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Aus der Deutschen Forschungsgemeinschaft

Aus der Deutschen Forschungsgemeinschaft

Am 9. und 10. Oktober 2018 ist der Ausschuss für Wissenschaftliche Bibliotheken und Informationssysteme (AWBI) zu seiner regulären Sitzung in Bonn zusammengekommen. Im Fokus der Diskussionen standen folgende Themen:

Fachinformationsdienste für die Wissenschaft (FID)

Der AWBI hat sich mit den Ergebnissen der mündlichen Begutachtungssitzungen zu den Anträgen des Jahres 2018 für das Programm „Fachinformationsdienste für die Wissenschaft“ befasst und eine abschließende Bewertung vorgenommen. Von den 22 Anträgen konnte für 20 eine Bewilligungsempfehlung ausgesprochen werden. Neu hinzugekommen ist der „Fachinformationsdienst Zentralasien – Autochthone Kulturen und Sprachen“ der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen.

Die Gesamtbetrachtung der Anträge hat gezeigt, dass bei den technischen Infrastrukturangeboten – insbesondere den Portalen, die im Rahmen der FID-Förderung entwickelt werden und die vor allem bedingt durch fachliche Spezifika sehr divers sind – künftig verstärkt auf Usability, Zugänglichkeit und die Einhaltung von Mindeststandards geachtet werden muss. Dazu gehört auch, Synergien zwischen FID an einem Standort sowie standortübergreifend zu nutzen. Gerade beim Aufbau technischer Infrastrukturen und technologischer Entwicklungen kann die Zusammenarbeit und der Wissenstransfer zwischen den FID intensiviert werden, dies insbesondere auch mit Blick auf die Interoperabilität der Angebote sowie Nachnutzungsmöglichkeiten. Des Weiteren sollten künftig durchgehend Nutzungszahlen der FID-Angebote erhoben werden. Dazu empfiehlt es sich, die Erhebungsmethodik zu vereinheitlichen und ein verbindliches Set an quantitativen und qualitativen Indikatoren zu entwickeln.

Der AWBI hat sich zudem erneut mit dem Stand der Evaluierung des Förderprogramms „Fachinformationsdienste für die Wissenschaft“ befasst. Die multiperspektivische Evaluationsstudie, mit deren Durchführung ein externer Dienstleister beauftragt worden ist, enthält neben zahlreichen qualitativen Erhebungen auch quantitative Elemente, wie beispielsweise Befragungen von wissenschaftlichen Nutzerinnen und Nutzern sowie wissenschaftlichen Bibliotheken. Auf der Grundlage der Studie ist die vom AWBI eingesetzte Kommission zur Evaluierung der Fachinformationsdienste zu der Einschätzung gelangt, dass die mit der Umstrukturierung der Sondersammelgebiete verfolgte Zielsetzung, die Fachinformationsdienste am Bedarf der wissenschaftlichen Communities auszurichten, erfolgreich umgesetzt worden ist. Es ist eine Ausfächerung des Angebotsspektrums der FID bedingt durch die auf die jeweiligen Spezialbedarfe der Fächer ausgerichteten Strategien der Informationsversorgung zu beobachten. In diesem Kontext sind forschungsorientierte, innovative Dienstleistungen entstanden. Nach Einschätzung der Kommission ist die Einbindung von elektronischen Ressourcen zwar erfolgt, allerdings noch nicht in dem von Nutzerinnen und Nutzern gewünschten Umfang. Dazu gehört neben der Lizenzierung elektronischer Produkte auch die Bereitstellung weiterer Inhalte im Open Access. Die FID haben sich aus Sicht der Kommission als Bestandteil der überregionalen Informationsversorgung etabliert und mit ihren teilweise experimentell angelegten Services neue Impulse für das Bibliothekswesen in Deutschland gesetzt. Als eine Möglichkeit der Umsetzung der oben genannten Punkte, insbesondere verbindlichere Kooperationen und Nachnutzung technologischer Entwicklungen, wird angeregt, die Selbstorganisation der FID zu stärken. Dies kann auch dazu beitragen, die Sichtbarkeit der FID als eine Gesamtstruktur und Teil eines Systems nationaler Informationsinfrastrukturen zu stärken.

Digitalisierung archivalischer Quellen

Der AWBI hat die Ergebnisse der Begutachtungen der Anträge aus der zweiten Runde der Ausschreibung „Digitalisierung archivalischer Quellen“ zur Kenntnis genommen. Von 21 eingereichten Anträgen wurden 15 Anträge mit einem Gesamtvolumen von rund 1,72 Mio. Euro bewilligt. Es war wiederum ein breites Spektrum an Archivtypen vertreten. Da der AWBI die wissenschaftliche Relevanz archivalischer Quellen bestätigt hat, soll diese Förderlinie – erneut im Rahmen einer Ausschreibung – fortgesetzt werden. Es soll aber verstärkt darauf hingewirkt werden, einen breiteren und strukturierteren Zugang zu digitalisierten Quellen bieten zu können. Daher sollen in der nächsten Ausschreibungsrunde zusätzlich die Rückgratbestände der Archive in den Fokus genommen werden. Zudem soll nach Ansicht des AWBI die geforderte überregionale Relevanz nicht zu hoch gewichtet werden, da sich die wissenschaftliche Bedeutung eines Bestandes häufig erst im Zusammenspiel und Vergleich mit anderen Beständen ergibt.

Erschließung und Digitalisierung

Mit Blick auf das für das Jahr 2020 geplante überarbeitete Förderangebot für den Bereich „Erschließung und Digitalisierung“ hat die vom AWBI eingesetzte Kommission Förderstrategie Erschließung und Digitalisierung ein Basisdatenset erarbeitet. Ziel ist es, damit die Digitalisierung wissenschaftlich relevanter Objekte ohne vorherige Erschließung zu ermöglichen. Explizit darauf hingewiesen wurde, dass es sich dabei nicht um ein Regelwerk für alle Objekte über jedes Fach hinweg handelt, sondern ein Rahmen für die grundlegende Interoperabilität und Auffindbarkeit von Objekten geschaffen wurde. Das Basisdatenset soll die Kontextualisierung durch Identifikatoren gewährleisten, eindeutige und maschinell lesbare Aussagen zur Rechtssituation der Digitalisate (Rechtssicherheit für die Wissenschaft) liefern und als Instrument zur Qualitätssicherung dienen.

Bewertung des Förderprogramms „Informationsinfrastrukturen für Forschungsdaten“

Mit der Einführung des Programms „Informationsinfrastrukturen für Forschungsdaten“ im Jahr 2013 war festgelegt worden, nach Ablauf von fünf Jahren eine Bewertung der Fördermaßnahme vorzunehmen. Dafür hatte der AWBI eine eigene Kommission eingesetzt. Um die Bewertung vornehmen zu können, wurden zum einen quantitative und qualitative Analysen auf der Grundlage von Antrags- und Berichtsunterlagen durchgeführt, zum anderen haben – mit Unterstützung eines externen Dienstleisters – Interviews mit Projektnehmern und Nutzerinnen und Nutzern stattgefunden. Festzustellen ist, dass das Programm mit Blick auf die Entwicklung eines besseren Umgangs mit Forschungsdaten Pilotcharakter hatte. Die Förderung hat eine große Vielfalt an Projekten hervorgebracht. Allerdings besteht ein Zielkonflikt zwischen der in LIS-Programmen üblicherweise geforderten Nachhaltigkeit der im Projekt aufgebauten Infrastrukturen auf der einen Seite und der zugleich im Programm geforderten Innovativität auf der anderen Seite. Empfohlen wird, das Förderangebot grundsätzlich fortzuführen, wobei vor allem in drei Bereichen Fokussierungen angeraten werden: (a) für Großprojekte in fachlichen Communities, in denen das Datenmanagement bereits etabliert ist und die Forschungsdateninfrastruktur einen gewissen Grad der Konsolidierung erreicht hat, die jedoch Unterstützung bei der Überführung in den regulären Betrieb und Anbindung an bestehende Systeme benötigen; (b) für kleinere und mittlere Projekte in fachlichen Communities, in denen noch keine oder kaum Angebote zum Forschungsdatenmanagement bestehen und in denen entsprechende Strukturen erst aufgebaut werden müssen; (c) für bestehende Infrastrukturen, um sie mit gezielten Lösungen zu professionalisieren und erweiterte, ggf. an veränderte Anforderungen angepasste Funktionalitäten anbieten zu können.

Überregionale Lizenzierung

In der diesjährigen Runde wurden sieben Anträge eingereicht, darunter erstmals auch drei Open-Access-Transformationsanträge. In die derzeit laufende Bewertung des Programmes „Überregionale Lizenzierung“ werden dann auch die Erfahrungen mit Projekten zur Open-Access-Transformation mit einfließen.

Gemeinsame Arbeitsgruppe der dbv-Sektion 4 und des AWBI

Mit den vom AWBI und der dbv-Sektion 4 veröffentlichten Papieren (DFG-Positionspapier: Förderung von Informationsinfrastrukturen für die Wissenschaft; DFG-Impulspapier: Stärkung des Systems wissenschaftlicher Bibliotheken in Deutschland; dbv-Sektion 4: Wissenschaftliche Bibliotheken 2025)1 liegt eine detaillierte Analyse und Problemdarstellung des wissenschaftlichen Bibliothekswesens in Deutschland vor. Nun wurde eine gemeinsame Arbeitsgruppe des AWBI und der dbv-Sektion 4 eingerichtet, die Vorschläge dazu erarbeiten soll, wie die in den Papieren konstatierten Strukturdefizite durch gemeinsames Handeln der Bibliotheken gemeistert werden können.

Infrastrukturen in der Exzellenzstrategie

Der AWBI hat mit großem Interesse zur Kenntnis genommen, dass in den Anträgen zu den Exzellenzclustern fast durchgehend Angaben zum Forschungsdatenmanagement gemacht worden sind und zum Durchführen hier einschlägiger Aufgaben häufig auch eigenes Personal vorgesehen war. In einigen Fällen werden große Infrastrukturen für Daten- und Informationsservices etabliert. Einige Anträge enthielten auch Planungen zur Gründung von Open-Access-Journals bzw. weiterreichende Angaben zu Publikationsstrategien.

Digitaler Wandel in den Wissenschaften

In Ergänzung zu dem geschäftsstellen-internen Projekt „Digitaler Wandel in den Wissenschaften“ hat das Präsidium der DFG eine Expertenkommission „Wissenschaft im digitalen Zeitalter“ eingesetzt. Die Kommission wird sich mit folgenden vier Themenblöcken befassen, die aufeinander aufbauen: Prozesse von Wissenschaft und Forschung; Daten, Publikationen und Software als Digitale Güter der Wissenschaft und ihre Bedeutung für die Wissenschaft als Sozialsystem; Methoden und Wissenschaftsbegriffe; Digitale Methoden und wissenschaftliche Prinzipien. Vorgesehen ist, dass die Expertenkommission ihre Arbeiten bis Ende des Jahres 2019 abschließen wird.

Wissenschaftliches Publikationswesen

Ein weiteres geschäftsstellen-internes Projekt befasst sich mit dem wissenschaftlichen Publikationswesen. Dabei stehen vor allem zwei Themenkomplexe im Vordergrund: Zum einen geht es um Maßnahmen hinsichtlich des Publikationsdruckes in der Wissenschaft, der Dysfunktionalitäten nach sich zieht. Dieser Punkt umfasst auch die Qualitätssicherung von Publikationen. Zudem wurde vom Senat der DFG eine Grundsatzerklärung erbeten, die auch die Bewertung wissenschaftlicher Leistungen anhand von bibliometrischen Indikatoren kritisch reflektiert. Das zweite Themenfeld bezieht sich konkret auf das AWBI-Positionspapier und die darin enthaltene Maßnahme zur Analyse der Publikationskostenfinanzierung der DFG auch über die Forschungsförderung. Vorgesehen ist, die Erkenntnisse aus diesem Bereich mit den Ergebnissen aus den Bewertungen der LIS-Programme „Open Access Publizieren“ und „Überregionale Lizenzierung“ zusammenzuführen.

cOAlition S

Plan S ist eine Strategie zur Förderung des freien Zugangs zu wissenschaftlichen Erkenntnissen, die mit öffentlichen Mitteln erarbeitet wurden. Getragen wird das Vorhaben von 18 nationalen und internationalen Forschungsförderern sowie der Europäischen Kommission und dem Europäischen Forschungsrat. Die DFG hat sich der cOAlition S nicht angeschlossen. Der AWBI hat die Stellungnahme der DFG dazu,2 die auf dem Positionspapier des AWBI basiert, zur Kenntnis genommen.

Knowledge Exchange

Der AWBI hat sich zudem über die aktuellen Entwicklungen im europäischen Netzwerk Knowledge Exchange informiert. Derzeit sind im Themenbereich „Open Scholarship“ drei Arbeitsgruppen aktiv. Zwei der Arbeitsgruppen befassen sich mit ökonomischen Aspekten von Open Scholarship. Ziel ist es, das ökonomische Verständnis der Prozesse, Services und Organisationsformen, die Wissenschaft im digitalen Zeitalter untermauern, zu verbessern. Dieser Punkt wird aus zwei Richtungen beleuchtet: Zum einen werden in einer Arbeitsgruppe verschiedene theoretische Modelle mit Blick auf ökonomische Aspekte von Open Scholarship untersucht, die zweite Arbeitsgruppe befragt verschiedene Initiativen und Einzelpersonen, die im Bereich Open Scholarship tätig sind. Die dritte Arbeitsgruppe beschäftigt sich mit der Bewertung wissenschaftlicher Leistung. Um eigene Beiträge zu Open Scholarship zu dokumentieren und diese beispielsweise in Lebensläufe einbinden zu können, soll ein sogenanntes „Openness Profile“ für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler entwickelt werden.

Ulrike Hintze, Deutsche Forschungsgemeinschaft Gruppe „Wissenschaftliche Literaturversorgungs- und Informationssysteme“ (LIS)

Zitierfähiger Link (DOI): https://doi.org/10.5282/o-bib/2019H1S82-86

1 DFG: Förderung von Informationsinfrastrukturen für die Wissenschaft, 15.03.2018, <http://www.dfg.de/download/pdf/foerderung/programme/lis/positionspapier_informationsinfrastrukturen.pdf>, Stand: 03.03.2019; DFG: Stärkung des Systems wissenschaftlicher Bibliotheken in Deutschland, 22.05.2018, <http://www.dfg.de/download/pdf/foerderung/programme/lis/180522_awbi_impulspapier.pdf>, Stand: 03.03.2019; dbv-Sektion 4: Wissenschaftliche Bibliotheken 2025, Januar 2018, <https://www.bibliotheksverband.de/fileadmin/user_upload/Sektionen/sektion4/Publikationen/WB2025_Endfassung_endg.pdf>, Stand: 03.03.2019.

2 DFG: Stellungnahme der DFG zur Gründung von „cOAlition S“ zur Unterstützung von Open Access, 04.09.2018, <http://www.dfg.de/foerderung/info_wissenschaft/2018/info_wissenschaft_18_56/index.html>, Stand: 03.03.2019.