Nr. 1 (2026)
DOI: 10.5282/o-bib/6241

Kommission für Fachreferatsarbeit des VDB: Arbeitsschwerpunkte im Jahr 2025

Das moderne Fachreferat an wissenschaftlichen Bibliotheken unterliegt einem starken Wandel. Inwiefern prägen Veränderungen Ihren Arbeitsalltag? Und wie nehmen Sie persönlich diese Veränderungen wahr? Mit dieser Ansprache rief die Kommission für Fachreferatsarbeit im Juni 2025 zu einer Umfrage unter Fachreferent*innen auf. Motivation für dieses Vorhaben war die Beobachtung, dass Fachreferatsaufgaben in vielen Bibliotheken Change-Prozesse durchlaufen und bzw. oder sich im praktischen Arbeitsalltag verändern. Dies geschieht z. B. durch einen Wandel in Stellen- und Aufgabenprofilen, Veränderungen im Publikationsmarkt oder verlagerten Anforderungen seitens der Nutzergruppen. Die Motivation, diese Entwicklungen genauer zu betrachten und zu erfragen, wie sie von Fachreferent*innen selbst wahrgenommen werden, traf offenbar einen Nerv. Die Umfrage wurde von insgesamt 442 Teilnehmer*innen beantwortet, mehrere Personen meldeten sich außerdem für ein vertiefendes Interview. Eine Publikation zu den Ergebnissen ist für das Jahr 2026 geplant.

Dem Berufsbild des Fachreferats widmete sich die Kommission außerdem durch die Begutachtung von Fachartikeln zu fachreferatsbezogenen Themen und auf der BiblioCon 2025 in Bremen. Unter dem Titel „Veränderungen in der Wissenschaft aktiv begleiten“ wurde in einem Hands-on-Lab darüber diskutiert, wie Fachreferent*innen auf neue und sich verändernde Anforderungen aus der Wissenschaft mit passenden Services reagieren können. Dabei wurde auch erfragt, welche Fortbildungsbedarfe sich aus der vom Fachreferat generell erwarteten flexiblen Anpassungsfähigkeit und aus aktuellen inhaltlichen und methodischen Veränderungen in der Wissenschaft ergeben. Auf diese Fragen äußerten die Teilnehmer*innen insbesondere, dass man im Aufgabengebiet Erwerbung und Bestandsentwicklung tiefgreifende Veränderungen erlebe und man sich vor allem hier Fortbildungsangebote und Austausch wünsche. Diese Anregung hat die Kommission aufgegriffen und setzt sich für das Jahr 2026 mit Erwerbungsthemen einen inhaltlichen Schwerpunkt. So beginnt das Jahr mit einer dreiteiligen Online-Veranstaltungsreihe zu „Praktischen Aspekten strategischen Erwerbungshandelns“. Für die BiblioCon 2026 sind Veranstaltungen zu Erwerbungsthemen zusammen mit der dbv Kommission für Erwerbung und Bestandsentwicklung sowie der Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt (Halle) und dem Leibniz-Institut für Bildungsmedien | Georg-Eckert-Institut (GEI) aus Braunschweig geplant. Mit Partnereinrichtungen arbeitete die Kommission auch im Jahr 2025 auf der BiblioCon in Bremen zusammen: Sie unterstützte das FID-Netzwerk NordOst als Moderation in der öffentlichen Arbeitssitzung des Netzwerks.

Eine der zentralen Aufgaben der Kommission für Fachreferatsarbeit besteht darin, Fortbildungen für Fachreferent*innen anzubieten. Wie oben dargestellt, ist die Kommission sehr an aktuellen Fortbildungswünschen und -bedarfen ihrer Zielgruppe interessiert und nimmt diese jederzeit gerne unter kommission.fachreferat@vdb-online.org entgegen. Im Jahr 2025 richtete die Kommission eine Fortbildung zum Umgang mit extremistischer Literatur in öffentlichen und wissenschaftlichen Bibliotheken aus. Des Weiteren bot sie zusammen mit dem FID Asien eine fachspezifische Fortbildung für Fachreferent*innen der Asienwissenschaften an, zusammen mit den FIDs Pollux und SocioHub eine zweitägige Fortbildung für Fachreferent*innen der Soziologie und Politikwissenschaft und sie wirkte mit einem Impulsvortrag am Erfahrungsaustausch geisteswissenschaftlicher Fachreferate des ZBIW/TH Köln mit.

Gewissermaßen einen Sprung ins kalte Wasser wagte die Kommission in der Vorbereitung des jährlichen Workshops der Kommissionen des VDB. Dieser interne Workshop dient der Vernetzung und Zusammenarbeit der Kommissionen untereinander, unter anderem der Abstimmung über kommissionsübergreifende Themen. In diesem Kontext gestaltete die Kommission für Fachreferatsarbeit einen Programmpunkt zum Thema Datenhoheit. Die Frage, wie viel Wissen bzw. Kontrolle Bibliotheken über eigene und lizenzierte Daten haben, ist ein Thema, das einerseits zahlreiche Berührungspunkte zur Fachreferatsarbeit bietet – beispielsweise in den Aufgabenbereichen Bestandsaufbau, inhaltliche Erschließung oder Beratung von Wissenschaftler*innen. Andererseits stand dieses Thema aber bislang noch nicht im Fokus der Kommissionsarbeit. Durch Recherchen, Reflexionen über die eigenen Arbeitserfahrungen, kollegialen Austausch und unter Einbezug der VDB-Kommission für Rechtsfragen und der Abteilung Publikationsdienste der Universitätsbibliothek an der TU Berlin konnten vielseitige fachliche Perspektiven zum Thema Datenhoheit aufgefächert und angeregte Diskussionen unter den Kommissionen initiiert werden. Je tiefer man sich in das Thema Datenhoheit einarbeitete, desto mehr entpuppte es sich als interdisziplinäres Querschnittsthema par excellence. Kurz gesagt, ein Thema, das der generalistischen und interdisziplinären Ausrichtung des Fachreferats, wie sie heute an vielen Bibliotheken gelebt wird, sehr entspricht.

Seit der Neubesetzung der Kommissionen des VDB im Jahr 2024 arbeitet die Kommission für Fachreferatsarbeit in unveränderter Zusammensetzung. Die Kommissionsmitglieder können auf der Webseite des VDB eingesehen werden.1

Anmerkungen

Christine Wilhelm, Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf, https://orcid.org/0009-0006-4838-122X

Zitierfähiger Link (DOI): https://doi.org/10.5282/o-bib/6241

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