Zu Artikeldetails zurückkehren Systematik „Ästhetische Kulturwissenschaft“ an der Universitätsbibliothek Hildesheim – ein Innovationsbericht
ART-Leonhardt

Systematik „Ästhetische Kulturwissenschaft“ an der Universitätsbibliothek Hildesheim – ein Innovationsbericht

Holm Arno Leonhardt, UB Hildesheim

Zusammenfassung

Bestehende bibliothekarische Freihand-Systematiken werden den Sachzusammenhängen kulturwissenschaftlicher Literatur immer weniger gerecht. Es kann sinnvoll sein, Bücher nach dem Gesichtspunkt einer künsteübergreifenden Kulturästhetik anzuordnen und zu indexieren. Dadurch erhält ein zentraler Teil der kulturwissenschaftlichen Literatur eine Erschließung, die einer wichtigen Forschungsperspektive entspricht. Erleichterungen bei Benutzung und Systematisierung sind die Folge. Diese werden am Beispiel einer veränderten Bestandsordnung an der Universitätsbibliothek Hildesheim erläutert.

Summary

As can be found by practical experience, existing open-shelf classification systems comply less and less with the subject interrelations of literature in the field of cultural studies. A possible way out is to arrange and classify books according to a multiple-arts cultural aesthetics. By this, a central part of the literature in cultural studies is indexed in accordance with an important perspective of research. This results in improvements for both users and librarians. As an example, the paper explains and discusses the modified shelving of the collection at the University Library of Hildesheim.

Zitierfähiger Link (DOI): https://doi.org/10.5282/o-bib/2018H3S118-134
Autorenidentifikation:
Leonhardt, Holm Arno: GND 1156384664
Schlagwörter:
Systematisierung; Polyästhetik; Ästhetische Kulturwissenschaft; Kulturwissenschaften

1. Die Vorgeschichte der Systematik „Ästhetische Kulturwissenschaft“

Die neue Freihand-Systematik „Ästhetische Kulturwissenschaft“1 an der UB Hildesheim beruht wesentlich auf bibliothekarischer Eigeninitiative. Ihr Zustandekommen und ihre Logik sei im Folgenden dargestellt. – Die neue Systematik fügt sich in ein Umfeld von meist eigenständig gestalteten Klassifikationen. Die Notationen der Hildesheimer Systematiken bestehen aus einem Fachkürzel gefolgt von einer dreistelligen Ordnungszahl.

1.1. Ausgangslage: ein neuartiger Studiengang

Nach einem Modellversuch ab 1977 war an der Wissenschaftlichen Hochschule Hildesheim 1979 der Studiengang Kulturpädagogik eingerichtet worden.2 Der neue Studiengang verstand sich als kulturell in einem ästhetisch-künstlerischen Sinne. Seine spezielle Konzeption bestand darin, „einerseits Theorie und Praxis und andererseits Wissenschaft und Kunst […] aufeinander zu beziehen, [wodurch] wissenschaftliches Neuland betreten und ein wichtiger Beitrag zur Weiterentwicklung des Bildungswesens [ge]leistet“3 würde.

Die Idee, es könne legitim sein, die einzelnen Kunstdisziplinen voneinander zu entgrenzen und dadurch eine „Allgemeine Kunstwissenschaft“ herzustellen, war allerdings älter; sie ging auf den Kunstphilosophen Max Dessoir 1906 zurück.4 Jene Perspektive blieb auf eine Nische von Spezialisten begrenzt, wenn auch mehrere Kongresse zu jenem Thema (1913–1937) abgehalten wurden.5

Mitte der 1960er Jahre tauchte dieser Ansatz im deutschen Sprachraum wieder auf.6 An der Pädagogischen Hochschule Alfeld (die 1970 zur PH Hildesheim wurde) war er durch Kurt Schwerdtfeger und Wolfgang Roscher vertreten, die mit ihren Studierenden Experimentalübungen zu ästhetischen Wahrnehmungsbereichen veranstalteten. Die erneuerte Entgrenzungsperspektive war nun vor allem didaktisch und kunstpraktisch angelegt. Für jene Richtung prägte Roscher 1970 den Begriff der „Polyästhetischen Erziehung“ und lieferte 1976 eine wissenschaftstheoretische Begründung nach.7 Das Konzept heiße „ästhetische Erziehung aller Sinne durch alle Künste“. Es handele sich um „das Gebiet der sinnlichen Wahrnehmung im Wechselspiel der Klänge, Töne, Bilder, Szenen als Anregung für gesamtkünstlerisches Planen, Verarbeiten und Aufnehmen“.8

Diesem Ansatz folgend, entwickelten die Hildesheimer Professoren Wolfgang Roscher (Musik), Franz Kumher (Bildende Kunst) und Heinrich Maiworm (Deutsch, Literatur) zwischen 1977 und 1979 einen „gesamtkünstlerischen – kulturpädagogischen – Studiengang […], der durch künstlerisch-wissenschaftliche, künstlerisch-praktische, interdisziplinäre und berufsbezogene (Vermittlung von Kultur) Inhalten geprägt sein sollte.“9 Der Grundgedanke der Polyästhetik wurde in Gestalt der neuen Kulturpädagogik umgesetzt als „ein interdisziplinäres Zusammenwirken von künstlerischer Theorie und Praxis einerseits und von Künsten untereinander sowie mit den Grundwissenschaften Pädagogik, Psychologie, Soziologie, Philosophie und Politikwissenschaften andererseits.“

Die für den Studiengang gewählte Bezeichnung „Kulturpädagogik“ geriet frühzeitig unter Kritik10 und wurde im Wintersemester 2000/01 in „Kulturwissenschaften und Ästhetische Kommunikation“ geändert. Der Zuschnitt einer Kombination von Kunstpraxis und von auf jene anwendbaren theoriefähigen Wissenschaften blieb auch nach der Auffächerung des Studienangebots ab 1999/2000 erhalten.

1.2. Das Problem: die Bibliothek und die immer eigentümlicher werdende Literatur

Ab Ende der 1990er Jahre wurden die Bücher, die von den Instituten des Hildesheimer Fachbereichs II „Kulturpädagogik“ resp. „Kulturwissenschaften“ bestellt wurden, in den Augen der sie bearbeitenden Bibliothekare und Bibliothekarinnen immer schwieriger. Neben konventionellen Werken für die einzelnen Kunstbereiche gab es zunehmend:

  • transzendente Thematiken, die zwischen Stoffen der Literatur, der Musik, der bildenden und darstellenden Künste sowie der Medien pendelten,
  • Darstellungen von hohem Abstraktionsgrad, so über „Rhetoriken des Verschwindens“, „Interpassivität“, „Transfigurationen“, „Szenosphären“ oder „Nicht-Orte“,
  • Themen, die amüsant, aber nicht ernstzunehmend erschienen wie die „Spaziergangswissenschaft“ oder die „History of shit“.

Diese Literaturgattungen fielen durch das Themenraster der bibliothekarischen Freihandsystematiken und bereiteten Probleme, insofern für die Erschließung nur die konventionellen Systematikgruppen zur Verfügung standen. In der Folge wurden die Notationen der verschiedenen Einzelkünste und weiterer Disziplinen unter Hintanstellung inhaltlicher Bedenken immer routinierter genutzt, um nicht wirklich passende Bücher dorthin aufstellen zu können:

Schwer verständliche Themen wurden vom Grundsatz her als „Philosophie“ aufgefasst, wobei entdeckte Schlüsselworte das jeweilige Untergebiet bestimmten. Konkreter angelegte Bücher, bei denen der Kulturaspekt an Handfesterem ansetzte, wurden bei jenem Handfesten angesiedelt. Das Ergebnis war ein Überspannen des systematischen Rahmens:

  • Manche Werke standen pars pro toto richtig, wobei aber oft noch wichtigere, aber nicht darstellbare Sachzusammenhänge ignoriert wurden. Der Sachbereich Kultur der Dinge etwa kam zur Ethnologie, obwohl von modern kulturwissenschaftlichem Charakter. Die Topoi der Visual Studies und Sound Studies wurden weitgehend auseinandergerissen und auf Einzelkünste oder Medienwissenschaften verteilt, weil man das Aufkommen neuer Forschungsrichtungen nicht registrierte.
  • Andere Monographien fanden Asyl in thematisch nur benachbarten Sachstellen. So erhielt der Bereich Hauswirtschaftslehre unter „Kochen“ auch die kulinarische oder drogenbasierte Genusskultur, die „Spaziergangswissenschaft“ fand sich zwischen Titeln zur Landschaftskunst wieder und Bücher zur „Kulturgeschichte des Hören“ oder „Sehens“ wurden zusammen mit der „History of shit“ zur Wahrnehmungspsychologie gestellt.

Abgesehen von kompakten Blöcken zu „Kulturmanagement“, „Kulturpolitik“ und „Kulturpädagogik“ waren die kulturwissenschaftlichen Themen innerhalb der UB Hildesheim heillos zerstreut. Die nach 2000 rasch anwachsende kulturästhetische Literatur war über mehr als zehn Fachsystematiken verteilt, bis hin zur Technik, der Geographie oder der Linguistik.

Die Aufstellungssituation der kulturwissenschaftlichen Literatur wurde von bibliothekarischer Seite zunehmend als kaum zumutbar begriffen. Allerdings kam von Seiten des Fachbereichs keinerlei Beschwerde oder Verbesserungswunsch. So blieb die Idee einer neuen Systematik „Kulturwissenschaft“ über Jahre nur eine bibliothekarische Option. Erst in 2013/14 wurde das Projekt einer kulturwissenschaftlichen Systematik intensiver diskutiert und seit Anfang 2015 ging es weniger um das Ob, sondern um das Wann und Wie eines kulturwissenschaftlichen Freihandbestandes. Nach mehreren Vorgesprächen mit einzelnen Kulturwissenschaftlerinnen und Kulturwissenschaftlern wurde dem Fachbereich ein Systematik-Entwurf „KUL – Kulturwissenschaft“ übergeben.

1.3. Der Mangel an geeigneten Referenzsystematiken

Das vorherige Zögern der UB bei der Propagierung einer neuen Fachsystematik beruhte auch auf dem Fehlen geeigneter Blaupausen, die man hätte übernehmen können. Kulturwissenschaftliche Wissenschaftssystematiken gab es zwar;11 sie erwiesen sich aber als für Hildesheim ungeeignet, weil zu groß angelegt innerhalb des Felds der Geisteswissenschaften, also etwa die Religionswissenschaft und die Linguistik mit umfassend, und nicht – wie benötigt – eng (poly-) ästhetisch. Bei den bibliothekarischen Universalsystematiken12, die per Internet recherchierbar waren, zeigte sich folgendes typische Bild:

  • Es gab ausgebaute Bereiche für Ethnologie oder/und Landeskunden, d.h. Kultur wurde primär nach Völkern dargestellt.
  • Daneben bestanden die typischen Einzelkunstfächer, aber es existierte kein Standort für polyästhetische Themen.
  • Bücher zu modernen allgemeinkulturellen und kulturästhetischen Themen waren über eine Vielzahl von Systematikgruppen verteilt.13

D.h. genau die Defekte, die für die UB Hildesheim konstatiert worden waren und abgestellt werden sollten, waren auch in anderen Universitätsbibliotheken Standard. Inwieweit jene Defizite dort aber ähnlich wie in Hildesheim wahrgenommen wurden, ließ sich wegen der Individualität der dortigen Forschung und Lehre nicht sicher nachempfinden.

2. Die inhaltliche Definition einer „Ästhetischen Kulturwissenschaft“ und ihre Abgrenzung von anderen Wissensgebieten

Wie wäre nun eine der Hildesheimer Perspektive entsprechende Systematik zu benennen? Wie wäre sie innerhalb des Gebiets der weiteren Kultur- und Geisteswissenschaften zu verorten?

2.1. Kulturwissenschaften, Geisteswissenschaften oder Kulturwissenschaft(im Singular)?

Seit der zweiten Hälfte des 19. Jh. war im akademischen Diskurs sowohl von Geisteswissenschaften als auch von Kulturwissenschaften (resp. Geistesgeschichte und Kulturgeschichte) die Rede. Diese Begriffe konnten weitgehend deckungsgleich sein und außer den verschiedenen Künsten auch die Sprachwissenschaften, die Geschichte, die Theologie und die Rechtswissenschaft enthalten. Anders als die Geisteswissenschaften konnten die Kulturwissenschaften auch die materielle Kultur und technische Zivilisation umfassen.14 Wenn man die anvisierte neue Systematik als „Ästhetische Kulturwissenschaft“ bezeichnen würde, in welcher das Konzept einer Allgemeinen Kunstwissenschaft umgesetzt wäre, würde dies ein begrenzteres Feld implizieren, eine Untermenge der weiteren Kulturwissenschaften. Sie würde auch in die Geisteswissenschaften hineinpassen, nur für die materiell gebundene, z.B. technische Ästhetik über sie hinausgehen. Von dieser Ästhetischen Kulturwissenschaft wären die nichtkünstlerischen Geistes- und Kulturwissenschaften ausgeschlossen, also die Linguistik, die Geschichte, Theologie und Rechtswissenschaft. Eine solche enge Kulturwissenschaft würde sich verstehen als eine „Über- oder Kopfwissenschaft“ zu den Einzelkünsten resp. besonderen Kunstwissenschaften, nämlich zu den Gegenständen Bildende Kunst, Architektur, Design, Theater, Tanz, Musik, Literatur und Medien.

Die Bezeichnung „Kulturwissenschaft“ wurde von den Vertretern des Hildesheimer Fachbereichs Kulturwissenschaften und Ästhetische Kommunikation, welche den Systematikentwurf zur ersten Ansicht erhalten hatten, im Sommer 2015 gebilligt. Diese Benennung stellte aber ein Abweichen vom üblichen Sprachgebrauch der Kulturwissenschaften (im Plural) dar. Die Hildesheimer Bereichsvertreter beriefen sich auf Veränderungen in der Disziplin, erkennbar etwa an der Gründung neuer, fachakademisch orientierter Vereinigungen wie der Kulturwissenschaftlichen Gesellschaft (Januar 2015), und erklärten die Zeit reif für eine „Kulturwissenschaft im Singular“.

Auf der Basis dieser Übereinstimmung zwischen Wissenschaftlern und UB begannen Gespräche über den genaueren Zuschnitt der künftigen KUL-Systematik:

  • Die neue kulturwissenschaftliche Systematik sollte sich einfügen in den Gesamtapparat der Systematiken der UB. Der neue Bestand sollte nicht exakt mit den Themen und dem aktuellen Interessenspektrum der Hildesheimer Kulturwissenschaftler übereinstimmen müssen, so dass die UB in den Rand- und Übergangsbereichen der „Ästhetischen Kulturwissenschaft“ eine Gestaltungsfähigkeit behielt.
  • Als Instrumente für die Ermittlung und Gliederung der relevanten Literatur wurden Sichtweisen besprochen, mit denen die Hildesheimer Kulturwissenschaftler ihre Gegenstände routinemäßig identifizierten und differenzierten (vgl. insbesondere die Abschnitte 2.2.2, 2.2.5, 2.2.7 und 2.2.8).

2.2. Die Ergebnisse beim Zuschnitt der Systematik

Im Folgenden sollen die methodischen und sachlichen Details bei der Ausarbeitung der KUL-Systematik dargestellt werden.

2.2.1. Der Ausschluss der „autonomen Kulturen“ aus KUL

Über die Verortung spezieller sozialer Kulturen, wie der

  • politischen Kultur, religiösen Kultur,
  • Unternehmenskultur, Verbandskultur,
  • technischen oder Ingenieurskultur,
  • Arbeitskultur, Berufskulturen,
  • Sport- und Bewegungskultur,
  • Wissens- oder Wissenschaftskulturen

wurden sich der bibliotheksseitig beauftragte Fachreferent und die Fachvertreter15 schnell einig: Diese Themen sollten beim jeweiligen Bezugsfach, also bei der Politikwissenschaft, Theologie, Wirtschaftswissenschaft, beim Sport oder entsprechend verbleiben, weil sie vor allem aus jenen Kontexten heraus verständlich seien. Unterschiedlich waren allerdings die Begründungen: Wo der Fachreferent fachwissenschaftliche Zuordnungstraditionen erkannte, verwiesen die Kulturwissenschaftler mit der gleichen Konsequenz auf „Sachfelder mit besonderen Regeln“, die sich dem für sie interessanten kulturellen Mainstream zumindest teilweise entzogen.

2.2.2. Abgrenzung zwischen Kulturellem und Sozialem

Die analytische Trennung von Kulturellem und Sozialem ist elementar für die Hildesheimer Kultur-Systematik. Grundsätzlich ist alles Kulturelle auch immer sozial, weil ein Ergebnis von Sozialisation und Verhalten. Insofern zwischen Sozialem und Kulturellem unterschieden werden sollte, ging es um die Trennung variabler kultureller Erscheinungsformen von grundlegender angelegten, stärker determinierten sozialen Strukturen.

In der Systematisierungs-Praxis für die neue KUL-Systematik führte jenes Trennungsverfahren dazu, dass im Hildesheimer Bestand Soziologie eine Kultursoziologie ohne dominierende ästhetische Themen verblieb, während Bücher mit Schwerpunkt auf kulturellen Formen, aber mit ansonsten soziologischem Charakter, in die „Ästhetische Kulturwissenschaft“ eingeordnet wurden. Die Themen Subkultur, Kulturbürger, Ästhetische Kultur & Gesellschaft wurden auf diese Weise bei KUL angesiedelt, wohingegen Bücher über genuin soziologische Themen, wie die Abgrenzung unterschiedlicher sozialer Statusgruppen (welche über kulturelle Marker erfolgt), bei der Soziologie verblieben.

2.2.3. Unterscheidung von Ästhetischem und Nichtästhetischem

Die Ermittlung des Ästhetischen ist ebenfalls elementar für die Systematik KUL. Wenn „Ästhetik“ ursprünglich schlicht „Wahrnehmung“ bedeutete, später als „Kunde von Schönheit und Geschmack“ aufgefasst wurde, so ist die erste Bedeutung zu weit und die zweite zu eng. Es geht im Hildesheimer Zuschnitt – pragmatisch definiert – um Eindrucksvolles, das auch hässlich sein kann. Rein Funktionales, dessen Form gesellschaftlich nicht beachtet, nicht bewertet, nicht diskutiert wird und offenbar als unerheblich angesehen wird, gilt in der Folge als nicht ästhetisch (man denke etwa an die Abwasserrohre der hygienischen Kultur). Umgekehrt ist allerdings eine Ästhetisierung16 vormals funktionaler Bereiche zu konstatieren, ein säkularer Trend, der den heutigen Boom der Kultur und der darauf bezogenen Wissenschaften ermöglichte.

In der neusten Hildesheimer Systematisierungspraxis wurde Ästhetische Kultur immer weniger als die zentrale, übergreifende Kultursphäre aufgefasst, sondern zunehmend als nur eine unter einer Vielzahl von Bereichskulturen. Davon unbenommen war die Einschätzung der Ästhetischen Kultur als aufstrebender Faktor der neueren Zeit. Die prinzipielle Gleichstellung von Kulturbereichen war jedoch die Voraussetzung für Vergleiche und Typisierungsversuche: So erwies sich die Ästhetische Kultur typischerweise als extrovertiert und kompetitiv: die Schöpfer ästhetischer Leistungen (szenisch, literarisch, bildhaft, musikalisch etc.) wollen gefallen und erfahren dabei Konkurrenz. Andere Bereichskulturen leben demgegenüber eher in der Diskretion distinkter Gruppen, so die Berufskulturen. Die Genderkulturen haben extrovertierte und kompetitive Aspekte der Inszenierung, aber auch defensive einer Abschirmung und Tabuisierung. Derartige Typisierungen dienten zur Erleichterung der Systematisierung.

2.2.4. Abgrenzung der Ästhetischen (Gesamt-)Kultur von den Einzelkünsten

Damit die Einrichtung von KUL nicht zulasten der Interessen von Einzelkünsten ging, war es wichtig, das Vorliegen von Polyästhetik resp. entgrenzter Kunst zu erkennen und von Einzelkunst-Darstellungen zu unterscheiden. Hilfsweise kann auch eine thematische Interdisziplinarität als Sekundärkriterium hinzugenommen werden, weil auch dies die Überschreitung des Rahmens einer Einzelkunst und eine polyästhetische Abstrahierbarkeit andeutet. Für die Kultureinrichtung Museum war diese Regel schwerer umsetzbar als gegenüber klarer begrenzten Bereichen wie Theater oder Musik. Museen allgemein oder interdisziplinär angelegte Museen wurden nunmehr zum Gegenstand der „Ästhetischen Kulturwissenschaft“ bestimmt. Museen mit der Thematik einzelner Künste oder sonstiger Wissenschaftsgebiete kamen zu den engeren Bezugsfächern. Somit sind Kunstmuseen bei der Kunst und Technikmuseen bei der Technik eingeordnet.

2.2.5. Abgrenzung zur Philosophie

Der Hildesheimer Bestand Philosophie enthält mindesten drei Untergebiete, in denen besondere Abgrenzungsverfahren zur „Ästhetischen Kulturwissenschaft“ anzuwenden sind: Es handelt sich dabei um die philosophische Ästhetik, die Phänomenologie und die Kulturphilosophie. Als Abgrenzungskriterium von allen drei Bereichen hin zur Kulturwissenschaft gilt der kulturelle Praxisbezug.

Über die Stellung der Kulturphilosophie zur Kulturwissenschaft hatte es Auffassungsunterschiede gegeben:

  • Der Fachreferent ging davon aus, dass ein neues Fach auch eine Theorie haben sollte. Da es noch keine standardisiert ausgearbeitete Kulturtheorie gäbe, müsse man die Kulturphilosophie weitgehend mit einbeziehen, zumal die englische Formulierung cultural philosophy ja auch Kulturtheorie bedeuten könne.
  • Die Wissenschaftler sahen demgegenüber eine Arbeitsteilung zwischen der Philosophie und den ästhetischen Fächern: Die Philosophie liefere Konzepte oder Theorieansätze und die neue Kulturwissenschaft solle wie die Einzelkünste praxisbezogen bleiben.

Der Fachreferent setzte diese Vorgaben mittels dreier Kriterien um: Philosophische Werke mit einem Kulturbegriff, der deutlich über die Ästhetik hinausging, verblieben bei der Philosophie. Dito kulturbezogene Literatur von ausgewiesenen Philosophen. Desgleichen Bücher mit einer sich philosophisch definierenden Methodik.

2.2.6. Abgrenzung zur Frauen- und Geschlechterforschung

Gender-Kulturen, also die Kulturen der einzelnen Geschlechter und sexuellen Orientierungen, lassen sich als autonome Kulturen auffassen, weil sie auf den Besonderheiten von Geschlecht, Sexualität und Fortpflanzung aufbauen. Insofern ließ sich rechtfertigen, dass jenes thematische Feld nicht in die neue Systematik „Ästhetische Kulturwissenschaft“ übernommen wurde.

Bereits in 2013/14 war die Hildesheimer Systematik Frauen- & Geschlechterforschung so erweitert worden, dass die Themen der Queer Culture und ihrer Untergruppierungen sowie die Fragen der Heteronormativität und Identitätskonstruktion dargestellt werden konnten. Als Trennungskriterium von der Psychologie, bei der die Gender-Kulturen in der Gruppe Sexualverhalten bis dato Asyl gefunden hatten, galt das relative Gewicht des kulturästhetischen Aspekts. Die Heraustrennung der Gender-Kultur aus dem Psychologiebestand in 2013/14 war wie eine Vorübung für das größere Projekt einer „Ästhetischen Kulturwissenschaft“. Der Bestand Frauen- & Geschlechterforschung kann somit im Unterbereich Gender & Kultur ebenfalls polyästhetische Literatur enthalten.

2.2.7. Abgrenzung zur Ethnologie/Volkskunde

Die Hildesheimer Kultur-Systematik folgt bei der Darstellung kultureller Praktiken und Perzeptionen (ab KUL 200) der üblichen Abgrenzung zwischen moderner Populärkultur, die im 19. Jh. mit der Massengesellschaft und ihren gewerblichen Veranstaltungen von Jahrmärkten, Zirkussen, Tourneen etc. beginnt. Alle demgegenüber althergebrachten kulturellen Traditionen sind der Volks- und Völkerkunde zuzuordnen, wohingegen moderne, also kapitalistisch geprägte kulturelle Praktiken und Perzeptionen zum Bereich der Kulturwissenschaft gehören. Dasselbe gilt analog für die materielle Kultur zwischen traditioneller und Massenproduktion.

2.2.8. Abgrenzungen in Bezug auf Nationalkultur und Interkultur

Der Themenkomplex der Nationalkultur geht über ästhetische Praktiken weit hinaus und besteht aus mehreren sachlichen Ebenen, der Sprache sowie mindestens der sozialen, politischen und wirtschaftlichen Systeme. Die Besonderheiten von Nationalsprachen werden üblicherweise in den Philologien und die interkulturelle Kommunikation in der Linguistik behandelt. Die Spezifika von National- oder Ethnokulturen könnten auch Thema von politischen oder kulturellen Landeskunden sein, die unterschiedlich verortbar wären etwa in Philologien oder der Politikwissenschaft. Interkulturelle Beziehungen zwischen verschiedenen Ethnien könnten auch Gegenstand einer (nichtästhetischen) Kulturpsychologie oder Kultursoziologie sein.

Das Thema der Nationalkultur entspricht somit einem weiten Kulturbegriff, der in mehrerer Hinsicht autonome Unterkulturen mit enthält. Bücher derartigen Inhalts können in den Bestand „Ästhetische Kulturwissenschaft“ nur in die Stellen „Kultur nach Ländern“ aufgenommen werden, wenn sie relativ allgemeinen Charakters sind und auch ästhetische Themen mit umfassen. Ansonsten wären sie gemäß den enthaltenen autonomen Bestandteilen der sozialen Ethnokultur, der Wirtschaftskultur, der Politischen Kultur etc. anderen Fächern zuzuordnen, konkret den verschiedenen Sprach- und Gesellschaftswissenschaften. Bei Büchern von speziellerer Thematik muss die ästhetische Perspektive das ethnisch-soziale Element überwiegen, damit eine Einordnung nach KUL erfolgt.

3. Der Aufbau und die innere Logik der Systematik „Ästhetische Kulturwissenschaft“17

3.1. Breite kulturwissenschaftliche Rahmung der Systematik

Die Abfolge innerhalb von KUL 000 bis 199 resp. bei KUL 900 folgt den üblichen bibliothekarischen Standardisierungskriterien. Dort sind die Stellen für Nachschlagewerke, Sammelwerke und berufskundliche Themen verortet, außerdem die Stelle für Literatur von/über polyästhetische Fachautor/innen/en. KUL 100–119 enthält die Themen Kulturbegriff und Kulturtheorie. Hier ist wissenschaftstheoretische Literatur in der Bandbreite zwischen einer engen und einer weiten Kulturauffassung angesiedelt. Ziel war es, sowohl die „Ästhetische Kulturwissenschaft“ als auch die weiteren, erstere mitumfassenden Kulturwissenschaften berücksichtigen zu können. In KUL 130–199 wurden „Kulturdarstellungen nach Epochen und Regionen“ aufgestellt. Auch hier wurden übergreifende Bücher mit ästhetischen wie nichtästhetischen Inhalten zugelassen, also etwa Kulturgeschichten einer Epoche oder eines Landes unter Einschluss technisch-zivilisatorischer Themen. Dieses Konzept fand seine Grenze, wo der ästhetische Inhaltsanteil zu gering war.

3.2. Die Bestimmung der Grundbegriffe des Fachs „Ästhetische Kulturwissen­schaft“

In einer wissenschaftlichen Systematik sind die Grundbegriffe des Fachs zu definieren. Dies bereitete dem Fachreferenten einige Schwierigkeiten, den Fachvertretern kaum Probleme. Für die Hildesheimer Kulturwissenschaft(en) sind die „kulturellen Praktiken“ der Grundbegriff, was aus der Orientierung auf die aktive Kunstproduktion zu verstehen ist. Der wissenschaftliche Bibliothekar (resp. andernfalls die Bibliothekarin) musste hier grundsätzlicher vorgehen: Damit am Ende kein Buch unerschlossen blieb, war die Systematik erschöpfend anzulegen. Was also konnte es jenseits „kultureller Praktiken“ noch geben? Von Seiten der Etymologie gab es die Vorgabe: Praktiken waren als aktive Handlungen zu verstehen; nach Duden bedeuten sie eine „bestimmte Art der Ausübung, Handhabung, Verfahrensweise“. Wenn trotzdem in kulturwissenschaftlichen Diskursen gelegentlich von passiven kulturellen Praktiken die Rede ist, deutet dies auf ein Desiderat hin: Es fehlt ein Begriff für das reziproke passive Gegenstück kultureller Praktiken, nämlich einer kulturellen Wahrnehmung oder Einstimmung. Zur Performanz gehört wesentlich das Publikum. Kulturelle Praktiken werden ausgeführt, um Impressionen und Reaktionen auszulösen, die selbst kulturell geprägt sind. Bei aller Dominanz der kulturellen Praktik muss es etwas Allgemeineres geben: „kulturelles Verhalten“ resp. „kulturelle Kognition“. Die Hildesheimer Systematik KUL verwendet diese beiden Termini in Doppelnennung als kombinierten Oberbegriff, der sich wiederum in „kulturelle Praktiken“ und „kulturelle Perzeption“ aufgliedert (so KUL 200–209, 210–289). Kulturelle Praktiken können zu materiellen Ergebnissen führen. Diese „Artefakte“ oder „Kunstwerke“ erlauben eine Wiederholung der kulturästhetischen Perzeption. Der Begriff des – polyästhetisch verallgemeinerten – „Kunstwerks“ (KUL 205) ist insofern ein weiterer Grundbegriff der „Ästhetischen Kulturwissenschaft“.

3.3. „Kulturelle Praktiken“ nach Themenbereichen sowie die interdisziplinären Bild- und Klangwissenschaften

In KUL 300–399 geht es um „kulturelle Praktiken“ nach Themengebieten: die Populärkultur, die Kultur der Dinge, des menschlichen Körpers sowie kulturästhetische Themen sozialer, räumlicher, historischer, mythologischer und abstrakter Art. Daran schließen sich mit KUL 400–499 und KUL 500–549 die Visual Studies und Sound Studies an, neue Wissensfelder, die polyästhetisch-interdisziplinär orientiert sind und in Sacheinheit Aspekte der Medienwissenschaft, Alltags- und Popkultur, Bildende Künste resp. Musik umfassen können. Beide Bereiche enthalten Stellen zu Design, Bedeutung, Verwendung und Ikonologie der betreffenden Kunstwerke oder Kunstpraktiken.

3.4. Kultur & Gesellschaft, Kulturinstitutionen und Ästhetisch-kulturelle Bildung

Bei der Gruppe KUL 600–699 handelt es sich um kultursoziologische Werke, bei denen kulturelle Praktiken und Auffassungen thematisch im Mittelpunkt stehen. Diese reichen von Gesamtbetrachtungen zu „Kultur und Gesellschaft“ bis hin zum „Kulturbürger“. Einen wesentlichen Anteil haben die „Subkulturen“. Der Block KUL 700–799 ist „Kulturinstitutionen“ gewidmet, wozu auch die Museologie gehört. Es wird die Kulturpolitik allgemein und nach politischen Akteuren betrachtet. Des Weiteren werden die Kulturökonomik, das Kulturmanagement und die Kulturökonomie behandelt. Für die Gruppe KUL 800–899 „Kulturelle Bildung“ wurden die Literaturbestände der Kulturpädagogik und Ästhetischen Bildung zusammengetragen. Der Stellenapparat der Gruppe wurde nach den Kriterien der Anwendungsziele, Methoden und Adressatenkreise feiner differenziert.

4. Erfahrungen im Umgang mit der Systematik „Ästhetische Kultur­wissenschaft“

Der neue Buchbestand KUL ist von den Angehörigen des Fachbereichs gut angenommen worden. Aus der Hochschullehrerschaft verlautete, man „freue sich sehr“, dass die Kulturwissenschaft (in ihrem Hildesheimer Zuschnitt) so handgreiflich „sichtbar“ geworden sei. Studierende äußerten sich auf Befragen ebenfalls durchweg positiv („eine gute Sache“). Allerdings schien für beide Statusgruppen schon die bloße Zusammenstellung der Literatur das Wesentliche zu sein, denn über die konkrete Aufstellungsabfolge der Bücher gab es (nach Abschluss der Coaching-Phase durch ein Mitglied des Fachbereichs) kaum Kommentare oder Beschwerden.

Aus UB-Sicht führte der neue Buchbestand „Ästhetische Kulturwissenschaft“ zu folgenden Veränderungen:

  • Genius loci: Der neue Bestand KUL hat einen Portal-Charakter. Er widmet die (auch räumlich) hinter ihm aufgestellten Einzelkünste als Teile der Kulturwissenschaft und steht zugleich für das Allgemeinere der Kunstwissenschaften. Für Forschung und Lehre sind mehrere operative Vorteile erkennbar oder noch zu erwarten: Ein schnelleres Auffinden von thematisch verwandten Büchern sowie eine Anregung des Denkens durch ein Browsen am Regal. Sachliche Zusammenhänge, die vorher durch die verinselte Aufstellung oft nicht erkennbar waren, können nun leichter reflektiert werden.18
  • Bibliothekarische Effizienzgewinne: Hier wäre neben einer schnelleren Sacherschließung durch ein logischeres Systematisieren an ein schnelleres Auffinden von Büchern durch das Auskunftspersonal zu denken.

Die Vorteile durch Zeitersparnisse beim Systematisieren und mehr Rationalität beim Erschließungsergebnis fielen allerdings je nach Systematikgruppe unterschiedlich aus:

KUL 000–199: „Nachschlagewerke“ sowie „Kultur nach Epochen und Regionen“: Hier ist eine Qualitätsverbesserung vor allem durch Zusammenstellung erreicht worden.

KUL 200–299: „Kulturverhalten, kulturelle Praktiken und Perzeption“: In diese Gruppe fallen die insgesamt schwierigsten und abstraktesten Bücher der polyästhetischen Kulturwissenschaft. Dem erforderlichen laufenden Erschließungsaufwand steht ein zufriedenstellendes Arbeitsergebnis gegenüber.

KUL 300–399: „Kulturelle Praktiken und Motive nach Themenbereichen“: In diese Gruppe fallen die Themen einer angewandten Polyästhetik. Ein Buch etwa über Vampire mit Manifestationen in Film, Fernsehen, in der Literatur, der Bildenden Kunst oder in der Musik kann nun problemlos verortet werden. Im Vergleich zur früheren Praxis der Konstruktion eines Schwerpunkts in einem der angesprochenen künstlerischen Einzelfächer und der Vergabe von Nebenstellen ist die neue Verfahrensweise hocheffizient und das Arbeitsergebnis intellektuell überzeugend. Als Aufhänger für polyästhetische Literatur waren einigermaßen konkrete Themenbereiche gewählt worden, was sich bewährte.

KUL 400–499 und 500–549: „Visual Studies“ und „Sound Studies“. Diese Bereiche sollten vor allem eine Zusammenstellung der Literatur dieser neuen Gebiete erlauben. Erwähnenswert ist die Einbringung einer Ikonologie, also der Themen- und Motivkunde der Visual Studies resp. Sound Studies. Beim konkreten Systematisieren ist hier eine Trennung der Bücher über Bild- oder Klangbetrachtungen wie folgt vorzunehmen: Geht es im Buch nur um Bildende Kunst oder Musik? (dann Überstellung dahin). Oder hat die Buchthematik außerdem noch Aspekte aus anderen Künsten und/oder eine sonstige Interdisziplinarität? (dann zu KUL).

KUL 600–699: „Kultur & Gesellschaft“. Dieser Bereich geht von einer allgemeinen kultursoziologischen Basis aus, behandelt dann die Kulturpolitik übergreifend und sowie nach spezielleren Kriterien. Ein Mehrwert besteht in den großzügig ausgebauten Subkulturen. Nun konnten u.a. popkulturelle Thematiken aus den Beständen Musik, Kunst und Soziologie zusammengetragen und differenziert aufgestellt werden. Vorher waren Stellen im Musikbestand mit vielerlei Büchern zur eindeutig bereits polyästhetisch und interdisziplinär angelegten „Fankultur“ überschwemmt gewesen.

KUL 700–799: „Kulturinstitutionen“. Dieser Block widmet sich kulturellen Institutionen übergreifend inklusive deren Funktionen wie Kulturökonomik und Kulturmanagement. Dabei wurden spezialisierte Typen von Kulturinstitutionen – das Theater, Konzerthaus, Kunstmuseum – in den Einzelkünsten belassen. Nur allgemeinere Institutionen wie die „Kulturverbände“ und das „Museum/die Museologie“ wurden aufgenommen. Eine Schwierigkeit der Systematisierung ist unverändert geblieben: die schleichenden Übergänge von der Kulturpolitik über das Kulturmanagement hin zur Kulturvermittlung und zur Kulturpädagogik (KUL 620–39 und 700–69).

KUL 800–899: „Kulturelle Bildung“. Hier sind nach einer übergreifenden Kopf-Gruppe die Ästhetische Bildung & Erziehung wie auch Kulturpädagogik untergebracht. Zwischen beiden Richtungen bestehen konzeptionelle und auch politische Unterschiede. Die Literatur dieser Gruppe oder Teilgruppen ist von begrifflicher Standardisierung noch ein Stück entfernt. Mehr als eine Zusammenstellung der untereinander heterogenen Kulturpädagogik und Ästhetischen Bildung erscheint zurzeit kaum möglich.

KUL 900: „Autoren der Ästhetischen Kulturwissenschaft“. Diese Stelle war geschaffen worden, um die Schriften übergreifend ästhetisch orientierter Autoren oder Kulturpraktiker, wie Johan Huizinga, Hito Steyerl oder Wolfgang Zacharias aufnehmen zu können. Pragmatisch hinzugenommen wurden auch Schriftsteller mit einem weiteren Kulturbegriff wie Homi K. Bhabha oder Lawrence Grossberg. Ähnlich wie die polyästhetischen Gruppen in KUL 200–299 und 300–399 bietet KUL 900 eine Erleichterung gegenüber dem status quo ante. Vorher mussten Analysen vorgenommen werden, um ein Schwerpunktfach für die Ausrichtung des betreffenden Kulturautors oder der polyästhetisch arbeitenden Künstlerin zu konstruieren, d.h. die ihm/ihr am nächsten liegende Einzelkunst zu bestimmen.

5. Bibliothekarische Bewertung der „Ästhetischen Kulturwissenschaft“

Der Hildesheimer Bestand „Ästhetische Kulturwissenschaft“ umfasst inzwischen ca. 3.000 Bände und ist vor Ort unumstritten. Der praktische Erfolg in Gestalt eines übersichtlichen neuen Buchbestandes und Arbeitserleichterungen für das Fachreferat legen nahe, dass die Zeit in der Tat reif gewesen war für eine solche Disziplin – jedenfalls für die UB. Das erfolgte Lob von Mitgliedern der Dozentenschaft und der Studierenden bestätigt diesen Befund auch von Seiten der Nutzergruppen.

Insofern die an anderen Orten existierenden bibliothekarischen Freihandsystematiken mehr oder weniger veraltet sind, wäre die geschilderte neue Fachsystematik als Teil oder Vorlage eines Überarbeitungskonzepts für jene Klassifikationen denkbar. Insofern die Zuschnitte der Kulturwissenschaft(en) an anderen Universitäten vielfältig sind, wäre die Ausgangslage dafür unterschiedlich.

6. Wissenschaftstheoretische Bewertung der Systematik „Ästhetische Kulturwissenschaft“

Die Systematisierung des Bestandes „Ästhetische Kulturwissenschaft“ erfolgte ohne ein gegebenes Vorbild, nur vom Paradigma der Polyästhetik getragen. Dieses Verfahren kann als eine heuristische Methode zur Erstellung von Wissenschaftstheorie aufgefasst werden. Die relevanten Arbeitsgänge, die in vielfältiger Interaktion zwischen Buchmaterial und Ordnungsvorstellungen erfolgten, waren:

  • die Selektion der Literatur nach dem Kriterium der ‚Polyästhetik‘,
  • eine Definitionsarbeit für Themenkomplexe anhand der in den Büchern vorgefundenen zentralen Arbeitsbegriffe,
  • die Gruppierung der Themenkomplexe in größere Zusammenhänge, in Großgruppen,
  • eine Hierarchisierung der Themen, wo immer es möglich und sinnvoll erschien,
  • die Erstellung der Systematik „Ästhetische Kulturwissenschaft“ als Teil des Hildesheimer Klassifikationssystems.

6.1. Die Stellung der „Ästhetischen Kulturwissenschaft“ im System der Wissenschaften

Aus den Eigenschaften der gesichteten Literatur und den Schwierigkeiten damit lassen sich Rückschlüsse auf den Entwicklungsstand der implizit umrissenen „Ästhetischen Kulturwissenschaft“ ziehen. Das System der Wissenschaften gliedert sich bekanntlich in die harten, determinierenden Naturwissenschaften und die weicheren, interpretierbaren Sozial- und Geisteswissenschaften. In dieser Perspektive wäre die „Ästhetische Kulturwissenschaft“ eine neue Geisteswissenschaft mit nur Ansätzen von Gesetzmäßigkeiten.

Die Beziehungen der „Ästhetischen Kulturwissenschaft“ zu anderen Wissenschaften sind überwiegend solche einer Grundlegung, die von den anderen für erstere geleistet werden. So sind für die „Ästhetische Kulturwissenschaft“ die in der Regel mit einbezogenen Sozialwissenschaften das stützende Fundament. Dieses gilt besonders für die Soziologie oder Sozialpsychologie, daneben auch für pädagogische, sprachliche oder künstlerische Disziplinen. Eine klare Trennung von Bereichen der Philosophie ist nicht vollzogen. Zu den Natur- und Technikwissenschaften besteht ein uneinheitliches Verhältnis: Zum einen dienen sie den Kulturwissenschaften (auch der „Ästhetischen Kulturwissenschaft“) als Untersuchungsobjekt. Die Analyse kultureller (wesentlich ästhetischer) Praktiken vermag etwa Besonderheiten der Geschichte der Naturwissenschaften zu erhellen. Zum anderen sind naturwissenschaftliche Zusammenhänge (etwa im Wahrnehmungsbereich oder Design) hier und da kulturwissenschaftlich nutzbar.

6.2. Hat die „Ästhetische Kulturwissenschaft“ eine Theorie?

Ohne Theorie gibt es strenggenommen keine Wissenschaft, weil eine Disziplin dann nur aus deskriptiven Texten und pragmatischen Handlungsanleitungen bestünde. Die Vorstufe einer Theorie sind Typologien, Klassifikationen und Thesauri. Für Theorie könnten in KUL Stellen allgemeineren Inhalts infrage kommen, so etwa „KUL 200 = Kulturästhetisches Verhalten“ oder „KUL 800 = Kulturelle Bildung übergreifend“. Der registrierbare Entwicklungsgrad der „Ästhetischen Kulturwissenschaft“ sei im Folgenden anhand von repräsentativen Büchern aus beiden Sachstellen ermittelt.

Zu KUL 200: „Ästhetische Praxis (= Tagung „Ästhetische Praxis: Selbstentgrenzung der Künste oder Entkunstung der Kunst?“ Hildesheim 2014). Wiesbaden 2016.“ In diesem Buch beschreiben 19 Autorinnen und Autoren die Ästhetisierung gesellschaftlicher Bereiche vor dem Hintergrund einer Demokratisierung der Künste. Die Grenzen, bis zu denen die ästhetische Kultur gegenüber den spezielleren, diskreteren Fachkulturen zu dominieren vermag, werden nicht oder nicht ausdrücklich gezogen. Ähnlich segmentiert, aber mit breiterem Kulturbegriff: „Doing Culture. Neue Positionen zum Verhältnis von Kultur und sozialer Praxis. Bielefeld 2004. 261 Seiten“. Das Verfahren, in Sammelbänden Großthematiken facettenmäßig zu bearbeiten, ist unter Kulturwissenschaftlerinnen und Kulturwissenschaftlern verbreitet. Dies erlaubt jedoch viel Beliebigkeit und ist wenig geeignet, erreichtes Wissen fester zu standardisieren. Von einer Theorie ästhetischen Verhaltens kann unter diesen Bedingungen nur ansatzweise gesprochen werden.

Zu KUL 800: „Handbuch Kulturelle Bildung. München 2012.“ Es handelt sich um ein beeindruckendes Werk, das im Vorwort als „paradigmatisch für die gelungene Zusammenführung unterschiedlichster Diskursebenen und verschiedenster Akteure“ bezeichnet wurde und „schon jetzt als Standardwerk der Kulturellen Bildung gelten darf.“19 Aber die Herausgeber schränken auch ein: „Die Definitionsfrage „Was ist Kulturelle Bildung“ umfassend und allgemeingültig […] zu beantworten, war und ist nicht […] Anspruch hier versammelter Beiträge. Das vorliegende Handbuch Kulturelle Bildung versteht sich vielmehr als ein erster Versuch, das „Universum Kulturelle Bildung“ in einer […] Bestandsaufnahme […] abzubilden und damit einen Beitrag zur definitorischen Präzisierung der Begrifflichkeiten […] zu liefern.“20 Im Korpus versucht eine Vielzahl von Autorinnen und Autoren das Sachfeld mit nicht überschneidungsfreien Einzelbeiträgen zu bearbeiten. Der Zusammenhalt des Gesamtthemas ist nur ungefähr da und wird nicht durch eine begriffsgenaue innere Systematik gestützt. Bei diesem „Handbuch in systematischer Gliederung“ handelt es sich in der Tat nur um einen „Orientierungsversuch“ innerhalb der „teilweise ungeklärten Vielfalt unterschiedlicher historischer Feldbezeichnungen wie: Ästhetische Erziehung/Bildung, musische Erziehung, […], Kulturpädagogik, Kunst- und Kulturvermittlung, […].“21 Diesem „liegt ein Pluralitätsverständnis zugrunde, das den ästhetischen Phänomenen […] gerecht zu werden versucht.“ Da aber diese Pluralität nicht nur die Phänomene betrifft, sondern auch die Analyse, erscheint die Theoriebildung im Bereich der Kulturellen Bildung immer noch erschwert.

6.3. „Ästhetische Kulturwissenschaft“ = science under construction?

Die „Ästhetische Kulturwissenschaft“ kann aufgrund überwiegender Theorielosigkeit, erheblicher Gliederungsmängel im Stoff und nicht trennscharfer Begriffe noch nicht als eine Wissenschaft im klassischen Sinn angesehen werden. Immerhin hat sie ein zentrales Paradigma: die Polyästhetik. Insgesamt eilt die bibliothekarische Systematik dem Wissensfeld mit wohlwollenden Strukturierungen voraus, indem sie Gliederungen verwendet, die die terminologische Vielfalt des Materials reduzieren und sich später (vielleicht) als nachhaltig erweisen könnten. Desiderata für eine künftige Wissenschaftsentwicklung wären fester gefügte monographische Werke über:

  • eine Theorie ästhetischen Verhaltens,
  • eine Formenlehre ästhetischer Motive und Stoffe sowie
  • eine Theorie kulturästhetischer Bildung.

Günstigstenfalls wäre die „Ästhetische Kulturwissenschaft“ eine science under construction, die ihre begrifflichen und theoretischen Mängel nach und nach abstellen könnte. Damit stünde sie besser da als alle Versuche, eine Kulturwissenschaft mit weitem, heterogenem Kulturbegriff begründen zu wollen. Für letztere Bestrebungen hat der Doktorand Serjoscha Ostermeyer 2016 ein vernichtendes Urteil abgegeben:22 Zwar habe sich zwischen 1990 und 2010 unter dem Etikett „Kulturwissenschaft“ ein „Lehr- und Forschungsfeld“ herausgebildet. Dieses sei aber eine Kampfzone von Ansprüchen ziemlich unterschiedlicher Ansätze. Wichtige Gemeinsamkeiten würden fehlen, vor allem Paradigmen. Der Status einer Wissenschaft sei dafür abwegig.

Literaturverzeichnis

  • - Bockhorst, Hildegard; Reinwand, Vanessa-Isabelle; Zacharias, Wolfgang: Einführung der HerausgeberInnen, in: Bockhorst, Hildegard; Reinwand, Vanessa-Isabelle; Zacharias, Wolfgang (Hg.): Handbuch Kulturelle Bildung, München 2012, S. 21–24.
  • - Brombach, Ilka; Setton, Dirk; Temesvári, Cornelia (Hg.): Ästhetisierung. Der Streit um das Ästhetische in Politik, Religion und Erkenntnis, Zürich 2010.
  • - Collenberg-Plotnikov, Bernadette; Maigné, Carole; Trautmann-Waller, Céline: Berlin 1913 – Paris 1937. Ästhetik und Kunstwissenschaft im Zeitalter der Kongresse. Vorwort, in: Zeitschrift für Ästhetik und Allgemeine Kunstwissenschaft 62 (2), 2016, S. 174–175.
  • - Henckmann, Wolfhart: Zur Grundlegung der allgemeinen Kunstwissenschaft von Emil Utitz, in: Zeitschrift für Ästhetik und Allgemeine Kunstwissenschaft 62 (2), 2016, S. 205–222.
  • - Hieber, Lutz: Ästhetisierung des Sozialen. Reklame, Kunst und Politik im Zeitalter visueller Medien, Bielefeld 2014.
  • - Klemm, Gustav Friedrich: Allgemeine Culturwissenschaft: die materiellen Grundlagen menschlicher Cultur. Bd. 1. Das Feuer, die Nahrung, Getränke, Narkotica, Leipzig 1855.
  • - Lüttge, Dieter: Kulturpädagogik in Hildesheim, in: Lüttge, Dieter (Hg.): Kunst – Praxis – Wissenschaft. Bezugspunkte kulturpädagogischer Arbeit, Hildesheim 1989, S. 9–12.
  • - Niedersachsen / Minister für Wissenschaft und Kunst: Modellversuch: Konzeption und Entwicklung berufsqualifizierender Alternativen zur Lehrerausbildung. Abschlußbericht für die Teilprojekte Kulturpädagogik und Fachübersetzen 1.10.1977–31.12.1982, Hannover 1983.
  • - Niedersächsische Basisklassifikation, Gemeinsamer Bibliotheksverbund, <https://www.gbv.de/bibliotheken/verbundbibliotheken/02Verbund/01Erschliessung/02Richtlinien/05Basisklassifikation/index>, Stand: 11.08.2018.
  • - Nünning, Ansgar: Grundbegriffe der Kulturtheorie und Kulturwissenschaften, Stuttgart 2005.
  • - Ostermeyer, Serjoscha P.: Der Kampf um die Kulturwissenschaft, Berlin 2016.
  • - Reckwitz, Andreas: Die Erfindung der Kreativität. Zum Prozess gesellschaftlicher Ästhetisierung, Berlin 20175.
  • - Roscher, Wolfgang: Polyästhetische Erziehung, in: Gieseler, Walter (Hg.): Kritische Stichwörter zum Musikunterricht, München 1978, S. 278–284.
  • - Stollmann, Rainer: Ästhetisierung der Politik. Literaturstudien zum subjektiven Faschismus, Stuttgart 1978.
  • - Systematik Ästhetische Kulturwissenschaft, UB Hildesheim, <http://web1.bib.uni-hildesheim.de/systematik/kul.txt>, Stand: 11.08.2018.
  • - Systematiken, UB Bielefeld, <https://www.ub.uni-bielefeld.de/databases/systematik/>, Stand: 11.08.2018.
  • - Systematiken, UB Lüneburg, <https://www.leuphana.de/services/miz/literaturrecherche/bestaende/systematiken.html>, Stand: 11.08.2018.
  • - Taube, Gerd: Vorwort, in: Bockhorst, Hildegard; Reinwand, Vanessa-Isabelle; Zacharias, Wolfgang (Hg.): Handbuch Kulturelle Bildung, München 2012, S. 19.
  • - Verbundklassifikation, UB Regensburg, <https://rvk.uni-regensburg.de/regensburger-verbundklassifikation-online>, Stand: 11.08.2018.
  • 1 Systematik Ästhetische Kulturwissenschaft, UB Hildesheim, <http://web1.bib.uni-hildesheim.de/systematik/kul.txt>, Stand: 11.08.2018.

    2 Lüttge, Dieter: Kulturpädagogik in Hildesheim, in: Lüttge, Dieter (Hg.): Kunst - Praxis - Wissenschaft. Bezugspunkte kulturpädagogischer Arbeit, Hildesheim 1989, S. 9–12, S. 9.

    3 Niedersachsen / Minister für Wissenschaft und Kunst: Modellversuch: Konzeption und Entwicklung berufsqualifizierender Alternativen zur Lehrerausbildung. Abschlußbericht für die Teilprojekte Kulturpädagogik und Fachübersetzen 1.10.1977-31.12.1982, Hannover 1983, S. 4.

    4 Henckmann, Wolfhart: Zur Grundlegung der allgemeinen Kunstwissenschaft von Emil Utitz, in: Zeitschrift für Ästhetik und Allgemeine Kunstwissenschaft 62 (2), 2016, S. 205–222.

    5 Collenberg-Plotnikov, Bernadette; Maigné, Carole; Trautmann-Waller, Céline: Berlin 1913 - Paris 1937. Ästhetik und Kunstwissenschaft im Zeitalter der Kongresse. Vorwort, in: Zeitschrift für Ästhetik und Allgemeine Kunstwissenschaft 62 (2), 2016, S. 174–175.

    6 Roscher, Wolfgang: Polyästhetische Erziehung, in: Gieseler, Walter (Hg.): Kritische Stichwörter zum Musikunterricht, München 1978, S. 278–284, S. 282.

    7 Ebd.

    8 Wolfgang Roscher, zitiert nach: Lüttge: Kulturpädagogik in Hildesheim, 1989, S. 10.

    9 Niedersachsen / Minister für Wissenschaft und Kunst: Modellversuch: Konzeption und Entwicklung berufsqualifizierender Alternativen zur Lehrerausbildung, 1983, S. 10.

    10 Ebd.

    11 Z.B.: Nünning, Ansgar: Grundbegriffe der Kulturtheorie und Kulturwissenschaften, Stuttgart 2005, S. 74–75.

    12 Verbundklassifikation, UB Regensburg, <https://rvk.uni-regensburg.de/regensburger-verbundklassifikation-online>, Stand: 11.08.2018; Systematiken, UB Bielefeld, <https://www.ub.uni-bielefeld.de/databases/systematik/>, Stand: 11.08.2018; Systematiken, UB Lüneburg, <https://www.leuphana.de/services/miz/literaturrecherche/bestaende/systematiken.html>, Stand: 11.08.2018; vgl. auch: Niedersächsische Basisklassifikation, Gemeinsamer Bibliotheksverbund, <https://www.gbv.de/bibliotheken/verbundbibliotheken/02Verbund/01Erschliessung/02Richtlinien/05Basisklassifikation/index>, Stand: 11.08.2018.

    13 So findet sich Literatur mit dem Titelwort „Kulturwissenschaft(en)“ in der UB Lüneburg in den Bereichen Allgemeines, Philosophie, Geschichte, Soziologie, Literaturwissenschaft sowie Kommunikation und Medien. In der UB Bielefeld sind dies die Philosophie, Literaturwissenschaft, Linguistik, Soziologie sowie Romanistik, im Regensburger Katalog die Fächer Allgemeines, Ethnologie, Germanistik, Geschichte und Sprachwissenschaft.

    14 Als Beispiel: Klemm, Gustav Friedrich: Allgemeine Culturwissenschaft: die materiellen Grundlagen menschlicher Cultur. Bd. 1. Das Feuer, die Nahrung, Getränke, Narkotica, Leipzig 1855.

    15 Die KUL-Systematik wurde unbeabsichtigt ausschließlich von Männern konzipiert.

    16 Reckwitz, Andreas: Die Erfindung der Kreativität. Zum Prozess gesellschaftlicher Ästhetisierung, Berlin 20175; Hieber, Lutz: Ästhetisierung des Sozialen. Reklame, Kunst und Politik im Zeitalter visueller Medien, Bielefeld 2014; Brombach, Ilka; Setton, Dirk; Temesvári, Cornelia (Hg.): Ästhetisierung. Der Streit um das Ästhetische in Politik, Religion und Erkenntnis, Zürich 2010; Stollmann, Rainer: Ästhetisierung der Politik. Literaturstudien zum subjektiven Faschismus, Stuttgart 1978.

    17 Systematik Ästhetische Kulturwissenschaft.

    18 Die Möglichkeiten einer Literatursuche über Nebenstellen (Notationen ohne Freihandstandort) sind gleichfalls verbessert, was aber von Bibliotheksnutzer/innen/n (der UB Hildesheim) kaum praktiziert wird.

    19 Taube, Gerd: Vorwort, in: Bockhorst, Hildegard; Reinwand, Vanessa-Isabelle; Zacharias, Wolfgang (Hg.): Handbuch Kulturelle Bildung, München 2012, S. 19.

    20 Bockhorst, Hildegard; Reinwand, Vanessa-Isabelle; Zacharias, Wolfgang: Einführung der HerausgeberInnen, in: Bockhorst, Hildegard; Reinwand, Vanessa-Isabelle; Zacharias, Wolfgang (Hg.): Handbuch Kulturelle Bildung, München 2012, S. 21–24, S. 21.

    21 Ebd., S. 21-22.

    22 Ostermeyer: Der Kampf um die Kulturwissenschaft, 2016.