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Berichte und Mitteilungen

Aus der Deutschen Forschungsgemeinschaft

Der Ausschuss für Wissenschaftliche Bibliotheken und Informationssysteme (AWBI) hat sich zu seiner Sommersitzung am 4./5. Juni 2018 im Alten Schloss Dornburg bei Jena getroffen. Die Sitzung wurde auch dazu genutzt, sich vor Ort in Jena verschiedene Lösungen unterschiedlicher Anbieter zu 3-D-Digitalisierungen ansehen zu können.

Darüber hinaus hat sich der AWBI eingehend mit folgenden Themen befasst:

Umsetzung der im Positionspapier „Förderung von Informationsinfrastrukturen für die Wissenschaft“ formulierten Maßnahmen

Nachdem im März 2018 das vom AWBI verfasste Positionspapier „Förderung von Informationsinfrastrukturen für die Wissenschaft“ veröffentlicht worden ist, hat sich der AWBI nun mit der konkreten Umsetzung der darin formulierten Maßnahmen befasst. Für die Umsetzung wird ein Zeitraum von vier Jahren angesetzt. Die vorgesehenen Umsetzungsschritte beziehen sich auf die vier Schwerpunkte des Positionspapiers:

Übergeordnete Ebene:

  • Um zu klären, inwiefern durch den digitalen Wandel in den Wissenschaften das LIS-Förderangebot so angepasst und weiterentwickelt werden muss, dass eine Förderung von Informationsinfrastrukturen und -einrichtungen zur Unterstützung und Gestaltung des Wandels ermöglicht werden kann, sind folgende drei Maßnahmen vorgesehen: Erstens, Begleitung und Beobachtung der bereits geplanten Aktualisierung des LIS-Förderangebots (siehe unten), um ggf. weitere Förderbedarfe frühzeitig zu erfassen. Zweitens, Einbindung und Reflexion der Ergebnisse des DFG-internen Strukturierungsprojekts „Digitaler Wandel in den Wissenschaften“. Und drittens eine Auswertung der im vergangenen Jahr durchgeführten Ausschreibung „Nachhaltigkeit von Forschungssoftware“, sodass die in diesem Umfeld bestehenden Förderbedarfe adressiert werden können.
  • Ein neu zu etablierendes Förderprogramm soll dazu beitragen, Selbstorganisationsprozesse von Communities im Infrastrukturbereich zu stimulieren. Hierbei hat sich der AWBI insbesondere für den bottom-up-Ansatz ausgesprochen.
  • Auf der Grundlage der Ergebnisse der Evaluierung der Fachinformationsdienste (FID) soll die grundsätzliche Frage der nachhaltigen Sicherung von standortübergreifenden Informationsdiensten diskutiert werden. Auch wenn zunächst der konkrete Anwendungsfall der FID im Fokus steht, so ist doch geplant, Lösungen zu erarbeiten, die auf andere Bereiche, wie bspw. die Informationsinfrastrukturen für Forschungsdaten, übertragbar sind.

Erschließung und Digitalisierung:

Ziel ist es, dass Förderprogramm „Erschließung und Digitalisierung“ neu zu konzipieren. Die grundlegende Änderung wird darin bestehen, dass künftig alle wissenschaftlich relevanten Objekte, auch genuin digitale Objekte, Gegenstand des Programmes sein werden. Aufgrund der dann zu erwartenden Konkurrenz im Programm hat der AWBI darauf hingewiesen, dass Auswahlkriterien eine wichtige Rolle spielen werden. Zur Vorbereitung der Öffnung des Programmes soll zum einen ein interoperables Basisdatenset entwickelt werden, dass die Digitalisierung von Objekten auch ohne vorherige Erschließung ermöglicht. Zum anderen sollen Grundanforderungen an 3-D-Digitalisierungen, bezogen auf Standards und Verfahren, identifiziert werden. Diese Aktivitäten werden weiterhin von der bereits zur Vorbereitung des Positionspapiers eingesetzten Kommission begleitet.

Open Access Transformation

Der AWBI stellt fest, dass die DFG mit ihren Fördermöglichkeiten in der Gruppe „Wissenschaftliche Literaturversorgungs- und Informationssysteme“ verschiedenste Möglichkeiten zur Unterstützung des Open Access eröffnet hat. Weitergehende Aktivitäten sollen sich auf die gesamte DFG-Förderung beziehen, da die DFG vor allem durch Publikationspauschalen sowie -beihilfen den Publikationsmarkt beeinflusst. Im Rahmen eines DFG-weiten Projekts sollen Vorschläge erarbeitet werden, um die Publikationsfinanzierung an aktuelle Entwicklungen strategisch anzupassen. Zudem soll ein Publikations-Monitoring etabliert und die Open-Access-Policy angepasst werden. Dabei werden auch die Ergebnisse aus der aktuell laufenden Auswertung der Programme „Open Access Publizieren“ und „Überregionale Lizenzierung“ von zentraler Bedeutung sein.

Forschungsdaten

Auch hierbei müssen bei der Umsetzung der geplanten Maßnahmen noch weitere Initiativen berücksichtigt werden, wie bspw. die Ergebnisse der kurz vor dem Abschluss stehenden Bewertung des Förderprogramms „Informationsinfrastrukturen für Forschungsdaten“ sowie die jeweilige Ausgestaltung der derzeit diskutierten Nationalen Forschungsdateninfrastruktur (NFDI) und der European Science Cloud (EOSC). Vorgesehen ist, die Entwicklung und Implementierung disziplinspezifischer Policies und Regelwerke – unter Berücksichtigung disziplinübergreifender Aspekte – zu initiieren, Aufbau und Entwicklung von Forschungsdatenmanagement-Kompetenz zu unterstützen sowie die Anschlussfähigkeit, Interoperabilität und Vernetzung von Dateninfrastrukturen zu fördern. Seitens des AWBI wurde betont, dass der Kompetenzaufbau nicht nur Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler, sondern auch etablierte Forscherinnen und Forscher einbeziehen sollte. Zudem wurde hervorgehoben, dass es sich um eine Querschnittsaufgabe zwischen Infrastruktur- und Forschungsförderung handelt, so dass hier eng zusammengearbeitet werden sollte. Vorschläge dazu sollen in Workshops erarbeitet werden.

Ausschreibung „Digitalisierung mittelalterlicher Handschriften“

In einer Pilotphase, in der die methodischen, technischen und organisatorischen Rahmenbedingungen zur Digitalisierung mittelalterlicher Handschriften erarbeitet worden sind, ist von den beteiligten Bibliotheken ein Masterplan zur koordinierten Digitalisierung erarbeitet worden. Auf dieser Grundlage hat sich der AWBI dafür ausgesprochen, die Ausschreibung „Digitalisierung mittelalterlicher Handschriften“ zu veröffentlichen. Voraussetzung für den Einstieg in die Förderung der Digitalisierung war, dass ein tragfähiges, positiv bewertetes Konzept für ein neues Handschriftenportal vorgelegt wird und dass für die Interimsphase, in der die Daten noch in Manuscripta Mediaevalia nachgewiesen werden sollen, eine klare Regelung besteht, wie die Daten abgelegt und später in das neue Handschriftenportal importiert werden sollen. Mit der Bewilligung für ein neues Handschriftenportal im Dezember 2017 wurden beide Auflagen erfüllt. Die Ausschreibung zur Digitalisierung mittelalterlicher Handschriften wurde mittlerweile veröffentlicht.1 Interessensbekundungen werden bis zum 15.11.2018 erwartet, Einreichungsfrist für Vollanträge ist der 15.02.2019.

Erarbeitung eines Basisdatensets für den Förderbereich „Erschließung und Digitalisierung“

Wie bereits erwähnt, soll für ein neu zu konzipierendes Förderprogramm „Erschließung und Digitalisierung“ ein Basisdatenset erarbeitet werden, dass es ermöglichen soll, wissenschaftlich relevante Objekte auch ohne vorherige Erschließung zu digitalisieren und dennoch eine Interoperabilität der Daten sicherzustellen. Eine von der Kommission Förderstrategie Erschließung und Digitalisierung gebildete Unterarbeitsgruppe hat sich zusammen mit weiteren Expertinnen und Experten dafür ausgesprochen, dass bei einem solchen Konzept die FAIR Data Principles (Findable, Accessible, Interoperable, Re-usable) Anwendung finden sollen. Einigkeit besteht auch darin, dass ein Basisdatenset drei Ebenen benötigt: die Ebene des Ausgangsobjekts, die der digitalen Repräsentation und die des Metadatensatzes, die jeweils mit eindeutigen Indentifikatoren zu versehen sind. Das Basisdatenset soll verpflichtende Angaben und – abhängig vom jeweiligen Objekt – optionale Angaben enthalten. Der Entwurf eines Basisdatensets wurde bereits anhand von Use cases getestet.

Verzeichnis von im deutschen Sprachraum erschienenen Drucken des 17. Jahrhunderts (VD 17)

Der AWBI nimmt die Genese des VD 17 zur Kenntnis: Zunächst wurde die Katalogisierung von VD 17-relevanten Drucken in ausgewählten Bibliotheken für einen Zeitraum von zwölf Jahren – beginnend 1996 – gefördert. Die Digitalisierung von VD 17-Drucken wird seit 2006 gefördert. Anhand des 2010 von der Community vorgelegten Masterplans zur Digitalisierung des VD 172 werden die Digitalisierungsprojekte in vier Kategorien eingeteilt: Unika, regionale Drucke, Mainstream-Literatur, VD 17-Nummernliste. Auf der Grundlage des von den drei Trägerbibliotheken des VD 17 (Staatsbibliothek zu Berlin, Bayerische Staatsbibliothek München, Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel) vorgelegten Berichts hat der AWBI positiv hervorgehoben, dass statt der ursprünglich im Masterplan kalkulierten 270.000 Titel nun 300.000 Titel nachgewiesen sind, wovon ca. 154.000 Titel bereits mit Digitalisaten verknüpft sind. Ca. 140.000 Titel wurden im Rahmen von DFG-geförderten VD 17-Projekten digitalisiert, so dass gut 50% der ursprünglich kalkulierten Titel mit DFG-Digitalisaten verknüpft sind. Die Verknüpfung mit den Google-Digitalisaten ist noch ausbaufähig, so dass noch weitere digitalisierte Drucke hinzukommen werden.

Seit einiger Zeit ist allerdings ein zurückhaltender Antragseingang an VD 17-Digitalisierungsprojekten zu verzeichnen. Es ist nach Einschätzung des AWBI nicht zu erwarten, dass das bestehende Förderangebot mit 50% Eigenleistung und der Beschränkung der Förderung auf die Digitalisierung in absehbarer Zeit zu einer nennenswerten Erhöhung der Digitalisate führen wird. Vor diesem Hintergrund hat der AWBI beschlossen, das jetzige Förderangebot zum Ende des Jahres 2018 einzustellen. Gleichzeitig soll die Möglichkeit eröffnet werden, Anträge für die kombinierte Erschließung und Digitalisierung von Beständen des 17. Jahrhunderts zu stellen, die den Kriterien des allgemeinen Förderprogramms Erschließung und Digitalisierung entsprechen. Die geringere Eigenleistung und die Möglichkeit, auch die Erschließung in Teilen gefördert zu bekommen, sollen die Attraktivität des Angebotes erhöhen.

Insbesondere in kleinen Einrichtungen werden noch für die Forschung relevante Bestände erwartet, die auch einen nennenswerten Anteil an Unika enthalten. Daher wurde angeregt, in einem Rundgespräch eine Bedarfsermittlung und eine Lösungsstrategie zu erarbeiten. In einem solchen Gespräch könnte der Bedarf der kleineren Einrichtungen an Unterstützung ermittelt werden, die noch nicht erschlossenen Bestände könnten besser gefasst und Vorschläge erarbeitet werden, wie eventuell noch verborgene Schätze gehoben werden können. Dabei sollte über den jetzigen Bibliothekskontext hinausgedacht und es sollten auch Bestände z.B. von Archiven, Museen oder aus Kirchenbibliotheken einbezogen werden. Ein eventuelles Rundgespräch sollte zudem nicht nur auf die Spezifika des VD 17 eingehen, sondern sich generell mit den Bedarfen zur Erschließung und Digitalisierung alter Drucke auseinandersetzen. Möglichkeiten der Zusammenarbeit, Unterstützung kleinerer Einrichtungen sowie auch eine am Bedarf der Wissenschaft ausgerichtete Konsolidierung der verschiedenen Präsentationen sollten ebenfalls ausgelotet werden.

Open-Access-Transformationsverträge

Im vergangenen Jahr veröffentlichte der AWBI im Rahmen des Programms „Überregionale Lizenzierung“ eine Ausschreibung zur Förderung von Open-Access-Transformationsverträgen. Unterstützt werden Abschlüsse von Verträgen mit Verlagen, um die Open-Access-Publikation sowie Zugangsgebühren gemeinsam abzugelten. Auch in Konsortien oder an Einrichtungen nötige Prozessanpassungen für Open-Access-Transformationsverträge können gefördert werden. Zudem können wissenschaftliche Einrichtungen Anträge stellen, um modellhaft Workflows zu erarbeiten, z.B. für die Erhebung von durch ihre Angehörigen verausgabten Artikelgebühren für hybride Zeitschriften. Auch Lösungen zur Integration von Open-Access- und Erwerbungsbudgets oder zur Entwicklung von Verteilungsmechanismen für die Open-Access-Finanzierung sind förderfähig.

Der AWBI hat sich nun dafür ausgesprochen, die Ausschreibung „Open-Access-Transformations­verträge“3 – mit kleineren Modifikationen – über 2018 hinaus bis zum Ende des Jahres 2020 zu verlängern. So entspricht die Laufzeit der Ausschreibung der derzeitigen Laufzeit des Förderprogramms „Überregionale Lizenzierung“, das sich gerade im Auswertungsprozess befindet.

Bilanz des DFG-NEH „Bilateral Digital Humanities Program“ 2008 – 2018

Seit 2008 hat sich die Deutsche Forschungsgemeinschaft gemeinsam mit dem National Endowment for the Humanities (NEH) in den Vereinigten Staaten für die Förderung bilateraler Projekte im Bereich der Digital Humanities engagiert. Gefördert wurden deutsch-amerikanische Kooperationsprojekte, die den Aufbau oder die Weiterentwicklung digitaler Informationsinfrastrukturen für die geisteswissenschaftliche Forschung zum Ziel hatten. Nach zehn Jahren und fünf Ausschreibungsrunden wurde nun die Förderung bilanziert4. Aus Sicht des AWBI war die Förderinitiative für deutsche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler hochattraktiv. Die Förderung hat wesentliche Impulse für die Entwicklung einzelner Infrastrukturen, aber auch für die von der Förderung profitierenden Fächer hervorgebracht.

Ulrike Hintze, Deutsche Forschungsgemeinschaft Gruppe „Wissenschaftliche Literaturversorgungs- und Informationssysteme“ (LIS)

Zitierfähiger Link (DOI): https://doi.org/10.5282/o-bib/2018H4S299-303

1 Ausschreibung „Digitalisierung mittelalterlicher Handschriften“, <http://www.dfg.de/download/pdf/foerderung/programme/lis/ausschreibung_digitalisierung_handschriften.pdf>, Stand: 09.11.2018.

2 Stäcker, Thomas: Masterplan zur Digitalisierung des VD 17, 16.12.2010, <http://www.vd17.de/files/vd17-masterplan-1.pdf>, Stand: 09.11.2018.

3 DFG: Ausschreibung „Open-Access-Transformationsverträge“, <http://www.dfg.de/download/pdf/foerderung/programme/lis/ausschreibung_oa_transformationsvertraege.pdf>, Stand: 09.11.2018.

4 Holzer, Angela; Bobley, Brett: Report on the DFG/NEH Bilateral Digital Humanities Program 2008 – 2018, 10.08.2018, <http://www.dfg.de/download/pdf/foerderung/programme/lis/bilateral_dfg_neh_2008_2018.pdf>, Stand: 09.11.2018.