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Erste Erfahrungen mit RDA an wissenschaftlichen Universalbibliotheken in Deutschland

Ergebnisse aus Fokusgruppengesprächen mit Katalogisierenden

Heidrun Wiesenmüller, Hochschule der Medien Stuttgart

Zusammenfassung:

Einige Monate nach dem Umstieg auf das neue Regelwerk „Resource Description and Access“ (RDA) wurden an 18 großen deutschen wissenschaftlichen Universalbibliotheken Fokusgruppengespräche mit Katalogisiererinnen und Katalogisierern durchgeführt. Die Katalogisierenden wurden u.a. befragt, wie sicher sie sich bei der Anwendung von RDA fühlen, was sie am neuen Regelwerk gut oder schlecht finden, wie sie den Aufwand im Vergleich zum früheren Regelwerk RAK einschätzen, welche Informations- und Hilfsmittel sie verwenden und wie sie zu den regelmäßigen Änderungen im Standard stehen. Der vorliegende Aufsatz dokumentiert die Ergebnisse der Gespräche.

Summary:

Several months after the introduction of the new cataloging standard „Resource Description and Access“ (RDA), focus-group interviews with catalogers were conducted at 18 large academic and state libraries in Germany. Among other things, the catalogers were asked how confident they feel in applying RDA, which aspects of the new cataloging code they like or do not like, how they estimate the expenditure of time in comparison to the former cataloging code RAK, which sources they use to get help or information, and what they think about the frequent changes to the new standard. The paper presents the results of these interviews.

Zitierfähiger Link (DOI): http://dx.doi.org/10.5282/o-bib/2017H1S170-200

Autorenidentifikation: Wiesenmüller, Heidrun: GND: 122087801; ORCID: http://orcid.org/0000-0002-9817-5292

Schlagwörter: Resource Description and Access (RDA); Katalogisierung; Wissenschaftliche Bibliothek; Regelwerksumstieg; Internationalisierung

1. Einleitung

Ende 2015 bzw. Anfang 2016 wurde in allen deutschen Bibliotheksverbünden das neue, internationale Katalogisierungsregelwerk „Resource Description and Access“ (RDA) eingeführt. Einige Monate nach der Umstellung wurde in einem Forschungsprojekt untersucht, wie die Katalogisiererinnen und Katalogisierer in der Praxis mit dem neuen Regelwerk zurecht kommen und wie sie zu verschiedenen Aspekten des neuen Regelwerks und zu RDA insgesamt stehen.

Als Methode wurde eine qualitative Befragung in Form von Fokusgruppengesprächen mit Katalogisierenden gewählt. Die Erwartung war, dass sich auf diesem Weg aussagekräftigere und differenziertere Ergebnisse erzielen lassen würden als mithilfe einer Online-Umfrage. Zu den großen Vorteilen des persönlichen Gesprächs gehört, dass bei Bedarf nachgefragt werden kann. Auch kommen bei dieser Methode häufig Aspekte zum Vorschein, an die man bei der Vorbereitung nicht gedacht hatte – und die deshalb in einem Fragebogen gar nicht abgefragt worden wären. Ein Nachteil der Methode ist, dass die Auswertung komplex und aufwendig ist. Auch lassen sich nur schwer quantitative Aussagen treffen. Anders als bei einem Fragebogen mit vorgegebenen Antwortmöglichkeiten kann man eben nicht genau sagen, dass eine bestimmte Prozentzahl der Befragten sich für die Auswahlmöglichkeit A und eine andere Prozentzahl für B entschieden habe.

Schwierig ist auch die Gliederung und Anordnung des Stoffes. Bei einem Fragebogen können die Ergebnisse einfach in der Reihenfolge der Fragen präsentiert werden. Bei Gesprächsrunden ist dies anders, weil zum einen die Abfolge der Punkte nicht streng vorgegeben ist und weil zum anderen Äußerungen der Teilnehmenden vielfach mehreren Themen zugeordnet werden können oder eine bestimmte diskutierte Sache unter mehreren Aspekten betrachtet werden kann. Für die Darstellung der Ergebnisse wurde versucht, die besprochenen Themen sinnvoll anzuordnen. Dabei wurde in Kauf genommen, dass manche Aspekte in mehreren Kontexten thematisiert werden, d.h. in mehreren Unterkapiteln auftauchen.

2. Durchführung und Auswertung der Fokusgruppengespräche

Für die Fokusgruppengespräche wurden im Frühjahr und Sommer 2016 insgesamt 18 wissenschaftliche Bibliotheken aus den sechs deutschen Bibliotheksverbünden – Bibliotheksverbund Bayern (BVB), Gemeinsamer Bibliotheksverbund (GBV), Hochschulbibliothekszentrum des Landes Nordrhein-Westfalen (hbz), Hessisches BibliotheksInformationsSystem (HeBIS), Kooperativer Bibliotheksverbund Berlin-Brandenburg (KOBV) und Südwestdeutscher Bibliotheksverbund (SWB) – besucht. Die Gespräche fanden schwerpunktmäßig im Mai und Juni 2016 statt (sieben bzw. fünf Besuchstermine). Zwei Besuche fanden bereits im April statt, drei im Juli und einer im August.1 Die nachfolgende Tabelle zeigt die besuchten Bibliotheken, geordnet nach Bibliotheksverbund und Ort:

Bibliothek

Verbund

Universitätsbibliothek Erlangen-Nürnberg

BVB

Bayerische Staatsbibliothek, München

BVB

Universitätsbibliothek der Ludwig-Maximilians-Universität München

BVB

Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz

GBV

Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen

GBV

Technische Informationsbibliothek Hannover

GBV

Universitäts- und Landesbibliothek Bonn

hbz

Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf

hbz

Universitäts- und Stadtbibliothek Köln

hbz

Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt

HeBIS

Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg, Frankfurt am Main

HeBIS

Universitätsbibliothek Mainz

HeBIS

Universitätsbibliothek der Freien Universität Berlin

KOBV

Universitätsbibliothek der Humboldt-Universität zu Berlin

KOBV

Kommunikations-, Informations- und Medienzentrum der Universität Hohenheim

SWB

Kommunikations-, Informations-, Medienzentrum der Universität Konstanz

SWB

Universitätsbibliothek Stuttgart

SWB

Württembergische Landesbibliothek, Stuttgart

SWB

Bei der Auswahl der Bibliotheken wurde darauf geachtet, dass alle deutschen Bibliotheksverbünde mit mindestens zwei Bibliotheken vertreten waren. Um eine ausreichend große Stichprobe zu erhalten, wurden ausschließlich Universalbibliotheken besucht. Eine Ausweitung der Untersuchung auf andere Bibliothekstypen (z.B. kleinere Hochschulbibliotheken oder Spezialbibliotheken) wäre zwar interessant gewesen, war jedoch im Rahmen der zur Verfügung stehenden Zeit nicht zu leisten. Erfreulicherweise kamen alle angefragten Häuser der Bitte um eine Gesprächsmöglichkeit schnell und unkompliziert nach. Die Verfasserin wurde überall sehr freundlich aufgenommen, und das Interesse an dem Untersuchungsthema war durchwegs groß.

Die Teilnahme beruhte auf Freiwilligkeit. Insgesamt wurden 149 Praktikerinnen und Praktiker befragt; die Gruppengröße lag zwischen sechs und zwölf Katalogisierenden (Durchschnitt: 8,3). An einigen Gesprächen nahmen außerdem weitere Personen (z.B. Abteilungsleiter/innen) als Zuhörer/innen teil. Gemäß der in der Anfrage geäußerten Bitte waren die Gruppen jeweils gut gemischt mit Kolleginnen und Kollegen aus verschiedenen Altersgruppen, die vielfach auch in unterschiedlichen Arbeitsbereichen tätig waren. Relativ regelmäßig war neben dem Monografien-Bereich auch das Segment der fortlaufenden Ressourcen zumindest mit ein oder zwei Personen vertreten. Teilweise nahmen auch Katalogisierende aus spezielleren Arbeitsbereichen teil (z.B. Alte Drucke bzw. Historische Sammlungen, Mikroformen, Ostasien, Bibliografien, Karten). Gelegentlich waren auch Personen in der Gruppe, die als Multiplikatorinnen und Multiplikatoren an den RDA-Schulungen beteiligt gewesen waren und sich deshalb besonders intensiv mit dem neuen Regelwerk auseinandergesetzt hatten. Der Schwerpunkt lag jedoch auf Katalogisierenden, die die Schulungen nur als Teilnehmende erlebt hatten.

Zu Beginn jedes Gesprächs wurde zunächst das Ziel der Untersuchung und der Ablauf erläutert, danach folgte eine kurze Vorstellungsrunde. Zur weiteren Strukturierung setzte die Verfasserin einen Gesprächsleitfaden ein. Die darin zusammengestellten Fragen wurden jedoch nicht zwingend immer in der vorgesehenen Reihenfolge abgearbeitet. Vielmehr wurde versucht, eine möglichst natürliche Gesprächssituation zu schaffen. Wenn also beispielsweise eine Teilnehmerin oder ein Teilnehmer von sich aus einen bestimmten Aspekt ansprach, wurde dieser sofort behandelt, auch wenn er nach dem Gesprächsleitfaden erst später oder in einem anderen Kontext vorgesehen gewesen wäre. Bei der Gesprächsleitung hat sich die Verfasserin darum bemüht, ihre Fragen in möglichst neutraler Form zu stellen, um die Gesprächsteilnehmer/innen nicht zu beeinflussen.

Im Durchschnitt dauerten die Gesprächsrunden 81,5 Minuten; die Gesprächsdauer bewegte sich dabei zwischen 53 und 105 Minuten. Insgesamt kam etwa 24,5 Stunden Material zusammen, das mit einem digitalen Diktiergerät mitgeschnitten wurde und als Basis der nun vorgelegten Auswertung diente. Den Teilnehmenden wurde volle Anonymität zugesichert. Die im Folgenden wörtlich oder paraphrasiert wiedergegebenen Aussagen werden deshalb weder einer bestimmten Person noch einer Bibliothek zugeordnet.

Für die Auswertung wurden alle Gespräche nochmals von der Verfasserin abgehört und die darin gemachten Aussagen, nach Themen bzw. Aspekten geordnet, in ein Excel-Sheet übertragen – entweder in paraphrasierter Form oder wörtlich. Auch der genaue Zeitpunkt auf der Aufnahme wurde notiert, sodass interessante Kommentare jederzeit nochmals im Originalton angehört werden konnten. Es versteht sich, dass nicht jeder Aspekt, der in irgendeinem Gespräch erwähnt wurde, für die vorliegende Darstellung berücksichtigt werden konnte. Vielmehr musste eine gewisse Auswahl getroffen werden und es wurden teilweise Dinge zusammengefasst, um nicht im Detailreichtum „unterzugehen“. Das Ziel war, vor allem diejenigen Punkte herauszuarbeiten, die häufiger angesprochen wurden. Wo es sinnvoll erschien, werden aber auch besonders interessante Einzelaussagen wiedergegeben. Um die Lesbarkeit zu erhöhen, wurden bei wörtlichen Zitaten ggf. Glättungen vorgenommen (z.B. bei Syntaxbrüchen, wie sie für die wörtliche Rede typisch sind).

3. Einstiegsfragen

3.1. Schulungen

Als Einstiegsfrage zum „Aufwärmen“ sollten die Gesprächsteilnehmer/innen ihre Eindrücke von den Schulungen schildern. Die Rückmeldungen waren überwiegend positiv: Die Schulungen wurden z.B. als „gut“ oder „sehr gut“, „gut aufgebaut“, „verständlich“ oder „sehr hilfreich“ bezeichnet. Häufig betont wurde freilich auch, dass eine enorme Stoffmenge in sehr kurzer Zeit vermittelt wurde (z.B. „eine sehr geballte Ladung, die man abgekriegt hat“, „lange Tage mit viel Input“). In mehreren Gruppen wurde thematisiert, dass RDA in wenigen Tagen erlernt werden sollte, während für die Aneignung der „Regeln für die alphabetische Katalogisierung“ (RAK) in Ausbildung bzw. Studium mehrere Jahre zur Verfügung gestanden hätten. Dies wurde als starke Diskrepanz empfunden; eine Teilnehmende beurteilte es sogar als ein Zeichen für mangelnde Wertschätzung für die Tätigkeit der Katalogisierenden insgesamt.

Bei der Durchführung der Schulungen gab es durchaus Unterschiede. Der nach dem Schulungskonzept vorgesehene Gesamtumfang für die Schulungen war mit fünf Tagen angesetzt. In einem Verbund fanden die Schulungen jedoch in sehr kompakter Form an nur drei Tagen statt. In einem anderen Verbund wurden hingegen insgesamt 21 halbe Tage investiert, wobei jeder zweite Tag als Selbstlernphase gestaltet war. Gewisse Variationen gab es auch bei der Methodik. Schulungskonzepte, bei denen praktische Übungen eine größere Rolle spielten, kamen bei den Teilnehmenden sehr positiv an. Dies war aber nicht immer möglich. So wurde aus einer Bibliothek berichtet, dass aus logistischen Gründen keine praktischen Übungen in die Schulungen integriert werden konnten: Es musste eine große Zahl von Katalogisierenden geschult werden, es hätte aber nur ein kleiner Schulungsraum zur Verfügung gestanden.

Manche der Befragten hätten sich mehr Zeit für die Schulungen gewünscht. Eine Kollegin sah die Probleme hingegen eher darin, dass keine Zeit zum Verarbeiten der vielen Informationen blieb, weil jeden Tag etwas Neues kam; das Erlernte habe sich deshalb nicht setzen können. Einmal wurde darauf hingewiesen, dass „man es ja doch erst dann wirklich lernt, wenn man es anwendet“; wichtiger als die Schulungen selbst sei deshalb die Existenz guter Schulungsunterlagen. Mehr Beispiele oder ein besserer didaktischer Aufbau wurden einige Male als Desiderate benannt. Mit dem zumeist vorherrschenden Frontalunterricht scheinen sich die meisten Teilnehmenden aber gut arrangiert zu haben. Die Schulenden wurden typischerweise dafür gelobt, wie gut sie die nicht ganz einfache Situation gemeistert hätten. Eine Teilnehmende empfand die ganztägigen, PowerPoint-basierten Schulungen in Reihenbestuhlung und „Schlafsaal-Atmosphäre“ jedoch als demotivierend und sogar als „Folter“.

Auf einen interessanten Nebeneffekt wies eine Kollegin hin, die in einer Clearingstelle tätig ist: Es sei gut gewesen, dass man anlässlich der Schulungen auch einmal viele grundsätzliche Dinge habe wiederholen können. Denselben Gedanken hat die Verfasserin auch schon an anderer Stelle gehört. Und auch bei ihren eigenen RDA-Fortbildungen zeigte sich, dass selbst bei lange in der Praxis stehenden Kolleginnen und Kollegen manche Grundprinzipien der Katalogisierung (die unter RDA nicht anders sind als unter RAK) verloren gehen können. Insofern wäre es eigentlich grundsätzlich sinnvoll, in gewissen Zeitabständen Schulungen anzubieten, um den Wissensstand der Katalogisierenden zu festigen und, wo nötig, zu korrigieren und zu aktualisieren.

3.2. Sicherheit im Umgang mit RDA

Eine weitere Frage zu Beginn der Gesprächsrunden war, wie sicher sich die Katalogisierenden mittlerweile im Umgang mit RDA fühlen. Die häufigste Antwort war, dass sich bei einfachen Materialien und Standardfällen schon eine gewisse Routine eingestellt habe, dass man aber bei schwierigeren Fällen noch unsicher sei und viel nachsehen müsse. Manche der Befragten ordneten sich aber auch noch ganz klar als „Anfänger“ ein, die „von Routine noch weit entfernt“ seien. Oder, wie es eine Kollegin ausdrückte: „Sicher ist anders.“

Wie in den Gesprächen deutlich wurde, ist die Sicherheit in der Anwendung von RDA zum einen davon abhängig, wie hoch überhaupt der Anteil der Katalogisierung im Arbeitsalltag ist. So wurde aus einem Haus berichtet: „Bei uns haben die Leute so viele andere Aufgaben in den Fachteams, dass die Katalogisierung nur ein sehr kleiner Teil ist. Und das erschwert natürlich das Einarbeiten in so ein System.“ Zum anderen spielt es eine große Rolle, wieviel Gelegenheit die Katalogisierenden bisher hatten, RDA-Eigenkatalogisate anzulegen. Dies hängt sehr stark von der jeweiligen Situation und der Art der zu bearbeitenden Literatur ab. So ist die Zahl der Neuaufnahmen im Zeitschriftenbereich meist überschaubar. Auch bearbeiten einige der Befragten primär ältere Medien, für die dann normalerweise noch RAK-Aufnahmen zu finden sind. An manchen Bibliotheken ist der Zugang auch nicht so groß oder so spezifisch, dass viele Neukatalogisate anfallen würden.

Einige Gesprächsteilnehmer/innen berichteten hingegen, dass sie bereits recht viele Titelaufnahmen nach RDA erstellen konnten – z.B. weil aus unterschiedlichen Gründen umfangreiche Erwerbungen noch nicht bearbeitet worden waren, weil man bei bestimmten Arten von Literatur häufig die erste Bibliothek sei, die das Medium katalogisiere (z.B. Pflichtliteratur, Medien aus Ansichtskäufen), oder im Rahmen besonderer Erschließungsprojekte. Entsprechend höher war in diesen Fällen das Gefühl von Sicherheit. Eine Kollegin erlebte ihre Situation in zwei Arbeitsbereichen sehr unterschiedlich: „Ich habe extrem gemerkt, wie wichtig es ist, die Praxis zu haben und auch gleich nach der Schulung anzufangen. Bei den E-Books bin ich immer dran, und da bin ich jetzt schon sehr sicher. Aber bei den E-Zeitschriften hatte ich nach der Schulung lange keine Zeit dafür, und da muss ich immer noch sehr viel nachschauen.“ In einem Fall bekam eine Kollegin, die den Umstieg aufgrund ihrer Elternzeit verpasst hatte und nachträglich geschult worden war, sogar bewusst „zum Üben eine Schenkung“, was sie als sehr positiv empfand.

Öfter wurde darauf hingewiesen, dass man ja auch noch viel mit RAK umgehen müsse. Denn als Fremddaten vorliegende RAK-Katalogisate können in dieser Form übernommen werden und müssen nicht nach RDA umgearbeitet werden – solche Titel fallen als Übungsmaterial weg. Auch wird das „Switchen“ zwischen den beiden Regelwerken als schwierig empfunden: „Derzeit mache ich weniger in RDA als in RAK, und manchmal komme ich durcheinander.“ Zwar ist es naheliegend, aus Gründen der Arbeitsersparnis vorhandene RAK-Aufnahmen unverändert zu übernehmen – gerade, wenn große Mengen zu bearbeiten sind. Beispielsweise wurde aus einer Bibliothek berichtet: „Wir hatten noch sehr viel gekauft, was schnell bearbeitet werden musste; da waren wir froh für jede RAK-Aufnahme, die wir noch gefunden haben.“ Doch die Einarbeitung in RDA dürfte dadurch nicht gerade erleichtert worden sein. Eine Kollegin konstatierte: „Ich hätte es am besten gefunden, man hätte einen Schnitt gemacht: Alles, was ab dann aufgenommen wird, wird nach RDA gemacht.“

Eine weitere Schwierigkeit beim Umstieg war offensichtlich, dass nach den Schulungen teilweise keine Zeit blieb, um sich nochmals intensiv selbst mit der Materie zu beschäftigen. Dies wurde in mehreren Gesprächen thematisiert, z.B.: „Das ging nicht bei der laufenden Arbeit – das ist eine Illusion, weil eben die Berge da liegen.“ Oder: „Das war schade, weil der Wille und die Bereitschaft da war, und dann darf man doch nur so halbherzig rangehen, weil einfach die Zeit nicht da ist – da ist dann sehr viel an Energie und Wissen wieder verpufft.“ Wie sich hier zeigt, wurde bei der Planung des Umstiegsprozesses vielfach keine Phase vorgesehen, in der die Katalogisierenden einen gewissen Freiraum bekommen hätten, um das neu Erlernte zu vertiefen.

Überrascht waren einige Katalogisierende auch davon, dass sie nach einer Pause – z.B. aufgrund von Urlaub oder weil für einige Wochen andere Aufgaben zu erledigen waren – „völlig raus“ waren und „neu Anlauf nehmen“ mussten – denn die „Basis ist noch nicht so tief“. Vielfach fehlt deshalb auch noch das Zutrauen in das eigene Können. So wurden typische Fragen geschildert, die Katalogisierenden durch den Kopf gehen, wenn sie mit einer Aufnahme fertig sind: „Bin ich wirklich fertig? Habe ich was übersehen? Habe ich total daran vorbeikatalogisiert? Hätte ich was völlig anders machen müssen?“ Auch RDA-Katalogisate anderer Teilnehmer können zu Verwirrung führen: „Wenn ich etwas im Verbund finde, bei dem ich denke, das kann so nicht sein, aber dann hängen zehn große Bibliotheken dran – das verunsichert mich total.“

Eine Kollegin äußerte die Vermutung, dass man ein zweites Regelwerk nie so gut beherrschen werde wie das erste: „Das ist wie mit der ersten Sprache, dabei lernt man auch eine interne Logik.“ Eine ähnliche Metapher wählte eine Kollegin aus einer anderen Bibliothek: „Wenn man Jahrzehnte mit RAK gearbeitet hat, ist man einfach unglaublich geprägt in der Denkweise. Ich kann nicht loslassen und sagen: Ich denke jetzt RDA. Sondern ich denke RAK und überlege dann, was muss ich anders machen.“ Es gibt aber auch den umgekehrten Fall: Eine Kollegin berichtete, dass sie sich jetzt „wohler“ fühle als in der RAK-Zeit. Sie hatte zunächst nach PI katalogisiert, war danach länger in einem anderen Bereich tätig gewesen und dann „quasi auf dem zweiten Bildungsweg zu RAK gekommen“; sie fühlte sich deshalb früher weniger sicher als langjährige RAK-Katalogisierende. Jetzt sei „einmal alles auf null gestellt und wir haben alle gemeinsam neu angefangen“.

3.3. Allgemeine Einschätzungen zu RDA

Bevor es in die Details ging, wurden die Gesprächsteilnehmer/innen um eine allgemeine, ganz pauschale Einschätzung des neuen Regelwerks gebeten.2 Öfter wurde in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen, dass man sich den Umstieg „viel schlimmer“ vorgestellt habe und RDA „halb so wild“ sei. Die Gesamtbeurteilung fiel erwartungsgemäß recht unterschiedlich aus. Manche der Gesprächspartner/innen empfinden das neue Regelwerk beispielsweise als „grundsätzlich positiv“, „sympathisch“ oder „fast besser als RAK“. Einmal wurde geäußert, das Arbeiten mit RDA sei „interessanter als im früheren RAK-Betrieb“. Eine Kollegin empfindet RDA als „absolute Bereicherung“ und zeigte sich „wirklich begeistert“, insbesondere von der Betonung der Beziehungen. Für andere halten sich Vor- und Nachteile die Waage, z.B.: „RDA ist in vielen Punkten deutlich besser und in vielen Punkten deutlich schlechter“, oder: „Manches finde ich in RDA einfach schön, aber mit anderem kämpfe ich noch.“ Nur selten gab es vollständig negative Einschätzungen wie: „Ich sehe keinen Vorteil in der Einführung dieses neuen Regelwerks“, oder „Ich kann nichts Positives über RDA sagen.“

Häufig wurde der Gedanke ausgedrückt, dass sich RDA gar nicht so sehr von RAK unterscheide, wie man es erwartet hatte, z.B.: „ein bisschen anders, aber soviel anders nun auch wieder nicht“, oder „Ich habe mich gewundert, wie viel gleich geblieben ist.“ Dass das Datenmodell sich nicht grundlegend verändert hat3 und dass man weiterhin mit denselben Erfassungsformaten arbeitet wie bisher, wird dabei eher als Erleichterung empfunden. Ansonsten wurde jedoch nicht selten Enttäuschung darüber geäußert, dass die Änderungen nicht grundlegender ausgefallen seien, z.B.: „Ich hatte mir erhofft, dass wir wirklich mal einen richtigen Bruch machen und innovativ, modern katalogisieren.“ Vermisst wird insbesondere eine „Verschlankung“. Eine Kollegin urteilte: „Im Vorfeld wurde gesagt, es wird vereinfacht und verallgemeinert – das sehe ich jetzt gar nicht.“ Ein anderer Kollege äußerte sich „sehr überrascht, dass das Regelwerk immer noch mehr als, sagen wir mal, 70 Seiten hat“. RDA wurde in den Gesprächen als „sperrig“, „kleinteilig“, „spitzfindig“, „umständlich“, „kompliziert“, „detailliert“ und „pingelig“ bezeichnet. In einer Bibliothek wurde darauf hingewiesen, dass in den Instituten immer mehr Hilfskräfte ohne entsprechende Kenntnisse katalogisieren: „Denen kann man das gar nicht beibringen.“

Ein Anspruch von RDA ist, an die heutigen Verhältnisse angepasst zu sein. Unter den Befragten gingen die Meinungen darüber auseinander. Einige Gesprächspartner/innen charakterisierten RDA als „altmodisch“ oder „ziemlich retro“; manche fühlten sich gar „an die PI erinnert“. Oder, wie es eine Kollegin ausdrückte: „Man hat versucht, ein altes Regelwerk modern zu machen, während die RAK ein modernes Regelwerk waren.“ Diese Hinweise beziehen sich vor allem auf die sogenannten Formaltitel für Gesamtausgaben wie z.B. „Werke“ oder „Dramen“. Die Preußischen Instruktionen kannten etwas ganz Ähnliches, während das Konzept unter RAK kaum mehr eine Rolle spielte – für manche Gesprächsteilnehmer/innen ist dies ein Beleg dafür, dass RDA weniger modern ist als RAK. Kritisiert wurde auch, dass das Konzept von Haupt- und Nebeneintragung implizit immer noch vorhanden sei: „Da bin ich von RDA enttäuscht: dass wir uns immer noch Gedanken darüber machen müssen, ob etwas ein geistiger Schöpfer ist.“ Es gab aber auch Stimmen, die RDA als „das zeitge­mäßere Regelwerk“ einordneten.

Ein weiterer wichtiger Punkt war die Internationalität von RDA, wobei dieses Konzept viele Facetten hat. Zum einen ging es in den Gesprächen um die Arbeitssprache: Eine Kollegin kritisierte die Verwendung der jeweils eigenen Sprache, wie sie von RDA an vielen Stellen vorgesehen ist, als Widerspruch zur angestrebten Internationalität. Drei Punkte als Auslassungszeichen seien international verständlich; eine Angabe wie „[und 5 weitere]“ sei dies nicht. Auch eingeführte lateinische Abkürzungen wie „s.l.“ für „sine loco“ seien unter dem Aspekt der Internationalität besser als z.B. „[Erscheinungsort nicht ermittelbar]“. Eine andere Kollegin hätte es begrüßt, wenn Englisch als Arbeitssprache eingeführt worden wäre. In einer Bibliothek wurde der Wunsch geäußert, nicht mehr „Seiten“, „Illustrationen“ etc. zu erfassen, sondern stattdessen codierte Angaben, die je nach Bedarf in unterschiedlichen Sprachen angezeigt werden könnten. Mehrfach angesprochen wurden außerdem die voneinander abweichenden Praxisregeln der unterschiedlichen Anwendergemeinschaften; dies wurde als nachteilig für die Einheitlichkeit der Daten angesehen. Schließlich wurde auch darauf hingewiesen, dass RDA „nicht wirklich international“, sondern immer noch stark angloamerikanisch geprägt sei.

Viele Befragte äußerten als grundsätzlichen Eindruck von RDA, dass man damit „wesentlich mehr machen“ könne – z.B. mehr Personen aufnehmen oder zusätzliche Informationen in die Datensätze schreiben. Auch seien die unsinnigen Begrenzungen der RAK (z.B. die Berücksichtigung von maximal drei Verfassern) weggefallen. Positiv hervorgehoben wurde auch die genauere Abbildung der Vorlage. Einige Teilnehmende betonten außerdem, dass RDA „logisch“ und „konsistent“ sei. Demgegenüber stand allerdings auch die Kritik, RDA sei „zu verkopft“ und verfüge über eine „aufgeblasene Theorie“. Als Hauptproblem wurde dabei angesehen, dass Theorie und Praxis „wie zwei unterschiedliche Welten“ erlebt würden, da das Format „die Theorie nicht abbildet“ und man auch in den Katalogen noch nichts vom RDA zugrunde liegenden Modell der „Functional Requirements for Bibliographic Records“ (FRBR)4 sehen könne (vgl. Kap. 4.8).

4. Einzelaspekte von RDA

Im Rahmen der Gespräche wurde eine Vielzahl von Einzelaspekten des neuen Regelwerks angesprochen und diskutiert. Zum Teil ergab sich dies als Antwort auf die Fragen „Was finden Sie an RDA gut?“ bzw. „Was finden Sie an RDA schlecht?“, zum Teil fragte die Gesprächsleiterin gezielt nach der Einschätzung zu bestimmten Aspekten von RDA, wenn diese nicht bereits anderweitig zur Sprache gekommen waren.

4.1. Allgemeine Aspekte

Die Terminologie von RDA und FRBR unterscheidet sich an vielen Stellen von den RAK-Begrifflichkeiten. Manche Gesprächspartner/innen empfinden die Umstellung auf die neue Sprache mit Wörtern wie „Entität“ als schwierig. Eine Kollegin sagte sogar: „Die neuen Begrifflichkeiten machen mir Angst, wenn ich mir vorstelle, ich habe einen Auszubildenden neben mir sitzen, dem ich das vermitteln soll.“ Nach den Erfahrungen aus ihrer eigenen Unterrichtspraxis hält die Verfasserin diese Sorge allerdings für unbegründet: Weder die FRBR-Terminologie noch die manchmal etwas sperrige deutschsprachige RDA-Terminologie stellen „unbelastete“ Anfänger/innen vor größere Probleme.5 Vereinzelt wurde kritisiert, dass die neuen Fachbegriffe teilweise missverständlich seien wie z.B. „umfassende Beschreibung“ – darunter stelle man sich eine besonders ausführliche Beschreibung vor, tatsächlich ist es aber eine knappe, zusammenfassende Beschreibung.

Mit dem Umstieg auf RDA ergaben sich einige Änderungen bei den Deskriptionszeichen – insbesondere bei den Trennzeichen zwischen mehreren Titelzusätzen oder mehreren Verantwortlichkeitsangaben. Dies wurde einige Male als „verwirrend“ kritisiert. Allerdings geht dieses Problem nicht auf RDA zurück, sondern auf RAK – denn im früheren deutschen Regelwerk gab es an diesen Stellen Abweichungen vom „International Standard for Bibliographic Description“ (ISBD). Seit dem Umstieg wird die ISBD nun korrekt angewendet.

Ebenfalls kein eigentliches RDA-Problem ist eine formattechnische Umstellung, die in einem Pica-Verbund gleichzeitig mit dem Regelwerksumstieg durchgeführt wurde. Die Unterfelder werden nun nicht mehr mit dem ISBD-Deskriptionszeichen, sondern mit einer Kennung eingeleitet, welche aus dem Dollarzeichen und einem Buchstaben besteht. Zum Zeitpunkt der Gespräche hatten sich die Katalogisierenden offenbar noch nicht mit dieser Neuerung angefreundet. Eine Kollegin kommentierte: „Die trennen das auch gar nicht – die schimpfen über RDA und meinen eigentlich das Format.“

Zu den als positiv empfundenen allgemeinen Aspekten von RDA gehört, dass „endlich alle Medien in einem Regelwerk sind“ – es also keine Sonderregelwerke für bestimmte Materialarten mehr gibt. Außerdem seien damit nun auch Dinge katalogisierbar, für die es unter RAK keine spezifischen Regeln gab. Ein Kollege nannte als Beispiel „die Online-Ausgabe einer Loseblattsammlung, die sich dann auch irgendwie online verändert, aber aussieht wie ein E-Book – da habe ich dann unter RAK etwas zusammenkatalogisiert, was es eigentlich gar nicht gab“. Dass RDA auch solche Fälle berücksichtige, sei „super“.

Geschätzt werden in diesem Zusammenhang auch die neuen Elemente Inhalts-, Medien- und Datenträgertyp (IMD-Angaben), mit denen Ressourcen in verschiedene Dimensionen eingeordnet werden. Mehrfach als positiv angeführt wurden auch die sogenannten Formangaben, d.h. das normierte Vokabular, das im RDA-Element 7.2 (Art des Inhalts) verwendet wird.6 Gerade bei Ressourcen, die nicht sacherschlossen werden, habe man dann zumindest die Information „Kochbuch“, „Comic“ o.ä. – das sei „ein schönes Feature“ und gehe auch „recht flott“.

Anmerkungen spielen unter RDA eine viel größere Rolle als früher die Fußnoten unter RAK. Unter RDA gibt es immer die Möglichkeit, zusätzliche Informationen in einer Anmerkung zu geben, wobei die Formulierung nicht vorgeschrieben ist. Diese neue Technik wird von den Befragten durchwegs als Verbesserung gesehen und gerne verwendet, z.B.: „Die Anmerkungen sind schön, denn man kann ja frei formulieren. Für Informationen, die man anderswo nicht unterbringen kann, finde ich das eine gute Möglichkeit, dem Nutzer noch Extra-Informationen zu geben.“

Die Einführung von RDA hat auch den Blick auf mehrteilige Monografien etwas verändert. Bisher wurden diese in den deutschen Verbünden ausnahmslos hierarchisch beschrieben – also mit einem Datensatz für das Ganze und weiteren Datensätzen für die einzelnen Teile. RDA lässt aber auch andere Beschreibungsarten zu. Aus einer Bibliothek wurde berichtet, dass für Medienkombinationen, die nur als Einheit ausgeliehen werden können (z.B. ein Sprachkurs in einer Schachtel), seit dem RDA-Umstieg die umfassende Beschreibung angewendet, also nur noch ein einziger Datensatz erstellt wird: „Das finden wir ganz toll, da wird die Titelaufnahme viel übersichtlicher.“

4.2. Bibliografische Beschreibung

Im Bereich der bibliografischen Beschreibung gab es mit dem Umstieg auf RDA erhebliche Änderungen. Die wichtigste Neuerung ist das sehr genaue Abschreiben der Angaben von der Vorlage, das sogenannte Übertragen.7 Dieses zentrale Prinzip von RDA wurde in allen Gesprächen grundsätzlich positiv beurteilt. Es sei gut, dass die Vorlage besser abgebildet werde, und man müsse nicht mehr nachdenken, ob etwas abzukürzen oder wegzulassen ist. Bei der Frage nach den positiven Aspekten von RDA wurde der Wegfall der Abkürzungen mit am häufigsten genannt.

Besonders vorteilhaft wirke sich das Übertragen bei der Verlagsangabe aus: „Was war das früher für eine schwierige Regel!“ Unter anderem musste man unter RAK bewerten, ob der vorliegende Verlagsname einen Familiennamen des Firmenträgers enthielt oder nicht – unter RDA spielt dies keine Rolle mehr. Bei Verantwortlichkeitsangaben wird das Übertragen hingegen als problematischer eingeschätzt: So wurde kritisiert, dass die Verantwortlichkeitsangaben durch das Abschreiben langer Personalangaben (z.B. Affiliationen) zu umfangreich und unübersichtlich werden können, „wenn die Verfasserangabe fünfmal so lang ist wie der Titel“. Das sehe „zum Teil sehr kurios aus“ und sei auch problematisch beim Importieren der Daten in Literaturverwaltungssysteme. Es wird deshalb öfter von der optionalen Weglassung Gebrauch gemacht, die es ermöglicht, auf Personalangaben zu verzichten.8

Der häufigste Kritikpunkt am Prinzip des Übertragens war, dass es nicht konsequent genug angewendet werde: „Man hatte sich erhofft, dass man durch das Übertragen nicht mehr so oft vor der Frage steht: Was schreibe ich wie? Aber so eindeutig ist es ja doch nicht, denn in manchen Fällen darf man dann wieder nicht übertragen.“ Als Beispiel wurden u.a. römische Zahlen in der Bandzählung genannt, die gemäß RDA in arabische Zahlen umzusetzen sind („als würde man es den Nutzern nicht zutrauen, römische Zahlen zu verstehen“). Ein weiteres Beispiel für eine als störend empfundene Ausnahme beim Übertragen ist das Umsetzen von eckigen Klammern in der Vorlage in runde Klammern (um Verwechslungen mit ermittelten Angaben zu vermeiden). Auch die Groß-/Kleinschreibung könne nicht einfach übernommen werden, sondern müsse unter Umständen angepasst werden – beispielsweise bei Verlagsnamen.

Katalogisierenden aus dem Bereich Alte Drucke kommt das Prinzip des genauen Übertragens in besonderem Maße entgegen. Jedoch wurde von diesen der Verzicht auf Abkürzungen und eckige Klammern in der Umfangsangabe als sehr problematisch benannt. Dies führe zu sehr langen und „aufgeblähten“, oft über mehrere Zeilen gehenden Umfangsangaben.9 Eine Kollegin kommentierte: „Am meisten Probleme macht uns die Umfangsangabe – das hätten wir uns nie träumen lassen!“

In vielen Situationen, in denen nach RAK eckige Klammern in der bibliografischen Beschreibung zu verwenden waren (z.B. bei nicht auf der Haupttitelseite stehenden Verfasserangaben), ist dies nach RDA nicht mehr nötig. In den Gesprächsrunden wurde dies begrüßt. Allerdings muss in einem Fall nun eckig geklammert werden, wo dies unter RAK nicht nötig war – nämlich immer dann, wenn in der Ressource kein explizites Erscheinungsdatum, sondern nur ein Copyrightdatum angegeben ist. Dies kommt sehr häufig vor („Es ist mir früher nie aufgefallen, dass zwei Drittel aller Bücher nur ein Copyrightjahr haben“) und wurde oft als negativer Punkt angesprochen: Das eckig geklammerte Erscheinungsdatum „nervt total“, sei „lästig“ und „gefühlt völlig unnötig“; kein Nutzer könne „damit irgendetwas anfangen“. Nur eine einzige Kollegin widersprach hier und fand diese Regelung „eher logisch“.

An anderer Stelle werden die eckigen Klammern hingegen schmerzlich vermisst: Anders als nach RAK ist es nach RDA nicht erlaubt, eine nicht auf der Titelseite stehende Angabe (z.B. einen Hinweis auf eine Ausstellung im Kolophon eines Buchs) als Titelzusatz in eckigen Klammern anzugeben. Solche Angaben können zwar weiter erfasst werden, aber nur noch als abweichender Titel oder Anmerkung zum Titel, d.h. sie werden im Bereich der Anmerkungen angezeigt. Dies wurde mehrfach als Verschlechterung genannt.

4.3. Bibliografische Beschreibung bei fortlaufenden Ressourcen

Der Bereich der fortlaufenden Ressourcen (z.B. Zeitschriften) wird hier getrennt betrachtet, weil die Rahmenbedingungen sich von denen in der Monografienkatalogisierung unterscheiden. Denn Titelaufnahmen für fortlaufende Ressourcen sind nicht statisch, sondern müssen typischerweise immer wieder aktualisiert werden; dies kann selbst bei einer bereits abgeschlossenen Zeitschriftenaufnahme passieren. Folglich kann man nicht einfach einen klaren Schnitt machen wie im Bereich der Monografien.

Wird eine nach RAK erstellte Titelaufnahme wieder aufgegriffen, so wird diese nach den getroffenen Vereinbarungen nicht vollständig nach RDA umgearbeitet, sondern es werden nur die zu verändernden oder ergänzenden Informationen gemäß RDA erfasst.10 Deshalb wird es nicht nur kurzfristig, sondern auch mittel- und langfristig ein Neben- und Miteinander von RAK und RDA geben. In den Gesprächsrunden wurde mehrfach darauf hingewiesen, dass dies „ganz wilde Mischungen“ ergebe und die Informationen teilweise nicht zusammenpassen würden – wenn beispielsweise der Anfang des Erscheinungsverlaufs nach RAK und das Ende nach RDA erfasst würde. Solche Kompatibilitätsprobleme tauchen nicht nur in einzelnen Datensätzen auf, sondern auch innerhalb von größeren Komplexen. Beispielsweise werden bei einer Reihe, die viele Unterreihen besitzt, neue Unterreihen unter Umständen anders behandelt als ältere, sodass der gesamte Komplex unübersichtlicher wird: „Da findet ja keiner mehr, dass das zusammengehört!“, klagte eine Kollegin. Ein Grundproblem sei auch, dass man „auf Jahrzehnte hinaus immer noch RAK im Hinterkopf behalten“ müsse – das mache es „wahnsinnig schwierig“.

Im Bereich der fortlaufenden Ressourcen findet sich auch der Aspekt von RDA, der in den Fokusgruppengesprächen insgesamt am häufigsten und am heftigsten kritisiert wurde: die Angabe der Zählung bzw. des Erscheinungsverlaufs. Während diese Informationen unter RAK normiert angegeben wurden, gilt unter RDA auch hier das Prinzip des Übertragens. Allerdings wird nicht die gesamte Angabe einfach als Textstring von der Ressource abgeschrieben. Vielmehr bezieht sich das Übertragen nur auf die einzelnen Elemente, die wiederum nach bestimmten Regeln zusammengesetzt werden müssen. Zunächst müssen die einzelnen Bestandteile deshalb richtig identifiziert werden: Innerhalb der Zählung differenziert RDA zwischen alphanumerischer und chronologischer Bezeichnung; letztere muss vom Erscheinungsdatum abgegrenzt werden.11

In allen Gesprächsrunden, bei denen Katalogisierende aus dem Zeitschriften-Segment vertreten waren, wurden diese neuen Regelungen als schwierig, kompliziert und in der Anwendung sehr zeitaufwendig beurteilt. Früher habe man das „mit einem Blick erkannt“, während die RDA-Schulungsunterlagen für den Erscheinungsverlauf „40 Seiten umfassen“ würden (in der aktuellen Fassung sind es sogar 47 Seiten). Es gebe „sehr viele Dinge zu beachten“ und man müsse „viel genauer hinsehen, z.B.: Ist es wirklich ein Erscheinungsdatum oder ist es die Zählung?“ Auch mit dem Ergebnis waren die Befragten unzufrieden: Der Erscheinungsverlauf sei „ausufernd“, „unübersichtlich“ und häufig auch „undurchsichtig“. Eine Kollegin erläuterte: „Wenn ich die Zählung angebe mit 16-, dann kann das für 2016- stehen, es kann aber auch für Band 16- stehen.“ Als weiteres Beispiel für einen nicht mehr interpretierbaren Erscheinungsverlauf wurden Angaben angeführt wie „1.1962-30“.12 Nicht selten müsse man außerdem Erscheinungsdaten ermitteln und dann bei der Erfassung mit eckigen Klammern und Fragezeichen arbeiten, was ebenfalls nicht zur Übersichtlichkeit beitrage.

Als weitere Kritikpunkte im Bereich der Zählung wurden genannt: Das Erfassen der Bestandsangaben sei aufwendiger geworden, weil man diese nicht mehr einfach per Copy & Paste aus dem Erscheinungsverlauf übernehmen könne. Besondere Schwierigkeiten gebe es bei Zeitschriften in weniger bekannten Sprachen, da das Übertragen der Zählung „detaillierte Sprachkenntnisse“ voraussetze. Denn man müsse nicht mehr nur auf Zahlen achten, sondern auch Wörter für „Jahrgang“ u.ä. heraussuchen. Deutlich wurde auch, dass ohne Autopsie nicht einmal mehr ein Datensatz abgeschlossen werden könne. Eine Kollegin berichtete: „Wenn ich einen Abschluss machen muss, sehe ich das Heft gar nicht – ich muss mir das jetzt immer erst bestellen.“

Entsprechend kritisch fielen die Äußerungen zu diesem Themenkomplex in den Gesprächsrunden aus. Die Regelungen wurden als „nicht mehr praktikabel“, „furchtbar“ oder gar „eine Katastrophe“ bezeichnet. Eine Kollegin kommentierte: „Da stelle ich mir schon die Sinnfrage“, und eine andere: „Da kriege ich graue Haare, weil das für mich so unlogisch ist.“ Die Frage der Gesprächsleiterin, ob sich aufgrund der Änderungen auch irgendein Vorteil ergebe, wurde ausnahmslos verneint.

4.4. Erfassen der Werkebene

Unter RDA ist die Ebene des Werks von großer Bedeutung: „Die Werkebene wird im Katalogisierungsprozess der Formalerschließung mit RDA immer betrachtet. Diese Herangehensweise stellt eine wesentliche Neuerung bei der Katalogisierung dar und fordert in vielen Fällen eine andere Denkweise der Katalogisierenden.“13 Aus jeder Titelaufnahme soll sicher und eindeutig hervorgehen, zu welchem Werk die beschriebene Ressource gehört. Zur zuverlässigen Identifizierung eines Werks werden einerseits dessen erster geistiger Schöpfer (sofern ein solcher vorhanden ist) und andererseits der bevorzugte Titel des Werks herangezogen. Ggf. muss man zur Unterscheidung von anderen Werken noch ein oder mehrere zusätzliche Merkmale erfassen.

In den Gesprächsrunden wurde die Werkebene öfter als „schwierig“ oder „schwer zu begreifen“ bezeichnet – bis hin zu: „Diese Werktitel, die verstehe ich überhaupt nicht“. Eher die Ausnahme blieben positive Äußerungen wie: „Vom Hintergrund her finde ich es besser als die Einheitssachtitel der RAK“, oder: „Das gefällt mir, dass man sich jetzt Gedanken macht: Was ist eigentlich das Werk dahinter?“

Wie in den Gesprächen deutlich wurde, liegt die Hauptschwierigkeit darin, überhaupt an die Werktitel zu denken: „Bei neueren Büchern ist uns das mit der Werkebene nicht so bewusst“; die „Sensibilität für die Werkebene“ fehle; die Werktitel würden „gerne vergessen“. Eine Kollegin kommentierte: „Wenn es mal wieder jemand sagt, dann fällt es mir wieder ein, aber in der allgemeinen Tätigkeit denke ich überhaupt nicht über so etwas nach.“

Unproblematisch sind dabei die Fälle, bei denen auch nach RAK ein Einheitssachtitel zu erfassen war – insbesondere die Originaltitel bei Übersetzungen. Ebenfalls gut im Gedächtnis hatten die Gesprächsteilnehmer/innen den Fall einer Titeländerung, etwa bei der Verlagsausgabe einer Hochschulschrift. Eine Kollegin, die hauptsächlich Verfasserwerke katalogisiert, schätzte, dass 95 % der von ihr erfassten Werktitel auf Übersetzungen entfielen und 5 % auf Titeländerungen. An einer Bibliothek wurde darauf hingewiesen, dass auch bei Ressourcen mit einem Alternativtitel grundsätzlich ein Werktitel erfasst werden müsse, woran häufig nicht gedacht werde.

Zu Fehlern kann es insbesondere bei Werken ohne geistigen Schöpfer (z.B. Aufsatzsammlungen) kommen, wenn diese einen gängigen Titel haben. Hier müsste jeweils geprüft werden, ob eine Verwechslungsgefahr mit einem anderen Werk besteht, das denselben Titel hat. An den Reaktionen der Befragten auf entsprechende Fragen wurde jedoch deutlich, dass dies in der Praxis kaum gemacht wird.

Alternativ kann die Werkebene auch über die Verknüpfung mit einem Werknormdatensatz bedient werden. Dies wurde nur in zwei Gesprächsrunden thematisiert, war also offenbar zum Zeitpunkt der Befragung in den besuchten Bibliotheken noch keine sehr verbreitete Technik.14 Eine Kollegin findet die Möglichkeit zur Verknüpfung mit Werknormdatensätzen „nicht schlecht“ und erläuterte: „Ich möchte nicht wissen, wie viele unterschiedliche Einheitssachtitel manchmal für dasselbe Werk vergeben wurden.“ Wie sie weiter berichtete, legt sie regelmäßig Normdatensätze an, wenn es mehrere abweichende Titel gibt.

4.5. Beziehungen und Beziehungskennzeichnungen

Bei den Beziehungen zwischen einer Ressource und den Entitäten der FRBR-Gruppe 2 (Personen, Familien und Körperschaften) wurde als häufigster Pluspunkt von RDA die Freiheit genannt, „alle Personen zu erfassen, die einem wichtig erscheinen“. Beispielsweise könne ein Professor der eigenen Universität auch dann verknüpft werden, wenn er erst an 15. Stelle in einer Verantwortlichkeitsangabe genannt ist.

Ein zweiter in diesem Themenkreis häufig angesprochener Punkt war die Frage, wann eine Körperschaft als geistiger Schöpfer gilt und wann nicht. Die Regelungen von RDA unterscheiden sich in diesem Bereich stark von RAK: Während früher rein formal entschieden wurde, sind unter RDA inhaltliche Kriterien ausschlaggebend.15 In den Gesprächen gingen die Meinungen darüber auseinander, wobei positive und negative Äußerungen sich ungefähr die Waage hielten. Manche Gesprächspartner/innen beurteilten die neuen Regeln kritisch, z.B.: „Früher war es so schön einfach, und jetzt muss man das jedes Mal prüfen“, oder: „Das ist von der Denke her überhaupt nicht bei mir angekommen.“ Andere sahen die Neuerung positiv: Die RAK-Regel sei „sinnlos“ gewesen; es sei „logischer, inhaltlich zu schauen als rein formal“; die neuen Regeln seien „vergleichsweise übersichtlich“ und man könne sich „gut in sie einfinden“.

Während RAK nur eine Handvoll von Funktionsbezeichnungen kannte, gibt es in RDA lange Listen von sogenannten Beziehungskennzeichnungen, mit denen genauer charakterisiert werden kann, in welcher Beziehung eine Person, Familie oder Körperschaft zur jeweiligen Ressource steht. Im Grundsatz wurde dies von den Befragten fast durchgängig positiv beurteilt (z.B. „eine gute Sache“, „schön“ oder „das macht fast Spaß, sich was auszusuchen“), sobald man sich einmal daran gewöhnt hätte.

In der Praxis verbinden sich damit jedoch auch verschiedene Probleme. In den Gesprächen wurde zum einen darauf hingewiesen, dass die korrekte Anwendung öfter schwierig sei – so müsse man darauf achten, dass sich die gewählte Beziehungskennzeichnung auch auf der richtigen FRBR-Ebene befindet. In bestimmten Bereichen sei es nicht einfach, überhaupt eine geeignete Beziehungskennzeichnung zu finden. Als besondere Problembereiche wurden dabei Beziehungen zu Körperschaften genannt sowie Beziehungen bei bestimmten Nichtbuchmaterialien (z.B. eine passende Beziehungskennzeichnung für die Vortänzerin auf einer Fitness-CD). Schwierig sei es auch, „wenn ich das Buch eigentlich gar nicht verstehe, weil es z.B. in Russisch oder Ungarisch ist – wo ich denke, was hat der wohl für eine Funktion, der Mensch, der da steht?“

Ein Hauptkritikpunkt war außerdem, dass nicht alle gewünschten Beziehungskennzeichnungen in RDA auch tatsächlich vorhanden seien: „Die, die man braucht, sind nie da“, formulierte ein Kollege. Auf der anderen Seite kann aber auch die große Zahl der vorhandenen Beziehungskennzeichnungen ein Problem sein: „Ich habe langsam das Gefühl, es werden einfach zu viele – es ist inzwischen sehr unübersichtlich.“ Bei manchen Beziehungskennzeichnungen sei auch nicht wirklich klar, in welchen Fällen sie zu verwenden sind: „Oft weiß ich gar nicht, was das sein soll.“ Mehrfach wurde auch bemängelt, dass die Beziehungskennzeichnungen in den Katalogen noch nicht sichtbar seien.

In einigen Verbünden werden die Beziehungskennzeichnungen gegendert (z.B. „VerfasserIn“). Daran wurde teilweise Kritik geübt („wild“, „verrückt“, „sowas von verknotet“). Auch dies scheint jedoch eine Frage der Gewöhnung zu sein: „Am Anfang war es ein Hingucker, aber jetzt guckt man halt nicht mehr hin.“ Und umgekehrt störte sich eine Kollegin aus einem Verbund, der kein Gendering praktiziert, sehr am generischen Maskulinum („Warum kein generisches Femininum?“).

Bei den Beziehungen zwischen mehreren Entitäten der FRBR-Gruppe 1 (Werk, Expression, Manifestation, Exemplar) stach ein Verbund besonders heraus. In diesem Verbund wurde gleichzeitig mit dem Umstieg auf RDA die Praxis aufgegeben, einzelne Bände einer gezählten monografischen Reihe (Schriftenreihe) mit der Gesamtaufnahme zu verknüpfen. Vom Regelwerk her war dies möglich, da die hierarchische Beschreibung von monografischen Reihen unter RDA zwar weiterhin möglich, aber nicht mehr zwingend vorgeschrieben ist.16 In allen drei besuchten Bibliotheken dieses Verbunds wurde daran heftige Kritik geübt: Der Verzicht auf die Serienverknüpfungen sei „einfach nur blöd“, „ganz furchtbar“, „in der Praxis ganz, ganz schlecht“. Nicht nur die Recherchemöglichkeiten seien schlechter, sondern auch für die Erwerbung sei die Neuerung „ganz bescheiden“. Im Ergebnis sei es außerdem nicht weniger, sondern mehr Arbeit, weil nun auch die ISSN bei jedem Band erfasst werden müsse – „das andere war dagegen nur ein Klick“. Auch in einigen anderen besuchten Bibliotheken wurde die Befürchtung geäußert, dass künftig Bände gezählter monografischer Reihen gar nicht mehr oder nicht mehr konsequent verknüpft werden könnten.

4.6. Bestimmte Publikationstypen

Zu den Publikationstypen, die im Laufe der Fokusgruppengespräche besonders häufig angesprochen wurden, gehören die Konferenzschriften.17 Positiv hervorgehoben wurde hier, dass Tagungsbände gezählter Konferenzen nicht mehr als fortlaufende Ressourcen behandelt, sondern grundsätzlich monografisch beschrieben werden. Als Vorteil wurde auch genannt, dass die Katalogisierung jetzt einheitlicher sei als früher, weil die Konferenz immer als geistiger Schöpfer gilt (unabhängig von der Präsentation auf der Titelseite). Schwierigkeiten bereitet allerdings das im Vergleich zu RAK deutlich erweiterte Konzept von „Konferenz“ unter RDA: So sind Konferenzkörperschaften auch dann zu erfassen, wenn der Name keinen Konferenzbegriff wie „Tagung“ oder „Kongress“ enthält; unter Umständen findet sich nur im Vorwort ein entsprechender Hinweis. Die Entscheidung, ob tatsächlich eine Konferenzkörperschaft vorliegt und wie deren bevorzugter Name lautet, wird häufig als schwierig empfunden.

Bei der Katalogisierung von Ausstellungskatalogen wird es als erhebliche Verbesserung angesehen, dass Einzelausstellungen nicht mehr als Körperschaften zu behandeln sind. Dies stelle auch keinen Verlust für die Recherche dar, da wichtige Informationen wie Ort und Zeit der Ausstellung stattdessen in strukturierter Form als Ergänzung zu „Ausstellungskatalog“ als Art des Inhalts erfasst werden können.18

Bildbände wurden mehrfach als besonders schwierig genannt. Das Hauptproblem ist offenbar die Entscheidung, ob überhaupt ein Bildband vorliegt oder nicht. Denn während unter RAK eine rein quantitative Einschätzung des Bildanteils genügte, muss unter RDA auch noch geprüft werden, ob die Abbildungen eine wesentliche Komponente der Ressource darstellen oder nur illustrierenden Charakter haben, also von sekundärer Bedeutung sind.19

Zu den als besonders schwierig empfundenen Publikationstypen gehören außerdem Zusammenstellungen. Bei diesen wird zum einen zwischen Zusammenstellungen von Werken eines geistigen Schöpfers oder Werken mehrerer geistiger Schöpfer unterschieden, zum anderen zwischen Zusammenstellungen mit und ohne übergeordneten Titel.20 Eine Kollegin kommentierte: „Da muss ich immer wieder nachgucken, wie man mit diesen vier verschiedenen Fällen umgeht und wie man das im Format umsetzt.“

4.7. Cataloger’s Judgment

Mit dem Umstieg auf RDA mussten sich deutsche Katalogisiererinnen und Katalogisierer auch an das sogenannte Cataloger’s Judgment als ein Charakteristikum der angloamerikanischen Katalogisierungstradition gewöhnen: Nicht alles ist genau festgelegt, sondern öfter gibt es Spielräume für das eigene Ermessen.

In den Gesprächen waren die positiven Einschätzungen leicht überwiegend (z.B. „oft und gerne“, „im Prinzip ganz angenehm“, „finde ich gut“, „positiv schwammig“). Das Cataloger’s Judgment erleichtere es auch, Entscheidungen zu treffen: Gerade bei schwierigen Fällen könne man „jetzt mit gutem Gewissen entscheiden und sagen, ich mache das jetzt einfach so“. Es wurde auch darauf hingewiesen, dass innerhalb des Verbunds nicht mehr so viel diskutiert werden müsse wie früher. In vielen Fällen könne man eine vorgefundene Lösung akzeptieren, weil sie zumindest nicht falsch sei, auch wenn man es selbst anders gemacht hätte: „Früher hätte ich da oft eine Mailbox21 geschrieben.“

Bemerkenswerterweise wurde mehrfach bemängelt, dass aufgrund der Anwendungsrichtlinien sowie Verbundfestlegungen doch wieder sehr vieles festgeschrieben sei: „Wir empfinden das gar nicht so, dass wir so vieles frei entscheiden können“; dies sei ein „leeres Versprechen“. Einige Male wurde auch der Gedanke geäußert, dass Ermessensentscheidungen gar nicht so neu sind: „Es ist jetzt etwas in die offizielle Regelung eingeflossen, was manche Leute vorher schon gemacht haben und sich andere nicht getraut haben.“

Die eher skeptischen Kolleginnen und Kollegen machten ihre Kritik vor allem an zwei Bereichen fest. Zum einen empfinden es manche als schwierig oder unbefriedigend, keine feste Vorgabe zu haben: „Es gibt so viele Kann-Regelungen und dadurch einen grauen Bereich, in dem es mir schwer fällt, die Orientierung zu behalten“ oder „Man will eigentlich schon eine klare Regel, sonst schwimmt man.“ Eine Kollegin konstatierte: „Kann-Regeln sind eigentlich keine Regeln.“ Das Cataloger’s Judgment führe auch zu einer gewissen, irritierenden „Beliebigkeit“ und dazu, dass manches „tagesformabhängig“ sei.

Der zweite Hauptpunkt der Kritik ist die stärkere Heterogenität und unterschiedliche Qualität der Daten im Katalog. Es könne sehr uneinheitlich werden, es fehle „der rote Faden“. „Für einen selbst ist es gut, dass man so viel Entscheidungsfreiheit hat, aber spätestens wenn man in den Verbund schaut und manche Aufnahmen sieht, dann denkt man: Manchmal ist Entscheidungsfreiheit doch nicht so gut.“ Bei einer ähnlichen Diskussion in einer anderen Gruppe kommentierte eine Kollegin: „Man muss mit dieser Freiheit umgehen lernen und auch akzeptieren, dass ein anderer gesagt hat: Mir reichen drei Personen.“

Mehrfach wurde auf negative Auswirkungen für die Nutzerinnen und Nutzer verwiesen (vgl. Kap. 4.8): So könnte es problematisch sein, wenn beispielsweise in einer Trefferliste mehrere Auflagen desselben Werks erscheinen, die unterschiedlich erschlossen sind, weil die Katalogisierenden sich nicht immer in gleicher Weise entschieden haben. Auch beim Import in Literaturverwaltungsprogramme sei die neue Vielfalt in den Katalogen schwierig. Bei der Recherche werden ebenfalls Nachteile gesehen: „Der Nutzer weiß nicht mehr, wonach er suchen kann.“ Auch das Auskunftspersonal müsse sich nun darauf einstellen, dass unter Umständen eine an 13. Stelle genannte Person gefunden werde – aber man sich darauf eben auch nicht verlassen könne. In zwei Gesprächen wurde erwähnt, dass man sich in der Abteilung kleine Hausregeln geschaffen habe, um bestimmte Fälle „halbwegs gleichmäßig“ zu behandeln.

Mit dem Cataloger’s Judgment steigen – wie eine Kollegin feststellte – auch die Anforderungen an die Katalogisierenden: „Wenn es heißt, das und das liegt in Ihrem Ermessen, dann ist auch der Anspruch an sich selbst da: Habe ich jetzt alles beachtet?“ Und eine Kollegin aus einer anderen Gesprächsgruppe meinte: „Zu einem Cataloger’s Judgment gehört eine gewisse Souveränität im Umgang mit den Regeln – und soweit bin ich noch nicht.“

4.8. Nutzerfreundlichkeit

RDA hat den Anspruch, besonders nutzerfreundlich zu sein. Das „Ansprechen der Benutzerbedürfnisse“ („responsiveness to user needs“, RDA 0.4.2.1) steht bei den Zielen von RDA an erster Stelle. In den Gesprächsrunden wurde deshalb auch gefragt, wie die Katalogisierenden die Nutzerfreundlichkeit des neuen Regelwerks einschätzen.

Die Antworten auf diese Frage kamen öfter etwas zögerlich; die Gesprächspartner/innen mussten offenbar erst etwas darüber nachdenken. Dies liegt vielleicht auch daran, dass nicht alle Befragten direkten Umgang mit Nutzerinnen und Nutzern haben. Teilweise waren die Gesprächsteilnehmer/innen grundsätzlich skeptisch: „Es hieß ja immer „Nutzerfreundlichkeit“ – aber ich wüsste jetzt nicht, an welcher Stelle“, oder „Für die Benutzer sehe ich im Moment keinen Vorteil.“ Eine Kollegin kommentierte: „Ich arbeite ja für den Benutzer, und da hat sich mir der Vorteil der RDA noch nicht so ganz erschlossen – außer, dass man vielleicht ein paar Personen mehr berücksichtigen kann und die Herren Professoren jetzt nicht mehr traurig sind, dass sie einfach wegfallen.“

Zusätzliche Sucheinstiege – insbesondere bei Personen – wurden mit am häufigsten als Vorteil für die Nutzer/innen genannt: „Dass sie jetzt halt auch den vierten Verfasser finden oder den zweiten oder dritten Herausgeber.“ Früher habe es auch öfter Beschwerdeanrufe gegeben („Ich finde mich nicht im Katalog – wieso bin ich nicht aufgenommen?“) – „da kommen wir den Benutzern jetzt deutlich entgegen“. Auch die genauere Angabe der Funktionen mit Hilfe der Beziehungskennzeichnungen wurde als eher benutzerfreundlich eingeordnet. Einschränkend wurde allerdings darauf hingewiesen, dass durch das Cataloger’s Judgment (vgl. Kap. 4.7) Recherchen nach Personen unsicherer geworden seien: „Früher konnte man sagen: Diese Person, die muss drin sein; wenn Sie so und so suchen, dann finden Sie das immer. Das kann man jetzt irgendwo nicht mehr sagen. Es schränkt sich immer mehr ein, was man als konkrete Regel weitergeben kann – die Leute wollen das aber.“

Neben den zusätzlichen Personen gilt der Verzicht auf Abkürzungen (vgl. Kap. 4.2) als das zweite große Plus bei der Benutzerfreundlichkeit. Im Bereich der bibliografischen Beschreibung wurden noch einige weitere Aspekte von RDA als positiv für die Nutzer/innen angeführt: die vorlagegemäße Übernahme von Verlagen, was die Recherche erleichtere; der Erhalt von Personalangaben wie Titeln und Affiliationen in der Verantwortlichkeitsangabe; dass man als ermittelten Erscheinungsort auch ein Land angeben könne (in einer Bibliothek wird dies nun häufig bei Publikationen aus Afrika gemacht); dass weniger eckige Klammern zu verwenden sind, die für die Nutzer/innen vermutlich nur verwirrend gewesen seien. Hier gibt es allerdings eine Ausnahme, nämlich das Erscheinungsdatum, das nun sehr oft eckig geklammert werden muss (vgl. Kap. 4.2) – dies wurde einmütig als benutzerunfreundlich eingeschätzt.

Als starke Verschlechterung im Bereich der bibliografischen Beschreibung wurden häufig die für Nutzer/innen schwer interpretierbaren Erscheinungsverläufe von fortlaufenden Ressourcen angeführt (vgl. Kap. 4.3). Als problematisch gilt insbesondere, wenn die Zählung nur aus alphanumerischen Angaben besteht, also kein Jahr mit dabei steht (z.B. „A-“ oder „Band 1-“). Kritisiert wurden außerdem Redundanzen, die sich durch das Übertragen ergeben (z.B. das Wort „Jahrgang“ sowohl vor als auch nach dem bis-Strich), sowie die exakte Übernahme von Bandbezeichnungen: „Verlage sind ja sehr kreativ, was Zählungen angeht. Ob das „volume“, „Band“ oder „Jahrgang“ heißt, ist dem Benutzer völlig egal, aber man muss es jetzt angeben.“ Nutzer/innen könnten auch durch scheinbare Inkonsistenzen irritiert werden, wenn beispielsweise das Wort „Jahrgang“ beim ersten Heft ausgeschrieben, aber beim letzten Heft abgekürzt sei (weil es eben einmal so und einmal so in der Vorlage stand). Auch wären die nach RDA erfassten Angaben sehr „umfangreich“ und „unübersichtlich verpackt“ – „so detailliert will es der Benutzer doch wahrscheinlich gar nicht“.

Auch an einigen anderen Stellen kann das Prinzip des genauen Übertragens in Konflikt mit den Nutzerbedürfnissen kommen. Genannt wurde hier das Abschreiben von Tippfehlern in Titeln, was für Benutzer/innen verwirrend sein dürfte. Eine Kollegin, die im Bereich Alte Drucke arbeitet, berichtete auch von negativen Rückmeldungen zur Umfangsangabe, die unter RDA oft einen ganzen Absatz lang werden kann (vgl. Kap, 4.3): „Da haben die Leser schon manchmal gefragt: Was ist das denn jetzt?“

Als positiv für die Nutzer/innen wurden einige Male die Anmerkungen erwähnt, in denen relativ frei zusätzliche Informationen gegeben werden können (vgl. Kap. 4.1). Auch in den Formangaben (vgl. Kap. 4.1) wurde Potenzial gesehen: „Wenn man die konsequent erfassen und auch im OPAC suchbar machen würde, würde das den Nutzern vermutlich schon etwas bringen.“

Häufig thematisiert wurde in den Gesprächen aber auch, dass das Mehr an Informationen und der Verzicht auf alle Abkürzungen für die Nutzer/innen zum Problem werden können, z.B.: „Ich weiß nicht, ob es für die Nutzer ein Vorteil ist, wenn die Aufnahmen so wesentlich länger sind, und ob die das wirklich lesen – es erschlägt einen ja auch.“ Insbesondere lange Verantwortlichkeitsangaben könnten leicht „unübersichtlich“ werden – hier kann man allerdings durch Anwendung der optionalen Weglassung gegensteuern.

Als problematisch gilt auch die durch den Regelswerksumstieg nochmals gestiegene Heterogenität der Daten: „Unser Katalog ist jetzt so ein Sammelsurium von Aufnahmen aus verschiedenen Regelwerkszeiten – da ist nichts einheitlich.“ Als nicht benutzerfreundlich wurde außerdem die Aufgabe der Serienverknüpfung genannt (vgl. Kap. 4.5) sowie in einigen Verbünden die veränderte Praxis bei Reproduktionen: Gemäß RDA wird für die Reproduktion eine eigene Beschreibung angelegt; die Angaben des Originals (z.B. der Erscheinungsvermerk) werden nur in Form einer Beziehung erfasst.22 Entsprechend erscheint etwa das Digitalisat eines Drucks aus dem 18. Jahrhundert im Katalog mit dem Erscheinungsjahr 2016. Die Sekundärausgaben nach RAK, bei denen sich die Beschreibung am Original orientierte, seien „aus Nutzersicht vorteilhafter“ gewesen.

Mehrfach wurde schließlich noch der Gedanke geäußert, dass die Benutzerfreundlichkeit „nicht am Regelwerk liegt, sondern an der Präsentation im jeweiligen Katalog“. Unter den Befragten zeigte sich hier eine gewisse Desillusionierung: Viele Katalogisierende haben das Gefühl, dass der von ihnen getriebene Aufwand in den Katalogen gar nicht ankommen würde, z.B.: „Unser OPAC schöpft das bei weitem nicht aus“, oder: „Es soll ja mal OPACs geben, die das bibliografische Universum darstellen können, aber unser OPAC stellt da herzlich wenig dar. Wann kommen die mal, diese wunderbaren OPACs?“ Gedacht wird hier insbesondere an eine komfortable Navigation im Sinne von FRBR, aber: „Von diesen FRBR-OPACs sind war ja noch meilenweit entfernt.“ Verbesserungen werden erst für eine entferntere Zukunft erwartet: „Ich fände es spannend, wenn diese ganzen Beziehungen hergestellt werden und die Daten so verknüpft sind, dass man richtig springen kann, was man dadurch für einen Mehrwert haben wird – aber das werde ich in meiner Dienstzeit nicht mehr erleben.“

Zu bedenken ist hier natürlich, dass für eine umfassende FRBRisierung der Kataloge auch die nach RAK erstellten Titelaufnahmen – die ja noch auf lange Zeit die Mehrheit im Datenbestand bilden werden – mit berücksichtigt werden müssen. Zumindest Beispiele für das Clustering von Manifestationen eines Werks (ganz unabhängig vom verwendeten Regelwerk) gibt es schon seit einiger Zeit, insbesondere in Resource Discovery Systemen.

5. Praktisches Arbeiten mit RDA

5.1. Aufwand

Neben der Bewertung einzelner Aspekte von RDA lag ein weiterer Schwerpunkt in den Fokusgruppengesprächen auf dem praktischen Arbeiten mit dem neuen Regelwerk. Von besonderem Interesse war dabei die Frage nach dem Aufwand im Vergleich zu RAK. Als Zielvorstellung hatte der Standardisierungsausschuss im Mai 2012 formuliert, „einen im Ergebnis kostenneutralen Stand zu erreichen“.23 Vor dem Hintergrund, dass in der angloamerikanischen Welt bei der Katalogisierung traditionell deutlich mehr Aufwand betrieben wird als im deutschsprachigen Raum,24 war dies eine durchaus ambitionierte Vorgabe. Umso interessanter ist es, Wunsch und Wirklichkeit miteinander zu vergleichen.

Allerdings hatten die Katalogisierenden zum Zeitpunkt der Befragung erst einige Monate (maximal ein gutes halbes Jahr) Erfahrung mit dem neuen Regelwerk gesammelt. Es lag auf der Hand, dass das Katalogisieren während dieser Phase schon deshalb langsamer gehen würde als früher, weil noch vieles zu überdenken und nachzuschauen war. Um diesen Faktor etwas auszugleichen, wurden die Gesprächspartner/innen insbesondere um eine Einschätzung für den Aufwand bei Standardfällen ohne besondere Probleme in ihrem jeweiligen Arbeitsbereich gebeten. Außerdem sollten sie ihre Erwartungen für die Zukunft äußern: Wenn sie einmal so routiniert mit RDA umgehen würden wie früher mit RAK – würde dann der Durchsatz beim Katalogisieren größer, kleiner oder ungefähr gleich sein?

Bei den Antworten waren die eher pessimistischen und die eher optimistischen Stimmen ungefähr gleich verteilt. Viele Kolleginnen und Kollegen sind überzeugt davon, dass es unter RDA „immer etwas länger dauern“ werde als bisher. Dem gegenüber steht die ebenfalls oft vertretene Meinung, dass zumindest bei Standardfällen der Aufwand schon jetzt nicht größer sei als früher: „Da haben wir dieselbe Schlagzahl.“ Für die Zukunft nimmt diese Gruppe der Befragten auch insgesamt denselben Aufwand an, z.B.: „Aus dem Bauch heraus würde ich sagen: Irgendwann ist der Durchlauf genauso groß.“ Der Gedanke, dass RDA den Aufwand verringere, wurde hingegen nur ganz selten geäußert. Eine Kollegin urteilte: „Es ist leichter und schneller geworden.“ Einige Male wurde außerdem eine Beschleunigung bei der Bearbeitung von E-Books erwähnt – insbesondere, weil man viele digital vorliegende Angaben nun einfach per Copy & Paste übernehmen könne und nicht mehr verändern müsse.

Unter RDA wird nichts mehr abgekürzt oder weggelassen; auch sind einige zusätzliche Felder zu belegen. Der dadurch entstehende erhöhte Schreibaufwand wurde immer wieder als Problem benannt, z.B.: „Man muss einfach viel, viel mehr schreiben.“ Nicht selten wurde jedoch auch die Meinung geäußert, dass dieser Mehraufwand kaum ins Gewicht falle: „Ob wir da jetzt zehn Anschläge mehr machen oder nicht… wir können ja alle schnell tippen.“ Wie aus den Antworten deutlich wurde, spielt es auch eine große Rolle, wie komfortabel das Katalogisieren in den Erfassungssystemen unterstützt wird (z.B. durch automatisches Einfügen von RDA-Kategorien, Tabellenfunktionen o.ä.). Teilweise wurde außerdem berichtet, dass durch selbst angelegte Vorlagen und Textbausteine beim Tippen Zeit gespart werde (z.B. bei der Illustrationsangabe oder bei den Erscheinungsorten häufig auftretender Verlage). Der Mehraufwand für das reine Schreiben werde außerdem – wie es einige Male hieß – dadurch ausgeglichen, dass man nicht mehr über Dinge wie Abkürzungen nachdenken müsse. Einige der Befragten erläuterten zudem, dass sie bei langen Verantwortlichkeitsangaben auch deshalb von der optionalen Weglassung Gebrauch machen würden, um den Schreibaufwand in Grenzen zu halten.25

Eine interessante Frage war, ob unter RDA tendenziell mehr Informationen erfasst werden als unter RAK. In der Tat gab die überwiegende Mehrheit der Befragten an, mehr zu erfassen als früher, z.B.: „Ich mache schon mehr – in dem Rahmen, in dem es zeitlich vertretbar ist und wo ich denke, das hat auch wirklich Sinn.“ Genannt wurde insbesondere das Erfassen zusätzlicher Personen, was als besonders hilfreich für die Nutzerinnen und Nutzer eingeschätzt wird (vgl. Kap. 4.8). Ebenfalls häufig angeführt wurden die Anmerkungen, die unter RDA sehr flexibel eingesetzt werden können (vgl. Kap. 4.1). Eine typische Ausage war: „Ich mache viel mehr Anmerkungen als früher, weil ich denke, dass die Benutzer mit diesen Informationen wirklich etwas anfangen können.“ Öfter genannt wurden außerdem Erscheinungsorte, Körperschaften und Formangaben.

Auffallend ist, wie pragmatisch die Katalogisierenden vorgehen. So ist das Vorhandensein eines Normdatensatzes ein wichtiges Kriterium bei der Entscheidung, ob eine Beziehung zu einer Person angelegt wird oder nicht. Denn der Aufwand für die bloße Verknüpfung ist natürlich viel geringer als der für das Anlegen eines neuen Personendatensatzes. Mehrfach wurde auch darauf hingewiesen, dass die Menge der erfassten Informationen nicht zuletzt vom aktuellen Arbeitsanfall abhängig sei – stehe mehr Zeit zur Verfügung, könnten auch mehr Informationen erfasst werden.

Die Tendenz, mehr Informationen als bisher zu erfassen, könnte – wie in einer Gesprächsrunde bemerkt wurde – auch mit den Schulungen zu tun haben. Denn in diesen wurde demonstriert, was mit RDA alles möglich ist und was alles erfasst werden kann. Eine Kollegin kommentierte: „Es ist im Grunde ja sehr viel fakultativ, und das wurde auch so geschult. Aber als Bibliothekar tendiert man halt dazu, alles ganz genau zu erfassen – und das fakultativ bleibt dann leicht auf der Strecke.“ Eine andere Kollegin merkte an, es gäbe eben solche und solche Katalogisierer/innen: Manche wollten schon immer möglichst viel erfassen, andere wären mit weniger zufrieden. Unter RDA hätten erstere nun wesentlich mehr Möglichkeiten als früher, und „manche neigen jetzt dazu, sich ein bisschen zu verzetteln“. In zwei Gesprächsrunden tauchte auch der Gedanke auf, dass die große Zahl der erfassten Informationen vielleicht nur ein Übergangsphänomen sei: „Ob wir das in zwei, drei Jahren auch noch so machen werden, weiß ich nicht.“

Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang auch, dass das sogenannte Standardelemente-Set bei der praktischen Arbeit so gut wie keine Rolle spielt. Im Standardelemente-Set ist festgelegt, welche Elemente im deutschsprachigen Raum stets erfasst werden sollen – zusätzlich zu den sogenannten Kernelementen, die schon vom Regelwerk her als verpflichtend vorgegeben sind.26 Hier wird also das Erschließungsniveau definiert, das bei der intellektuellen Erschließung von Ressourcen mindestens erbracht werden soll. In die Erarbeitung dieser Vorgaben ist viel Zeit und Mühe geflossen, und um manche Punkte wurde heftig gerungen.

Die Befragten gaben jedoch fast ausnahmslos an, sich in der alltäglichen Arbeit nicht oder nur ganz selten am Standardelemente-Set zu orientieren: „Die Rückkoppelung mit dem Standardelemente-Set findet in meinem Kopf eigentlich nicht statt“, oder „Ich wüsste keinen, der das Standardelemente-Set auf seinem Schreibtisch liegen hätte.“ Eher als Richtschnur dienen vorgefertigte Satzschablonen, z.B.: „Wir haben Schablonen mit den wichtigsten Feldern. Wenn man die ausgefüllt hat, gehe ich davon aus, dass das Standardelemente-Set erfüllt ist.“ Betont wurde auch die individuelle Entscheidung unter Berücksichtigung der Nutzersicht: „Ich nehme auf, was ich habe und für sinnvoll halte.“

Bei der Frage, wo unter RDA mehr Aufwand entstehe als unter RAK, wurde häufig darauf hingewiesen, dass unter RDA an vielen Stellen nach inhaltlichen Kriterien entschieden werden müsse, wo nach RAK rein formal vorgegangen wurde – beispielsweise bei der Frage, ob eine Körperschaft geistiger Schöpfer ist oder nicht (vgl. Kap. 4.5). Dies bedeute auch, dass es nicht mehr genüge, die Titelseiten anzusehen, sondern man z.B. Vorwörter lesen müsse – „das kann man eigentlich im Betrieb gar nicht leisten“.27 Hat man eine Ressource vor sich, deren Sprache man nicht versteht (vgl. Kap. 4.5), dürften solche Entscheidungen noch schwieriger zu treffen sein.

Auch bei den Normdaten für Körperschaften, insbesondere bei den Konferenzen, sei der Aufwand schon deshalb höher, weil unter RDA sehr viel mehr Dinge als Körperschaft betrachtet werden als unter RAK – beispielsweise Konferenzen ohne einen Konferenzbegriff im Namen (vgl. Kap. 4.6). Dramatisch sind die Änderungen auch bei Karten, wo nun sehr häufig der Verlag als geistiger Schöpfer gilt28 – und folglich ein Normdatensatz dafür angelegt werden muss. „Wenn ich da so einen kleinen Verlag ansetzen muss – das geht mir vielleicht auf die Nerven!“ Als weiterer Zeitfresser im Normdatenbereich wurde die Behandlung von Pseudonymen angeführt: „Pro Pseudonym ein Datensatz – das ist schon ein irrer Aufwand!“ Immerhin gibt es auch eine positive Ausnahme, nämlich die Abschaffung der Körperschaftsdatensätze für Einzelausstellungen (vgl. Kap. 4.6).

Für den Bereich der fortlaufenden Ressourcen wurde der Aufwand im Vergleich zu RAK ganz überwiegend als dauerhaft höher eingeschätzt. Neben den bereits geschilderten Schwierigkeiten beim Erscheinungsverlauf (vgl. Kap. 4.3) ergibt sich hier auch ein besonderer Aufwand dadurch, dass langfristig sowohl das alte als auch das neue Regelwerk nebeneinander angewendet werden müssen.

5.2. Nutzung von angloamerikanischen Fremddaten

Eine naheliegende Hoffnung ist, dass der aufgrund der Einführung von RDA an manchen Stellen entstehende Mehraufwand durch eine erleichterte Übernahme von angloamerikanischen Fremddaten mindestens kompensiert werden könne. Deshalb wurden die Gesprächsteilnehmer/innen auch nach ihren Erfahrungen mit der Verwendung von RDA-Daten angloamerikanischer Produzenten befragt. Allerdings hatte nur ein kleiner Teil der Befragten bereits öfter entsprechende Fremddaten übernommen. Auch scheinen zum Zeitpunkt der Befragung in manchen Fällen die Konverter noch nicht an die neue Situation angepasst gewesen zu sein. Aus einer Bibliothek wurde beispielsweise berichtet, dass die Angaben für Inhalts-, Medien- und Datenträgertypen bei der Übernahme in das eigene System „überhaupt nicht ankommen“, obwohl sie in den Ausgangsdaten gewiss vorhanden sind. Entsprechend stehen die im Folgenden zusammengefassten Aussagen unter einem gewissen Vorbehalt und sollten mit Vorsicht betrachtet werden. Es wird vermutlich noch etwas dauern, bis zu diesem Thema belastbare Daten vorliegen.

Nur aus vier der besuchten Bibliotheken gab es explizit positive Rückmeldungen. Genannt wurden dabei insbesondere Aufnahmen der Library of Congress, die „fast unkorrigiert“ übernommen werden könnten, sowie Verlags-Metadaten für E-Books. Bei letzteren sei der Aufwand für das Umarbeiten auf RDA deutlich geringer als früher für das Umarbeiten auf RAK – „und da ist noch viel Potenzial, wenn die Verlage mal wirklich gute RDA-Aufnahmen liefern“. Eine Kollegin fand angloamerikanische Fremddaten jetzt „ganz hübsch, weil man nicht mehr so arg viel tun müsse“. An Vorteilen wurden genannt: IMD-Angaben seien bereits vorhanden, ebenso Personen (teilweise mit Lebensdaten, die man für die eigene Normdatenarbeit übernehmen könne)29 inkl. Beziehungskennzeichnungen, Seitenzahlen und Illustrationen würden schon passen, und auch bei den Verantwortlichkeitsangaben sei weniger zu tun: „Man spart schon eine ganze Menge.“ Interessanterweise ist der Umgang mit englischsprachigen Angaben (z.B. Seitenzahlen als „pages“, Anmerkungen auf Englisch) dabei ganz uneinheitlich: Teilweise werden die Angaben einfach so belassen, teilweise ins Deutsche umgesetzt.

In den meisten Bibliotheken wurde hingegen die Meinung vertreten, dass der Aufwand bei der Fremddatenübernahme sich durch den RDA-Umstieg nicht wesentlich geändert habe, z.B.: „Dass es leichter geworden sein soll, ist mir noch nicht aufgefallen.“ Bemängelt wurde vor allem die schlechte Qualität der Fremddaten. Gerade für aktuelle Medien finde man bei der British Library oder im WorldCat nur „rudimentäre“ Aufnahmen, die „ganz stark überarbeitet werden“ müssten – das Umarbeiten sei dann langwieriger, als eine eigene Titelaufnahme zu machen. Im WorldCat sei es außerdem schon ein Problem, „dass man immer gleich 200 Treffer bekommt – dann lässt man es lieber sein.“ Dies ist natürlich kein RDA-Problem, erschwert aber nichtsdestoweniger die Nutzung angloamerikanischer Fremddaten.

5.3. Informationsquellen und Hilfsmittel

In den Gesprächsrunden wurde auch gefragt, mit welchen Informationsquellen und Hilfsmitteln bei der alltäglichen Katalogisierungstätigkeit gearbeitet wird und wie auftretende Fragen und Probleme gelöst werden. Das RDA Toolkit30 ist dabei definitiv nicht das Mittel der Wahl. Sehr viele Kolleginnen und Kollegen benutzen es selten oder gar nicht, z.B.: „Ich versuche es nach Möglichkeit zu vermeiden.“ Nur wenige Gesprächspartner gaben an, dass sie das Toolkit regelmäßig verwenden würden.

Nahezu einmütig war die Aussage, dass das Toolkit in der Anwendung sehr schwierig sei. Insbesondere das Finden der richtigen Stelle wird als mühsam und langwierig empfunden: Mit dem Inhaltsverzeichnis komme man nur zurecht, wenn man schon ziemlich gut mit RDA vertraut sei. Die Stichwortsuche ergebe zu viele Treffer oder gar keine – wenn z.B. noch mit der alten Terminologie gesucht wird oder weil wichtige Begriffe wie „Zusammenstellung“ oder „monografische Reihe“ im Regelwerk kaum vorkommen. Kritisiert wurde auch das Fehlen eines Registers.31 Auch die vielen Verweisungen innerhalb des Regelwerks bereiten Probleme: „Man ist da ja nur am Klicken“, brachte es eine Kollegin auf den Punkt. Häufig geäußert wurde der Gedanke, dass man sich aufgrund der vielen Verlinkungen im Toolkit geradezu verlieren könne, z.B.: „Man springt so von einer Stelle zur anderen, und irgendwann hat man völlig aus den Augen verloren, was man eigentlich angefangen hatte zu suchen.“ Eine große Ausnahme war ein Kollege, der sich mittlerweile im Toolkit recht problemlos zurecht findet: Er arbeitet mit persönlichen Lesezeichen, die er sich an den für ihn wichtigen Regelwerksstellen setzt.

Der Stil von RDA wird durchwegs als schwer verständlich empfunden: „Das ist wie das BGB“, oder „Das muss man fünf-, zehn-, fünfzehnmal lesen, um es wirklich zu verstehen.“ Als schwierig wird auch das Zusammenspiel zwischen dem eigentlichen Regelwerkstext und den „Anwendungsrichtlinien für den deutschsprachigen Raum“ (D-A-CH) empfunden: „Dann liest man sich die Stelle durch und dann sieht man den D-A-CH-Button und macht das auf – und dann ist eigentlich wieder alles ganz anders.“ Auch seien D-A-CH-Regelungen wie „Wenden Sie die Alternative an“ nicht wirklich hilfreich.

Häufig beklagt wurde außerdem, dass es keine Verbindung zwischen den abstrakten Regeln im Toolkit und der konkreten Umsetzung im eigenen Erfassungsformat gebe, z.B.: „Ich tue mich schwer, weil ich ein Ergebnis erwarte, wie ich wo was reinschreiben muss – und das steht im Toolkit nicht drin.“ Dies ist sicher auch einer der Gründe, warum stattdessen Dokumentationen der Verbünde (z.B. Katalogisierungsrichtlinie bzw. -handbuch, Formatbeschreibung, Feldhilfe) besonders intensiv genutzt werden. Für Katalogisierende im Bereich der fortlaufenden Ressourcen ist das zentrale Hilfsmittel die Formatbeschreibung der Zeitschriftendatenbank (ZDB).32 Diese wurde in den Gesprächen immer wieder als hervorragend benutzbar gelobt („Da sind wir wirklich verwöhnt!“). In der Beschreibung der Felder gibt es jeweils auch Links auf relevante Stellen in RDA und den D-A-CH.

Von großer Bedeutung in der täglichen Arbeit sind außerdem die für den RDA-Umstieg kooperativ erarbeiteten Schulungsunterlagen.33 Benutzt werden dabei primär die für den jeweiligen Verbund angepassten Versionen; diese wurden in einigen Bibliotheken nochmals auf die eigenen Bedürfnisse abgestimmt. Anders als im RDA Toolkit werden in den Schulungsunterlagen bestimmte Themenkomplexe im Zusammenhang behandelt: „In den Schulungsunterlagen sind einzelne Teilbereiche sinnvoll aufbereitet; das ist sehr hilfreich für mich.“ Positiv hervorgehoben wurden auch die Beispiele (in den Schulungsunterlagen selbst sowie in der begleitenden Beispielsammlung) und die Tatsache, dass die relevanten Toolkit-Stellen in den Schulungsunterlagen mit angegeben sind. Manche Kolleginnen und Kollegen arbeiten mit Ausdrucken der Schulungsunterlagen, überwiegend werden jedoch die elektronischen Dokumente verwendet. Als problematisch wird empfunden, dass die verbundspezifischen Schulungsunterlagen teilweise nicht mehr aktualisiert werden. Bei den Praktikern besteht der große Wunsch, dauerhaft auf aktuelle und an die eigene Situation angepasste Schulungsunterlagen zugreifen zu können.

Mehrfach als Hilfsmittel genannt wurden des Weiteren das Lehrbuch „Basiswissen RDA“34 und seine Begleitwebsite,35 außerdem weiterführende Hilfsmittel der Verbünde in deren Webangeboten (z.B. Wikis, E-Learning-Bereiche). Einige Male wurde bemängelt, dass die Informationssuche aufgrund der Vielzahl der in Frage kommenden Informationsquellen komplizierter geworden sei: „Ich bin oft am Überlegen: Wo finde ich die benötigte Information jetzt am schnellsten oder am besten zusammengefasst? Das ist mitunter zeitaufwendig.“

Die allerersten Anlaufstellen sind jedoch – wie in den Gesprächen immer wieder deutlich wurde –nicht schriftliche Informationsquellen, sondern vielmehr Menschen: zum einen die Kolleginnen und Kollegen, die im selben Büro oder auf demselben Gang sitzen; zum anderen solche, die als besonders „RDA-kompetent“ eingeschätzt werden (insbesondere Multiplikatorinnen und Multiplikatoren): „Erst versucht man es im kleinen Kollegenkreis: Wie legst du das aus? Aber die Schulenden sind immer für Fragen offen, und das ist das Wichtige: Dass man nicht das Gefühl hat, jetzt sitze ich ganz alleine.“ Im Rahmen der Fokusgruppengespräche wurden freilich nur größere Häuser besucht, in denen es immer jemanden gibt, den man fragen kann. In kleinen Bibliotheken, wo die Katalogisierenden auf sich alleine gestellt sind, sieht dies vermutlich ganz anders aus.

Bemerkenswert ist, wie viele Katalogisierende selbst aktiv werden und sich eine eigene Dokumentation aufbauen. Zwar wurde nur gelegentlich von selbstgemachten Übersichten, Karteikartensystemen und ähnlichem berichtet. Weit verbreitet sind jedoch Beispielsammlungen. Es handelt sich dabei entweder um persönliche Sammlungen einzelner Katalogisierender oder um Sammlungen, die für eine größere Gruppe zugänglich sind, z.B. für ein Team oder für die gesamte Medienbearbeitung einer Bibliothek. Typischerweise werden Beispiele für besondere oder schwierige Fälle zusammengetragen, deren Lösung man alleine oder gemeinsam erarbeitet hat und die von einer als RDA-kompetent eingeschätzten Person „abgesegnet“ wurde. Solche Beispiele werden meist ausgedruckt, ggf. kommentiert und nach bestimmten Schlagwörtern geordnet in einem Ordner abgelegt. Auch digitale Ablagen kommen vor, z.B. in einem Wiki.

Häufig wurde darauf hingewiesen, wie wichtig das Arbeiten nach Beispielen in der Praxis sei: „Sich an einem Beispiel zu orientieren geht viel schneller, als sich das alles im Regelwerk durchzulesen.“ Entsprechend wünschen sich viele der Befragten auch eine Ausweitung der vorhandenen öffentlichen Beispielsammlungen. Eine solche bietet etwa die Universitätsbibliothek Regensburg an: Ihre Sammlung umfasst knapp 70 nach RDA katalogisierte Beispiele im Aleph-Format, jeweils inklusive Scans der Ressource.36 Vorstellbar wäre auch, die vielen persönlichen Beispielsammlungen an zentraler Stelle zusammenzuführen und verfügbar zu machen – z.B. auf einer kooperativ geführten Online-Plattform. Allerdings wären für ein solches Projekt verschiedene Fragen zu lösen.37

5.4. Umgang mit Änderungen im Standard

Die RAK waren über viele Jahren hinweg sozusagen „eingefroren“ gewesen. Zwar gab es dennoch immer wieder Veränderungen in der Katalogisierungspraxis (z.B. bei Verbundpraktiken), und auch die Einführung der Gemeinsamen Normdatei (GND) im Jahr 2012 brachte erhebliche Neuerungen mit sich. Die Dynamik von RDA bewegt sich jedoch in einer ganz anderen Dimension.38 Beim regulären Änderungsverfahren gibt es jährlich vier Updates der Inhalte im RDA Toolkit. Bei jedem dieser Updates fallen kleinere Änderungen an, einmal im Jahr außerdem größere Änderungen als Ergebnis des sogenannten Proposal-Verfahrens.39 Das „Update Summary“ im RDA Toolkit listet beispielsweise für das Jahr 2015 nicht weniger als 453 Änderungen auf – und dies waren nur die „significant changes“. Änderungen im Standard selbst ziehen häufig auch Änderungen an den D-A-CH nach sich. In der ersten Phase nach dem Regelwerksumstieg mussten außerdem an manchen Stellen noch D-A-CH-Regelungen geändert oder ergänzt werden, um auf Anforderungen oder Fragen zu reagieren, die erst bei der praktischen Arbeit mit RDA aufgetreten waren.

Vor diesem Hintergrund wurden die Gesprächspartner/innen gefragt, wie sie zu den vielen Änderungen in RDA stehen – sei dies eher positiv oder eher erschreckend? Die überwiegende Haltung der Befragten war, dass Änderungen etwas ganz Normales seien: „So ist das Leben. Wir müssen flexibel bleiben in unserem Beruf.“ Dass RDA so dynamisch ist, sei an sich nicht schlecht – zumal wenn sich durch die Änderungen Verbesserungen ergäben und wenn die Neuerungen nachvollziehbar seien. Eine Kollegin fasste es so zusammen: „Ein starres Regelwerk bringt uns nichts; es sollte schon leben und Veränderungsprozesse aufnehmen.“ Es gab aber auch einige kritische Stimmen: Es sei „schwierig, dass wir immer so im Fluss sein werden“, oder „Es hält einen immer auf, deshalb wäre es auch mal schön, wenn sich mal eine Weile nichts ändern würde.“ Größere Änderungen brächten immer wieder Verunsicherungen mit sich; auch erzeuge jede Änderung sozusagen „neue Altdaten“.

Die größte Schwierigkeit wurde fast ausnahmslos darin gesehen, wie die Neuerungen kommuniziert werden: „Man muss eine Routine finden, wie diese Änderungen auch bis zum letzten Mitarbeiter in der Bibliothek durchdringen.“ Ein wichtiger Aspekt sei dabei: „Muss ich’s mir holen oder wird’s mir gebracht?“ Optimal wäre es, „wenn man den Rechner anschaltet und der sagt: Hier, guck mal, da hat sich was geändert!‘“. Als Anregung könnte hier „WebDewey dienen, der Webdienst für die Dewey-Dezimalklassifikation.40 Aktualisierungen (z.B. neue oder geänderte Klassen) sind dort in einem eigenen Bereich abrufbar. Man kann das System beispielsweise so einstellen, dass jeweils alle Änderungen angezeigt werden, die sich seit dem letzten Login ergeben haben. Ebenso ist es möglich, nur Änderungen in ausgewählten Bereichen der Klassifikation abzurufen.41

Wie in den Gesprächen deutlich wurde, gibt es derzeit kein einheitliches Verfahren für die Kommunikation von Änderungen. Als problematisch wurde teilweise die Vielfalt der Informationswege (z.B. unterschiedliche Blogs und Mailinglisten) und die Menge der anfallenden Informationen eingeschätzt: „Man wird derzeit richtig bombardiert mit E-Mails, und da auf dem Laufenden zu bleiben bedarf ganz schön viel Arbeit.“ Es sei schwierig, sich neben der normalen Arbeit die Zeit zu nehmen, um sich zu informieren – zumal man ja die Informationen erst einmal sichten müsse und „die Sachen herauspicken, die man wirklich braucht“. Besonders problematisch ist dies, wenn die eigentliche Katalogisierung nur einen relativ geringen Teil der täglichen Arbeit ausmacht. Eine Kollegin beschrieb ihre Situation so: „Dafür, dass ich nicht sehr viel katalogisiere, ist der Aufwand, diese Änderungen nachzutragen und alle Mails durchzulesen, viel zu hoch – da komme ich überhaupt nicht dazu.“

In manchen Bibliotheken nehmen einzelne Personen, z.B. Multiplikatorinnen und Multiplikatoren, eine Art Filterfunktion wahr: Sie trennen die wichtigen von den weniger wichtigen Informationen, informieren an zentraler Stelle (z.B. in der Katalogisierungsbesprechung) über das, was alle angeht, und geben bestimmte Informationen nur an einzelne Personen weiter. Solche Systeme scheinen – wie in den Gesprächen deutlich wurde – relativ gut zu funktionieren.

Es wurde aber auch darauf hingewiesen, dass die einmalige Kommunikation einer Änderung unter Umständen gar nicht ausreiche: „Wenn eine Änderung etwas betrifft, was ich täglich mache, dann ist das völlig unproblematisch. Aber wenn es etwas ist, was ich nur ganz selten habe, dann habe ich im besten Falle im Kopf: Da war doch was! Aber im schlechtesten Falle habe ich es gar nicht zur Kenntnis genommen.“ Und eine Kollegin stellte fest: „Wenn ich sicher bin, dass ich weiß, wie etwas funktioniert, komme ich überhaupt nicht auf die Idee, nochmal nachzugucken.“

Bei der Bewertung dieser Aussagen ist zu bedenken, dass die Fokusgruppengespräche in einer Phase stattfanden, in der es gerade bei den Anwendungsrichtlinien besonders viele Änderungen gab. Dennoch ist auch mittel- und langfristig mit regelmäßigen Änderungen im Standard zu rechnen. Wie sich in den Gesprächen zeigte, hat man darauf bisher typischerweise mit Ad-hoc-Lösungen reagiert, die besser oder schlechter funktionieren. Für die Zukunft wäre es wichtig, nachhaltige Strategien und ggf. auch neue Werkzeuge zu entwickeln. Das Ziel muss es sein, einerseits den Aufwand für die Rezeption von Änderungen auf der Arbeitsebene möglichst gering zu halten und andererseits dafür zu sorgen, dass geänderte Regelungen von möglichst vielen Katalogisierenden wirklich wahrgenommen und umgesetzt werden.

6. Fazit

Die Ergebnisse der Fokusgruppengespräche können zwangsläufig nur eine Momentaufnahme sein. Der Zeitpunkt der Befragung lag dabei relativ früh; manches, was in den Gesprächen als Problem gesehen wurde, wird vielleicht ein oder zwei Jahre später anders eingeschätzt werden. Auch wurde nur eine bestimmte Zielgruppe – Katalogisierende an großen wissenschaftlichen Bibliotheken – befragt. Dennoch hat die Auswertung eine Vielzahl von größeren und kleineren Einsichten ergeben.

Wie sich in den Gesprächen zeigte, stehen die Gesprächsteilnehmer/innen dem neuen Regelwerk durchaus aufgeschlossen gegenüber. Das alte Vorurteil, dass Katalogisierer/innen grundsätzlich am Bestehenden festhalten wollen, hat sich nicht bestätigt – ganz im Gegenteil hätten sich nicht wenige der Befragten vom Regelwerksumstieg eine umfassendere Modernisierung erhofft. Die Vor- und Nachteile von RDA werden von den Praktikerinnen und Praktikern nüchtern beurteilt: Die als positiv empfundenen Aspekte werden sehr gerne angenommen. Und wo Kritik am neuen Standard geäußert wird, wird diese stets sachlich begründet.

Insgesamt gab es deutlich mehr Zustimmung zu RDA, als die Verfasserin erwartet hatte. Überraschend war jedoch die außerordentlich große Unzufriedenheit mit den neuen Regelungen für die Zählung bei fortlaufenden Ressourcen. Angesichts der starken Kritik sollten nach Ansicht der Verfasserin die Regelungen noch einmal grundsätzlich überprüft werden. In den Gesprächen wurden außerdem einige Problembereiche offensichtlich – insbesondere beim Erfassen der Werkebene –, die vielleicht in den Schulungen zu kurz gekommen sind.

Wie aufwendig die Katalogisierung unter RDA im Vergleich zum früheren Regelwerk ist, ist derzeit noch schwer zu beurteilen. Klar wurde aber, dass an nicht wenigen Stellen Mehraufwände entstehen. Umso erfreulicher ist es, dass dennoch viele Praktikerinnen und Praktiker zuversichtlich sind, mittelfristig auf einen ähnlichen Durchsatz zu kommen wie unter RAK. Eine wichtige Aufgabe für die Verbundzentralen besteht darin, die Katalogisierungstätigkeit so gut wie möglich zu unterstützen – beispielsweise durch intelligente Erfassungs-Tools und möglichst gute Konverter für die Übernahme angloamerikanischer Fremddaten. Zum Zeitpunkt der Gespräche waren hier sicher noch nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft.

Ein weiteres wichtiges Ergebnis der Gespräche war, dass das RDA Toolkit – zumindest in seinem jetzigen Zustand – nicht dafür geeignet ist, die Rolle eines zentralen Informationsmittels einzunehmen. Ob sich dies nach dem für 2018 geplanten Relaunch ändern wird, bleibt abzuwarten.42 Einstweilen stellen die Schulungsunterlagen der AG RDA ein besonders wichtiges Hilfsmittel dar; sie sollten deshalb auch weiterhin regelmäßig gepflegt werden. Gleichzeitig müssen Strategien erarbeitet werden, um die inhärente Dynamik von RDA beherrschbar zu machen. Dazu gehört auch die Entwicklung von Werkzeugen, mit denen die Katalogisierenden schnell und effizient auf dem Laufenden gehalten werden können.

Mit dem Umstieg auf RDA hat sich auch die „Katalogisierungs-Kultur“ merklich verändert: Entsprechend der angloamerikanischen Tradition spielt das Cataloger’s Judgment eine große Rolle; auch sind viele Entscheidungen nicht mehr nach rein formalen, sondern nach inhaltlichen Kriterien zu treffen. Das Erstellen von Eigenkatalogisaten wird dadurch tendenziell komplexer und anspruchsvoller.

Der RDA-Umstieg in den deutschsprachigen Ländern war ein Projekt von gewaltigem Umfang, in das erhebliche Ressourcen investiert wurden. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Beitrags werden die Katalogisierenden eineinviertel bis eineinhalb Jahre Erfahrungen mit dem neuen Regelwerk gesammelt haben. Es wäre wünschenswert, zu gegebener Zeit im Rahmen einer ausführlichen Evaluation zu untersuchen, inwieweit die gesetzten Ziele erreicht worden sind.

Literatur:

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Arbeitsstelle Standardisierung. 21. Sitzung des Standardisierungsausschusses. 31. Mai 2012. Frankfurt am Main: Deutsche Nationalbibliothek, 2012. Zuletzt geprüft am 29.12.2016. http://www.dnb.de/SharedDocs/Downloads/DE/DNB/standardisierung/protokolle/pSta20120531v.html.

Basiswissen RDA – die Begleitwebsite zum Lehrbuch. Zuletzt geprüft am 29.12.2016. https://www.basiswissen-rda.de/.

Basiswissen RDA (Blog). http://www.basiswissen-rda.de/blog/.

Bibliotheksverbund Bayern. „Beispielsammlung UBR.“ Zuletzt geprüft am 29.12.2016. http://www.bib-bvb.de/web/kkb-online/rda-beispielsammlung-ubr.

Deutsche Nationalbibliothek. „Standardelemente-Set für den deutschsprachigen Raum.“ Zuletzt geprüft am 29.12.2016. https://wiki.dnb.de/x/mBLSBg.

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Pfeifer, Barbara und Renate Polak-Bennemann. „Zusammenführen was zusammengehört: Intellektuelle und automatische Erfassung von Werken nach RDA.“ o-bib 3, Nr. 4 (2016): 144-155. http://dx.doi.org/10.5282/o-bib/2016H4S144-155.

RDA Toolkit. Chicago u.a.: ALA u.a., 2010ff. Zuletzt geprüft am 29.12.2016. http://www.rdatoolkit.org/.

Scheven, Esther und Barbara Pfeifer. Zusammenarbeit zwischen Formalerschließung und Inhaltserschließung am Beispiel der Formangaben. Vortrag auf dem 104. Deutschen Bibliothekartag in Nürnberg am 28.05.2015. http://nbn-resolving.de/urn/resolver.pl?urn:nbn:de:0290-opus4-19828.

Wiesenmüller, Heidrun. Baustelle RDA – die Dynamik des Regelwerks als Herausforderung. Vortrag auf dem Kongress BIS in Luzern am 01.09.2016. Zuletzt geprüft am 29.12.2016. http://www.bis.ch/fileadmin/ressourcen/kongress/2016_luzern/Referate/Wiesenmueller_Baustelle_RDA.pdf.

Wiesenmüller, Heidrun. „Das neue Regelwerk ‘Resource Description and Access’ (RDA): Zwischen Wunsch und Wirklichkeit.“ In Die neue Bibliothek – Anspruch und Wirklichkeit. 31. Österreichischer Bibliothekartag, Innsbruck 2011, herausgegeben von Klaus Niedermair. 274-282. Graz, Feldkirch: Neugebauer, 2012. Zuletzt geprüft am 29.12.2016. http://hdl.handle.net/10760/23149.

Wiesenmüller, Heidrun. „Zeitenwende in der Katalogisierung – vom RAK- zum RDA-Unterricht.“ In Strategien für die Bibliothek als Ort. Festschrift für Petra Hauke zum 70. Geburtstag, herausgegeben von Konrad Umlauf, Klaus-Ulrich Werner und Andrea Kaufmann, 297-316. Berlin u.a.: De Gruyter Saur, 2017.

Wiesenmüller, Heidrun und Silke Horny. Basiswissen RDA. Eine Einführung für deutschsprachige Anwender. Berlin u.a.: De Gruyter Saur, 2015.

ZDB. „ZDB-Format.“ Zuletzt geprüft am 29.12.2016. http://www.zeitschriftendatenbank.de/erschliessung/arbeitsunterlagen/zdbformat/.

ZDB. „ZDB-RDA-Schulungsunterlagen.“ Zuletzt geprüft am 29.12.2016. http://www.zeitschriftendatenbank.de/schulungen/schulungsunterlagen/.


1 Bei der Terminierung musste u.a. die Lage der Schulferien in den einzelnen Bundesländern beachtet werden.

2 Teilweise wurde an dieser Stelle bereits der Aufwand thematisiert oder es wurden einzelne Details angesprochen; diese Aussagen werden in Kap. 4 und 5 behandelt.

3 Gemäß dem Konzept der zusammengesetzten Beschreibung werden weiterhin Titeldatensätze angelegt, welche Elemente aus mehreren Ebenen der „Functional Requirements for Bibliographic Records“ (FRBR) in sich vereinigen, d.h. es wird nicht jeweils ein eigener Datensatz für das Werk, die Expression und die Manifestation angelegt. Vgl. Heidrun Wiesenmüller und Silke Horny, Basiswissen RDA. Eine Einführung für deutschsprachige Anwender (Berlin u.a.: De Gruyter Saur, 2015), 120-122.

4 Zu FRBR vgl. Wiesenmüller und Horny, Basiswissen RDA, 17-22.

5 Vgl. Heidrun Wiesenmüller, „Zeitenwende in der Katalogisierung – vom RAK- zum RDA-Unterricht,“ in Strategien für die Bibliothek als Ort. Festschrift für Petra Hauke zum 70. Geburtstag, hrsg. Konrad Umlauf, Klaus-Ulrich Werner und Andrea Kaufmann, (Berlin u.a.: De Gruyter Saur, 2017), 314.

6 Vgl. ausführlich zu den Formangaben: Esther Scheven und Barbara Pfeifer, Zusammenarbeit zwischen Formalerschließung und Inhaltserschließung am Beispiel der Formangaben, Vortrag auf dem 104. Deutschen Bibliothekartag in Nürnberg am 28.05.2015, zuletzt geprüft am 29.12.2016, http://nbn-resolving.de/urn/resolver.pl?urn:nbn:de:0290-opus4-19828.

7 Vgl. Wiesenmüller und Horny, Basiswissen RDA, 34-39.

8 Ein weiterer Grund für die Anwendung der optionalen Weglassung ist die Begrenzung des Aufwands, vgl. Kap. 5.1.

9 Für Beispiele vgl. „Schulungsunterlagen der AG RDA,“ zuletzt geprüft am 29.12.2016, https://wiki.dnb.de/display/RDAINFO/Schulungsunterlagen+der+AG+RDA, hier Modul 6AD, Teil 4 (Umfang von Text, Buchformat, illustrierender Inhalt und Farbinhalt).

10 Vgl. „ZDB-RDA-Schulungsunterlagen,“ zuletzt geprüft am 29.12.2016, http://www.zeitschriftendatenbank.de/schulungen/schulungsunterlagen/, hier „Umgang der ZDB mit RAK-Daten“.

11 Vgl. „Schulungsunterlagen der AG RDA“, hier Modul 5B, Teil 6 (Zählung).

12 Der Anfang ist hier noch nach RAK erfasst, das Ende nach RDA. Auf der Ressource ist nur die alphanumerische Bezeichnung „30“ angegeben, aber keine chronologische Bezeichnung. Da diese auch nicht ergänzt wird, sieht man im Erscheinungsverlauf auch nicht mehr, bis zu welchem Jahr die Zeitschrift lief.

13 Barbara Pfeifer und Renate Polak-Bennemann, „Zusammenführen was zusammengehört: Intellektuelle und automatische Erfassung von Werken nach RDA,“ o-bib 3, Nr. 4 (2016): 145, http://dx.doi.org/10.5282/o-bib/2016H4S144-155. Für eine ausführliche Diskussion der Werkebene vgl. ebd., 144-155.

14 In der Deutschen Nationalbibliothek (DNB) wird hingegen sehr stark auf das Verknüpfen mit Normdatensätzen gesetzt, vgl. ebd., 147: Es „werden in jedem Fall vorhandene GND-Normdatensätze für Werke in der Formalerschließung mit dem Katalogisat verknüpft, wenn die Suche in der GND erfolgreich ist. Ist noch kein Normdatensatz für das Werk vorhanden, so ist es den Katalogisierenden freigestellt, ob sie einen neuen Werknormdatensatz anlegen oder die Angaben zum Werk als Volltext im Katalogisat angeben.“

15 Vgl. „Schulungsunterlagen der AG RDA“, hier Modul 5A, Teil 8 (Körperschaften als geistige Schöpfer).

16 Vgl. zu diesem Thema ausführlich Heidrun Wiesenmüller, „Monografische Reihen: Abschaffung der hierarchischen Beschreibung?,“ Basiswissen RDA (Blog), 10. Juni 2016, zuletzt geprüft am 29.12.2016, https://www.basiswissen-rda.de/2016/06/10/monografische-reihen-abschaffung-der-hierarchischen-beschreibung/.

17 Vgl. „Schulungsunterlagen der AG RDA“, hier Modul 5A, Teil 7 (Konferenzen).

18 Vgl. ebd., hier Modul 5A, Teil 6 (Bildbände, Kunst- und Ausstellungsmaterialien).

19 Vgl. ebd.

20 Vgl. ebd., hier Modul 5A, Teil 2 (Zusammenstellungen).

21 Über sogenannte „Mailboxen“ wird die Kommunikation zwischen Katalogisierenden innerhalb des Pica-Systems abgewickelt.

22 Vgl. „Schulungsunterlagen der AG RDA“, hier Modul 5A, Teil 5 (Reproduktionen). Im BVB wird allerdings eine andere Praxis angewendet: Hier wird die Beschreibung für das Original mit Informationen zum Digitalisat angereichert (d.h. es gibt nur eine einzige Aufnahme für beide Manifestationen).

23 Arbeitsstelle Standardisierung, 21. Sitzung des Standardisierungsausschusses, 31. Mai 2012 (Frankfurt am Main: Deutsche Nationalbibliothek, 2012), 8, zuletzt geprüft am 29.12.2016, http://www.dnb.de/SharedDocs/Downloads/DE/DNB/standardisierung/protokolle/pSta20120531v.html.

24 Vgl. Wiesenmüller, Heidrun, „Das neue Regelwerk ‘Resource Description and Access’ (RDA): Zwischen Wunsch und Wirklichkeit,“ in Die neue Bibliothek – Anspruch und Wirklichkeit. 31. Österreichischer Bibliothekartag, Innsbruck 2011, hrsg. Klaus Niedermair (Graz, Feldkirch: Neugebauer, 2012), 274-275, zuletzt geprüft am 29.12.2016, http://hdl.handle.net/10760/23149.

25 Ein weiterer Grund für die Anwendung der optionalen Weglassung ist die Nutzerfreundlichkeit, vgl. Kap. 4.2 und 4.8.

26 „Standardelemente-Set für den deutschsprachigen Raum,“ Deutsche Nationalbibliothek, zuletzt geprüft am 29.12.2016, https://wiki.dnb.de/x/mBLSBg.

27 Dies stellt übrigens auch ein besonderes Problem in Fällen dar, in denen keine autoptische Katalogisierung möglich ist (z.B. wenn in der Zentralbibliothek auf der Basis von Titelblattkopien für Institute katalogisiert wird).

28 Vgl. „Schulungsunterlagen der AG RDA“, hier Modul 6K (Karten).

29 Typischerweise müssen die Verknüpfungen zu den deutschen Normdaten händisch gemacht werden; ggf. sind auch neue Normdatensätze in der Gemeinsamen Normdatei (GND) zu erstellen. Zwar gibt es schon seit langem eine große, internationale Konkordanz zwischen den verschiedenen Normdateien, den „Virtual International Authority File“ (VIAF, http://viaf.org/). Nach Kenntnis der Verfasserin wird diese bisher jedoch in keinem deutschen Verbund im Rahmen der Fremddatenübernahme in der Weise nutzbar gemacht, dass die in den Fremddaten vorhandenen Beziehungen automatisiert in Verknüpfungen zu den entsprechenden deutschen Normdaten umgesetzt würden.

30 RDA Toolkit (Chicago u.a.: ALA u.a., 2010 ff.), zuletzt geprüft am 29.12.2016, http://www.rdatoolkit.org/.

31 Ein solches war ursprünglich vorhanden gewesen, wurde aber vor einiger Zeit abgeschafft, weil man davon ausging, dass es nicht mehr benötigt werde.

32 „ZDB-Format,“ zuletzt geprüft am 29.12.2016, http://www.zeitschriftendatenbank.de/erschliessung/arbeitsunterlagen/zdbformat/.

33 Vgl. „Schulungsunterlagen der AG RDA“.

34 Wiesenmüller und Horny, Basiswissen RDA.

35 Basiswissen RDA – die Begleitwebsite zum Lehrbuch, zuletzt geprüft am 29.12.2016, http://www.basiswissen-rda.de/.

36 „Beispielsammlung UBR,“ Bibliotheksverbund Bayern, zuletzt geprüft am 29.12.2016, http://www.bib-bvb.de/web/kkb-online/rda-beispielsammlung-ubr.

37 Z.B. der Umgang mit unterschiedlichen Formaten, die Qualitätssicherung und das Vorgehen bei Regelwerksänderungen.

38 Vgl. zum Folgenden: Heidrun Wiesenmüller, Baustelle RDA – die Dynamik des Regelwerks als Herausforderung, Vortrag auf dem Kongress BIS in Luzern am 01.09.2016, zuletzt geprüft am 29.12.2016, http://www.bis.ch/fileadmin/ressourcen/kongress/2016_luzern/Referate/Wiesenmueller_Baustelle_RDA.pdf.

39 Im Herbst 2016 wurde außerdem angekündigt, dass RDA bis 2018 stark überarbeitet werden soll, um es mit dem „Library Reference Model“ (LRM), dem Nachfolger der FRBR, in Einklang zu bringen, vgl. Heidrun Wiesenmüller, „RSC Meeting in Frankfurt (Teil 2),“ Basiswissen RDA (Blog), 17. November 2016, zuletzt geprüft am 29.12.2016, https://www.basiswissen-rda.de/2016/11/17/rsc-meeting-in-frankfurt-teil-2/. Zum Zeitpunkt der Fokusgruppengespräche war dies aber noch nicht bekannt.

40 „WebDewey Deutsch,“ OCLC, zuletzt geprüft am 29.12.2016, http://deweyde.pansoft.de/.

41 Für Screenshots vgl. Wiesenmüller, Baustelle RDA, 27-28.

42 Vgl. Heidrun Wiesenmüller, „3R-Projekt: Redesign des RDA Toolkit,“ Basiswissen RDA (Blog), 15. Oktober 2016, zuletzt geprüft am 29.12.2016, https://www.basiswissen-rda.de/2016/10/15/3r-projekt-redesign-des-rda-toolkit/.

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