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Landes- und Regionalverbände

Regionalverband Sachsen – Sachsen-Anhalt – Thüringen

Studienfahrt des Regionalverbands Sachsen – Sachsen-Anhalt – Thüringen nach Freiberg in Sachsen

Auf einer Studienfahrt besuchten Kolleginnen, Kollegen und Gäste unseres Regionalverbandes die Bergstadt Freiberg in Sachsen. Wir hatten uns vorgenommen, nicht nur die Bibliothek der traditionsreichen Bergakademie zu besuchen, sondern auch andere Freiberger Schätze zu erkunden. Davon hat Freiberg mit mindestens drei bedeutsamen Sammlungen einige zu bieten: die 450-jährige Andreas-Möller-Schulbibliothek, das Bergarchiv als „Gedächtnis Sächsischen Montanwesens“ und die Mineraliensammlung der Ausstellung „Terra Mineralia“, bestehend aus ca. 3.500 Stücken.

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Unsere Erkundungstour startete in der Universitätsbibliothek „Georgius Agricola“ auf dem Campus der Technischen Universität Bergakademie Freiberg. Frau Albani, die stellvertretende Direktorin, begrüßte uns und stellte die Bibliothek vor. Die 1765 gegründete Bibliothek ist gegenwärtig in einem Gebäude aus dem Jahr 1980 untergebracht. Mit einer Kompaktanlage und Lernkabinen für die Studierenden war es seinerzeit hochmodern. Heute jedoch bietet das Gebäude mit seiner bunt bemalten Fassade zu wenig Raum, das Stromnetz ist an seiner Kapazitätsgrenze angelangt und der Charme der 80er- Jahre vermag Vintage-Fans begeistern, kann jedoch den Ansprüchen einer modernen Bibliothek kaum mehr gerecht werden. Dennoch gelingt der Bibliothek ein faszinierender Spagat zwischen Altbestand und neuen Medien, in die Jahre gekommenem Mobiliar und modernen Touchscreen-Systemen. In der Schublade liegen jedoch schon Pläne für einen Bibliotheksneubau, der den Nutzerinnen und Nutzern und auch den Bibliothekarinnen und Bibliothekaren bessere Arbeitsbedingungen bieten soll.

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In entspannter Atmosphäre wurde bei böhmischer Küche gefachsimpelt und Kontakte wurden geknüpft. Zum allgemeinen Bedauern musste der geplante Besuch der Andreas-Möller-Bibliothek am Geschwister-Scholl-Gymnasium ausfallen, da der Kustos, Herr Dr. Bannies, kurzfristig verhindert war. Da der Besuch der 1515 gegründeten Schule und ihrer nichtöffentlichen Bibliothek mit einem Bestand von mehr als 6.400 Bänden, darunter über 300 Handschriften und ca. 500 Wiegendrucke, außerordentlich reizvoll ist, soll ein neuer Termin vereinbart werden.

Unser nächstes Ziel war das sanierte Schloss Freudenstein, in dem vor allem die Terra Mineralia und das Sächsische Staatsarchiv - Bergarchiv Freiberg untergebracht sind.

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Das seit 1679 nachweisbare Bergarchiv ist seit 2005 Teil des Sächsischen Staatsarchivs. Es bewahrt ca. 4.500 laufende Meter historisches Archivgut über den sächsischen Bergbau, darunter etwa 65.000 Karten, Pläne und Risse. Wir wurden von Herrn Dr. Hoheisel, dem Leiter des Bergarchivs, willkommen geheißen und erhielten einen Einblick in Geschichte und Architektur des Schlosses Freudenstein. Unsere Neugier war geweckt und in der anschließenden Besichtigung faszinierte uns immer wieder aufs Neue, welche Symbiose altes Gemäuer und moderne Zweckmäßigkeit eingehen können. Nach dem Haus-im-Haus-Prinzip wurde für das Archiv ein Neubau errichtet, der das Schloss als Außenhülle nutzt. Immer wieder finden sich Anlehnungen an den Bergbau: Die farbliche Gestaltung nimmt Bezug auf unterschiedliche Gesteinsarten, verschiedene Schrägen erinnern an schräge Stützen in Bergbaustollen u.a. Der Werkstattbereich beeindruckt mit mächtigem historischen Gebälk und modernen funktionalen Arbeitsplätzen zum Vorordnen und Säubern des (neu zugegangenen) Archivguts. Bewegliche Tische und von der Decke hängende Steckdosen ermöglichen eine Anpassung des Mobiliars an die jeweiligen Bedürfnisse.

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Besonders begeisterte uns der Lesesaal mit seiner speziellen dreiteiligen Raumgliederung: dem Risslesesaal zur Einsichtnahme in großformatige Karten und Risse, der mit großzügig dimensionierten Tischen ausgestattet ist, dem Aktenlesesaal auf der Empore, an dessen Wand die Handbibliothek aufgestellt ist, und dem Filmlesesaal/Technischen Lesesaal, der sich unter der Empore befindet und der mit Türen vom übrigen Lesesaal abgeschlossen ist. Im Filmlesesaal sind die Mikroformen – Mikrofilme und die Fiches der Karten und Risse – für die Benutzerinnen und Benutzer frei zugänglich aufgestellt. Im Lesesaal oberhalb der Lesesaaltheke befinden sich zwei Gruppenarbeitsräume.

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Rückblickend lässt sich sagen, dass der Ausflug in die sächsische Provinz viele Impressionen und Anregungen bot, die Lust auf mehr machen. Ein großes Dankeschön gilt an dieser Stelle allen Beteiligten, insbesondere Frau Brandenburger, Frau Albani und Herrn Dr. Hoheisel.

Anika Richter (Schriftführerin des Regionalverbands), Kathrin Drechsel, Universitäts- und Forschungsbibliothek Erfurt/Gotha (Vorsitzende des Regionalverbands)

Zitierfähiger Link (DOI): http://dx.doi.org/10.5282/o-bib/2016H4S339-342