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Aus der Deutschen Forschungsgemeinschaft

In seiner zweitägigen Herbstsitzung am 21./22. September 2016 in Bonn hat sich der Ausschuss für Wissenschaftliche Bibliotheken und Informationssysteme (AWBI) mit Themen aus dem gesamten Spektrum der Gruppe „Wissenschaftliche Literaturversorgungs- und Informationssysteme“ befasst. Neben der abschließenden Bewertung einer Reihe von Anträgen und Berichten stand dabei Folgendes im Mittelpunkt:

Kommissionen und Arbeitsgruppen des AWBI

Zur fachlichen Vorbereitung und Unterstützung von Beratungen zu förderstrategischen und förderpolitischen Themen hat der AWBI ihm zuarbeitende Gremien einberufen. Eine adhoc AG „Open-Access-Transformation“ soll Vorschläge und Empfehlungen dazu erarbeiten, mit welchen Förderangeboten die DFG insbesondere die Universitäten bei der Transformation des wissenschaftlichen Publizierens in den Open Access unterstützen kann. In einem ersten Schritt wird die adhoc AG die Festlegung von Mindeststandards diskutieren, die bei Anträgen für Lizenzabschlüsse mit Open-Access-Publikationskomponenten eine Rolle spielen. Des Weiteren wurde eine Kommission „Förderstrategie Erschließung und Digitalisierung“ beauftragt, sich mit der Erweiterung der bisherigen Förderangebote im Bereich Erschließung und Digitalisierung zu befassen, u.a. mit der Ausweitung über handschriftliche und gedruckte Materialien hinaus, mit neuen technologischen Möglichkeiten, Vernetzung von Objekten unterschiedlicher Materialgattungen und den Bedarfen der Wissenschaft über alle Disziplinen hinweg.1

Fachinformationsdienste für die Wissenschaft

Der AWBI hat zudem eine Kommission zur Evaluierung des Programms „Fachinformationsdienste für die Wissenschaft“ eingerichtet. In den Jahren 2017/18 wird das Programm „Fachinformationsdienste für die Wissenschaft“ evaluiert. Die Kommission wird die Evaluierung begleiten. Evaluiert werden sollen die bisher erreichten Leistungen, wobei berücksichtigt wird, dass viele Projekte sich noch in einem frühen Stadium befinden und/oder auch einen experimentellen Charakter haben.2

Zudem soll eine über die Evaluierung hinausgehende Diskussion eingeleitet werden, wie die nachhaltige Finanzierung der Fachinformationsdienste für die Wissenschaft in der Zukunft gewährleistet werden kann.

Im Frühjahr dieses Jahres hatte der AWBI – als ein Ergebnis der Zwischenbilanz des Programms „Fachinformationsdienste für die Wissenschaft“ – die Absenkung der Eigenleistungsquote von 30% auf 15% beim Erwerb digitaler Medien, die überregional verfügbar sind, beschlossen. Durch diesen Anreiz soll der Zugang zu digitalen Medien durch überregionale Lizenzen verbessert werden. Bereits bewilligte Projekte können unter bestimmten Umständen Zusatzanträge dazu einreichen. Die konkreten Regelungen hat der AWBI nun verabschiedet.

Die Ergebnisse der Zwischenbilanz wurden im Rahmen einer Tagung mit den Leiterinnen und Leitern der Fachinformationsdienst-Einrichtungen und deren Kooperationspartnern diskutiert. Sowohl die Zwischenbilanz als auch das Protokoll der Tagung sind veröffentlicht.3

Von den elf in diesem Jahr eingereichten Anträgen zu Fachinformationsdiensten für die Wissenschaft – fünf Fortsetzungsanträge und sechs Neuanträge – wurden insgesamt sieben zur Bewilligung vorgeschlagen. Folgende Fachinformationsdienste werden ab 2017 neu zu den bisher geförderten 31 Fachinformationsdiensten hinzukommen:

Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen: Finnisch-ugrische / uralische Sprachen, Literaturen und Kulturen

Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg Frankfurt am Main gemeinsam mit Goethe-Universität Frankfurt am Main / Institut für Informatik / Arbeitsgruppe Angewandte Computerlinguistik (ACoLi):

Fachinformationsdienst Linguistik (FID Linguistik)

Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg Frankfurt am Main gemeinsam mit Goethe-Universität Frankfurt am Main / Fachbereich für Informatik und Mathematik / Lehrstuhl für Texttechnology und Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum Frankfurt am Main: Fachinformationsdienst Biodiversitätsforschung

Universitätsbibliothek Leipzig gemeinsam mit der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel: Fachinformationsdienst Buch-, Bibliotheks- und Informationswissenschaft

Digitalisierung archivalischer Quellen

Der Gesamtbericht zur Pilotphase „Digitalisierung archivalischer Quellen“ ist vom AWBI gebilligt worden. Die im Rahmen der zweijährigen Pilotphase erarbeiteten Grundlagen für die Digitalisierung archivalischer Quellen, u.a. auch praktischer Handreichungen, wurden ausdrücklich gewürdigt. Auf dieser Basis ist am 06.12.2016 eine Ausschreibung zur Digitalisierung archivalischer Quellen erfolgt.4 Eine Wiederholung der Ausschreibung ist in Jahresfrist vorgesehen. Bei der Bestandsauswahl für eine Digitalisierung werden zunächst folgende drei Schwerpunkte gesetzt, um einen strukturierten, aber auch einen schnellen, möglichst flächendeckenden Einstieg in die Digitalisierung zu schaffen:

Digitalisierung mikroverfilmter Archivbestände, die im Rahmen der Bundessicherungsverfilmung entstanden sind. Mikrofilme aus ergänzenden Schutzverfilmungen können ebenfalls herangezogen werden, wenn ihre Qualität nachweislich für eine Digitalisierung geeignet ist.

Digitalisierung ganzer Bestände oder sinnvoll abgrenzbarer Teilbestände der Akten- und Amtsbuchüberlieferung des 19. und 20. Jahrhunderts.

Digitalisierung bildhafter Materialien wie Urkunden, Pläne, Plakate sowie Bild- und Fotoüberlieferungen.

In diesem Zusammenhang wurden auch die DFG-Praxisregeln „Digitalisierung“ aktualisiert, insbesondere unter Berücksichtigung spezifischer Aspekte bei der Digitalisierung archivalischer Quellen.

Ausschreibung „Forschungsdaten in der Praxis“

Im vergangenen Jahr hatte der AWBI eine Ausschreibung zu „Forschungsdaten in der Praxis“ veröffentlicht, deren Ziel es war, auf der Basis konkreter Forschungsvorhaben und ihrer spezifischen Anforderungen die Leistungsfähigkeit vorhandener Infrastrukturen auf den Prüfstand zu stellen. Die Ausschreibung bot gleichzeitig Betreibern von Forschungsdaten-Infrastrukturen die Möglichkeit, im Rahmen der Projekte Anpassungen für konkrete Bedarfe der Forschungsvorhaben umzusetzen. Von den 46 eingereichten Anträgen konnten 11 bewilligt werden. Der fachliche Schwerpunkt der Projekte liegt in den Geistes- und Sozialwissenschaften.

Ausschreibung „Nachhaltigkeit von Forschungssoftware“

Der AWBI hat eine Ausschreibung zur „Nachhaltigkeit von Forschungssoftware“ verabschiedet, die Anfang November 2016 veröffentlicht worden ist.5 Ziel der Ausschreibung sind Aufbau und Erprobung von Infrastrukturen, um Forschungssoftware für einen größeren Anwenderkreis nutzbar zu machen und nachhaltig anzubieten. Die Vorhaben sollen als Best-Practice-Beispiele eine positive Signalwirkung für die wissenschaftliche Softwareentwicklung und für Infrastruktureinrichtungen haben. Gefördert werden können notwendige Anpassungen zur Nutzbarmachung einer Forschungssoftware sowie nutzerorientierte Weiterentwicklungen und qualitätssichernde Maßnahmen an der Forschungssoftware selbst.

Research Data Alliance (RDA)

Anhand eines Vortrages einer Vertreterin der RDA hat sich der AWBI über die Aktivitäten von RDA informiert. RDA hat bereits eine Reihe von Empfehlungen erarbeitet, deren Wirksamkeit noch beobachtet wird. Seitens des AWBI wurde darauf hingewiesen, dass mit einzelnen Datenrichtlinien nur ein genereller Rahmen gesteckt werden kann. Aus Nutzersicht ist es wichtig, konkret festzulegen, welche Daten wo gespeichert werden sollen und welche disziplinspezifischen Regelwerke angewendet werden sollen. Dabei ist auch zu klären, wie die Umsetzung und ggf. deren Kontrolle geregelt werden.

Empfehlungen des Rates für Informationsinfrastrukturen

Der AWBI hat mit einem Mitglied des Rates für Informationsinfrastrukturen die im Juni 2016 veröffentlichten Empfehlungen zum Forschungsdatenmanagement in Deutschland erörtert. Aus Sicht des AWBI sollten beim Aufbau der empfohlenen nationalen Forschungsdateninfrastruktur vorhandene Infrastrukturen unbedingt mit einbezogen werden. Grundsätzlich sollten dabei unterschiedliche Akteure und die Anforderungen heterogener Fachkulturen berücksichtigt werden. Dem Thema einer nachhaltigen Finanzierung projektförmig aufgebauter Infrastrukturen kommt dabei eine besondere Bedeutung zu.

Europäisches Kompetenznetzwerk „Knowledge Exchange“

Bisher gehören „Knowledge Exchange“6 fünf Partner an: Neben der DFG sind das Jisc aus Großbritannien, SURF aus den Niederlanden, DEFF aus Dänemark und CSC aus Finnland. Ab 2017 kommt als weiterer Partner CNRS (Centre national de la recherche scientifique) aus Frankreich hinzu. Diese Erweiterung des Netzwerkes wurde vom AWBI begrüßt.

Aus den Arbeitsgruppen von „Knowledge Exchange“ sind in 2016 sieben Reports hervorgegangen.7 Vorgesehen ist, künftig die Aktivitäten im Bereich Open Scholarship auszubauen. Des Weiteren sollen die bisherigen Aktivitäten zu Open Access und zu Forschungsdaten in ein KE Open Scholarship Framework integriert werden.

Deutsche Forschungsgemeinschaft, Gruppe „Wissenschaftliche Literaturversorgungs- und Informationssysteme“ (LIS)

Zitierfähiger Link (DOI): http://dx.doi.org/10.5282/o-bib/2017H1S201-204


1 Weitere Informationen sowie die Zusammensetzung der adhoc AG und der Kommission: http://www.dfg.de/foerderung/programme/infrastruktur/lis/lis_awbi/kommissionen_arbeitsgruppen/index.html, zuletzt geprüft am 02.02.2017.

2 Weitere Informationen sowie die Zusammensetzung der Kommission: ebd.

4 http://www.dfg.de/foerderung/programme/infrastruktur/lis/lis_foerderangebote/archivalische_quellen/index.html, zuletzt geprüft am 02.02.2017.

6 http://www.knowledge-exchange.info/, zuletzt geprüft am 02.02.2017.

7 http://www.knowledge-exchange.info/reports, zuletzt geprüft am 02.02.2017.

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