obib_2017-1_Aust_Helbig

Kein Königsweg – die Vermittlung von Forschungsdatenkompetenz auf allen universitären Ebenen

Kerstin Helbig, Humboldt-Universität zu Berlin
Pamela Aust, Staatsbibliothek zu Berlin

Zusammenfassung:

Die Strategien und Erfahrungen der Humboldt-Universität zu Berlin bei der Einführung von Schulungs- und Informationsangeboten für Universitätsangehörige im Bereich Forschungsdatenmanagement werden in diesem Artikel dargestellt. Dabei werden insbesondere Unterschiede zwischen den Zielgruppen, aber auch geeignete Schulungsformate sowie Probleme und zukünftige Herausforderungen thematisiert.

Summary:

The article presents the strategies and experiences of Humboldt-Universität zu Berlin, in introducing workshops and offers of information about research data management for university members. In particular, the paper addresses the differences between the target groups, suitable workshop formats as well as problems and future challenges.

Zitierfähiger Link (DOI): http://dx.doi.org/10.5282/o-bib/2017H1S108-116

Autorenidentifikation:Helbig, Kerstin: ORCID: http://orcid.org/0000-0002-2775-6751
Aust, Pamela: ORCID: http://orcid.org/0000-0002-5041-3909

Schlagwörter: Informationskompetenz; Forschungsdatenmanagement

1. Einleitung

Der Umgang mit Forschungsdaten spielt eine immer größere Rolle im Rahmen der Forschungsförderung. Digital erhobene Forschungsdaten sollen langfristig gesichert und – falls möglich – zugänglich gemacht werden. Vor allem Daten, die die Grundlage von Publikationen bilden, stehen dabei im Vordergrund. Diesem Anspruch folgend, erwarten auch Verlage zunehmend die Bereitstellung digitaler Forschungsdaten vor der Veröffentlichung einer Publikation.

Forschende stehen vor der Herausforderung, diesen neu gewachsenen Ansprüchen gerecht zu werden. Vielfach sind jedoch nur rudimentäre Kenntnisse im Bereich des professionellen Forschungsdatenmanagements vorhanden. Bestehendes Wissen, beispielsweise zu geeigneten Speicheroptionen oder der Bedeutung von sicheren Passwörtern, wird darüber hinaus selten genutzt. Universitäre Zentraleinrichtungen diskutieren im Rahmen der Förderung von Informationskompetenz daher zunehmend auch das Thema Forschungsdaten und schaffen Informationsangebote.

Neben einigen anderen Universitäten in Deutschland hat sich die Humboldt-Universität zu Berlin bereits frühzeitig mit dem Thema Forschungsdatenmanagement beschäftigt. Nachfolgend werden das strategische Konzept, der Aufbau der Informationskompetenzschulungen im Bereich Forschungsdaten und deren jeweilige Zielgruppen sowie zukünftige Herausforderungen dargestellt.

2. Forschungsdatenmanagement an der Humboldt-Universität zu Berlin

Bereits 2012 wurde an der Humboldt-Universität zu Berlin die Forschungsdatenmanagement-Ini­tiative gegründet. Die Initiative ist eine Kooperation zwischen Computer- und Medienservice (CMS), Servicezentrum Forschung (SZF) und Universitätsbibliothek (UB) unter der Leitung des Vizepräsidenten für Forschung. Als eine der ersten Aktivitäten der Initiative folgte 2013 eine Umfrage unter Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Humboldt-Universität zu Berlin zum Umgang mit Forschungsdaten und der gewünschten Beratung in diesem Bereich.1 Im darauffolgenden Jahr wurden Interviews mit Forschenden ausgewählter Fachbereiche geführt.2 Parallel zur Erhebung der Nutzerwünsche wurde die Forschungsdatenmanagement-Policy mit zugehörigen Handlungsempfehlungen erarbeitet und 2014 durch den akademischen Senat verabschiedet.3

Die institutionelle Leitlinie zum Umgang mit Forschungsdaten und die erfolgten empirischen Erhebungen unter den Universitätsangehörigen legten eine erste wesentliche Grundlage für das Informationskompetenzkonzept zum Forschungsdatenmanagement. Die zentralen Ergebnisse der Umfrage und der Interviews lassen sich dabei in drei Kernaussagen wiedergeben. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erwarten technische Lösungen und Angebote zum Forschungsdatenmanagement, beispielsweise für Backup und Speicherplatz. Des Weiteren wird eine Beratung zu rechtlichen Fragen, vor allem im Bereich des Urheberrechts, gewünscht. Nicht zuletzt werden Beratungsangebote zu technischen Aspekten der Datenaufbewahrung von den Forschenden gefordert. Relevante Themen sind dabei unter anderem die Beschreibung durch Metadaten und Standards, aber auch Möglichkeiten der Langzeitarchivierung von Forschungsdaten. Um diesen Anforderungen für ein erfolgreiches Forschungsdatenmanagement entgegenzukommen, wurde ein entsprechendes Schulungskonzept verfasst, auf das im Folgenden näher eingegangen wird.

3. Schulungsformen

Seit dem Sommersemester 2015 bietet die Humboldt-Universität zu Berlin verschiedene Informationskompetenzschulungen zum Forschungsdatenmanagement an. Die Einbeziehung aller Akteure ist hierbei von zentraler Bedeutung. Die Schulungen lassen sich in disziplinspezifische, thematische und zielgruppenspezifische Schulungen differenzieren.

Die disziplinspezifischen Schulungen fokussieren vor allem auf fachspezifische Anforderungen und Probleme. Die entsprechenden Fachreferenten werden aktiv in die Schulungen eingebunden, um ein möglichst passgenaues Informationsangebot zu schaffen. Bisher fanden disziplinspezifische Schulungen für die Geographie, die Biologie und Agrarwissenschaften sowie die Erziehungswissenschaften statt.

Die thematischen Schulungen werden mehrmals im Jahr angeboten, jeweils auf Deutsch und Englisch. Bei diesen Schulungen liegt der Schwerpunkt bisher auf der Erstellung von Datenmanagementplänen. Die Schulungen sind sehr praxisorientiert und Teilnehmende können noch im Kurs einen ersten eigenen Datenmanagementplan erstellen. Als zukünftige Themen sind unter anderem die Publikation von Forschungsdaten in einem Repositorium oder die Suche nach Forschungsdaten zur Nachnutzung angedacht.

Bei den zielgruppenspezifischen Schulungen sind besonders die Schulungen für Promovierende hervorzuheben. Kernthemen sind hier unter anderem die Aspekte der guten wissenschaftlichen Praxis in Bezug auf Forschungsdaten. Weiterhin wird ein Fokus auf Gruppenarbeit und den aktiven Fachaustausch zwischen den Promovierenden gelegt.

In allen Schulungen wird die Gruppenarbeit durch verschiedene Fragestellungen gefördert, was den aktiven Austausch mit anderen Forschenden anregt. Neben den Schulungen ergänzen Informationsveranstaltungen das Angebot, zum Beispiel Informationskompetenzschulungen für Bibliothekarinnen und Bibliothekare oder Informationsveranstaltungen für Studierende innerhalb der Lehre. Online-Tutorials zum eigenständigen Erlernen von Inhalten runden in Zukunft das Angebot ab.

4. Forschungsdaten-Kompetenz für unterschiedliche Zielgruppen

Eine wesentliche Aufgabe in der Vermittlung von Informationskompetenz im Bereich Forschungsdaten besteht darin, alle relevanten Akteure mit einzubeziehen (siehe Abbildung). Die Schulung von Hochschulangehörigen ist ein wesentlicher Bestandteil der Forschungsdatenmanagement-Angebote der Humboldt-Universität zu Berlin. Bestimmte Gruppen können als Multiplikatoren fungieren und damit auch andere Forschende bei ihrem Datenmanagement unterstützen. Vor allem Hochschullehrende haben die Möglichkeit, Informationen und Erfahrungen nicht nur an Kollegen, sondern vor allem auch an Studierende oder Promovierende weiterzugeben. Studierende sollten für das Thema sensibilisiert und von vornherein mitbedacht werden. Gezielte Informationsangebote schaffen ein verändertes Problembewusstsein. Bereits erlernte Informationskompetenz kann in späteren Forschungsprozessen, beispielsweise im Rahmen der Abschlussarbeit, mit einbezogen werden.

Abb.: Unterschiedliche Zielgruppen für die Informationsvermittlung

Zeitmanagement ist ein entscheidender Faktor für erfolgreiches Forschungsdatenmanagement. Werden alle Akteure vor Beginn eines Forschungsprojekts umfassend informiert, können Zeit und Kosten besser geplant sowie bei Forschungsförderern mit beantragt werden. Im weiteren Verlauf werden die unterschiedlichen Zielgruppen für die Informationsvermittlung detailliert vorgestellt.

4.1. Professorinnen und Professoren

Professorinnen und Professoren der Universität haben meist bereits langjährige Erfahrung im Bereich der Forschung. Einerseits führt dies zu unhinterfragten Routinen, die schädlich für das Forschungsdatenmanagement sein können. Andererseits bestehen gerade an dieser Stelle positive und negative Erfahrungen sowie eigene wertvolle Expertise zum Datenmanagement. Diese Zielgruppe nimmt darüber hinaus eine besondere Rolle im Forschungsprozess ein. Forschungsprojekte werden häufig durch Professorinnen und Professoren bei Forschungsförderern beantragt. Sie nehmen die Position der (formalen) Projektleitung ein und sind demnach (mit-)verantwortlich für das Datenmanagement des Projekts.

Professorinnen und Professoren sollten folglich in einem umfassenden Forschungsdatenmanagement-Konzept nicht fehlen. Eine mögliche Vorgehensweise der gezielten Ansprache sind die Institutsräte. Dort können auf Einladung einzelne Themen des Forschungsdatenmanagements vorgestellt werden. Dennoch sind vor allem Professorinnen und Professoren schwierig durch Informationskompetenzmaßnahmen zu erreichen. Unterstützung findet man bei Professorinnen und Professoren, die bereits selbst Forschungsdaten veröffentlicht haben und für das Thema sensibilisiert sind. Insbesondere als Multiplikatoren nehmen Professorinnen und Professoren eine zentrale Rolle ein. Sie sind nah an den Studierenden, Promovierenden sowie wissenschaftlichen Mitarbeitenden und fungieren als Vorbild sowie Informationsvermittler. Entstehende Fragen können vereinfacht weitergeleitet werden, wenn Hochschullehrende bereits umfassend informiert sind und auf die zentrale Kontaktstelle verweisen können.

4.2. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler

Allgemeinere Schulungsangebote haben oft den Nachteil, dass sie als wenig relevant von Forschenden empfunden werden.4 Für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler werden daher vor allem fachspezifische Schulungen angeboten. An dieser Stelle beispielhaft zu nennen sind Workshops wie “Forschungsdatenmanagement für Agrarwissenschaftler und Biologen”, “Forschungsdatenmanagement in der empirischen Bildungsforschung” oder “Forschungsdaten Know-how für Geographen”. Daneben arbeitet die Forschungsdatenmanagement-Initiative eng mit externen Partnern zusammen. Eine Kooperation mit fachspezifischen Repositorien ist empfehlenswert. In Vorbereitung auf den Workshop zum Forschungsdatenmanagement in den Geowissenschaften wurde beispielsweise mit dem etablierten Forschungsdatenrepositorium PANGAEA5 zusammengearbeitet.6 Auch der Workshop “Forschungsdatenmanagement für Agrarwissenschaftler und Biologen“ fand in enger Zusammenarbeit mit dem disziplinspezifischen Repositorium GFBio7 statt.

Nichtsdestotrotz haben auch allgemeinere Workshops Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler als Zielgruppe. So wurde die Schulung “Datenmanagementpläne” inzwischen in das Angebot der beruflichen Weiterbildung der Humboldt-Universität zu Berlin aufgenommen. Ziel ist dabei nicht nur das Vermitteln von Inhalten, sondern auch der aktive Austausch zwischen den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern soll befördert werden. Nachdem mehrere Schulungen und Workshops von der Forschungsdatenmanagement-Initiative initiiert wurden, tritt nun der positive Nebeneffekt auf, dass Institute oder Forschungsgruppen aktiv nach Schulungen oder Workshops fragen. So kann noch besser auf die Wünsche und individuellen Anforderungen der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler eingegangen werden.

4.3. Promovierende

Die Internationalität der Promovierenden insbesondere in den Graduiertenschulen erfordert ein Schulungs- und Informationsangebot auf Deutsch und Englisch. Unsere Schulungskonzepte zielen dabei primär auf einführende Informationen ab. Erste Grundlagen zum Umgang mit Forschungsdaten sollen gelegt werden, um später darauf aufzubauen. Diese Art von Workshop hat sich bewährt und findet mittlerweile jährlich statt. Dabei steht insbesondere die Zusammenarbeit mit der Humboldt Graduate School der Humboldt-Universität zu Berlin im Vordergrund. Durch die enge Zusammenarbeit kann man die Promovierenden frühzeitig für das Thema sensibilisieren. Wissen über den Umgang mit Forschungsdaten wird für Promovierende in Zukunft einen wichtigen Teil ihrer guten wissenschaftlichen Praxis bilden. Nicht nur im Rahmen späterer Veröffentlichungen, sondern auch bei der Erstellung von Projektanträgen kann dieses gewonnene Wissen einfließen. Im Workshop für Promovierende geht es primär um Datenmanagementpläne, Datenspeicherung und Datenveröffentlichung. Unter anderem werden auch Speicherangebote des CMS der Humboldt-Universität zu Berlin vorgestellt.8

4.4. Studierende

Studierende werden ebenfalls frühzeitig auf das Thema aufmerksam gemacht. Ein frühes Bewusstsein bereitet Studierende rechtzeitig darauf vor, mit ihren später entstehenden Daten verantwortungsvoll umzugehen. Das Interesse ist von Seiten der Studierenden da. Besonders Angebote im Bereich von Backup-Szenarien und Werkzeugen für ein besseres Datenmanagement werden positiv aufgenommen und die Nachfrage seitens der Studierenden steigt. Des Weiteren wird in Kooperation mit Lehrenden das Thema Forschungsdatenmanagement mit in das Curriculum aufgenommen. Beispielsweise wird im Rahmen von Methodik-Seminaren oder Projektkolloquien – vornehmlich in Masterstudiengängen – der Umgang mit Forschungsdaten geschult sowie kritisch diskutiert.

4.5. Sonstige Universitätsangehörige

Einen wichtigen Faktor bildet neben den Forschenden auch das vermittelnde Personal der Universität. Bibliothekarinnen und Bibliothekare stehen in engem Kontakt zu Studierenden, angefangen von der Informationstheke bis hin zu Informationskompetenzschulungen. Ebenso wie Forschende, müssen auch sie sich diesen neuen Aufgabenbereichen stellen. Zusammen mit den Fachreferentinnen und Fachreferenten können Bibliothekarinnen und Bibliothekare dabei als Multiplikatoren dienen. Um dies zu ermöglichen, müssen sie ebenso geschult werden. Insbesondere in den Bereichen fachspezifischer Standards, Metadatenvergabe oder Verschlagwortung kann Bibliothekspersonal unterstützend tätig werden.

Technische Probleme werden darüber hinaus häufig an die dezentralen Datenverarbeitungsbeauftragten der einzelnen Institute der Humboldt-Universität zu Berlin herangetragen. Folglich ist es notwendig, auch diese Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Beratungsprozess mit einzubeziehen und eigene Informations- oder Schulungsangebote zu schaffen. Hier sind beispielhaft Informationsveranstaltungen zu nennen.

Im Bereich rechtlicher Fragestellungen gab es in der Umfrage und den Interviews häufig den Wunsch nach Unterstützung seitens der Forschenden. Diesem Wunsch entsprechend, sind die Datenschutzbeauftragten sowie die Rechtsabteilung der Universität eng in den Prozess der Beratung zu rechtlichen Forschungsdatenthemen eingebunden. Darüber hinaus werden im Zuge der beruflichen Weiterbildung verschiedene rechtliche Informationsveranstaltungen angeboten, um die Universitätsangehörigen zu schulen.

5. Probleme und Herausforderungen

Forschungsdatenmanagement ist zeitaufwendig und muss früh geplant werden. Daher zielt unser Ansatz darauf ab, vor allem Promovierende und Studierende frühzeitig zu schulen, so dass sie die erworbenen Kenntnisse bereits zu Beginn ihrer Forschungslaufbahn umsetzen können. Gleichzeitig tragen Studierende und vor allem Promovierende diese Informationen in bereits bestehende Arbeits- und Forschungsgruppen. Da Forschungsdatenmanagement ein neues Thema ist, sind Studierende wenig sensibilisiert. In Abschlussarbeiten spielen Forschungsdaten bisher eher eine untergeordnete Rolle. Dennoch zeigt gerade diese Zielgruppe ein intrinsisches Interesse am Thema. Anders sieht es bei den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus. Sie werden durch extern auferlegte Vorgaben und Anforderungen zum Forschungsdatenmanagement motiviert. Im Rahmen von Projektanträgen sind beispielsweise immer häufiger Datenmanagementpläne einzureichen, wodurch die dazu angebotenen Schulungen verstärkt frequentiert werden.

Das Problembewusstsein variiert in einzelnen Disziplinen jedoch erheblich. In den Workshops mit Promovierenden stellt man immer wieder deutlich fest, wie unterschiedlich das Teilen und Veröffentlichen von Forschungsdaten verankert ist. Insbesondere bei Promovierenden aus den Geisteswissenschaften, aber auch in anderen Disziplinen, dominiert oftmals noch Unsicherheit inwieweit man Daten teilen und anderen zur Verfügung stellen kann und darf. Problematisch wird dabei vor allem das vorzeitige Veröffentlichen der eigenen Daten sowie die Möglichkeit der Überprüfung der Daten durch andere Forschende gesehen. Die Vorteile des Forschungsdatenmanagement treten in einigen Disziplinen in den Hintergrund. Darüber hinaus werden Forschungsdaten in vielen Disziplinen nicht als wertvolle Forschungsleistung anerkannt.

6. Empfehlungen und Best Practices

Wie man auch bei vergleichbaren Themen wie beispielsweise Open Access sieht, kommt der Öffentlichkeitsarbeit eine große Bedeutung zu. Folgende Arten der Kontaktaufnahme haben sich bisher als sehr zielführend erwiesen. Auf der Forschungsdatenmanagement-Webseite9 und auf den Webseiten der Universitätsbibliothek wird auf die verschiedenen Schulungen und Informationsangebote aufmerksam gemacht. Printmedien, wie beispielsweise Plakate und Postkarten, sind ebenfalls Bestandteil der Öffentlichkeitsarbeit. Weiterhin wird über den Twitter-Account der Forschungsdatenmanagement-Initiative (@DatawomenHUB) auf Veranstaltungen hingewiesen. Sind institutsspezifische Workshops geplant, werden zusätzlich über die jeweiligen Fachreferentinnen und Fachreferenten Informationen an die Mailinglisten des Instituts verschickt. Aber auch persönliche Weiterempfehlungen durch ehemalige Schulungsteilnehmer und -teilnehmerinnen sind nicht selten.

Als sehr wichtig ist die Zusammenarbeit mit den einzelnen Instituten zu bewerten. Nur in Kooperation mit den Fachbereichen kann es gelingen geeignete Informationsangebote zu entwickeln und auf fachspezifische Bedürfnisse einzugehen. Die Fachreferentinnen und Fachreferenten sind dabei häufig der erste Ansprechpartner. Daher ist es wichtig auch sie mit in die Informationskompetenzvermittlung einzubeziehen.

Des Weiteren ist es essenziell in den Schulungen Raum für interaktives Arbeiten und Diskussion zu bieten. Dadurch können interessante Fragen aufgeworfen werden, die nicht nur für die Schulungsteilnehmer und -teilnehmerinnen, sondern auch für die Schulungsleiter und -leiterinnen interessant sind. So können neue Anregungen und Herausforderungen auch für weitere Schulungsangebote aufgenommen und ggf. sogar Lösungen für spezifische Probleme gefunden werden, zum Beispiel in Form eines neuen Dienstes seitens der Universität.

Als besonders positiv zu werten ist, dass nach der Einführungsphase nun immer mehr Institute aktiv nach Schulungen fragen. Im ersten Jahr gingen diese Bestrebungen fast ausschließlich von der Forschungsdatenmanagement-Initiative aus. Die besondere Attraktivität des Angebots liegt sicherlich auch darin, dass proaktiv auf Wünsche und Bedürfnisse eingegangen werden kann. Durch die Zusammenarbeit mit den Fachreferentinnen und Fachreferenten ist die Initiative gut aufgestellt und kann entsprechend schnell den Schulungsinhalt auf die jeweiligen Teilnehmenden anpassen. Es ist daher empfehlenswert ein möglichst interdisziplinäres Team zu bilden und zusätzlich weitere Akteure, wie Fachreferenten, Datenschutzbeauftragte und externe Dienstleister (z. B. Repositorienbetreiber) mit einzubeziehen.

7. Zukünftige Aktivitätsschwerpunkte

In Zukunft soll ein noch größerer Wert auf Multiplikatorenschulungen gelegt werden. Gerade das Bibliothekspersonal steht dabei im Fokus für zukünftige Informationskompetenzschulungen. Es werden daher sogenannte Train-the-Trainer-Schulungen entwickelt. In aufeinander aufbauenden Modulen werden systematisch unterschiedliche Aspekte der Informationsvermittlung zum Forschungsdatenmanagement geschult. Es wird unter anderem ein Modul zur Dokumentation und Beschreibung von Forschungsdaten geben sowie zu rechtlichen Aspekten des Datenmanagements. Weitere Schwerpunkte sind Datenmanagementpläne und Forschungsdatenrepositorien. Die einzelnen Schulungskonzepte werden vorgestellt und erläutert, sodass das spezifische Wissen an andere Kolleginnen oder Kollegen weitergegeben werden kann. Auch didaktische Ansätze und Ideen spielen dabei eine wichtige Rolle. Zukünftig sollen noch weitere Schulungskonzepte entstehen, die auch auf geeignete Werkzeuge für das Forschungsdatenmanagement eingehen. Vor allem im Bereich der Geisteswissenschaften soll das Workshopangebot weiter ausgebaut werden.

Darüber hinaus erfolgt eine enge Zusammenarbeit mit dem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projekt Elektronische Dissertationen Plus (eDissPlus).10 Ziel des Projekts ist die Konzeption und Entwicklung eines prototypischen Workflows zur Archivierung und Veröffentlichung von Forschungsdaten, die Promovierende im Rahmen ihres Dissertationsprojekts generieren oder nutzen. Durch diese Projektergebnisse sollen weitere Services aufgebaut werden, die vor allem Promovierende bei der Archivierung und Veröffentlichung von Forschungsdaten unterstützen.

Aktuell werden in einem kleinen Projekt Video-Tutorials auf Deutsch erstellt, die sich dem Umgang mit Forschungsdaten widmen.11 Die Video-Tutorials sollen ein zeit- und ortsunabhängiges Lernen bieten und sind auch zur Nachnutzung durch andere Universitäten gedacht. Prominent platziert auf der Webseite können sie dabei helfen erste Anstöße in Richtung Forschungsdatenmanagement zu geben. Es wird erwartet, dass dadurch Aufmerksamkeit auf weitere Angebote der Forschungsdatenmanagement-Initiative gelenkt wird.

Literaturverzeichnis

Aust, Pamela et al. Was sind Forschungsdaten? Video. Humboldt-Universität zu Berlin, Medien-Repositorium. 2016. https://doi.org/10.18450/dataman/90.

Carlson, Jake und Lisa R. Johnston. Data Information Literacy: Librarians, Data, and the Education of a New Generation of Researchers. West Lafayette, IN, USA: Purdue University Press, 2015.

Helbig, Kerstin. „Research Data Management Training for Geographers: First Impressions.ISPRS International Journal of Geo-Information 5 (2016): 40. https://doi.org/10.3390/ijgi5040040.

Helbig, Kerstin. „Research traditions and emerging expectations: PhD students and their research data management.“ In 19th International Symposium on Electronic Theses and Dissertations, 11-13 July 2016, Lille, France. https://etd2016.sciencesconf.org/file/249025 sowie zweitveröffentlicht unter URN: http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:11-100241568.

Humboldt-Universität zu Berlin. „Elektronische Dissertationen Plus (eDissPlus).“ Zuletzt geprüft am 30.11.2016. https://www2.hu-berlin.de/edissplus.

Humboldt-Universität zu Berlin. Grundsätze zum Umgang mit Forschungsdaten an der Humboldt-Universität zu Berlin. 2014. Zuletzt geprüft am 14.11.2016. https://hu.berlin/forschungsdaten-policy.

Simukovic, Elena, Maxi Kindling und Peter Schirmbacher. Forschungsdaten an der Humboldt-Universität zu Berlin. Bericht über die Ergebnisse der Umfrage zum Umgang mit digitalen Forschungsdaten an der Humboldt-Universität zu Berlin. Version 1.0. 2013. http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:11-100213001.

Simukovic, Elena et al. Was sind Ihre Forschungsdaten? Interviews mit Wissenschaftlern der Humboldt-Universität zu Berlin. Bericht, Version 1.0. 2014. http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:11-100224755.


1 Elena Simukovic, Maxi Kindling und Peter Schirmbacher, Umfrage zum Umgang mit digitalen Forschungsdaten an der Humboldt-Universität zu Berlin. Umfragebericht, Version 1.0. 2013, http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:11-100213001.

2 Elena Simukovic et al., Was sind Ihre Forschungsdaten? Interviews mit Wissenschaftlern der Humboldt-Universität zu Berlin. Bericht, Version 1.0. 2014, http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:11-100224755.

3 „Grundsätze zum Umgang mit Forschungsdaten an der Humboldt-Universität zu Berlin,“ Humboldt-Universität zu Berlin, 2014, zuletzt geprüft am 14.11.2016, https://hu.berlin/forschungsdaten-policy.

4 Jake Carlson und Lisa R. Johnston, Data Information Literacy: Librarians, Data, and the Education of a New Generation of Researchers (West Lafayette, IN, USA: Purdue University Press, 2015).

5 „PANGAEA. Data Publisher for Earth & Environmental Science,“ zuletzt geprüft am 14.11.2016, https://pangaea.de.

6 Vgl. Kerstin Helbig, „Research Data Management Training for Geographers: First Impressions,“ ISPRS International Journal of Geo-Information 5, 2016: 40, http://doi.org/10.3390/ijgi5040040.

7 „GFBio – German Federation for Biological Data. Research Data Management,“ zuletzt geprüft am 30.11.2016, http://www.gfbio.org.

8 Vgl. Kerstin Helbig, „Research traditions and emerging expectations: PhD students and their research data management,“ in 19th International Symposium on Electronic Theses and Dissertations, 11-13 July 2016, Lille, France, https://etd2016.sciencesconf.org/file/249025 sowie zweitveröffentlicht unter URN: http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:11-100241568.

9 „Forschungsdatenmanagement,“ Humboldt-Universität zu Berlin, zuletzt geprüft am 14.11.2016, https://hu.berlin/dataman.

10 „Elektronische Dissertationen Plus (eDissPlus),“ Humboldt-Universität zu Berlin, zuletzt geprüft am 30.11.2016, https://www2.hu-berlin.de/edissplus.

11 Pamela Aust et al. Was sind Forschungsdaten? Video. Humboldt-Universität zu Berlin, Medien-Repositorium. 2016. https://doi.org/10.18450/dataman/90.

Refbacks

  • Im Moment gibt es keine Refbacks


Copyright (c) 2017 Pamela Aust, Kerstin Helbig

Creative-Commons-Lizenz
Dieses Werk steht unter der Lizenz Creative Commons Namensnennung 4.0 International.