Am 13. und 14. März tagte der Ausschuss für Wissenschaftliche Bibliotheken und Informationssysteme (AWBI) in Präsenz in Bonn. Folgende Themen waren Gegenstand der Diskussionen:
Im Januar 2025 ist das Diskussionspapier „Digitale Forschungspraxis und kooperative Informationsinfrastrukturen“1 veröffentlicht worden, das auf den Ergebnissen der Klausurtagung des AWBI im November 2023 basiert. In seiner November-Sitzung 2024 hatte der AWBI bereits ein Konzept zur Öffentlichkeitsarbeit zum Diskussionspapier verabschiedet. Der AWBI hat sich nun über die ersten Ergebnisse dieser Öffentlichkeitsarbeit informiert. Erfreulich ist, dass es eine Reihe von Rückmeldungen gegeben hat, teilweise mit konkreten Anliegen, Bitten und Impulsen, aber beispielsweise auch mit dem Angebot einer Fachgesellschaft, die eigene Expertise in den noch anstehenden Dialogprozess zum Diskussionspapier mit einzubringen. Die AWBI-Mitglieder sehen sich auch selbst in der Verantwortung, als Multiplikator*innen zu agieren. Der AWBI hat zudem darum gebeten, verstärkt auf Förderorganisationen und Trägereinrichtungen zuzugehen und das Diskussionspapier dort zu bewerben.
In einem frühen Stadium des Dialogprozesses zum Diskussionspapier sollen Gespräche mit Akteuren aus unterschiedlichen Fachbereichen stattfinden. Ziel ist es, vor Eintritt in den weiteren Dialogprozess abzuklären, ob die im Diskussionspapier formulierten „Fünf Thesen zur Zukunft von Informationsinfrastrukturen“ von relevanten Akteuren geteilt werden oder abweichende Einschätzungen vorliegen. Auf dieser Basis soll anschließend der weitere Dialogprozess aufgesetzt werden. Aus Sicht des AWBI ist es wichtig, Communities aus allen übergeordneten Wissenschaftsbereichen im Dialogprozess zu berücksichtigen. Dabei sollten auch wissenschaftliche Disziplinen eingebunden werden, die vorrangig auf europäische und/oder außereuropäische Informationsinfrastrukturen angewiesen sind. Zudem ist es wichtig, Trägereinrichtungen von Informationsinfrastrukturen adäquat in den Prozess einzubeziehen.
Als erste konkrete Umsetzung aus dem Diskussionspapier „Digitale Forschungspraxis und kooperative Informationsinfrastrukturen“ hat der AWBI eine Ausschreibung zum Thema „Datenkorpora für Künstliche Intelligenz (KI)“2 verabschiedet. Gefördert werden können Projekte, in denen die Aufbereitung und Bereitstellung von umfangreichen Datensätzen als Grundlage für die (Weiter-)Entwicklung von KI für die Wissenschaft erfolgt. Die Ausschreibung ist so offen konzipiert, dass flexible Gestaltungsräume für fachliche und informationsfachliche Vorhaben gewährleistet werden. Der Förderzeitraum ist auf maximal zwei Jahre begrenzt. Auf der Basis der Ergebnisse der geförderten Projekte wird der AWBI eine Einschätzung vornehmen können, ob bzw. in welcher Form das Themenfeld in das Förderportfolio der Gruppe LIS integriert werden könnte.
In einer Pilotphase zur Digitalisierung und Bereitstellung (noch) rechtebewehrter Objekte werden aktuell 13 Pilotvorhaben sowie ein Koordinierungsprojekt gefördert. Ziel der Pilotphase ist es, juristische, technische und organisatorische Lösungen zur Digitalisierung und Bereitstellung (noch) rechtebewehrter Sammlungsobjekte in Archiven, Bibliotheken und Museen zu erarbeiten. Bereits mit der Ausschreibung war darauf hingewiesen worden, dass die DFG-Geschäftsstelle in Abstimmung mit dem Koordinierungsprojekt Vertreter*innen aller beteiligten Projekte zu einem Auftaktworkshop einladen wird. Dieser Auftaktworkshop hat im Februar 2025 in Bonn stattgefunden. Über die Ergebnisse dieses Treffens hat sich der AWBI in seiner Sitzung informiert. Der Workshop diente dazu, vor Beginn klare Absprachen zur möglichst effizienten Ausgestaltung der Pilotphase zu treffen sowie Kommunikations- und Organisationsprozesse zu vereinbaren. Gegenstand der Diskussionen war auch, wie sowohl inhaltliche als auch zeitliche Synchronisierungen zwischen dem Koordinierungsprojekt und den einzelnen Pilotprojekten erzielt werden können. Ein weiteres Thema war die Behandlung von Überschneidungen zwischen den Pilotvorhaben sowie der Umgang mit Leerstellen, die nicht durch bewilligte Pilotprojekte abgedeckt sind. Die Pilotphase läuft über einen Zeitraum von zwei Jahren.
Der AWBI hat sich zudem mit der Spezifikation der Fördergegenstände im Programm „e-Research-Technologien“ befasst. Nach mehreren Ausschreibungen der DFG zur Weiterentwicklung von Forschungssoftware ist der Bedarf an einer konstanten, nicht ausschreibungsgebundenen Förderung von Forschungssoftware deutlich erkennbar. Dies ist zwar schon bisher im Programm „e-Research-Technologien“ möglich, es soll aber künftig im Merkblatt und auf der Webseite zum Programm explizit verdeutlicht werden. In der Sachbeihilfe ist die Entwicklung von Forschungssoftware an die Voraussetzung gebunden, dass sie zur Beantwortung spezifischer Forschungsfragen beiträgt. Dagegen ist im Programm „e-Research-Technologien“ die Weiterentwicklung community-relevanter Forschungssoftware vorgesehen. Gefördert werden kann die funktionale Erweiterung bzw. Verbesserung von Forschungssoftware, um weitere Forschungen zu ermöglichen und Forschungsprozesse zu erleichtern. Der AWBI hat in diesem Zusammenhang auch auf das im vergangenen Jahr von der DFG veröffentliche Papier „Umgang mit Forschungssoftware im Förderhandeln der DFG“3, das mit Unterstützung der „Ad-hoc-AG des Senats zu Themen des Digitalen Wandels“ erarbeitet worden ist, hingewiesen.
Im Jahr 2024 ist das Programm „Forschungssoftwareinfrastrukturen“ neu eingerichtet worden. Gefördert werden können Projekte zum Aufbau, der Etablierung oder der Organisation von Informationsinfrastrukturen für Forschungssoftware. Der AWBI hat sich über die ersten Antragseingänge informiert. In der ersten Kohorte des Programms wurden acht Anträge eingereicht, von denen drei bewilligt wurden. Für die zweite Kohorte liegen neun Anträge vor.
Bereits mit der Einrichtung des Programms hatte sich der AWBI dafür ausgesprochen, begleitend zum Programm eine Kommission des AWBI einzusetzen, die von zwei AWBI-Mitgliedern geleitet wird. Aufgabe der Kommission wird es sein, den Aufbau einer Gesamtstruktur für Forschungssoftwareinfrastrukturen zu stimulieren. Um die dafür erforderliche Kooperation unter den bewilligten Projekten zu unterstützen, wird ein Vernetzungstreffen der Projekte aus der ersten und zweiten Kohorte geplant.
Mitte März 2025 hat das Strategy Forum von Knowledge Exchange in Berlin getagt. Die Vertreter*innen der sechs Partnerorganisationen der Initiative, die nun bereits seit fast zwanzig Jahren besteht, haben sich dabei über die künftige Schwerpunktsetzung verständigt. Traditionell bearbeitet Knowledge Exchange aktuelle Fragestellungen in den Themenfeldern Open Access und Open Science. In der nächsten Phase der Kollaboration plant Knowledge Exchange neue Akzente zu setzen, die die Wechselwirkung von wissenschaftlichen Informationsinfrastrukturen und ihrer Nutzung vor dem Hintergrund politischer, technologischer und gesellschaftlicher Fragen betreffen. Im Anschluss an das Strategy Forum werden diese Themen nun als Arbeitsgrundlage für die kommenden Jahre weiter ausgearbeitet.