Nr. 3 (2026)
DOI: 10.5282/o-bib/6312

Jahresbericht 2024/2025 der VDB-Kommission für forschungsnahe Dienste

Im Berichtszeitraum 2024–2025 beschäftigte sich die Kommission für forschungsnahe Dienste mit den strategischen Rahmenbedingungen und Zukunftsperspektiven forschungsnaher Dienstleistungen an wissenschaftlichen Bibliotheken. Ein Schwerpunkt der Kommissionsarbeit lag auf der Frage, wie sich innovative Entwicklungen im Bereich der forschungsnahen Dienste nachhaltig in den Strukturen wissenschaftlicher Bibliotheken verankern lassen. Hierzu organisierte die Kommission einen extern begleiteten Präsenz-Workshop zum Konzept der organisatorischen Ambidextrie im November 2024 in Stuttgart. Ambidextrie bedeutet wörtlich übersetzt Beidhändigkeit und meint im organisatorischen Kontext die Fähigkeit, gleichzeitig den Dauerbetrieb aufrechtzuerhalten und Innovationen nachhaltig in den Alltag zu integrieren. Dieses Konzept wurde während des Workshops zunächst durch eine externe Expertin1 erläutert und dann auf die Herausforderungen der forschungsnahen Dienste übertragen.

Dazu wurden gemeinsam mit 17 Teilnehmenden aus Universitäten und außeruniversitären Forschungsinstituten Möglichkeiten diskutiert, wie Bibliotheken den Anforderungen eines stabilen Routinebetriebs und gleichzeitig der Entwicklung neuer, zukunftsorientierter Dienstleistungen im Bereich forschungsnaher Dienste gerecht werden können. Im Mittelpunkt standen organisatorische Voraussetzungen, notwendige Kompetenzen sowie mögliche Entwicklungspfade für die Integration forschungsnaher Dienste in die Bibliotheksstrukturen.

Aufbauend auf diesen Überlegungen führte die Kommission auf der BiblioCon 2025 die Zukunftswerkstatt „Forschungsnahe Dienste – von der Vision zur Realität“ durch. Ziel der Veranstaltung war es, langfristige Entwicklungsperspektiven für zentrale Handlungsfelder der forschungsnahen Dienste zu entwerfen und die Voraussetzungen für deren Umsetzung zu diskutieren. Die Teilnehmenden entwickelten Zukunftsszenarien zu den Themen Forschungsdatenmanagement, Open Access, Bibliometrie, Fachreferat und dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) in wissenschaftlichen Bibliotheken. Dabei wurden sowohl wünschenswerte Zielbilder als auch die hierfür notwendigen organisatorischen, finanziellen und politischen Rahmenbedingungen herausgearbeitet.2

Die Zukunftswerkstatt zeigte, wie sich die Teilnehmenden die zukünftige Entwicklung forschungsnaher Dienste vorstellten. Für Open Access (OA) standen Diamond-OA, Qualitätssicherung und nachhaltige Publikationsinfrastrukturen im Mittelpunkt. Im Forschungsdatenmanagement (FDM) wurden etablierte FDM-Kompetenzen, Data Stewards und FAIR-Praktiken als zentrale Ziele benannt. Die Bibliometrie wurde stärker als Instrument zur Analyse von Forschungslandschaften und weniger zur Bewertung gedacht. Das Fachreferat sollte enger in Forschungsprozesse eingebunden sein und eine vermittelnde Rolle zwischen Forschung und Infrastruktur übernehmen. Im Bereich KI sahen die Teilnehmenden Bibliotheken vor allem als beratende und gestaltende Akteurinnen, die Forschende beim reflektierten Einsatz von KI unterstützen.

Die Ergebnisse der beiden Veranstaltungen ergänzten sich inhaltlich: Während der Ambidextrie-Workshop vor allem die organisatorische und strukturelle Verankerung forschungsnaher Dienste in den Blick nahm, konzentrierte sich die Zukunftswerkstatt auf mögliche fachliche und strategische Entwicklungsperspektiven. Die gewonnenen Erkenntnisse bilden eine wichtige Grundlage für die weitere Arbeit der Kommission und fließen in ein Diskussionspapier ein, das mit einem geplanten Schreibsprint zu den Zukunftsperspektiven forschungsnaher Dienste weiter ergänzt werden soll.

Darüber hinaus beteiligte sich die Kommission am fachlichen Austausch innerhalb des VDB sowie mit weiteren Akteuren aus dem Bereich der wissenschaftlichen Informationsinfrastrukturen und brachte die Perspektiven der operativen Praxis in aktuelle Diskussionen zur Weiterentwicklung forschungsnaher Dienste ein.

Anmerkungen

Sibylle Hermann, Bibliotheksservice-Zentrum Baden-Württemberg (BSZ), Konstanz, https://orcid.org/0000-0001-9239-8789
Alexander Berg-Weiß, Universitätsbibliothek der Ludwig-Maximilians-Universität München, https://orcid.org/0000-0002-7435-8676
Elke C. Bongartz, Deutsches Institut für Erwachsenenbildung – Leibniz-Zentrum für Lebenslanges Lernen e. V. (DIE), Bonn, https://orcid.org/0000-0002-2136-7675
Eva Eilert, Hochschulbibliothek der Hochschule Düsseldorf, https://orcid.org/0000-0002-1512-0393
Vid Stevanovic, Universitätsbibliothek der Technischen Universität München, https://orcid.org/0000-0001-7306-5655

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