Fachreferentinnen und Fachreferenten der Erziehungs- und Bildungswissenschaften zu Gast beim DIPF

Fachreferentinnen und Fachreferenten der Erziehungs- und Bildungswissenschaften zu Gast beim DIPF

Fortbildung der VDB-Kommission für Fachreferatsarbeit in Zusammenarbeit mit der Saarländischen Universitäts- und Landesbibliothek Saarbrücken und dem Informationszentrum Bildung (IZB) des Deutschen Instituts für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF), Frankfurt am Main, 29. Juni 2017

Andrea Kullik, UB der Humboldt-Universität zu Berlin
Julia Kreusch, DIPF Frankfurt am Main
Christoph Schindler, DIPF Frankfurt am Main

Dieses Jahr erwartete die Fachreferentinnen und Fachreferenten für Erziehungs- und Bildungswissenschaften etwas Besonderes: Das Informationszentrum Bildung (IZB) des Deutschen Instituts für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF) feierte das 25-jährige Bestehen des Fachinformationssystems (FIS) Bildung und lud die Fachreferent/inn/en nach Frankfurt ein zur Fachtagung anlässlich des Jubiläums und am folgenden Tag zu einer Fortbildung speziell zu Themen des Fachreferats. War das DIPF als zentrale Service- und Infrastruktureinrichtung für Erziehungs- und Bildungswissenschaften regelmäßiger Gast bei den Fortbildungen der Fachreferent/inn/en, waren diese nun zu Gast beim DIPF.

Abb. 1

Die Fachtagung anlässlich des Jubiläums des Fachinformationssystems (FIS) Bildung, das die FIS Bildung Literaturdatenbank im Fachportal Pädagogik herausgibt, fand am 28. Juni 2017 im Frankfurter Haus am Dom statt: „25 Jahre FIS Bildung – Fachinformation offen, digital, vernetzt1. Nach einem kurzen Rückblick auf die Anfangszeiten und Entwicklung der Datenbank lag der Schwerpunkt der Tagung auf aktuellen und künftigen Herausforderungen. Unter der Moderation von Christoph Schindler widmeten sich die Vortragenden u. a. dem Verhältnis von Bildungsforschung und Fachinformation, dem Einsatz von Semantic Web Technologies oder den Entwicklungen beim FID Soziologie als Nachbardisziplin der Bildungswissenschaften.

Am darauffolgenden Tag, dem 29. Juni 2017, luden die VDB-Kommission für Fachreferatsarbeit in Zusammenarbeit mit der Saarländischen Universitäts- und Landesbibliothek Saarbrücken und das Informationszentrum Bildung (IZB) des DIPF zur Fortbildung speziell zu Themen des Fachreferats in den Räumlichkeiten des DIPF ein.2 Der Einladung von VDB und IZB sind 45 Fachreferentinnen und Fachreferenten der Erziehungs- und Bildungswissenschaften gefolgt. Frau Eva Elisabeth Kopp (SULB Saarbrücken und Mitglied der Kommission für Fachreferatsarbeit) moderierte engagiert und charmant die Veranstaltung.

Nach der Begrüßung durch Prof. Dr. Marc Rittberger, Direktor des IZB/DIPF und Dr. Christoph Schindler, Leiter des Arbeitsbereichs Literaturinformationssysteme am IZB, wurde das Programm mit einem Vortrag von Dr. Rettelbach, Leiter der Forschungsbibliothek des DIPF, eingeleitet. Er widmete sich dem Thema „Bestandsaufnahme Fachinformation für Bildung – Angebote national, international“.

Dr. Rettelbach stellte zunächst zwei Analysen zur deutschen erziehungs- und bildungswissenschaftlichen Publikationskultur vor und verglich dann einschlägige nationale und internationale Fachdatenbanken (FIS Bildung, ERIC, ERC, WoS/SSCI) sowie Google Scholar hinsichtlich der Berücksichtigung der deutschen Fachliteratur. Weitere Kriterien waren Transparenz des fachlichen Profils, berücksichtigte Dokumenttypen sowie weitere Qualitätskriterien wie sachliche Erschließung und Rankings. Insgesamt eine aufschlussreiche Analyse, die man sich als Fachreferent/in auch für andere Fächer wünschen würde.

Anschließend standen die Dienstleistungen des Fachinformationsdienstes (FID) Erziehungswissenschaft und Bildungsforschung3 im Mittelpunkt, die von Dr. Julia Kreusch (DIPF), Ingeborg Jäger-Dengler-Harles (DIPF) und Dr. Rainer Plappert (UB Erlangen-Nürnberg) vorgestellt wurden.

Zentrales Element der Dienstleistungen ist die nutzergesteuerte Erwerbung, die innerhalb des Fachportals Pädagogik angeboten wird. Diese basiert auf einem integrierten Suchraum, der kontinuierlich – unter Berücksichtigung der Informationsbedarfe der Fachcommunity – mit Nachweisen von internationaler Fachliteratur erweitert wird. Neben diesem erweiterten Suchraum ist der zentrale Mehrwert für die Fachcommunity der Bestell- und Direktlieferdienst für – in Deutschland nicht verfügbare – ausländische Monografien. Ein zusätzliches Angebot ist die deutschlandweite Lizenzierung von Online-Fachzeitschriften und -Datenbanken, deren Auswahl auf der nachgewiesenen Nutzung (Fernleih- und Subito-Statistik) und der maximal zweimaligen Verfügbarkeit in deutschen Bibliotheken basiert. Während der Bestelldienst somit sowohl bedarfsorientiert als auch nutzergesteuert arbeitet, folgen die für die Sub-Disziplinen Internationale Schulbuchforschung und Historische Bildungsforschung zuständigen Projektpartner – aufgrund der oft zeitkritischen Marktverfügbarkeit – bei der Quellenerwerbung weiterhin dem Prinzip des vorsorgenden Bestandsaufbaus. Ausschließlich nutzergesteuert ist dagegen die Möglichkeit, bildungshistorische Werke, historische Schulbücher oder Lehrpläne kostenfrei digitalisieren zu lassen. Auch diese Dienste des FID sind zentral über das Fachportal Pädagogik zu erreichen. Abschließend wurde eine Vorabversion des vollständig überarbeiteten und neu gestalteten Fachportals Pädagogik präsentiert, das im September 2017 mit einem Relaunch an den Start gehen wird.4

Referentinnen und Referenten der diesjährigen Fortbildung

Die Vortragenden betonten, dass sie die Fachreferentinnen und Fachreferenten als wichtige Multiplikatoren und Mittler der Services des Fachinformationsdienstes zu den Forschenden vor Ort sehen. Auf der anderen Seite verdeutlichten die Teilnehmenden durch ihre Kommentare, dass sie den FID nunmehr als qualifizierte Nachfolge des Angebots der ehemaligen Sondersammelgebiete wahrnehmen und von den Dienstleistungen mehrheitlich überzeugt sind.

Der weitere Verlauf der Fortbildung widmete sich den Themen Open Educational Resources (OER), Open Access und Forschungsdatenmanagement. Ingo Blees und Luca Mollenhauer (DIPF) stellten die Informationsstelle OER5 vor, deren Aufbau vom BMBF gefördert wird. Sieben Institutionen haben sich unter der Gesamtkoordination des DIPF zusammen gefunden, um Information, Transfer und Vernetzung zu OER voranzubringen. Unter anderem bietet die Informationsstelle OER-Workshops an, baut eine zentrale Informationsplattform mit einer OER-Karte auf, dokumentiert Best Practices und bietet für Schulen, Hochschulen sowie Einrichtungen der Berufs- und Weiterbildung Informationsmodule und Dossiers an.

Dr. Jasmin Schmitz (ZB MED) informierte über neue Entwicklungen des Open Access. Einleitend griff sie das Thema Literaturbeschaffung in der Realität – alles OA? auf, indem sie die unter Nutzerinnen und Nutzern häufig praktizierte und teilweise illegale Literaturbeschaffung über SciHub oder über Forscherplattformen wie Research Gate, Academia.edu etc. problematisierte, die keine echten OA-Zugriffswege darstellen. Es fehlen hier u. a. Verlässlichkeit, interne Verlinkung und Nutzungsstatistiken. Dr. Schmitz stellte dann ausführlich aktuelle Modelle und Projekte vor, die den Zugang zu über Open Access verfügbarer Literatur unterstützen. Sie benannte jeweils Vor- und Nachteile. Angebote durch Bibliotheken (Linkresolver-Dienste, PlugIn Unpaywall, Einbindung von OA-Quellen über BASE) wurden ebenso erläutert wie das OA-Modell der EZB (Einbindung von Artikelversionen aus Repositorien über DOI) und DeepGreen (Überführung von Inhalten von Allianz-Lizenzen in OA). Besonders ausführlich ging sie auf Offsetting-Verträge und Transformationsverträge ein. Abschließend streifte sie das schwierige Thema OA für Monografien (Universitätsverlage, Embargo-Fristen bei klassischen Verlagen sowie Mitgliedschafts- und Freikaufmodelle) sowie erste Beispiele für die Ausweitung des arXiv-Modells auf andere Wissenschaftsdisziplinen.

Das Thema Open Access rundete Dr. Ute Paulokat (DIPF) anschließend mit ihrem Vortrag zum Open-Access-Fachrepositorium für die Bildungsforschung, dem Dokumentenserver peDOCS6 ab und erläuterte dessen Möglichkeiten für Forschende der Bildungsforschung. Erst- und Zweitveröffentlichungen können im DINI-zertifizierten Repositorium peDOCS von Autor/inn/en durch Selbsteintrag nachgewiesen und verlinkt werden. Schwerpunkt bilden die mit 40 Verlagen (u. a. Budrich, Klinkhardt, Peter Lang) praktizierten diversen Kooperationsmodelle für Monografien, Periodika und Sammelwerksbeiträge. Mit den Modellen Open Access direkt, Hybrides Modell, Selective Access, Delayed Access, Vergriffene Werke und Anreicherungsmodell ist das Spektrum der Möglichkeiten benannt. Mittlerweile enthält peDOCS über 11.000 Dokumente; mehr als 150 Einzelautorinnen und -autoren haben in peDOCS Erstveröffentlichungen publiziert. Das Repositorium ist sowohl separat durchsuchbar als auch komplett in die FIS Bildung Literaturdatenbank integriert.7

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Im letzten Vortrag widmete sich Dr. Marius Gerecht (DIPF) dem Thema Forschungsdatenmanagement. Einleitend erläuterte er den Nutzen von geteilten, nachnutzbaren Forschungsdaten und wies auf die förder- und wissenschaftspolitischen Rahmenbedingungen hin. Er stellte anschließend ausführlich die Services des Verbundes forschungsdaten-bildung.de8 vor. Der in Kooperation von DIPF, GESIS – Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften und dem Institut für Qualitätsentwicklung in der Bildung (IQB) getragene Verbund hat ein umfangreiches Angebot aufgebaut. Dieses umfasst die Recherche nach wissenschaftlichen Studien und Informationen über die Verfügbarkeit der Daten, die Annahme und rechtssichere Bereitstellung zur Nachnutzung von Daten in einem professionellen Datenzentrum sowie ein umfangreiches Informationsangebot für Forschende zum Forschungsdatenmanagement. Ein interessanter Überblick über die Aufgaben und Tätigkeiten der Datenkuratierung im Forschungsdatenzentrum einschließlich der Berücksichtigung rechtlicher und ethischer Aspekte rundete den sehr anschaulichen Beitrag ab.

Nach abschließender Diskussion nahmen 21 interessierte Fachreferent/inn/en noch an einer Führung durch die Forschungsbibliothek des DIPF teil.

Insgesamt wurde die Fortbildung als sehr gewinnbringend bewertet. Das Spektrum und die Aktualität der Themen wurden von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern für die eigene Fachreferatsarbeit als sehr hilfreich und informativ eingestuft. Auf der anderen Seite haben etliche Referentinnen und Referenten, die bisher vorrangig die Forschenden als ihre Zielgruppe angesprochen hatten, durch die Veranstaltung gemerkt, dass Sie zukünftig bei ihren Informationsaktivitäten auch Fachreferentinnen und Fachreferenten aus Bibliotheken aufgrund ihrer meist engen Kontakte zu den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern vor Ort mit einbeziehen sollten.

Wie so häufig hätte die Zeit zwischen den Vorträgen zum gegenseitigen Austausch und zur Diskussion noch länger sein können. Umso erfreulicher ist es, dass die Veranstalter IZB und VDB bereits Ideen für die nächste Fortbildung für Fachreferentinnen und Fachreferenten der Erziehungs- und Bildungswissenschaften haben.

Zitierfähiger Link (DOI): https://doi.org/10.5282/o-bib/2017H3S122-126


1 Die Vortragsfolien der Fachtagung sind auf der Homepage des DIPF veröffentlicht unter: https://www.dipf.de/de/institut/abteilungen/izb/fis-bildung-tagungen-materialien, zuletzt geprüft am 08.09.2017. Eindrücke und Fotos zur Tagung sind auf Twitter unter #FISBILDUNG25 abrufbar, Meinungen und Interviews im Blog des Deutschen Bildungsservers unter http://blog.bildungsserver.de/?cat=180, zuletzt geprüft am 08.09.2017.

2 Die Vortragsfolien der Fortbildung sind auf der Homepage des VDB veröffentlicht unter: https://www.vdb-online.org/veranstaltungen/739/, zuletzt geprüft am 08.09.2017.

3 Der Fachinformationsdienst wird von fünf Projektpartnern betrieben: dem Informationszentrum Bildung (IZB) des DIPF (Projektkoordination), der Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung (BBF), dem Georg-Eckert-Institut für Internationale Schulbuchforschung (GEI), der Universitätsbibliothek der Universität Erlangen-Nürnberg und der Universitätsbibliothek der Humboldt-Universität zu Berlin.

4 Der Relaunch des Fachportals Pädagogik ist am 15.09.2017 mit einer neuen Angebotsstruktur und einem neuen Design online gegangen: http://www.fachportal-paedagogik.de/, zuletzt geprüft am 15.09.2017.

5 http://open-educational-resources.de/, zuletzt geprüft am 08.09.2017

6 http://www.pedocs.de/, zuletzt geprüft am 08.09.2017

7 Seit dem 15.09.2017 präsentiert sich auch das Repositorium peDOCS in einem neuen Design: http://www.pedocs.de/, zuletzt geprüft am 15.09.2017.

8 https://www.forschungsdaten-bildung.de/, zuletzt geprüft am 08.09.2017

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