Nr. 2 (2026)
DOI: 10.5282/o-bib/6262

Zwischen KI, FID und WissKomm

Erfahrungsaustausch geisteswissenschaftlicher Fachreferate, 2./3. April 2025

1. Fortbildungsreihe mit aktuellen Themen

Im Zwei-Jahres-Rhythmus war im April 2025 wieder Zeit für die Austauschrunde für Fachreferent*innen der Geisteswissenschaften und damit für die Diskussion unterschiedlicher Aspekte der Fachreferatsarbeit mit Blick auf aktuelle Entwicklungen im Bibliothekswesen und im Wissenschaftsbetrieb.

Die Veranstaltung, organisiert von Rosemarie Kosche (Universitätsbibliothek Duisburg-Essen), Alice Rabeler (Universitäts- und Landesbibliothek Bonn) und Viola Voß (Universitäts- und Landesbibliothek Münster) sowie dem Zentrum für Bibliotheks- und Informationswissenschaftliche Weiterbildung (ZBIW) der TH Köln, fand im Kardinal-Schulte-Haus in Bergisch-Gladbach Bensberg statt. Als ZBIW-Veranstaltung richtete sie sich vorrangig an nordrhein-westfälische Bibliotheken. Da es kaum andere Angebote dieser Art gibt, waren auch Kolleg*innen aus Augsburg, Berlin, Bremen, Chemnitz, Halle (Saale), Hannover und München dabei.

Über zwei Tage wurden in vier Blöcken Themen zum Fachreferat im Kontext von Künstlicher Intelligenz (KI), Fachinformationsdiensten (FID) und Wissenschaftskommunikation (WissKomm) diskutiert und überlegt, was zukünftig vom Fachreferat wohl noch bleiben wird.

Zum Einstieg wurde in der Vorstellungsrunde danach gefragt, welche Anliegen die Teilnehmer*innen mitgebracht hatten, welche Themen sie im Fachreferat zurzeit besonders umtrieben und was sie in der laufenden Woche bislang für ihr(e) Fachreferat(e) getan hatten. Bereits diese bunte Sammlung großer und kleiner Themen offenbarte, wie facettenreich „das Fachreferat“ heute ist, aber auch, welche ähnlichen und unterschiedlichen Herausforderungen sich in vielen Bibliotheken zeigen.

2. KI & Co.: Aktuelle technologische Entwicklungen im praktischen Fachreferatseinsatz

Das Thema Künstliche Intelligenz hält auch in den Rahmen des geisteswissenschaftlichen Fachaustauschs Einzug und wird anhand beispielhafter Anwendungsmöglichkeiten anschaulich besprochen. Nicolas Kusser, an der Universitätsbibliothek Augsburg Fachreferent für Theologie, Klassische Philologie und Pädagogik und stv. Leiter der Teilbibliothek Medizin sowie Mitglied der gemeinsamen Kommission Informationskompetenz von dbv/VDB, hielt einen Impulsvortrag mit dem Titel „Wissenschaftliches Arbeiten 3.0?”. Darin resümierte er über seine Erfahrungen mit dem Einsatz – und damit den Potentialen, Herausforderungen und Implikationen – von KI im geisteswissenschaftlichen Fachbereich, um zugleich die sich daraus ergebenden Möglichkeiten und Aufgaben für Bibliotheksangebote aufzuzeigen.

Der Vortrag nahm drei Aspekte in den Fokus: Zunächst wurde eine grundlegende Einordnung von KI gegeben, insbesondere hinsichtlich ihrer Bedeutung für die Geisteswissenschaften. Darauf aufbauend folgten praktische Demonstrationen verschiedener KI-Tools, bevor abschließend die kritische Reflexion von KI-generierten Inhalten im Zentrum stand. Kusser betonte dabei, dass KI ein Werkzeug sei, das menschliche Fähigkeiten ergänze, jedoch nicht ersetze. Besonders im akademischen Kontext sei Informationskompetenz (IK) weiterhin unverzichtbar: Ohne ein kritisches Verständnis wissenschaftlicher Quellen, Zitationsstandards und Recherchepraktiken blieben KI-Tools in ihrer Wirkung begrenzt, gar irreführend. Zusammengefasst wurde dies mit „Keine KI ohne IK“.

Ein zentrales Problemfeld zeige sich in der sogenannten „Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen“: Innerhalb von Bibliotheken, aber auch im Verhältnis zwischen Bibliotheken und anderen wissenschaftlichen Akteuren herrsche ein stark divergierender Wissensstand zum Thema KI. Diese Ungleichzeitigkeit erschwere den Austausch und führe zu institutionellen Unterschieden in der Nutzung und Integration von KI-Anwendungen. Ein weiteres Hemmnis bestehe darin, dass bislang kaum fachspezifische KI-Tools existierten. Die Unterstützung wissenschaftlicher Arbeit durch KI erfolge daher überwiegend auf den Ebenen einzelner Prozessschritte, etwa bei der Themenfindung, Literaturrecherche oder der Analyse von Dokumenten.

Konkret stellte Kusser eine Vielzahl an Tools vor, die in unterschiedlichen Phasen wissenschaftlicher Arbeitsprozesse eingesetzt werden können. So verwies er für den Bereich der Ideenfindung und Prompt-Formulierung beispielhaft auf ChatGPT, Claude, Perplexity oder ChatAI. Für den Bereich der Literaturrecherche eignen sich KI-gestützte Werkzeuge wie Semantic Scholar, SciSpace oder Perplexity. Für die thematisch feinere Strukturierung eigne sich ein Mapping-Tool wie ResearchRabbit. Neben diesen klassischen Bereichen der Literaturrecherche fänden sich weitere Tools zur Unterstützung z. B. bei der Dokumentenanalyse (Elicit), dem Erstellen bibliographischer Übersichten (Harzing PoP), aber auch datenschutzkonformere Alternativen (ChatAI, SciSpace). Die genannten Tools erleichterten die Selektion relevanter Fachliteratur, die Analyse umfangreicher Texte oder die Erstellung wissenschaftlicher Übersichten. KI unterstütze demnach nicht nur die (Vor-)Arbeit am Text selbst, sondern könne helfen, Schreibblockaden zu überwinden, Feedback zu generieren oder Inhalte für unterschiedliche Zielgruppen anzupassen. Daraus ergäben sich neue Herausforderungen, etwa in Bezug auf Urheberrecht, Qualitätssicherung und die sich verändernde Prüfungskultur. In der Hochschullehre würde sich daher der Fokus zunehmend von der klassischen Textproduktion hin zur Bewertung KI-gestützter Arbeiten verschieben.

Mit all den genannten Nutzungsmöglichkeiten gehen zugleich Risiken einher, die Kusser im Folgenden thematisierte. Weitestgehend bekannt sind die sogenannten Halluzinationen – also überzeugend formulierte, aber frei erfundene Inhalte. Solche Fehler würden zwangsläufig durch das Training mit LLMs (Large Language Models) auftreten, könnten jedoch durch entsprechend angepasste Prompts („Bitte erfinde keine Quellen") reduziert werden. Im Vergleich zu den relativ leicht überprüfbaren Antworten stellen Verzerrungen – sogenannte Bias – eine deutlich größere Herausforderung dar. Sie treten insbesondere bei unpräzisen Prompts, fehlerhaften Trainingsdaten oder unklarem Kontext auf. Besonders problematisch ist dabei, dass KI-Systeme solche Verzerrungen aus ihren Trainingsdaten übernehmen und dadurch historische wie auch gegenwärtige gesellschaftliche Sichtweisen und Stereotype reproduzieren können. Eine Möglichkeit, so Kusser, diesen Schwächen und Fehlern entgegenzuwirken, besteht zum einen im Einsatz von Tools (z. B. biastest.ch), die stereotype Darstellungen und Ungleichgewichte in KI-Ausgaben visualisieren. Zum anderen sei jedoch als Gegenmaßnahme zuvorderst eine kritische Reflexion notwendig, etwa durch Einholung von Expertenmeinungen, Überprüfung der Konsistenz von Inhalten oder Berücksichtigung des Entstehungskontextes.

Abschließend plädierte Kusser dafür, dass Universitäten und Bibliotheken eine aktive Rolle in der Vermittlung von KI-Kompetenzen übernehmen sollten. Es sei entscheidend, nicht nur spezifische Tools zu schulen, sondern vor allem das Nachdenken über die Nutzung auf einer Metaebene zu fördern. KI könne als „kognitives Auslagerungsinstrument“ wertvolle Dienste leisten – etwa bei aufwändigen Routineaufgaben –, die menschliche Urteilskraft bleibe jedoch unverzichtbar. In den Geisteswissenschaften eröffne KI besondere Möglichkeiten, etwa in der Analyse großer Textkorpora, der Extraktion von Entitäten, der Übersetzung historischer Dokumente oder der Erstellung didaktischer Materialien. Gleichwohl gebe es Limitierungen, etwa durch die anglo-amerikanische Dominanz in Trainingsdaten, einen geringen Anteil verfügbarer Open-Access-Literatur oder generelle Skepsis gegenüber neuen Technologien. Der Umgang mit KI erfordere daher nicht nur technische, sondern auch ethische und wissenschaftliche Sensibilität.

Über viele Aspekte dieses Vortrags von Nicolas Kusser hätte sich weitersprechen lassen können; die Programmplanung setzte hier allerdings Grenzen.

3. Kommunizieren und Vernetzen überregional: Wie können Fachreferate und FID ihre Zusammenarbeit weiter verstärken?

Als zweiten Themenblock diskutierten die Teilnehmenden über die Frage: „Wie können Fachreferate und FID ihre Zusammenarbeit weiter verstärken?“ Da ein Mitarbeiter des FID Benelux anwesend war, konnte dabei auch eine FID‑Perspektive eingebracht werden.

Das Plenum war sich einig, dass die Services von FID im Fachreferatsalltag unverzichtbar sind. Besonders hervorgehoben wurden die Neuerwerbungslisten, das umfangreiche Angebot an Social‑Media‑
Aktivitäten sowie die Kooperationen bei Lizenzierungsfragen.

Die Weiterentwicklung des DFG‑Förderprogramms Fachinformationsdienste für die Wissenschaft in Richtung FIDplus1 wird mit großem Interesse verfolgt. Ob die Grundproblematik, dass Informationsinfrastrukturen für den wissenschaftlichen Spitzenbedarf weiterhin projektbasiert gefördert werden, durch FIDplus abgemildert werden kann, bleibt zu beobachten. Sollte ein FID nicht weiter gefördert werden, benötigen Fachreferent*innen eine möglichst frühzeitige Mitteilung über den Wegfall der jeweiligen FID‑Service‑Portfolios. Im Plenum bestand Einigkeit darüber, Wissenschaftler*innen stärker für den Mehrwert der jeweiligen FID und für die Konsequenzen eines möglichen Wegfalls aller zugehörigen Dienste zu sensibilisieren, falls ein FID seine DFG‑Förderung verlieren sollte. Hierzu zählt nicht zuletzt der Aufruf, an FID‑Umfragen zur Bedarfserhebung teilzunehmen.

Für den eng am aktuellen Bedarf der Wissenschaft ausgerichteten Bestandsaufbau der FID gebe es einerseits gute Gründe, andererseits würde der klassische Sammlungsgedanke herausgefordert.2 Vor dem Hintergrund aktueller geopolitischer Entwicklungen sei ein möglichst umfassender Bestandsaufbau inklusive einer Last-Copy-Policy (in gedruckter Form) für verschiedene Wissenschafts-Communities aktueller denn je.

4. Kommunizieren und Vernetzen lokal: Wie kann Wissenschaftskommunikation mit den Fächern vor Ort funktionieren?

Mit ihrem Impulsvortrag „Wissenschaftskommunikation als forschungsnaher Dienst: Mehr als nur ‚Academic Networking‘" legte Michèle Robrecht (damals Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie (IPT) Aachen, mittlerweile IT Center der RWTH Aachen University) die Grundlagen für eine dreiteilige Workshoparbeit und Diskussion.

Bibliotheken seien schon immer Motoren der Wissenschaftskommunikation gewesen. Über öffentliche Veranstaltungen wie z. B. Ausstellungen, Buchvorstellungen und Diskussionsveranstaltungen hätten sie als Kompetenzpartner für die Öffentlichkeitsarbeit Wissenschaftskommunikation vorangetrieben. Im Zeitalter von digitalen Kommunikationskanälen wie Blogs, Podcasts und Social Media hätten traditionelle Vermittlungsformate ein wenig an Bedeutung verloren, seien aber nicht ganz verschwunden. Wenn sich nun diese Kommunikation in den digitalen Bereich verlagere, könnten Bibliotheken aber weiterhin Partner im Prozess sein. Etwa, indem sie junge Wissenschaftler*innen zu den Vorteilen von Academic Networking oder dem Führen von Wissenschaftsblogs beraten. Social-Media-Kanäle böten den Vorteil großer Reichweite. Doch bestehe die berechtigte Sorge, dass die eigenen Inhalte für kommerzielle oder politische Zwecke benutzt oder missbraucht werden könnten. Insofern sollte man bei der Wahl des jeweiligen Kanals genau hinsehen und nach Möglichkeit offene, kollaborative und nicht-kommerzielle Plattformen nutzen.

Klassischerweise impliziere der Begriff „Wissenschaftskommunikation“, dass die Wissenschaft ihre Fragestellungen und Ergebnisse mittels verschiedener medialer Formate einer Öffentlichkeit mitteilt. Heute verstehe man diese Kommunikation verstärkt als einen wechselseitigen Austausch, bei dem die Öffentlichkeit selbst auch etwas zum Forschungsprozess beitrage. Unter dem Begriff der „Citizen Science“ hätten diese Ansätze der Wissenschaftskommunikation Furore gemacht. Die Aufbereitung der eigenen Forschungsinhalte über die eigene Fachcommunity hinaus bedeute natürlich immer auch Aufwand und eine „Übersetzung“ der Inhalte in andere Darstellungsformen und Sprachregister. Fachreferate seien immer auch Kommunikationsschnittstellen, also prädestiniert für die Kommunikation von wissenschaftlichen Inhalten und Fragestellungen an unterschiedliche Zielgruppen. Wissenschaftskommunikation wieder verstärkt als Betätigungsfeld in den Blick zu nehmen, könne dem eigenen Profil als wissenschaftliche Bibliothekar*innen also zukünftig sehr nützlich sein.3

5. Fachreferat zwischen Verwaltungstätigkeiten und forschungsnahen Diensten

Der vierte Block nahm Meta-Aspekte der Fachreferatsarbeit in den Blick: In einem World Café wurden an vier Stationen unter je einer Leitfrage über solche Themen und Aufgaben im Fachreferat nachgedacht, die aus Sicht der Teilnehmer*innen beibehalten, ausgebaut oder neu aufgenommen werden sollten, und solche – eine Arbeitswoche ist schließlich endlich –, die dafür umverteilt oder aufgegeben werden könnten. Nach dem Umlaufprinzip konnten über ein Punktesystem bis zu drei Themen pro Tafel als besonders interessant oder relevant deklariert werden.

An der Tafel mit dem Titel „WEITER – Was machen wir und was sollten wir auch weiter machen?” wurden z. B. notiert:

Abhängig ist die Umsetzung dieser Aufgaben aber natürlich immer vom zur Verfügung stehenden Stellenanteil im Fachreferat: Kaum jemand ist nur Fachreferent*in, fast alle haben weitere Verwaltungs- und Querschnittsaufgaben.

Daher war ein „Meta-Punkt” auf der Tafel „MEHR – Was sollten wir machen, was wir zu wenig machen?” auch das Priorisieren von Tätigkeiten. Mehr Zeit wurde z. B. gewünscht für

Allerdings wurde auch in Frage gestellt, warum es eigentlich immer „mehr” sein müsste: Wäre das Fokussieren auf wenige Aufgaben nicht besser?

Für die Tafel „PLUS – Was würden wir gerne machen, was wir noch nicht machen?” (s. Abb. 1) fanden sich dennoch auch viele Aspekte:

Pinnwand mit dem Titel „Plus – was würden wir gerne machen, was wir noch nicht machen?“. Darunter handschriftliche Workshopnotizen mit Themen wie „Discovery verbessern“, markiert durch farbige Zustimmungspunkte.
Abb. 1: Die World-Café-Tafel „PLUS“ (Foto: Viola Voß)

Schließlich versammelte die Tafel „WEG – Was kann weg?” einige Punkte, die unter den Überschriften „Umverteilen”, „Zeitersparnis” und „final weg” gruppiert wurden: Entscheidungen über Geschenkangebote, Ersatzbeschaffungen und Aussonderungen, die Aktualisierung von Lehrbuchbeständen oder die Rückläufer aus Handapparaten, aber auch Schulungen könnten von anderen Abteilungen übernommen werden. Zeitgewinn erhofft man sich durch Verbesserungen im Erwerbungsprozess, „Tutorials statt Schulungen”, vermehrte Übernahme von Fremddaten (z. B. mit dem Tool DA-3) oder den Einsatz von KI. Wirklich entfallen könnten Schulungen, die zu wenig nachgefragt werden, der Verkauf ausgesonderter Bücher oder die Vergabe freier Deskriptoren in lokalen Feldern bei der Inhaltserschließung.

In diesem Kontext kam zur Sprache, dass die Beschäftigung mit dem gedruckten Bestand nach wie vor notwendig ist; ein Beispiel für die derzeitige „Übergangszeit”. Aufgaben wie die Aussonderung könnten aber vielleicht umstrukturiert werden, so dass sich nicht mehr alle, sondern nur noch ausgewählte Personen intensiv damit beschäftigen, etwa mit der Prüfung, wie die Tätigkeit z. B. durch Skripte unterstützt werden könnte: Umverteilung durch Binnendifferenzierung, sozusagen.

Vor allem bei dieser Station zeigte sich, wie unterschiedlich das Fachreferat in den Bibliotheken organisiert ist: Aufgaben, die für einige Standorte zur Ab- oder Aufgabe vorgeschlagen wurden, sind in anderen schon längst umorganisiert oder aufgegeben. Ebenso wünschen sich einige Kolleg*innen ein „Mehr” von Tätigkeiten, die andere schon machen, während wiederum andere erst jetzt auf die Idee kamen, dass einiges davon ja auch interessant sein könnte für ihre Fachreferate.

Für alle Tafeln gilt aber die übergreifende Überlegung, welche Aufgaben wir „für unsere bibliothekarische Arbeit” und welche „für die Nutzer*innen” machen. Hier schließt sich dann der Kreis zum Desiderat der Nutzer*innenforschung zu Studierenden und Wissenschafter*innen.

6. Ausblick: Fachreferate und Organisationsstrukturen im Wandel

Zum Ende ging die Diskussion über zur Frage, wie es mit der Zukunft dieser Veranstaltungsreihe aussieht: Kann sie auch weg, oder ist diese Form des Austausches nach wie vor relevant?

Dazu hatte Christine Wilhelm als Vertreterin der VDB-Kommission für Fachreferatsarbeit einige Impulse mitgebracht. Während die Kommission in der Vergangenheit schwerpunktmäßig Veranstaltungen für einzelne Fächer organisiert hat, was aber aufgrund übergreifender Fragestellungen und der „kumulativen” Organisation der Fachreferate in vielen Häusern nicht mehr ausschließlich sinnvoll ist, gibt es bereits und auch zukünftig thematische Angebote z. B. zu Systematic Reviews oder sekretierter Literatur. Für die erfolgreiche Ringvorlesung „Berufsbilder an Bibliotheken im Wandel – Wer macht eigentlich welche Arbeit?” aus dem Jahr 2024 ist eine Fortsetzung noch in der Überlegung. Konkreter wird über eine Veranstaltung zum Thema „(Um-)Organisation von Fachreferaten in Bibliotheken” nachgedacht. Eine Ad-hoc-Umfrage unter den anwesenden Kolleg*innen ergab ein breites Spektrum von klassischen Strukturen bis zu relativ neuen Fachclustern und von ersten Überlegungen für mögliche Änderungen bis zu bereits abgeschlossenen Umstrukturierungen – definitiv ein Thema für eine Nachfolgeveranstaltung, auch mit Blick auf die strategische Ausrichtung von Bibliotheken.

Neben den Themen, die im World Café viele Punkte auf sich vereinen konnten, wurden in der Diskussion außerdem Aspekte wie die Betreuung von Fächern, die man nicht studiert hat, die weitere Beobachtung von KI und das Spannungsfeld „Print vs. Digital” angesprochen – der Reihe wird der Stoff also so schnell nicht ausgehen.

7. Fazit

Dieser Erfahrungsaustausch wurde von einer offenen Atmosphäre getragen, zu der auch das „Tagungs-Du” beitrug. Die Dauer über zwei Tage im schönen Ambiente des Kardinal-Schulte-Hauses bot viel Raum für Gespräche auch in den Kaffee- und Essenspausen und abends auf der Terrasse mit Sonnenuntergangspanorama; mit ein Grund, warum die Teilnehmer*innen das Treffen u. a. als abwechslungsreich, bereichernd und inspirierend charakterisierten.

Wie bereits im „Coronajahr“ 2021 durch den überregionalen Austausch – damals via Online-Veranstaltung – sorgte auch 2025 die Teilnahme von Kolleg*innen über die Grenzen NRWs hinaus für zusätzlichen Erkenntnis- und Erfahrungsgewinn. Übereinstimmend wurde der Spagat in der Fachreferatsarbeit wahrgenommen zwischen Massengeschäft und spezialisierten Angeboten und zwischen traditionellen Aufgaben und neuen Herausforderungen.

Das nächste Treffen dieser Reihe ist für Frühjahr 2027 geplant.

Anmerkungen

1Vgl: Information für die Wissenschaft Nr. 83, 26. September 2024: Förderprogramm Fachinformationsdienste für die Wissenschaft, https://www.dfg.de/de/aktuelles/neuigkeiten-themen/info-wissenschaft/2024/ifw-24-83, Stand 04.03.2026.
2Siehe hierzu für die regionalen FID: Riek, Ilona; Sindt, Ruth: Die Sammeltätigkeit der regionalen FID – antiquiert oder aktuell? Vergnügen oder Verantwortung? Bericht über die öffentliche Arbeitssitzung der regionalen Fachinformationsdienste einschließlich Jüdische Studien und Romanistik, in: o-bib 10 (4), 2023. https://doi.org/10.5282/o-bib/5957, und Riek, Ilona; Sindt, Ruth: Offen für Neues & Bewa(e)hrtes. Öffentliche Arbeitssitzung des Netzwerks der regionalen Fachinformationsdienste einschließlich Jüdische Studien und Romanistik, in: o-bib 11 (4), 2024. https://doi.org/10.5282/o-bib/6092.
3Zum Weiterlesen kann ein Artikel von Michèle Robrecht dienen: Vorbild, Brücke, Qualitätsstempel und Resonanzraum: Wissenschaftliche Bibliotheken in der externen Wissenschaftskommunikation, in: o-bib 13 (1), 2026, https://doi.org/10.5282/o-bib/6211.

Viola Voß, Universitäts- und Landesbibliothek Münster, https://orcid.org/0000-0003-3056-407X
Bernhard Liemann, Universitäts- und Landesbibliothek Münster, https://orcid.org/0000-0003-4167-6907
Gabriele Pendorf, Universitätsbibliothek Bielefeld, https://orcid.org/0000-0002-4355-3014
Jeanine Tuschling-Langewand, Universitäts- und Landesbibliothek Münster, https://orcid.org/0000-0001-6701-6638

Zitierfähiger Link (DOI): https://doi.org/10.5282/o-bib/6262

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