Kommission für forschungsnahe Dienste

Jahresbericht 2020

Einen Überblick über Entwicklungen im Bereich der forschungsnahen Dienste gewinnen, sondieren, wo Fortbildungsbedarf besteht, und geeignete Formate für Austausch und Weiterentwicklung schaffen: Mit diesem Ziel war die Kommission für forschungsnahe Dienste1 im Herbst 2018 an den Start gegangen. Seither hat die Kommission im Austausch mit Bibliothekskolleginnen und -kollegen eine Agenda für die Kommissionsarbeit entwickelt und einige Veranstaltungen durchgeführt.

Einen ersten Meilenstein hatte die Kommission mit der Fortbildung „Was ist Forschung?“ am 13./14.11.2019 in Darmstadt erreicht. Vorträge und Gruppendiskussionen lieferten zahlreiche Anregungen für die weitere Planung der Kommissionsarbeit. Den Workshop nachzubearbeiten, Anregungen zu sortieren und zum Ausgangspunkt weiterer Fortbildungsplanungen zu machen war ein Schwerpunkt in der diesjährigen Kommissionsarbeit. Eine Zusammenfassung zum Workshop ist in o-bib erschienen.2

Ein Anliegen der Kommission ist es, Schnittstellen zwischen forschungsnahen Diensten und anderen Arbeitsbereichen in Bibliotheken zu identifizieren und im Hinblick auf Synergien sowie strukturelle bzw. organisatorische Optimierung zu hinterfragen. Geplant waren in diesem Zusammenhang gemeinsame Veranstaltungen mit anderen VDB-Kommissionen, einmal zum Themenkomplex Fehlertoleranz, Fehlerkompetenz und Feedbackkultur und einmal zur Abgrenzung bzw. zu Überschneidungen zwischen Fachreferat und forschungsnahen Diensten. Beide Veranstaltungen waren für den Bibliothekartag in Hannover geplant und mussten ausfallen, sollen aber bei nächster Gelegenheit nachgeholt werden.

Ein weiterer Schwerpunkt war die Vorbereitung
und Durchführung eines Online-Workshops am 11.12.2020 zum Thema „Forschungsnahe Dienste zum Laufen bringen: Drittmittelanträge schreiben“3, mit dem eine wesentliche Voraussetzung für die Entwicklung und Implementierung forschungsnaher Dienste in den Blick genommen wurde. Nur wenn entsprechende Ressourcen vorhanden sind, haben solche Dienste eine Chance auf Realisierung, zumal viele forschungsnahe Dienste als Projekte starten und eine entsprechende Projektförderung benötigen. Der Workshop war mit 80 Teilnehmenden gut gebucht.

Abb. 1: Grafik Forschungsnahe Dienste zum Laufen bringen

Nach einer Einführung in das Thema durch Sibylle Herrmann (Informations- und Kommunikationszentrum der Universität Stuttgart, Universitätsbibliothek) wurden zwei Schwerpunkte gesetzt: Wie kann die Bibliothek unterstützend in Drittmittelanträgen der Forschenden eingebunden sein? Und welche Möglichkeiten gibt es für Bibliotheken, selbst als Drittmittelanträger aufzutreten?

Annette Strauch (Universitätsbibliothek Hildesheim) beleuchtet den ersten Schwerpunkt: Viele Forschungsanträge der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler müssen Datenmanagementpläne enthalten. Hierbei kann die Universitätsbibliothek umfassend unterstützen und beispielsweise dabei helfen zu klären, welche Daten überhaupt entstehen, wie sie durch Metadaten erschlossen und wo sie gespeichert werden sollen.

Auch im zweiten Vortrag ging es um diese Perspektive: Bibliotheken können sich als Partner in Z-INF-Projekten von Sonderforschungsbereichen einbringen, wie Gerald Jagusch (Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt) darstellte. In Z-INF-Projekten geht es um den Aufbau und die Verstetigung der Infrastruktur eines Sonderforschungsbereichs, beispielsweise die Pflege und Erschließung von Forschungsdaten oder die Entwicklung virtueller Forschungsumgebungen.

Andreas Christ (Universitätsbibliothek Kiel) stellte anschließend am Beispiel eines Digital Humanities-Projekts dar, wie Bibliothek und Forschung in gemeinsamen Projekten eng zusammenarbeiten können.

Im vierten Vortrag (Dr. Wolfgang Stille, Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt) ging es schließlich um die Beantragung von DFG-LIS-Projekten, mit denen der Aufbau leistungsfähiger Informationssysteme für die Forschung gefördert wird. In dieser Förderlinie können Bibliotheken selbst als Antragsteller auftreten. Idealerweise sind diese Projekte eng mit der Forschung verknüpft und arbeiten schon früh auf eine Verstetigung und komfortable Nach­nutzbarkeit hin.

Abb. 2: Grafik Forschungsunterstützung durch das RDMO-Werkzeug in Bibliotheken

In der Abschlussdiskussion (Moderation: Dr. Caroline Leiß, Universitätsbibliothek der Technischen Universität München) wurden die in den Vorträgen und Diskussionen beleuchteten Themen zusammengefasst. Als wichtige Ergebnisse des Workshops lassen sich die folgenden Punkte benennen:

  • Um sich als Partner bei Forschungsprojekten ins Spiel zu bringen, müssen Bibliotheken im Bereich forschungsnaher Dienste Vorleistungen erbringen und als kompetenter Gesprächspartner wahrgenommen werden.
  • Dafür sind Ressourcen unbedingt erforderlich: Zwar können viele forschungsnahe Dienste mit kleinem Personalbudget starten, letztlich müssen aber für solche Funktionsaufgaben - allemal, sobald sie verstetigt werden - eigens gewidmete Stellen vorgesehen werden.
  • Hilfreich ist es, wenn Bibliotheken in die Beratungs-Workflows der Einrichtung integriert werden, d.h. alle Stellen in ihrer jeweiligen Einrichtung identifizieren, an die sich Forschende mit ihren Drittmittel- oder Förderanträgen wenden, und mit diesen Stellen gezielt Kontakt aufnehmen.
  • Eine enge Zusammenarbeit zwischen Bibliothek und Forschenden hilft beiden Seiten dabei, forschungsnahe Dienste so zu entwickeln, dass diese am Bedarf der Forschung ausgerichtet sind.
  • Dabei sollte die ganze Bandbreite forschungsnaher Dienste im Blick bleiben, also Services, die die Forschung von der Projektplanung bis hin zur Veröffentlichung und Nachnutzung unterstützen.

Als Abschluss und Zusammenfassung der ersten Sitzungsperiode der neu gegründeten Kommission soll ein Positionspapier zum Thema forschungsnahe Dienste veröffentlicht werden. Welche Services werden dem Spektrum der forschungsnahen Dienste überhaupt zugerechnet, lässt sich ein Standardportfolio forschungsnaher Dienste an Bibliotheken benennen? Wie ist der Entwicklungsstand in den einzelnen Servicebereichen, was sind Voraussetzungen und Herausforderungen? Das Positions­papier, an dem die Kommission im Berichtszeitraum noch arbeitet, soll als Diskussionsgrundlage für Gespräche mit Bibliotheksleitungen, Wissenschaftler*innen und Bibliothekar*innen dienen und den Rahmen für die weitere Arbeit der Kommission abstecken.

Im Jahr 2020 fanden fünf Kommissionssitzungen statt, ab März 2020 jeweils als Online-Meetings. Die Sitzungen über Konferenz-Software bewährten sich als organisatorisch unaufwändiges Format für Austausch und Planung und sollen auch künftig ergänzend zu Präsenz-Sitzungen beibehalten werden.

Stefan Farrenkopf, Universitätsbibliothek Kiel
Sibylle Hermann, Informations- und Kommunikationszentrum der Universität Stuttgart, Universitäts­bibliothek
Gerald Jagusch, Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt
Dr. Caroline Leiß, Universitätsbibliothek der Technischen Universität München
Dr. Wolfgang Stille, Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt
Annette Strauch, Universitätsbibliothek Hildesheim

Zitierfähiger Link (DOI): https://doi.org/10.5282/o-bib/5684

Dieses Werk steht unter der Lizenz Creative Commons Namensnennung 4.0 International