Nr. 3 (2026)
DOI: 10.5282/o-bib/6307

We stand with Ukraine!

Die Ukraine-Kontaktgruppe der Sektion 4 des dbv

1. Einleitung

In der Ukraine-Kontaktgruppe haben sich Mitglieder der Sektion 4 des Deutschen Bibliotheksverbands (dbv) zusammengefunden, die seit oder bereits vor dem Überfall Russlands auf die Ukraine im Februar 2022 Kontakte zu Bibliothekar*innen aus der Ukraine aufgebaut und gepflegt hatten.1 So hatten etwa die Universitätsbibliothek der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen und die Universitäts- und Landesbibliothek (ULB) Bonn frühzeitig Gäste aus der Ukraine eingeladen, um ihnen die Gelegenheit gegeben, über die Lage ihrer Bibliotheken im Krieg öffentlich zu referieren.2

Im Rahmen einer Sitzung der dbv-Sektion 4 (Wissenschaftliche Universalbibliotheken) in Oldenburg wurde im Mai 2025 die Ukraine-Kontaktgruppe formal begründet, mit dem Auftrag, die Kontakte zwischen den wissenschaftlichen Bibliotheken Deutschlands und der Ukraine im Blick zu behalten, zu koordinieren und zu intensivieren. Beteiligt sind aktuell etwa ein Dutzend Kolleg*innen aus Hochschulbibliotheken (Universitäten und Fachhochschulen) sowie Regional- und Staatsbibliotheken wie auch der Deutschen Nationalbibliothek und der dbv-Geschäftsstelle – weitere Mitglieder sind willkommen! Die Gruppe trifft sich einmal monatlich per Videokonferenz, bespricht neue Entwicklungen und sondiert mögliche Projekte. Dabei geht es primär um mögliche Unterstützungsleistungen für die Ukraine (z. B. Literaturversorgung, Kulturgutschutz), aber auch um die Vertiefung der gegenseitigen Kontakte etwa durch Hospitationen oder Veranstaltungen. Auf der ukrainischen Seite hat sich inzwischen eine entsprechende Kontaktgruppe ähnlicher Größe gebildet; deren Sprecherin ist Nataliia Moroz, Direktorin der Universitätsbibliothek Tschernihiw. Die Sprecher*innen beider Gruppen treffen sich regelmäßig, um sich auszutauschen, Informationen weiterzugeben und Ideen zu entwickeln. Eine gemeinsame Mailingliste für beide Gruppen ist eingerichtet und ab dem Herbst 2026 sollen gemeinsame Online-Termine der beiden Gruppen stattfinden, um den Austausch und das gegenseitige Verständnis weiter zu intensivieren und die Gruppen – die sich bisher in der weit überwiegenden Zahl nur online kennen – schrittweise zusammen zu führen. Wichtig ist dabei, dass andere Initiativen und Aktivitätslinien – wie beispielsweise das Ukrainian Art Aid Center (UAAC) – nicht gestört oder gar ersetzt werden sollen. Vielmehr kann und soll das Netzwerk bestehende Aktivitäten verstärken und begleitend unterstützen. Gleichzeitig sollen neue Aktionslinien der Zusammenarbeit eruiert werden, von gemeinsamen größeren Projekten, „Mini-Projekten“ bis hin zu lokalen Tandems von wissenschaftlichen Bibliotheken in Partnerstädten bzw. Partnerhochschulen – niedrigschwellig, kollegial, solidarisch, neugierig aufeinander.

2. Aktivitäten

2.1 Webinar-Serie

Die Kooperation mit den ukrainischen Universitätsbibliotheken ist von dem Gedanken des gegenseitigen Lernens und der beiderseitigen Horizonterweiterung getragen. Entsprechend wurde im Frühjahr 2026 eine Webinar-Reihe begründet, in der im Wechsel bibliothekarische Themen von übergreifender Relevanz vorgestellt werden. Dabei geht es sowohl um strategische Fragestellungen wie auch um konkrete Lösungen. Der Austausch ist für alle Ebenen der Bibliotheken offen und erfreut sich auf beiden Seiten großer Resonanz. Nachfolgend aufgelistet sind die bisherigen Webinar-Beiträge, die einen Eindruck von der thematischen Breite des Austauschs geben und teilweise auch veröffentlicht wurden:

  1. 27. März 2026: Ulrich Meyer-Doerpinghaus (ULB Bonn): Wissenschaftliche Bibliotheken in Deutschland – Ein Überblick

  2. 17. April 2026: Nataliia Moroz (UB Tschernihiw): Die Arbeit der Hochschulbibliotheken in der Ukraine unter den Bedingungen der russischen Vollinvasion3

  3. 08. Mai 2026: Jochen Johannsen (UB der RTWH Aachen): Bibliothekskonsortien und DEAL

  4. 29. Mai 2026: Tetiana Kolesnikova (Dnipro): Innovationen bei der Entwicklung von Universitätsbibliotheksbeständen in der Ukraine: OER4.

  5. 26. Juni 2026: Berthold Gillitzer (Bayerische Staatsbibliothek): Fernleihe in Deutschland

  6. 17. Juli 2026: Gudrun Wirtz (Bayerische Staatsbibliothek): Fachinformationsdienste für die Wissenschaft: eine von der DFG geförderte deutschlandweite Infrastruktur

  7. 24. Juli 2026: Tetiana Кishchak (Wissenschaftliche Bibliothek der Nationalen Universität für Lebens- und Umweltwissenschaften der Ukraine, Kyjiw): Förderung der guten wissenschaftlichen Praxis im ukrainischen Hochschulwesen. Der Beitrag der Bibliothek.

Die Webinare finden – dies hat sich am praktikabelsten erwiesen, um die Sprachbarrieren zu überwinden – auf Englisch statt und werden ins Ukrainische gedolmetscht.

Nicht selten kommt es während der Webinare für einige Teilnehmer*innen zu Luftalarm. Die deutsche Gruppe ist tief beeindruckt, wie die ukrainischen Kolleg*innen in ihrem Bereich um ihre Demokratie kämpfen, wie sie unter den Bedingungen des Krieges ihren Nutzer*innen umfassende Unterstützung bieten – von der (enorm ausgeweiteten) traditionellen Versorgung mit Information zu Luftschutzräumen bis hin zur Organisation psychologischer Hilfe.

2.2 Besuch ukrainischer Kolleginnen im April 2026

Vom 22. bis 25. April 2026 waren Nataliia Moroz und Nataliia Kalinichenko aus der Universitätsbibliothek der Polytechnischen Nationalen Universität Tschernihiw, zu Besuch in Aachen, der Partnerstadt von Tschernihiw auf Einladung des Aachener UB-Leiters, Jochen Johannsen.5 Unmittelbarer Anlass war das Frühjahrstreffen der Sektion 4 im dbv (vgl. Abb. 1). Neben den übrigen Programmpunkten stand, ein Jahr nach Gründung der Kontaktgruppe, ein Sachstandsbericht zu den Aktivitäten der Gruppe auf dem Programm, vor allem aber ein Bericht der ukrainischen Kolleginnen über die Situation der ukrainischen wissenschaftlichen Bibliotheken im Krieg. Nataliia Moroz berichtete über die Ergebnisse einer Umfrage unter wissenschaftlichen Bibliotheken in der Ukraine im Februar 2026 zu den Auswirkungen des Kriegs auf ihre Tätigkeit.6 Es wurde auch über die Beschädigungen an den Räumlichkeiten der Wissenschaftlichen Bibliothek infolge der Beschüsse von Tschernihiw berichtet, den Verlust eines Teils des Bestands sowie die täglichen Herausforderungen im Zusammenhang mit Lebensgefahr, zahlreichen Luftangriffswarnungen, Stromausfällen und Ähnlichem. Trotz der schwierigen Bedingungen erfüllt die Bibliothek weiterhin ihren Auftrag – sie gewährleistet den Zugang zu Informationsressourcen, unterstützt die wissenschaftliche und lehrende Arbeit an der Universität und bietet Studierenden und Lehrenden Raum für Arbeit und Kreativität. Der Vortrag endete bezeichnenderweise mit einem Blick auf einen als Lernort gestalteten Schutzraum einer wissenschaftlichen Bibliothek in Kyjiw.

Eine Gruppe von Menschen steht in einem Konferenzraum vor einer Leinwand. Die Leinwand zeigt eine Präsentationsfolie mit einem blauen Hintergrund, mehreren Logos und einem englischen Titel. Die Personen tragen überwiegend formelle Kleidung wie Hemden, Blazer und Blusen. Der Raum ist hell und modern, mit großen Fenstern und Holzfußboden. Im Hintergrund sind einige Stühle und Tische zu sehen.
Abb. 1: Nataliia Moroz und Nataliia Kalinichenko (vorne in weiß) mit Vertreter*innen der in der Ukraine-Kontaktgruppe vertretenen Institutionen auf der Sitzung der dbv-Sektion 4, April 2026, Foto: Jochen Johannsen

Neben dem Besuch der Sektionssitzung blieb bei dem viertägigen Besuch Zeit für den Austausch über fachliche Fragen, beispielsweise mit Blick auf Bibliotheksservices für die Unterstützung der guten wissenschaftlichen Praxis beim Publizieren, die Organisation des Lernorts sowie Managementfragen. Natürlich stand auch die Besichtigung Aachener Bibliotheken sowie des RWTH-Campus auf dem Programm. Am beeindruckendsten für beide Seiten war dabei jeweils der menschliche Austausch zwischen Kolleginnen und Kollegen. Der Besuch wurde finanziell unterstützt von Bibliothek & Information International sowie der Universitätsbibliothek Aachen.

2.3 BiblioCon 2026

Im Rahmen der BiblioCon 2026 waren drei ukrainische Kolleg*innen in Berlin anwesend. Oksana Brui, Präsidentin des ukrainischen Bibliotheksverbandes, Oleh Serbin, Generaldirektor der Jaroslaw-der-Weise-Nationalbibliothek sowie die stellvertretende Leiterin der Vernadski-Bibliothek, Julija Polowintschak, nahmen an der Konferenz teil. Der Besuch der ukrainischen Kolleg*innen ermöglichte nicht nur die persönliche und fachliche Vernetzung mit deutschen und anderen internationalen Gästen, sondern auch wichtige Impulse im Programm der Konferenz. Die Reisekosten für die ukrainischen Kolleg*innen wurden von der Staatsbibliothek zu Berlin, der Deutschen Nationalbibliothek/Conference of European National Libraries (CENL) und Bibliothek Information Deutschland (BID) getragen.

2.3.1 BiblioCon-Podiumsdiskussion

Wie widerstandsfähig sind Bibliotheken in Zeiten von Krieg, Desinformation und gesellschaftlicher Polarisierung? Mit dieser Frage beschäftigte sich die von der Ukraine-Kontaktgruppe organisierte, international besetzte Podiumsdiskussion „Under Attack, from Ukraine to Elsewhere: Libraries, Science & Democracy“ am 20. Mai 2026 auf der BiblioCon.

Ausgangspunkt der Diskussion waren die Auswirkungen des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine. Bibliotheken sowie kulturelle und wissenschaftliche Einrichtungen wurden wiederholt Ziel von Angriffen. Neben der Zerstörung von Gebäuden sind auch digitale Infrastrukturen bedroht, die für die Sicherung von Kulturgut und wissenschaftlichen Daten von zentraler Bedeutung sind. Gleichzeitig richtete das Podium den Blick über die Ukraine hinaus, denn auch in anderen Ländern stehen Bibliotheken durch Wissenschaftsfeindlichkeit, Zensur und illiberale Tendenzen zunehmend unter Druck. Auf dem Podium diskutierten Dagnija Baltiņa (Lettische Nationalbibliothek), Jochen Johannsen (UB RWTH Aachen), Sebastian Majstorovic (Saving Ukrainian Cultural Heritage Online (SUCHO)), Julija Polowintschak (Vernadski-Bibliothek) und Frank Scholze (Deutsche Nationalbibliothek).

2.3.2 BiblioCon-Vorträge ukrainischer Kolleg*innen

Im Rahmen der Sitzung „Internationale Inspiration: Impulse aus der globalen Bibliotheks-Community“ am 19. Mai 2026 sprach Oksana Brui eindrucksvoll über mentale Gesundheit in Zeiten des Krieges und die sozio-psychologische Unterstützung, die ukrainische Bibliotheken seit der russischen Vollinvasion leisten. Sie behandelte dabei sowohl Maßnahmen zur psychologischen Unterstützung des Bibliotheks‐ personals als auch vielfältige Angebote und Projekte der Bibliotheken zur Stärkung der Resilienz und mentalen Gesundheit von Nutzenden verschiedener Zielgruppen. Ihr Vortrag, dessen Folien zwischenzeitlich auch veröffentlicht wurden, berührte die Anwesenden sehr.7

2.4 Ausstellungen auf der BiblioCon und weiteren Bibliotheksstandorten in Deutschland

Über Ausstellungen die vielfältigen Auswirkungen des Ukraine-Krieges sichtbar zu machen und zugleich Anlässe zum Austausch zu schaffen ist eine weitere Schwerpunktaktivität der Ukraine-Kontaktgruppe. Dies konkretisiert sich etwa im Teilen von Informationen über bestehende Ausstellungen oder im Austausch von Materialien, die entsprechend an den jeweiligen Ausstellungsorten nachgenutzt werden können. Exemplarisch seien hier einzelne realisierte oder geplante Ausstellungen genannt, an welchen die Ebenen deutlich werden, die Bildungsarbeit in dieser Form leisten kann.

So thematisiert etwa die seit 2023 bestehende Initiative und Ausstellung „Unissued diplomas“8 die Geschichte von 40 im Krieg getöteten ukrainischen Studierenden. Sie wurde bereits an einzelnen Universitätsbibliotheken in Deutschland und anderen Einrichtungen gezeigt. Weitere Ausstellungen an den Standorten der Ukraine-Kontaktgruppe sind geplant, zumal sich insbesondere die hier vertretenen Universitäts- und Hochschulbibliotheken durch ihr primär studentisches Publikum als Ausstellungsort für diese beeindruckende wie auch bewegende Ausstellung eignen.

Auf Bibliotheken und Verlage fokussiert ist die Ausstellung „Words in Flame“9, welche die Zerstörung und Widerstandsfähigkeit ukrainischer Bibliotheken und Verlage während des anhaltenden russischen Angriffskrieges dokumentiert. Sie zeigt die systematische Zerstörung ukrainischer Bibliotheken durch Russland und verdeutlicht anhand von Fotografien verbrannter und geplünderter Bibliotheken die physischen Verwüstungen und die dahinterstehenden russischen Versuche, das ukrainische kulturelle Gedächtnis auszulöschen. Gleichzeitig verdeutlichen die einzelnen Darstellungen das Engagement ukrainischer Bibliothekar*innen und sowie der Zivilgesellschaft für die Zugänglichkeit öffentlicher Bibliotheken in Kriegszeiten.

Die Präsentation zeigt Fotografien von zerstörten und beschädigten Verlagshäusern und Bibliotheken in der Ukraine. Sie beleuchtet die Zerbrechlichkeit des kulturellen Gedächtnisses und die entscheidende Rolle von Bibliotheken als Hüterinnen der kulturellen Überlieferung und der Widerstandsfähigkeit in Kriegszeiten. Die beiden verantwortlichen Organisationen, die Stiftung „Artists Support Ukraine” sowie „Library Country”, wollen mit der Präsentation die internationale Aufmerksamkeit auf Russlands Krieg gegen die ukrainische Kultur wachhalten: Offiziellen Angaben zufolge wurden bis Juli 2025 214 Bibliotheken vollständig zerstört, 904 beschädigt, 561 haben ihre gesamte technische Ausstattung verloren und 492 wurden ihrer Büchersammlungen beraubt. Trotz dieser verheerenden Verluste haben 211 Bibliotheken dank der Unterstützung lokaler Gemeinschaften, Freiwilliger und gemeinnütziger Initiativen ihren Betrieb bereits teilweise wieder aufgenommen.

Die Ausstellung, deren Materialien frei zur Nutzung zur Verfügung stehen, war bereits in unterschiedlichem Umfang in der Bayerischen Staatsbibliothek, der Staatsbibliothek zu Berlin und der UB der RWTH Aachen zu sehen. Anlässlich der BiblioCon 2026 wurden die Materialien fast vollständig aufgegriffen, neu arrangiert und zweisprachig (deutsch/englisch) auf Roll-Ups gebracht, die während der Tagung gezeigt wurden (vgl. Abb. 2 und 3). Die Realisierung wurde durch den Verein Deutscher Bibliothekarinnen und Bibliothekare e.V. (VDB) und den Berufsverband Information Bibliothek e.V. (BIB) gefördert. Auf der Tagung konnte die Ausstellung in Anwesenheit von Oksana Brui, Präsidentin des ukrainischen Bibliotheksverbandes, und Oleh Serbin, Generaldirektor der Jaroslaw-der-Weise-Nationalbibliothek, eröffnet werden. Dies nur wenige Tage vor erneuten heftigen Angriffen auf ukrainische Bibliotheken und andere Kulturinstitutionen und -güter.

Eine Gruppe von Menschen steht nebeneinander in einem hellen Innenraum mit Oberlicht. Alle tragen Namensschilder und lächeln in die Kamera. Im Hintergrund sind drei große, aufrecht stehende Poster mit der Überschrift 'WORDS IN FLAME' zu sehen. Die Poster zeigen Textblöcke und verschiedene Fotografien. Die Personen sind unterschiedlich gekleidet. Der Boden besteht aus hellem Holz.
Abb. 2: Mitglieder der Ukraine-Kontaktgruppe mit Oksana Brui, Präsidentin des ukrainischen Bibliotheksverbandes, und Oleh Serbin, Generaldirektor der Jaroslaw-der-Weise-Nationalbibliothek, (Mitte, beide in weiß) bei der Eröffnung der Ausstellung „Words in Flame“ auf der BiblioCon 2026. Foto: Christian Winterhalter

Von vorneherein war vorgesehen, dass die Roll-Ups der Ausstellung an den Standorten der Ukraine-Kontaktgruppe zirkulieren, aber auch von anderen Bibliotheken nachgenutzt werden können. So war bzw. ist die Ausstellung 2026 an weiteren Standorten zu sehen, etwa dem Fachinformationszentrum der Bundeswehr (Bonn), der Universitätsbibliothek Greifswald, der Universitätsbibliothek Siegen und dem Bundesministerium der Verteidigung (Berlin).

In einem lichtdurchfluteten Raum mit diagonalen Schattenstreifen auf dem Boden und den Wänden sind mehrere große, aufrecht stehende Infotafeln zu sehen. Die Tafeln zeigen zahlreiche Fotografien und Textblöcke. Im Hintergrund hängen geometrische, bunte Dekorationen von der Decke. Der Boden besteht aus hellen Holzplanken, und das Geländer aus Glas und Metall begrenzt den Raum.
Abb. 3: Ausstellung „Words in Flame“ auf der BiblioCon 2026. Foto: Christian Winterhalter

An mehreren Standorten von Bibliotheken der Ukraine-Kontaktgruppe und darüber hinaus wurde die Banner-Ausstellung „Kulturgutschutz in der Ukraine: Ukraine Art Aid Center (UAAC)“ gezeigt, welche über die Arbeit des UAAC zum Schutz des ukrainischen Kulturerbes während des russischen Angriffskriegs informiert.10

Doch nicht allein die unmittelbaren Folgen des russischen Angriffskrieges können Gegenstand von Ausstellungen sein. Auch eine weiter gefasste Ausrichtung, die dazu beiträgt, das Verständnis der gegenwärtigen Kultur und Geschichte der Ukraine vor dem Hintergrund historischer Entwicklungen zu verstehen, kann als Teil dieser Bildungsarbeit über das Medium Ausstellung angesehen werden. Ein Beispiel dafür ist etwa die Ausstellung „Rom*nija in der Ukraine 1941–1944“, die ab November 2026 in der Universitätsbibliothek Greifswald zu sehen sein wird.11

3. Fazit und Ausblick

Die große Herausforderung der Ukraine-Kontaktgruppe besteht darin, trotz sprachlicher Barrieren Formate zu entwickeln und Themen voranzutreiben, die in diesen Zeiten für beide Seiten gleichsam praktikabel, interessant und nützlich sind. Nach einem Jahr des regelmäßigen Austauschs und des Herantastens scheint nun eine gute Vertrauensbasis gelegt und konkrete weitere Themen kristallisieren sich nicht zuletzt aufgrund der Diskussionen in den oben beschriebenen Webinaren und bei anderen Austauschgelegenheiten heraus.

Beispielhaft sei die Fernleihe erwähnt. Nahezu alle deutschen Bibliotheken haben die internationale Fernleihe bzw. den Versand von Monographien in die Ukraine, Belarus und Russland im Februar 2022 eingestellt. Angesichts weitgehend fehlender Erwerbungsbudgets und regelmäßiger Transportmöglichkeiten innerhalb des Landes hat sich die Kontaktgruppe vorgenommen, ein Konzept zu erarbeiten, wie deutsche Bibliotheken ggf. in Kooperation mit Verlagen und VG Wort hier unterstützen können, ob im Bereich der Aufsatzlieferung oder auch der E-Book-Fernleihe. Ein weiteres wichtiges Thema sind Dienstreisen in die Ukraine. Obzwar Politiker*innen und einige Wissenschaftler*innen regelmäßig in die Ukraine reisen, um sich vor Ort ein Bild zu machen und an Konferenzen teilzunehmen, ist die (versicherungs)rechtliche Grundlage für die meisten Bibliothekar*innen anscheinend nicht gegeben. Angesichts des nicht absehbar endenden Krieges würde es von ukrainischer Seite als echte Unterstützung gesehen, wenn dieses grundsätzliche Problem an übergeordneten Stellen benannt, erkannt und gelöst würde. Isolation durch Bombenterror ist Kriegsziel Russlands. Eine Kooperation auf Augenhöhe, wie sie hier aufgebaut wird, muss aber heißen, dass persönliche Treffen auch innerhalb der ukrainischen Grenzen stattfinden können. Die deutsche Seite der Ukraine-Kontaktgruppe zieht Erkundigungen ein, wie einschlägige Einrichtungen mit diesem Problem umgehen, und wird zeitnah Vorschläge für Lösungsmöglichkeiten vorlegen.

Dies sind nur einige Beispiele für konkrete Ansatzpunkte einer solidarischen und kollegialen Zusammenarbeit in Zeiten des Krieges und darüber hinaus. Die Arbeit der Ukraine-Kontaktgruppe geht weiter.

Anmerkungen

1 Die Ukraine-Kontaktgruppe umfasst derzeit (August 2026): Sabine Boccalini (UB Siegen), Tina Bode (Deutsche Nationalbibliothek), Olaf Hamann (Staatsbibliothek zu Berlin), Mario Hütte (Bibliothek der FH Dortmund), Jochen Johannsen (UB der RWTH Aachen), Ulrich Meyer-Doerpinghaus (ULB Bonn), Jens Mittelbach (UB Frankfurt/Oder), Juliana Pranke (dbv), Christian Winterhalter (UB Greifswald), Gudrun Wirtz (Bayerische Staatsbibliothek), Robert Zepf (SUB Hamburg).
2 Johannsen, Jochen; Meyer-Doerpinghaus, Ulrich: Zwei Bibliothekarinnen und eine Verlegerin aus der Ukraine zu Besuch in Aachen und Bonn, in: ProLibris 1/23, 2023, S. 25–28, https://www.bibliotheken-nrw.de/wp-content/uploads/2023-1-ProLibris-web_DS.pdf, Stand: 31.07.2026.
3 Moroz, Nataliia: A study of the functioning of the HEIs libraries in Ukraine in the conditions of the full-scale invasion, Zenodo, 14.05.2026, https://doi.org/10.5281/zenodo.20178208.
4 Kolesnikova, Tetiana: Innovations in the Development of University Library Funds/Collections in Ukraine: Open Access Educational Resources and OER, Zenodo, 29.05.2026, https://doi.org/10.5281/zenodo.20376947.
Dieses Webinar stieß auf reges Interesse und dauerte über zwei Stunden.
5 Bibliothekarinnen aus der Ukraine zu Gast an der RWTH, 28.04.2026, https://www.rwth-aachen.de/go/id/bshtaz, Stand: 31.07.2026.
6 Moroz, Nataliia; Kalinichenko, Nataliia: A study of the functioning of the HEIs libraries in Ukraine in the conditions of the full-scale invasion, Zenodo, 14.05.2026, https://doi.org/10.5281/zenodo.20178208.
7 Pranke, Juliana, u. a. Internationale Inspiration: Impulse aus der globalen Bibliotheks-Community, opus4.kobv.de, 04.05.2026, https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:0290-opus4-201027.
8 Unissued diplomas, https://www.unissueddiplomas.org/de, Stand: 31.07.2026.
11 Rom*nija in der Ukraine 1941–1944, https://genocideagainstroma.org/ausstellung/ausstellung-ukraine/, Stand: 31.07.2026.

Christian Winterhalter, Universitätsbibliothek Greifswald, https://orcid.org/0000-0001-8618-0337
Gudrun Wirtz, Bayerische Staatsbibliothek, München, https://orcid.org/0009-0003-9002-9965

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