Zu Artikeldetails zurückkehren Bericht zum „Hands-on-Lab analog: Bibliotheken auf dem Weg zur ökologischen und sozialen Nachhaltigkeit“ auf dem Deutschen Bibliothekartag in Berlin am 15. Juni 2018
TGB-Hauke

Tagungsberichte

Berichte über Veranstaltungen auf dem Bibliothekartag

Bericht zum „Hands-on Lab analog: Bibliotheken auf dem Weg zur ökologischen und sozialen Nachhaltigkeit“ auf dem Deutschen Bibliothekartag in Berlin am 15. Juni 2018

Durch die 2015 beschlossene UN-Agenda 2030 mit ihren Zielen für eine nachhaltige globale Entwicklung, aber auch durch den Nationalen Aktionsplan Bildung für eine nachhaltige Entwicklung und die Neuauflage der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung sind auch die Bibliotheken als Bildungseinrichtungen gefordert, ihren Beitrag zur Erreichung der dort formulierten Ziele zu leisten. In einem Hands-on Lab des Bibliothekartages sollten praktische Erfahrungen vermittelt werden, wie Bibliotheken zur nachhaltigen Entwicklung beitragen können. Impulsreferate1 behandelten die UN-Agenda 2030 und die Rolle der Bibliotheken, die Bibliothek als Plattform für Community Building, Urban Gardening in der Bibliothek. Darüber hinaus wurde das 2018 neugegründete Netzwerk Grüne Bibliothek vorgestellt. Anschließend wurden in einem World-Café eigene Erfahrungen und praktische Wege zur Umsetzung diskutiert.

Eine eindeutige Positionierung von Bibliotheken zum Engagement in ökologischer und sozialer Nachhaltigkeit mit einschlägigen Angeboten, Programmen und Services und/oder einem entsprechenden Gebäude- und Betriebsmanagement stellt in Deutschland – bis auf wenige Ausnahmen – noch ein Desiderat dar, während das Thema weltweit2, auch in unseren Nachbarländern Österreich3 und Schweiz4, als „Grüne Bibliothek“5 oder „Sustainable Library“6 schon lange auf der Agenda steht. Mit der 2015 beschlossenen Agenda 2030 der Vereinten Nationen und ihren 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs), von der IFLA 2016 in ihr International Advocacy Programme (IAP)7 aufgenommen und zur Schlüssel-Initiative8 erklärt, sind nun auch Bibliotheken als Bildungspartner ausdrücklich aufgefordert, sich für die Erreichung dieser Nachhaltigkeitsziele („Transforming our World“) einzusetzen.

Vor diesem Hintergrund wurde auf dem 107. Deutschen Bibliothekartag 2018 in Berlin von Gründungsmitgliedern des Netzwerks Grüne Bibliothek zu einem Workshop mit einführenden Referaten und einem anschließenden Austausch eingeladen.

Die UN-Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung und die Rolle der Bibliotheken

Das Eingangsreferat (Petra Hauke, Humboldt-Universität zu Berlin) „Die UN-Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung und die Rolle der Bibliotheken“9 machte deutlich, dass die Agenda 2030 eine wichtige Grundlage bietet als Instrument demokratischer Teilhabe und Mitverantwortung – gerade auch im Rahmen bibliothekarischer Arbeit. Das Vorstellen der Agenda und ihre ausdrückliche Aufforderung an jede und jeden, „Take action!“ und dabei niemanden zurückzulassen („to leave nobody behind“), machte den Blick frei zu einer differenzierteren Definition von Bibliothek: (natürlich) nicht mehr nur Ausleihstation für Medien, aber auch nicht mehr nur Portal, um Informationen abzurufen, sondern – letztlich im Sinne von David Lankes („Die Bibliothek sollte […] eine Plattform für die Mitglieder der Community sein, damit diese ihre Liebe und Leidenschaft in etwas Gutes für die Community und/oder für sich selber verwandeln“)10 – als Bürgerplattform, bei der nicht nur „bedient“ wird, sondern auch die Möglichkeit besteht, sich mit eigenem Kreativpotenzial aktiv einzubringen, durch gemeinsames Miteinander auch voneinander zu lernen, und dies unabhängig davon, wie medienaffin oder gar lesekompetent jemand ist. Das bedeutet selbstredend kein „Aus“ für die klassische Medienbibliothek, sondern ein erweitertes Verständnis von Bibliothek als Bildungspartner, als „Ermöglicher“ jedweder Art des Lernens: aus Büchern und anderen Medien, in Makerspaces, in Repaircafés, beim gemeinsamen Urban Gardening, im „Lesen lebender Bücher“, d.h. in der unmittelbaren Begegnung mit Menschen, die ihre Schicksale erzählen, und vielem mehr.

Büchereibegrünung in Metzingen

Ausgangspunkt für das von Ulrich Koch (Stadtbücherei Metzingen) vorgestellte Projekt Büchereibegrünung11 war eine tiefe Unzufriedenheit mit den in der Fachwelt verbreiteten und hochgepriesenen Konzepten für Bibliotheken. Die Leuchtturmprojekte aus den Niederlanden, aus Skandinavien, den USA und Asien schienen, wie Koch ausführte, „für uns Streetworker“ in den kleinen Orten und Gemeinden weit weg und unerreichbar. Die Idee vom „Dritten Ort“, „Makerspace“ und „Fab Lab“ taugten einfach nicht für Bibliotheken, in denen man mit der eigenen Stadtverwaltung darüber streiten müsse, ob man W-LAN bekommt oder an der E-Ausleihe teilnehmen kann und darf.

In Metzingen wurde deshalb versucht, die Essenz dieser Ansätze herauszufiltern und auf die Gegebenheiten vor Ort herunterzubrechen. Daraus ist die Idee der Büchereibegrünung entstanden. „Wir wollten die Außendarstellung, das Bild, das Image von Bücherei und Bibliothek verändern. Bücherei sollte nicht länger ausschließlich ein Haus sein, in dem Bücher zum Ausleihen stehen, ein Haus der hohen und anspruchsvollen Literatur und anderer Medien. Die Bücherei sollte zu einem Ort der Begegnung werden, des gemeinsamen Handelns, der Partizipation, ein Knoten im Netzwerk der Kooperationen mit Akteuren am Ort und bürgerschaftlichem Engagement, Marktplatz für Meinungen, ein Ort des Zaubers, der Veränderung, des lebendigen Wachstums, ein Ort für Genuss und Schönheit – ein Garten eben, ein ‚Gartenhaus‘.“ Die Begrünungsaktion wurde zu einem Jahresthema gemacht und sämtliche Veranstaltungen des Jahres 2017 wurden in diesem Rahmen durchgeführt. Garten, Natur, Insekten, Kräuter und Obst waren die Themen der Veranstaltungen für Kinder und Familien.

In vielen Gesprächen („Was hat das mit der Bücherei zu tun?“) wurde schließlich sogar erreicht, dass sich auch die Verwaltung mit neuen und aktuellen Entwicklungen in der Büchereiwelt beschäftigte. „Das hat letztendlich dazu geführt, dass wir in der eigenen Verwaltung in den Fokus genommen wurden und nun im nächsten Jahr eine neue Konzeption erstellen werden mit dem Ziel, eine neue, zukunftsfähige und für die Stadt angemessene Bibliothek zu definieren.“

„Ernte deine Stadt“ – Community Building und die Stadtbibliothek als Plattform für ökologisch und sozial nachhaltige Bibliotheksarbeit

Tim Schumann (Kreisarchiv Stormarn [jetzt: Stadtbibliothek Berlin-Pankow]) und Jens Geißler (Stadtbibliothek Bad Oldesloe) stellten in ihrem Beitrag das preisgekrönte Projekt12 „Ernte deine Stadt“ vor. Es geht dabei letztlich um Community Building, d.h. um Services, die zur Schaffung oder Vertiefung des Gemeinschaftsgefühls in einer Kommune beitragen. Menschen werden motiviert, sich mit ihrer Region oder Kommune oder auch mit einem bestimmten gemeinsamen Interesse zu identifizieren. Bibliotheken können durch ihre Dienstleistungen deutlichen Einfluss auf den sozialen Zusammenhalt einer solchen Community nehmen.

Die Fokussierung auf den Menschen stellt ein zentrales Merkmal sozialer Nachhaltigkeit dar, indem sie z.B. die Stärkung sozialer Gerechtigkeit, Gleichheit und Fairness beinhaltet und auf Teilhabe, Vernetzung, Kommunikation und Toleranz basiert. Für Öffentliche Bibliotheken kann das bedeuten, neue Veranstaltungsformate – orientiert an den Bedürfnissen des lokalen Umfeldes – und neue Raumideen mit dem Ziel der Partizipation zu entwickeln.

Unter dem Titel „Ernte Deine Stadt“ wurde mit Beginn des Jahres 2015 in der Stadtbibliothek Bad Oldesloe eine Veranstaltungsreihe mit dem Ziel entwickelt, lokale Nachhaltigkeit und die Teilhabe und Vernetzung der Menschen zu fördern und durch klassische bibliothekarische Services zu begleiten.

Im Premierenjahr 2015 lag der Schwerpunkt auf Urban Gardening. Es wurde eine Saatgutbörse organisiert und eine Grundschulklasse baute ein Insektenhotel in der Bibliothek, begleitet von einer Ausstellung und einer thematisch passenden Buchpräsentation. 2016 bildete die lokale Nahrungsmittelproduktion den Schwerpunkt. An einem Tag wurden eine Mundraub-Radtour13 und eine Kräuterwanderung angeboten und die lokale Foodsharing-Gruppe bot „gerettete“ Lebensmittel vom lokalen Markt an, die andernfalls vernichtet worden wären. 2017 wuchs das Projekt weiter und wurde auf zwei Tage ausgedehnt. Diesmal kamen z.B. Bienen und Wasserbüffel dazu. Besonders stolz ist die Stadtbibliothek jedoch auf die Gründung der ersten Solidarischen Landwirtschaft14 im Landkreis, zu der die Stadtbibliothek als Treffpunkt einen entscheidenden Anteil geleistet hatte.

Das Netzwerk Grüne Bibliothek stellt sich vor

Den Abschluss der Impulsreferate bildete die Vorstellung des im Januar 2018 in Berlin gegründeten Netzwerks Grüne Bibliothek15 durch deren erste Sprecherin Andrea Kaufmann (Humboldt-Universität zu Berlin).16 Das Netzwerk Grüne Bibliothek wurde Ende Januar 2018 gegründet und hat seinen Sitz am Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft der Humboldt-Universität zu Berlin. Die Gründungsmitglieder sind Vertreter oder Vertreterinnen Grüner Bibliotheken, Bibliotheks- und Informationswissenschaftler/innen sowie Studierende und FaMI-Auszubildende. Das Netzwerk bildet eine deutschsprachige Plattform zur ökologischen und sozialen Nachhaltigkeit von Bibliotheken und Informationseinrichtungen. Durch Vortrags- und Fortbildungsangebote, Seminare an Hochschulen, Konferenzen und Hands-on Labs sollen gemeinsam Wege zur Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele verstärkt auch in Bibliotheken im deutschsprachigen Raum gefunden bzw. geschaffen werden.

Eine Internetplattform zur Bereitstellung von nützlichen Informationen (Bibliografie, News, Termine, Fördermöglichkeiten, Praktikumsbörse, Forschungsbörse, Firmenangebote), einer Sammlung von Good-Practice-Beispielen und der Möglichkeit der Vernetzung von interessierten Bibliotheken befindet sich im Aufbau. Geplante Projekte sind die Erstellung einer Handreichung zur ökologischen und sozialen Nachhaltigkeit von Bibliotheken vor dem Hintergrund der Agenda 2030 und die Ausstattung einer bundesweiten Vernetzungskonferenz 2020 in Berlin.

Andrea Kaufmann wies darauf hin, dass das Netzwerk auch Hilfestellung anbietet bei der Planung von ökologisch und sozial orientierten Projekten in Bibliotheken.

Das Netzwerk Grüne Bibliothek wurde zunächst als Interessengemeinschaft von Privatpersonen organisiert, im Oktober 2018 wurde das Netzwerk in einen Verein17 umgewandelt, der nun allen Interessierten (Privatpersonen, Bibliotheken und sonstigen Institutionen) für eine Mitgliedschaft offensteht und zum Mitmachen einlädt.

Einladung ins World-Café (Moderation: Petra Hauke)

Der zweite Teil des Hands-on Labs wurde im Format eines World-Cafés gestaltet. An drei runden Tischen wurden jeweils unterschiedliche Fragestellungen bearbeitet:

World-Café Tisch 1: Ziele zur ökologischen und sozialen Nachhaltigkeit in unserer Bibliothek/Informationseinrichtung – was tun wir bereits, was ist noch zu tun?

Unter Leitung des Gastgebers Christopher Landes fanden die Diskussionen auf zwei Ebenen statt. Zum einen wurden auf der konkreten Handlungsebene Empfehlungen für nachhaltiges Handeln in Bibliotheken gesammelt. Viele der Maßnahmen werden bereits in den betroffenen Einrichtungen umgesetzt, andere wurden als Desiderate genannt. Hierzu gehören technische Maßnahmen wie der Einsatz von kaltem statt warmem Wasser, energiesparende Beleuchtung, Kühlsysteme (statt Klimaanlage), Isolierung, Dämmung.

Als Maßnahmen im Nutzungsbereich wurden genannt: kostenloses Scannen, um das Kopieren zu reduzieren; Fairtrade-Produkte in den Cafeterien und im Backoffice nutzen; Ausleihe nicht nur von Büchern, sondern auch anderen Dingen, die man „sharen“ kann, z. B. auch Energiemessgeräte; Tauschbörse; Urban Gardening (auch partizipativ); Mülltrennung, Müllvermeidung (keine Flyer und andere Materialien ausgeben) und Abschaffung von Plastiktüten; Wegwerfbecher abschaffen; Anpassung der Öffnungszeiten (Stromsparen nachts); Fahrrad-Repair-Station; Begrünung.

Als Maßnahmen im Backoffice wurden genannt: Papiersparen in den Geschäftsgängen, Einsatz von Ökopapier; papierloses Büro; folienfreie Bücher; Anpassen der Hausordnung entsprechend nachhaltigkeitsbezogenen Verhaltensregeln. Darüber hinaus wurde angesprochen, einerseits zur eigenen Weiterbildung an Veranstaltungen mit Nachhaltigkeitsbezug teilzunehmen, andererseits selbst einschlägige Veranstaltungen und Kurse mit externen Referent/inn/en zu organisieren, Makerspaces zu fördern, nachhaltige Kreativräume anzubieten, schließlich Fördermittel einzuwerben.

Zum anderen wurde besprochen, dass es für diese konkreten Maßnahmen einer Strategie bedarf, an der sich eine Bibliothek orientieren kann. Einzelne Veränderungen müssten demnach stärker eingebunden sein in eine allgemeine Nachhaltigkeitsleitlinie, welche vom Bibliothekspersonal, von den Trägerinstitutionen und sichtbar auch vom Publikum mitgetragen wird.

World-Café Tisch 2: Welche Hindernisse sehen Sie, wenn Sie in Ihrer Bibliothek ein Nachhaltigkeitskonzept realisieren wollen? Welche Lösungen bieten sich an?

Eine Überraschung war, dass am zweiten Tisch (Gastgeberin: Andrea Kaufmann) die meisten Gäste bereits praktische Erfahrungen mit „grünen“ Projekten in ihren Bibliotheken gesammelt haben – ein ganz anderes Bild eröffnete sich damit, als dies die spärlichen Berichte von grünen Projekten in den bibliothekarischen Medien zeichnen.

Gleich zu Beginn wurde die Frage der Bindung der Zielgruppen thematisiert. Wie können ökologische Projekte längerfristig aufrechterhalten werden? Ganz praktisch gefragt: Wie realisiert man, dass in Urban-Gardening-Projekten auch längerfristig regelmäßig die Pflanzen gegossen werden? Hier wurde schnell deutlich, dass eine stärkere Vernetzung mit bereits bestehender Kompetenz am Ort Lösungen ermöglicht. Neue Zielgruppen und Partnerschaften sollten gewonnen werden, z.B. Kleingartenvereine, kommunale Freiwilligenbörsen etc.

Ein weiterer Diskussionspunkt war der mitunter fehlende Einfluss auf die relevanten Entscheidungen der politischen Führungsebene bzw. das fehlende Bewusstsein für ökologische Nachhaltigkeit bei den politischen Entscheidern. In der Diskussion wurde der Wunsch nach mehr Unterstützung bei der Überzeugung der politisch Verantwortlichen thematisiert.

Das Netzwerk Grüne Bibliothek wird hier neben unseren Bibliotheksverbänden sicherlich aktiv werden, auch durch Vernetzung von Informationen über gelungene grüne Bibliotheksprojekte, die (nicht nur) die Phantasie von politischen Entscheidungsträgern beflügeln können. Es wurde aber auch betont, dass Bibliothekarinnen und Bibliothekare nur gemeinsam erfolgreich sein werden bei der Image-Verbesserung der Bibliotheken und der Ausgestaltung von Bibliotheken als Vorzeige-, Vorbild- und Bildungseinrichtungen für nachhaltige Entwicklung vor Ort. Manchmal ist auch einfach nur etwas mehr Mut nötig, Politiker auch auf unkonventionellem Wege anzusprechen, wie z.B. mit einer Einladung zu einem Frühstück vor Ort. Lokaler Umweltschutz hat sich in dergleichen Fällen bisher als gutes Argument bewährt.

„Einfach machen!“ war der Rat aus der Stadtbibliothek Bad Oldesloe, die bereits erfolgreich ihre ökologischen und gemeinschaftsstiftenden Projekte umsetzt.

World-Café Tisch 3: Wie könnte ein nachhaltiger, „grüner“ Bibliothekartag aussehen? Was wurde bei diesem Bibliothekartag als positiv empfunden? Wo sehen Sie Nachholbedarf?

Es ging sehr lebhaft zu an diesem runden Worldcafé-Tisch (Gastgeberin: Beate Hörning). Voller frischer Eindrücke vom gerade zu Ende gehenden 107. Bibliothekartag, war der Zeitpunkt günstig für eine Diskussion darüber, wie man einen künftigen Bibliothekartag ökologisch nachhaltiger gestalten kann. Eine Reihe von Vorschlägen bzw. Fragen wurde in den insgesamt drei Gesprächsrunden mehrfach zur Sprache gebracht:

  • Es werden mehr grüne Themen gewünscht – sowohl für das Tagungsprogramm als auch für Rahmenveranstaltungen (z.B. Führungen und Veranstaltungen in Bibliotheken vor Ort).
  • An die Aussteller sollte appelliert werden, keine Hochglanz-Prospekte mehr auszulegen, sondern ausschließlich solche aus Recyclingpapier. Ohnehin sollte die Papierflut weiter eingedämmt werden.
  • Große Kritik gab es bezüglich des Materials der Tagungstaschen mit ihren großen Klarsichtfenstern aus ökologisch problematischem Weich-PVC.
  • Bei jeglichen Formen des Catering sollten künftig Einweggeschirr und -besteck sowie in Plastik verpackte portionierte Kondensmilch vermieden werden.
  • Bezüglich der Speiseangebote werden mehr Transparenz (regional und/oder bio) sowie ein höherer Anteil an vegetarischen/veganen Gerichten gewünscht.
  • Möglichkeiten der Mülltrennung sollten selbstverständlich sein.
  • Eine auf Hochtouren laufende Klimaanlage (Energieverschwendung!) macht keinen Sinn, wenn die in den Räumen Anwesenden dadurch frieren.
  • Anreize schaffen, dass per Inlandsflug Anreisende in die Bahn (CO2-Bilanz!) umsteigen.
  • In Ergänzung zu den Tagungshotels sollte es eine Bettenbörse geben.

In Auswertung des 107. Bibliothekartages wurde u.a. lobend hervorgehoben, dass

  • das ÖPNV-Ticket bereits in der Teilnahmegebühr enthalten war,
  • der Tagungskugelschreiber aus recycelter Pappe hergestellt wurde,
  • die Namensschild-Hüllen und Bänder im Folgejahr wiederverwendet werden,
  • es diese Veranstaltung des Netzwerks Grüne Bibliothek im Lab-Format gab.

Entscheidend ist, dass diese Gedanken und Ideen nun ihren Weg finden zu den Teams, die an der Vorbereitung kommender Bibliothekartage arbeiten.

Ausblick

Das von etwa 30 sehr interessierten Teilnehmern besuchte Hands-on Lab hat sich in dieser Form als gut geeignet erwiesen, fachliche Kurzvorträge mit ausführlichem Gedankenaustausch und Anregungen zum Weiterdenken zu verbinden. Vor dem Hintergrund dieser ermutigenden Erfahrung wird das „Netzwerk Grüne Bibliothek“ ein ähnliches Format für den 7. Bibliothekskongress 2019 in Leipzig einreichen,18 um das – auch im Sinne der UN-Agenda 2030 – wichtige Engagement von Bibliotheken für ökologische und soziale Nachhaltigkeit weiter zu stärken und voranzutreiben.

Petra Hauke, Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft der Humboldt-Universität zu Berlin
Beate Hörning, Universitätsbibliothek Leipzig
Andrea Kaufmann, Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft der Humboldt-Universität zu Berlin
Ulrich Koch, Stadtbücherei Metzingen
Christopher Landes, Bibliothek der Hertie School of Governance
Tim Schumann, Stadtbibliothek Berlin-Pankow.
Alle Genannten sind Mitglieder des Netzwerks Grüne Bibliothek.

Zitierfähiger Link (DOI): https://doi.org/10.5282/o-bib/2018H4S276-283

1 Die Vortragsfolien der Impulsreferate und das Abstract der Veranstaltung sind hier zugänglich: https://opus4.kobv.de/opus4-bib-info/solrsearch/index/search/searchtype/collection/id/16831, Stand: 19.11.2018.

2 Vergleiche ENSULIB, die Environment, Sustainability and Libraries Special Interest Group der IFLA (https://www.ifla.org/environment-sustainability-and-libraries), die u.a. seit 2016 jährlich den IFLA Green Library Award ausschreibt (https://www.ifla.org/node/10159).

3 Die österreichischen „Büchereiperspektiven“ stellten bereits 2015 ein Themenheft unter dem Titel „Go green! Bibliothek und Umwelt“ zusammen (https://www.bvoe.at/epaper/2_15/) und der Büchereiverband Österreichs veranstaltete 2016 eine mehrtägige Fortbildungstagung zum Thema „Bibliothek und Umwelt“ (https://www.bvoe.at/aus-_und_fortbildung/kurse/bibliothek_und_umwelt).

4 Die Stadtbibliothek Biel/Bienne positioniert sich mit einem Flyer ausdrücklich als „Grüne Bibliothek“ (https://www.transitionbielbienne.ch/app/download/8651885276/gruene_bibliothek_A5.pdf?t=1529496086).

5 Ein Buchprojektseminar des Instituts für Bibliotheks- und Informationswissenschaft der Humboldt-Universität zu Berlin stellte im Wintersemester 2012/13 in seiner Publikation „The Green Library = Die Grüne Bibliothek“ in der Reihe der „IFLA Publications“ Beiträge zu diesem Thema aus vielen Teilen der Welt zusammen und auch das letzte Buchprojekt des Wintersemesters 2017/18 widmete sich diesem Thema (https://www.ibi.hu-berlin.de/de/studium/studprojekte/buchidee/bi12; https://www.ibi.hu-berlin.de/de/studium/studprojekte/buchidee).

6 Unter dem Dach der American Library Association agiert bereits seit längerem sehr erfolgreich der „Sustainability Round Table“ (http://www.ala.org/rt/sustainrt).

7 Libraries, Development and the United Nations 2030 Agenda, IFLA, <https://www.ifla.org/libraries-development>, Stand: 09.11.2018.

8 UN 2030 Agenda for Sustainable Development, IFLA, <https://www.ifla.org/node/10091>, Stand: 09.11.2018.

9 Hauke, Petra: Die UN-Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung und die Rolle der Bibliotheken. Vortrag auf dem 107. Deutschen Bibliothekartag in Berlin 2018. Vortragsfolien unter <https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:0290-opus4-157891>.

10 Lankes, Richard Davis: Erwarten Sie mehr! Verlangen Sie bessere Bibliotheken für eine komplexer gewordene Welt, Berlin 2017, S. 60.

11 Koch, Ulrich: Die Natur als Kooperationspartner. Sonnenblumen, Kräuter und Gurken aus der Stadtbücherei Metzingen, in: BuB, Forum Bibliothek und Information, 69 (11), 2017, S. 584–585. Online: <https://b-u-b.de/wp-content/uploads/2017-11.pdf>, Stand: 18.10.2018.

12 Geißler, Jens A.; Schumann, Tim: „Ernte deine Stadt“ – Community Building und die Stadtbibliothek als Plattform für ökologisch und sozial nachhaltige Bibliotheksarbeit. Vortrag auf dem 107. Deutschen Bibliothekartag in Berlin 2018. Vortragsfolien unter <https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:0290-opus4-157971>, Stand: 18.11.2018. Vgl. auch Geißler, Jens A.; Schumann, Tim: Ernte Deine Stadt: Die Stadtbibliothek Bad Oldesloe betreibt mit ganz unterschiedlichen Partnern nachhaltige und grüne Bibliotheksarbeit – und erhält dafür den „IFLA Green Library Award 2017“, in: BuB, Forum Bibliothek und Information, 69 (11), 2017, S. 640–643. Online: <https://b-u-b.de/wp-content/uploads/2017-11.pdf>, Stand: 18.10.2018.

13 Nach dem Motto: „Die Stadt ist dein Garten“ werden auf einer Fahrradtour Früchte, Beeren und Kräuter in der freien Natur gesammelt (https://mundraub.org/kommunen/obstbaumkataster).

14 Mehrere private Haushalte tragen die Kosten eines landwirtschaftlichen Betriebs und erhalten im Gegenzug dessen Ernteertrag, vgl. Netzwerk Solidarische Landwirtschaft, <https://www.solidarische-landwirtschaft.org/index.php?id=92>, Stand: 09.11.2018.

16 Kaufmann, Andrea: Das Netzwerk Grüne Bibliothek stellt sich vor. Vortrag auf dem 107. Deutschen Bibliothekartag in Berlin 2018. Vortragsfolien unter <https://opus4.kobv.de/opus4-bib-info/frontdoor/index/index/docId/15829>, Stand: 18.11.2018.

17 Die Anerkennung der Gemeinnützigkeit und die Eintragung ins Vereinsregister sind beantragt (Stand November 2018).

18 Die eingereichte Veranstaltung wurde mittlerweile unter dem Titel „Nachhaltig handeln! Bibliotheken und das Prinzip der ‚Triple Bottom Line‘“ für den Bibliothekartag angenommen. Termin: 20.03.2019, 16:00-17:30, Vortragsraum 10.