Nr. 1 (2026)
DOI: 10.5282/o-bib/6230

Aus der Deutschen Forschungsgemeinschaft

Der Ausschuss für Wissenschaftliche Bibliotheken und Informationssysteme (AWBI) hat sich am 22. und 23. September 2025 in Präsenz in Bonn getroffen. Folgende Themen standen im Mittelpunkt der Beratungen:

1. DFG-Diskussionspapier „Digitale Forschungspraxis und kooperative Informationsinfrastrukturen“DFG-Diskussionspapier „Digitale Forschungspraxis und kooperative Informationsinfrastrukturen“

Wie auch in den vergangenen Sitzungen hat sich der AWBI mit der Umsetzung der im DFG-Diskussionspapier „Digitale Forschungspraxis und kooperative Informationsinfrastrukturen“1 formulierten Ziele befasst. Die mit der Ausschreibung „Datenkorpora für Künstliche Intelligenz“2 bereits angelaufene Maßnahme ist mit einem Eingang von 167 Anträgen auf großes Interesse gestoßen. Dies unterstreicht die Relevanz des Themas.

Eine weitere geplante Maßnahme bezieht sich auf eine stärkere Integration des Förderportfolios der Gruppe „Wissenschaftliche Literaturversorgungs- und Informationssysteme“ (LIS) der DFG. Aktuell besteht das Portfolio aus acht Programmen, die aufgrund der sich durch den digitalen Wandel in den Wissenschaften verändernden fachlichen Bedarfe nach und nach entstanden sind und sich auf neue Methoden, Publikationspraktiken und digitale Dienste beziehen. Im Diskussionspapier hatte sich der AWBI dafür ausgesprochen, eine größere Durchlässigkeit zwischen den einzelnen Programmen zuzulassen. Ziel einer stärkeren Integration ist es, Offenheit und Flexibilität zu erhöhen, auch um künftige technische und methodische Entwicklungen ohne Anpassungen im Programm fördern zu können. Aktuell bereits bekannte Bedarfe wie beispielsweise die Kuration von Daten sollen in ein stärker integriertes Programm einfließen und ebenso förderfähig sein wie Kooperationen und Organisationsstrukturen.

Nach Erscheinen des DFG-Diskussionspapiers hat der Rat für Informationsinfrastrukturen (RfII) ein Papier „Leistung in Verantwortung. Zur Zukunft der wissenschaftlichen Informationsinfrastrukturen in Deutschland“3 veröffentlicht, das sich in wesentlichen Punkten mit den Inhalten des DFG-Diskussionspapiers deckt. Mit Blick auf die weitere Ausgestaltung von Dialogen zu den Themen der Papiere hält der AWBI den Austausch und die Kooperation mit dem RfII für sinnvoll. Als Auftakt hat der Leiter der RfII-Geschäftsstelle als Gast an der Sitzung des AWBI teilgenommen. Es wurde verabredet, nicht nur mit Blick auf die Frage übergreifender Verantwortungsbereiche, sondern auch bezüglich der Ansprache spezifischer Handlungsfelder und Herausforderungen im Gespräch zu bleiben. Man wolle ausloten, wo der RfII und die DFG-Infrastrukturförderung gemeinsam agieren und Dialoge anstoßen können.

2. Fachinformationsdienste für die WissenschaftFachinformationsdienste für die Wissenschaft

2.1 Aktionsplan des FID-Netzwerks für 2026-2028Aktionsplan des FID-Netzwerks für 2026-2028

Dem AWBI lag ein Konsultationsentwurf des Aktionsplans des FID-Netzwerks für die Jahre 2026 bis 2028 vor. Der AWBI würdigte die erkennbare klare kollaborative und koordinierte Linie zur Weiterentwicklung des FID-Netzwerks. Für die Begutachtung und Bewertung der FID- und FIDplus-Anträge stellt der Aktionsplan einen wesentlichen Referenzpunkt dar, vor allem zur Beurteilung des dritten Förderkriteriums „Beitrag zur FID-Gesamtstruktur“. Für die Umsetzung des Aktionsplans in den FID- und FIDplus-Anträgen wird es erforderlich sein, für die Handlungsfelder operative und verbindliche Ziele und zeitlich definierte Maßnahmen zu formulieren, die erreichbar und messbar sein müssen.

2.2 KommunikationsmaßnahmenKommunikationsmaßnahmen

Im Nachgang der ersten FIDplus-Konferenz (April 2025) befasste sich der AWBI mit der Frage, wie er das FID-Netzwerk in seinen Bemühungen um eine stärkere Sichtbarkeit unterstützen kann. Da sowohl im DFG-Diskussionspapier „Digitale Forschungspraxis und kooperative Informationsinfrastrukturen“ als auch im RfII-Papier „Leistung in Verantwortung“ auf die Relevanz der Fachinformationsdienste für die Informationsinfrastrukturlandschaft in Deutschland hingewiesen wird, wird die Rolle der Fachinformationsdienste in die geplanten strategischen Dialogprozesse einfließen. Der AWBI erklärte sich außerdem dazu bereit, das FID-Netzwerk bei der Durchführung von Maßnahmen, die im Aktionsplan 2026 bis 2028 genannt sind, aktiv zu unterstützen, z. B. durch die Teilnahme an ausgewählten Veranstaltungen. Auch sollte in Organisationen und Gremien – wie z. B. der Hochschulrektorenkonferenz, der Kultusministerkonferenz, aber auch in bibliothekarischen Gremien – über die Entwicklungen im FID-Netzwerk berichtet werden. Entsprechende Informationen sollten auch an die Bibliotheksreferent*innen der Länder sowie an die Forschungsreferent*innen der Universitäten vermittelt werden. Zudem wird die DFG-Geschäftsstelle ihre Kommunikationskanäle vermehrt nutzen, um die wissenschaftspolitische Öffentlichkeit über Aktivitäten und die Bedeutung des FID-Netzwerks zu informieren.

3. ForschungssoftwareinfrastrukturenForschungssoftwareinfrastrukturen

Ein wichtiges Ziel des im vergangenen Jahr neu eingerichteten Förderprogramms „Forschungssoftwareinfrastrukturen“ ist es, den Aufbau einer Gesamtstruktur für Forschungssoftwareinfrastrukturen anzuregen. Dazu hatte der AWBI eine Begleitkommission eingerichtet, die sich im Juli 2025 zu ihrer konstituierenden Sitzung getroffen hat. Über die Ergebnisse dieser ersten Sitzung hat sich der AWBI in seiner Sitzung informiert. Um die für den Aufbau einer Gesamtstruktur notwendige Vernetzung der bisher bewilligten Projekte zu unterstützen, plant die Begleitkommission ein erstes Vernetzungstreffen im März 2026 im Rahmen der Conference for Research Software Engineering (deRSE26). Zudem werden die Mitglieder der Kommission als Multiplikator*innen für den Aufbau einer Gesamtstruktur in die Community hineinwirken.

4. Infrastrukturen für wissenschaftliches PublizierenInfrastrukturen für wissenschaftliches Publizieren

Der AWBI hat sich über den Stand des im Mai offiziell angelaufenen Projektes „Servicestelle für Diamond Open Access“ (SeDOA) informiert. SeDOA soll als single point of contact vorhandene, dezentrale Publikationsinfrastrukturen unterstützen und insgesamt die Landschaft der Diamond-Open-Access-Organe kartieren. Zudem sollen zentrale Informationen bereitgestellt und Innovationen gefördert werden. Durch Umfragen und Workshops sind zunächst die Bedarfe der Community erhoben worden. Darüber hinaus wurden Maßnahmen zur Vernetzung auf nationaler und internationaler Ebene gestartet.

5. Open-Access-PublikationskostenOpen-Access-Publikationskosten

Der AWBI hat sich mit den Ergebnissen aus der zweiten Runde der zweiten Förderphase im Programm „Open-Access-Publikationskosten“ befasst. Von den eingereichten 36 Anträgen wurden 29 Anträge zur Bewilligung empfohlen. Besonders hervorgehoben wurde vom AWBI die erfolgreiche strukturbildende Wirkung des Programms.

6. Künstliche Intelligenz in den DFG-BegutachtungsverfahrenKünstliche Intelligenz in den DFG-Begutachtungsverfahren

Der AWBI hat sich mit den derzeitigen Diskussionen einer Arbeitsgruppe des Senats der Deutschen Forschungsgemeinschaft zum Einsatz von KI in den Begutachtungsverfahren befasst. Aktuell ist der Einsatz von KI in DFG-Begutachtungsverfahren nicht zulässig, was angesichts der enormen Dynamik des Feldes erneut reflektiert werden sollte. Daher hat sich die Senats-AG in sechs Sitzungen umfassend mit den unterschiedlichen Aspekten des Einsatzes von KI in der Begutachtung auseinandergesetzt: technische und rechtliche Herausforderungen, Anforderungen an die Vertraulichkeit und wissenschaftliche Integrität. Unterstützt wurden die Diskussionen durch ein Rechtsgutachten. Unstrittig ist, dass auch beim Einsatz von KI-Systemen die inhaltliche Verantwortung für Gutachten ausschließlich bei den gutachtenden Personen liegt. Der Senat wird in seiner Dezember-Sitzung 2025 über die von der Arbeitsgruppe erarbeiteten Vorschläge beraten.

7. Projektvorhaben an der Schnittstelle zwischen Forschung und wissenschaftlicher InformationsinfrastrukturProjektvorhaben an der Schnittstelle zwischen Forschung und wissenschaftlicher Informationsinfrastruktur

Für Projekte, bei denen der Forschungsanteil und der infrastrukturelle Anteil so eng miteinander verzahnt sind, dass eine Aufteilung in zwei Projekte nicht sinnvoll möglich ist, gibt es bisher das Verfahren von sogenannten „Brückenprojektanträgen“. Dabei müssen in einem Antrag sowohl die Förderbedingungen der Sachbeihilfe als auch des jeweiligen Programms der LIS-Förderung adäquat berücksichtigt werden. Um die Hürden und Aufwände, die sich mit dem bisherigen Verfahren zu Brückenprojekten für Antragsteller*innen ergeben, zu verringern, wird ab Frühjahr 2026 eine Kombination von Sachbeihilfen und Anträgen im Bereich LIS für solche Projekte ermöglicht, über die sich der AWBI in seiner Sitzung informiert hat. Informationen zu dieser Kombination werden Anfang 2026 veröffentlicht.

8. Nationale Forschungsdateninfrastruktur (NFDI)Nationale Forschungsdateninfrastruktur (NFDI)

Der AWBI hat sich zudem mit den aktuellen Entwicklungen bei der NFDI befasst. Im Juni 2025 ist die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz den Empfehlungen des NFDI-Expertengremiums gefolgt und hat für alle neun Konsortien der ersten Ausschreibungsrunde die weitere Förderung beschlossen. Aktuell laufen die Vorbereitungen für die Begutachtungen der zehn Fortsetzungsanträge der zweiten Ausschreibungsrunde, die im November/Dezember 2025 stattfinden werden. Auch der vom Wissenschaftsrat im Juli 2025 veröffentlichte Bericht zur Strukturevaluation der Nationalen Forschungsdateninfrastruktur wurde vom AWBI zur Kenntnis genommen. Ein weiteres Thema war die zweite „Conference on Research Data Infrastructure“ (CoRDI), die im August in Aachen stattgefunden hat. Im Fokus der Veranstaltung standen die Themengebiete Künstliche Intelligenz, Digitale Souveränität sowie Fort- und Weiterbildung im Bereich des Forschungsdatenmanagements. Das NFDI-Expertengremium gestaltete ein eigenes Veranstaltungsformat. Dieses bestand zum einen aus einer interaktiven Gruppenarbeit, zum anderen aus einer Fishbowl-Diskussion. Beide Formate zielten darauf ab, Beispiele und Kriterien für den langfristigen Erfolg von NFDI-Konsortien zu erhalten. Erfreulich war die Präsenz von wichtigen Stakeholdern, wie beispielsweise dem Rat für Informationsinfrastrukturen (RfII), der European Open Science Cloud, den vom Bund geförderten Datenkompetenzzentren und den Forschungsdatenlandesinitiativen, die auf der CoRDI ebenso mit eigenen Postern vertreten waren wie einige Fachinformationsdienste für die Wissenschaft sowie die Gruppe LIS mit ihren Förderangeboten.

Anmerkungen

1 DFG: Digitale Forschungspraxis und kooperative Informationsinfrastrukturen. Ein Diskussionspapier der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) zu Förderung und Finanzierung wissenschaftlicher Informationsinfrastrukturen, Zenodo, 29.01.2025, https://doi.org/10.5281/zenodo.14621978.
2 DFG: Datenkorpora für Künstliche Intelligenz (Information für die Wissenschaft, Nr. 116), 03.04.2025, https://www.dfg.de/de/aktuelles/neuigkeiten-themen/info-wissenschaft/2025/ifw-25-28, Stand: 01.02.2026.
3 Rat für Informationsinfrastrukturen: Leistung in Verantwortung. Zur Zukunft der wissenschaftlichen Informationsinfrastrukturen in Deutschland, Göttingen 2025. Online: https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:101:1-2024091608.

Ulrike Hintze, Deutsche Forschungsgemeinschaft, Gruppe 'Wissenschaftliche Literaturversorgungs- und Informationssysteme'

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