MALIS Reloaded

Der berufsbegleitende Masterstudiengang „Bibliotheks- und Informationswissenschaft“ der TH Köln präsentiert sich mit einem neuen Curriculum

Einleitung

Der Beitrag stellt die Ausgangslage, den Reformprozess und das Ergebnis der Studienreform des berufsbegleitenden Masterstudiengangs „Bibliotheks- und Informationswissenschaft“ (Master in Library and Information Science – kurz MALIS)1 der TH Köln im Jahr 2020 dar. In diesem Prozess wurde Expertise aus Wissenschaft und Praxis in einem konzentrierten mehrstufigen Verfahren in die Entwicklung des Absolventenprofils und, davon abgeleitet, des neuen Curriculums einbezogen. Das Ergebnis ist ein Studiengang, der sich inhaltlich, strukturell und auch in methodischer Hinsicht deutlich von seinem Vorgängermodell unterscheidet und der noch konsequenter auf die sich im Zuge der digitalen Transformation dynamisch verändernden Anforderungen und Bedarfe des bibliotheks- und informationswissenschaftlichen Berufsfeldes ausgerichtet ist.

Ausgangslage

Seit dem Jahr 2009 bietet das Institut für Informationswissenschaft der TH Köln den viersemestrigen Masterstudiengang Bibliotheks- und Informationswissenschaft (MALIS) als berufsbegleitenden Weiterbildungsstudiengang im Blended-Learning-Format an. Das Curriculum wurde seither kontinuierlich aktualisiert und dabei an neue fachliche Standards sowie an sich verändernde Bedarfe des Zielarbeitsmarktes angepasst.2 In Vorbereitung der im Jahr 2020 anstehenden Reakkreditierung des Studiengangs im Rahmen der Systemakkreditierung der TH Köln fiel der Beschluss, ihn nach einer Laufzeit von derzeit zehn Jahren einer systematischen Gesamtüberprüfung zu unterziehen. Neben dem äußeren Anlass der Reakkreditierung war dabei vor allem das Motiv leitend, den Studiengang mit Blick auf die digitale Transformation und die damit verbundenen neuen Anforderungen an Führungs- und Leitungsfunktionen in Bibliotheken und anderen Informationseinrichtungen zukunftsfähig auszurichten. Bevor der in seiner Struktur und Methodik sicher auch für andere Studiengänge interessante Reformprozess beschrieben wird, sei kurz die Spezifik des MALIS-Studiengangs dargestellt.

Eines der wesentlichen Profilmerkmale des MALIS-Studiengangs liegt – im Unterschied zum Bibliotheksreferendariat, das ebenfalls für den höheren Dienst qualifiziert – darin, dass er auf zwei Zielgruppen ausgerichtet ist:

  • 1. Hochschulabsolvent*innen einer beliebigen Fachdisziplin, die sich nach ihrem Erststudium mit einer informationswissenschaftlichen Zusatzqualifikation auf spezialisierte Fachaufgaben und / oder leitende Funktionen in einer wissenschaftlichen bzw. öffentlichen Bibliothek oder einer anderen, auch privatwirtschaftlich organisierten Informationseinrichtung vorbereiten möchten.
  • 2. Bibliothekar*innen (Diplom, Bachelor) sowie andere Informationsspezialist*innen mit LIS-fachlich affinem Studienabschluss, die nach einer längeren Praxisphase ihr Know-how auf den neuesten Stand bringen wollen und verbunden mit fachlichen Vertiefungen eine Höherqualifizierung anstreben.

Die Zulassungsvoraussetzung für beide Zielgruppen ist – neben einem ersten Hochschulabschluss – eine mindestens zwölfmonatige berufspraktische Tätigkeit, von der mindestens zwei Monate in einem bibliotheks- und informationswissenschaftlichen Arbeitskontext erfolgt sein müssen. Bewerber*innen, die diese Voraussetzung erfüllen, werden zu einem Assessment-Verfahren an die TH Köln eingeladen. In diesem Verfahren wird anhand von berufsfeldbezogenen Aufgabenstellungen überprüft, ob die formal nachgewiesene Praxiserfahrung die Bewerber*innen dazu befähigt, sich qualifiziert, differenziert und kritisch zu aktuellen fachlichen Fragen zu äußern, lösungsorientiert Problemstellungen zu erarbeiten und dabei sowohl individuell als auch im Team souverän zu agieren. Da im MALIS-Studiengang pro Jahr nur maximal 30 Studienplätze vergeben werden, die Zahl der zum Assessment-Verfahren zugelassenen Bewerber*innen jedoch stets deutlich höher ist, haben nur die besten 30 Bewerber*innen die Chance, zum Studiengang zugelassen zu werden. Denjenigen, die sich im Assessment-Verfahren für die Zulassung qualifizieren, wird ihre nachgewiesene berufspraktische Tätigkeit im Umfang von 28 Credit Points anerkannt.3

Weitere Strukturmerkmale des MALIS-Studiengangs bestehen in dem starken Praxisbezug, der sich sowohl inhaltlich als auch in der Zusammensetzung der Lehrenden manifestiert: Die Hälfte der Lehrleistung des Studiengangs wird durch Expert*innen aus der Praxis erbracht. Dies trägt dazu bei, dass die sich dynamisch verändernden Anforderungen der Berufspraxis unmittelbar Eingang in die Lehre finden. Ferner nehmen die Studierenden den MALIS-Studiengang in der Regel berufsbegleitend wahr; sie sind also mindestens in Teilzeit in einer Bibliothek oder einer anderen informationswissenschaftlichen Einrichtung tätig. Um dies methodisch für das Studium zu nutzen, haben die Studierenden in fast allen Modulen bis hin zur Masterarbeit die Möglichkeit, Aufgabenstellungen mit Bezug zu ihrem jeweiligen berufspraktischen Tätigkeitsbereich zu bearbeiten.

Ein weiteres Kennzeichen des MALIS-Studiengangs ist seine Flexibilität, die insbesondere berufsbegleitend Studierenden zugutekommt. So besteht zum Beispiel die Möglichkeit, die Module der ersten zwei Semester zunächst über das Zentrum für Bibliotheks- und Informationswissenschaftliche Weiterbildung (ZBIW)4 zu buchen. Bei späterem Volleinstieg in das Studium – wozu wiederum zunächst das Assessment-Verfahren erfolgreich durchlaufen werden muss – werden die absolvierten Module dann voll anerkannt. Ferner können im Bereich der Wahlpflichtmodule auch hochschulextern erbrachte Leistungen anerkannt werden, sofern diese einem Wahlpflichtmodul qualitativ und quantitativ entsprechen und die erfolgreiche Absolvierung durch ein Lernportfolio nachgewiesen wird. Zudem trägt das Blended-Learning-Format erheblich zur Flexibilisierung bei, da digital bereitgestellte Lehrinhalte und digital basierte Formen der Zusammenarbeit und des Austausches ein zeit- und ortsunabhängiges Studieren unterstützen. Die intensive Nutzung von digitalen Lernformaten und -werkzeugen ist dabei sowohl organisatorisch als auch inhaltlich und didaktisch Programm: Die Studierenden erfahren und explorieren dadurch immanent Fähigkeiten, die im Kontext der digitalen Transformation ihrer Berufswelt relevant sind. Nicht zuletzt gewährleistet die Zahl von 30 Studierenden pro Jahrgang eine intensive und zugleich individuelle Betreuung – ein Aspekt, der von den Studierenden besonders gewürdigt wird, wie die regelmäßigen internen Evaluationen zeigen.

Der kostenpflichtige5 Studiengang wird seit nunmehr zwölf Jahren angeboten; die Nachfrage ist nicht nur ungebrochen hoch, die Bewerberzahlen steigen auch stetig an. Auch nutzen immer mehr Bibliotheken den MALIS-Studiengang für die eigene Personalentwicklung, indem besonders qualifizierte Quereinsteiger durch die Entsendung in den Studiengang gezielt auf die Übernahme spezieller Aufgabenbereiche und Führungsfunktionen vorbereitet werden. Erfreulich ist weiterhin die ausgesprochen gute Wahrnehmung des Studiengangs durch die Absolvent*innen selbst6 sowie die sehr positive Auswirkung des Studiums auf deren Karriereentwicklung: Viele Führungs- und Leitungsfunktionen im deutschen Bibliothekswesen sind heute mit MALIS-Absolvent*innen besetzt.7

Hochschule und Praxis erarbeiten gemeinsam Zukunftsperspektiven für die Qualifikation

Im Rahmen der Systemakkreditierung der TH Köln wurde der MALIS-Studiengang im Jahr 2020 einer systematischen Überprüfung und Reformierung unterzogen. Um ein bedarfsgemäßes und zugleich im Kontext einer weiterhin dynamischen Digitalisierung der Informationspraxis zukunftsfähiges Curriculum zu entwickeln, wurde dabei externe Expertise in einem konzentrierten mehrstufigen Prozess einbezogen:

Expertise aus der Praxis

Um die Bedarfe der Praxis von Beginn an einzubeziehen, startete dieser Prozess mit einer im Januar 2020 durchgeführten Zukunftswerkstatt8, an der rund 40 Teilnehmer*innen aus den Arbeitsgemeinschaften der Universitätsbibliotheken, der Fachhochschulbibliotheken, der Großstadtbibliotheken und der Spezialbibliotheken in Nordrhein-Westfalen teilnahmen. Schon diese Zahl zeigt, wie stark das Interesse an Bestehen und Fortentwicklung dieses Studiengangs vonseiten der Praxis ist. In der moderierten Zukunftswerkstatt wurden von den Expert*innen in einem geleiteten mehrstufigen Verfahren Trends und Themen identifiziert, die die aktuellen und zukünftigen Bedarfe der Praxis hinsichtlich des Qualifikationsprofils der Absolvent*innen markieren.

Abb. 1: Eindruck von der Zukunftswerkstatt im Januar 2020.

Das wichtigste Ergebnis der Zukunftswerkstatt bestand darin, dass die eingeladenen Expert*innen neben spezifischen bibliotheks- und informationswissenschaftlichen Qualifikationsanforderungen auch bestimmten sozialen und fachübergreifend-methodischen Kompetenzen (u.a. Kommunikation, Selbstmanagement, Problemlösungskompetenz, aber auch Projektmanagement, empirische Forschungs- sowie Managementmethoden) höchste Priorität zuwiesen.

Analyse von Stellenanzeigen

Ergänzend wurde eine Auswertung von 380 relevanten Stellenanzeigen von Bibliotheken und Informationseinrichtungen aus dem deutschsprachigen Raum (Zeitraum: Juli bis Dezember 2019) vorgenommen. Berücksichtigt wurden Stellenanzeigen aus der Jobbörse OpenBiblioJobs, in denen nach Bewerber*innen für Positionen im höheren bzw. wissenschaftlichen Dienst (wissenschaftliche Bibliotheken) oder für Leitungsfunktionen in öffentlichen Bibliotheken gesucht wurde. Diese Stellenanzeigen wurden daraufhin analysiert, welche Themen und Qualifikationsmerkmale in den Aufgaben- und Anforderungsprofilen in welcher quantitativen Verteilung genannt wurden. Wichtigstes Ergebnis dieser Auswertung war die hervorgehobene Relevanz von sowohl projektbezogenen methodischen Kompetenzen als auch E-Science-bezogenen Qualifikationen. Darunter wurden die Themenbereiche digitales Publizieren, Digitalisierung, Forschungsdaten, Open Access, Repositorien, Digital Humanities, digitale Langzeitarchivierung und metrische Analysen zusammengefasst, deren Vorkommen in den Stellenanzeigen auch jeweils einzeln quantitativ erfasst wurde.

Expertise von Peers

Um die Expertise von Fachkolleg*innen an anderen Hochschulstandorten einzubeziehen, wurden im Vorfeld der Zukunftswerkstatt die Curricula von neun bibliotheks- und informationswissenschaftlichen Masterstudiengängen aus dem deutschen Sprachraum ausgewertet.9 Wichtigstes Ergebnis war die zunehmende Bedeutung eines kompetenz- und handlungsorientierten Ansatzes, erweiterte Spezialisierungsmöglichkeiten durch Wahlpflichtangebote, wachsende curriculare Anteile in der Vermittlung fachbezogener Methoden sowie eine höhere Bedeutung von Schlüsselqualifikationen. Daneben war die hohe Relevanz informationstechnologischer, informationswissenschaftlicher sowie managementbezogener Inhalte auffällig.

Expertise von Absolvent*innen

Um auch die Expertise der direkten Zielgruppe des Studiengangs zu berücksichtigen, wurden ferner die Ergebnisse der Absolventenbefragungen aus den Jahren 201610 und 201811 sowie die Evaluation des zur Zeit des Reformprozesses aktuellen Studienjahrgangs MALIS 2019 einbezogen: Die Absolventenbefragung bestätigte die bereits im bisherigen MALIS-Curriculum vertiefte Behandlung der Themen Informationstechnologie, Informationsdienstleistungen und Management. Mit Bezug auf die Auswertung der Evaluationsergebnisse des Jahrgangs MALIS 2019 wurde deutlich, dass eine noch stärkere Nutzung der Möglichkeiten des digitalen Lernens sowohl für die Lehre als auch für die Kollaboration und die Kommunikation gewünscht wird.

Ergebnisse der Studienreform: Das neue MALIS-Curriculum

Die Ergebnisse der Zukunftswerkstatt und der Analyse von Stellenanzeigen, der Expertise der Peers und Absolvent*innen sowie auch der Lehrenden des Studiengangs decken und ergänzen sich inhaltlich hinsichtlich der identifizierten Anforderungen und Bedarfe. Wie sind diese Ergebnisse nun in das neue MALIS-Curriculum eingegangen? Im neuen MALIS-Curriculum finden sich die Ergebnisse des kooperativen Analyse- und Konzeptionsprozesses insbesondere wieder in einem verstärkten projektorientierten Ansatz, erweiterten Wahlmöglichkeiten bereits ab dem zweiten Semester und der Integration eines Methodenmoduls sowie eines Moduls zur Vermittlung von Schlüsselqualifikationen, welche die Fachmodule durchgängig flankieren und auf sie Bezug nehmen. Konkret münden die Ergebnisse des Reformprozesses in folgende inhaltliche, strukturelle und methodische Veränderungen und Ergänzungen des Curriculums:

Neue Studieninhalte

Im neuen Curriculum wurde ein vom ersten bis zum dritten Semester durchgängiges Modul „Soziale und Schlüsselkompetenzen“ integriert. Die vorwiegend in praktischen Übungen vermittelten Kompetenzen adressieren von den Arbeitgeber*innen dringend artikulierte Anforderungen hinsichtlich Rhetorik und Präsentationskompetenz, Selbstorganisation und Stressmanagement sowie interkultureller Kommunikation, Moderation, Beratung und Konfliktkommunikation.

Strukturell analog dazu wurde ein vom ersten bis zum dritten Semester durchgängiges Methodenmodul integriert, um u.a. Methoden des Projektmanagements, empirische Methoden sowie Managementmethoden stärker in der Qualifikation zu verankern. Das Modul Managementmethoden ist eine Veränderung, die die gestiegenen Anforderungen an Leitungstätigkeiten aufnimmt, die insbesondere auch aus dem Bereich der öffentlichen Bibliotheken artikuliert wurden.

Der gestiegene Bedarf an nicht nur theoretischen, sondern auch praktischen informationstechnologischen Kompetenzen führte zu der Einbindung eines Grundlagenmoduls „Library Carpentry“ im ersten Semester, in dessen Rahmen die Studierenden grundlegende Programmier- und Codingkompetenzen erwerben und praktisch einüben. Da Informationen und Daten heute überwiegend digital prozessiert werden, benötigen Informationsspezialist*innen nach Überzeugung aller in den Reformprozess involvierten Parteien unabdingbar Grundkenntnisse und Schnittstellenkompetenzen in diesem Bereich.

Die im vorigen Curriculum angebotene Einzellehrveranstaltung „Recht“ wurde durch ein Querschnittsmodul „Recht“ ersetzt. Rechtliche Fragen sind im gesamten Kontext der Informationsarbeit sowie in Bezug auf den institutionellen Kontext durchgängig und zunehmend relevant. Das neue Modul bietet die Möglichkeit, die vielfältigen rechtlichen Fragestellungen stärker mit den Themen der verschiedenen Fachmodule zu verknüpfen und damit unmittelbar auf konkrete bibliotheks- und informationswissenschaftliche Problemstellungen zu beziehen. Rechtliche Kompetenzen und die Sensibilität für rechtliche Problematiken wurden auch im Rahmen der Zukunftswerkstatt als dringende Anforderung artikuliert.

Ferner wurden die unter der Rubrik „E-Science“ subsumierten Themen, vor allem im Bereich der Wahlpflichtmodule des dritten Semesters, aber auch im Modul Informationsdienstleistungen 2 des zweiten Semesters, stärker gewichtet. Damit reagiert der Studiengang auf die vor allem in der Analyse der Stellenanzeigen, aber auch in der Diskussion mit den Praxisexperten im Rahmen der Zukunftswerkstatt zum Ausdruck gekommenen Anforderungen an Kompetenzen der Absolvent*innen in Bereichen wie u.a. digitales Publizieren, Forschungsdaten oder auch Bibliometrie.

Neue methodische Konzepte

Ein methodisches Novum ist vor allem das der ersten Präsenzphase des Studiums vorgeschaltete digitale bibliothekswissenschaftliche Propädeutikum. Hierbei handelt es sich um eine E-Learning-Einheit, die von den Studierenden eigenständig rezipiert und die mit einem Online-Test abgeschlossen wird. Sie hat die Funktion, ein gleichmäßiges Niveau an strukturellem Basiswissen bei allen Teilnehmer*innen zu sichern. Dadurch verbleibt in den Präsenzphasen mehr Zeit für direkte Interaktion und Diskussion.

Um den Anwendungsbezug und die Befähigung zum forschenden Lernen zu stärken, sind die Studieninhalte und die im Studium zu erbringenden Prüfungsleistungen des neuen Curriculums durch eine enge Verzahnung fachspezifischer Methodenkompetenzen und deren Umsetzung in projektorientierten Forschungsaufgaben gekennzeichnet. Dafür werden die in den Fachmodulen bearbeiteten Projekte des zweiten und dritten Semesters in den Methodenmodulen der jeweiligen Semester methodisch fundiert und begleitet.

Ferner wurden die Wahl- und Spezialisierungsmöglichkeiten ab dem zweiten Semester erweitert: Während das erste Semester in allen Fachmodulen eine allgemeine Grundlage legt, bearbeiten die Studierenden zukünftig bereits im zweiten Semester in zwei von vier Fachmodulen „Kleine Projekte“ (4 ECTS, im Kontext der jeweiligen Fachmodule). Die Wahl- und Spezialisierungsmöglichkeiten erweitern sich nochmals mit dem dritten Semester, in dem die Studierenden zwei Wahlpflichtmodule sowie ein „Großes Projekt“ (8 ECTS, mit Bezug zum eigenen professionellem Umfeld) wählen. Insgesamt ist zudem der Anteil des forschungsbezogenen Lernens durch die Integration von zusätzlichen Projekten im Studiengang deutlich erhöht wurden. Damit wird vor allem den Ergebnissen der Zukunftswerkstatt und der Analyse der Stellenausschreibungen Rechnung getragen, die eine hohe Relevanz von Kompetenzen im Bereich des Projektmanagements erbrachten.

Neben diesen inhaltlichen und methodischen Neuerungen bleiben die bewährten und im Reformprozess nochmals bestätigten Stärken im Studiengang bestehen. Hierzu zählen nicht zuletzt die Orientierung an Diversität und Flexibilität: Die MALIS-Studierenden sind sowohl von ihrer fachwissenschaftlichen wie beruflichen Herkunft als auch von ihren Zielen her außerordentlich heterogen. Diese fachliche und erfahrungspraktische Vielfalt ist ein qualitatives Charakteristikum des Studiums und wird in allen Evaluationen als bereichernd hervorgehoben. Auch die persönlichen Lebensumstände der Studierenden – Voll- oder Teilzeitberufstätigkeit, Alter, familiäre Situation, Betreuungsverpflichtungen etc. – sind von großer Varianz geprägt.

Ebenso beibehalten wird die konsequent auf Kooperation und Vernetzung der Studierenden ausgerichtete Arbeitsweise: Das Konzept des Studiengangs basiert entscheidend und durchgängig auf kollaborativer Arbeit. Etwa die Hälfte der Studienaufgaben wird in Form von Gruppen- oder Tandemaufgaben absolviert. Das verlangt den Studierenden ein hohes Maß an Selbstorganisation, Kommunikationskompetenz und interdisziplinärer Verständigungsfähigkeit ab.

Dem Kriterium der Studierfähigkeit wird auch im neuen Studiengang hohe Bedeutung beigemessen. Nicht nur durch die weiter oben angesprochene Flexibilität und Betreuungsqualität, sondern auch durch Prüfungsformate, die nun noch stärker auf handlungs- und praxisorientierte Ergebnisse setzen und in aller Regel lehrveranstaltungsbegleitend erbracht werden. Dabei besteht zumeist die Möglichkeit der Bearbeitung von arbeitsplatzbezogenen Fragestellungen – eine Win-Win-Situation für die Studierenden und ihre Arbeitgeber.

Abb. 2: Das Curriculum des reformierten MALIS-Studiengangs

Fazit und Ausblick

Der reformierte Studiengang MALIS wurde im Oktober 2020 ohne jegliche Auflagen an der TH Köln reakkreditiert. Das Präsidium der Hochschule hat den dargestellten Reformprozess als „beispielgebend“ bewertet und zum Modell für die Reakkreditierung anderer Weiterbildungsstudiengänge erklärt. Derzeit wird der Studiengang der Fachöffentlichkeit in unterschiedlichen Formaten bekannt gemacht. Beginnen wird er im Sommersemester 2022 – dann sicherlich wieder unter den normalen Bedingungen der physischen Präsenz. Der bewährte Turnus von vier Präsenzphasen im Semester, zwei volle Arbeitswochen – jeweils eine zum Anfang und gegen Ende des Semesters – sowie zwei zweitägige Präsenztage innerhalb des Semesters, wird beibehalten.

Bewerbungen sind möglich bis zum 31. Juli 2021; das nächste Assessment-Verfahren wird dann im Oktober 2021 stattfinden.12

Inka Tappenbeck, Technische Hochschule Köln

Haike Meinhardt, Technische Hochschule Köln

Zitierfähiger Link (DOI): https://doi.org/10.5282/o-bib/5708

Dieses Werk steht unter der Lizenz Creative Commons Namensnennung 4.0 International.

1 Bibliotheks- und Informationswissenschaft / MALIS (Master in Library and Information Science), TH Köln, 2021, <https://www.th-koeln.de/studium/bibliotheks--und-informationswissenschaft-master_3202.php>, Stand: 27.04.2021.

2 Vgl. Oßwald, Achim: 10 Jahre Weiterbildungsstudium MALIS an der TH Köln. Bilanz und Ausblick, in: ProLibris 24 (1), 2019, S. 24-26, <https://www.bibliotheken-nrw.de/fileadmin/Dateien/Daten/ProLibris/2019-1_ProLibris_DS.pdf>, Stand: 27.04.2021.

3 Zur grundsätzlichen Möglichkeit, berufspraktische Erfahrungen für das Studium anrechnen zu lassen vgl. Kultusministerkonferenz: Anrechnung von außerhalb des Hochschulwesens erworbenen Kenntnissen und Fähigkeiten auf ein Hochschulstudium (I). (Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 28.06.2002), <https://vince.eucen.eu/wp-content/uploads/2018/04/Germany-Formal-Documents-2008-1-Anrechnung-F%C3%A4higkeiten-Studium-in-German-language.pdf>, Stand: 27.04.2021, sowie Kultusministerkonferenz: Anrechnung von außerhalb des Hochschulwesens erworbenen Kenntnissen und Fähigkeiten auf ein Hochschulstudium (II). (Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 18.09.2008), <http://archiv.akkreditierungsrat.de/fileadmin/Seiteninhalte/KMK/Vorgaben/KMK_Anrechnung_ausserhochschulisch_II.pdf>, Stand: 27.04.2021.

4 Vgl. MALIS-Module, TH Köln, 2021, <https://www.th-koeln.de/weiterbildung/malis-module_5878.php>, Stand: 27.04.2021.

5 Die Studiengebühren werden ab 2022 pro Semester 1500,- Euro betragen und dienen vorrangig der Honorierung der externen Dozent*innen.

6 Vgl. Oßwald, Achim; Röltgen, Susanne: Berufsbegleitendes Masterstudium. Was bringt das eigentlich? Absolventenbefragung 2016 des Kölner MALIS-Studiengangs Bibliotheks- und Informationswissenschaft, Posterpräsentation am 31. Mai 2017 beim 106. Deutschen Bibliothekartag in Frankfurt am Main, <https://opus4.kobv.de/opus4-bib-info/frontdoor/index/index/docId/2815>, Stand: 27.04.2021.

7 Stellvertretend sei hier auf die Besetzung der Stelle der leitenden Bibliotheksdirektorin an der Universitätsbibliothek Duisburg-Essen im Jahr 2019 und auf die Übernahme der Leitung der Stadtbibliothek Neuss im Jahr 2018 hingewiesen.

8 Jungk, Robert; Müllert, Norbert R.: Zukunftswerkstätten. Mit Phantasie gegen Routine und Resignation, München 1989. Vgl. auch Robert-Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen, <https://jungk-bibliothek.org/zukunftswerkstaetten/>, Stand: 27.04.2021.

9 Berücksichtigt wurden Studiengänge der HdM Stuttgart, HTW Chur (2 Studiengänge), HAW Hamburg, FH Potsdam, Hochschule Darmstadt, HTWK Leipzig, HU Berlin, Universität Regensburg. Nicht berücksichtigt wurden informationswissenschaftliche Studiengänge ohne Bezug zu bibliothekswissenschaftlichen Handlungsfeldern bzw. Studiengänge, die einen ausgeprägten Informatik-Schwerpunkt aufweisen.

10 Vgl. Oßwald; Röltgen: Berufsbegleitendes Masterstudium. Was bringt das eigentlich? Posterpräsentation, 31. Mai 2017.

11 Die Ergebnisse der Befragung aus dem Jahr 2018 sind nicht publiziert worden.

12 Bibliotheks- und Informationswissenschaft (Master) – Bewerbung, TH Köln, 2021, <https://www.th-koeln.de/studium/bibliotheks--und-informationswissenschaft-master--bewerbung_3408.php>, Stand: 27.04.2021.