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15 Kriterien für mehr Offenheit in Bibliotheken

Der Open Library Badge ist eine Auszeichnung für Bibliotheken, die sich für Offenheit (engl. Openness) in Gesellschaft und Wissenschaft einsetzen. In vielen Bereichen von Openness sind Bibliotheken bereits aktiv. Sie bieten Open-Access-Publikationsdienste an, liefern und nutzen offene Daten, verwenden Open-Source-Software und teilen Open Educational Resources (OER). Es fehlt jedoch häufig an einer erfolgreichen Außendarstellung dieser Aktivitäten.

Der Open Library Badge soll dies als virtuelles Abzeichen leisten und zum Austausch anregen – sowohl innerhalb der Einrichtung, mit der Fachöffentlichkeit als auch mit den eigenen Nutzerinnen und Nutzern. Dass dies erfolgreich ist, zeigt das Beispiel der Verleihung des Badges 2016 an die Bibliothek der Technischen Hochschule Aschaffenburg. Hier gab es nach Bekanntgabe der Verleihung durchweg positive Rückmeldungen aus der Einrichtung zu den erfüllten Kriterien, die wiederum eine weiterführende Diskussion zu einzelnen Aspekten von Openness anregten. Dies führte dazu, dass die Bibliothek das Thema mittlerweile ausführlicher bearbeitet und sich unter anderem seit 2017 mit Veranstaltungen an der International Open Access Week beteiligt.

In einer ersten Phase ab 2016 wurde der Badge an neun Bibliotheken verliehen. Dass die Trägerinnen des Open Library Badge 2016 allesamt Wissenschaftliche Bibliotheken sind, ist auch auf die damaligen Kriterien zurückzuführen. Nicht wenige dieser Kriterien waren mit deren Schwerpunkten verbunden, etwa Open-Access-Dienste, Digitalisierung von Beständen oder Text- und Data-Mining.

Nun wurde der Badge überarbeitet und um neue Kriterien ergänzt, die auch Öffentliche Bibliotheken und ihre Verdienste um Offenheit stärker in den Fokus nehmen. Zudem werden aktuelle Entwicklungen berücksichtigt. Insgesamt belohnt der Badge Engagement in 15 Bereichen:

  • Die Bibliothek beteiligt sich an der Gestaltung von Open-Source-Software durch Entwicklung, Tests, Dokumentation, Übersetzung oder Mitfinanzierung.
  • Die Bibliothek verfügt über eine barrierefreie Website.
  • Die Bibliothek verankert Openness in ihrem Leitbild und fördert Openness in der Personalentwicklung.
  • Die Bibliothek bietet Fortbildungen zu Openness-Themen an. Sie lädt dazu auch Mitarbeiter/innen anderer Einrichtungen ein – z. B. kleinere Bibliotheken vor Ort.
  • Die Bibliothek ermöglicht Text- und Data-Mining in eigenen und lizenzierten Beständen und informiert Nutzer/innen dazu.
  • Die Bibliothek informiert die Öffentlichkeit über ihre Erwerbungsausgaben und sorgt so für Kostentransparenz im Sinne des Open Government Data.
  • Die Bibliothek bindet Open-Access-Ressourcen in das lokale Suchsystem ein und wirkt an der Erschließung von Open-Access-Ressourcen mit.
  • Die Bibliothek unterstützt die Aufdeckung von Open-Access-Potenzialen durch Beratungsangebote und Projekte im Bereich Open Science bzw. Open Educational Resources.
  • Die Bibliothek stellt ihre Lehr- und Lernmaterialien unter offener Lizenz zur Nachnutzung und Bearbeitung für andere Einrichtungen zur Verfügung.
  • Die Bibliothek bindet – z. B. durch Umfragen – Nutzer und Nutzerinnen in Prozesse der Bibliothek ein. Sie öffnet sich für externe Nutzergruppen, zum Beispiel indem sie mit anderen Einrichtungen kooperiert und/oder ihre Räume zur Verfügung stellt.
  • Die Bibliothek dokumentiert und veröffentlicht Geschäftsgänge und interne Prozesse zur Nachnutzung für andere Bibliotheken.
  • Die Bibliothek unterstützt offene Wissenscommunities wie Wikipedia oder den Chaos Computer Club durch Zusammenarbeit, Veranstaltungen oder Projekte.
  • Die Bibliothek publiziert eigene Veröffentlichungen Open Access.
  • Die Bibliothek macht Fotos der eigenen Einrichtung (etwa von Gebäuden oder Veranstaltungen) unter einer offenen Lizenz nachnutzbar.
  • Die Bibliothek versteht sich als offener Ort für alle und unterstützt die Teilhabe an der demokratischen Gesellschaft. Räume und Bestände sind ohne Zugangsbegrenzung nutzbar. Die Bibliothek bietet Kurse zur Integration, Inklusion und/oder Emanzipation von Benachteiligten an.

Erfüllen Bibliotheken fünf dieser Kriterien, können sie den Badge erhalten. Ausführliche Erläuterungen zu allen Kriterien finden sich auf der Homepage des Open Library Badge (badge.openbiblio.eu). Die Bewerbung um den Badge erfolgt über eine Eingabemaske auf der genannten Homepage. Die Erfüllung der Kriterien wird durch aussagekräftige Links nachgewiesen. Nach erfolgreicher Prüfung durch die Arbeitsgruppe des Open Library Badge erhält die Einrichtung den virtuellen Badge und kann ihn auf der Homepage, in den sozialen Medien u.ä. einbinden und damit auf ihre Aktivitäten aufmerksam machen. Zugleich erscheint die Bibliothek mit ihren erfüllten Kriterien auf der Homepage des Open Library Badge unter den Best-Practice-Beispielen.

Das Team des Open Library Badge – ein informeller Zusammenschluss von Freiwilligen aus der Bibliotheksbranche – freut sich auf Bewerbungen um den Open Library Badge 2020. Weitere Mitstreiter und Mitstreiterinnen sind ebenfalls herzlich willkommen.

Tina Grahl, Bibliothek der Technischen Hochschule Aschaffenburg

Stephan Wünsche, Universitätsbibliothek Leipzig

Zitierfähiger Link (DOI): https://doi.org/10.5282/o-bib/5571

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