Zu Artikeldetails zurückkehren Bericht über die Fachsession Fremdsprachige Philologien / Linguistik
TGB-Reifegerste

Bericht über die Fachsession Fremdsprachige Philologien / Linguistik

Die Fachsession Fremdsprachige Philologien / Linguistik fand als Öffentliche Arbeitssitzung auf dem 107. Bibliothekartag am 12.6.2018 von 13 bis 15:30 Uhr statt. Die Sitzung wurde moderiert von Doris Grüter (ULB Bonn: FID Romanistik) und Olaf Hamann (SBB-PK Berlin: FID Slawistik); als Vortragende nahmen teil Ilona Riek (ULB Münster/W.: FID Benelux / Low Countries Studies), Gudrun Wirtz und Ruth Sindt (BSB München: FID Ost-, Ostmittel- und Südosteuropa und UB Kiel: FID Nordeuropa), Heike Renner-Westermann (UB Frankfurt/M.: FID Linguistik) sowie Markus Trapp (SUB Hamburg: FID Romanistik). Kurzfristig fiel aus Dorothee Schuller (SUB Göttingen: FID Anglistik).

Das Ziel der Veranstaltung lautete: Die Fachsessions sollten dem fachlich-thematischen Austausch in den betroffenen Fachreferaten und zuständigen Spezialbibliotheken/ -einrichtungen dienen sowie das Netzwerken erleichtern. In dieser Fachsession wollten u.a. die Fachinformationsdienste Anglo-American Culture, Linguistik, Niederlandistik, Romanistik und Slawistik über ihre Angebote informieren und den Austausch mit den Kolleginnen und Kollegen suchen.

Ilona Riek stellte zunächst den von ihr betreuten FID Benelux / Low Countries Studies vor. Die Folien ihres Vortrags sind zu finden auf dem OPUS-Server.1 Sie bot zunächst einen Überblick über die Entstehungsgeschichte des FID, welcher hervorgegangen ist aus der Bibliothek des Hauses der Niederlande, gegründet 1995, dem SSG Niederländischer Kulturkreis (1950 bis 2005) sowie dem SSG Beneluxländer (von 2006 bis 2015 in Kooperation mit der UuStB Köln).

Sodann schilderte sie das Leistungsspektrum des FID: Search (suchmaschinenbasierte Suche [im Aufbau]), Licences (überregionale Lizenzen für elektronische Medien)2, Digitization (digitalisierte Benelux-Altbestände, auch Digitization on Demand; derzeit rund 1.700 Titel)3, OA Publikationsdienste4, Box (Cloud-Speicher zum Datenaustausch für kollaboratives Arbeiten)5, Onlinebibliographien, u.a. deutschsprachige Literatur über NL, B, Lux (im Aufbau; bislang nur systematische, keine verbale Erschließung).

Weitere Merkmale sind die strikte Zielgruppenorientierung (Bibliothek im Haus der Niederlande (BHN)) sowie offensive Nutzerberatung bzw. Vernetzung mit Wissenschaftler/inne/n (Mitwirkung am Ehrengast-Programm der Buchmesse 2016, Historikertag 2018).

Als nächste stellten Gudrun Wirtz und Ruth Sindt den FID Ost-, Ostmittel- und Südosteuropa sowie FID Nordeuropa vor. Ein besonderes Problem stellen in diesen Bereichen die Vielzahl von Sprachen und Philologien (skandinavische und baltische Sprachen, Rumänisch, Albanisch, Griechisch, Dalmatisch, Judenspanisch etc.; Romanisten, Balkanromanisten, Baltisten, Balkanologen etc.; Rumänistik, Albanologie, Slavistik, Gräzistik etc.) dar. Dementsprechend erfordert die Sichtbarmachung eine Vielzahl einzelner Module und Portale, wobei diese weitgehend aus der Vorgängerphase der SSG weiterentwickelt worden sind. Angestrebt wird möglichst ein Datentausch mit den Portalen anderer Philologien. In diesen beiden FID liegt der Schwerpunkt auf Printerwerb, es findet wenig Fremddatenübernahme statt. Am 20.6.2018 erfuhr die Virtuelle Fachbibliothek Osteuropa einen Relaunch als osmikon.6

Besonderheiten des FID Nordeuropa sind Semesterapparate, Blockfernleihe, Neuerwerbungslisten sowie Bemühungen um Meta-, Normdaten und Langzeitarchivierung. So wurden z. B. der Eintrag zu Fredrika Bremer in litteraturbanken.se7 in die GND eingetragen8 und die Nachlasserschließung von Jens Baggesen über Kalliope9 betrieben. Weitere Schwerpunkte sind Forschungsdatenmanagement, Editions- und Digitalisierungsprojekte sowie Fragen der Authentifizierung.

Sodann stellten Doris Grüter und Markus Trapp den FID Romanistik vor.10 Ein zentrales Anliegen ist die Vernetzung mit der Fachcommunity. Dies stellt sich in dem Bereich der Romanistik als besonders schwierig heraus, als sich die Vielfalt der Sprachen allein in Europa in zahlreichen Fachverbänden widerspiegelt. Erleichtert wird die Kommunikation durch die enge Kooperation mit dem Verein, der die Plattform romanistik.de unterhält.11 In diesem Fachportal unterhält der FID eine eigene Kolumne, in der er unter anderem über Strategien des Forschungsdatenmanagements informiert und ein Meldesystem dafür anbietet. Ausgangspunkt hierfür war eine Umfrage durch die AG Digitale Romanistik. So stehen z.B. entsprechende Formulare und Hinweise auf der Homepage zur Verfügung, die die Bekanntmachung entsprechender Projekte innerhalb der Community erleichtern.

Den Bereich des Open-Access-Publizierens schildern die Referenten als unübersichtliche Situation. Um dem abzuhelfen, bieten sie über das Portal differenzierte Beratungs- und Informationsmöglichkeiten an.12 Für die Öffentlichkeitsarbeit stehen ein eigenes Blog sowie eigene Angebote bei Twitter und Facebook zur Verfügung; regelmäßig werden zudem Umfragen durchgeführt.

Als Nächster stellte Olaf Hamann den FID Slawistik vor. Der FID Slawistik ist seit 2015 der Nachfolger des SSG Slawistik. Die zuvor geschilderten Schwierigkeiten bestehen hier nicht, es gibt nur einen Fachverband als Ansprechpartner, den Deutschen Slavistenverband.13

Die Umsetzung von Open Access und Publizieren als e-only bezeichnet der Referent als „sehr beschauliche[n] Prozess“, zumal in den osteuropäischen Ländern. Daher versucht der FID in seinem slavistik-portal so viele einschlägige bibliographische Ressourcen wie möglich einzubinden.14 Erwähnenswert sind hier besonders die Sorbische Bibliographie, die Bibliografie České Lingvistiky oder BibSlavKon, die jeweils in Kooperation mit Facheinrichtungen im In- und Ausland erstellt werden. Im Entstehen begriffen ist ein online durchsuchbares Wörterbuch der slavischen Sprachen, welches aus dem Freiburger Projekt SlaVaComp hervorgegangen ist.

Den Schlussvortrag hielt Heike Renner-Westermann zum Thema „FID Linguistik: Das Linguistik-Portal auf dem Weg vom klassischen Bibliotheksportal in die Linked-Open-Data-Cloud“.15 Sie berichtete, dass sich ihr Angebot seit 2013 vom klassischen Bibliotheksportal kontinuierlich hin zur Linked Open Data Cloud entwickelt. Neben der kontinuierlichen Verbesserung des Nachweises bibliographischer Daten stehen Bemühungen um Forschungsdaten, d.h. es werden in zunehmendem Maße Sprachressourcen und Korpora nachgewiesen. Dies gelingt durch die Verbindung des Thesaurus der Bibliography of Linguistic Literature Database (BLLDB)16 mit den Ontologies of Linguistic Annotations (OliA).17 Aufgrund dieser Technik werden im Portal Linked-Open-Data-Corpora sichtbar wie zum Beispiel Glottolog18 oder Lexvo19. Auf diese Weise können etwa 200 bis 300 Korpora zu Tage gefördert werden, deren Daten tatsächlich frei verfügbar sind sowie weitere Tausende von Korpora, deren Metadaten (nicht aber die Daten selbst!) im Netz verfügbar sind.

In der anschließenden Schlussdiskussion wurde unter anderem die Konkurrenz für die FID durch wissenschaftliche soziale Netzwerke wie ResearchGate und andere angesprochen, die jedoch alle nicht über Langzeitarchivierung verfügen. Erwogen wurde auch, die Attraktivität der fachspezifischen Publikationsserver durch OA-Publikationsfonds zu steigern. Alles in allem war es eine sehr informative Veranstaltung, wenn auch wegen der Uhrzeit und der Lage des Veranstaltungsraums kaum mehr Zuhörer als Referent/inn/en anwesend waren.

Matthias Reifegerste, Universitätsbibliothek Freiburg i. Br.

Zitierfähiger Link (DOI): https://doi.org/10.5282/o-bib/2018H4S284-286

1 Riek, Ilona: FID Benelux / Low Countries Studies. Vortrag auf dem 107. Bibliothekartag in Berlin 2018. Vortragsfolien unter <https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:0290-opus4-33839>.

2 FID Benelux Licences, <https://benelux.fid-lizenzen.de/>, Stand: 09.11.2018.

3 Digitale Sammlungen Benelux, ULB Münster, <https://sammlungen.ulb.uni-muenster.de/ulbms/nav/classification/2024648>, Stand: 09.11.2018.

4 FID Benelux OA Publications, ULB Münster, <https://www.ulb.uni-muenster.de/sammlungen/benelux/open-access.html>, Stand: 09.11.2018.

5 FID Benelux Box, ULB Münster, <https://www.ulb.uni-muenster.de/sammlungen/benelux/box.html>, Stand: 09.11.2018.

6 osmikon, <https://www.osmikon.de/index.php>, Stand: 09.11.2018.

7 Eintrag zu Fredrika Bremer in litteraturbanken.se, <https://litteraturbanken.se/forfattare/BremerF>, Stand: 09.11.2018.

8 Eintrag zu Fredrika Bremer in der GND, <https://portal.dnb.de/opac.htm?method=simpleSearch&cqlMode=true&query=nid%3D118514962 >, Stand: 09.11.2018.

9 Treffer zu „Baggesen, Jens“ in Kalliope, <http://kalliope-verbund.info/de/search.html?q=Baggesen%2C+jens>, Stand: 09.11.2018.

10 Grüter, Doris; Trapp, Markus: FID Romanistik. Vortrag auf dem 107. Bibliothekartag in Berlin 2018. Vortragsfolien unter <https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:0290-opus4-33850>.

11 romanistik.de, <https://romanistik.de/>, Stand: 09.11.2018.

12 Open Access, FID Romanistik, <https://www.fid-romanistik.de/open-access/>, Stand: 09.11.2018.

13 Deutscher Slavistenverband, <http://www.slavistenverband.de/index.html>, Stand: 09.11.2018.

14 slavistik-portal, <https://slavistik-portal.de/index.html>, Stand: 09.11.2018. Weiter unter Quellen-Info.

15 Renner-Westermann, Heike: FID Linguistik: Das Linguistik-Portal auf dem Weg vom klassischen Bibliotheksportal in die Linked-Open-Data-Cloud. Vortrag auf dem 107. Bibliothekartag in Berlin 2018. Vortragsfolien unter <https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:0290-opus4-33876>.

17 OLiA ontologies, <http://acoli.cs.uni-frankfurt.de/resources/olia/>, Stand: 09.11.2018.

18 Glottolog, <http://glottolog.org/>, Stand: 09.11.2018.

19 lexvo, <http://www.lexvo.org/>, Stand: 09.11.2018.