (Trier, Köln, Göttingen) benannt.

39 Beispielsweise hat die Kommission Fachreferatsarbeit auf dem 101. Bibliothekartag 2012 in Hamburg das Panel „Bibliothek und E-Science“ durchgeführt, um insbesondere aus der Perspektive des Fachreferats dieses Zukunftsthema frühzeitig und konkret zu thematisieren (zuletzt geprüft am 26.02.2017, http://reg.mcon-mannheim.de/onlineprogramm-mmv/index.aspx?kongressID=49). Die Fortbildung für Fachreferentinnen und Fachreferenten der Altertumswissenschaften 2015 stand ebenfalls unter den Leitthemen Digital Humanities und Forschungsdaten – insbesondere im Hinblick auf den Fachinformationsdienst Altertumswissenschaften (zuletzt geprüft am 26.02.2017, http://www.vdb-online.org/veranstaltungen/672/).

40 „Förderung von Informationskompetenz in Baden-Württemberg – Potenziale der wissenschaftlichen Bibliotheken des Landes. Stellungnahme des Netzwerks Informationskompetenz Baden-Württemberg (NIK-BW) zur Entschließung der Hochschulrektorenkonferenz ‚Hochschule im digitalen Zeitalter: Informationskompetenz neu begreifen - Prozesse anders steuern‘ vom 20.11.2012 sowie zu den ‚Empfehlungen zur Weiterentwicklung der wissenschaftlichen Informationsinfrastrukturen in Deutschland bis 2020‘ des Wissenschaftsrats vom 13.07.2012 vom Mai 2013,“ zuletzt geprüft am 26.02.2017, http://zpidlx54.zpid.de/wp-content/uploads/2015/02/NIK-BW_Stellungnahme_Foerderung_IK1.pdf.

41 Manuel Burghardt und Christian Wolff, „Zentren für Digital Humanities in Deutschland.“ – Folgende weitere in diesem Zusammenhang berücksichtigte Literatur ist: Mirjam Blümm, Stefan E. Funk und Sibylle Söring, „Die Infrastruktur-Angebote von DARIAH-DE und TextGrid,“ Information. Wissenschaft & Praxis 66 (2015): 204-312. – Manuel Burghardt, Christian Wolff und Christa Womser-Hacker, „Informationsinfrastruktur und informationswissenschaftliche Methoden in den digitalen Geisteswissenschaften,“ Information. Wissenschaft & Praxis 66 (2015): 285-286. – Gerhard Heyer, Thomas Eckart und Dirk Goldhahn, „Was sind IT-Basierte Forschungsinfrastrukturen für die Geistes- und Sozialwissenschaften und wie können sie genutzt werden?“, Information. Wissenschaft & Praxis 66 (2015): 295-301. – Ben Heuwing und Christa Womser-Hacker, „Zwischen Beobachtung und Partizipation – nutzerorientierte Methoden für eine Bedarfsanalyse in der digitalen Geschichtswissenschaft,“ Information. Wissenschaft & Praxis 66 (2015): 335-344.

42 Ein interessantes Beispiel aus der praktischen geisteswissenschaftlichen Lehre war eine Veranstaltung des in Freiburg lehrenden Herausgebers der Germanischen Altertumskunde Online (GAO), der digitalen Ausgabe der renommiertesten Enzyklopädie nicht nur für die Ur- und Frühgeschichte: Sein Seminar widmete sich ausschließlich dieser Datenbank, indem Studierende insbesondere die inhaltliche Erschließung kritisch bewerten und Verbesserungsvorschläge aus Nutzersicht erarbeiten sollten. Der zuständige Fachreferent steuerte zu der Thematik aus bibliothekarischer Sicht Hinweise zu den Themen Sacherschließung, Normdaten, Vernetzungen, Forschungsdaten etc. bei.