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Aus der Deutschen Forschungsgemeinschaft

Aus der Deutschen Forschungsgemeinschaft

Die reguläre Frühjahrssitzung des Ausschusses für Wissenschaftliche Bibliotheken und Informationssysteme (AWBI) fand am 27. und 28. Mai 2019 in Bonn statt. Folgende Themen standen im Fokus der Diskussionen:

Fachinformationsdienste für die Wissenschaft (FID)

Weiterentwicklung des Förderprogramms

Nach der Verabschiedung durch das Präsidium der DFG sind die Studie zur Evaluierung des Förderprogramms „Fachinformationsdienste für die Wissenschaft“ sowie die Stellungnahme der Kommission zur Studie veröffentlicht worden.1 In diesem Zusammenhang hat das Präsidium auch die grundsätzliche Frage nach einer längerfristigen Finanzierungsoption für die Fachinformationsdienste aufgegriffen. Unter systematischer Betrachtung des gesamten Förderhandelns der DFG werden seitens der DFG-Geschäftsstelle längerfristige Förderoptionen für standortübergreifende Dienstleistungen im Bereich der Informationsinfrastrukturen entwickelt. Der AWBI sieht für Universitäten durch die Unterstützung von wissenschaftlichen Informationsinfrastrukturen zur überregionalen Versorgung auch die Chance eines Reputationsgewinns.

III. Tagung der FID-Leitungen

Mitte März 2019 fand auf Einladung der DFG-Geschäftsstelle die III. Tagung der FID-Leitungen in Bonn statt. Einen Themenschwerpunkt bildeten die Evaluierung des Förderprogramms sowie die darauf basierenden Empfehlungen der vom AWBI eingesetzten Kommission zur Weiterentwicklung des Förderprogramms. Ein weiterer Themenkomplex befasste sich mit dem Kompetenzzentrum für Lizenzierung und FID-Lizenzen. Die Diskussionen zu Evaluation und Indikatorik sowie Selbstorganisation und Zusammenwirken der FID führten in Folge der FID-Tagung zu weiteren themenspezifischen Veranstaltungen.

Workshop FID Indikatorik

Die Empfehlungen der Kommission zur Evaluierung des Förderprogramms „Fachinformationsdienste für die Wissenschaft“ sehen die Einführung einer verbindlichen Indikatorik vor, um die Leistungsfähigkeit eines FID sowie Nutzung und Akzeptanz der Angebote durch Forschende in standardisierter Form bewerten zu können. So lassen sich auch Kern- bzw. Daueraufgaben identifizieren, für die längerfristige Finanzierungsoptionen zu entwickeln sind. Ziel des von der DFG-Geschäftsstelle Ende Mai 2019 organisierten Workshops war es, zusammen mit Vertreterinnen und Vertretern der Kommission sowie unter Einbeziehung der FID Grundlagen für die Erhebung von qualitativen und quantitativen Erfolgsindikatoren und Nutzungszahlen zu erarbeiten. Entsprechend überarbeitete Datenblätter für das Programm „Fachinformationsdienste für die Wissenschaft“ werden dem AWBI in seiner Herbstsitzung 2019 vorgelegt.

AG Selbstorganisation

In Folge der Tagung der FID-Leitungen hat sich eine Arbeitsgruppe aus dem Kreise der FID-Leiterinnen und Leiter formiert, die strategische Themenfelder der Selbstorganisation identifiziert. Dabei handelt es sich u.a. um Fachinformationsdienste als Gesamtsystem, wozu auch Perspektiven für ein gemeinsames Kommunikationskonzept sowie Fragen der Governance gehören. Ausgelotet werden sollen auch mögliche Felder, auf denen eine intensivere Kooperation stattfinden kann. Dazu wird ein Papier zur Herbstsitzung 2019 des AWBI erarbeitet, das in die Diskussion zur Weiterentwicklung des Programms einfließen soll.

Rundgespräch zum Umgang mit urheberrechtlich geschütztem Material in Digitalisierungsvorhaben

Im Zusammenhang mit der Ausschreibung „Digitalisierung historischer Zeitungen“ hatte die Begutachtungsgruppe zu den Anträgen darauf hingewiesen, dass gerade an Zeitungsjahrgängen, die noch urheberrechtlichen Schutzfristen unterliegen, besonderes wissenschaftliches Interesse besteht. Dies betrifft insbesondere die Zeit des Nationalsozialismus. Um dem großen Forschungsinteresse gerecht werden zu können, hatte der AWBI in seiner Februar-Sitzung angeregt, in einem Rundgespräch technische und organisatorische Lösungen für die überregionale Bereitstellung urheberrechtlich geschützter Materialien in digitaler Form zu erarbeiten. In der Festlegung von Eckpunkten für das Rundgespräch sprach sich der AWBI dafür aus, nicht nur Materialien bestimmter Epochen in den Blick zu nehmen, sondern sich grundsätzlich mit rechtlich geschütztem Material zu befassen. Dezidiertes Ziel des Rundgesprächs ist es, möglichst konkrete technische und organisatorische Lösungen auf Basis der geltenden Rechtslage zu finden. Das Rundgespräch ist für das erste Halbjahr 2020 geplant.

Ausschreibung „Open-Access-Transformationsverträge“

Im Vergleich zur vorherigen Ausschreibungsrunde wurden nur geringe Anpassungen vorgenommen. Insbesondere macht die jetzige Ausschreibung2 deutlicher, dass Fördermittel auch eingeworben werden können, um beim Abschluss von Transformationsverträgen temporäre Mehrbelastungen abzufedern. Wie bisher werden auch Bücher für Transformationsverträge berücksichtigt. Die Open-Access-Transformation erfordert längerfristig eine Neustrukturierung der Finanzflüsse auf Bundes- und Länderebene. In diesem Kontext stehen auch die Planungen der DFG zur Umstellung der Publikationsfinanzierung in der Forschungsförderung. Mit der Ausschreibung soll nur eine Übergangsphase abgedeckt werden. Sie ist daher bis Ende 2020 befristet.

Bewertung der Förderprogramme „Überregionale Lizenzierung“ und „Open Access Publizieren“

Der AWBI hat sich eingehend mit dem Auswertungsbericht zu den Förderprogrammen „Überregionale Lizenzierung“ und „Open Access Publizieren“ befasst, der ein reiche empirische Basis bildet. Der Bericht zeigt die Erfolge des Programms bei der Strukturbildung in den Universitäten hin zum Open-Access-Publizieren. Ein wesentlicher Beitrag zur Entwicklung einer nachhaltigen Open-Access-Publikationskultur war die Einführung einer Preisgrenze von 2.000 Euro pro Artikel. Anhand des Berichts lässt sich auch erkennen, wie sich die Open-Access-Quoten bei geförderten und nicht geförderten Einrichtungen verhalten. Zudem ist festzustellen, dass die Verfügbarkeit von Mitteln nicht allein den Ausschlag für eine Open-Access-Publikation gibt. Auf der Grundlage des Auswertungsberichts wird nun die vom AWBI eingesetzte Kommission zur Bewertung der Publikations- und Lizenzförderung Empfehlungen für die weitere Förderung in diesen Bereichen erarbeiten.

Koordinierte Förderinitiative zur Weiterentwicklung von Verfahren für die Optical-Character-Recognition (OCR-D)

Der AWBI hat sich von Vertretern des Projektes „Koordinierte Förderinitiative zur Weiterentwicklung von Verfahren für die Optical-Character-Recognition (OCR-D)“ über den aktuellen Projektstand informieren lassen. Im Vordergrund der derzeit laufenden Förderphase steht die Koordinierung der acht Modulprojekte, die im Rahmen der Ausschreibung „Skalierbare Verfahren der Text- und Strukturerkennung für die Volltextdigitalisierung historischer Drucke“ bewilligt wurden. Ergebnis soll ein OCR-D-Gesamtworkflow sein. Die Übergabe der Projektergebnisse an nachnutzende Einrichtungen sowie Expertinnen und Experten soll im Rahmen eines Workshops erfolgen. Geplant ist, durch eine dritte Ausschreibungsrunde die Implementierung des OCR-D-Workflows in Einrichtungen, die Image-Digitalisate in Volltexte überführen wollen, zu fördern. Der AWBI hat die DFG-Geschäftsstelle gebeten, ein Förderkonzept für die Implementierungsphase zu erarbeiten und darin auch Möglichkeiten für die Qualitätssicherung des OCR-D-Gesamtworkflows vorzusehen.

Nationale Forschungsdateninfrastruktur (NFDI)

Mitte Mai 2019 hat die erste NFDI-Konferenz in Bonn mit 250 Teilnehmerinnen und Teilnehmern stattgefunden. Darunter waren 170 Vertreterinnen und Vertreter von geplanten Konsortien. Auf der Grundlage von 57 vorab eingereichten „Extended Abstracts“ war es Ziel der Konferenz, bereits im Vorfeld des NFDI-Antragsverfahrens ein Forum für Austausch, Vernetzung und Zusammenarbeit der Konsortien zu bieten. Der Vernetzungsgedanke wird nämlich auch dem Begutachtungs- und Auswahlprozess zugrunde liegen, der neben der fachlichen Qualität der geplanten Konsortien auch deren Schnittstellen und Interdependenzen betrachten wird.

Neben der Präsentation der „Extended Abstracts“ im Rahmen von acht parallel angesetzten Sessions wurden weitere Aspekte wie Zuschnitt und Größe geplanter Konsortien oder der systematische Einbezug der Bedarfe von Forschenden gemeinsam mit internationalen Expertinnen und Experten sowie den Mitgliedern des NFDI-Expertengremiums diskutiert. Dabei lag ein Schwerpunkt auf den im Verlauf der Konferenz benannten Querschnittsthemen wie bspw. Ausbildung und Training, Datenqualität, Standardbildung, Software und Schnittstellen, Interoperabilität sowie Formen der Governance. Direkt im Anschluss an die Konferenz hat das NFDI-Expertengremium in einer internen Sitzung die Ergebnisse der Konferenz bewertet und die erste Ausschreibung zur Antragstellung auf Förderung von NFDI-Konsortien vorbereitet.3

Knowledge Exchange Preprints

Im Rahmen des europäischen Netzwerks Knowledge Exchange hat eine Arbeitsgruppe untersucht, wie Preprints von Forschenden genutzt werden, welche Vorteile Preprints haben und welche Anreize und Barrieren es für Forschende gibt, Preprints zu rezipieren und zu verwenden. Auch die Einstellung von Forschungseinrichtungen und Förderorganisationen zum Thema Preprints wurde erfasst. Im Ergebnis hat die Studie4 erbracht, dass der größte Vorteil von Preprints in der frühen und raschen Verbreitung von Ergebnissen besteht. Dagegen wurden als Herausforderungen die fehlende Qualitätskontrolle genannt, verbunden mit der Gefahr, dass falsche Ergebnisse durch die Medien verbreitet werden, und die Angst vor der Ablehnung von bereits als Preprints geposteten Artikeln durch hochrangige Zeitschriften.

Leitlinien der DFG zur guten wissenschaftlichen Praxis5

Der AWBI hat zur Kenntnis genommen, dass sich die Mitglieder der DFG im Zuge der Jahresversammlung 2019 mit „Leitlinien zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis“ (Kodex) befassen werden. Mit der zwischenzeitlich erfolgten Beschlussfassung ersetzt der Kodex ab dem 1. August 2019 die bisher geltende Denkschrift „Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis“ (Denkschrift). Ziel des Kodex ist es, den Adressaten – den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sowie den Leitungen von Hochschulen und außerhochschulischen Forschungseinrichtungen – zu ermöglichen, ihre internen Strukturen, Prozesse und Handlungen an den Leitlinien zur guten wissenschaftlichen Praxis auszurichten. Für eine Übergangszeit von zwei Jahren bis zum 31. Juli 2021 reicht es aus, wenn antragstellende Einrichtungen die bisherige GWP umgesetzt haben. Ab dem 1. August 2021 ist der Kodex dann für alle antragstellenden Einrichtungen verpflichtend.

Ulrike Hintze, Deutsche Forschungsgemeinschaft Gruppe „Wissenschaftliche Literaturversorgungs- und Informationssysteme“ (LIS)

Zitierfähiger Link (DOI): https://doi.org/10.5282/o-bib/2019H3S92-95

1 DFG: Evaluierung und Stellungnahme zum Programm „Fachinformationsdienste für die Wissenschaft“, <https://www.dfg.de/foerderung/programme/infrastruktur/lis/lis_foerderangebote/fachinfodienste_wissenschaft/fid/index.html>, Stand: 15.08.2019.

2 DFG: Ausschreibung „Open-Access-Transformationsverträge“, <https://www.dfg.de/download/pdf/foerderung/programme/lis/ausschreibung_oa_transformationsvertraege.pdf>, Stand: 15.08.2019.

3 DFG: Nationale Forschungsdateninfrastruktur (NFDI), <https://www.dfg.de/foerderung/programme/nfdi/index.html>, Stand: 15.08.2019.

4 Chiarelli, Andrea; Johnson, Rob; Pinfield, Stephen u.a.: Preprints and Scholarly Communication: Adoption, Practices, Drivers and Barriers, F1000Research, 26.06.2019, <https://f1000research.com/articles/8-971/v1>, Stand: 15.08.2019.

5 DFG: Leitlinien zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis. Kodex, August 2019, <https://www.dfg.de/download/pdf/foerderung/rechtliche_rahmenbedingungen/gute_wissenschaftliche_praxis/kodex_gwp.pdf>, Stand: 15.08.2019.