Nr. 2 (2026)
DOI: 10.5282/o-bib/6270

FID Media meets KOALA

Fachinformationsdienste als Konsortialstellen für die Diamond-Open-Access-Finanzierung

1. Ausgangslage und Vorbemerkungen

Der FID Media1 entstand im September 2024 durch das Zusammengehen des FID adlr.link mit dem medienwissenschaftlichen Fachrepositorium media/rep/ und wird seitdem von den Universitätsbibliotheken in Leipzig und Marburg sowie dem Marburger Institut für Medienwissenschaft getragen. Der FID Media bietet diverse Angebote für die Kommunikations- und Medienwissenschaft (KMW) an wie einen Katalog, Zugang zu Datenbanken und Ressourcen, einen Retrodigitalisierungsservice sowie umfassende Publikationsdienstleistungen.2 Ein besonderer Fokus des FID Media liegt auf der Open-Science-Transformation der KMW, in deren Rahmen neben Beratungs- und Informationsangeboten zu Open Science, FAIRen Daten, Open Access und zum Urheberrecht auch ein Pledging-Service zur Finanzierung von Diamond-Open-Access-Periodika der KMW aufgebaut wird. Insbesondere im Diamond Open Access (DOA) erscheinende Zeitschriften sind in der KMW mittlerweile verbreitet. Sie stehen aber immer noch vor der Herausforderung, dass die Förderstrukturen in Deutschland primär auf Gold Open Access und damit verbundene Geschäftsmodelle ausgelegt sind.3 Der Pledging-Service reagiert somit auf die fachspezifischen Anforderungen des Open-Access-Publizierens in der KMW, möchte aber auch einer ausufernden Kommerzialisierung des wissenschaftlichen Publikationswesens entgegen- und für ein bibliodiverses Publizieren eintreten.4

Im Aufbauprozess des FID-Pledging-Services, der von einer Evaluation bestehender konsortialer Finanzierungsmodelle eingeleitet wurde (z. B. von OLEcon oder edu_consort_oa),5 fragte die TIB den Fachinformationsdienst wegen einer Übernahme des KOALA-Bundle Medienwissenschaft an.6 Ein Weiterbetrieb des Bundle lag außerhalb des Auftrags der TIB. Zugleich lag ein Projektziel von KOALA-AV darin, das Entstehen weiterer Konsortialstellen zu unterstützen, und es bestand ein großes Interesse daran, nachhaltige Strukturen für die konsortiale Finanzierung von DOA-Publikationen zu schaffen.7

Auch wenn sich der Pledging-Service des FID Media primär auf DOA-Zeitschriften konzentriert, stellte die Übernahme des KOALA-Bundle Medienwissenschaft eine Möglichkeit dar, als FID strukturiert und praxisnah in die Tätigkeiten einer Konsortialstelle einzusteigen.8 Die TIB und die SLUB Dresden unterstützten den FID Media im Übernahmeprozess aktiv. Zudem handelt es sich bei KOALA um ein etabliertes DOA-Finanzierungsmodell und das KOALA-Bundle Medienwissenschaft besteht bereits seit 2023 als Konsortium.9 Inhaltlich besteht es aus zwei im genossenschaftlich organisierten Büchner-Verlag erscheinenden Schriftenreihen.10 Neben der fachlichen Passung zur KMW waren eine bereits bestehende Kooperation mit dem Büchner-Verlag sowie die Vorerfahrungen mit der Open Library Medienwissenschaft durch den FID adlr.link weitere ausschlaggebende Faktoren.11

Eine theoretisch-konzeptuelle Vorbemerkung: DOA ist ein derzeit viel beachtetes Open-Access-Geschäftsmodell, was sich auch in Verbundprojekten wie der Servicestelle Diamond Open Access (SeDOA) niederschlägt.12 Damit gehen aber auch Diskussionen einher, die insbesondere die extensionale Definitionsdimension betreffen.13 Diese changieren zwischen weiten (kostenloser Zugriff/Zugang für Leser*innen und für Autor*innen/Herausgeber*innen) und engen Begriffsverständnissen (kostenloser Zugriff/Zugang für Leser*innen und für Autor*innen/Herausgeber*innen und verlagsunabhängiges Publizieren). Von entscheidender Bedeutung ist die Frage, ob (kommerzielle) Verlage in DOA-Geschäftsmodelle eingebunden werden. Deshalb kann die Einbindung eines Verlages bedeuten, dass enge Auffassungen von DOA solche Modelle ausschließen. Dies mag prinzipiell nicht verwundern, richtet sich DOA als Modell doch seit seiner Einführung gegen ein kommerzielles, auf Profit ausgerichtetes wissenschaftliches Publikationswesen. Zugleich betonen Christian Fuchs und Marisol Sandoval aber:

„Corporate domination poses disadvantages for scholars, universities, libraries and publishing workers: the reality of academic publishing today is a predominance of large corporate publishing houses that reap high profits by charging oligopolistic prices for access to journals and articles and paying relatively low wages to publishing workers.”14

DOA lässt sich also nicht als Abwendung vom Verlagswesen im Allgemeinen, sondern als Abkehr vom Geschäftsgebaren bestimmter wissenschaftlicher Großverlage im Besonderen verstehen. Die zukunftsorientierte Gestaltung eines wissenschaftlichen Publikationswesens, das sich nur an den Bedarfen der Wissenschaft orientiert, ist also keine Frage nach dem „Ob“ der Einbindung von Verlagen, sondern nach dem „Wie“. Es ist keine Absage an das Verlagswesen per se, sondern an das ‚Maxwell’sche Modell‘, das Arbeit und Kosten einseitig auf die Seite der Wissenschaften verlagert und Gewinne ausschließlich den Verlagen zukommen lässt.15

Das Verständnis von DOA des FID Media ist somit ein weites, pragmatisches und geht vom kostenlosen und freien Lesezugriff wie auch dem kostenlosen Zugang zu Publikationsmöglichkeiten für Autor*innen und Herausgeber*innen unter Einbindung kleinerer und mittlerer Verlage aus. Insbesondere in der KMW leisten diese einen wichtigen Beitrag für ein bibliodiverses Publizieren.16

2. Darstellung des Übernahmeprozesses

Der Übernahmeprozess des KOALA-Bundle Medienwissenschaft wurde durch zahlreiche Herausforderungen begleitet. Der FID entstand in seiner jetzigen Form erst im September 2024, bestand somit zum Zeitpunkt der Kontaktaufnahme zu Beginn des Jahres 2025 erst wenige Monate. Der FID befand sich in einer Phase, in der zwei vorher getrennte Projektkontexte zusammenwuchsen und neue Angebote wie der Pledging-Service erst aufgebaut wurden. Die Evaluation bestehender DOA-Finanzierungsmodelle im deutschsprachigen Raum war zwar gerade abgeschlossen worden, sodass ein theoretisches und konzeptuelles Grundverständnis der Tätigkeiten einer Konsortialstelle in der Praxis vorlag. Die praktische Einarbeitung in die Materie stand jedoch noch aus. Außerdem gab es im FID Media bisher wenig Erfahrungen mit dem KOALA-Modell, das sich von anderen gängigen DOA-Finanzierungsmodellen unterscheidet. All dies geschah vor dem Hintergrund, dass die Publikationsangebote der einzelnen FID heterogen sind und sich zwischen einer fachspezifischen Ausrichtung auf die jeweiligen Publikationskulturen und einer überfachlichen Vergleichbarkeit innerhalb des FID-Netzwerks behaupten müssen.17

Dennoch führten die oben skizzierten Gründe dazu, dass sich der FID Media für eine Übernahme des KOALA-Bundle Medienwissenschaft entschied. Damit wurde die Planung zur Entwicklung eines eigenen Pledging-Services erheblich beschleunigt, sodass ein eng getakteter neuer Zeitplan zu bewältigen war. Ursächlich hierfür war, dass das dritte und letzte Jahr der Produktivphase eines KOALA-Bundle aufgrund der dreijährigen Laufzeit zugleich das Jahr der Pledging-Phase ist, in der Mittel für die (lückenlose) Fortführung akquiriert werden müssen. Für das Bundle Medienwissenschaft lag diese Parallelität im Jahr 2025. Übernahme des Bundle und Organisation des neuen Pledgings fielen somit zusammen.

Dass der enge Zeitplan eingehalten, die Herausforderungen bewältigt und das Finanzierungsziel erfolgreich im Oktober 2025 erreicht werden konnten, ist auch maßgeblich der TIB wie der SLUB Dresden zu verdanken. Die TIB teilte diverse Dokumente und Vorlagen mit dem FID Media wie das Datenblatt. Die SLUB Dresden stellte dem FID Media insbesondere ihre für die SLUB als staatliche Einrichtung modifizierten Musterverträge und Teilnahmevereinbarungen zur Verfügung, deren steuerrechtliche Würdigung jener der drei Trägereinrichtungen des FID Media entsprach. Darüber hinaus begleiteten beide Einrichtungen den Übernahmeprozess mit Rat und Tat. Die TIB erstellte beispielsweise das KOALA-Logo des FID Media und brachte das reichhaltige Erfahrungswissen mit dem Konsortialgeschäft und dem KOALA-Modell ein. Der intensive Austausch über KOALA-bezogene Themen wie bspw. die Mindeststandards18 führte auch dazu, dass sich der FID Media seit Gründung an der digitalen Fokusgruppe Konsortiale Open-Access-Finanzierung des open-access.network beteiligt.19

Die zur Verfügung gestellten Dokumente wurden anschließend an die Gegebenheiten des FID Media angepasst, wobei die Servicestelle Urheberrecht des FID Media die juristischen Texte überarbeitete.20 Für die Modifikation der inhaltlichen und administrativen Dokumente, die Angebotsaushandlung mit dem Verlag und die Einstellung des Bundle in den Diamond Funding Navigator war die Koordination des FID verantwortlich.21 Eine große Herausforderung ist die Rechnungsstellung gewesen, die nicht durch die Trägereinrichtungen des FID Media erfolgen konnte. Hier erklärte sich der Verlag bereit, diese Aufgabe zu übernehmen. Den Versand der Umfrage wie auch die Unterstützung in diesem Prozess übernahm dankenswerterweise das Kompetenzzentrum für Lizenzierung (KfL).22 Damit teilen sich die Aufgaben einer Konsortialstelle im Falle des KOALA-Bundle Medienwissenschaft 2026–2028 auf drei Akteure auf, wobei der FID Media als Konsortialstelle fungiert.

3. Beschreibung des Ansatzes des FID Media

3.1 FID Media

FID sind durch ihre fachliche Ausrichtung und die damit einhergehende Nähe zu den Bedürfnissen ihrer jeweiligen Fachcommunity bei gleichzeitiger Rückkopplung an fundiertes bibliothekarisches und informationswissenschaftliches Wissen besonders als Schnittstellen zwischen fachlicher und informationsfachlicher Aushandlung geeignet. Diese Stärke der FID kommt im Konsortialgeschäft zum Tragen, wenn finanzielle Bedarfe von Periodika zu ermitteln sind, die ein Austarieren zwischen deren tatsächlichem Finanzierungsbedarf und der Realisierbarkeit eines Konsortiums vor dem Hintergrund sich verändernder Erwerbungslogiken von Bibliotheken erfordern.23 Dieses Austarieren führt zur Aushandlung des konkreten Angebots, wie es sich im Datenblatt niederschlägt. Dieses ist die transparente Grundlage, auf der die potenziellen Konsorten sich für ein Pledging entscheiden.

In diesem Abschnitt der Vorbereitung der Pledging-Phase bestimmt der FID den inhaltlichen, finanziellen und strategischen Rahmen des Bundle. Anschließend ist der FID für die Erstellung bzw. im vorliegenden Fall die Anpassung aller benötigten juristischen und administrativen Dokumente verantwortlich. Insbesondere die Gestaltung der rechtlichen Texte muss aktiv begleitet und dokumentiert werden. Das schließt explizit – in der anschließenden Pledging-Phase – die Ermittlung sowie das Archivieren von Teilnahmevereinbarungen ein. Eine besondere Rolle spielt der Vertrag zwischen dem Verlag und den Trägereinrichtungen des FID, da erst sein Vorliegen den Start des Pledgings erlaubt. Zeitgleich müssen Informationsmaterialien erstellt werden wie das Datenblatt.

Einen zentralen Punkt bilden die Festlegung und Planung der Kommunikationsstrategie. Das schließt die Ansprache verschiedener Zielgruppen, die Wahl von Plattformen (wie bspw. den neuen Diamond Funding Navigator) und Informationsformaten ein wie die Frage, welche Möglichkeiten der Dissemination – neben dem KfL – gewählt werden. Dabei zeichnet der FID für die fachspezifische Bewerbung des Angebots verantwortlich, identifiziert geeignete Standorte für die Teilnahme am Pledging und adressiert diese individuell oder bewirbt das Bundle aktiv über fachlich etablierte (Infra-)Strukturen, via Social Media, Blogposts oder einschlägige Newsletter und Mailinglisten sowie Informationsveranstaltungen für Fachreferent*innen. Hier kann der FID auf ein vielfältiges Instrumentarium und eingespielte Kanäle im fachspezifischen Rahmen zurückgreifen.

Grundsätzlich ist der FID als Konsortialstelle der kommunikative Knotenpunkt zwischen KfL, Verlag, Bibliotheken, Fachgesellschaften und Informationsinfrastrukturen und muss für diese permanent ansprechbar sein. Aus dieser Funktion ergibt es sich, dass der FID für Organisation und Koordination des Bundle verantwortlich ist. In der dreijährigen Produktivphase kontrolliert der FID außerdem die jährlichen Verwendungsnachweise.

3.2 KfL

Das KfL fungiert im Ansatz des FID Media als kommunikativ-organisatorische Schnittstelle zu den pledgenden Bibliotheken. Aufgrund seiner Routine im Lizenzierungs- und Konsortialgeschäft unterstützt das KfL den FID bereits in der Planungsphase, indem es bspw. seine Erfahrungswerte teilt. Es berät zu Starttermin und Dauer sowie zur inhaltlichen Gestaltung der Umfrage für die Beteiligung am Paket. Basierend auf den vom FID Media übermittelten Informationen zum Bundle und den zur Verfügung gestellten Dokumenten bereitet das KfL die Umfrage via LAS:eR in Absprache mit dem FID vor und führt sie anschließend durch.24 Flankierend zur Umfrage via LAS:eR schreibt das KfL individuell Konsorten des ersten Bundle an, die über diesen Kanal nicht zu erreichen wären.

Das KfL nimmt in der Pledging-Phase die Interessensbekundungen potenzieller Konsorten entgegen. In diesem Prozess informiert es den FID in regelmäßigen Abständen, die mit Fortschreiten der Pledging-Phase kürzer werden. Dergestalt lässt sich nicht nur der aktuelle Stand der Finanzierung nachverfolgen, sondern darüber hinaus wird ersichtlich, welche potenziell interessanten Standorte sich noch nicht beteiligt haben und individuell vom FID adressiert werden könnten. Im Zuge der Beteiligungsabfrage ermittelt das KfL die Rechnungsinformationen und übermittelt sie an den FID, der sie gebündelt an den Verlag weiterleitet. Während und nach dem Pledging dient das KfL als Kontaktadresse für die Konsorten und erfragt jährlich die Aktualität der angegebenen Rechnungsinformationen.

3.3  Verlag

Dem Verlag kommen in dem gewählten Ansatz prinzipiell dieselben Aufgaben zu wie in anderen Umsetzungen des KOALA-Modells. Er wirkt an der Ermittlung des Finanzbedarfs mit, achtet auf die Erfüllung der Mindeststandards, erstellt das Angebot, liefert wichtige Informationen und übernimmt die Kommunikation mit den Herausgebenden. Die bedeutendste Aufgabe des Verlags besteht darin, die dreijährige Produktivphase nach den festgelegten Bedingungen durchzuführen und das Erscheinen der Schriftenreihen sicherzustellen. Die Umsetzung ist jeweils zu Beginn eines Jahres rückwirkend für das Vorjahr in einem Verwendungsnachweis zu dokumentieren und an den FID zu übermitteln. Dass der Verlag die Rechnung stellt, macht den einzigen wesentlichen Unterschied zu anderen Umsetzungen des KOALA-Modells im Ansatz des FID Media aus. Hierzu erhält der Verlag die vom KfL ermittelten Rechnungsinformationen und versendet die Rechnungen zu den gewünschten Zeitpunkten an die Konsorten. Resultierend aus den Anforderungen in den teilnehmenden Einrichtungen ergeben sich hier Unterschiede auch in Bezug auf Rechnungsintervalle (Einmalzahlung vs. jährliche Zahlung).

4. Lessons Learned

Auch wenn sich die Lessons Learned in Teilen mit den Ergebnissen anderer konsortialer Finanzierungsmodelle decken,25 beziehen sie sich ausschließlich auf den FID Media und das KOALA-Bundle Medienwissenschaft 2026–2028, auch wenn nicht bestritten wird, dass sich (Teil-)Ergebnisse in Bezug auf die DOA-Finanzierung im deutschsprachigen Raum verallgemeinern lassen.

Die Funktion als Konsortialstelle ist mit einem hohen Kommunikationsaufwand mit diversen Stakeholdern verbunden und erfordert oftmals auch mehrschleifige Abstimmungen. Dieser hohe Abstimmungsaufwand korrespondiert mit einem nicht zu unterschätzenden administrativen Aufwand, der variieren kann, je nach Beschaffenheit der Trägereinrichtungen wie auch der Bedarfe der Konsorten. Gerade zum Ende des Pledging ist die intensive Kommunikation mit dem KfL und den Konsorten zu bewältigen. Wie oben beschrieben, gab es Faktoren, die die Einarbeitung des FID Media ins Konsortialgeschäft besonders zeitintensiv gemacht haben. Jedoch gestaltet sich der Einarbeitungsprozess allgemein zeitintensiv, wenn der neuen Konsortialstelle bisher (praktische) Erfahrungen in dem Bereich fehlen. In solchen Konstellationen kann die Beratung und Unterstützung durch andere Konsortialstellen eine erhebliche Erleichterung darstellen, weshalb wir die Bedeutung des Austausches für Verbreitung und Etablierung konsortialer Finanzierungsmodelle im wissenschaftlichen Publikationswesen unterstreichen möchten.

Die Bewertung eines Pledgings hängt in erster Linie von dem Erreichen des Finanzierungsziels ab. Insofern wirkt sich das erfolgreiche Pledging positiv auf die Bewertung des KOALA-Bundle Medienwissenschaft 2026–2028 aus. Erfreulicherweise konnte das Finanzierungsziel sogar übererfüllt werden, sodass sich die Funding-Beiträge für die teilnehmenden Einrichtungen reduzierten. Neben der Tatsache, dass es sich bei dem Bundle um ein etabliertes Produkt handelt, das bei den Konsorten entsprechend bekannt war, war zu beobachten, dass der FID als Gütesiegel für das Bundle wahrgenommen wurde. Außerdem lässt sich der Erfolg auch auf die fachspezifische Öffentlichkeitsarbeit zurückführen, die die vom KfL durchgeführten Maßnahmen ergänzte. Die Resonanz auf individuelle Ansprachen von Standorten, die fachlich besonders von den Publikationen des Bundle profitieren, führte zumeist nicht nur zu positiven Rückmeldungen, sondern auch zu Beteiligungen am Pledging. Insbesondere kleinere Hochschulen wie Kunsthochschulen oder Hochschulen für Angewandte Wissenschaften (mit Promotionsrecht) bewerteten das KOALA-Bundle positiv. Sie betrachteten es als Möglichkeit, sich an der Finanzierung von Open Access zu beteiligen, wofür sonst die Mittel fehlen würden. Somit zeigt sich: Auch wenn große Einrichtungen mit hohen Tiers (und entsprechend höheren Beiträgen) maßgeblich zum Zustandekommen eines Konsortiums beitragen, so sollten doch keinesfalls kleinere Einrichtungen übersehen werden, deren Potenziale für die weitere Entwicklung von DOA im deutschsprachigen Raum bislang weniger aktiviert worden sind.

Die Durchführung der Produktivphase hat zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Beitrags gerade erst begonnen und es lassen sich somit noch keine abschließenden Aussagen über die insgesamt benötigten Ressourcen treffen. Dennoch ist bereits festzustellen, dass der Aufwand für den FID sich mit dem Ende der Pledging-Phase erheblich reduziert. Die Phase und ihre Vorbereitung binden durch die diversen, in der Regel simultan verlaufenden und sich überlappenden Arbeitsprozesse personelle Ressourcen, die aber mit dem Ende des Pledgings frei werden. Somit scheint der gewählte Ansatz durchaus geeignet für Akteure zu sein, die keine (festen) Stellenkontingente für konsortiale Finanzierungsmodelle haben. Hier eröffnet insbesondere das KOALA-Modell mit seinen dreijährigen Produktivphasen, und damit ‚wellenartigen‘ Arbeitsphasen für das nächste Pledging, Handlungsspielräume.

Die Lessons Learned überträgt der FID Media derzeit auf das in der Vorbereitung befindliche Bundle zu DOA-Zeitschriften in der KMW, dessen Pledging 2026 stattfindet. Jedoch verhält es sich als Zeitschriften-Bundle anders zu den Erwerbungslogiken von Bibliotheken als das KOALA-Bundle Medienwissenschaft, das ausschließlich Schriftenreihen enthält.26 Dabei ist vorgesehen, sowohl medien- als auch kommunikationswissenschaftliche Journale einzubeziehen. Einerseits gewinnt das Bundle damit für unterschiedlich profilierte Einrichtungen an Attraktivität; andererseits kann die fachgegenständliche Nähe innerhalb des gemeinsamen Forschungsfelds produktiv genutzt werden. Dadurch können perspektivisch wechselseitige Stabilisierungseffekte in der Finanzierung entstehen.

Anmerkungen

1 Gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) im Rahmen des Förderprogramms Fachinformationsdienste für die Wissenschaft – 249151017. Siehe zu Fachinformationsdiensten das Förderprogramm „Fachinformationsdienste für die Wissenschaft“, https://www.dfg.de/de/foerderung/foerdermoeglichkeiten/programme/infrastruktur/lis/lis-foerderangebote/fachinfodienste-wissenschaft, Stand: 12.03.2026.
2 Vgl. dazu auch die Website des FID Media Fachinformationsdienst Kommunikations- und Medienwissenschaft, https://fid-media.de, Stand: 12.03.2026.
3 Vgl. Matuszkiewicz, Kai: Medienwissenschaft und Open Access – eine Beziehung mit Hindernissen, oa.blog, 30.04.2024, https://doi.org/10.64395/6m5qe-7ph47.
4 Vgl. Riedl, Lydia; Matuszkiewicz, Kai; Hierasimowicz, Konrad; Endres, Dominik; Siebold, Kathrin; Berdugo, Monica B.; Jansen, Andreas: Wissenschaft ohne Schranken? Diamond Open Access, Kommerzialisierung, Wissenschaftsbewertung und Publikationsdiversität aus interdisziplinärer Perspektive, in: o-bib. Das offene Bibliotheksjournal 12 (1), 2025, S. 1–9, https://doi.org/10.5282/o-bib/6136.
5 Zum OLEcon-Modell vgl. Kuhlwilm, Ronja: The Open Library Economics (OLEcon) consortium. A long-term financing model for Diamond Open Access journals, Zenodo, 17.10.2025, https://doi.org/10.5281/zenodo.17378041. Vgl. zu edu_consort_oa Butz, Anke; Plappert, Rainer; Schindler, Christoph; Schmiederer, Simon: Diamond-Open-Access-Zeitschriften in der Erziehungswissenschaft und Bildungsforschung. Das Projekt edu_consort_oa, in: o-bib. Das offene Bibliotheksjournal 12 (4), 2025, S. 1–7, https://doi.org/10.5282/o-bib/6179.
6 Zum KOALA-Modell im Allgemeinen vgl. Benz, Martina; Kirchner, Andreas; Tullney, Marco: Konsortiale Open-Access-Lösungen aufbauen (KOALA). Erfahrungen mit Redaktionen und Verlagen, Zenodo, 26.07.2023. https://doi.org/10.5281/zenodo.8127606. Zum KOALA-Bundle Medienwissenschaft in der Finanzierungsphase 2023–2025 vgl. den entsprechenden Eintrag im Diamond Funding Navigator: KOALA Media Studies, https://oa.tib.eu/diamondfunding/offers/9, Stand: 12.03.2026.
7 Vgl. Franz, Simone; Schaarschmidt, Sebastian: Nachhaltige Strukturen ermöglichen. Bedarfe und Perspektiven von Konsortialstellen in der Diamond-Open-Access-Finanzierung, in: o-bib. Das offene Bibliotheksjournal 12 (4), 2025, S. 1–8, https://doi.org/10.5282/o-bib/6193.
8 Für den FID Media wie auch für das FID-System stellte die Übernahme eines KOALA-Bundle Neuland dar, da der FID Media und der FID Soziologie zeitgleich erstmals solche Bundle als Konsortialstellen verantworteten. Der FID Soziologie führt das SocioHub Zeitschriftenbündel 2026–2028. Vgl. dazu den entsprechenden Eintrag im Diamond Funding Navigator: SocioHub Zeitschriftenbündel 2026–2028, https://oa.tib.eu/diamondfunding/offers/17, Stand: 12.03.2026. Vgl. zu FID als Konsortialstellen Franz, Simone; Stork, Karin Silvia: Konsortiale Finanzierung von Open-Access-Publikationen. Eine Handreichung für Fachinformationsdienste, Zenodo, 15.10.2025, https://doi.org/10.5281/zenodo.16944456.
9 Vgl. Franz/Schaarschmidt: Nachhaltige Strukturen, 2025 sowie Franz, Simone: KOALA-AV. Open-Access-Konsortialmodelle verbreiten, Zenodo, 29.10.2025, https://doi.org/10.5281/zenodo.16944478.
10 Vgl. die Website des Büchner-Verlags: Büchner, https://www.buechner-verlag.de, Stand: 12.03.2026. Bei den beiden Schriftenreihen handelt es sich um die „Bewegtbilder“ sowie das „Yearbook of Moving Image Studies“. Vgl. Bewegtbilder, https://www.buechner-verlag.de/reihe/bewegtbilder/ sowie Yearbook of Moving Image Studies, https://www.buechner-verlag.de/reihe/yomis/, Stand: 12.03.2026.
11 Vgl. Open Library Medienwissenschaft, https://www.transcript-verlag.de/open-library-medienwissenschaft, Stand: 12.03.2026.
12 Vgl. Servicestelle Diamond Open Access, https://diamond-open-access.de, Stand: 12.03.2026.
13 Zur Begriffsdiskussion vgl. Dellmann, Sarah; van Edig, Xenia; Rücknagel, Jesko; Schmeja, Stefan: Facetten eines Missverständnisses. Ein Debattenbeitrag zum Begriff „Diamond Open Access“, in: o-bib. Das offene Bibliotheksjournal 9 (3), 2022, S. 1–12, https://doi.org/10.5282/o-bib/5849.
14 Fuchs, Christian; Sandoval, Marisol: The Diamond Model of Open Access Publishing. Why Policy Makers, Scholars, Universities, Libraries, Labour Unions and the Publishing World Need to Take Non-Commercial, Non-Profit Open Access Serious, in: tripleC. communication, capitalism & critique 11 (2), 2013, S. 428–443, hier S. 440, https://doi.org/10.31269/triplec.v11i2.502.
15 Vgl. dazu Lauer, Gerhard: Datentracking in den Wissenschaften. Wissenschaftsorganisationen und die bizarre Asymmetrie im wissenschaftlichen Publikationssystem, in: o-bib. Das offene Bibliotheksjournal, 9 (1), 2022, S. 1–13, https://doi.org/10.5282/o-bib/5796.
16 Open-Access-Initiativen wie ENABLE!, die bewusst kleinere und mittlere Verlage einbinden, sind Ausdruck einer derartig inklusiven Praxis der Open-Access-Transformation. Vgl. ENABLE, https://enable-oa.org/, Stand: 12.03.2026.
17 Vgl. dazu Sommer, Dorothea; Strötgen, Robert; Zepf, Robert; Wirtz, Gudrun; Voß, Franziska; Hormuth, Franziska: Aktionsplan des FID-Netzwerks 2026–2028, Zenodo, 19.12.2025. https://doi.org/10.5281/zenodo.17986798.
18 Vgl. Mindeststandards, https://www.tib.eu/de/services/koala/mindeststandards, Stand: 12.03.2026. Zu Diamond-Open-Access-Standards im Allgemeinen vgl. Consortium of the DIAMAS project. The Diamond OA Standard (DOAS) (1.2), Zenodo, 24.09.2024, https://doi.org/10.5281/zenodo.13820036.
19 Vgl. Fokusgruppe „Konsortiale Open-Access-Finanzierung, https://open-access.network/vernetzen/digitale-fokusgruppen/fokusgruppe-konsortiale-open-access-finanzierung, Stand: 12.03.2026.
20 Vgl. dazu Servicestelle Urheberrecht des FID Media, https://blog.fid-media.de/servicestelle-urheberrecht-des-fid-media/, Stand: 12.03.2026.
21 Vgl. KOALA Medienwissenschaft 2026–2028, https://oa.tib.eu/diamondfunding/offers/20, Stand: 12.03.2026.
22 Vgl. zum KfL Kompetenzzentrum für Lizenzierung, https://www.fid-lizenzen.de/, Stand: 12.03.2026.
23 Vgl. dazu Schenke Julian; Stork, Karin Silvia; Tullney, Marco: Das Open-Access-Modell KOALA aus erwerbsbibliothekarischer Sicht. Ein Auswertungsbericht, in: o-bib. Das offene Bibliotheksjournal, 12 (2), 2025, S. 1–16, https://doi.org/10.5282/o-bib/6162.
25 Vgl. Butz, Anke; Plappert, Rainer; Schindler, Christoph; Schmiederer, Simon: Diamond-Open-Access-Zeitschriften in der Erziehungswissenschaft und Bildungsforschung. Das Projekt edu_consort_oa, in: o-bib. Das offene Bibliotheksjournal 12 (4), 2025, S. 1–7, https://doi.org/10.5282/o-bib/6179.
26 DOA-Zeitschriften sind mit der Herausforderung konfrontiert, dass die deutsche Förderpolitik auf Gold Open Access als Geschäftsmodell ausgelegt ist. Das macht es schwierig, Zeitschriften im DOA zu betreiben, da eine Refinanzierung durch Article Processing Charges in diesem Open-Access-Geschäftsmodell explizit nicht möglich ist, diese für Zeitschriften aber den förderpolitisch bereiteten Weg darstellt. DOA-Zeitschriften können zwar in der LIS-Förderschiene der DFG Anträge für die Transformation stellen, jedoch kann kein dauerhaftes Geschäftsmodell aufgebaut werden, das auch auf Publikationskostenzuschüsse zurückgreift. Dies betrifft insbesondere DOA-Zeitschriften, die nicht institutionell angebunden und dadurch (teil-)finanziert werden. Diesem Umstand möchten der FID Media mit seinem Pledging-Service für DOA-Zeitschriften begegnen.

Kai Matuszkiewicz, Philipps-Universität Marburg, https://orcid.org/0000-0001-8634-8160
Patricia Blume, Universität Leipzig, https://orcid.org/0000-0002-6131-8931
Lukas Hohendorf, Universität Leipzig, https://orcid.org/0000-0001-9849-5686
Lydia Riedl, Philipps-Universität Marburg, https://orcid.org/0000-0003-4131-7891

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