Zu Artikeldetails zurückkehren Tagungsbericht zu: „Zu Klios Diensten. Fachinformationsdienste und andere Services für die Geschichtswissenschaft“, einer VDB-/FID-Fortbildung für Fachreferentinnen und Fachreferenten, vom 21. bis 22.11.2017 in der Bayerischen Staatsbibliothek in München
Zu Klios Diensten. Fachinformationsdienste und andere Services für die Geschichtswissenschaft

„Zu Klios Diensten. Fachinformationsdienste und andere Services für die Geschichtswissenschaft” –
eine VDB-/FID-Fortbildung für Fachreferentinnen und Fachreferenten, vom 21. bis 22. 11. 2017 in der Bayerischen Staatsbibliothek in München

Im November 2017 konnte Hildegard Schäffler an der Bayerischen Staatsbibliothek über 50 Kolleginnen und Kollegen zur gemeinsam ausgerichteten Fortbildung der VDB-Kommission für Fachreferatsarbeit und des Fachinformationsdienstes Geschichtswissenschaft in München begrüßen. Damit war schon zu Beginn klar, dass eines der zentralen Ziele, über zahlreiche Multiplikator/inn/en den Dialog zwischen Fachinformationsdienst, Nicht-FID-Einrichtungen und Wissenschaft zu stärken, erreicht werden würde. Das wichtige aktuelle Thema Fachinformationsdienste dominierte dementsprechend zu Recht die Tagung. Für die Kommission Fachreferatsarbeit des VDB moderierte Kai Steffen (UB Greifswald), die Planung der Veranstaltung lag beim FID Geschichtswissenschaft.

Eröffnet wurde die Veranstaltung mit der Vorstellung des FID Geschichtswissenschaft durch Silvia Daniel und Gregor Horstkemper von der BSB München. Die wesentlichen Säulen Erwerbung, Lizenzierung, Bibliografie, digitale Services und Kommunikation konnten im weiteren Verlauf der beiden Tage immer wieder aufgegriffen werden. Von Seiten der Wissenschaft wünscht man sich vor allem Nachhaltigkeit, vorsorgenden Bestandsaufbau und die Bereitstellung von qualitativ hochwertigen Metadaten, auf denen weitere Services aufbauen können. Dem versucht der FID mit einer Konzentration auf unikale Spezialliteratur – auch in entlegenen Sprachen – und individuell zugeschnittenen Diensten wie z.B. die „Wunschbuchfunktion” zur Digitalisierung einzelner Werke auf Verlangen nachzukommen. Problematisch ist dabei die Projektstruktur, die der von der Wissenschaft geforderten Kontinuität entgegensteht.

Im Einzelnen blickten die folgenden Referent/inn/en auf die verschiedenen Säulen des FIDs: Wiebke Herr (BSB) und Helmut Hilz (Deutsches Museum, München) berichteten über den Relaunch der Plattform historicum.net, der sich in der Pipeline befindet. Unter dem Label „Europäische Geschichte” können wir uns auf ein neues Suchportal freuen, welches Chronicon ersetzen wird. Mit dem Deutschen Museum ist hier ein Partner mit im Boot, der auch an der künftigen Deutschen Historischen Bibliographie beteiligt ist und dessen Betaversion seit Ende Oktober online ist. Katrin Getschmann (BSB) und Daniel Schlögl (IfZ München) führten das Publikum in den aktuellen Stand des Projektes ein. Dringendste Aufgabe ist sicherlich die seit langem erwartete Übernahme der Datenbestände aus den Jahresberichten für Deutsche Geschichte und der Historischen Bibliographie, die jedoch zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht umgesetzt ist.

Im Anschluss daran leiteten Ruth Sindt (UB Kiel) und Gudrun Wirtz (BSB) die Aufmerksamkeit auf die von Vladivostok bis Reykjavik reichenden Angebote der regionalen Fachinformationsdienste. Diese zeichnen sich durch ihr multidisziplinäres, auf eine Region beschränktes Profil aus. Allen gemeinsam ist die größere Bedeutung von gedruckten Materialien in zum Teil seltenen Sprachen, zu denen obendrein oft fehlende Fremddaten den Erwerbungsvorgang verkomplizieren.

Zum Tagesabschluss griff Marcus Schröter (UB Freiburg) die Frage nach der Partnerschaft zwischen Fachinformationsdienst und Fachreferat auf. Wenn das Segment „Service und Dienstleistungen” innerhalb der FIDs an Bedeutung gewinnt, dann müssen diese Angebote auch über die Fachreferent/inn/en an die Fachbereiche vermittelt werden. Hierbei sind wir folglich gefordert, den FID wie dessen Services in den Fachbereichen bekannt zu machen und zu bewerben.

Frisch gestärkt von Speis, Trank und abendlicher Diskussion eröffnete Wilfried Enderle (SUB Göttingen) am nächsten Morgen den Reigen mit einem Überblick über Clio Guide. Sehr erfreulich an diesem Hilfsmittel ist sowohl, dass eine gute Nutzung des momentanen Angebots erfolgt, als auch die Aussicht, dass eine zweite Auflage für 2018 in Vorbereitung ist.

Der zweite Slot des Tages war dem Blick der Zielgruppe Wissenschaft auf unsere Angebote gewidmet. Prof. Hengerer (LMU München) stellte seine Sicht der Optionen für die Kooperation zwischen Wissenschaft und Bibliotheken dar. Insgesamt hielt er ein Plädoyer dafür, dass Bibliotheken als Dienstleister ihre Stärken betonen und weiter ausbauen sollten. Die Wissenschaft in all ihrer Projektbezogenheit wünscht sich Bibliotheken als Hort der Nachhaltigkeit, letztlich zuständig für sichere und dauerhafte Aufbewahrung und Bereitstellung nicht nur von gedruckten Büchern, sondern vor allem auch von Daten, egal ob elektronische Medien, Metadaten oder Forschungsdaten. Mich persönlich hat es besonders gefreut, wie deutlich auch außerhalb unserer engsten Fachcommunity die Notwendigkeit einer stabilen Informationsversorgungs- bzw. IT-Infrastruktur sowie die Verfügbarkeit von qualitativ hochwertigen Metadaten gesehen wird. Insbesondere letzteres ist die zwingende Basis für fast alle im Vortrag genannten weiteren Servicewünsche.

Den Abschlussbeitrag bildete die Erläuterung des Lizenzierungsservice für Vergriffene Werke durch Simon Herrmann (DNB Frankfurt). Der Workflow bezieht sich auf nicht gemeinfreie, aber vergriffene Werke, die vor 1966 in Deutschland erschienen sind und sich im Bestand der Bibliothek befinden. Sofern ein Werk alle Kriterien erfüllt, kann über den DNB Service ein Lizenzantrag via VG Wort gestellt werden, an dessen Ende ein Eintrag im Register Vergriffener Werke des Deutschen Patent- und Markenamtes steht. Bisher wurde in ca. 18.000 Fällen die Erlaubnis zur Digitalisierung vergeben. Die Lizenzgebühren werden mit einer Einmalzahlung von 5 bis 15 Euro abgegolten.

Was folgt aus der rundum gelungenen Veranstaltung? An erster Stelle einmal der allgemeine Wunsch nach kürzeren Abständen zwischen den Fortbildungen. Inhaltlich wurde v. a. die nötige enge Verquickung wie auch die Rollenverteilung zwischen FIDs und Fachreferaten deutlich, die intensiven Austausch und Absprachen unter den Beteiligten zwingend erforderlich macht, um die gewünschten Dienstleistungen zu erbringen bzw. gut informiert weiterzuvermitteln.

Oliver Trevisiol, Kommunikations-, Informations-, Medienzentrum (KIM) Konstanz

Zitierfähiger Link (DOI): https://doi.org/10.5282/o-bib/2018H1S54-55