Zu Artikeldetails zurückkehren Zusammen recherchiert man weniger allein
Zusammen recherchiert man weniger allein

Zusammen recherchiert man weniger allein – „Informationsvermittlung kooperativ“ an der Bibliothek der Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden

Einleitung

Die Vermittlung der Schlüsselqualifikation Informationskompetenz wird seit langem als eine originär bibliothekarische Aufgabe verstanden. In Anbetracht der HRK-Forderung von 20121, Informationskompetenz ganzheitlich zu stärken und anzubieten, ist es angebracht, über ein konventionelles Informationsvermittlungsangebot hinauszudenken. Dieses sollte daher nicht nur Katalog- und Datenbankenschulungen vorsehen, sondern darüber hinaus zielgruppenspezifische Angebote schaffen, die in vielen Bereiche unserer Hochschule Geltung finden können. Informationsvermittlung ganzheitlich zu denken heißt für uns als Hochschulbibliothek mit 13 Bibliotheksmitarbeiter*innen, Studierende beim Erlernen von guter wissenschaftlicher Praxis zielgerichtet und individuell zu unterstützen, aber auch hilfreiche Services für Lehre und Forschung anzubieten. Mit einer potentiellen Nutzeranzahl und somit primären Zielgruppe von fast 3.000 Studierenden sowie zusätzlich etwa 1.500 externen Nutzer*innen wäre dies personaltechnisch nicht allumfänglich möglich und zufriedenstellend umsetzbar. Seit der Gründung des „Teams Informationsvermittlung“ im März 2016, welches insgesamt aus drei Bibliothekarinnen besteht, setzt unsere Bibliothek daher besonders auf das Know-how und die Expertise, die innerhalb der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) vorhanden sind und somit in unser Schulungskonzept einbezogen werden können. Im Folgenden wird beschrieben, wie diese hauseigenen Synergien für ein kooperatives Informationsvermittlungskonzept auch unter Corona-Bedingungen genutzt werden.

Informationsvermittlung „kooperativ“

Das aktuell angebotene Portfolio an Schulungen und Workshops der Hochschulbibliothek2 hat zum Ziel, möglichst allumfassende Unterstützung beim wissenschaftlichen Schreibprozess zu bieten. Diese beinhaltet dabei nicht nur die Literaturrecherche im Bibliothekskatalog und wissenschaftlichen Datenbanken, sondern möchte auch das grundsätzliche Verständnis bezüglich des richtigen Zitierens und der Plagiatsvermeidung, der Quellenbewertung und -beurteilung als auch des Umgangs mit dem von der Hochschule bereitgestellten Literaturverwaltungsprogramm Citavi vermitteln. Ein individuelles Beratungsangebot, welches sich vorrangig an Studierende mit Problemen beim Abfassen ihrer Bachelor-Arbeit richtet, rundet das Programm ab.

Abbildung 1: Werbe-Postkarte für Schulungsveranstaltung

Das Themenspektrum „Wissenschaftliches Arbeiten“ sowie dessen bibliotheksspezifische Komponente ist jedoch nicht nur in den Schulungskanon der Hochschulbibliothek integriert, sondern genießt campusweite Verbreitung. Die Schulungen und Workshops finden sich mittlerweile auch im Programm des Studium Integrale3, organisiert durch das Prorektorat für Lehre und Studium, wieder, wo sie von Studierenden auf freiwilliger Basis zusätzlich besucht werden können. Des Weiteren besteht die Möglichkeit für Promovierende sowie Beschäftigte der HTW, sie als zertifiziertes Schulungs-Angebot samt Teilnahmebestätigung innerhalb des Graduiertenservice4, der im Prorektorat Forschung und Entwicklung angesiedelt ist, zu absolvieren. Die Studierenden haben so einerseits größeren Anreiz, die Veranstaltungen zu besuchen und das Workshopangebot der Hochschulbibliothek erfährt andererseits eine Aufwertung, da es in weit verbreiteten Hochschul-Programmen in beiden Prorektoraten als Weiterbildungsangebot geführt wird.

Regelmäßig sind wir in Vorlesungen und Übungen zum Thema „Wissenschaftliches Arbeiten“ in den verschiedenen Fakultäten sowie dem Sprachenzentrum eingeladen und bieten dort in Zusammenarbeit mit den Lehrenden Einführungen in die bibliothekarische Recherche sowie Citavi an, bei Bedarf auch auf Englisch. Einführungen in die Bibliotheksnutzung und Grundlagenschulungen werden außerdem sowohl für die Schülerinnen und Schüler der Dresdner und Radebeuler Berufsschulzentren als auch für Oberstufenschüler ab der 10. Klasse angeboten.

Die Werbung für Schulungsveranstaltungen der Bibliothek wird dabei durch die Mitarbeiter*innen selbst gestaltet. Jedes Jahr werden hierfür Werbe-Postkarten designt, die im Rahmen der Erstsemester-Einführungsveranstaltungen an die Studierenden verteilt werden (siehe Beispiele, Abb. 1, 2 und 3).

Abbildung 2: Werbe-Postkarte für Schulungsveranstaltung

In Zusammenarbeit zwischen dem Prorektorat für Lehre und Studium, dem e-Campus-Team und der Hochschulbibliothek entstand im Sommer 2018 ein Online-Kurs im Lernmanagement-System OPAL, der die Studierenden in den verschiedenen Phasen beim Erstellen einer schriftlichen Arbeit unterstützt. Wichtig war einerseits, alle Angebote, die innerhalb der HTW zum Thema wissenschaftliches Arbeiten existieren, zu bündeln und andererseits innerhalb der Kursbausteine auf entsprechende, von der Hochschule angebotene Workshops Bezug zu nehmen. Lehrende können in ihren Modulen zum „Wissenschaftlichen Arbeiten“ auf diesen Kurs weiterverweisen oder auf ihn verlinken. Der Online-Kurs soll begleitend wirken, so dass es möglich ist, ihn anhand eines eigenen Recherche-Themas abzuarbeiten. Er richtet sich an Studierende, die noch wenig Erfahrung bei der Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten haben oder die ihre Kenntnisse für die Anfertigung ihrer Abschlussarbeit auffrischen möchten.

Aufgrund der hohen Zugriffszahlen soll im kommenden Wintersemester 2020/21 ein weiterer OPAL-Kurs zum Thema „Informationskompetenz“ online gehen. Dieser entsteht wiederum in Zusammenarbeit zwischen dem e-Campus-Team, der Hochschulbibliothek sowie in diesem Falle dem Prorektorat für Forschung und Entwicklung. Der Kurs wird sich an Studierende, die bereits einen ersten Abschluss erworben haben, richten und diese bei den Themen Forschungsdatenmanagement und Open Science unterstützen. Es ist angedacht, den Kurs unter eine Creative-Commons-Lizenz zu stellen, um eine Nachnutzbarkeit zu ermöglichen.

Im Rahmen dieser Zusammenarbeit konnten die Bibliotheksmitarbeiter*innen die notwendigen Kompetenzen erwerben, um darüber hinaus einen eigenen OPAL-Kursraum für die bibliothekarischen Angebote zu erstellen und mit Materialien zu den angebotenen Workshops, kurzen Screencasts und Tests zur Selbstüberprüfung zu bestücken. Alle Kurse verweisen und verlinken aufeinander, so dass die sinnvolle, thematische Ergänzung sichergestellt ist.

Auch mit dem Zentrum für fachübergreifende Bildung (ZfB)5 der HTW Dresden gibt es seit zwei Jahren eine gelungene Kooperation. Sowohl die Schreibwerkstatt als auch eine individuelle Schreibberatung finden wöchentlich in den Räumen der Hochschulbibliothek statt und werden von den Studierenden sehr gut angenommen. Im kommenden Wintersemester ist bereits ein wöchentlicher, fortführender extracurricularer LaTex-Einführungskurs geplant, der im Bibliotheks-Schulungsraum von einer HTW-Professorin durchgeführt wird.

#closedbutopen – Informationsvermittlung geht online

In Zeiten von Corona war und ist es für jede Bibliothek, so auch für die unsere, eine besondere Herausforderung, die Arbeit der Lehrenden, Studierenden und Forschenden an der eigenen Einrichtung bestmöglich zu unterstützen. Binnen weniger Stunden mussten Mitte März 2020 altbekannte Geschäftsgänge verändert sowie gewohnte Services verringert oder sogar eingestellt werden. Bibliotheksarbeit fand für alle fortan im Home-Office statt, lediglich eine Notbesetzung blieb in der Bibliothek vor Ort. Verstärkt wurde auf den Erwerb von elektronischen Medien gesetzt, um den Zugriff auf Informationen weiterhin sicherzustellen und somit den aktuellen Bedarfen bestmöglich zu entsprechen. Der Erwerbungsetat für digitale Medien wurde kurzfristig aus eigenen Sachmitteln aufgestockt und zusätzlich durch die Hochschule um 30 T€ erhöht. Ein Digitalisierungsservice für Lehrende wurde eingeführt und eine Notausleihe für die von Studierenden dringend benötigten Bücher organisiert. Was jedoch in der Erwerbungsarbeit relativ leicht, rasch und unkompliziert umsetzbar war, stellte sich für das Schulungs- und Nutzungsgeschehen etwas komplexer dar. Wie kann man trotz Schließung weiterhin Lern, - Lehr- und Begegnungszentrum sein, ein sogenannter „Dritter Ort“, der die Lücke zwischen den beiden Sphären Arbeit und Zuhause schließt, sowie Lehrende und Studierende in dieser ganz besonderen Ausnahmesituation zielgerichtet unterstützen?

Besondere Zeiten brauchen neue Wege der Kreativität. Die Entscheidung, Schulungen in Form von Web-Seminaren anzubieten, fiel daher relativ schnell. Unter dem Hashtag #closedbutopen wurden Präsenzschulungen ab Mitte April 2020 auf Web-Seminare umgestellt.6 Über einen speziell eingerichteten virtuellen Schulungsraum konnte den interessierten Bibliotheksnutzerinnen und -nutzern die Möglichkeit gegeben werden, online an der Veranstaltung teilzunehmen. Das Ziel war, eine niedrigschwellige Teilnahme anzubieten, und dies darüber hinaus nicht nur für Angehörige der HTW, sondern auch für die interessierte Öffentlichkeit.

Abbildung 3: Werbung Web-Seminare in der Hochschulbibliothek

Der Link zum Schulungsraum wurde auf der Webseite sowie in der Veranstaltungsankündigung hinterlegt, um allen einen Vorab-Test von Audio und Video anbieten zu können. Eine Anmeldung war gewünscht, jedoch nicht zwingend notwendig. Über diesen Weg war es nun möglich, die im Portfolio vorhandenen Workshops ohne größere Umstrukturierungen online durchzuführen. Für eine eventuelle Nachbereitung wurden Materialien, Handouts und Präsentationen aus den verschiedenen Workshops auf die neuen Web-Seminar-Inhalte angepasst und im Bibliotheks-Kursraum innerhalb von OPAL hinterlegt. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus dem HTW-Umfeld können problemlos Schulungsunterlagen nachträglich einsehen, mithilfe kurzer Screencasts Schulungsinhalte auffrischen oder auch in einem extra erstellten Test ihre Recherche-Kompetenz unter Beweis stellen. Interessierten externen Teilnehmerinnen und Teilnehmern werden die gewünschten Schulungsunterlagen per E-Mail zugesandt.

Die seit drei Jahren an der Hochschulbibliothek regelmäßig stattfindende „Lange Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten“, hätte auf Grund der Corona-Krise 2020 eigentlich ausfallen müssen. Da jedoch in dieser Situation der Unterstützungsbedarf bei den Studierenden besonders hoch war, konnte es keine Option sein, an dieser Stelle nicht aktiv zu werden. Alle internen und externen Beteiligten, die bereits in der Planungsphase für dieses Event involviert waren, signalisierten sofort die Bereitschaft, auch virtuell mitzuwirken.

Als besonderes Highlight konnte daher, gemeinsam mit dem Prorektorat Lehre und Studium sowie unserem Kooperationspartner für betriebliches Gesundheitsmanagement, die bereits geplante dritte „Lange Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten“ kurzerhand online stattfinden. Die Abteilung Öffentlichkeitsarbeit der HTW bewarb diese intensiv sowohl über Facebook, Instagram, Twitter als auch über die Webseite der Hochschule (vgl. Abb. 4). Ein wesentlicher Garant für das Gelingen der Veranstaltung war wiederum die Zusammenarbeit mit und das Zurückgreifen auf Kompetenzen und Expertise innerhalb der Hochschule.

Abbildung 4: Werbung Virtuelle Lange Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten

(Neue) Impulse für unsere Informationsvermittlung?

Online-Schulungen sind nun seit April 2020 fester Bestandteil unseres Portfolios. Die Möglichkeiten virtueller Beratung werden momentan weiter ausgebaut und künftig verstetigt. Die Interaktion mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern, das sofortige Feedback und die Möglichkeit des persönlichen Austauschs können selbstverständlich auch durch das beste Web-Seminar nicht ersetzt werden. Sie stellen jedoch mittlerweile eine sinnvolle und stark nachgefragte Ergänzung zu unserem bisherigen Angebot dar.

„Zusammen recherchiert man weniger allein“ – der Titel dieses Berichtes bezieht sich somit nicht nur auf den Gedanken, gemeinsam auf verschiedene Art und Weise zu lernen. Er meint auch, Schulungsangebote kooperativ anzubieten sowie auf vorhandenes Know-how zurückzugreifen, um gemeinsam noch nutzerorientierter auf die tatsächlichen Bedürfnisse eingehen zu können. Dies kann insbesondere an kleineren Bibliotheken, welche über geringe personelle Kapazitäten verfügen, zu sehr guten Ergebnissen führen. Voraussetzung hierfür ist die Suche nach Anknüpfungspunkten bei verschiedenen potentiellen Partnern und die beiderseitige Kooperationsbereitschaft. An der Bibliothek der HTW Dresden konnten insbesondere durch die Zusammenarbeit mit den beiden Prorektoraten, dem e-Campus-Team, dem Zentrum für fachübergreifende Bildung und der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit gemeinsame Projekte erfolgreich angestoßen und durchgeführt werden.

Dieser beschriebene kooperative Ansatz ist für uns mittlerweile integraler Bestandteil einer zukunfts- und tragfähigen Bibliothekspolitik geworden. Er ermöglicht es uns nicht nur, ein attraktives Programm an Workshops und Schulungen anzubieten, sondern legitimiert zugleich auch die Bibliothek innerhalb der Hochschule als kompetenten Partner rund um den Themenbereich „wissenschaftliches Arbeiten“.

„Kleiner Steckbrief“ der Hochschulbibliothek (Bibliotheksstatistik 2019)

2019

2018

Bibliotheksstandorte

2

2

Physischer Buchbestand

163.775

163.874

Elektronische Medien (ohne Zeitschriften)

195.966

112.597

davon E-Books

190.068

106.677

Registrierte Nutzende

4.897

4.712

davon Studierende

2.932

2.951

davon Externe

1.455

1.283

Benutzerschulungen

67

34

Teilnehmende an Benutzerschulungen

1.410

1.322

Aufrufe von E-Learning-Angeboten in Opal

3.670

819

Rebecca Krentz, Bibliothek der Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden

Petra-Sibylle Stenzel, Bibliothek der Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden

Zitierfähiger Link (DOI): https://doi.org/10.5282/o-bib/5624

Dieses Werk steht unter der Lizenz Creative Commons Namensnennung 4.0 International

1 Hochschule im digitalen Zeitalter: Informationskompetenz neu begreifen – Prozesse anders steuern. Entschließung der 13. Mitgliederversammlung der HRK am 20. November 2012 in Göttingen. Online: <http://www.hrk.de/uploads/tx_szconvention/Entschliessung_Informationskompetenz_20112012_01.pdf> Stand: 09.06.2020

2 o.A.: Schulungsangebot der Bibliothek der HTW Dresden: <https://www.htw-dresden.de/hochschule/organisation/bibliothek/schulungen> Stand: 26.05.2020

4 o.A.: Graduiertenservice an der HTW Dresden: <https://www.htw-dresden.de/graduiertenservice> Stand: 26.05.2020

5 o.A.: Zentrum für fachübergreifende Bildung an der HTW Dresden: <https://www.htw-dresden.de/hochschule/fakultaeten/wirtschaftswissenschaften/zentren-und-labore> Stand: 26.05.2020

6 o.A.: Web-Seminar-Schulungsangebot der Bibliothek der HTW Dresden: <https://www.htw-dresden.de/hochschule/organisation/bibliothek/schulungen/webinare-der-hochschulbibliothek> Stand: 26.05.2020