Die Frühjahrssitzung des Ausschusses für Wissenschaftliche Bibliotheken und Informationssysteme (AWBI) fand am 6. und 7. Mai 2026 in Bonn statt. Im Mittelpunkt standen die Weiterentwicklung des DFG-Förderportfolios für wissenschaftliche Informationsinfrastrukturen sowie Planungen zu einem strategischen Dialogprozess.
Einen Schwerpunkt bildete die erste Beratung von Programmunterlagen für das neu zu konzipierende, integrierte LIS-Förderprogramm. Ziel ist es, sieben der acht Programme der Gruppe „Wissenschaftliche Literaturversorgungs- und Informationssysteme“ (LIS) in einem Programm zusammenzuführen. Der AWBI bewertete die intendierte Zusammenführung der bisherigen Einzelprogramme ausdrücklich positiv und sieht darin einen wichtigen Schritt zu einem kohärenten Förderportfolio. Gegenstand der Förderung sollen wissenschaftliche Ressourcen, insbesondere digitale Objekte, sowie digitale Dienste, organisatorische und auf die Communitys bezogene Maßnahmen sein. Die Fördergegenstände sollen beliebig miteinander kombinierbar sein. Zudem sollen Anträge einem Fördersegment zugeordnet werden:
Konzeption und Entwicklung
Weiterentwicklung und Implementierung
Konsolidierung und Bereitstellung
längerfristige Etablierung (bezieht sich nur auf FIDplus-Anträge)
Der AWBI empfiehlt, die Segmentstruktur weiter auszuarbeiten und Steuerungsmechanismen zwischen den Fördersegmenten zu konkretisieren. Die DFG-Geschäftsstelle wurde beauftragt, die Programmunterlagen weiterzuentwickeln.
Zur strategischen Weiterentwicklung des LIS-Programmportfolios wird eine gemeinsame Arbeitsgruppe aus Mitgliedern des DFG-Senats und des AWBI eingerichtet. Ziel ist es, den Mehrwert der DFG-Förderung wissenschaftlicher Informationsinfrastrukturen deutlicher herauszuarbeiten und das neue Förderprogramm enger in die Gesamtstrategie der DFG einzubetten. Der AWBI begrüßte diesen Schritt ausdrücklich.
Im Rahmen der Umsetzung des Diskussionspapiers zur digitalen Forschungspraxis, konkret zum Handlungsfeld „Anschlussfähigkeit optimieren“, befasste sich der AWBI mit dem Ausbau der dritten Ebene des Kodex zur guten wissenschaftlichen Praxis. Der Ausschuss beschloss, zunächst den Schwerpunkt auf die Ansprache DFG-interner Gremien zu legen, um Themen wie Anschlussfähigkeit, Standardisierung und bestehende Förderangebote stärker zu verankern. Die DFG-Geschäftsstelle wird dabei durch einzelne AWBI-Mitglieder unterstützt.
Darüber hinaus stimmte der Ausschuss einem Auftaktgespräch zur Aggregation digitaler Objekte aus unterschiedlichen Kategorienschemata zu, das sich vorrangig an Informationsinfrastruktureinrichtungen richtet. Ziel der Veranstaltung ist es, Anforderungen für interoperable und nachnutzbare Datenbestände zu identifizieren und konkrete Lösungsvorschläge für eine bessere Aggregation unterschiedlicher Informationsressourcen zu entwickeln.
Der AWBI befasste sich intensiv mit mehreren Dialogformaten zur strategischen Weiterentwicklung wissenschaftlicher Informationsinfrastrukturen.
Für das erste Quartal 2027 plant die DFG einen zweitägigen Workshop zur „Kartierung von Informationsinfrastrukturen“. Sie greift damit den vielfach aus den Communitys an sie herangetragenen Bedarf nach einer Kartierung von Informationsinfrastrukturen, die den dynamischen Anforderungen der Forschungspraxis entspricht, auf und lädt die Communitys zur gemeinsamen Gestaltung ein. Auf der Veranstaltung soll über die Voraussetzungen, den konkreten Zweck und die Anforderungen an eine Kartierung von Informationsinfrastrukturen diskutiert werden. Darüber hinaus möchte die DFG aber auch Impulse für die Umsetzung der Kartierung setzen und den Teilnehmer*innen Raum bieten, um sich zu vernetzen und über die gemeinsame Entwicklung und Ausgestaltung auszutauschen. Der Veranstaltung werden im Sommer und Herbst 2026 zwei Online-Abfragen vorgeschaltet. Im ersten Schritt möchte die DFG erfragen, mit welcher inhaltlichen Ausrichtung den Communitys am besten gedient wäre, welche Arten von Informationsinfrastrukturen also prioritär kartiert werden sollten.1 Dieser Input wird in den Programmentwurf einfließen. Im zweiten Schritt wird ein offener Aufruf zur Mitwirkung und zu zusätzlichen Themenvorschlägen erfolgen. Auf dieser Basis wird das Workshopprogramm finalisiert.
Auch Themenskizzen zur zunehmenden Verzahnung von Forschung und Informationsinfrastruktur sowie zu strukturellen Kooperationshürden, insbesondere im Bereich wissenschaftlicher Sammlungen, fanden Zustimmung. Die Geschäftsstelle wurde beauftragt, beide Themen weiter zu konkretisieren und entsprechende Dialogformate vorzubereiten.
Besondere Bedeutung maß der AWBI zudem dem Thema der längerfristigen Finanzierung digitaler Infrastrukturen bei. Der Ausschuss unterstützte den geplanten Dialogprozess und sprach sich dafür aus, in der weiteren Diskussion über Fragen nachhaltiger Finanzierungsmodelle sowohl aus dem Betrieb von Diensten für eine Einrichtung resultierende Mehrwerte als auch denkbare Einsparpotenziale zu identifizieren.
Der Hauptausschuss der DFG hat im März 2026 eine Neuordnung der Publikationsfinanzierung beschlossen. Konkret geht es um den Umgang mit projektinternen Publikationsmitteln und die Umschichtung von Mitteln hin zu einer institutionellen Open-Access-Förderung. Der AWBI hat sich in seiner Sitzung mit der Umsetzung des Programms befasst und die von der DFG-Geschäftsstelle erarbeiteten Förderbedingungen und Verwendungsrichtlinien des neuen Programms „Open-Access-Publikationsförderung“ geprüft und bestätigt. Die Antragstellung im neuen Programm soll erstmals im Mai 2027 möglich sein. Informationen zu dem Programm werden im Herbst 2026 veröffentlicht.
Der AWBI hat die im April 2026 veröffentlichte Positionierung des DFG-Präsidiums zur Zukunft der NFDI2 zur Kenntnis genommen. Das Präsidium nimmt in dem Papier Stellung zu den Punkten, die für eine künftige Bund-Länder-Vereinbarung mit Bezug auf die NFDI ab 2029 sowie für den Übergang in eine neue Zielstruktur aus seiner Sicht zu berücksichtigen sein werden.
Zudem hat sich der AWBI über die Fortschritte der Förderinitiative für die Sicherung gefährdeter Datenbestände und zur Datenresilienz informiert. Aktuell befinden sich zehn Projekte in der Förderung. Diese sind fachlich in den Klima- und Geowissenschaften, den Lebenswissenschaften und den Ingenieurswissenschaften / Angewandten Wissenschaften angesiedelt bzw. beziehen sich auf fachunspezifische Technologieentwicklungen. Perspektivisch ist geplant, die bisher geförderten Projekte auszuwerten und die Förderinitiative durch unterschiedliche Veranstaltungsformate bekannter zu machen. Darüber hinaus soll eine gezielte Ansprache einzelner Fachbereiche erfolgen.