Aus der Deutschen Forschungsgemeinschaft

Aus der Deutschen Forschungsgemeinschaft

In seiner Frühjahrssitzung am 20./21. Februar 2017 hat der Ausschuss für Wissenschaftliche Bibliotheken und Informationssysteme (AWBI) erstmals in seiner von 14 auf 18 Mitglieder erweiterten Zusammensetzung getagt.1 Durch die Erweiterung des Ausschusses wurde die Sicht der Nutzerinnen und Nutzer gestärkt, und es wurden die Kompetenzen des AWBI im Bereich der Informatik / Informationswissenschaften ausgebaut. Neben der abschließenden Bewertung von Anträgen und Abschlussberichten aus allen Förderbereichen hat sich der AWBI intensiv mit folgenden Themen auseinander gesetzt:

Evaluierung des Programms „Fachinformationsdienste“

Die vom AWBI eingesetzte Kommission zur Evaluierung der Fachinformationsdienste hat ein erstes Konzept zur Evaluierung erarbeitet, das dem AWBI vorlag. Ziel der Evaluation ist eine Leistungsbewertung der Fachinformationsdienste, an die sich eine Strukturbewertung anschließen soll. Zudem sollen auf der Grundlage der Ergebnisse der Evaluation Diskussionen zur Verstetigung der Fachinformationsdienste geführt werden. Aufgrund der bisherigen kurzen Laufzeit der Fachinformationsdienste wird eine qualitative, stichprobenartige Untersuchung vorgenommen, bei der es nicht um Repräsentativität geht. Dabei werden aber die unterschiedlichen Ausgangslagen in den einzelnen Fachcommunities berücksichtigt. Die Evaluation soll aus vier Perspektiven erfolgen: Aus Sicht der Fachinformationsdienste, des Kompetenzzentrums für Lizenzierung, der Nutzerinnen und Nutzer und aus Sicht der Bibliotheken, die selber nicht an Fachinformationsdiensten beteiligt sind, aber als Vermittler bzw. Nutzer dieser auftreten. Der AWBI hat betont, dass vor allem die Einbindung der Wissenschaft in die Evaluation hohe Relevanz hat. Darüber hinaus sollen strukturelle Aspekte eine Rolle spielen, um im Anschluss an die Evaluierung grundsätzliche Fragen der Informationsversorgung in Deutschland hinsichtlich spezifischer forschungsrelevanter Bedarfe erörtern zu können.

Open-Access-Transformationsverträge

Ein Auftrag der vom AWBI eingesetzten Ad-hoc-Arbeitsgruppe „Open-Access-Transformation“ lautete, Fördervorschläge für die Open-Access-Transformation zu erarbeiten. Bisher wurden in den LIS-Förderprogrammen im Zusammenhang mit Open Access der grüne und der goldene Weg unterstützt. Das hybride Modell, d.h. die Finanzierung von Open-Access-Artikeln in ansonsten subskriptionspflichtigen Zeitschriften, wurde vom AWBI bisher skeptisch gesehen und eine entsprechende Förderung nicht befürwortet. Im Zuge des Engagements der DFG in der weltweiten OA2020-Initiative wird jedoch die Transformation kompletter hybrider Zeitschriftenpakete in den Open Access als Möglichkeit zur Umstellung des Publikationswesens gesehen. Voraussetzung dafür ist, dass eine Doppelfinanzierung von Inhalten ausgeschlossen werden kann. Der Bedarf, Standards für solche Verträge zu erarbeiten, hat sich daraus ergeben, dass solche Verträge aus Wissenschaftssicht und aus Sicht von Einrichtungen der Informationsversorgung effizient handhabbar sein sollen.

Unter Einbeziehung der Ergebnisse eines Rundgesprächs, das im November 2016 mit Expertinnen und Experten stattgefunden hatte, hat die Ad-hoc-Arbeitsgruppe eine Ausschreibung zu Open-Access-Transformationsverträgen vorgelegt, die vom AWBI befürwortet wurde und bereits Ende Februar 2017 veröffentlicht worden ist.2 Ziel der Ausschreibung ist neben der Erhöhung des Anteils von Open-Access-Publikationen und der nachhaltigen Transformation hin zum Open-Access-Publikationsmodell auch, die Preistransparenz für Open-Access-Transformationsverträge zu gewährleisten und Workflows in Konsortien, Hochschulen und Bibliotheken an die Anforderungen solcher Verträge anzupassen.

Evaluierung des Programms „Informationsinfrastrukturen für Forschungsdaten“

Die Einrichtung des Programms „Informationsinfrastrukturen für Forschungsdaten“ war 2013 mit der Maßgabe aufgelegt worden, nach fünf Jahren zu evaluieren, ob die angestrebten Förderziele erreicht werden konnten oder ob ggf. die Programmausrichtung zu modifizieren ist. Der AWBI hat sich mit einem von der DFG-Geschäftsstelle entwickelten Evaluierungskonzept befasst, das einen Methodenmix aus quantitativen und qualitativen Auswertungen vorsieht. Neben der Auswertung vorliegender Unterlagen sind auch Interviews mit ausgewählten Antragstellerinnen und Antragstellern, Projektnehmerinnen und Projektnehmern sowie Nutzerinnen und Nutzern geplant. Begleitet werden soll die Evaluierung von einer Kommission, die vom AWBI eingesetzt worden ist.3 Auf der Basis der Ergebnisse sollen dann im kommenden Jahr Empfehlungen für den Hauptausschuss der DFG zur weiteren Ausgestaltung des Programms erarbeitet werden.

Ausschreibung „Skalierbare Verfahren der Text- und Strukturerkennung für die Volltextdigitalisierung historischer Drucke“

Seit 2015 wird ein Koordinierungsprojekt zur „Weiterentwicklung von Verfahren für die Optical-Character-Recognition (OCR)“ gefördert. Ziel der koordinierten und zweistufigen Förderung ist die Optimierung und Nutzbarmachung innovativer, skalierbarer und automatischer Verfahren zur Volltextgenerierung aus Image-Digitalisaten historischer Drucke des 16. bis 18. Jahrhunderts. Das mit der ersten Ausschreibung geförderte Koordinierungsprojekt OCR-D4 hat ein Konzept für die Ausschreibung von Modulprojekten für die zweite Ausschreibung erstellt sowie Maßnahmen für eine koordinierende Begleitung der Modulprojekte entwickelt. Darüber hinaus ist auch die von Beginn an koordinierte Zusammenführung der Ergebnisse aus den Modulprojekten Aufgabe des Koordinierungsprojekts. Der AWBI hat sich von Vertretern des Koordinierungsprojektes über den aktuellen Stand informieren lassen und das Ausschreibungskonzept für die zweite Phase zur Förderung von Modulprojekten diskutiert. Dabei wurde hervorgehoben, dass die in den Modulprojekten zu entwickelnden Verfahren technisch aufeinander abgestimmt sein sollen, sodass die Ergebnisse beispielhaft in einem Gesamtworkflow zusammengeführt werden können. Nur so sei eine spätere erfolgreiche Nutzung und Umsetzung der Gesamtprojektergebnisse zu erreichen. Als Ergebnis der Beratungen hat sich der AWBI dafür ausgesprochen, die zweite Stufe der Ausschreibung zu veröffentlichen.5

Initiative der Deutschen Nationalbibliothek für Normdaten und Vernetzung

Der AWBI hat sich mit der Roadmap der Deutschen Nationalbibliothek (DNB) zur Weiterentwicklung der Gemeinsamen Normdatei (GND) befasst, die u.a. eine neue Organisationsstruktur, technische und infrastrukturelle Maßnahmen sowie die Schaffung eines gemeinsamen Datenpools für die kooperative Erschließung und den Zugriff auf eine gemeinsame und umfassende Datenbasis vorsieht. Seitens des AWBI wurde diese Initiative mit hohem Interesse aufgenommen, vor allem die Öffnung der GND für Museen, Sammlungen und Archive wurde sehr begrüßt. So könnten über Normdaten vielfältige Informationen spartenübergreifend vernetzt und entsprechende Nutzungsszenarien entwickelt werden. Angeregt wurde, frühzeitig Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in die Planungen mit einzubeziehen.

Ausschreibung „Nachhaltigkeit von Forschungssoftware“

Der AWBI hat mit Interesse zur Kenntnis genommen, dass im Rahmen der Ausschreibung „Nachhaltigkeit von Forschungssoftware“ 127 Anträge eingereicht worden sind. Dies zeigt nachdrücklich den hohen Förderbedarf auf diesem Gebiet. Vorab waren 208 unverbindliche Interessensbekundungen eingegangen. Das Ziel der Ausschreibung ist die grundsätzliche Verbesserung der akademischen Softwareentwicklung, das nachhaltige Angebot von Forschungssoftware als Dienstleistung sowie der Aufbau von Infrastrukturen für den gesamten Lifecycle der Software-Entwicklung.

Umgang mit Plagiarismen in bibliothekarischen Nachweissystemen

Im Februar 2017 hatte in Berlin ein Workshop zum Thema „Plagiatsnachverfolgung in Bibliotheken“ stattgefunden, zu dem das Gremium „Ombudsman für die Wissenschaft“ (dem aktuell fünf Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler angehören) Expertinnen und Experten aus der Rechtwissenschaft und aus den Bibliotheken eingeladen hatte. Im Fokus stand die Frage, wie Plagiate als solche erkennbar sind und ob, und wenn ja, in welcher Weise, sie in Bibliothekskatalogen nachgewiesen werden können. Der Sprecher des Gremiums „Ombudsman für die Wissenschaft“ hat den AWBI über die einschlägigen Diskussionen in dem Gremium informiert. Konsens war, dass es noch an klaren Routinen fehlt. Daher ist vorgesehen, dass der „Ombudsman für die Wissenschaft“ und der Deutsche Bibliotheksverband (dbv) gemeinsam eine Empfehlung zu den praktischen Prozessen der Kennzeichnung von plagiierten Dissertationen und anderen Veröffentlichungen erarbeiten.

Klausurtagung des AWBI

Der AWBI kommt ca. alle sechs Jahre zu einer Klausurtagung zusammen, um über die Schwerpunktsetzung in den LIS-Förderprogrammen zu entscheiden. Nachdem die im 2012 veröffentlichten Positionspapier „Die digitale Transformation weiter gestalten – Ein Beitrag der Deutschen Forschungsgemeinschaft zu einer innovativen Informationsinfrastruktur für die Forschung“ genannten Maßnahmen weitgehend umgesetzt werden konnten, trifft sich der AWBI Anfang Mai 2017 erneut zu einer Klausurtagung. Im vergangenen Jahr hatte der AWBI zwei Gremien eingesetzt, um die Klausurtagung inhaltlich vorzubereiten. Gegenstand der Beratungen sind vor allem die Themen „Open-Access-Transformation“, „Erschließung und Digitalisierung“ und „Informationsinfrastrukturen für Forschungsdaten“. Die Ergebnisse der Klausurtagung werden in einem neuen Positionspapier veröffentlicht.

Deutsche Forschungsgemeinschaft, Gruppe „Wissenschaftliche Literaturversorgungs- und Informationssysteme“ (LIS)

Zitierfähiger Link (DOI): https://doi.org/10.5282/o-bib/2017H2S83-86


1 Zusammensetzung des AWBI, http://www.dfg.de/dfg_profil/gremien/gremium/index.jsp?id=430, zuletzt geprüft am 20.06.2017.

2 Ausschreibung „Open-Access-Transformationsverträge“, http://www.dfg.de/download/pdf/foerderung/programme/lis/ausschreibung_oa_transformationsvertraege.pdf, zuletzt geprüft am 20.06.2017.

3 Zusammensetzung der Kommission zur Evaluierung des Förderprogramms Informationsinfrastrukturen für Forschungsdaten, http://www.dfg.de/foerderung/programme/infrastruktur/lis/lis_awbi/kommissionen_arbeitsgruppen/index.html, zuletzt geprüft am 20.06.2017.

4 OCR-D Koordinierungsprojekt zur Weiterentwicklung von Verfahren der Optical Character Recognition, http://www.ocr-d.de/, zuletzt geprüft am 20.06.2017.

5 Ausschreibung „Skalierbare Verfahren der Text- und Strukturerkennung für die Volltextdigitalisierung historischer Drucke“, http://www.dfg.de/download/pdf/foerderung/programme/lis/170306_ausschreibung_verfahren_volldigitalisierung.pdf, zuletzt geprüft am 20.06.2017.

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