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Personalia

Nachruf auf Dr. Rupert Hacker (19352016)

Am 6. Mai 1935 wurde Rupert Hacker als Sohn des Oberstudiendirektors Dr. Franz Hacker und seiner Frau Wilhelmine Hacker in München geboren. Er hatte noch einen älteren Bruder und eine jüngere Schwester. Seine Schullaufbahn in der Volksschule begann zunächst in München, bis die Familie während des Zweiten Weltkriegs 1943 nach Feldafing am Starnberger See evakuiert wurde. Seit 1946 besuchte er in Starnberg die Oberrealschule und machte dort 1953 das Abitur. Von 1953 bis 1958 folgte das Studium der Fächer Germanistik, Geschichte und Anglistik an der Ludwig-Maximilians-Universität in München mit dem Ersten Staatsexamen als Abschluss.

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Ein Stipendium des Freistaats Bayern ermöglichte es Rupert Hacker, 1959 ein Jahr lang in Rom zu leben und in der Bibliotheca Vaticana für die Kommission für Bayerische Landesgeschichte bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften Forschungsarbeiten durchzuführen. Dabei entdeckte er seine Liebe zu Bibliotheken – und er hatte seinen Berufswunsch und auch das Thema seiner Dissertation gefunden. Diese wurde in den darauf folgenden Jahren erstellt und 1967 mit dem Titel „Die Beziehungen zwischen Bayern und dem Heiligen Stuhl in der Regierungszeit Ludwigs I. (1825– 1848)“ veröffentlicht.

Noch in Rom begann Rupert Hacker an der Deutschen Schule ein Lehramtsreferendariat, das er 1960 in München abschloss.

Sein Bibliotheksreferendariat absolvierte er von 1962 bis 1964 an der Bayerischen Staatsbibliothek und deren Bibliotheksschule (später Bayerische Bibliotheksschule; jetzt Bibliotheksakademie Bayern). Anschließend wurde er zunächst Dozent und bald auch Leiter der Bibliotheksschule.

1964 wurde in Bayern als erstem Bundesland eine Ausbildung für den mittleren Bibliotheksdienst eingeführt, deren theoretischer Teil an der Bibliotheksschule der Bayerischen Staatsbibliothek stattfinden sollte. Zugleich sollten die schon bestehenden Ausbildungskurse für den gehobenen und den höheren Bibliotheksdienst weiterentwickelt werden, und als neues Aufgabenfeld kam die Fortbildung hinzu. All diesen Herausforderungen widmete sich Rupert Hacker mit großem Engagement und Erfolg. Vor allem sah er die Notwendigkeit, Unterrichtsmaterialien zu erstellen. Diese wurden zunächst vor allem von ihm selbst und auf seine Anregung hin auch von seinen Mitarbeitern erstellt und zunächst hausintern vervielfältigt.

Ohne sich auf den Titelseiten als Verfasser zu nennen, hat er zum Beispiel erarbeitet:


Einführung in die Titelaufnahme nach den Regeln der „Katalogisierungsordnung der Baye­rischen Staatsbibliothek München“ / zsgest. von der Bibliotheksschule der Bayerischen Staatsbibliothek München. – Teil 1 (1968). – Teil 2 (1969)

Beispielsammlung zu den Regeln der „Katalogisierungsordnung der Bayerischen Staatsbibliothek München“ / zsgest. von der Bibliotheksschule der Bayerischen Staatsbibliothek München. – Teil 1 (1970). – Mehr nicht erschienen

Bis 1970 hatte er das Fach Alphabetische Katalogisierung selbst unterrichtet. Den Umstieg auf die neuen „Regeln für die alphabetische Katalogisierung (RAK)“ hat Rupert Hacker von Anbeginn gefördert, die Erstellung von Lehr- und Übungsmaterialien aber seinen Mitarbeitern überlassen.

Aus den Materialien zu einzelnen Bibliotheksverwaltungsfächern und zur Buchkunde ist Hackers „Bibliothekarisches Grundwissen“ hervorgegangen. 1972 in erster Auflage beim Verlag Dokumentation (später Saur und jetzt de Gruyter) erschienen, hat es bis 2000 sieben Auflagen erlebt und ist so zu einem Klassiker der bibliothekarischen Lehrbuchliteratur geworden.

Rupert Hackers Liebe zu den Fächern Bibliotheks- und Buchgeschichte hat sich in zahlreichen Aufsätzen und der Herausgabe des 2000 erschienenen Sammelbandes „Beiträge zur Geschichte der Bayerischen Staatsbibliothek“ niedergeschlagen. Sein breites historisches Wissen und besonders sein großes Interesse an der bayerischen Geschichte hat er bis zuletzt durch fundierte und in der Fachwelt geschätzte Veröffentlichungen u.a. in der Historischen Zeitschrift, der Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte und in verschiedenen Sammelwerken bewiesen. Am bekanntesten geworden ist Rupert Hacker einem breiteren Publikum durch die von ihm herausgegebene und eingeleitete Quellensammlung „Ludwig II. von Bayern in Augenzeugenberichten“, die seit 1966 in mehreren Ausgaben erschienen ist.

Als 1975 die verwaltungsinterne Ausbildung des nichttechnischen gehobenen Dienstes durch die Gründung der Bayerischen Beamtenfachhochschule (seit 2003 Fachhochschule für öffentliche Verwaltung und Rechtspflege in Bayern, FHVR) in einer gemeinsamen Institution zusammengefasst wurde, übernahm Rupert Hacker als Gründungsdirektor den dort angesiedelten Fachbereich Archiv- und Bibliothekswesen, dessen Fachbereichsleiter er bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand im Jahre 1998 blieb. In den Jahren 1984 bis 1988 übte er in zusätzlicher Funktion das Amt des stellvertretenden Präsidenten der Bayerischen Beamtenfachhochschule aus.

Durch seine jahrzehntelange Tätigkeit als Leiter der Bibliotheksschule und des Fachbereichs Archiv- und Bibliothekswesen hat Rupert Hacker einen maßgeblichen Anteil an dem hohen Niveau der bibliothekarischen Ausbildung in Bayern. Beständig hat er die Lehrpläne reformiert, neue Lehrmethoden ausprobiert und auf gute Zusammenarbeit mit den Praktikumsbibliotheken geachtet. In zahlreichen Gremien war er ein geschätzter Kollege und bei den Studierenden ein hoch geachteter Lehrer.

Am 23. Juli 2016 ist Dr. Rupert Hacker in München verstorben. Wir vermissen ihn und werden ihn in guter Erinnerung behalten.

Hans Popst, Eichenau

Zitierfähiger Link (DOI): http://dx.doi.org/10.5282/o-bib/2016H4S350-352

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