2016-4_2_KON_4-1_Schmitz

Wissen organisieren und erhalten

Video-Tutorials zu Open Access und Open Data – Analyse und mögliche Nachnutzbarkeit

Jasmin Schmitz, ZB MED – Leibniz-Informationszentrum Lebenswissenschaften

Zusammenfassung:

Der Beitrag stellt die Ergebnisse einer Analyse vor, die zum Ziel hatte, Video-Tutorials zu Open Access und Open Data zu identifizieren und zu kategorisieren. Leitfragen waren: Mit welchen Aspekten beschäftigen sich die Videos konkret? Mit welchen Mitteln arbeiten diese (z.B. Animation, Screencast)? Wer stellt entsprechende Video-Tutorials bereit? Des Weiteren sollte ausgelotet werden, zu welchen Themen Video-Tutorials nachgenutzt werden können. Es wurden unterschiedliche Plattformen wie beispielsweise YouTube, Twitter sowie spezifische Open-Educational-Resources- und Open-Access-Seiten (wie z.B. von FOSTER) nach entsprechenden Videos durchsucht und deren Eignung im Hinblick auf die Recherche von Video-Tutorials zu den genannten Themen überprüft.

Summary:

The article reports on a study in which video tutorials on open access and open data were retrieved and categorized. Central questions were: Which aspects do the tutorials address? Which techniques do they apply (e.g. animation, screencast)? Who provides these tutorials? The study analysed to which extent these video tutorials can be re-used. In order to retrieve the videos for further analysis several platforms such as YouTube, Twitter or more specific open educational resources or open access websites (such as FOSTER) were searched. The suitability of these platforms with regard to the retrieval of video tutorials dealing with the topics mentioned was examined as well.

Zitierfähiger Link (DOI): http://dx.doi.org/10.5282/o-bib/2016H4S97-109
Autorenidentifikation: Schmitz, Jasmin: GND 1088345387
Schlagwörter:
Open Access, Open Data, Video-Tutorials

1. Hintergrund

Der Einsatz von E-Learning und Open Educational Resources (OER) wie beispielsweise Tutorials wird gerade im Hinblick auf die Vermittlung von Informationskompetenz in Bibliotheken vielfach diskutiert. Insbesondere Erklärfilme mit bewegten Bildern (Video-Tutorials) bieten neue Möglichkeiten, komplexe Inhalte audio-visuell aufbereitet darzustellen. Zudem kommen diese den Nutzungsgewohnheiten entgegen.1 Da Eigenproduktionen kosten- und ressourcenintensiv sind sowie spezifisches technisches und didaktisches Know-how erfordern, empfiehlt sich eine Prüfung, inwieweit sich Video-Tutorials nachnutzen lassen.

ZB MED – Leibniz-Informationszentrum Lebenswissenschaften setzt im Rahmen seiner Open-Access-Aktivitäten auch selbst produzierte Video-Tutorials ein. Neben bereits realisierten Videos zu ZB MED-Services zur Unterstützung bei der Publikation von Forschungsdaten sowie Vergabe von DOIs2 sollen künftig auch Video-Tutorials für die Open-Access-Publikationsberatung3 genutzt werden, um bestimmte Themen oder Aspekte genauer zu erläutern. Denkbare Einsatzmöglichkeiten sind hierbei:

Einbettung oder Verlinkung in das Webangebot (z.B. bei FAQs) zur Erläuterung bestimmter Themen,

Präsentation im Rahmen von Workshops oder Vorträgen zur Einführung oder Verbesserung der Anschaulichkeit,

Vorführung als Dauerschleife im Rahmen von Veranstaltungen zu Open Access.

Vor diesem Hintergrund wurde im Februar 2016 eine Untersuchung mit dem Ziel durchgeführt, bereits erstellte Video-Tutorials zu den genannten Themen zu identifizieren und zu kategorisieren.4 Des Weiteren sollte ausgelotet werden, zu welchen Themen Video-Tutorials für die eigene Arbeit nachgenutzt und welche thematischen Lücken identifiziert werden können. Leitfragen dazu waren:

Mit welchen Aspekten beschäftigen sich die Videos konkret?

Wer stellt entsprechende Video-Tutorials bereit?

Mit welchen Mitteln arbeiten diese (z.B. Animation, Screencast)?

Welche Open-Content-Lizenzen (z.B. Creative Commons) werden verwendet?

Es wurden unterschiedliche (Video-)Plattformen wie z.B. YouTube, Twitter sowie spezifische OER- und Open-Access-Seiten nach entsprechenden Videos durchsucht. Die Ergebnisse der Untersuchung werden nachfolgend dargestellt.

2. Methodik

2.1. Suchbegriffe

Da die Video-Tutorials vornehmlich in der Open-Access-Publikationsberatung von ZB MED eingesetzt werden sollen, ergeben sich die Suchbegriffe aus dem Spektrum der Beratungsthemen. Dieses umfasst:

Open-Access-Publikation von wissenschaftlichen Ergebnissen und Forschungsdaten,

Open Access und wissenschaftliche Reputationsbildung,

Gründung von Open-Access-Zeitschriften sowie Transformation von Closed Access zu Open Access.

Daraus lassen sich die folgenden Suchbegriffe (Tabelle 1) ableiten, die jeweils in deutscher und englischer Sprache gesucht wurden. In einigen Fällen wird die englische Bezeichnung auch im deutschen Sprachgebrauch verwendet. Bei den Suchplattformen, bei denen eine Phrasensuche unterstützt wird, wurden mehrteilige Begriffe zusätzlich als Phrase gesucht. Wo verfügbar, wurde sich auf die Videosuche konzentriert oder entsprechende Filter eingesetzt.

Tabelle 1: Liste der Suchbegriffe

Suchwort

engl. Entsprechung

Altmetrics

altmetrics

Creative-Commons-Lizenz

creative commons license

creative commons licence

Forschungsdaten

research data

Forschungsdatenmanagement

research data management

h-Index

h-index

Journal Impact Factor

journal impact factor

Open Access

open access

Open Data

open data

Peer Review

peer review

Publikationsgebühren

article processing charge

Es wurde bewusst mit eher allgemeinen Begriffen gesucht, um ein breites Spektrum an Videos zu finden. Bei der Auswertung wurde der konkrete Aspekt, mit dem sich das jeweilige Video beschäftigt, ebenfalls protokolliert.

2.2. Recherche

Neben gängigen Video- und Social-Media-Plattformen wurden auch solche Plattformen durchsucht, die für die Recherche nach OER empfohlen werden.5 Dieses Vorgehen erfolgte insbesondere, um zu ermitteln, inwieweit sich diese für die Recherchen nach Materialien zu den genannten Themenfeldern einerseits, andererseits auch für eine Suche nach Videos eignen. Zudem wurde untersucht, inwieweit nach Lizenzen gefiltert werden kann. Folgende Plattformen wurden durchsucht:

Tabelle 2: Liste der durchsuchten Plattformen

Plattform

Kategorie

URL

Lizenzfilter
verfügbar?

Video-Suche
verfügbar?

Eignung
Themenfeld?

Bielefeld Academic Search Engine (BASE)

Wiss. Suche

https://www.base-search.net/

x

x

x

Blinkx

Videosuche

http://www.blinkx.com/

-

-

-

Elixier

Wiss. Suche

http://www.bildungsserver.de/elixier/

-

-

-

Europeana

Wiss. Suche

http://www.europeana.eu/portal/

x

x

(x)

FIS Bildung

Wiss. Suche

http://www.fachportal-paedagogik.de/fis_bildung/fis_form.html

-

-

x

FOSTER

OER-Suche

https://www.fosteropenscience.eu/

x

-

x

Google Video

Videosuche

https://www.google.de/videohp?hl=de

-

x

x

Jorum

OER-Suche

https://www.jisc.ac.uk/website/legacy/jorum

x

x

(x)

MERLOT

OER-Suche

https://www.merlot.org/merlot/index.htm

x

-

-

OAIster database

Wiss. Suche

http://www.oclc.org/oaister.en.html

-

x

x

OER Commons

OER-Suche

https://www.oercommons.org/

x

-

(x)

Open Culture

OER-Suche

http://www.openculture.com/

-

-

-

Open Education Europe

OER-Suche

http://www.openeducationeuropa.eu/de

x

x

-

OER Plattform der UNESCO

OER-Suche

http://www.oerplatform.org/

-

-

-

OpenStax

OER-Suche

https://openstaxcollege.org/

-

-

-

TheOrangeGrove

OER-Suche

http://florida.theorangegrove.org/og/home.do

-

x

-

Twitter

Social Media

https://twitter.com/?lang=de

-

x

x

YouTube

Videosuche, Social Media

https://www.youtube.com/?gl=DE&hl=de

x

x

x

Zentrale für Unterichtsmaterialien im Internet

Wiss. Suche

http://www.zum.de/portal/

-

-

-

Es zeigt sich, dass viele OER-Plattformen keine Video-Suche unterstützen. Vereinzelt stehen nur unzureichende Suchmöglichkeiten zur Verfügung, so dass man in den Inhalten blättern muss. Wenn auf OER-Plattformen Videos gefunden wurden, so wird außerdem häufig auf Video-Plattformen verlinkt. Mit der Recherche konnten allerdings auch Plattformen identifiziert werden, die für die Recherche nach Videos eher ungeeignet sind, die sich aber für die Suche nach anderen Materialien zu den genannten Themenfeldern eignen.

Wie Tabelle 2 ebenfalls zeigt, eignen sich die Plattformen unterschiedlich gut für die Recherche nach Videos zu den genannten Themen. Dies liegt unter anderem daran, dass diese einen unterschiedlichen Fokus auf bestimmte Materialien (z.B. Lehrbücher, Unterrichtsmaterialien) haben oder bestimmte Zielgruppen (z.B. Lehrkräfte, Studierende) ansprechen, für die diese Themen weniger von Interesse sind.

Ein zu erwartendes Ergebnis des Vergleichs ist somit, dass Recherchen nach Video-Tutorials am besten bei Video-Plattformen wie YouTube durchgeführt werden, die keinerlei thematische Einschränkungen machen. Ein Grund dafür ist, dass diese Video-Plattformen einen Quasi-Standard für die Verbreitung von Videos im Internet darstellen. Allerdings sind die Suchfunktionalitäten auf Video-Plattformen im Vergleich zu anderen Suchwerkzeugen eher beschränkt. Dies erschwert insbesondere die Suche nach Inhalten, die einer Open-Content-Lizenzierung unterliegen. Hier sind die Suchfunktionalitäten einiger OER-Plattformen durchaus umfangreicher und erlauben eine differenzierte Recherche.

2.3. Suchstrategie und Filterung

Bei der Recherche auf den Video-Plattformen wurden die Suchmöglichkeiten vollumfänglich genutzt, um die Treffermenge überschaubar zu halten. Es wurde im ersten Schritt nach Videos mit einer maximalen Länge von vier Minuten gesucht: einerseits, weil andere Optionen für eine zeitliche Einschränkung nicht zur Verfügung standen, andererseits, weil für die oben beschriebenen Zwecke eher kürzere Videos zum Einsatz kommen sollen, die auch im Rahmen der Aufmerksamkeitsspanne der Nutzer liegen. Im zweiten Schritt erfolgte eine Suche zusätzlich nur nach Videos, die über eine Creative-Commons-Lizenz verfügen, um den Aspekt der Nachnutzbarkeit untersuchen zu können. Bei der Plattform FOSTER, welche sich nach den Video-Plattformen als ergiebigste Quelle hinsichtlich der Anzahl der Videos herausstellte, musste aufgrund einer fehlenden Video-Suche die Trefferliste komplett durchgeschaut und manuell nach Videos gefiltert werden. Neben einer Einschränkung der Dauer beschränkte sich die Suche auf Inhalte, die in den letzten drei Jahren hochgeladen wurden. Bei grundsätzlichen Aspekten wie z.B. „Unterschied Goldener und Grüner Weg des Open Access“ ändert sich zwar nicht viel, dennoch entwickeln sich bei den übrigen Themen regelmäßig Neuerungen.

Die Recherchen wurden im Februar 2016 durchgeführt. Es handelt sich folglich nur um eine Momentaufnahme. Dies betrifft einerseits die Suchfunktionalitäten der durchsuchten Plattformen, andererseits die Ermittlung von für den Nutzungskontext interessanten Videos. Ziel der Untersuchung war aber ausdrücklich nicht die lückenlose Erfassung von verfügbaren Video-Tutorials, sondern lediglich ein Überblick über behandelte Themen und Möglichkeiten der Nachnutzung.

Es erfolgte eine Durchsicht der Trefferlisten, wobei Videos mit folgenden Inhalten ausgeschlossen wurden:

Vorträge, Webinare: aufgrund der Länge (siehe oben).

Interviews mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern vor Ort: insbesondere wegen der fehlenden Nachnutzbarkeit, gerade wenn es sich dabei um Wissenschaftler handelt, die über die eigene Wissenschaftsdomäne hinaus weniger bekannt sind.

Videos, bei denen im Erzählgang von den eigenen Angeboten (z.B. eigener Katalog oder Website) ausgegangen wurde; einbezogen wurden aber solche Videos, die erst im Abspann einen institutionellen Bezug herstellen, da nach Bearbeitung (sofern erlaubt) eine breitere Nachnutzung möglich ist.

Offensichtliche Werbung (insbesondere bei Verlagsangeboten): da dies im Rahmen einer neutralen Beratung nicht gewünscht ist.

Videos (meist Screencasts) von schlechter Qualität.

Fehlender Bezug zum Thema: gerade bei der Recherche nach Videos zum Thema „Creative-Commons-Lizenzen“ wurden auch Videos in der Trefferliste angezeigt, die freie Musik zum Inhalt hatten; oftmals wurden zum Ende der Trefferliste auch nur noch Videos angezeigt, die den formalen Kriterien entsprochen haben und/oder die im Beschreibungstext eine mit dem Suchbegriff identische Zeichenfolge aufwiesen. Hier zeigt sich eine Schwäche der Suchmöglichkeiten der Video-Plattformen.

Videos in anderen Sprachen als Deutsch und Englisch: da die Beratung von ZB MED ausschließlich in diesen Sprachen erfolgt.

Als geeignet erachtete Videos wurden in eine Excel-Tabelle aufgenommen. Darin wurden folgende Informationen erfasst:

Link zum Video

Titel

bereitstellende Institution

Kategorisierung der bereitstellenden Institution (z.B. Bibliothek, Privatperson)

Plattform, auf der das Video erstmals gefunden wurde

mit welchem Suchbegriff das Video erstmals gefunden wurde/Thema

dargestellter Aspekt

Darstellungsmittel/-technik (z.B. Animation, Legetechnik)

Open-Content-Lizenz (z.B. Creative Commons)

Länge

Sprache

frei von institutionellen Bezügen: ja/nein.

Das Ergebnis der Durchsicht war eine Tabelle mit 109 Videos, die sich potenziell für den Einsatz in der Open-Access-Beratung eignen könnten. Diese wurde genauer analysiert. Die Ergebnisse werden nachfolgend dargestellt. Abbildung 1 zeigt einen Ausschnitt aus der Tabelle.6

C:\Users\Schmitz.ZB_MED\Desktop\OA Tutorials Studie\Abbildung1.tif

3. Auswertung

3.1. Verteilung der Themen

Abbildung 2 zeigt die Verteilung der 109 Videos auf die unterschiedlichen Themen (in Prozent). Viele der Videos beschäftigen sich mit den Themen „Open Access“, „Creative-Commons-Lizenzierung“ und „Peer Review“. Hier gäbe es ausreichend potenziell nachnutzbares Material. Lücken lassen sich in Bezug auf die Themen „Publikationsgebühren“, „h-Index“, „Altmetrics“ und „Forschungsdatenmanagement“ identifizieren. Hierzu gibt es vergleichsweise nur wenige Video-Tutorials. Zahlenmäßig dazwischen liegen Videos zu den Themen „Open Data“, „Forschungsdaten“, „Open Science“ und „Journal Impact Factor“. Eine Detailanalyse der behandelten Aspekte zeigt, dass Videos zu grundlegenden Aspekten wie Definitionen (z.B. Was ist Open Data?) bereits vorhanden sind. Videos zu Spezialaspekten (z.B. Anwendungsfelder, Datenschutz etc.) hingegen sind eher selten.

C:\Users\Schmitz.ZB_MED\Desktop\OA Tutorials Studie\Abbildung2.tif

3.2. Akteure

Im Hinblick auf eine notwendige Kontaktaufnahme zum Einholen von Nutzungsrechten für eine Nachnutzung wurde auch recherchiert, wer die Tutorials jeweils eingestellt hat. Anschließend wurde eine grobe Kategorisierung vorgenommen, um einen Einblick zu bekommen, wer hier aktiv ist (Abb. 3).

C:\Users\Schmitz.ZB_MED\Desktop\OA Tutorials Studie\Abbildung4.tif

Insgesamt konnten 89 verschiedene bereitstellende Institutionen bzw. Account- oder Kanalbezeichnungen identifiziert werden. Überraschend viele der Videos (fast 25%) werden über private Nutzerkonten mit Klarnamen eingestellt. Beim Durchsehen der Videos zeigt sich aber häufig, dass die Videos in einem institutionellen Kontext entstanden sind. Über die Gründe für die Verwendung eines privaten Nutzerkontos lässt sich nur spekulieren. Hier mag ein fehlender institutioneller Account eine Rolle spielen. Bei etwa 10% der Videos lässt sich nicht bestimmen, wer für das Einstellen verantwortlich ist, weil Pseudonyme verwendet wurden. Ansonsten zeichnen Bibliotheken sowie Universitäten und Forschungseinrichtungen für das Gros der eingestellten Tutorials verantwortlich. Im Hinblick auf das Thema „Open Data“ sind insbesondere Softwareunternehmen aktiv. Auch (virtuelle) Einrichtungen, die sich der OA-Förderung verschrieben haben (wie z.B. open-access.net), stellen Tutorials ein. Zu beachten ist hierbei, dass die „Einstellenden“ nicht zwingend auch die Urheber/innen oder Rechteinhaber/innen sind. Oftmals werden Videos mehrfach eingestellt, wenngleich das in diesem Kontext durchaus seltener der Fall ist als beispielsweise bei Ausschnitten von Fernsehsendungen.

3.3. Darstellungsmittel

Bei den Darstellungsmitteln (Abb. 4) sind insbesondere Animationen sehr beliebt (über 30%). Im Anschluss daran folgen Screencasts und Einblendungen mit einem Sprecher bzw. einer Sprecherin im Hintergrund. Beides ist relativ einfach, ohne viel technisches Know-How erstellbar, was die jeweils hohen Anteile erklärt.

C:\Users\Schmitz.ZB_MED\Desktop\OA Tutorials Studie\Abbildung5.tif

3.4. Verwendung von Open-Content-Lizenzen wie Creative Commons

Bei den hier untersuchten Videos kommen – sofern überhaupt eine Lizenzierung verwendet wird – ausschließlich Creative-Commons-Lizenzen zum Einsatz. Fast die Hälfte der identifizierten Videos ist nicht mit einer Lizenz versehen (Abb. 5). Für Nutzungsszenarien, die über die Schranken des Urheberrechts hinausgehen, muss daher die Zustimmung der Rechteinhaber/innen eingeholt werden. Grundsätzlich handelt es sich hierbei daher nicht um Open Educational Resources im eigentlichen Sinne.7 Bei den Videos, die mit einer Creative-Commons-Lizenz versehen sind, zeigt sich eine Diversität, die insbesondere dadurch zustande kommt, dass unterschiedliche Versionen und Portierungen im Einsatz sind. Bei vielen YouTube-Videos findet sich keine Lizenzbezeichnung im Video, sondern in den YouTube-Metadaten ist lediglich angegeben: „Creative-Commons-Lizenz mit Quellenangabe (Wiederverwendung erlaubt)“. Erst bei der Lektüre der Hilfeseiten erfährt man, dass damit konkret eine CC-BY-Lizenz 3.0 gemeint ist.8 Auch wird erst hier auf den Lizenztext verwiesen. Es gibt eine Reihe von Videos, die über widersprüchliche Angaben verfügen, dahingehend, dass im Video selbst eine andere Lizenz benannt wird als in den YouTube-Metadaten. In solchen Fällen wurde die Lizenz im Video als maßgeblich erachtet.

Insgesamt zeigt sich, dass wenn Creative-Commons-Lizenzen genutzt werden, insbesondere die liberaleren Lizenzen beliebt sind, die ein breites Spektrum an Nachnutzung ermöglichen.

C:\Users\Schmitz.ZB_MED\Desktop\OA Tutorials Studie\Abbildung7.tif

3.5. Institutionelle Bezüge

Vor dem Hintergrund einer möglichen Nachnutzung wurde auch untersucht, inwieweit die Videos mit institutionellen Bezügen versehen sind (Abb. 6). Solche, die Sachverhalte direkt anhand eigener Angebote erklären, wurden direkt ausgeschlossen (siehe oben). Allerdings wurden Videos aufgenommen, die lediglich im Abspann auf die eigenen Angebote hinweisen und deshalb nach einer Nachbearbeitung durchaus noch breit nachnutzbar wären. Knapp die Hälfte der Videos ist frei von institutionellen Bezügen. Von den Videos ohne institutionelle Bezüge sind 38 Videos mit einer Creative-Commons-Lizenz versehen und somit uneingeschränkt nachnutzbar.

C:\Users\Schmitz.ZB_MED\Desktop\OA Tutorials Studie\Abbildung7.tif

3.6. Sprache und Abrufzahlen

Je nach Zielgruppe, die durch die Verwendung von Video-Tutorials angesprochen werden soll, kann die verwendete Sprache von Interesse sein. Wie bereits erwähnt, wurden lediglich Videos in deutscher und englischer Sprache ermittelt, weil sich die Open-Access-Beratung von ZB MED im Wesentlichen an deutschsprachige Multiplikatorinnen und Multiplikatoren wendet sowie an die lebenswissenschaftlichen Wissenschaftscommunities, die – wie viele andere wissenschaftliche Communities auch – international vorwiegend Englisch zur Wissenschaftskommunikation verwenden. Abbildung 7 zeigt die Verteilung.

Z:\PB - OA Publizieren\Beratung\Bibliothekskongress 2016\Artikel\Abbildung9.tif

Den Löwenanteil machen englischsprachige Videos aus. Lediglich 9 von 109 Videos sind in deutscher Sprache. Bei einigen wenigen Videos liegen deutsch- und englischsprachige Versionen vor.

Bei der Durchsicht der Videos wurden zunächst auch Abrufzahlen ermittelt, um diese ebenfalls auswerten zu können. Diese Idee wurde im Fortgang dann aus folgenden Gründen verworfen:

Nicht alle Plattformen erfassen Abrufzahlen.

Seit längerem eingestellte Videos verfügen naturgemäß über höhere Abrufzahlen als erst seit kurzem eingestellte Videos. Dies könnte bei der Ermittlung noch berücksichtigt werden, allerdings geben die Plattformen kein genaues Einstelldatum an, sondern lediglich grobe Zeiträume, was eine entsprechende Normalisierung, die mindestens monatsgenau erfolgen sollte, erschwert.

Es bleibt unklar, wie die Abrufzahlen zustande kommen: Werden automatische Besuche von Robots etc. ausgeschlossen? Werden Mehrfachaufrufe nur einmal gezählt? Hierdurch kann es zu Verzerrungen kommen, die die Aussagekraft schmälern.

4. Zusammenfassung

Bei der Untersuchung der Nachnutzungsmöglichkeiten von Video-Tutorials ergeben sich Potenziale für die Themengebiete „Open Access“, „Creative-Commons-Lizenzierung“ und „Peer Review“; hierzu liegen eine Reihe von Videos vor. Zu den Themen „Open Data“, „Forschungsdaten“, „Open Science“ und „Journal Impact Factor“ gibt es – wenn auch deutlich weniger – ebenfalls Tutorials, die sich in erster Linie mit grundsätzlichen Aspekten des Themas beschäftigen. Weniger gut behandelt sind derzeit die Themen „Publikationsgebühren“, „Forschungsdatenmanagement“, „h-Index“ und „Altmetrics“, wenngleich auch dort vereinzelt bereits Videos vorliegen. Im Hinblick auf eine Nachnutzung muss zudem vorher geprüft werden, inwieweit ein Video ohne Rücksprache mit dem Rechteinhaber oder der Rechteinhaberin nachgenutzt werden kann bzw. ob eine Nachbearbeitung notwendig ist. Viele der hier untersuchten Videos sind nicht mit einer Open-Content-Lizenz wie Creative Commons versehen.

Für die Recherche nach entsprechenden Videos eigenen sich insbesondere Video-Plattformen. Alle in dieser Untersuchung durchgesehenen OER-Plattformen sind hinsichtlich der Video-Suche oder der Themenfelder zurzeit nicht annähernd so ergiebig.

Literaturverzeichnis

Biboer (Blog). https://biboer.wordpress.com/.

Bitkom. „Mehr als jeder Dritte schaut Video-Anleitungen im Internet.“ Zuletzt geprüft am 28.06.2016. https://www.bitkom.org/Presse/Presseinformation/Mehr-als-jeder-Dritte-schaut-Video-Anleitungen-im-Internet.html.

Google. „Creative Commons.” Zuletzt geprüft am 15.07.2016. https://support.google.com/
youtube/answer/2797468.

Plieninger, Jürgen. „Suche nach Open Educational Resources.“ Bibliotheksdienst 49, Nr. 10-11 (2015): 1074-1077. http://dx.doi.org/10.1515/bd-2015-0126.

ZB MED-Blog. http://zbmedblog.de/.

ZB MED. „Beraten.“ Zuletzt geprüft am 15.07.2016. http://www.publisso.de/open-access-beraten/.

1 „Mehr als jeder Dritte schaut Video-Anleitungen im Internet,“ Bitkom, zuletzt geprüft am 15.07.2016, https://www.bitkom.org/Presse/Presseinformation/Mehr-als-jeder-Dritte-schaut-Video-Anleitungen-im-Internet.html.

2 Bettina Kullmer und Jasmin Schmitz, „Komplexes einfach visualisiert: Video-Tutorials von ZB MED,“ ZB MED-Blog, 13. Juni 2016, zuletzt geprüft am 15.07.2016, http://zbmedblog.de/?p=286.

3 „Beraten,“ ZB MED, zuletzt geprüft am 15.07.2016, http://www.publisso.de/open-access-beraten/.

4 Wir danken Prof. Dr. Achim Oswald von der TH Köln, der für die Internationale Open Access Week 2015 eine Initialliste mit Video-Tutorials zur Verfügung gestellt hat.

5 z.B. Jürgen Plieninger, „Suche nach Open Educational Resources,“ Bibliotheksdienst 49, Nr. 10-11 (2015): 1074-1077, http://dx.doi.org/10.1515/bd-2015-0126.

6 Eine Anregung aus dem Begutachtungsprozess aufgreifend, wird die Liste der Videos über das Open-Access-Publikationsportal von ZB MED www.publisso.de verfügbar gemacht und künftig weiter gepflegt. Der Stand bei Abfassen dieses Beitrags ist außerdem über den Punkt „Zusatzdateien“ direkt in o-bib abrufbar.

7 Gabriele Fahrenkrog, „Bibliotheken erstellen selbst OER – Lizenzierung,“ Biboer (Blog), 08.Februar.2016, zuletzt geprüft am 15.07.2016, https://biboer.wordpress.com/2016/02/08/bibliotheken-erstellen-selbst-oer-lizensierung/.

8 „Creative Commons,“ Google, zuletzt geprüft am 15.07.2016, https://support.google.com/youtube/answer/2797468.

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