Nr. 1 (2026)
DOI: 10.5282/o-bib/6219

Wie werden Bibliotheken zu nachhaltigen Kontakt- und Servicepunkten für Forschungsdatenmanagement?

1. Ausgangslage

Das Forschungsdatenmanagement (FDM) ist zentraler Bestandteil einer guten wissenschaftlichen Praxis sowie des Forschungsprozesses. Wird FDM professionell in der Praxis integriert, stellt es einen entscheidenden Vorteil für die Forschung dar. Da die Unterstützung von Forschungsprozessen mittels Beratung, Information und Infrastruktur durch wissenschaftliche Bibliotheken eine lange Tradition hat, erscheint die Einbettung eines FDM-Angebots in das Serviceangebot von Bibliotheken folgerichtig.1 Diese Maßnahme verlangt Kompetenzaufbau und kontinuierliche Weiterbildung unter den Mitarbeitenden und das Schaffen spezialisierter Aufgabenbereiche, etwa als Embedded Librarian mit Fokus auf FDM. Mögliche Tätigkeitsfelder können Beratung und Information, die Bereitstellung technischer Services und Materialien sowie Dienstleistungen zur Publikation und Archivierung von Forschungsdaten sein.

Die Erfahrungen des Verbundprojekts IN-FDM-BB (Institutionalisiertes und nachhaltiges Forschungsdatenmanagement in Brandenburg; 2022 bis 2025) dienen als Grundlage und Praxisbeispiele bei der Annäherung an die Frage, was benötigt wird, damit Bibliotheken zu nachhaltigen Kontakt- und Servicepunkten für FDM werden.2 Dank des Projekts konnten nachhaltige Lösungen für das FDM in und für Brandenburg entwickelt und etabliert werden. Mitstreitende waren die acht staatlich geförderten Hochschulen in Brandenburg: die Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg, die Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF, die Fachhochschule Potsdam, die Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder), die Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde, die Technische Hochschule Brandenburg, die Technische Hochschule Wildau und die Universität Potsdam. Der Verbund setzte Schwerpunkte in der Entwicklung lokaler sowie landesweiter FDM-Lösungen und -Dienste, d. h. zum Beispiel gemeinsame Veranstaltungen zur Sensibilisierung und Qualifizierung von Forschenden und technische Dienste zur Verwaltung, Archivierung und Publikation von Forschungsdaten.

2. Bibliotheken als nachhaltige Kontakt- und Servicepunkte für FDM

Um sich der Frage anzunähern, was benötigt wird, damit Bibliotheken zu nachhaltigen Kontakt- und Servicepunkten für FDM werden, wurde der Themenkomplex in vier Bereiche unterteilt. Diesen Bereichen wurden Fragen zugeordnet, die als Grundlage für strategische Überlegungen hinsichtlich der Integration von FDM in die eigene Institution genutzt werden können.

Die Möglichkeit einer externen Erprobung des Fragenkatalogs (Tab. 1 und 2) bot ein Hands-on-Lab, welches mit 13 Teilnehmenden (Bibliotheksmitarbeitende und Data Stewards) am 27.06.2025 im Rahmen des 9. Bibliothekskongresses stattfand. Zentrale Aussagen hieraus werden in den folgenden Abschnitten in die Beobachtungen und Erkenntnisse aus dem Projekt IN-FDM-BB mit einfließen.

Tab. 1: Leitfragen des Hands-on-Labs und zur strategischen Planung der FDM-Institutionalisierung Teil 1 (eigene Darstellung)

Qualifizierung und FDM-Beratung

Technische Unterstützung und

Publikation von Forschungsdaten

  • Welche FDM-Services sind aktuell in Bibliotheken vorhanden und wo gibt es noch Lücken?

  • Wie kann die Beratung zu FDM nachhaltig in bestehende Bibliotheksangebote integriert werden?

  • Sind Bibliotheksmitarbeitende Akteure in der FDM-Beratung und wenn ja, welche Kompetenzen benötigen sie, um Forschende bestmöglich zu beraten?

  • Welche Werkzeuge und Plattformen zur Speicherung, Verwaltung und Veröffentlichung von Forschungsdaten sollten Bibliotheken anbieten oder empfehlen?

  • Wie können Bibliotheken Forschende bei der Publikation und Langzeitarchivierung von Forschungsdaten unterstützen?

  • Welche Services sind pro Institution notwendig? Was könnte hingegen regional oder innerhalb des Bundeslandes oder national stattfinden?

Tab. 2: Leitfragen des Hands-on-Labs und zur strategischen Planung der FDM-Institutionalisierung Teil 2 (eigene Darstellung)

Strukturelle Verortung und Kooperation

Nachhaltige Ressourcen- und Strukturplanung

  • Wie lassen sich Synergien an den Schnittstellen zwischen Bibliotheken und Forschungs- bzw. Transferservices und weiteren Einrichtungen optimal für FDM nutzen?

  • Welche Best-Practice-Beispiele gibt es für die strukturelle Verortung von FDM an Hochschulen oder Forschungseinrichtungen?

  • Welche Kommunikationswege und Koordinationsmechanismen sind nötig, um effiziente FDM-Services hochschulweit zu gewährleisten?

  • Welche Auswirkung hat das FDM auf andere Tätigkeitsfelder der Bibliothek?

  • Welche personellen und infrastrukturellen Ressourcen sind nötig, um ein effektives FDM-Beratungsangebot in Bibliotheken aufzubauen?

  • Wie können Bibliotheken langfristig personelle und finanzielle Ressourcen für FDM sichern?

  • Welche Strategien gibt es, um FDM-Beratung in Bibliotheken institutionell zu verankern?

  • Welche Voraussetzungen und Maßnahmen sind nötig, um die Strukturen und Services, die durch Projekte und Initiativen aufgebaut werden, über das Projektende hinaus langfristig zu bewahren?

2.1 Qualifizierung und FDM-Beratung

Die Leitfragen zum Themenbereich Qualifizierung und die FDM-Beratung beziehen sich auf bereits vorhandene sowie noch benötigte Services für FDM (bzw. Lücken, die noch bestehen), auf die Integration der Beratung in bestehende Angebote und auf die Kompetenzen, die Bibliotheksmitarbeitende für FDM-Beratung benötigen. Auch innerhalb der Gespräche im Hands-on-Lab ergaben sich Aussagen zur Qualifizierung der Mitarbeitenden. Es wurde festgehalten, dass FDM-Verantwortliche unterschiedliche fachliche Hintergründe mitbringen können, sowohl informationswissenschaftliche als auch Hintergründe anderer Fachdisziplinen. Von zentraler Bedeutung ist laut den Teilnehmenden – trotz ggf. bereits absolvierter Qualifizierung – das stetige Eigenstudium und Training, um auf dem Laufenden über die neuesten Entwicklungen zu bleiben. Gerade hierfür besteht ihrer Ansicht nach bereits eine große Bandbreite an zugänglichen Trainingsmaterialien3 für verschiedene Zielgruppen, auch FDM-Verantwortliche und Beratende. Generische Themen, die gemäß den Nennungen oft Bestandteil der FDM-Beratung sind, sind Forschungsdatenrepositorien und Datenmanagementpläne (DMP). Ferner erfolgt die Beratung in der Praxis oft entlang des Forschungsdatenlebenszyklus und betrifft, abhängig vom Profil der Institution, viele verschiedene Wissenschaftsdisziplinen. Die Teilnehmenden empfanden es als hilfreich, Beratungsangebote zielgruppenorientiert zu konzipieren und FDM-Beratung nach Möglichkeit in bereits bestehende Beratungsangebote zu integrieren, wie z. B. im Onboarding neuer Institutionsangehöriger.

2.2 Technische Unterstützung und Publikation von Forschungsdaten

Im zweiten Themenbereich lag der Fokus auf der Betrachtung der technischen Unterstützung und dem damit verbundenen Thema der Publikation von Forschungsdaten.

Die gemeinsame Erfahrung der Teilnehmenden des Hands-on-Labs ist, dass wissenschaftliche Bibliotheken die zentrale Anlaufstelle für Beratungen zur Publikation von Forschungsergebnissen und somit auch von Forschungsdaten sind. Aussagen der Teilnehmenden zufolge besteht ein großes Interesse an Forschungsdatenrepositorien. In Hinblick auf die technischen Dienste zur Publikation bestand Einigkeit, dass die von den Hochschulen angebotenen generischen Dienste vor allem die Basis bilden, aber nur die zweitbeste Lösung darstellen, da in der Regel die Publikation über disziplinspezifische Dienste empfohlen wird. An einigen Einrichtungen wurden beispielsweise bereits bestehende digitale Repositorien um die Funktion der Publikation von Forschungsdaten erweitert (z. B. ist dies bei der Open-Source-Software DSpace möglich). Wenn auch eher generisch angelegt, bieten diese den Vorteil, dass sie meist schon verstetigt sind und eine schnelle Lösung für allgemeine Anforderungen darstellen. In einigen Initiativen setzen sich explizit für Forschungsdaten entwickelte disziplinübergreifende Systeme wie RADAR (Research Data Repository)4 durch, die, wie im Fall von Brandenburg, auch bundeslandweit betrieben werden. Bei der Thematisierung technischer FDM-Dienste wurde auch der Bedarf an Beratung betont. Diese weist nach Ansicht der Teilnehmenden hinsichtlich der technischen Dienste einige Gemeinsamkeiten zu klassischen Publikationsberatungen auf. Nicht nur bei der Identifikation vertrauenswürdiger und geeigneter Repositorien bringen Bibliotheksmitarbeitende ein umfangreiches Wissen und Erfahrungen mit, sondern auch zu den Themen Lizenzierung und Vergabe von Metadaten während des Speicherungs- und Veröffentlichungsprozesses von Datenpublikationen in einem Repositorium. Sie können darüber hinaus zum Thema Open Science sensibilisieren und aufklären. Vor allem könne die niedrigschwellige Erreichbarkeit der entsprechenden Bibliotheksmitarbeitenden als Dienstleister einen großen Vorteil gegenüber anderen Bereichen der Hochschule darstellen.

2.3 Strukturelle Verortung und Kooperation

Der Themenbereich der strukturellen Verortung und Kooperation widmet sich der optimalen Nutzung von Synergien und Schnittstellen zwischen Organisationseinheiten an Hochschulen oder außeruniversitären Forschungseinrichtungen für FDM und der Frage, wie hierbei die Kommunikation gestaltet werden kann. Es wurde auch im Rahmen des Hands-on-Lab deutlich, dass für jede Institution individuelle Kommunikationswege notwendig sind. Von zentraler Bedeutung erschien es den Teilnehmenden, innerhalb der Einrichtung die für das FDM relevanten Abteilungen und die Forschenden einzubeziehen und Kommunikationswege zu etablieren, beispielsweise Arbeitsgruppen und Jours Fixes mit Abteilungen wie der IT oder dem Forschungsservice. Nicht zu vernachlässigen ist in diesem Zusammenhang die Identifikation situationsbedingter Schnittstellen. Hierbei geht es um Prozesse, in denen FDM-Beratung besonders relevant ist. Als Beispiele für diese Prozesse wurden die Beantragung von Forschungsförderung über den Forschungsservice, der Transfer und die Kooperation mit Stakeholdern aus der Wirtschaft und die Betreuung von Doktorierenden bzw. Forschenden in frühen Karrierephasen mit erhöhtem Beratungsbedarf genannt. Für letztgenannte Zielgruppen wurde im Hands-on-Lab der Vorschlag gemacht, diese über Graduiertenkollegs oder Karriere-Services anzusprechen. Die Bibliothek als zentrale Einrichtung bzw. die mit FDM betrauten Mitarbeitenden wurden dabei als Bindeglied identifiziert. Es wurde zudem festgehalten, dass ein Netzwerk für das FDM von enormer Bedeutung ist. Dafür steht bundesweit und geordnet nach Fachdisziplinen die Nationale Forschungsdateninfrastruktur e. V. (NFDI) zur Verfügung. Doch auch regional sind effektive Kooperationen relevant. So beweisen nach Ansicht der Teilnehmenden die FDM-Landesinitiativen5, dass gemeinsam bei der Etablierung von FDM viel erreicht werden kann.

2.4 Nachhaltige Ressourcen- und Strukturplanung

Der vierte Themenbereich befasst sich mit der Planung nachhaltiger Ressourcen und Strukturen, um ein effektives FDM-Beratungs- und Dienstleistungsangebot in Bibliotheken aufzubauen und langfristig zu sichern.

Im Hands-on-Lab wurde die These bestätigt, dass die Größe und der FDM-Entwicklungsstand der Institutionen die Möglichkeiten der Verstetigung stark beeinflussen. Das Spektrum der Strategien, FDM personell zu verankern, reichte von der generellen Beantragung eines Data Stewards pro Projekt bzw. dem Vorhandensein dezentraler Data Stewards in den Fakultäten bei großen, forschungsstarken Einrichtungen bis hin zu geringeren FDM-Stellenanteilen in Projekten bzw. dauerhaften Stellen bei kleineren Einrichtungen. Bibliotheken nehmen in diesem Zusammenhang häufig eine koordinierende Rolle ein oder bieten direkt Dienstleistungen, z. B. durch Einbindung in das Fachreferat, an.

In Bezug auf die Institutionalisierung wurde jedoch von allen Teilnehmenden als wichtig eingeschätzt, dass die Hochschulleitungen von der Bedeutung des FDM überzeugt sind, damit daraus ein Mandat zur Verstetigung von FDM-Ressourcen und -Strukturen entsteht. Um Institutionalisierung und Verstetigung zu erreichen, wurden FDM-Policy und FDM-Strategie als förderliche Instrumente genannt.

Das Hands-on-Lab zeigte zudem die besondere Relevanz von Koordination, Vernetzung und Austausch zwischen zentralen (z. B. Forschungsabteilungen, Bibliotheken, Rechenzentren etc.) und dezentralen Bereichen (z. B. Fakultäten, Institute etc.) einer Hochschule bzw. Forschungseinrichtung auf. Die Teilnehmenden befürworten eine Gesamtkoordination an zentraler Stelle mit „FDM-Beauftragten“ zur Multiplikation. Ferner trägt nach ihrer Auffassung eine enge Zusammenarbeit der weiteren Akteure, wie z. B. Forschende, Ethikkommission, Datenschutzbeauftragte und Forschungsförderungsstellen, zur nachhaltigen Etablierung von FDM bei. An verschiedenen Einrichtungen sind dafür bspw. FDM-Räte und FDM-AGs geschaffen worden, die teilweise fachübergreifend tätig sind. Auch ein regelmäßiger informeller Austausch aller Personen der Einrichtung mit FDM-Bezug wurde angeregt. Festgestellt wurde weiterhin, dass der Aufbau nachhaltiger Strukturen durch die Verankerung von FDM in die Workflows der Antragstellung, durch Informationen zum Thema im Rahmen der Antragstellung und durch Überzeugung der Projektverantwortlichen, Mittel für FDM zu beantragen, unterstützt werden kann. Zusätzlich wurde eine verbesserte Kommunikation zu FDM-Diensten innerhalb der Bibliothek als essenziell eingeschätzt. Dies könnte beispielsweise durch gut vernetzte FDM-Ansprechpersonen, interne Coffee Lectures und Fortbildungen realisiert werden.6

3. Lessons Learned aus der Landesinitiative FDM-BB

Abschließend sollen die zuvor beschriebenen Erkenntnisse des Hands-on-Labs mit den Erfahrungen und Meilensteinen aus dem Projekt IN-FDM-BB und den Hochschulen sowie deren Bibliotheken verbunden werden. Drei “Lessons Learned”, um Bibliotheken zu nachhaltigen Kontakt- und Servicepunkten für FDM zu etablieren, sind hier besonders hervorzuheben: Einerseits wäre dies die Beratung, durch die Forschende situationsbezogene Unterstützung im Datenmanagement ihrer Projekte erhalten können, andererseits das Bereitstellen der benötigten Infrastruktur für die Publikation und Archivierung von Daten und schließlich der nachhaltige Kompetenzaufbau für verschiedene Zielgruppen.

3.1 Forschungssupport durch individuelle Beratung

Durch die Beratungsangebote und die technischen Dienste, die während des IN-FDM-BB-Projekts etabliert wurden, können Forschungsvorhaben an den Verbundhochschulen entlang des gesamten Forschungsprozesses mit FDM-Dienstleistungen unterstützt werden. So wird sensibilisiert und ein FAIRer und standardisierter Umgang mit Forschungsdaten vermittelt, etwa hinsichtlich Speicherung, Dokumentation und der Nachnutzung von Daten. Bei der Planung neuer Projekte bedeutet dies, den beabsichtigten Umgang mit Forschungsdaten mit den am Antrag beteiligten Personen festzulegen und diesen innerhalb des Projektantrags darzustellen.

Zentral ist in der Planungsphase auch das Anlegen des DMPs. Unterstützung erfolgt hierbei durch persönliche Beratung sowie Informationsmaterialien, z. B. Textbausteinen für DMP. Eine entscheidende Basis für das Erstellen und kooperative Bearbeiten von DMP ist zudem die brandenburger Instanz des Tools RDMO (Research Data Management Organizer): RDMO-BB. Das FDM-Personal wird bei der Anwendung von RDMO weiter unterstützen.7

Nicht zu vernachlässigen sind rechtliche und ethische Fragestellungen. Diese sind, insbesondere im Bereich des Lizenz- und des Urheberrechts, ein typisches Thema für Bibliotheken. Es hat sich als hilfreich erwiesen, diese vorhandene Expertise zu nutzen und durch Schulungen und Materialien für FDM-Personal weiter auszubauen sowie Kontakte zu Stakeholdern wie z. B. Datenschutzbeauftragten zu vertiefen.

In der Beratung und Schulung hat es sich bewährt, Forschenden die verschiedenen Formate niedrigschwellig erreichbar, flexibel und zielgruppengerecht (etwa für Doktorierende) anzubieten. Essentiell für die Beratung an den einzelnen Hochschulen ist das Netzwerk von FDM-Expert*innen, zwischen denen kollegial Erfahrungen und Empfehlungen weitergegeben werden. Durch die Landesinitiative FDM-BB und das gemeinsame Verbundprojekt konnte dieses Netzwerk ausgebaut und gefestigt werden. Nach der Projektlaufzeit wird das Netzwerk u.a. durch Treffen und Austauschrunden zu spezifischen Themen fortgeführt.

Die innerhalb des Projekts an den einzelnen Hochschulen konzipierten Leitlinien und Strategien für FDM gewährleisten in Zukunft ein verbindliches und transparentes Fundament mit Zuständigkeiten, Aufgaben und Zielen für die Hochschulen und ihre Organisationseinheiten. Auf diesem Fundament bauen weitere FDM-Aktivitäten auf.

3.2 Publikation und Archivierung von Forschungsdaten

Einige der Berater*innen der Landesinitiative sind an den Bibliotheken der Hochschulen angestellt und unterstützen Forschende bereits bei der Suche nach geeigneten Repositorien für die Publikation und Archivierung von Forschungsdaten oder entsprechenden Data Journals zur Publikation. IN-FDM-BB hat ein institutionelles Repositorium etabliert: RADAR-BB. Dieses dient als Fallback-Lösung, für den Fall, dass es für Datensätze kein geeignetes disziplinspezifisches Forschungsdaten-Repositorium gibt oder eine institutionelle Publikation bzw. Archivierung präferiert wird. Es wird kooperativ von den acht staatlichen Hochschulen betrieben und basiert auf einer innerhalb eines vergangenen DFG-Projekts entwickelten Software, welche direkt aus der Wissenschaftscommunity stammt und in enger Abstimmung mit ihr vom FIZ Karlsruhe stetig weiterentwickelt wird. Die Verwaltung der RADAR-Arbeitsumgebung sowie die finale Kuratierung der Forschungsdaten liegen jeweils bei den nutzenden Institutionen. Sie müssen für anfragende Projekt- oder Arbeitsgruppen sogenannte Arbeitsbereiche anlegen. Forschende können darin ihre Forschungsdaten selbständig hochladen und Metadaten eintragen.8

Ein im Projekt zusätzlich identifizierter Bedarf besteht in der Beratung zu den Kosten der Datenhaltung und -publikation sowie zum Thema Datenselektion, wozu es bisher nur wenige veröffentlichte Materialien gibt.9

Eine gute Verzahnung von Beratung und den angebotenen Diensten senkt die Hürden und kann die Veröffentlichung von Forschungsdaten erheblich fördern, da sie von Forschenden häufig als zeitlich belastende zusätzliche Aufgabe empfunden wird.

3.3 Nachhaltiger Kompetenzaufbau

Die immer weiter wachsende Bedeutung von Forschungsdaten, ihre Aufbereitung und Bewahrung bietet wissenschaftlichen Bibliotheken die Chance, ihre Position und Sichtbarkeit im Bereich der Forschung weiter zu stärken. Voraussetzung ist, dass sich Bibliotheken und Forschung noch weiter annähern und – über das FDM-Beratungsangebot hinaus – forschungsunterstützende FDM-Services bedarfsorientiert und zukunftsweisend auf- und ausgebaut werden.

Dabei muss der FDM-Kompetenzaufbau nach innen und außen gerichtet erfolgen. Nach innen gerichtet heißt, dass Mitarbeitende in Bibliotheken entsprechend geschult werden und die Möglichkeit zur kontinuierlichen Weiterbildung im schnelllebigen FDM-Kosmos besteht. Im Rahmen des IN-FDM-BB-Projekts hat sich bewährt, eine nach Themen geclusterte Materialsammlung mit erprobten Hilfsmaterialien für alle beratenden Personen bereitzustellen sowie den Kontakt zum erprobten Netzwerk im Rahmen der Landesinitiative herzustellen.

Nach außen gerichtet, also in Bezug auf Services für Forschende, bedeutet dies, zielgruppenspezifische Angebote zu schaffen. Folgende Maßnahmen haben sich im Projekt bewährt und sollen daher dauerhaft und über die Projektlaufzeit hinaus angeboten werden:

Von großer Bedeutung ist hierbei, die Services mit geeigneten Maßnahmen an der eigenen Institution bekannt zu machen, um die Zielgruppe zu erreichen und ihre Beteiligung sicherzustellen.

4. Fazit & Schlussfolgerungen

Wie Zeunert et al.12 bereits 2024 festhielten, hat sich auch im Projekt IN-FDM-BB gezeigt, dass Bibliotheksbeschäftigte in der Tat “integrale Player in den Forschungsdateninfrastrukturen” sind. Bibliotheken nehmen eine besondere Rolle im Forschungsprozess und im FDM-Kosmos ein und sollten diese auch einfordern. An den beteiligten Hochschulen, bei denen das FDM-Personal strukturell nicht an den Bibliotheken angesiedelt ist, hat es sich bewährt, lokale FDM-Arbeitsgruppen mit Personen aus Forschungsservice, Rechenzentrum und den Bibliotheken zu gründen. Die Kooperation zentraler Stakeholder ist unerlässlich, um gemeinsame Grundlagen, wie Strategien und Leitlinien, zu schaffen und die Hochschule darauf aufbauend im Bereich FDM weiterzuentwickeln: Entscheidend ist es also, FDM-Kapazitäten, die durch Projekte und Initiativen geschaffen werden, zu erhalten. Die Gegebenheiten hierfür sind spezifisch für jede Hochschule und erfordern darauf zugeschnittene Lösungen, die u. a. die Schaffung neuer, unbefristeter Stellen(-anteile), Wissenserhalt und kontinuierlichen Kompetenzaufbau umfassen.

Anmerkungen

1Söring, Sibylle; Steinke, Britta: Forschungsdatenmanagement als Service an Universitätsbibliotheken, in: Bibliothek Forschung und Praxis, 47 (3), 2023, S. 526, https://doi.org/10.1515/bfp-2023-0079.
2Gefördert wurden die Hochschulen für angewandte Wissenschaften durch das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR), die Universitäten vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur (MWFK) des Landes Brandenburg. https://fdm-bb.de/wir-ueber-uns/, Stand: 05.11.2025.
3Zum Beispiel: Haase, Claudia; Schreiber, Stefanie; Mittelbach, Jens u. a.: Zertifikatskurs "Forschungsdatenmanagement für Forschende und FDM-Verantwortliche" 2024 der Landesinitiative Forschungsdatenmanagement in Brandenburg, Zenodo, 20.05.2025, https://doi.org/10.5281/zenodo.15462514.
4Mehr Informationen zu RADAR im Abschnitt “Lessons Learned aus der Landesinitiative FDM-BB” und auf der Seite des FIZ Karlsruhe – Leibniz-Institut für Informationsinfrastruktur: https://radar.products.fiz-karlsruhe.de/de, Stand: 05.11.2025.
5Überblick über FDM-bezogene Strukturen, Projekte und Initiativen in Deutschland auf der Informationsplattform forschungsdaten.info: https://forschungsdaten.info/fdm-im-deutschsprachigen-raum/deutschland/, Stand: 05.11.2025.
6Literaturtipp zu FDM-Veranstaltungen der Landesinitiative: Wolff, Ian: IN-FDM-BB Werkstattbericht: W 1.2.6 Gemeinsamer Lessons Learned-Bericht zu Veranstaltungen, Zenodo, 24.03.2025, https://doi.org/10.5281/zenodo.15077503.
7Weitere Informationen zu den Diensten und den Aktivitäten der Landesinitiative finden sich auf der überarbeiteten Webseite von FDM-BB: https://fdm-bb.de/, Stand: 05.11.2025.
8Das System RADAR-BB befindet sich zum Zeitpunkt der Abfassung des Artikels in der Vorbereitung und wird im Frühjahr 2026 live gehen. Weitere Informationen unter https://fdm-bb.de/, Stand: 05.11.2025.
9Eine Handreichung der Landesinitiative FDM-BB zu diesem Thema befindet sich in Vorbereitung.
10Mehr Informationen hierzu beim Digitalen Kontaktpunkt für Recht und Ethik im FDM der Landesinitiative FDM-BB: https://fdm-bb.de/rechtlich-ethischer-kontaktpunkt/, Stand: 05.11.2025.
11Ein Großteil der gemeinsamen Materialien des Verbunds FDM-BB sind auf Zenodo (https://zenodo.org/communities/fdm-bb/, Stand: 05.11.2025) und über die Webseite zu finden. Einige wurden hochschulspezifisch entwickelt und sind nur auf der Webseite der jeweiligen Hochschule zu finden. Für die technischen Dienste wurden spezifische Anleitungen entwickelt, die auf den zugehörigen Webseiten verlinkt sind. Siehe auch https://fdm-bb.de/publikationen/, Stand: 05.11.2025. Daneben bietet der digitale Kontaktpunkt zu den Themen Recht und Ethik umfangreiche Informationen (s.o.).
12Vgl. Zeunert, Miriam; Schneemann, Carsten; Schreiber, Stefanie; u. a.: Wir Bibliotheksbeschäftigte als integrale Player in den Forschungsdateninfrastrukturen, in: o-bib. Das offene Bibliotheksjournal, 11 (4), 2024, https://doi.org/10.5282/o-bib/6083.

Blanka Goßner, Technische Hochschule Wildau, https://orcid.org/0009-0002-8241-0232
Myriam Musolff, Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF, https://orcid.org/0000-0002-9675-1380
Carina Schiller, Technische Hochschule Brandenburg, https://orcid.org/0009-0001-4440-1311
Stefanie Schreiber, Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg, https://orcid.org/0000-0002-0740-5495

Zitierfähiger Link (DOI): https://doi.org/10.5282/o-bib/6219

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