Zu Artikeldetails zurückkehren Volles Haus beim Niedersächsischen Bibliothekstag 2018
Volles Haus beim Niedersächsischen Bibliothekstag 2018

Volles Haus beim Niedersächsischen Bibliothekstag 2018

Etwa 290 Teilnehmerinnen und Teilnehmer folgten der Einladung des Landesverbands Niedersachsen (lvn) im Deutschen Bibliotheksverband am 26. November letzten Jahres nach Hannover und nahmen am Niedersächsischen Bibliothekstag teil, der unter dem Motto „Bibliotheken neu denken – digitale Bildung in sozialen Räumen“ stand. Die Tagung, die wieder ein breit gefächertes Programm zwischen politischer Diskussion und fachlicher Fortbildung bot, wurde vom lvn in Kooperation mit dem BIB, der Büchereizentrale Niedersachsen und dem VDB organisiert, und fand in den Räumen der VGH-Versicherung am Schiffgraben statt.1

Zur Eröffnung zeigte sich der neue Vorstandsvorsitzende des Landesverbandes, Henning Heiß, hoch erfreut über die große Anmeldezahl sowie das Interesse aus Politik und Wirtschaft und dankte der VGH für ihre Gastfreundschaft. Der niedersächsischen Minister für Wissenschaft und Kultur, Björn Thümler, Schirmherr der Veranstaltung, und der Präsident des Niedersächsischen Städte- und Gemeindebunds, Dr. Marco Trips, legten in ihren Grußworten ein eindeutiges Bekenntnis zu einer vielfältigen Bibliothekslandschaft in Niedersachsen und zur Notwendigkeit der Digitalisierung ab. Der Minister beklagte dabei aus aktuellem Anlass die fehlende flächendeckende Vernetzung nach G5-Mobilfunk-Standard. Die Probleme von lückenhaften Internetverbindungen kenne er in der Wesermarsch aus eigener leidvoller Erfahrung. Thümler hob auch den Wert von digitalisierten Kulturschätzen für die Öffentlichkeit hervor. Thomas Vorholt, Vorstandsmitglied der VGH, betonte als Hausherr die Nähe der VGH-Stiftung zu den Bibliotheken im Land und verwies auf zahlreiche Projekte wie den jährlich stattfinden Julius-Club, die Niedersächsischen Literaturtage, das Förderprogramm für Bibliotheken und nicht zuletzt den Niedersächsischen Bibliothekspreis, den die Stiftung gemeinsam mit dem lvn jährlich vergibt. Folgerichtig wurde im Anschluss auch der Gewinner des Bibliothekspreises 2018 bekanntgegeben. Er geht in diesem Jahr an die Stadtbibliothek Buxtehude für langjährige vorbildliche Leseförderung vor dem Hintergrund besonderer kooperativer Vernetzung im kulturellen Raum.

„Digitale Chancen nutzen“ lautete der Titel des engagierten Impulsvortrags von Harald Pilzer, dem scheidenden Direktor der Stadtbibliothek Bielefeld. Sein Credo lautete „Digital First“, die Bibliotheken in den Niederlanden und Dänemark sind hier für ihn eindeutige Vorreiter. Anhand vier betrieblicher Dimensionen öffentlicher Bibliotheken skizzierte er Erwartungen und Herausforderungen und forderte die Bibliotheken auf, ihr digitales Potential zu entdecken und sich deren Möglichkeiten mehr zu öffnen – Automatisierung, neue Etat-Gewichtungen zugunsten digitaler Medien, mehr Nutzerbeteiligung über Communities und flexiblere Öffnungszeiten sowie aktivere Nutzung von Bibliotheken als Lernorte.

In der anschließenden Podiumsdiskussion diskutierten die kulturpolitischen Sprecherinnen und Sprecher der im Niedersächsischen Landtag vertretenen Fraktionen – Burkhard Jasper (CDU), Dr. Silke Lesemann (SPD), Susanne Schütz (FDP), Eva Viehoff (Bündnis 90/ die Grünen) – mit den Bibliotheksdirektorinnen Dr. Carola Schelle-Wolff (Stadtbibliothek Hannover) und Katrin Stump (Universitätsbibliothek Braunschweig) sowie Susanne McDowell, Stadträtin für Soziales und Kultur der Stadt Celle darüber, welche Bibliotheken das Land in der digitalen Transformation brauche. Dabei wurde sehr schnell erkennbar, dass die Möglichkeiten der Digitalisierung gerade im ländlichen Raum durchaus am lückenhaften Netzausbau scheitern können. Deutschland hängt beim Breitbandausbau im europäischen Vergleich stark hinterher, und Niedersachsen ist von digitalisierten Bibliotheken vielerorts noch weit entfernt. Es fehlt oft noch an öffentlichem W-LAN und digitalen Angeboten gerade in kleinen öffentlichen Bibliotheken. Nicht so in der Landeshauptstadt, wie Dr. Carola Schelle-Wolf darlegte. Sie forderte ein Landesförderprogramm, das Anreize für die digitale Entwicklung öffentlicher Bibliotheken gebe. Im wissenschaftlichen Bereich verstehen sich die Universitätsbibliotheken dagegen als die Antreiber der Digitalisierung, wie Katrin Stump erläuterte. Aber auch hier fehle es an Förderung für die Digitalisierung von historischen Beständen. Dennoch – über die Parteigrenzen hinweg konnte Henning Bleyl, der als Moderator die Parteienvertreter auf ihre Koalitionsaussagen hin genauer befragte, eine gewisse Übereinstimmung feststellen, Bibliotheken in ihrer unverzichtbaren gesellschaftlichen Rolle anzuerkennen. Auf Verbindlichkeiten, wie die Schaffung eines übergeordneten Kulturförderungsgesetzes, wollte man sich im Detail allerdings nicht festlegen.

Am Nachmittag folgte ein anregendes und kreatives Vortrags- und Workshop-Angebot. Der Vortragsbogen wurde hier von einem Blick in die Niederlande und deren nationaler Digitalstrategie über die Idee der Bibliothek und ihrer Zukunft hin zur aktuellen Digitalisierungsdebatte und bibliothekarischer Strategien gespannt. Zeitgleich boten interessante Workshops einen kreativen praktischen Beitrag zu Themen wie spielerische Vermittlung von Informationskompetenz, multimediale Leseförderung, MakerSpace-Angeboten oder interessante Methoden, Nutzer und Nutzerinnen aktiv an der Gestaltung von Lernräumen zu beteiligen. Kurzum ein buntes Fortbildungsprogramm für so viele interessierte Teilnehmer und Teilnehmerinnen, dass in einigen Räumen der Platz kaum ausreichte. Am Ende der Tagung zeigten sich das Organisationsteam, die Referentinnen und Referenten sowie die Teilnehmenden gleichermaßen sehr zufrieden, was nicht zuletzt für die notwendigen anstehenden Veränderungen in der niedersächsischen Bildungs- und Kulturlandschaft hoffen lässt. Bibliotheken sind jedenfalls gewillt und auch motiviert, ihren Beitrag dazu zu leisten.

Ellen van der Loos, Stadtbibliothek Nordhorn
Corinna Roeder, Landesbibliothek Oldenburg

Zitierfähiger Link (DOI): https://doi.org/10.5282/o-bib/2019H1S64-65

1 Weitere Informationen zum Programm sowie eine Auswahl von Vorträgen vgl. <https://www.bibliotheksverband.de/landesverbaende/niedersachsen/aktivitaeten/bibliothekstage.html>, Stand: 22.02.2019.