Zuschrift von OCLC zum Beitrag „Das Lesen der Anderen“ von Renke Siems

Stellungnahme der Herausgebenden

Viel Aufmerksamkeit erregt hat der in Heft 1/2022 von o-bib veröffentlichte Aufsatz „Das Lesen der Anderen. Die Auswirkungen von User Tracking auf Bibliotheken“ von Renke Siems.1 An einigen Stellen wird darin auch die Rolle von OCLC thematisiert, einem im internationalen Bibliothekskontext agierenden Anbieter von Daten, Software und Dienstleistungen. Vor kurzem erreichte uns ein Schreiben von OCLC mit der Bitte, der Fachöffentlichkeit eine „Richtigstellung“ zu diesem Beitrag zur Verfügung zu stellen.

Die Herausgebenden möchten zunächst auf das Qualitätssicherungsverfahren von o-bib hinweisen, bei dem die eingereichten Aufsätze systematisch einem fachwissenschaftlichen, sprachlichen und formalen Review unterzogen werden. Alle Fachbeiträge durchlaufen ein Peer Review durch zwei Begutachtende, die im Idealfall umfangreiche Erfahrungen im Themenfeld des Beitrags aufweisen. Diese beurteilen die Beiträge nicht nur aus fachlicher Sicht, sondern geben auch konstruktive Hinweise zu eventuellen Unklarheiten, Widersprüchen oder gar Fehlern. Ggf. ergänzt um Hinweise der geschäftsführenden Herausgebenden werden diese Gutachten den Autor*innen mit der Bitte um Berücksichtigung zur Verfügung gestellt. Nach der Einreichung eines auf dieser Grundlage überarbeiteten Textes erfolgt eine Prüfung seitens der geschäftsführenden Herausgebenden, inwieweit die Hinweise aufgegriffen wurden. Zusätzlich wird auf eventuell verbliebene Unklarheiten oder Inkonsistenzen sowie ggf. noch nicht korrekte Formalia geachtet. Erst nachdem alles verbessert ist, geht der Fachbeitrag ins Lektorat. Dort erfolgt durch eine*n Redakteur*in in Abstimmung mit der Chefredakteurin ein intensives sprachliches und formales Lektorat, das im Dialog mit den Autor*innen zu einer weiteren Optimierung des Texts führt.

Dieses u.U. mühsame und Zeit in Anspruch nehmende Verfahren hat sich in vielfacher Hinsicht bewährt und führt zu einer hohen Qualität der in o-bib veröffentlichten Beiträge. Dennoch können natürlich auch in einem solchen Verfahren Fehler übersehen werden oder sich womöglich sogar einschleichen. Vor diesem Hintergrund sind Hinweise durch Externe auf mögliche Ungereimtheiten in einem publizierten Beitrag immer ernst zu nehmen. Seitens der Herausgebenden von o-bib wurden deshalb die im Schreiben von OCLC kritisierten Punkte eingehend geprüft.

Wir, die geschäftsführenden Herausgebenden, sind zu dem Ergebnis gekommen, dass der Fachbeitrag nicht gegen die gute wissenschaftliche Praxis verstößt und keine Aussagen beinhaltet, die einer Richtigstellung bedürfen. Eine Verfälschung von Zitaten konnten wir nicht erkennen. Der Autor hat beispielsweise auch nicht behauptet, dass OCLC selbst für die University of Gloucestershire Daten aggregiert und analysiert habe. Fraglos sind manche Aussagen im Aufsatz sehr pointiert formuliert, werden aber wo nötig plausibel belegt. Subjektive Einschätzungen und Überlegungen des Autors, die sich auf mögliche zukünftige Szenarien beziehen, sind als solche erkennbar und als von der Meinungsfreiheit gedeckt zu bewerten – zumal sich Positionen, die der des Autors ähneln, durchaus in der internationalen Fachdiskussion wiederfinden. So ist die Frage, wem eigentlich die in den WorldCat eingebrachten Katalogisate „gehören“ und was Bibliotheken damit machen oder nicht machen dürfen, seit vielen Jahren virulent und aktuell durch den Rechtsstreit zwischen OCLC und Clarivate wieder in den Vordergrund getreten. Und eine Primärkatalogisierung im WorldCat wurde auch für Deutschland schon diskutiert.

OCLC als Player im Ökosystem hat seinerseits selbstverständlich das Recht, seine von der Haltung des Autors abweichende Sichtweise zu artikulieren. Wir stellen deshalb das Dokument von OCLC, verfasst von Bénédict Ripperger, im vollen Wortlaut zur Verfügung. Sie können den Text von der Frontdoor-Seite dieses Beitrags herunterladen. Ebenso haben wir dem Autor die Möglichkeit gegeben, zu der von OCLC geäußerten Kritik Stellung zu nehmen. Auch diesen Text finden Sie auf der Frontdoor-Seite. Damit schaffen wir maximale Transparenz und geben allen Leser*innen die Möglichkeit, sich ein eigenes Bild von der Diskussion zu machen.

Stuttgart/Köln, Juli 2022

Heidrun Wiesenmüller und Achim Oßwald
geschäftsführende Herausgebende von o-bib

Zitierfähiger Link (DOI): https://doi.org/10.5282/o-bib/5879

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1 Siems, Renke: Das Lesen der Anderen. Die Auswirkungen von User Tracking auf Bibliotheken, in: o-bib 9 (1), 2022, S. 1–25. Online: <https://doi.org/10.5282/o-bib/5797>.