Nr. 2 (2026)
DOI: 10.5282/o-bib/6276

Aus der Deutschen Forschungsgemeinschaft

Die Wintersitzung des Ausschusses für Wissenschaftliche Bibliotheken und Informationssysteme (AWBI) fand am 19. und 20. Februar 2026 in Bonn statt und behandelte zentrale strategische und förderpolitische Themen der Gruppe „Wissenschaftliche Literaturversorgungs- und Informationssysteme“ (LIS).

Zu Beginn wurden personelle Entscheidungen getroffen: Achim Bonte (Berlin) wurde zum Vorsitzenden und Iris Pigeot (Bremen) zur stellvertretenden Vorsitzenden gewählt.

1. DFG-Diskussionspapier „Digitale Forschungspraxis und kooperative Informationsinfrastrukturen“

1.1 Umsetzungskonzept

Im Kontext des DFG-Diskussionspapiers wurde die Umsetzung einer Maßnahme zur Aggregation und Interoperabilität digitaler Datenbestände beraten. Geplant ist hierzu als erster Schritt ein Arbeitsgespräch mit relevanten Akteuren, die sich mit der Verknüpfung unterschiedlicher Kategorienschemata befassen. Ziel soll es sein, zunächst festzustellen, welche Aktivitäten es bereits gibt, insbesondere im Zusammenhang mit den Initiativen der Nationalen Forschungsdateninfrastruktur (NFDI), und in welchen Bereichen darüber hinausgehender Handlungsbedarf besteht. Nach Ansicht des AWBI soll dieses Themenfeld möglichst weit gespannt werden und sich auch mit der Frage befassen, wie Daten so vorbereitet werden können, dass sie aggregationsfähig sind. In Blick genommen werden sollten sowohl die Bedarfe der Forschung als auch die von Informationsinfrastruktureinrichtungen. Die DFG-Geschäftsstelle wurde gebeten, ein konkretes Konzept für ein entsprechendes Gesprächsformat auszuarbeiten.

1.2 Dialogprozess

Auf der Basis des Diskussionspapiers und der darin identifizierten Handlungsfelder sowie der darauf eingegangenen Rückmeldungen hat die DFG-Geschäftsstelle vier Themenfelder priorisiert, zu denen Austauschformate vorgeschlagen werden:

Diese Themenvorschläge wurden vom AWBI begrüßt. Die inhaltliche Ausgestaltung der einzelnen Austauschformate wird der AWBI in seiner kommenden Sitzung erörtern.

2. Fachinformationsdienste für die Wissenschaft

Der AWBI hat sich mit unterschiedlichen Aspekten der Förderung zu den Fachinformationsdiensten für die Wissenschaft (FID) befasst. Beschlossen wurde, den Eigenleistungsanteil bei sogenannten Querschnittsprojekten flexibler zu gestalten, um deren strukturbildende Rolle für die Gesamtstruktur des FID-Systems angemessen zu berücksichtigen. Als Querschnittsprojekte gelten Projekte, die nachweislich für alle FID relevant sind und die innerhalb des FID-Netzwerkes definierte Abstimmungsprozesse durchlaufen haben.

Ein weiteres Thema war das neue Begutachtungsformat für die Förderlinie „FIDplus: Ergänzung der Projektförderung für Fachinformationsdienste für die Wissenschaft um längere Förderperioden und die Möglichkeit einer fortgesetzten Antragstellung“, das durch Panelverfahren und interaktive Elemente wie „Discussion Spots“ eine intensivere Kommunikation zwischen Antragsteller*innen und Gutachter*innen ermöglichen wird.

Zudem lag dem AWBI der vom FID-Netzwerk erarbeitete und vom FID-Lenkungsgremium verabschiedete Aktionsplan für das FID-Netzwerk 2026 bis 2028 vor. Der AWBI hat den Aktionsplan als wichtigen strategischen Referenzrahmen für die Begutachtung und Bewertung von FID-Anträgen gewürdigt.

3. Forschungssoftwareinfrastrukturen

Der AWBI hat sich über die Ergebnisse der dritten Antragskohorte im Programm „Forschungssoftwareinfrastrukturen“ (FSI) informiert. Von den eingereichten zehn Anträgen wurden drei zur Bewilligung empfohlen. Zudem hat sich der AWBI über das für Anfang März 2026 geplante Vernetzungstreffen von geförderten Projekten im Programm informiert, an dem auch Mitglieder der FSI-Begleitkommission sowie Vertreter*innen von weiteren Projekten und Organisationen aus der Forschungssoftwarecommunity teilnehmen werden.

4. Förderinitiative zum Sichern gefährdeter Datenbestände und zur Datenresilienz

Für die Förderinitiative zum Sichern gefährdeter Datenbestände und zur Datenresilienz wurden der DFG für die Jahre 2025 bis 2027 gesonderte Mittel vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) zur Verfügung gestellt. Mit den Mitteln können sowohl Projekte zum Sichern konkreter Datenbestände als auch der Auf- und Ausbau einer resilienten Dateninfrastruktur gefördert werden. Neben der Diskussion zu Fragen zu fachlichen und auch rechtlichen und politischen Herausforderungen wurde vom AWBI auf die Notwendigkeit europäischer Kooperationen hingewiesen.

5. Open-Access-Publikationskosten

Ein weiteres Thema war die zukünftige Ausgestaltung der Open-Access-Förderung. Das Programm „Open-Access-Publikationsförderung“ (OAF) soll für die Antragstellung ab 2027 und Förderung ab 2028 das bisherige Programm „Open-Access-Publikationskosten“ (OAK) ablösen und befristet bis 2033 eingerichtet werden. Einrichtungen, die erfolgreich das Programm OAK durchlaufen haben, können jährlich Anträge stellen, die ohne externe Begutachtung bearbeitet werden. Anträge von Einrichtungen, die nicht oder nur teilweise im Programm OAK gefördert wurden, werden weiterhin regulär begutachtet.1

Auch über den aktuellen Stand bei Open Research Europe (ORE) hat sich der AWBI informiert. ORE ist eine Open-Access-Publikationsplattform für Forschungsergebnisse aus EU-geförderten Projekten, die 2021 von der Europäischen Kommission etabliert wurde. Sie bietet Forschenden aller Disziplinen die Möglichkeit, kostenlos zu veröffentlichen. Nachdem der Hauptausschuss der DFG im Dezember 2025 zugestimmt hat, wird die DFG als Selbstverwaltungsorganisation der Wissenschaft im Namen des BMFTR in der Governance von ORE mitwirken. Wichtig wird es sein, wissenschaftliche Communities zur Nutzung der Plattform zu gewinnen, auch für die Mitwirkung bei der offenen Begutachtung. Ab Herbst 2026 wird die Publikationsplattform allen Wissenschaftler*innen an deutschen Einrichtungen offenstehen – unabhängig von einer Projektförderung. ORE stellt damit einen wichtigen Baustein zur Stärkung nicht-kommerziell operierender Publikationsinfrastrukturen dar.

6. Knowledge Exchange

Im vergangenen Jahr hatte sich der AWBI mit der strategischen Neuausrichtung des europäischen Netzwerks Knowledge Exchange befasst. Ende des Jahres hat sich die DFG – in Abstimmung mit den anderen Partnerorganisationen – dazu entschieden, die Mitgliedschaft bei Knowledge Exchange nicht mehr in dem bisherigen Format weiterzuführen. Im Verlauf der 20 Jahre hat die DFG erheblich von Knowledge Exchange profitiert, auch durch eine Vielzahl hochwertiger Veröffentlichungen zu unterschiedlichen Aspekten im Zusammenhang mit Informationsinfrastrukturen. Auf der anderen Seite hat sich das Aufgabenportfolio, das die Gruppe LIS zusammen mit dem AWBI betreut, enorm erweitert, sodass vorhandene Personalressourcen anderweitig benötigt werden. Festzustellen ist auch, dass die Themen, mit denen sich Knowledge Exchange befasst hat, inzwischen in anderen internationalen Foren, z. B. European Science Cloud, Open Research Europe, Science Europe, Research Software Alliance etc., erörtert werden. Die europäische Vernetzung ist somit weiterhin gewährleistet. Die aktuell laufenden Maßnahmen werden noch zum Abschluss gebracht. Ausgelotet werden soll, wie künftig eine niedrigschwelligere Zusammenarbeit einzelner oder mehrerer Organisationen des bisherigen Netzwerks gestaltet werden kann. In einem virtuellen Treffen der Expert*innen aus deutschen Forschungseinrichtungen, die sich zuletzt an Aktivitäten von Knowledge Exchange beteiligt haben, sollen das Engagement der DFG im Netzwerk bilanziert und Bedarfe für die künftige europäische Zusammenarbeit erörtert werden.

7. Künstliche Intelligenz in der Begutachtung

Ebenfalls zur Kenntnis genommen hat der AWBI, dass der Hauptausschuss der DFG im Dezember 2025 der Einführung einer Leitlinie zur Nutzung von Künstlicher Intelligenz in der Begutachtung zugestimmt hat, die klare Anforderungen an Vertraulichkeit, Transparenz, Qualitätssicherung und Verantwortung definiert.2

8. Ausschreibung „Datenkooperation zwischen Wissenschaft und Wirtschaft“

Im Rahmen der Sachbeihilfe der DFG wurde im Dezember 2025 eine Ausschreibung „Unternehmensdaten für die Forschung“ veröffentlicht. Gefördert werden können Projekte aus den Bereichen Gesundheit und Mobilität, die auf Daten von Anwendungspartnern aus der Wirtschaft basieren. Das Antragsverfahren ist zweistufig gestaltet: Die erste, einjährige Phase dient der Vertiefung der geplanten Kooperation und der gemeinsamen Erarbeitung eines Forschungsantrags. In der zweiten Phase werden reguläre Sachbeihilfeanträge mit einer maximal zweijährigen Laufzeit erwartet. Ziel der Ausschreibung ist es, die Kooperation zwischen Wissenschaft und Wirtschaft hinsichtlich des Teilens von Daten zu intensivieren und dafür passende Rahmenbedingungen zu erarbeiten.

Anmerkungen

1 Der Hauptausschuss der DFG hat am 26.03.2026 der Einführung des neuen Programms „Open-Access-Publikationsförderung“ für den Zeitraum von 2027 bis 2033 zugestimmt.
2 Seit Mitte April 2026 ist der Einsatz von KI in der Begutachtung von DFG-Anträgen möglich.

Ulrike Hintze, Deutsche Forschungsgemeinschaft, Gruppe ‚Wissenschaftliche Literaturversorgungs- und Informationssysteme’ (LIS)

Zitierfähiger Link (DOI): https://doi.org/10.5282/o-bib/6276

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