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Bericht aus der 77. Sitzung der Arbeitsgemeinschaft der Verbundsysteme

Bericht aus der 77. Sitzung der Arbeitsgemeinschaft der Verbundsysteme vom 19. bis 20. November 2019 in Köln

Auf Einladung des Hochschulbibliothekszentrums des Landes Nordrhein-Westfalen (hbz) traf sich die Arbeitsgemeinschaft der Verbundsysteme (AGV) zu ihrer 77. Sitzung vom 19. bis 20. November 2019 in Köln. Der folgende Bericht hat den Stand November 2019.

Alma

Im Österreichischen Bibliothekenverbund (OBV) sind weitere Einrichtungen auf Alma umgestiegen, dabei übernimmt die OBVSG die Koordination zwischen Ex Libris und den Verbundteilnehmern und fungiert als zentraler Ansprechpartner für Fragen betreffend der Netzwerkzone. Alle Erkenntnisse, die im Laufe der Migration gewonnen werden, werden laufend festgehalten und für die nächsten Umstellungsphasen bereitgestellt. Für die letzten Gruppen, die noch umsteigen werden, ist ausreichend Zeit, um alle noch offenen vertraglichen Regelungen vor Aufnahme der Arbeiten zu treffen. Die Planung sieht vor, dass die Umstellungsphase Ende August 2021 beendet sein wird. Zu diesem Zeitpunkt werden die letzten von der OBVSG gehosteten Lokalsysteme und die für den Parallelbetrieb verbliebene „Aleph-Bridge“ abgeschaltet.

Für Alma-Kunden des SWB steht weiterhin die Common Bibliographic Data Zone (CBDZ) zur Verfügung. Mit Einführung von K10plus wurden in die Alma-Networkzone über 25 Mio. MARC-Datensätze neu geladen. Einige Anpassungen im Rahmen des Supports wurden durchgeführt.

Bezüglich der Beschaffung eines landesweiten cloudbasierten Bibliotheksmanagementsystems wurden beim hbz wichtige Meilensteine erreicht, sodass das Konsortium im September 2019 der Vergabe des Auftrags an die Firma Ex Libris zustimmen konnte. Mit der erfolgten Vergabe beginnt nun die Konzeptions- und Umsetzungsphase mit dem Ziel, innerhalb der nächsten fünf Jahre mit dem gesamten Konsortium auf die neue Plattform umzusteigen.

BSZ-GBV-Kooperation: K10plus

Die gemeinsame Katalogisierungsdatenbank K10plus, die im März 2019 gestartet wurde, läuft trotz der hohen Datenmengen sehr stabil. Der aktuelle ZDB-Gesamtabzug wurde im Juni 2019 eingespielt. In den ersten Monaten seit der Öffnung der K10plus-Datenbank wurden in den Verbundzentralen weitere Anpassungen wie die Verbesserung verschiedener Schnittstellen vorgenommen. Die durch Merging entstandenen Redundanzen, aber auch Abweichungen bei der Datenumsetzung werden laufend korrigiert.

Das Fernleihsystem des GBV ist mit kurzer Verzögerung nach der Freigabe von K10plus produktiv im Einsatz. Vereinzelt macht die vollständige Sichtbarkeit aller Titel für die Endnutzer/innen noch Schwierigkeiten. Folgemaßnahmen, wie z.B. der Dublettenabgleich für weitere Titeldatensegmente und die Neulieferung von K10plus an WorldCat, stehen noch aus.

Culturegraph

Aktuell wird in Culturegraph an der Implementierung eines Dienstes zur Anreicherung inhaltserschließender Daten – z.B. verbale Sacherschließung mit der GND oder Notationen aus der Dewey-Dezimalklassifikation (DDC) oder der Regensburger Verbundklassifikation (RVK) – in den Verbundsystemen und der DNB gearbeitet. Die erste produktiv nutzbare Aggregatdatei der in Culturegraph erstellten Werkbündel mit inhaltserschließenden Merkmalen steht seit Anfang September 2019 für die Verbünde bereit. Parallel zu den Aktivitäten in Culturegraph entstehen Konzeptionen und Implementierungen zur Nutzung des Dienstes in den Verbundsystemen und der DNB.

DeepGreen

Seit Juli 2019 befindet sich das Open-Access-Projekt DeepGreen gemeinsam mit fünf Verlagen und derzeit 50 Universitäten, Hochschulen und Forschungseinrichtungen wie vorgesehen in der erweiterten Testphase. Ziel dabei ist, Erfahrungen für einen späteren Echtbetrieb zu sammeln – sowohl im Hinblick auf große Verlagsdatenlieferungen als auch bezüglich Repositorien, die auf unterschiedlicher Software basieren. Bisher wurden schriftliche Vereinbarungen zur Datenlieferung mit den Verlagen Karger, De Gruyter und MDPI (Molecular Diversity Preservation International) unterzeichnet. Dabei unterstützt DeepGreen die Transformation von Veröffentlichungen in den Open Access, die auf Basis lizenzrechtlicher Verträge zwischen Verlagen und Bibliotheken nach einer Embargofrist frei veröffentlicht werden dürfen.

DFG-Projekt „DDB-Zeitungsportal“

Die Arbeit am DFG-Projekt „DDB-Zeitungsportal“ ist vorangeschritten. Im April/Mai 2019 wurden mehrere Maßnahmen zur Nutzerforschung durchgeführt: eine webbasierte Nutzerumfrage und ein zweitägiger Workshop mit dem wissenschaftlichen Beirat. Die Ergebnisse der Nutzerforschung fließen in die weitere Projektarbeit ein, u.a. in das Design, an dem seit Anfang September 2019 gearbeitet wird. Projektziel ist der Aufbau und dauerhafte Betrieb eines einrichtungsübergreifenden nationalen Zeitungsportals in der Deutschen Digitalen Bibliothek (DDB), das den Zugang zu sämtlichen digitalisierten historischen Zeitungen Deutschlands ermöglicht.

DFG-Projekt LAS:eR

Das DFG-Projekt LAS:eR (Lizenz-Administrations-System für elektronische Ressourcen) auf der Basis einer zentralen Knowledge Base soll eine einheitliche Nutzung von Daten zur Lizenzverwaltung elektronischer Ressourcen auf lokaler, regionaler und nationaler Ebene ermöglichen. Dazu wurden die abschließenden Arbeiten zum Projektende (September 2019) durchgeführt. Hierzu gehörten Implementierung und Test der Funktionen für die Verwaltung untergeordneter Institute einer Hauptbibliothek (z.B. in zweischichtigen Bibliothekssystemen), die Weiterentwicklung der Konsortialfunktionen und die Umsetzung verschiedener Schnittstellendefinitionen für den Austausch mit Drittsystemen wie dem Projekt NatHosting und dem Open Access Monitor.

Vorbereitend auf den Produktivbetrieb bietet das LAS:eR-Team des hbz seit Juli 2019 monatlich Grundlagenschulungen zur lokalen Lizenzverwaltung als Webinar an, die sowohl von den bereits frühzeitig LAS:eR nutzenden Kunden als auch von Interessenten angenommen werden. Im Oktober 2019 ging das ERMS LAS:eR aus der DFG-Förderphase in den aktiven Betrieb über. Seitdem ermöglicht LAS:eR seinen Nutzern die zentrale Verwaltung von elektronischen Ressourcen in einem System inklusive Konsortial- und Nationalizenzen.

Digitaler Assistent (DA-3)

Produktiv genutzt wird der Digitale Assistent aktuell durch die Pilotbibliotheken Staatsbibliothek zu Berlin, SUB Hamburg, UB Stuttgart und UB Tübingen. Anfang des Jahres 2020 können weitere Bibliotheken hinzugenommen werden. Das BSZ und die VZG realisieren die Weiterentwicklung und bieten den Support für den Dienst gemeinsam an.

Der Digitale Assistent ist ein webbasiertes Tool zur maschinellen Unterstützung der intellektuellen verbalen und klassifikatorischen Inhaltserschließung und seit 2015 im Einsatz. Als Nachfolger des DA-2 wurde die neue Version DA-3 völlig neu aufgesetzt und um zahlreiche neue Funktionen erweitert. Produktiv möglich ist nun die Vergabe von GND-Beschlagwortung, Basisklassifikation und RVK.

GOKb

Die Online-Plattform „Global Open Knowledgebase (GOKb)“ ist eine Online-Plattform für die kooperative Verwaltung von elektronischen Medien und „eCollections“ wie z.B. Zeitschriftenpaketen, die im Rahmen eines Open-Source-Projekts unter der Open Library Foundation entwickelt wird. Unter der inhaltlichen Leitung der ZDB und der technischen Betreuung der VZG und des hbz entsteht mit ihr eine normative, lizenzfrei verfügbare Datenbasis für Titel- und Paketmetadaten mit dem Ziel, eine kooperativ gepflegte Knowledge Base zu schaffen, über die elektronische Ressourcen eindeutig identifizierbar sind.

Das LAS:eR-System nutzt die GOKb als zentrale Wissensmanagementbasis: Konsortiale Pakete des hbz werden durch die Gruppe Digitale Inhalte in der GOKb gepflegt. Die hbz-Konsortialstelle ist bereits mit den ersten Anbietern im Gespräch, die ihre Daten zukünftig eigenständig in die GOKb aufnehmen und dort aktuell halten sollen.

OLE/FOLIO

FOLIO (The Future of Libraries is Open) ist eine cloudfähige Open-Source-Softwarebasis für ein Bibliotheksmanagementsystem, das einfach über Zusatzservices erweitert werden kann. Mitglieder im deutschsprachigen Raum sind die Bibliotheksverbünde GBV, hbz, HeBIS und BVB. Pilotbibliotheken sind die SuUB Bremen und die ZBW Kiel.

Im 3. Quartal 2019 wurde ein weiteres Release veröffentlicht. Diese Veröffentlichung bringt neben generellen Verbesserungen und Erweiterungen der vorhandenen Funktionalitäten auch neue Funktionalitäten im Bereich Erwerbung, ERM (Electronic Resources Management), Ausleihe, Bestellung und Inventarisierung. Präsentiert wurde FOLIO im Rahmen eines Workshops im September 2019 in der KOBV-Zentrale. Der erfolgreiche Einsatz von FOLIO-ERM ist die Voraussetzung für die Weiterführung und den Ausbau der Finanzierung ab 2021.

ORCID DE

Für das DFG-Projekt ORCID DE wurde im Berichtszeitraum der neu entwickelte Web-Service „Claiming-Service“ fertiggestellt, der seit Juli 2019 von der ORCID.org-Plattform erreichbar ist. Somit können Wissenschaftler/innen ihre bei der DNB verzeichneten Werke automatisch in ihre ORCID-Werkeliste eintragen lassen. Gleichzeitig können sie ihre Personensätze in der GND identifizieren. Der Claiming-Service der DNB erleichtert es vor allem Forscherinnen und Forschern im deutschen Sprachraum, ihre Publikationsliste zu ergänzen und sich an das weltweite Normdatennetzwerk anzuschließen. In der von der DFG bewilligten zweiten Projektphase, die den Status quo und die Perspektive von Organisations-Identifikatoren eruieren wird, soll das Konsortium in eine nachhaltige Struktur überführt werden.

Projekt GND4C

GND4C – GND für Kulturdaten – ist ein von der DFG gefördertes Projekt, das die spartenübergreifende Öffnung und Weiterentwicklung der GND für die Bedarfe nicht-bibliothekarischer Einrichtungen wie Archive, Museen, Denkmalbehörden, Mediatheken oder wissenschaftliche Institutionen voranbringen soll. Das Projekt wird federführend von der DNB koordiniert. Seit Mai 2018 ist auch das BSZ als Projektpartner daran beteiligt. Dabei vertritt es im Projekt die Museumssparte und kümmert sich insbesondere um die Personen-Entität. Die zweite, noch zu beantragende Projektphase hat die Verstetigung und Erweiterung der GND-Organisation sowie die Implementierung der entwickelten Konzepte und Werkzeuge für den produktiven Einsatz zum Ziel.

Standardisierungsarbeit im deutschsprachigen Raum

RSC Meeting in Santiago de Chile

Das diesjährige Meeting des RSC (RDA Steering Committee) fand wegen der aktuellen Unruhen in Chile unter äußerst schwierigen Umständen statt. Das Outreach Meeting für die lateinamerikanische Community musste abgesagt werden.

Kurz vor dem RSC-Meeting gaben das RDA Board und das RSC bekannt, dass das 3R-Projekt am 15. Dezember 2020 abgeschlossen wird. Der Beginn der einjährigen Übergangsphase, an deren Ende das alte Toolkit abgeschaltet werden wird, steht noch nicht fest; der Zeitpunkt wird voraussichtlich Ende 2020 festgelegt. Die 2015 angestoßene Neuorganisation der RDA-Gremien hat sich gefestigt. Die bisher etablierten regionalen Vertretungen haben arbeitsfähige Strukturen aufgebaut und arbeiten gemeinsam an Themen. Die ersten Übersetzungen des RDA Toolkit sind fertiggestellt, die finnische Übersetzung wird als erste in einem Probelauf in das neue RDA Toolkit eingebracht. Ein internationales Basis-Anwendungsprofil soll in den nächsten Monaten in der neuen RDA Application Profiles Working Group ausgearbeitet werden und eine Leitlinie für die Arbeiten in den Communities darstellen.

GND

Gemäß der Absprache im GND-Ausschuss werden ab 1. September 2019 keine neuen Namenssätze (Tn-Sätze) in der GND erfasst, die Nachnutzung von vorhandenen Datensätzen wird technisch verhindert. Für Juni 2020 ist geplant, die Verknüpfung von Namensdatensätzen in den Titeldaten rückwirkend zu lösen und die verbale Bezeichnung einzutragen. Die Tn-Sätze sollen in der GND nicht mehr sichtbar, allerdings mittels Permalink noch für eine Übergangszeit erreichbar sein.

Swiss Library Service Platform (SLSP)

Im Mai 2018 hat die SLSP ihre Geschäfte am Sitz in Zürich aufgenommen. Nach der im Dezember 2018 abgeschlossenen Konzeptphase läuft seit Februar 2019 die Implementierungsphase. Bis Juli 2019 wurde die erste Testmigration mit Fokus auf der Datenmigration durchgeführt, von August 2019 bis Ende Oktober 2019 lief die zweite Testmigration mit Fokus auf den Funktionalitäten. Die dritte Testmigration, bei der erstmals alle rund 540 SLSP-Bibliotheken teilnehmen werden, folgt ab Februar 2020. Der Go-Live-Prozess ist von Oktober bis Mitte Dezember 2020 geplant. Die in Institution Zones (IZ) gruppierten Bibliotheken werden gestaffelt den produktiven Betrieb innerhalb dieses Zeitraums aufnehmen.

Mit der Realisierung des Projekts SLSP wird sich die Landschaft der Universitäts- und Hochschulbibliotheken in der Schweiz grundlegend verändern. Mit der Aufnahme des Regelbetriebs von SLSP AG werden die zentralen Services des IDS an SLSP übergehen, andere werden sich unter der Voraussetzung eines gemeinsamen Bibliothekssystems erübrigen. Der Verein IDS wird sich nach der Aufnahme des Regelbetriebs von SLSP AG auflösen.

Die nächste Sitzung der Arbeitsgemeinschaft der Verbundsysteme findet im April 2020 auf Einladung der Verbundzentrale des GBV in Göttingen statt.

Edith Röschlau, Deutsche Nationalbibliothek

Zitierfähiger Link (DOI): https://doi.org/10.5282/o-bib/5589

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