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o-bib_2019_OJS-4_Dehnel

„Auch die Sammelgebiete der Nationalbibliotheken in den Volksdemokratien werden beachtet.“

Die Zentralstelle für wissenschaftliche Altbestände und Buchabgaben ins Ausland

Regine Dehnel, Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz

Zusammenfassung

Das Forschungsprojekt NS-Raubgut nach 1945: Die Rolle der Zentralstelle für wissenschaftliche Altbestände wird seit 2014 in der Abteilung Historische Drucke der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer­ Kulturbesitz (SBB PK) durchgeführt. Möglich wurde dieses Projekt durch die Förderung des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste. Gegenstand des Projektes ist die Erforschung der Wege, die einzelne Bücher und größere Buchbestände in den Jahrzehnten nach Ende des Zweiten Weltkriegs nahmen und inwiefern sich unter diesen Büchern NS-Raubgut befand. Hierfür wird die Geschichte der 1953­ in Gotha vom Staatssekretariat für Hochschulwesen der DDR eingerichteten Zentralstelle für wissen­schaftliche Altbestände (ZwA) rekonstruiert. Von 1959 bis zu ihrer endgültigen Auflösung zum Dezember 1995 war die ZwA an der Deutschen Staatsbibliothek (DSB) bzw. der SBB PK angesiedelt. Aufgabe der ZwA war die Verteilung ungenutzter wissenschaftlicher Literatur. Sie tat dies primär im Bereich jener Bibliotheken, die dem Staatssekretariat, später dem Ministerium für Hoch- und Fachschulwesen der DDR (MHF) unterstellt waren. Unter den ca. acht Millionen Büchern, die die ZwA zwischen 1953 und 1995 bearbeitete, befanden sich auch Bücher, die in ost- und ostmitteleuropäischen Städten verlegt worden waren. In Ausnahmefällen stellte die ZwA diese Bücher nicht den Bibliotheken in der DDR, sondern den Nationalbibliotheken des mit ihr befreundeten sozialistischen Auslands zur Verfügung. Es wird anhand von in Prag verlegten Büchern dargestellt, um welche Schriften es sich hierbei handelte und auf Basis welcher Regularien die Buchabgaben erfolgten. Zudem wird die Frage angerissen, in welchem Verhältnis diese Bücher zu NS-Raubgut aus Ost- und Ostmitteleuropa stehen.

Summary

Since 2014, the research project Nazi-Looted Books after 1945: The role of the Zentralstelle für wissenschaftliche Altbestände has been carried out in the Department of Early Printed Books of the Berlin State Library – Prussian Heritage (SBB PK). This project was made possible by the support of the Deutsches Zentrum Kulturgutverluste (German Cultural Heritage Center; DZK). The project aims at exploring the ways individual books and larger book collections took in the decades after the end of the Second World War and determining the rate of Nazi looted books among them. For this purpose, the history of the Zentralstelle für wissenschaftliche Altbestände (Centre for Old Scientific Bookstock; ZwA), which was established in 1953 in Gotha by the State Secretary for Higher Education of the GDR, is reconstructed. From 1959 until its final dissolution in December 1995, the ZwA was located at the Deutsche Staatsbibliothek (German State Library; DSB) and the SBB PK. The task of the ZwA was to distribute unused scientific literature. Primarily this was done among libraries which were subordinated to the State Secretary and later the Ministry for Higher and Technical Education of the GDR. Among the estimated eight million books which the ZwA distributed between 1953 and 1995 were also books printed in East and East Central European cities. In exceptional cases, the ZwA did not make these books available to libraries in the GDR, but to National Libraries of friendly socialist countries. Based on books published in Prague, the paper discusses the character of these publications and the regulations by which the books were distributed. The question of the relationship between these books and Nazi-looted books from Eastern and East Central Europe is also touched upon.

Zitierfähiger Link (DOI): https://doi.org/10.5282/o-bib/2019H4S98-119
Autorenidentifikation: Dehnel, Regine: GND 1032011025
Schlagwörter: Provenienzforschung

1. Das Forschungsprojekt „NS-Raubgut nach 1945: Die Rolle der Zentralstelle für wissenschaftliche Altbestände“ der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz

Das Forschungsprojekt zur Zentralstelle für wissenschaftliche Altbestände (ZwA) setzt die kontinuierlichen Aktivitäten der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz (SBB PK) im Bereich der Provenienzforschung und -erschließung fort. Der besondere Fokus des Projektes liegt dabei auf den Verteilungsmechanismen und -wegen von NS-Raubgut nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und damit auf dem sogenannt sekundären NS-Raubgut. Das Projekt startete im August 2014 und erfuhr eine dreijährige Förderung durch das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste. Die SBB PK führt die Forschungsarbeiten über Eigenmittel noch bis zu ihrem endgültigen Abschluss im August 2020 fort.

Angesiedelt ist das Forschungsprojekt in der Abteilung Historische Drucke der SBB PK, zu deren Profil die Koordinierung der Provenienzforschung und Provenienzerschließung an der Staatsbibliothek sowie insbesondere die Suche nach NS-Raubgut gehören.1 Neben einem Projekt zur Prüfung von 11.000 inkriminierten Zugängen aus der NS-Zeit2 wurde hier ein umfangreiches Forschungsprojekt zur Rolle der Reichstauschstelle und der Preußischen Staatsbibliothek (PSB) bei der Verteilung von NS-Raubgut3 realisiert. Entsprechend ausgeprägt ist die Expertise zu den historischen Prozessen des nationalsozialistischen Bücherraubes sowie zur Identifizierung, Verzeichnung und Rückgabe von NS-verfolgungsbedingt entzogenen Buchbeständen.

Im Projekt arbeitet eine über Drittmittel geförderte wissenschaftliche Mitarbeiterin. Eine fast einjährige Unterbrechung vor der Verlängerung der Projektförderung bedingte dabei einen personellen­ Wechsel. Flankiert wird die Projektarbeit durch dauerhaft beschäftigtes Personal der Abteilung Historische Drucke, insbesondere durch den 2007 eingerichteten speziellen Arbeitsbereich Restitution. Neben der Projektleitung wird so die nachhaltige Erfassung der im Projekt ermittelten Provenienzdaten garantiert: Verzeichnung der Exemplarhistorie im Verbundkatalog des Gemeinsamen Bibliotheksverbunds (GBV), Anlegen von Normdaten für Vorbesitzer und Provenienzmerkmale in der Gemeinsamen Normdatei (GND), Bilddokumentation der Provenienzmerkmale im ProvenienzWiki4.

Das Forschungsprojekt beinhaltet drei Aufgabenkomplexe: Die Aufbereitung und Erschließung des Aktenbestandes der ZwA, die Überprüfung eines Teilbestandes an Büchern, die von der ZwA bearbeitet wurden und die Rekonstruktion der Institutionengeschichte und der Rolle der ZwA bei der Weiterverteilung von NS-Raubgut.

Hierfür wurde der über 6.000 Blatt umfassende, in der SBB PK erhalten gebliebene Aktenbestand der ZwA umfänglich erschlossen. Diese Tiefenerschließung, die über 3.400 Dokumente aus den Jahren 1953 bis 1995/96 betraf, mündete in ein mehr als 500 Seiten umfassendes Findhilfsmittel, das der Forschung seit August 2019 online zur Verfügung steht.5

Um die Geschichte der ZwA nicht nur rekonstruieren, sondern auch kontextualisieren zu können, wurde auch die Parallelüberlieferung ausgewertet. Hier lag der Akzent zum einen bei den General­akten der Öffentlichen Wissenschaftlichen Bibliothek (ÖWB) sowie der Deutschen Staatsbibliothek (DSB), so ab Oktober 1946 bzw. Herbst 1954 die Bezeichnungen der Nachfolgeeinrichtung der PSB im Ostteil Berlins, außerdem bei den im Bundesarchiv verwahrten Beständen relevanter DDR-Ministerien, insbesondere des Staatssekretariats bzw. des Ministeriums für das Hoch- und Fachschulwesen6, des Ministeriums für Kultur, des Ministeriums des Inneren und des Ministeriums für Außenhandel. Gesichtet wurde die im Archiv der Forschungsbibliothek Gotha verbliebene Überlieferung aus den Tätigkeitsjahren der ZwA in Gotha sowie mit Blick auf die Tätigkeit des Zentralantiquariats der DDR (ZA), des nicht-bibliothekarischen Geschäftspartners der ZwA, die Überlieferung der Deutschen Buch Export- und Import GmbH und der Zentralen Leitung des Volksbuchhandels der DDR im Sächsischen Staatsarchiv – Staatsarchiv Leipzig.7

Der ebenfalls in der SBB PK erhalten gebliebene alphabetische Dienstkatalog der ZwA bildet eine weitere entscheidende Arbeitsgrundlage für das Projekt. Für die Jahre 1960 bis 1990 sind dort ca. 100.000 bis 140.000 Karten hinterlegt. Diese Karten enthalten neben einer Kurztitelaufnahme Informationen, zu welchem Zeitpunkt ein konkretes Buchexemplar von der ZwA bearbeitet, an welche Einrichtung es weitergegeben wurde. Zumindest in den 1960er Jahren weisen die Karten außerdem oft aus, welche Bibliothek das Exemplar an die ZwA abgegeben hatte. Diese Informationen erlauben die gezielte Suche nach sowie die Identifikation von Büchern, die beispielsweise über die ZwA in die DSB gelangten und somit heute im Bestand der SBB PK zu erwarten sind.

Die im Rahmen des Projektes vorgenommene Titelauswahl zur Identifizierung von ZwA-Abgaben an die DSB folgt einschlägigen inhaltlichen Kriterien: Geachtet wird vor allem auf Judaica, Masonica und Sozialistica, französische, polnische, russischsprachige Publikationen der Vorkriegszeit, Widmungs­exemplare, Veröffentlichungen der Freidenker und anderer ideologischer Gegner des National­sozialismus. 85 Prozent der bislang identifizierten ZwA-Exemplare weisen Vorprovenienzen auf. ­­10 Prozent hiervon wurden als NS-Raubgut-verdächtig bewertet.8

Bei der Auswertung des Dienstkataloges und der Rekonstruktion der Verteilungswege steht auch die Frage nach Empfängern von Büchern jenseits der wissenschaftlichen Bibliotheken der DDR im Raum. Vorrangig zuständig für die wissenschaftlichen Bibliotheken, stand die ZwA darüber hinaus auch im Austausch mit musealen Einrichtungen und Archiven. Schließlich gab es bemerkenswerter Weise Buchabgaben an Institutionen jenseits der Grenzen der DDR, in das sozialistische, befreundete Ausland. Vor dem Hintergrund der Intensität, in der insbesondere ost- und ostmitteleuropäische Bibliotheken von dem nationalsozialistischen Bücherraub betroffen waren, liegt die Vermutung nahe, unter den nach dort abgegebenen Bänden könnte sich auch vordem geraubtes Buchgut befunden haben.

2. Aufgaben und Arbeitsweise der Zentralstelle für wissenschaftliche Altbestände

Die Zentralstelle für wissenschaftliche Altbestände wurde 1953 vom Staatssekretariat für Hochschulwesen der DDR gegründet. Als Standort wählte man die frühere Herzogliche Bibliothek Gotha auf Schloss Friedenstein (heute Forschungsbibliothek Gotha). Hier entstand eine „Landesbibliothek Gotha. Zentralstelle für wissenschaftliche Altbestände“.9

Die ZwA Gotha stellte sich laut ihrem ersten Leiter, dem Bibliothekar und Literaturwissenschaftler Gerhard Pachnicke (1914–2006), „neben der Funktion als zentrale Dublettentauschstelle […] drei Aufgaben: 1. Liquidierung der Torso- und Gymnasialbibliotheken. 2. Unterstützung der wissenschaftlichen Bibliotheken in der Frage der sogenannten unbearbeiteten Bestände. 3. Erfassung und Verwertung der in allen Bereichen des öffentlichen Lebens brachliegenden und noch freiwerdenden wissenschaftlichen Bibliotheksbestände.“10

Diese „brachliegenden“ und „freiwerdenden“ Bestände gehörten u.a. zu aufgelösten Schul- sowie Landesbibliotheken; sie entstammten Büchersammlungen adliger und bürgerlicher Familien, deren Eigentum infolge der politischen Veränderungen in der sowjetischen Besatzungszone und der DDR, durch Bodenreform und Entnazifizierung sowie die Durchsetzung sozialistischer Eigentums- und Produktionsverhältnisse verstaatlicht worden waren. Insbesondere bei den „brachliegenden“ Beständen­ handelte es sich teilweise auch um oft noch unbearbeitete Bestände, die nationalsozialistischen Organisationen und Institutionen gehört hatten und somit zwischen 1933 und 1945 ihren Eigentümerinnen und Eigentümern aus antisemitischen, rassistischen, weltanschaulichen, politischen und sonstigen Gründen geraubt worden sein konnten.11 Hinzu kamen nach Kriegsende sogenannte herrenlose Bestände, die infolge der riesigen Bücherbewegungen entstanden waren, welche National­sozialismus und Zweiter Weltkrieg in ganz Europa ausgelöst hatten. Nach „Republikflucht“ und ­„illegalem Abgang“ beschlagnahmte Bücher und Schriften aus dem Privatbesitz von DDR-Bürgern wurden ab 1953/54 teilweise ebenso über die ZwA weiterverteilt. Ab den späten 1960er Jahren zählten außerdem Buch- und Zeitschriftenbestände jüngeren Erscheinungsdatums, die durch Hochschul- und sonstige Reformen in der DDR überflüssig geworden waren oder veraltet schienen, zu den von der ZwA zu bearbeitenden Beständen.

Die Bearbeitung von Büchern und Zeitschriften sah drei Verteilungsmöglichkeiten vor. Zunächst war die Vermittlung an eine wissenschaftliche Bibliothek vorgesehen. Diese folgte zunehmend dem Sammelschwerpunktplan der wissenschaftlichen Bibliotheken der DDR. Fand sich unter den wissenschaftlichen Bibliotheken keine Einrichtung, die ein Übernahmeinteresse bekundete, konnte der Antiquariatsbuchhandel die Bücher und Zeitschriften übernehmen. Abnehmer war in diesem Fall das 1959 in Leipzig gegründete Zentralantiquariat der DDR (ZA). Hatte auch das ZA kein Interesse an einer Übernahme, so blieb als dritte Möglichkeit die Abgabe an den Altstoffhandel und somit die Makulierung.

Um die Büchervermittlung koordiniert und möglichst effizient gestalten zu können, musste die ZwA Informationsflüsse organisieren und Wissen vorhalten. Sie vergab für die von ihr bearbeiteten Bücher Nummern. Bis 1968 wurden diese in der Regel mit Bleistift im Vorsatz oder auf dem Titelblatt der Exemplare vermerkt, danach nur noch in Ausnahmefällen. Durchgängig erfasste man die Nummern zudem auf den Karten des Dienstkataloges. Die Karten verwendete die ZwA auch dazu, das Übernahmeinteresse der angefragten wissenschaftlichen Bibliotheken zu dokumentierten. Die Originalkarten wurden hierfür von Bibliothek zu Bibliothek gesandt. Jede angefragte Bibliothek hinterließ auf der Kartenrückseite einen Sichtungsvermerk. Nach der im Umlaufverfahren erfolgten Entscheidung gingen Buchexemplar und Originalkarte schließlich an die übernehmende Einrichtung. Auf dem Kartendurchschlag, der in den Dienstkatalog der ZwA eingestellt wurde, vermerkte man Abgabedatum und Empfängerinstitution.

Diese Arbeitsweise behielt die ZwA im Wesentlichen auch bei, als sie 1959 nach Berlin, zur DSB wechselte.

3. Buchabgaben an Nationalbibliotheken in befreundeten Staaten

3.1. Abgaben an die Volksrepubliken Kuba, Polen, Ungarn und die ČSSR

Unter den mindestens acht Millionen12 Büchern, welche die ZwA zwischen 1953 und 1995 bearbeitete, befanden sich auch Bücher aus den Verlagsorten Prag und Warschau, Moskau und St. Petersburg, Kaunas (Litauen), Dorpat (heute Tartu; Estland), Riga oder Budapest. Spätestens nach Ende des Zweiten Weltkriegs lagen diese Städte im Einflussbereich der Sowjetunion oder waren – im Fall der baltischen Republiken – Bestandteil derselben. Die Staaten, in denen die Städte lokalisiert waren, gehörten nach Eigendefinition nun zum sozialistischen Lager. Die Mitgliedschaft im Warschauer Pakt und im Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe machte sie zu sozialistischen Bruderländern. Sie selbst bezeichneten sich als Volksrepublik oder Volksdemokratie.

Ausgehend von der Überlegung, Nationalbibliotheken wären besonders dem Sammeln jener Publika­tionen verpflichtet, die im eigenen Land erscheinen, verfügte die ZwA mit den Büchern aus den genannten historischen Verlagsorten über Material, das durchaus für die Nationalbibliotheken in diesen Staaten von Interesse sein konnte.

Für die frühen Jahre der Tätigkeit der ZwA in Gotha ist eine Weitergabe von Büchern an Bibliotheken des sozialistischen Auslands nicht belegt. Im Jahresbericht für das Jahr 1960 allerdings – die ZwA arbeitete bereits unter dem Dach der DSB – findet sich eine Formulierung, die eine solche Weitergabe nahelegt. Die Berichtenden hielten fest: „Auch die Sammelgebiete der Nationalbibliotheken in den Volksdemokratien werden beachtet. Titel, die diese Bibliotheken interessieren könnten, bietet die ZwA an.“13

Im genannten Bericht von 1960 wird die gesamte Angebotspraxis der ZwA beschrieben. Sie bestand zu diesem Zeitpunkt in der Erstsichtung aller Angebote durch die Katalogabteilung der DSB. Daran schloss sich die bereits erwähnte Weitergabemöglichkeit an andere wissenschaftliche Bibliotheken der DDR und an das ZA an.14 Die Berücksichtigung der Nationalbibliotheken der Volksdemokratien rangierte in der aufzählenden Beschreibung des Berichtes hinter den Abgaben an das ZA.

Die frühesten Buchabgaben an Bibliotheken der Volksdemokratien, die bisher im Dienstkatalog der ZwA identifiziert wurden, datieren in die Jahre 1961 bzw. 1964. Empfängerin war in beiden Fällen ausweislich der Abgabevermerke auf den erhaltenen ZwA-Karten die Nationalbibliothek in Budapest.

Ebenfalls 1964 wurden der Volksrepublik Kuba einzelne Bücher angeboten; welche Bibliothek hier Empfängerin war, beantwortet die ZwA-Karte nicht (vgl. Abb. 5). Auffällig ist, dass von je drei nach Ungarn und Kuba vermittelten Büchern allerdings nur zwei in Pest bzw. Budapest erschienen waren. Ein Blick auf die Titel der abgegebenen Bücher verdeutlicht, dass in Leipzig bzw. Berlin erschienene medizinische Fachliteratur nach Kuba gegeben wurde. Auch bei den Abgaben an Ungarn spielte neben dem Erscheinungsort wohl der fachliche Aspekt eine entscheidende Rolle: Vermittelt wurden neben einem ungarischsprachigen Titel die 1846 in Pest erschienenen Bergmännische[n] Reisen in Serbien,15 sowie Hungarica. Eine Anklageschrift von Rudolf Heinze, erschienen 1882 in Freiburg16. Drei dieser sechs Titel waren zuvor von den Landesbibliotheken Dresden bzw. Gotha an die ZwA abgegeben worden, worüber die in der linken oberen Ecke der entsprechenden ZwA-Karten vermerkten Bibliothekssigel Auskunft geben (vgl. Abb. 5 und 6).

In das Jahr 1965 fällt die Abgabe eines Exemplars des 1825 in Prag erschienenen Büchleins Kurze Geschichte der Heilanstalt der Barmherzigen Brüder in Prag von Johann Theobald Held an das Klementinum, die Prager Nationalbibliothek, worauf noch näher eingegangen werden wird.

Für Oktober 1980 und das 2. Quartal 1990 sind Buchabgaben an die Volksrepublik Polen belegt. Dabei verweisen drei Karten von 1980 auf die Generaldirektion der DSB, während 1990 explizit die Biblioteka Narodowa [w Warszawie], also die Nationalbibliothek in Warschau, als Empfängerin genannt wird. Was der Hinweis auf die Generaldirektion (GD) bedeutet, muss vorerst offen bleiben, eine Involvierung der GD bei einer Bücherabgabe ins Ausland ist jedoch naheliegend. Besondere politische Implikationen dürfen vermutet werden, hatte im Sommer 1980 doch eine große Streikwelle Polen erfasst. Die „Unabhängige Selbstverwaltete Gewerkschaft ‚Solidarność‘“ formierte sich und im Oktober 1980 wurde der visafreie Reiseverkehr zwischen der DDR und Polen aufgehoben.

3.2. Regularien in den 1960/1970er Jahren

Auf welcher Basis konnte die ZwA diese Buchabgaben über die Grenzen der DDR hinweg in das sozialistische Ausland vornehmen?

Eine für die Bibliotheken der DDR gültige Tauschordnung wurde erst am 1. März 1976, fünfzehn Jahre nach den ersten dokumentierten Buchabgaben der ZwA an die Volksrepublik Ungarn, verabschiedet.17 Zuvor, im November 1975, war die DDR den Tauschkonventionen der UNESCO vom 5. Dezember 1958 beigetreten.18 Vorangegangen war diesem Schritt die Aufnahme der DDR in die Organisation der Vereinten Nationen (UNO) und in die UNESCO am 18. September 1973 bzw. am 21. November 1972.19 Auf diese Maßnahmen, den Beitritt der DDR zu den Tauschkonventionen der UNESCO und die Aufnahme in die UNO sowie die Verabschiedung der Tauschordnung, hatte man mehrere Jahre lang

intensiv hingearbeitet. Mit der Tauschordnung beispielsweise war man seit mindestens 1972 befasst.20 Für die vorangegangenen 1960er Jahre hatte gegolten: „eine allgemein verbindliche gesetzliche Regelung für den Schriftentausch der wissenschaftlichen Bibliotheken in der Deutschen Demokratischen Republik gibt es noch nicht. In der Regel ist den Bibliotheken nur der Tausch mit Publikationen der Institution, der sie angehören, oder mit eigenen Publikationen gestattet.“21 In der (zweiten) Arbeitsordnung der ZwA war 1964 festgelegt worden, dass „für den Tauschverkehr der Bibliotheken, insbesondere mit dem befreundeten Ausland, […] Altbestände von der ZwA nur in begründeten Ausnahme­fällen freigegeben werden [können]“.22 Für einen solchen Tausch bestimmte Titel waren der ZwA vorab zu melden. Zudem hatten die tauschwilligen Bibliotheken den Tauschpartner mitzuteilen. Die im August 1965 erlassene Anweisung Nr. 10/65 des SHF, die für alle wissenschaftlichen Bibliotheken der DDR bindend war, untermauerte ihrerseits, dass „unbearbeitete Bestände ohne Genehmigung der Zentralstelle für wissenschaftliche Altbestände“ nicht für Tauschzwecke verwendet werden dürfen.23

3.3. Tauschpraxis ab 1946

Ungeachtet der bis in die Mitte der 1970er Jahre fehlenden übergreifenden Tauschordnung auf der einen, den restriktiven Regularien der 1960er Jahre auf der anderen Seite,24 gab es einen intensiven Zeitschriften- und Buchtausch ostdeutscher Bibliotheken mit Bibliotheken sowohl des befreundeten sozialistischen Auslands als auch des so bezeichneten nichtsozialistischen Wirtschaftsgebietes (NSW). Dies traf beispielsweise auch auf ÖWB bzw. DSB zu. Anknüpfend an die Vorkriegspraxis war schon 1946, bald nach Kriegsende und Wiedereröffnung, die ehemalige Reichstauschstelle „als Abteilung mit der Bezeichnung ‚Tauschstelle der ÖWB‘ eingegliedert worden“.25 Ihre Aufgabe war es, mittels (Kauf-)Tausch Veröffentlichungen für die eigenen Bestände von ÖWB bzw. DSB zu erwerben. Bis 1972 stieg die Anzahl ihrer Tauschpartnerinnen und -partner auf etwa 1.100 in 74 Ländern.26

Seit dem 1. April 1952 arbeitete in der ÖWB die Tauschstelle für kulturelle Zusammenarbeit, zuständig für den Schriftentausch mit der Sowjetunion und den Ländern der Volksdemokratie im Rahmen der Abkommen für kulturelle Zusammenarbeit. Über sie erfolgte ein „Pauschalaustausch“ aktuell erscheinender Monographien und Zeitschriften mit den Nationalbibliotheken der sozialistischen Partnerländer. Ab 15. Februar 1956 war der DSB außerdem eine Internationale Austauschstelle angegliedert worden.27 Diese übernahm zentral für die Bibliotheken der DDR Sammelsendungen von Zeitschriften, Serien und eigenen Produktionen ins weitere Ausland, darunter in die Bundesrepublik Deutschland, und leitete – wiederum zentral – Tauschsendungen aus dem Ausland innerhalb der DDR weiter.

Alle drei Organisationseinheiten: Tauschstelle, Tauschstelle für kulturelle Zusammenarbeit und Internationale Austauschstelle waren der Erwerbungsabteilung der DSB zugeordnet. Für alle drei wurde eine separate Statistik geführt und jährlich veröffentlicht.28

Im Gesamtzusammenhang des grenzüberschreitenden Buchtausches ist es bemerkenswert, dass bei Umzug und Neuaufstellung der ZwA als Dienststelle der DSB 1959 auch eine Regelung hinsichtlich des „Dublettentauschs mit Westdeutschland und dem Ausland“ getroffen worden war. Auch dieser sollte nämlich über die ZwA abgewickelt werden.29 Während hierüber 1960 im Zentralblatt für Bibliothekswesen (ZfB) berichtet wurde, hatte es schon 1959 zu den Verteilungs- und Verwertungswegen der Bücher durch die ZwA an anderer Stelle geheißen: „Die von den Bibliotheken nicht angeforderten­ Titel werden dem internationalen Dublettentausch zugeführt, der von der ZwA in Verbindung mit der Internationalen Austauschstelle durchgeführt wird.“30 Zunächst also, so scheint es, wurde an ein Zusammenwirken von Internationaler Austauschstelle und ZwA gedacht. Die Bedürfnisse des Antiquariatsbuchhandels blieben dabei zumindest 1959/1960 dem internationalen Dublettentausch, der als ureigenes bibliothekarisches Interesse betrachtet wurde, nachgeordnet. Erst nachdem auch der internationale Dublettentausch bedacht worden war, sollten „die in dem Bereich der Bibliotheken nicht verwertbaren Altbestände […] von der ZwA dem Antiquariatsbuchhandel zugeführt [werden].“31 Für diese Sicht- und Handlungsweise spricht indirekt, dass in seltensten Fällen Karten im Dienst­katalog der ZwA als empfangende Einrichtung „Stabi Tauschstelle“ nennen.32

Die beschriebene Vorgehensweise erklärt wohl das kontinuierliche Klagen des ZA zu Beginn der 1960er Jahre, Bücher der Bibliotheken und der ZwA würden zulasten der Exportaufgaben des ZA für den bibliothekarischen Tauschverkehr genutzt.33 Das ZA, seit seiner Gründung der Hauptverwaltung Verlage und Buchhandel im Ministerium für Kultur der DDR zugeordnet,34 war von Beginn an mit ökonomischen Planvorgaben konfrontiert. Es stand vor der Herausforderung, diese vor allem auch durch Export von historischen Drucken ins nichtsozialistische Ausland, darunter in die BRD, erwirtschaften zu müssen. Der Konflikt zwischen den bibliothekarischen, bestandsbewahrenden, kulturpolitischen Interessen auf der einen, wirtschaftlichen Zielvorgaben und Erwartungen auf der anderen Seite prägte über vier Jahrzehnte das enge und ambivalente Arbeitsverhältnis zwischen der ZwA und dem ZA.35

Es dürften eben die Klagen des ZA und die dahinter stehenden ökonomischen Interessen sowohl des ZA als auch der Hauptverwaltung Verlage und Buchhandel gewesen sein, die Mitte der 1960er Jahre bewirkten, dass die Verwendung von „unbearbeiteten Beständen“ für Tauschzwecke eben nur ausnahmsweise erlaubt sein sollte, was in der Anweisung Nr. 10/65 dann festgeschrieben wurde.

Zu dieser Entwicklung passt, dass zumindest die im ZwA-Dienstkatalog dokumentierten Bücherabgaben nach Kuba, Ungarn, Polen und in die Tschechoslowakei große Ausnahmen blieben. Vorsichtig hochgerechnet wird man von vielleicht 75 Titeln ausgehen dürfen, die diesen Verteilungsweg nahmen.36 Dass sich ausgerechnet hierunter in nennenswertem Umfang NS-Raubgut befand, ist wenig wahrscheinlich. Versuche, zumindest das 1965 an das Klementinum abgegebene Büchlein Kurze Geschichte der Heilanstalt der Barmherzigen Brüder in Prag von Johann Theobald Held als Exemplar zu identifizieren (vgl. S. 107f), scheiterten leider trotz engagierter Unterstützung seitens der tschechischen Kolleginnen. Die Tschechische Nationalbibliothek besitzt vier Exemplare dieser Schrift von J. Th. Held. Sie erwarb diese in den Jahren 2016 (Signatur 54 H 385690), 1952 (Signatur I 072259) sowie 1936 (Signatur 48 F 69). Das vierte Exemplar (Signatur 18 D 179), auf welches sich zunächst die Hoffnung der Verfasserin richtete, wurde nach Auskunft aus Prag vor 1950 erworben.37 Damit steht keines dieser Exemplare im Zusammenhang mit der Tätigkeit der ZwA. Aussagen zur Provenienz des 1965 von der ZwA abgegebenen Bandes können keine getroffen werden.

4. Bücher ost- und ostmitteleuropäischer Herkunft

4.1. In Prag verlegte Bücher

Von den bis Februar 2019 im Rahmen des Forschungsprojektes erfassten ca. 11.000 Titeln des ZwA-Dienstkatalogs erschienen 118 Titel ausweislich der bibliographischen Karten in Prag. Die Mehrzahl dieser Titel wurde von der ZwA an die DSB abgegeben, gefolgt von Abgaben an das ZA. Weitere Empfänger waren u.a. die Universitätsbibliotheken in Halle, Leipzig und Berlin (Ost).

Empfänger

Anzahl der Titel

Berlin (Ost), DSB

49

– Kartenabteilung

– 1

– Afrika-Amerika-Abteilung

– 1

– AK 0038

– 8

Leipzig, Zentralantiquariat der DDR (ZA)

27

Halle, Universitäts- und Landesbibliothek

9

Leipzig, Universitätsbibliothek

8

Berlin (Ost), Jüdische Gemeinde

6

Dresden, Landesbibliothek

4

Potsdam, Volksarmee

2

Berlin (Ost), Museum für deutsche Geschichte

2

Berlin (Ost), Universitätsbibliothek

1

4.1.1. Abgaben an die DSB

Die überwiegende Mehrheit dieser in Prag verlegten Titel, nämlich 90 von 118, erschien um oder nach 1900. Die beiden ältesten, 1677 bzw. 1744 verlegten Titel wurden an die Bibliotheken des Museums für deutsche Geschichte bzw. der Jüdischen Gemeinde zu Groß-Berlin abgegeben. Vier vor 1850 erschienene Titel erhielten je hälftig die Jüdische Gemeinde bzw. die DSB. Das ZA figurierte erst bei den ab bzw. nach 1850 erschienenen Titeln als Empfängerin.

Erscheinungsjahr

Anzahl der Titel

vor 1700 (1677)

1

vor 1750 (1744)

1

1800–1849

4

1850–1899

22

1900–1919

14

1920–1929

42

1930–1939

32

1940–1945

2


Ein Blick auf die an die DSB bzw. ihre Abteilungen abgegebenen Titel verdeutlicht einige der Herausforderungen der Provenienzforschung: Elf Titel wiesen in den Exemplaren selbst im Vorsatz oder auf dem Titelblatt die auf den Karten des Dienstkatalogs genannte ZwA-Nummer auf, was ihre Zuordnung zur ZwA eindeutig macht. In fünfzehn weiteren Titelexemplaren fehlen diese Nummern. Sie wurden aus Plausibilitätsgründen dennoch der ZwA zugeordnet, da sie ZwA-typische Vorprovenienzen aufwiesen (vgl. hierzu 4.1.2). Für neunzehn von 51 Titeln konnte im Rahmen des Forschungsprojektes entweder kein oder kein passendes Exemplar im Bestand der SBB PK gefunden werden. In weiteren drei Fällen wurde eine Zuordnung zur ZwA als zu unwahrscheinlich bewertet, da die Bücher weder ZwA-Nummern noch sonstige aussagekräftige Provenienzmerkmale enthielten. Für drei Titel steht eine Autopsie noch aus.

Aussagen, beispielsweise, über die Provenienz von in Prag verlegten Buchexemplaren, die von der ZwA an die Jüdische Gemeinde abgegeben wurden – es handelte sich in allen sechs Fällen um Schriften, die sich mit dem Judentum oder jüdischen Themen befassen – sind derzeit leider unmöglich. Trotz intensiver Forschung konnten bisher nur wenige ZwA-Bücher identifiziert werden, die sich heute in der Bibliothek des Centrum Judaicum befinden.39 Es ist weiterhin unklar, wo sich das Gros der Bücher aus der Bibliothek der Jüdischen Gemeinde von Groß-Berlin, darunter auch die von der ZwA übernommenen Bücher, heute befindet. Eine Autopsie der Bücher ist aufgrund der Erschließungssituation der Bibliothek nicht möglich.

4.1.2. Vorprovenienzen in den in Prag verlegten Büchern

Zwei der an die DSB abgegebenen Bücher, die in Prag verlegt wurden, waren vor ihrer Verteilung durch die ZwA einst im Besitz der Bibliothek des Auswärtigen Amtes; ein weiteres hatte das Amt Schrifttumspflege der Reichsleitung der NSDAP besessen. Vier andere Bücher verweisen in ihren Vorprovenienzen auf das parallel mit der Auslandswissenschaftlichen Fakultät der Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin durch Erlass des Reichserziehungsministeriums am 5. Januar 1940 gegründete Deutsche Auslandswissenschaftliche Institut (DAWI) bzw. darin aufgegangene Vorgängerinstitutionen: das Eurasische Seminar der Hochschule für Politik und das Rußland-Institut der Auslands-Hochschule.40 Ein NS-verfolgungsbedingter Entzug lässt sich für diese Bände weder völlig ausschließen, noch belegen.

Weitere Exemplare stammten von DDR-Organisationen und -Institutionen, darunter der Zentralbibliothek der Regierung der DDR, der Bibliothek des Bundesvorstandes des FDGB (Freier Deutscher Gewerkschaftsbund), der Hochschule für Planökonomie, der Stadtbücherei Plauen, dem Botanischen Institut der Universität Leipzig, der Brandenburgischen Landes- und Hochschulbibliothek in Potsdam, der Deutschen Hochschule für Körperkultur in Leipzig.

Einige wenige Exemplare enthielten Provenienzhinweise, die weiterführende Interpretationen erlauben.

Am 17. Juni 1960 gab die ZwA die 1932 bei Orbis in Prag erschienene Schrift Die Konsumgenossenschaften­ in der Tschechoslowakei von Erich Herz an die DSB. Das Exemplar, gekennzeichnet mit der ZwA-Nummer 8110, wird durch den Stempel Vyslanectvi Československe Republiky ve Varšavě als Eigentum der tschechoslowakischen Gesandtschaft in Warschau ausgewiesen.41 Eben diese Provenienz weist auch ein Exemplar auf, welches die ZwA am 18. Juli 1979 an die Landesbibliothek Dresden gab.42 Ein Zusammenhang mit den Beschlagnahmungen, die das im Auftrag des Auswärtigen Amtes agierende Sonderkommando Künsberg während des Einmarschs der Deutschen Wehrmacht in Polen im Herbst 1939 praktizierte, ist hier naheliegend, wenngleich es sich nicht in konkreten Provenienzmerkmalen niederschlug. Die Hauptzielrichtung des Sonderkommandos galt zu Beginn seiner Tätigkeit Akten, Büchern und weiteren politisch relevanten Materialien in feindlichen und neutralen diplomatischen Vertretungen und Wohnungen.43

Datei:Tschechoslowakei Vyslanectvi Polen Stempel DE-1 Sd2555~12 a.jpg

Ein zweites Beispiel für eine weiterführende Provenienz bilden die Kalender des Deutschen Kulturverbandes für die Jahre 1927 und 1935, die vermutlich über die ZwA 1963 in den Bestand der DSB gelangten. Sie tragen Stempel der Volksbücherei Donitz und der Zweigstelle Donitz der Deutschen Gemeindebücherei der Stadt Karlsbad44 bzw. der Gemeindebücherei Sattl45. Zu welchem Zeitpunkt und aus welchem Grund sich die Bibliotheken in Donitz bzw. Sattl von den Kalendern trennten oder auch trennen mussten, muss aktuell offen bleiben. Da die Büchereien bzw. Ortschaften in den sudetendeutschen Gebieten der Tschechoslowakischen Republik lagen, ist es allerdings gut möglich, dass hier zeithistorische Prozesse der Nachkriegszeit wirkten. Im Konkreten könnte es sich um Folgen des von allen Alliierten beschlossenen Potsdamer Abkommens und der auf dieser Basis verabschiedeten sogenannten Beneš-Dekrete handeln, die die Abschiebung und Vertreibung der deutschen Minderheit nach sich zogen.

 

4.1.3. Prager Vorprovenienzen

Prager Vorprovenienzen gibt es unter den seitens der ZwA an die DSB abgegebenen, bis Februar 2019 dokumentierten Exemplaren drei.

1977 gab die ZwA die 1914 im Leipziger Insel-Verlag erschienenen Arien und Bänkel aus Altwien, gesammelt und eingeleitet von Oskar Wiener, an die DSB ab. Das Exemplar, das leider keine ZwA-Nummer enthält, gehörte einst der Privaten Gesamtschule der 3. Stufe Atheneum Prag II (Soukromá jednotná škola III. stupně Atheneum). Es kam über das per Stempel mit Institut für Literatur Leipzig ausgewiesene namhafte Leipziger Literaturinstitut46 an die ZwA. In Leipzig war das Buch offenbar 1956 zunächst eingearbeitet worden.47 Auf welchem Weg es nach Leipzig gelangte, ist bisher unklar.

1984 übergab die ZwA der DSB ein 1846 in Amsterdam bei van Kampen erschienenes Buch, Reis Naar Java En Bezoek Op Het Eiland Madura.48 Es hatte mindestens zwei Vorbesitzer. Handschriftlich ist im Buch vermerkt „Dauerleihgabe Barloesius“. Gleich mehrere Provenienzmerkmale im Buch verweisen auf die Bibliothek des Orientalischen Instituts der tschechischen Akademie der Wissenschaften in Prag (Orientalni ustav v Praze). Teilweise überstempelt mit „Vyrazeno“ (‚gelöscht‘ oder ‚getilgt‘), dürfte das Buch in Prag von der Bibliothek selbst ausgeschieden worden sein, ehe es nach Berlin gelangte. Ob die Aussonderung allerdings freiwillig oder unter dem Druck der politischen Verhältnisse, etwa der Errichtung des „Reichsprotektorats Böhmen und Mähren“ durch die Deutschen 1939 erfolgte, ist bisher unklar. Das Orientalische Institut hatte in der Zeit des „Reichsprotektorats“ in begrenztem Umfang weiterarbeiten können. 1944 allerdings musste es seine Räume im Palais Lobkowitz (Lobkovický­ palác) verlassen und in kleinere Räume umziehen, da das Gebäude von der SS beansprucht wurde.49

1962 gelangte, vermittelt durch die ZwA, aus der Landesbibliothek Dresden die 1932 bei S. Fischer in Berlin erschienene [Die] Reise nach Genf des Journalisten, Schriftstellers und Diplomaten Max Beer (1886–1965) in die DSB.50 Das Buch trägt eine eigenhändige Widmung Beers vom 19. Februar 1932 an Hans Hermann Völckers (1886–1977). Beer nimmt darin Bezug auf ihr „gemeinsames Wirken in Genf“. Wie Beer war auch Völckers Diplomat, wirkte u.a. als Botschaftsrat in Madrid (1933–1937) und als Gesandter in Kuba. Von Mitte 1939 bis September 1941 war Völckers in Prag persönlicher Referent des Reichsprotektors von Böhmen und Mähren, Constantin von Neurath (1873–1956). Ein Stempel im Buch Gesandter Dr. H. H. Völckers Prag Palais Czernin verweist auf Völckers damalige Wirkungsstätte. Das im Prager Stadtteil Hradschin gelegene barocke Palais Czernin diente als Außenministerium der Tschechoslowakei und beherbergt heute das Außenministerium der Tschechischen Republik. Während der deutschen Besatzung war es Sitz des Reichsprotektors.51

5. Fazit und Ausblick

Es bleibt festzuhalten: Sicher erkennbares oder zumindest vermutliches NS-Raubgut bildet unter den in Prag verlegten, über die ZwA verteilten Büchern bisher die Ausnahme. Es beschränkt sich mit abnehmender Wahrscheinlichkeit auf die Bücher aus der tschechoslowakischen Gesandtschaft, der Bibliothek des Orientalischen Instituts und der Privaten Gesamtschule Atheneum in Prag. Die zunehmende systematische Provenienzerschließung eröffnet allerdings einen breiteren Blick auf Herkunft und Geschichte der in Prag veröffentlichten Bücher.

Unter methodischem Gesichtspunkt ist abschließend folgendes anzumerken.

1.Bei Forschungen zu sekundärem NS-Raubgut, das nach Ende des Zweiten Weltkriegs in Ostdeutschland in öffentliche Bibliotheken gelangte oder dort erst nach Kriegsende erfasst wurde, sind unbedingt die Entwicklungen der Nachkriegsjahrzehnte mitzudenken. Über Kulturabkommen und Freundschaftsverträge fand in diesen ein umfänglicher Buchtausch statt. Erschwert wird die Identifizierung von NS-Raubgut zudem durch den Umstand, dass beispielsweise zwischen PSB und Sowjetrussland bereits ab 1923 Tauschbeziehungen existierten.52 Ab 1924 wurden zwischen Notgemeinschaft der Deutschen Wissenschaft und Russischer Zentraler Bücherkammer Verträge über den Austausch von Büchern, Zeitschriften und Dubletten abgeschlossen.53 Ab 1. Juli 1927 war die Deutsche Bücherei fester Tauschpartner der Bücherkammer.54 Auch das in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgte Institut für Sozialforschung (IfS)55 der Goethe-Universität Frankfurt am Main erhielt in den 1920er Jahren über den internationalen Buchtausch zahlreiche Schriften aus der Sowjetunion. Entsprechend gibt es in (ost-)deutschen Bibliotheken reguläre Zugänge von Büchern osteuropäischer Herkunft in durchaus erheblichem Umfang.

2.So wie die ZwA in den 1960er Jahren mitnichten nur in Ungarn verlegte Bücher an die Ungarische­ Nationalbibliothek vermittelte, so enthalten – beispielsweise – in Tschechien verlegte Bücher selbstverständlich nicht nur tschechische Provenienzmerkmale. Die Suche nach bestimmten­ „nationalen“ Provenienzen muss mehr in den Blick nehmen, als die in einem bestimmten Staatsgebiet erschienene Literatur, richteten sich doch die Raubzüge der Nationals­ozialisten weniger an Erscheinungsorten als vielmehr an Themen und Werten aus. Das primäre Interesse galt jener Literatur, die für die „Gegnerforschung“ geeignet schien, was bei diversen staatlichen und ­Parteistellen in „Ost-“ und „Kirchenbibliotheken“, „Freimaurer-“ und „Judenbibliotheken“ mündete. Zudem war man an kulturhistorisch wertvollen Sammlungen, beispielsweise den Bibliotheken der ehemaligen russischen Zarenresidenzen interessiert. Dennoch ist eine Überprüfung von in Moskau, Warschau, Dorpat erschienenen, von der ZwA verteilten Büchern sinnvoll. Eine möglichst breite und systematische Provenienzerschließung wird es ermöglichen, differenziert und substantiell auf die weiterhin im Raum stehende Vermutung zu reagieren, in deutschen Bibliotheken gäbe es bis heute eine Fülle geraubter polnischer, russischer, ukrainischer Bücher.56 Hier wird es auch wichtig sein, das Wissen um die umfänglichen Nachkriegsrestitutionen an beispielsweise die polnische Militärmission oder die Sowjetische Militäradministration in Deutschland (SMAD) zu reaktivieren.57 Kontinuierliche Grundlagen- sowie spezielle Provenienzforschung jenseits befristeter, institutionell begrenzter Projekte, gerade auch mit besonderem Augenmerk auf ost- und ostmitteleuropäische Bücher, kann hier helfen. Dass hierfür eine intensive, nachhaltige Vernetzung mit Forscherinnen und Forschern in Ost- und Ostmitteleuropa mehr als wünschenswert wäre, versteht sich dabei von selbst.

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3 Forschungsprojekt “Reichstauschstelle”, Abteilung Historische Drucke, Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, <https://staatsbibliothek-berlin.de/de/die-staatsbibliothek/abteilungen/historische-drucke/aufgaben-profil/projekte/projekt-reichstauschstelle/>, Stand: 27.08.2019. Die Forschungen aus dem Projekt mündeten in zwei umfängliche Publikationen: Briel, Cornelia: Beschlagnahmt, erpresst, erbeutet. NS-Raubgut, Reichstauschstelle und Preußische Staatsbibliothek zwischen 1933 und 1945, Berlin 2013; Briel, Cornelia: Die Bücherlager der Reichstauschstelle, Frankfurt a.M. 2016 (Zeitschrift für Bibliothekswesen und Bibliographie 117).

4 ProvenienzWiki, <https://provenienz.gbv.de/Hauptseite>, Stand: 29.08.2019.

5 Der Aktenbestand Zentralstelle für wissenschaftliche Altbestände (ZwA), ProvenienzWiki, 2019, <https://provenienz.gbv.de/Datei:SBB-PK_Akten_DSB_ZwA.pdf>, Stand: 27.08.2019.

6 Das Staatssekretariat für Hochschulwesen entstand aus der Hauptabteilung Hochschulen und Wissenschaft im Ministerium für Volksbildung der DDR. Es wurde am 22.2.1951 gegründet. Im Februar 1958 erfolgte nach strukturellen­ Veränderungen die Umbenennung in Staatssekretariat für das Hoch- und Fachschulwesen (SHF), im Juli 1967 die Umbenennung in Ministerium für das Hoch- und Fachschulwesen der DDR (MHF).

7 U.a. die Sichtung der externen Überlieferung erfolgte im ersten Projektabschnitt (2014–2017) durch Hannah Neumann. Vgl. Neumann, Hannah: Die Weiterverteilung von NS-Raubgut nach 1945 und die Rolle der Zentralstelle für wissenschaftliche Altbestände. Aktuelle Forschungsansätze in der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, in: ­Literaturkritik (11) 2015. Online: <http://literaturkritik.de/id/21180>, Stand: 28.08.2019.

8 Der schnellste Weg zu den im GBV dokumentierten ZwA-Bänden führt über diesen Link: <https://gso.gbv.de/DB=2.1/CMD?&ACT=SRCHA&IKT=8288&SRT=YOP&TRM=%22zentralstelle+wissenschaftliche+altbestände%22>, Stand: 29.08.2019. Im Onlinekatalog der SBB sind die ZwA-Bände der SBB über das Suchfeld „Provenienzen (XPRN)“ recherchierbar; siehe: <http://stabikat.de/>, Stand: 29.08.2019. Ebenda können über das Suchfeld „Signatur (XSGB)“ alle hier im Text erwähnten, in den Anmerkungen mit ihren Signaturen ausgewiesenen Exemplare recherchiert und die Vorprovenienzen nachvollzogen werden.

9 Vgl. Aktennotiz. Altbestand-Verwertung. ÖWB, Roloff an ÖWB, Kunze. 26.2.1953 (Durchschlag). SBB PK, Akten DSB, ZwA 1,2, Bl. 19–23, hier Bl. 20.

10 Pachnicke, Gerhard: Die Arbeit an den wissenschaftlichen Altbeständen, in: Zentralblatt für Bibliothekswesen 68 (11/12), 1954, S. 426–435, hier S. 429.

11 Als Beispiel kann das Institut für Staatsforschung angeführt werden. Unter den Vorprovenienzen dieser Einrichtung befinden sich solche der Bibliothek der Sozialdemokratischen Partei sowie aus dem Eigentum des Berliner Rechtsanwalts Benno Wygodzinski (1879–1942). In beiden Fällen handelt es sich zweifelsfrei um NS-Raubgut. Bücher mit beiden Vorprovenienzen gelangten über das Institut für Staatsforschung nach Kriegsende in die damalige Berliner Stadtbibliothek sowie in die DSB. Einige wenige Exemplare dieser beiden Vorprovenienzen hatte die ZwA an die DSB vermittelt. Vgl.: <https://provenienz.gbv.de/Institut_für_Staatsforschung>, Stand: 29.08.2019.

12 Diese Zahl beziffert die Gesamtmenge der von der ZwA Berlin von 1959 bis 1995 bearbeiteten Bände, also sowohl die in den erhalten gebliebenen Statistikbüchern registrierten Bände als auch Bestände, die an das ZA oder in die Makulatur gingen, außerdem physisch nicht in die ZwA übernommene, vor Ort in den Bibliotheken und Institutionen bearbeitete Bestände. Vgl. ZwA Zahlen. 22.11.1996. SBB PK, Akten DSB, ZwA 13,299, Bl. 212–215. Sie scheint angesichts der Mitteilungen anlässlich des 10. und des 20. Jubiläums der ZwA Berlin plausibel. 1969 sah man auf zwei Millionen, 1979 auf 4,4 Millionen bearbeitete Bände zurück. Vgl. Beirat für das wissenschaftliche Bibliothekswesen beim Ministerium für das Hoch- und Fachschulwesen (Hg.): Mitteilungen aus dem wissenschaftlichen Bibliotheks­wesen der DDR 7 (8/9) 1969, S. 129f und 17 (10) 1979, S. 64. Grob überschlagen und durchschnittlich wird man je Jahrzehnt der Existenz der ZwA zwei Millionen bearbeitete Bände veranschlagen können.

13 Jahresbericht für 1960 der Zentralstelle für wissenschaftliche Altbestände, 21.1.1961 (Durchschlag). SBB PK, Akten DSB, ZwA 13,304, Bl. 361–367, hier Bl. 363.

14 Ebd.

15 ZwA-Nummer D 5788.

16 ZwA-Nummer F 1229

17 Neunte Durchführungsverordnung zur Bibliotheksverordnung – Ordnung über den Internationalen Schriftentausch der Bibliotheken und Informationseinrichtungen sowie den Tausch und die Abgabe von offiziellen Veröffentlichungen und Regierungsdokumenten (Tauschordnung) – vom 1. März 1976, in: Bibliotheksverband der Deutschen Demokratischen Republik, Fachkommission für Rechtsfragen (Hg.): Rechts-ABC für Bibliothekare, Leipzig 1983, S. 250–255.

18 Vgl. Genzel, Peter: Die Entwicklung des Schriftentausches der Deutschen Staatsbibliothek in den letzten 25 Jahren, in: Zentralblatt für Bibliothekswesen 100 (10), 1986, S. 433–442, hier S. 433 und Anm. 2.

19 Vgl. das Stichwort „Internationale Bibliotheksorganisation“, in: Bibliotheksverband der Deutschen Demokratischen Republik, Fachkommission für Rechtsfragen (Hg.): Rechts-ABC für Bibliothekare, Leipzig 1975, S. 113–117, hier S. 115–116.

20 Vgl. hier zum einen den Fünfjahresbericht der Deutschen Staatsbibliothek 1971–1975, Berlin 1980, S. 36, der „[…] ­­­die jahrelange aktive Mitarbeit an einer in Vorbereitung befindlichen Tauschordnung der DDR“ erwähnt. Zum anderen weist die Überlieferung der ZwA auf dieses Datum hin. Siehe hier Protokoll des Gesprächs zwischen der ZWA Berlin und der UB Leipzig am 21.8.1972 in der UB Leipzig. UB Leipzig, Schaaf an DSB, ZwA, Kümmel. 22.8.1972 (Durchschlag). SBB PK, Akten DSB, ZwA 4,117, Bl. 249. Peter Genzel, Leiter der Erwerbungsabteilung der DSB, erwartete schon 1961 „eine für alle wissenschaftlichen Bibliotheken und Institute […] verbindliche Anweisung über den internationalen Schriftentausch“. Er zog diese Hoffnung daraus, dass Ungarn im Januar 1960 eine solche Anordnung verabschiedet hatte. Vgl. Genzel, Peter: Die internationale Zusammenarbeit der wissenschaftlichen Bibliotheken auf dem Gebiet des Literaturtausches – Erfahrungen und Probleme, in: Dube, Werner; Wegehaupt, Heinz; Rother, Erika (Red.): Deutsche Staatsbibliothek. 1661–1961. Vorträge, Berichte und Dokumente zur Dreihundertjahrfeier, Berlin 1965, S. 191–203, hier S. 192. Genzel spielte als Leiter der Erwerbungsabteilung der DSB eine wichtige Rolle bei der Entwicklung des Schriften-, insbesondere des internationalen Schriftentauschs. Er hatte auch den Vorsitz der Kommission Schriftentausch des Internationalen Verbandes der Bibliothekar-Vereine (IFLA). Vgl. Genzel, Peter: Beratung über Schriftentausch, in: Beirat für das wissenschaftliche Bibliothekswesen beim Ministerium für das Hoch- und Fachschulwesen (Hg.): Mitteilungen aus dem wissenschaftlichen Bibliothekswesen der Deutschen Demokratischen ­Republik 13 (5/6), 1975, S. 41–42.

21 Stichwort „Schriftentausch“, in: Deutscher Bibliotheksverband, Kommission für Rechtsfragen (Hg.): Kleines ABC rechtlicher Regelungen für Bibliothekare, Leipzig 1967, S. 90.

22 Arbeitsordnung der Zentralstelle für wissenschaftliche Altbestände (ZwA), in: Ebd., S. 253–256, hier S. 255.

23 Anweisung Nr. 10/65 des SHF über die rechtliche Regelung der Aussonderung von Bibliotheksbeständen vom 1. August 1965, in: Rechts-ABC (1975), S. 314–315, hier S. 315.

24 Nur verwiesen sei an dieser Stelle auf die Inhaftierung des Direktors der Universitätsbibliothek Rostock, Alfred ­Eberlein. Eberleins Verurteilung Anfang der 1970er Jahre stand im Zusammenhang mit Kauftausch unter Beteiligung­ bundesdeutscher Antiquariate. Müller, Werner (Hg.): Alfred Eberlein an der Universitätsbibliothek Rostock ­1954–1971. [Begleitheft zur Ausstellung], Rostock 1997 (Veröffentlichungen der Universitätsbibliothek Rostock 125).

25 Verein Deutscher Bibliothekare (Hg.): Jahrbuch der Deutschen Bibliotheken 34 (1950), Wiesbaden, S. 8.

26 Karžanevic, Igor Grigorevic; Klekovkina, Nadežda Ivanovna: Probleme des internationalen Schriftentausches. ­Ergebnisse einer Fragebogenaktion, in: Zentralblatt für Bibliothekswesen 86 (9), 1972, S. 521–536, hier S. 527

27 Vgl. Jahresbericht der Deutschen Staatsbibliothek 1956, Berlin 1958, S. 27 sowie Genzel: Die internationale ­Zusammenarbeit, 1965, S. 197.

28 Vgl. die Jahresberichte der Deutschen Staatsbibliothek 1956, S. 37–43, 1957, S. 25–29, 1958, S. 25–29.

29 Vgl. Schmidt, Werner: Zentralstelle für wissenschaftliche Altbestände – Dienststelle in der Deutschen Staatsbibliothek, Berlin, in: Zentralblatt für Bibliothekswesen 74 (2), 1960, S. 121.

30 Zentralstelle für wissenschaftliche Altbestände – jetzt Dienststelle der Deutschen Staatsbibliothek, in: Deutsche Staatsbibliothek (Hg.): Nachrichten aus dem wissenschaftlichen Bibliothekswesen der Deutschen Demokratischen Republik 5 (5), 1959, S. 34.

31 Ebd.

32 ZwA-Nummer A 8561. Es handelte sich um den Jahresbericht der Königlichen Bibliothek zu Berlin für die Jahre 1912 bis 1916. Die Karte trägt neben dem Abgabevermerk „Stabi Tauschstelle“ das Datum 31.10.60.

33 Vgl. beispielsweise Bericht über die erweiterte Sitzung des Antiquariatsausschusses des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler zu Leipzig am 31.5.1963 im Bugra-Messehaus. DSB, ZwA, Genzel an [DSB, Kunze]. 4.6.1963 (Durchschlag). SBB PK, Akten DSB, ZwA 5,144, Bl. 182–187, hier S. 183: „Durch den Schriftentausch der Biblio­theken werde das Exportgeschäft, und damit auch das Importgeschäft, eingeschränkt. Es müsse hier unbedingt ein Abkommen mit dem Ministerium für Kultur und dem Staatssekretariat für das Hoch- und Fachschulwesen getroffen werden […].“ Ebd., S. 184: „Es sei nicht zu verantworten, daß die Bibliotheken die Angebote der Antiquariate dazu benutzten, um daraus Objekte für Tauschzwecke anzuschaffen.“

34 Zu dieser „literaturpolitische[n] Superbehörde“ und „ökonomische[n] Planzentrale“ vgl. Lokatis, Siegfried: Die Hauptverwaltung des Leselandes, in: Aus Politik und Zeitgeschichte 11/2009. Online: <http://www.bpb.de/apuz/32144/die-hauptverwaltung-des-leselandes?p=all>, Stand: 28.08.2019.

35 Zum Agieren des Zentralantiquariats und dem genannten Konflikt vgl. Schroeder, Werner: Internationalisierte Kultur­gutverwertung. Die Beschaffungs- und Einkaufspolitik des Zentralantiquariats der DDR, in: Bomski, Franziska; Seemann, Hellmut Th.; Valk, Thorsten (Hg.): Spuren suchen. Provenienzforschung in Weimar, Göttingen 2018, S. 245–265.

36 Dieser Hochrechnung liegt zugrunde, dass in 27 Kästen des ZwA-Dienstkatalogs 10 Beispiele für derartige Buchübergaben gefunden wurden. Da der Katalog insgesamt 203 Kästen enthält, ergibt sich daraus die – rein statistische – Chance auf insgesamt 75 derartige Funde. Damit wären 75 Exemplare von schätzungsweise 100.000 bis 140.000 Titeln, die im ZwA-Dienstkatalog verzeichnet sind, an Bibliotheken sozialistischer Staaten gegeben worden. Dies würde gerade einmal 0,05 bis 0,075 Prozent der dokumentierten verteilten ZwA-Bücher entsprechen.

37 Vgl. die Korrespondenz mit Karolina Kostalova, Reference and Interlibrary Loan Services, National Library of the Czech Republic, vom 8. März sowie vom 13. März 2019. In letztgenannter Nachricht wird die Signatur 18 D 179 erklärt. Signaturen dieser Art wurden seit den 1950er Jahren nicht mehr vergeben, woraus Kostalova schlussfolgert, dass das Exemplar vor 1950 erworben wurde.

38 Das Kürzel AK 00 auf den Karten des ZwA-Dienstkataloges signalisiert, dass der Titel im Alphabetischen Katalog der DSB seinerzeit nicht gefunden werden konnte. In einzelnen Fällen erfolgte die Abgabe solcher Titel an die DSB. Von den hier aufgeführten acht Titeln wurde allerdings nur einer im Rahmen des Projektes als von der ZwA vermittelter Titel identifiziert. Zu den sieben anderen konnten keine oder keine passenden Exemplare gefunden werden.

39 Zur Provenienzforschung an der Stiftung Neue Synagoge Berlin – Centrum Judaicum vgl. <https://www.centrum­ judaicum.de/cjudaicum_wp/provenienzforschung/> sowie <http://lootedculturalassets.de/index.php/About/Index>, Stand: 29.08.2019. In der LCA-Datenbank sind zwei über die ZwA an die Jüdische Gemeinde Berlin (Ost) gegebene Bände dokumentiert: <http://lootedculturalassets.de/index.php/Detail/Object/Show/object_id/241638>; <http://lootedculturalassets.de/index.php/Detail/Object/Show/object_id/220730>, Stand: 29.08.2019. Beide Bände enthielten die Originalkarten der ZwA. Allerdings wurden sie nicht in Prag verlegt. Bei beiden ließ sich kein Hinweis auf eine NS-Verfolgung finden.

40 Zu Geschichte und Provenienzmerkmalen des DAWI und ihrer Vorgängerinstitutionen vgl. <https://provenienz.gbv.de/Deutsches_Auslandswissenschaftliches_Institut_(Berlin)>, Stand: 26.06.2019.

42 SLUB 3.A.8254. Hinweis von Elisabeth Geldmacher, Sächsische Landes- und Universitätsbibliothek Dresden, vom 3. April 2019 an die Verfasserin.

43 Zu SS-Sturmbannführer Legationsrat Baron Eberhard von Künsberg (1909–1945) und dem von ihm geleiteten gleichnamigen Sonderkommando vgl. grundlegend sowie mit explizitem Bezug auf dessen Agieren im Krieg gegen die ­Sowjetunion die Publikationen von Ulrike Hartung, insbesondere: Raubzüge in der Sowjetunion. Das Sonderkommando Künsberg: 1941–1943, Bremen 1997; Verschleppt und verschollen. Eine Dokumentation deutscher, sowjetischer und amerikanischer Akten zum NS-Kunstraub in der Sowjetunion (1941–1948), Bremen 2000, hier vor allem S. 50, 58f. Außerdem grundsätzlich und zum Wirken in Polen: Heuss, Anja: Die „Beuteorganisation“ des Auswärtigen Amtes. Das Sonderkommando Künsberg und der Kulturgutraub in der Sowjetunion, in: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte 45 (4) 1997, S. 535–556, hier S. 536–537. Online: <https://www.ifz-muenchen.de/heftarchiv/1997_4_2_heuss.pdf>, Stand: 29.08.2019; Vgl. auch Conze, Eckart; Frei, Norbert; Hayes, Peter; Zimmermann, Moshe: Das Amt und die Vergangenheit. Deutsche Diplomaten im Dritten Reich und in der Bundesrepublik, München 2010, S. 214 ff.

45 SBB Oz 11554-14.1935<a>. Vgl. <https://provenienz.gbv.de/Gemeindebücherei_Sattl>, Stand: 18.06.2019.

46 1955 gegründet, erhielt das Institut 1958 Hochschulstatus und 1959 den Namen „Johannes R. Becher“. ­Zur Geschichte des Instituts siehe: Lehn, Isabelle; Macht, Sascha; Stopka, Katja: Schreiben lernen im Sozialismus. ­Das Institut für Literatur »Johannes R. Becher«, Göttingen 2018.

47 SBB Yf 4481<a>; vgl. die im Buch befindliche Zugangsnummer W8 1309/56. Die 56 dürfte dabei als 1956 zu interpre­tieren sein. Zu diesen und allen weiteren SBB Signaturen und den erfassten und hier genannten Provenienzmerkmalen sei nochmals auf den Onlinekatalog der SBB verwiesen: <http://stabikat.de>, Stand: 29.08.2019.

48 SBB 38 MA 12565.

49 Vgl. <http://www.orient.cas.cz/o-nas/historie/>, Stand: 27.06.2019. Die Familie von Lobkowitz hatte dem tschecho­slowakischen Staat 1927 ihre ehemalige Stadtresidenz, das Palais Lobkowicz auf der Prager Kleinseite verkauft. Von Seiten des tschechoslowakischen Staates war das Palais, das seit 1974 als Sitz der Botschaft der Bundesrepublik­ Deutschland dient, ab 1927 für Belange des Ministeriums für Schulwesen und Volksbildung genutzt worden. Arbeits­räume und Bibliotheken des Staatlichen Denkmalpflegeamts, der Masaryk-Akademie der Arbeit, des Archäologischen, des Slawischen und wohl auch des Orientalischen Instituts der tschechischen Akademie der Wissenschaften befanden sich im Palais. Siehe hierzu <https://cs.wikipedia.org/wiki/Lobkovick%C3%BD_pal%C3%A1c> sowie <https://prag.diplo.de/blob/1893582/a291b25f68c899b9c1d14901353d5bb4/download-palais-lobkowicz-deu-cze-data.pdf>, Stand: 29.08.2019.

50 SBB Qo 29982<a>.

51 Hinsichtlich des Palais Czernin in Prag im Allgemeinen, der Nutzung durch das Tschechoslowakische Außenministerium ab September 1934 sowie der Verwendung als Sitz des Reichsprotektors zunächst durch Constantin von Neurath, später durch Reinhard Heydrich vgl. <https://www.mzv.cz/jnp/en/about_the_ministry/location_and_contacts/czernin_palace/czernin_palace_cerninsky_palac_1.html>, Stand: 30.08.2019. Zu von Neurath vgl. außerdem Conze; Frei; Hayes; Zimmermann: Das Amt, 2010.

52 Vgl. Osteuropa in der Staatsbibliothek – Die Staatsbibliothek in Osteuropa. Vortrag von Olaf Hamann. Online: <https://www.pirckheimer-gesellschaft.org/aktuelles/osteuropa-der-staatsbibliothek-die-staatsbibliothek-osteuropa>,
Stand: 18.06.2019.

53 Siehe hierzu insbesondere Hamann, Olaf: Russische Stempel in deutschen Bibliotheksbüchern. Über den Buchtausch zwischen Deutschland und der Sowjetunion in den Jahren 1920–1941, in: Hamann, Olaf (Hg.): Durch Dialog zur Zusammenarbeit. Über den Deutsch-Russischen Bibliotheksdialog zu kriegsbedingt verlagerten Büchersammlungen, Berlin 2016 (Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Veröffentlichungen der Osteuropa-Abteilung 43), S. 246–250.

54 Genzel, Peter: Der Schriftentausch zwischen der Leninbibliothek und der Deutschen Staatsbibliothek, in: Zentralblatt für Bibliothekswesen 84 (6), 1970, S. 342–349.

55 Zur Geschichte der Bücherei des IfS vgl. <https://provenienz.gbv.de/Goethe-Universität_Frankfurt_am_Main._Ins titut_für_Sozialforschung>, Stand: 29.08.2019. Auch von den über 500 in der SBB identifizierten Bänden des IfS war eine sehr kleine Teilmenge über die ZwA in die DSB gelangt.

56 Verwiesen sei in diesem Zusammenhang auf die Ergebnisse des systematischen Abgleichs des russischen Verlust­kataloges für Buchsammlungen mit den Sammlungen der SBB PK: „Keines der im Verlustkatalog aufgeführten ­Exemplare befindet sich im Bestand der Staatsbibliothek“. Scheibe, Michaela: Der russische Verlustkatalog für ­Buchsammlungen und sein Abgleich mit den Sammlungen der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kultur­besitz, in: Hamann, Olaf (Hg.): Durch Dialog zur Zusammenarbeit. Über den Deutsch-Russischen Bibliotheksdialog zu kriegs­bedingt verlagerten Büchersammlungen, Berlin 2016 (Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Veröffentlichungen der Osteuropa-Abteilung 43), S. 199–206, hier S. 200.

57 Michaela Scheibe erinnert daran, dass die damalige ÖWB Ende 1947/Anfang 1948 „der russischen Zentralkommandantur (Kapitän) Šurišev 19.022 Bücher“ übergab. Gleichzeitig wurden weitere 20.000 Bände an Polen restituiert. Ebd. S. 205.

Ich danke an dieser Stelle Olaf Hamann, Leiter der Osteuropa-Abteilung der SBB PK, für den Gedankenaustausch ­­zu in der Sowjetunion während des Zweiten Weltkriegs geraubten Büchern und deren Kriegs- und Nachkriegsschicksalen. Mit gutem Grund wird man davon ausgehen dürfen, dass sich heute in ostdeutschen Bibliotheken nur noch wenige derartige Bücher befinden. Hierfür sprechen nicht zuletzt die zahlreichen Auffindungs-, Rückführungs- und Rückgabeaktivitäten, die zunächst von der vorrückenden Roten Armee selbst ausgingen, nach Kriegsende in der Sowjetischen Besatzungszone von den sowjetischen Trophäenbrigaden und der SMAD fortgesetzt wurden und auch in der DDR Thema blieben.