Zu Artikeldetails zurückkehren Kommission für forschungsnahe Dienste: Ihre neue VDB-Kommission stellt sich vor
Kommission für forschungsnahe Dienste

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Kommission für forschungsnahe Dienste

Ihre neue VDB-Kommission stellt sich vor

Forschungsnahe Dienstleistungen werden von Bibliotheken in steigendem Maße gefordert und inzwischen zunehmend angeboten. Die digitale Informationsversorgung und zunehmende Interdisziplinarität stellen Herausforderungen an das bislang disziplinär ausgerichtete Fachreferat. Bibliotheken bieten vermehrt fachübergreifende zentrale Serviceangebote zur Unterstützung von Forschung und Publikation an. Der Open-Access-Transformationsprozess erfordert erweiterte Kompetenzen für Wissenschaftler/innen sowie Bibliothekspersonal, ebenso wie Entwicklungen im Bereich Forschungsdatenmanagement und Bibliometrie. Nicht zuletzt die Forschungsprozesse selbst können vom in Bibliotheken vorhandenen Know-how profitieren, betrachtet man beispielsweise die Entwicklungen um Open Science oder Digital Humanities in den letzten Jahren.

Die Erstellung neuer Dienstleistungen für die Wissenschaft war in der Arbeit des VDB bislang noch zu wenig berücksichtigt. Um die Kolleginnen und Kollegen, die stark in die Erstellung von forschungsnahen Dienstleistungen eingebunden sind, zukünftig durch entsprechende Fortbildungs- und Vernetzungsangebote besser zu unterstützen, hatten Vorstand und Vereinsausschuss zu Beginn des Jahres 2018 beschlossen, dieses berufs- und laufbahnübergreifende Thema mit einer neuen Kommission zu institutionalisieren. Die Berufung der Mitglieder erfolgte zum 1. Oktober 2018, Mitte November schließlich konstituierte sich die neue Kommission in Nürnberg.

Die Kommission für forschungsnahe Dienste begleitet die bibliothekarische Diskussion um die Entwicklung von forschungsnahen Diensten. Darüber hinaus berät sie sowohl Bibliothekarinnen und Bibliothekare als auch Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an den Hochschulen und Forschungseinrichtungen zu forschungsunterstützenden Angeboten. Schließlich organisiert die Kommission Fortbildungen und Workshops zu den Bereichen Open Science und Digital Humanities, Forschungsmanagement (Forschungsdaten, Metadaten, Normdaten) und Forschungsoutput (Open Access, Bibliometrie, Open Educational Resources).

Auf dem Kongress in Leipzig lud die Kommission im Rahmen eines Impulscafés zur Diskussion auf dem Podium der Verbände am Mittwoch zwischen 14:00 und 15:30 Uhr ein. Für den Herbst ist ein zweitägiger Workshop zum Thema „Was ist Forschung?“ geplant, dessen Ziel es ist, unterschiedliche Forschungsprozesse besser verstehen zu lernen, um daraus Unterstützungsangebote in Bibliotheken für Forschende abzuleiten.

Wolfgang Stille, Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt (Vorsitzender der Kommission für forschungsnahe Dienste)

Mitglieder der Kommission

Vorsitzender: Dr. Wolfgang Stille

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Leiter der Abteilung IT, Forschung und Entwicklung und Stellvertretender Direktor der Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt

https://orcid.org/0000-0003-4468-4208

Ich habe viele Jahre in der Forschung gearbeitet, bevor ich 2013 ins Bibliothekswesen wechselte. In den letzten Jahren habe ich viele forschungsnahe Prozesse und Diskussionen innerhalb der Universität begleitet oder gar initiiert, wie z.B. den Umgang mit Forschungsdaten, im Bereich Forschungsinformation und natürlich auch in Forschungsprojekten und deren Beantragung selbst. Während einer Abordnung an das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst im Jahre 2018 konnte ich viele Einblicke in universitäre Infrastrukturprojekte gewinnen.

Ich bin der festen Überzeugung, dass die Erbringung forschungsnaher Dienstleistungen für Bibliotheken in der Zukunft eine wichtige Rolle einnehmen wird und somit auch eine höhere Identifikation mit und Kompetenz in derartigen – zumeist digitalen – Diensten im Berufsbild von Bibliothekarinnen und Bibliothekaren Platz finden muss. Bibliotheken spielen bereits in den Phasen der Informationsrecherche sowie der Publikation von Forschungsergebnissen eine wichtige Rolle. Den Forschungsprozess selbst hingegen unterstützen sie bislang wenig. Mit zunehmender Digitalität in der Forschung können sie aufgrund ihrer digitalen Kompetenzen jedoch auch in diesem Bereich als Partner der Forschung agieren. Um als Bibliothek Dienstleistungen für Forschende anbieten zu können, ist ein Verständnis des sehr heterogenen und sich stets wandelnden Forschungsalltags unabdinglich. Ich möchte mich daher innerhalb der Kommission dafür einsetzen, dieses Verständnis durch die Vernetzung und Kommunikation mit Forschenden zu schärfen und auf dieser Basis im Dialog mit Forschenden und Bibliothekar/inn/en neue Dienstleistungen und Fortbildungsangebote auf den Weg zu bringen.

Stefan Farrenkopf

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Leiter der Abteilung IT der Universitätsbibliothek Kiel

https://orcid.org/0000-0003-2640-4444

Von der neuen VDB-Kommission forschungsnahe Dienste habe ich beim Bibliothekartag in Berlin erfahren, war von der Idee sofort begeistert und habe direkt nach der Tagung meine Bewerbung eingereicht. Ich bin seit 2012 Abteilungsleiter IT und Fachreferent für Informatik und Mathematik an der Universitätsbibliothek Kiel. Davor war ich als Projektmitarbeiter, Fachreferent und stellvertretender Abteilungsleiter der Abteilungen Forschung und Entwicklung sowie Digitale Bibliothek an der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen tätig. Meine vielseitige Tätigkeit in Kiel hat viele Anknüpfungspunkte zu den Themenfeldern Forschungsdatenmanagement, Digital Humanities, Digitalisierung, Metadatenmanagement und Publikationsdiensten. Entscheidend für den Aufbau oder die Entwicklung neuer Dienstleistungen ist in meinen Augen ein tatsächlicher Bedarf. In unserem Kieler Umfeld stehen wir daher in regem und regelmäßigem Austausch mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern und entwickeln Projekte, Dienste und Regelungen, wie z.B. die Forschungsdatenleitlinie der Christian-Albrechts-Universität, gemeinsam.

Mein Hauptinteresse liegt auf der Etablierung neuer Dienstleistungen an der Schnittstelle zwischen Bibliothek und Forschung, die neben Beratungs- und Schulungsangeboten auch eine Unterstützung der Forschung in den Bereichen Erschließung, technische Unterstützung und nachhaltiger Bereitstellung umfassen.

Mit einer Teilnahme an der Kommission verbinde ich die Gelegenheit, im kollegialen Austausch konzeptionell die in der Ausschreibung angesprochenen Aspekte zu behandeln, Konzepte zu entwickeln und zur Etablierung neuer Handlungsfelder und der dafür notwendigen Kompetenzen in unserer Community beizutragen.

Dr. Timo Glaser

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Leiter elektronisches Publizieren und Open-Access-Beauftragter an der Universitätsbibliothek Marburg

https://orcid.org/0000-0002-2590-647X

In den letzten Jahren war ich an der UB Marburg Ansprechpartner für Forschende zu Fragen der Digitalisierung, des elektronischen Publizierens sowie des Open Access/Open Science und des Forschungsinformationssystems. Zuletzt habe ich mit dem Digital Humanities Learning Lab ein Format entwickelt, um Studierenden einen ersten Zugang zu Techniken der Digital Humanities zu ermöglichen.

Die Ausschreibung für die neue Kommission für forschungsnahe Dienste habe ich verstanden als Ansatz, die Bibliothek an den Schlüsselstellen des Forschungsprozesses präsent und sichtbar zu machen.

Neben der Weiter- und Neuentwicklung von einzelnen Diensten finde ich an der Kommissionsarbeit besonders spannend, dazu beizutragen, in Bibliotheken das Wissen um die konkreten Arbeitsweisen von Forschenden und deren Informationsverhalten zu vertiefen. Mit diesem Wissen können wir sodann besser verstehen, was unsere Forschenden benötigen, wie wir als Bibliothekarinnen und Bibliothekare ihnen bei ihrer Forschungstätigkeit helfen können und welche Dienste Bibliotheken entwickeln sollten.

Gerald Jagusch

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Referent für Forschungsdaten an der Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt

https://orcid.org/0000-0001-9964-1112

Nach dem Bibliotheksreferendariat an der ULB Darmstadt baue ich dort seit 2015 für die TU Darmstadt Services zum Forschungsdatenmanagement und auch für weitere forschungsnahe Themen auf. Im Rahmen dieser Tätigkeit bin ich in mehrere große Projekte eingebunden, u.a. HeFDI (Hessische Forschungsdaten-Infrastrukturen) und NFDI4Ing (Konsortium für eine NFDI für die Ingenieurwissenschaften). Darüber hinaus liegt ein Arbeitsschwerpunkt in der Drittmitteleinwerbung, insbesondere zusammen mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Universität.

Besondere Anliegen bei der Mitarbeit in der neuen VDB-Kommission für forschungsnahe Dienste sind mir die Entwicklung von Fortbildungsangeboten, vor allem in den Feldern Drittmittelakquise und Projektmanagement, die Weiterentwicklung der Berufsbilder im wissenschaftlichen Bibliothekswesen und zudem als Berufsverband darauf hinzuwirken, dass in diesen „neuen Arbeitsfeldern“ Dauerstellen für Daueraufgaben geschaffen werden – auch um neue Interessentenkreise für den VDB zu erschließen.

Dr. Caroline Leiß

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Abteilungsleiterin Informationsdienste an der Universitätsbibliothek der Technischen Universität München

https://orcid.org/0000-0002-2792-2625

Seit 2003 arbeite ich an der Universitätsbibliothek der TUM und habe dabei verschiedene Bereiche kennen gelernt. Ein Schwerpunkt meiner Arbeit war durchgehend die Aus- und Fortbildung, einige Jahre habe ich die Fachreferate Architektur und Bauingenieurwesen betreut. Seit 2012 leite ich die Abteilung für Informationsdienste, dem auch das 2014 gegründete Team Bibliometrie angehört.

Die Themen Sichtbarkeit und Impact von Forschung sind für die TUM in den letzten Jahren immer wichtiger geworden. In Zusammenarbeit mit Hochschulleitung, Hochschulverwaltung und Fakultäten hat die Universitätsbibliothek der TUM in den letzten Jahren ein Serviceportfolio zur Verbesserung der Sichtbarkeit von Forschungsleistungen entwickelt, das Kurse, Beratung und bibliometrische Recherchen umfasst. Auch eine Regelung zur Affiliationsbezeichnung der TUM, die Erstellung von Informationsmaterialien über die Einrichtung und Pflege von Autorenprofilen sowie die Verbesserung der für Rankings herangezogenen Publikationsdaten der TUM gehörten während der letzten Jahre zu diesem Aufgabenbereich.

Zwar sehen zunehmend mehr Bibliotheken die Entwicklung von bibliometrischen Dienstleistungen als ihre Aufgabe an, die Aktivitäten sind jedoch bisher kaum koordiniert. Als Mitglied der Kommission für forschungsnahe Dienstleistungen möchte ich mich dafür einsetzen, dass sich auch in diesem Themenbereich Interessensvertretungen, Fortbildungsmöglichkeiten und Netzwerke bilden.

Annette Strauch

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Forschungsdatenmanagement an der Universität Hildesheim

https://orcid.org/0000-0003-2355-325X

Mehr noch als die Publikationslisten interessieren mich in der Universitätsbibliothek Hildesheim die Forschungsdaten der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler als ein wichtiger Bestandteil ihrer wissenschaftlichen Arbeit. Ich habe mich sehr über meine Wahl in die Kommission für forschungsnahe Dienste gefreut. Ich bin keine Bibliothekarin, sondern Europäische Ethnologin und Anglistin aus Göttingen und lebte nach meinem Abschluss über ein Jahrzehnt in Wales. Dort arbeitete ich mehrere Jahre an der National Library of Wales, wo ich das erste Mal mit Digital Humanities in Kontakt kam, bevor ich zur Universität Ulm ins Kommunikations- und Informationszentrum (kiz) wechselte und im Bereich der funktionalen Langzeitarchivierung komplexer Objekte (Projekt bwFLA) tätig war. Für den Sonderforschungsbereich 1187 und im Zentrum für Informations- und Medientechnologie (ZIMT) an der Universität Siegen beschäftigte ich mich intensiv mit dem Forschungsdatenmanagement und kam dort zunächst mit den unterschiedlichen Anforderungen an die Fachdisziplinen in Berührung. Mich interessiert aktuell vor allem die Frage, wie ich die Bedarfe und Anforderungen in Serviceleistungen für die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler umwandeln kann, und versuche dabei verschiedene Workflows entlang unterschiedlicher Domänen in Kooperationen zu entwickeln, die dann konkret im Forschungsalltag helfen können, z.B. für Datenmanagementpläne wie dem Werkzeug RDMO. Die Implementierung derartiger Infrastrukturen ist eine entscheidende Bedingung guter und nachvollziehbarer Forschung.

Seit Anfang 2018 bin ich Koordinatorin des Forschungsdatenmanagements an der Universität Hildesheim (SUH) und arbeite an der Universitätsbibliothek, wo forschungsnahe Dienste immer mehr wahrgenommen werden. Im Bereich Open Science tausche ich mich regelmäßig über OER zusammen mit dem European Network of Open Education Librarians aus.

Zitierfähiger Link (DOI): https://doi.org/10.5282/o-bib/2019H1S115-119