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Superman = Persepolis = Naruto?

Herausforderungen und Probleme der formalen und inhaltlichen Vielfalt von Comics und Comicforschung für die Regensburger Verbundklassifikation

Michael Franke-Maier, Freie Universität Berlin, Universitätsbibliothek
Matthias Harbeck, Humboldt-Universität zu Berlin, Universitätsbibliothek

Zusammenfassung:

Das populäre Medium Comic hat in den vergangenen Jahren zunehmend Interesse als wissenschaftliches Forschungsobjekt und damit auch als bibliothekarisches Sammlungsgut auf sich gezogen. Bibliotheken stehen vor der Aufgabe, die Primärquellen und vor allem die wissenschaftliche Forschungsliteratur zu Comics inhaltlich zu erschließen und nach wie vor auch systematisch zu präsentieren. Bis vor kurzem fand man in der in Deutschland am weitesten verbreiteten Klassifikation, der im Selbstverständnis wissenschaftsnahen Regensburger Verbundklassifikation (RVK), nur Einzelstellen in einzelnen Fachsystematiken und einen größeren Bereich in der Japanologie für das Phänomen Manga. Dieser Zustand war nicht ausreichend für eine differenzierte Aufstellung in Bibliotheken mit entsprechenden Beständen und Schwerpunkten. Der hier präsentierte RVK-Baum für Comics und Comicforschung wird diesem Desiderat gerecht und bietet eine Möglichkeit, Comicbestände adäquat klassifikatorisch abzubilden.

Summary:

In recent years the popular medium of comics has attracted increasing research interest and, consequently, comics have been recognized as objects for collection in libraries. Libraries face the task of classifying the primary sources and especially the scientific research literature on comics in order to present them systematically. Until recently, the most widely used academic library classification in Germany, the Regensburg Classification (RVK), provided only individual notations in some subject classifications and, additionally, a larger area on manga in the Japanese studies section. This situation was not sufficient for a differentiated shelving, or, respectively, classifying in libraries with correspondent resources and priorities. The paper presents a tree of RVK-notations for comics and comic research, which satisfies the desiderata and provides a way to map comic collections adequately to a classificatory scheme.

Zitierfähiger Link (DOI): http://dx.doi.org/10.5282/o-bib/2016H4S186-201
Autorenidentifikation: Franke-Maier, Michael: GND 1112094709
Harbeck, Matthias: GND 138210322, ORCID: 0000-0002-7909-5967
Schlagwörter: Comic; Comicforschung; Regensburger Verbundklassifikation; RVK; Klassifikation

Im Gedenken an unsere Kollegin und Freundin Julia Mayer (1980 - 2016),
der treibenden Kraft hinter der Comic-Sammlung des JFKI

1. Einleitung

Die Vielfalt von Comics könnte nicht besser verdeutlicht werden, als im Vergleich der drei Beispiele, die hier im Titel gewählt wurden:1 Persepolis, eine so genannte Graphic Novel der in Paris lebenden Iranerin Marjane Satrapi,2 bei der Zeichnung und Text in einer Hand liegen und eine Spannung zwischen der Zuordnung zu franko-belgischem Comic oder iranischer Literatur entsteht; Naruto, eine Manga-Serie von Masashi Kishimoto, die in Japan nach der wöchentlichen Veröffentlichung in 700 Einzelkapiteln in 72 Sammelbänden publiziert wurde; und schließlich Superman, der Klassiker des US-Superheldengenres. Dieser wurde in den 1930ern von John Siegel und Joe Shuster erfunden und war seitdem in allen Epochen der US-Comicgeschichte präsent – vom Golden Age, über das Silver und Bronze Age hin in die Moderne, von unzähligen Zeichner/innen, Texter/innen und Autor/inn/en betreut und in unterschiedlichsten Veröffentlichungsformen erschienen: als Zeitungsstrip, Sammelband, Album, Monografie und Zeitschrift.

Wie bildet man eine solche Materie mit klassifikatorischen Mitteln ab? Und gibt es überhaupt einen Bedarf innerhalb Deutschlands, dafür eine Klassifikation zu entwickeln? Wie macht man die Unterschiedlichkeit und Vielfalt für die wissenschaftliche Nutzung einerseits und die bibliothekarisch-pragmatische Inhaltserschließung andererseits praktikabel? Dies waren zentrale Fragen, die sich bei der Gestaltung einer Fachsystematik für Comics und Comicforschung in der Regensburger Klassifikation (RVK) stellten.

2. Situation in Deutschland

Noch vor 15 Jahren wurde vom Comicforscher Ole Frahm attestiert, dass es eine wirklich etablierte Comicforschung nicht gebe: „There is no science of comics“.3 Das hat sich in den letzten Jahren grundlegend geändert, auch wenn man sagen muss, dass die Comicforschung sicherlich nicht mit einem seit langem etablierten Fach wie der Klassischen Philologie zu vergleichen ist. Nichtsdestotrotz gab es in jüngerer Vergangenheit einige Forschungsprojekte und -institute, die Comics zum Gegenstand ihrer wissenschaftlichen Forschung machten bzw. machen, z.B. die Arbeitsstelle für Graphische Literatur (ArGL) in Hamburg, das Comic-Archiv des Instituts für Jugendbuchforschung der Goethe-Universität in Frankfurt/Main, die DFG-Forschergruppe Ästhetik und Praxis populärer Serialität am John-F.-Kennedy-Institut der Freien Universität Berlin, die vom BMBF geförderte Nachwuchsforschergruppe Hybride Narrativität: Digitale und Kognitive Methoden zur Erforschung Graphischer Literatur der Universitäten Potsdam und Paderborn, das Bremer Institut für transmediale Textualitätsforschung, welches sich linguistisch mit Comics auseinandersetzt, sowie das Institut für Germanistik, Vergleichende Literatur- und Kulturwissenschaft der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, welches die Bonner Online-Bibliographie zur Comicforschung betreut.4

Ähnlich sieht es in der Bibliothekslandschaft aus: Noch 2008 stellte Matthias Harbeck die Frage, ob Comics nur Marginalbestand in der Deutschen Bibliothekslandschaft seien, wies dann aber bereits nach, dass Comics längst in den Bibliotheken angekommen seien ‒ wenn auch im Bereich der öffentlichen Bibliotheken sehr viel ausgeprägter als in wissenschaftlichen Bibliotheken, die „gerade im internationalen Vergleich mit großen Sammlungen ein eher kümmerliches Bild“ abgäben. 2015 sieht die Lage dann schon ganz anders aus, wenn eine der größten wissenschaftlichen Bibliotheken Deutschlands, die Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, „Graphic Novels und Comics […] erstmals konzeptionell in die Erwerbungsprofile der Philologien aufgenommen“ hat.5 Darüber hinaus entsteht an der Freien Universität Berlin, an der Bibliothek des John-F.-Kennedy-Instituts, eine größere Sammlung, nicht zuletzt durch den dort ansässigen Fachinformationsdienst Anglo-American Culture, den die Bibliothek gemeinsam mit der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen von der DFG bewilligt bekommen hat. Auch zuvor konnte die Spezialbibliothek an der Freien Universität über Berufungsmittel und Schenkungen der Michigan State University ihre Sammlung von amerikanischen Comics durch Publikationen ab den 1960ern erweitern.6 Auch in anderen Bibliotheken gibt es bzw. entstehen größere Sammlungen, z.B. am Ibero-Amerikanischen Institut der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, das bereits seit Jahren Comics aus Lateinamerika sammelt, an den Universitätsbibliotheken der Humboldt-Universität zu Berlin, der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald (durch Neuberufungen, die Graphic Novels und Comics zum Forschungsgegenstand machen) oder der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, an der Fachbereichsbibliothek Sprache – Literatur – Medien (SLM) der Universität Hamburg, sowie an den Universitätsbibliotheken in Frankfurt und Halle. Und andere Comic-Sammlungen entstehen quasi automatisch durch die Pflichtexemplare.

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Die Entwicklungen in der Forschungs- und Bibliothekslandschaft zeigen, dass die Relevanz von Comics und Graphic Novels in den letzten Jahren zugenommen hat und dass anzunehmen ist, dass das Ausmaß an Institutionalisierung, Festigung und Professionalisierung des Forschungsinteresses weiterhin zunehmen wird. Auch das Publikationsaufkommen seit den 1940er Jahren belegt diesen Bedeutungszuwachs im akademischen Feld, wie eine Studie von Clemens Schwender und Doreen Grahl zeigt (s. Abb. 2). Die Zeiten, in denen Comics durch Schmutz- und Schundkampagnen diffamiert wurden, sind vorbei.

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Die steigende Anzahl an Publikationen und die ersten großen Forschungsprojekte bringen alle Biblio­theken, die die Regensburger Verbundklassifikation anwenden oder zukünftig anwenden wollen, damit in Zugzwang, da die RVK mit ihrem Postulat der Wissenschaftsnähe dieser Entwicklung gerecht werden muss. Dieses Desiderat wurde zuerst in der Universitätsbibliothek Regensburg bewusst und sie initiierte 2013 eine erste Diskussion zur Aufstellung von Graphic Novels in Freihandbereichen.

3. RVK: Klassifizierungsmöglichkeiten derzeit

Die RVK bot bis vor kurzem keine einheitliche, geschweige denn eine zentrale Möglichkeit Comics aufzustellen. Eine Begriffssuche bzw. eine Registersuche in der RVK Online ergibt einige Treffer aus den unterschiedlichsten Fachsystematiken der RVK: Wir finden Notationen explizit zu Comics in der Pädagogik unter Jugendliteratur (DX 4090 - DX 4091), in der Allgemeinen Kunstgeschichte unter Figurendarstellung und Bildergeschichte (LH 71410), in der Soziologie unter Massenkommunikation und Mediensoziologie (MS 7950), in der Allgemeinen und vergleichenden Literaturwissenschaft innerhalb der Literaturgeschichte unter Prosa (EC 7120). Schließlich, wenn man sich vom Begriff Comic löst, auch in den Bereichen Ethnologie und Medien- und Kommunikationswissenschaft versteckt hinter Populären Texten, Gebrauchsliteratur (LC 84000 ff.) und Zeichnung, Grafik, Karikatur (AP 15420).

Vereinzelt finden sich auch in den Literaturwissenschaften, je nach Bekanntheitsgrad, Personenstellen für einzelne Comicautoren, z.B. für René Goscinny, den Erfinder von Asterix, in der Romanistik bei IH 47040 - IH 47041, in der Germanistik für Wilhelm Busch bei GL 3143 - GL 3146 oder in der Kunstgeschichte für Rodolphe Töpffer (LI 89730), sofern man die Bildergeschichten der beiden als Vorreiter des Comics begreifen möchte. Hinzu kommen die Möglichkeiten in der Japanologie für die Klassifizierung und Aufstellung von Mangas und Anime bei EI 6800 - EI 7140, einer der wenigen gut ausdifferenzierten Bereiche für das Phänomen Manga.8 Allerdings stellt sich hier sehr schnell die Frage, ob das Autorenprinzip, also eigene Notationsbereiche für einzelne Autor/inn/en, noch geeignet erscheint, wenn es zu viele japanische Autor/inn/en gibt, die mehr als die derzeit als Richtlinie vorgegebene Menge von 15 Primär- und/oder Sekundärwerken publiziert haben: Was können weitere geeignete Kriterien sein, wenn die Publikationsmenge sich nicht mehr als Unterscheidungsmerkmal eignet und die Anzahl potentieller Notationen begrenzt ist?

Die derzeitige Situation der RVK zeigt zum einen sehr deutlich die vielfältige wissenschaftliche Herangehensweise an das Phänomen Comics und Graphic Novels (z.B. kunstgeschichtlich, gattungstheoretisch, literaturwissenschaftlich oder ethnologisch), zum anderen zeichnet sich aus Perspektive der Nutzer/innen ein gravierendes Retrievalproblem ab. Außerdem mischt sich das Thema Comic hier und da mit anderen Themen, z.B. mit Volksbuch oder Trivialliteratur. Der Bedarf und auch Eckpunkte für Strukturen eines eigenen Baumes manifestieren sich derzeit in der RVK sehr deutlich, da oftmals nur der formale Aspekt Comic, aber keine weitere feinere Differenzierungsmöglichkeit vorliegt ‒ außer natürlich die übergeordnete fachliche Zuordnung.

4. Ein Blick nach Außen

Sichtet man die Praktiken, die andere Bibliotheken bzw. Klassifikationen bzgl. der systematischen Aufstellung von Comics anwenden, findet man mehrere Beispiele zur Orientierung. Drei davon möchten wir näher darstellen: Da ist erstens „Deutschlands einzige Comicbibliothek, Treffpunkt und Anlaufstelle für Comicinteressierte“, wie sich die Comicbibliothek Renate in Berlin selbst bezeichnet, zweitens die Michigan State University Library mit ihrer Comic Art Collection sowie drittens die im englischsprachigen Raum, vor allem in den USA, am weitesten verbreitete Klassifikation, die Dewey Decimal Classification.9 In den folgenden Abschnitten werden die Hauptaufstellungskriterien kurz umrissen.

4.1. Comicbibliothek Renate

Die Comicbibliothek Renate gibt auf ihrer Homepage (Stand 2010) an, dass sie rund 15.000 Comics besitzt. Nach Angaben ihres Organisators, des Comic-Zeichners Auge Lorenz, sind es inzwischen mindestens 20.000 Comics geworden.10 Die Bibliothek wird ehrenamtlich betrieben und leidet an Platzmangel, da sie in einer Berliner Ladenwohnung mit 66 m2 untergebracht ist, die zudem noch Verkaufsfläche beinhaltet. Das hat auch Auswirkungen auf die systematische Aufstellung; Überformate werden z.B. separiert.

Es zeigt sich hier eine erste Mischform der Aufstellung: formale Kriterien vs. inhaltliche Kriterien. Weitere Aufstellungskriterien sind z.B. eine grobe Einordnung nach Sprachen (englisch, deutsch, französisch) und innerhalb der Sprachen nach Oberthemen oder Genres wie z.B. Science Fiction, Independent und Geschichte. Auch eine Aufstellung nach Zielgruppen (Erwachsene) ist zu finden.

Die Sprachaufstellung funktioniert als Findprinzip nur bedingt, da sie viel Expertenwissen über den Erscheinungsverlauf voraussetzt und bei Übersetzungen beliebig wirken kann. Darüber hinaus werden kulturelle Unterschiede innerhalb desselben Sprachraums – z.B. des franko-belgischen Comics zum französischen oder algerischen Comic – nicht abgebildet. Andererseits sind die Beziehungen von Original und Übersetzung manchmal nur sehr schwer erkennbar, durchmischt mit genuinen Produktionen für regionale Märkte – wie im Falle von Disney oder von mundartlichen Varianten der Asterix-Comics.

4.2. Michigan State University Library

Die Michigan State University Library (MSU) konzentriert sich erwartungsgemäß sehr stark auf den US-amerikanischen Raum, mit Ausläufern nach Europa (Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Italien und Spanien). Comics aus weiteren Ländern werden in einer A‒Z-Liste unter einer Notation subsumiert. Betrachtet man diesen Ansatz unter dem Aspekt der asiatischen oder lateinamerikanischen Manga- und Comicproduktion, so wird ein großes Manko dieser Klassifikation sichtbar: die Schwäche für die Anwendung in internationalen Kontexten. Stark ist sie weitestgehend nur im Bereich USA. Hier werden an die Grundnotation PN 6728 mit Punkt in Zehn-Jahres-Abständen die so genannten Zeitalter seit Mitte der 1930er abgebildet. Es ergibt sich eine chronologische Einteilung vom Golden Age über das Silver Age der 1960er und den Mainstream-Comic der 1980er in die Jetztzeit. Das ist sinnvoll bei einer Bibliothek, die sich als stolze Besitzerin einer Sammlung von über 200.000 auf dem amerikanischen Markt veröffentlichten Comics bezeichnen kann.

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Golden Age comic books of the United States, titles beginning in the years from 1935 to 1949

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“Eight-pagers” or “Tijuana bibles”: pornographic comic bocks often illegally using newspaper comic strip characters of the 1920s through 1950s

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Fifties comic books of the United States, titles beginning in the years from 1950 to 1959

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Propaganda, educational and giveaway comic books published in the United States

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Silver Age comic books of the United States, titles beginning in the years from 1960 to 1969

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Fan comic books beginning before 1980

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Seventies comic books of the United States, except undergrounds, titles beginning in the years from 1970 to 1979

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Underground comic books of the United States, titles beginning in the years from about 1967

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Eighties mainstream or color comic books of the United States, titles beginning in the years from 1980 to 1989

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New wave comix, minis, other amateur and self-published zines of the United States, including black and white explosion comic books, artist jams and 24-hour comics. Titles beginning from about 1980

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Nineties comic books of the United States, titles beginning in the years from 1990 to 1999

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21st century decade one comic books of the United States, titles beginning in the years from 2000 to 2009

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Webcomics in print. Printed magazine style comic books originating as web comics

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Teens comic books of the United States, titles beginning in the years from 2010 to 2019

4.3. Dewey Decimal Classification

In der von Melvil Dewey ursprünglich entwickelten, institutionell außerordentlich gut eingebetteten und mittlerweile in der 23. Auflage veröffentlichten Dewey Decimal Classification (DDC) werden Comics unter Künste und Unterhaltung | Grafik & angewandte Kunst | Zeichnung und Zeichnungen eingeordnet, das entspricht der DDC-Klasse 741.11 Nach dem typischen Dezimalpunkt folgt die Einordnung im Baum zu Speziellen Zeichendisziplinen 741.5-741.7.12 Gleich der erste Bereich 741.5 ist für die Comics, Graphic Novels, Fotoromane, Cartoons, Karikaturen, Comicstrips vorgesehen. Anschließend können durch geschicktes Addieren von Nummern aus Hilfstafeln komplexe Inhaltsbeschreibungen generiert werden, so z.B. für das comicbezogene Berufsfeld 741.51023 Techniques, procedures, apparatus, equipment, materials--the subject as a profession, occupation, hobby.13 Eine genauere Analyse der DDC als Vorlage für die Gestaltung eines Klassifikationsbaumes innerhalb der RVK wurde nicht vorgenommen, weil die generelle Funktionsweise der Notationsbildung im Vergleich zur RVK grundsätzlich anders aufgebaut ist.

5. RVK-Antrag AP 88500 - AP 89999 Comics und Comicforschung

5.1. Genese

Bereits Ende 2013 haben sich die Autoren erste Gedanken zu einem Klassifikationsbaum für die Regensburger Verbundklassifikation gemacht. Ein erster, aus der Rückschau betrachtet etwas „überdimensionierter“ Entwurf wurde Ende 2014 auf dem jährlichen RVK-Anwendertreffen präsentiert.14 Strukturell lehnte sich dieser an den Bereich AP Medien- und Kommunikationswissenschaften, Kommunikationsdesign an, beanspruchte für sich aber einen eigenen Doppelbuchstaben, die bisher noch unbesetzte Kombination AQ.

Drei Aspekte wurden an diesem ersten Entwurf stark kritisiert: Er sei erstens zu umfangreich und zweitens wurde die Verwendung eines eigenen Buchstabens als problematisch empfunden. Es formierte sich zur dieser Zeit, auch durch einen Antrag zur Gesundheitswissenschaft, in dem ebenfalls ein eigener Doppelbuchstabe (MT) gefordert wurde, in Regensburg und in der Anwendergemeinde das Bewusstsein, dass es Regelungen für die Vergabe der letzten frei bleibenden Doppelbuchstaben geben müsste. Dieser Fragestellung soll sich der neu berufene RVK-Beirat als eine der ersten Amtshandlungen widmen. Als Drittes wurde auch der sehr umfangreiche Regionalbereich kritisiert, der sich an der regionalen Aufteilung in der politikwissenschaftlichen Fachsystematik – MG - MI Politische Systeme einzelner Länder – orientierte.

Die Universitätsbibliothek Regensburg wies jedoch die Autoren darauf hin, dass im Bereich AP, zwischen Tanz und Fotografie, eine Lücke existiere, die für den Comic-Bereich genutzt werden könne.

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5.2. Grundprinzipien

Der Antrag wurde in enger Zusammenarbeit mit Regensburg verschlankt, überarbeitet, in die Lücke eingepasst und analog den Strukturen im Bereich Medien- und Kommunikationswissenschaften, Kommunikationsdesign – vor allem im Bereich der Sekundärliteratur – harmonisiert. Elemente, die der Spezifität von Comics und Comicforschung gerecht werden, wurden ergänzt, wie z.B. Notationen für Fankultur, Beziehungen zu anderen Mediengattungen wie Filmen oder Computerspielen oder die Abgrenzungen der gestalterischen Arbeitsbereiche.

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Der ursprüngliche Vorschlag zur regionalen Aufteilung konnte trotz aller Kritik erfreulicherweise erhalten bleiben: Regionale Bereiche in der RVK haben sehr häufig den Raum Deutschland oder Europa im Fokus und genügen nicht mehr einer Klassifikation, der bereits unter dem Slogan „RVK goes international“ als Zukunftsperspektive die „Entwicklung von sprach- und kulturübergreifenden Arbeitsmöglichkeiten bzw. -Umgebungen“ attestiert wurde.15 Hierbei steht der RVK ihre historische Genese und ihre pragmatische Herangehensweise bei Erweiterungen manchmal im Wege, weswegen ihr die oben genannte regionale Fokussierung immer wieder zum Vorwurf gemacht wird. Gerade dies wollten die Autoren nicht reproduzieren und haben versucht, mit einer systematischen Herangehensweise beim Erstellen des regionalen Bereichs für die Primärliteratur der Comics eine moderne Vorlage zu erarbeiten, die ggf. auch für andere Bereiche zukünftig nutzbar gemacht werden kann.

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Ein weiterer Grund für die Gestaltung eines systematischen Regionalbereiches liegt darüber hinaus in der sehr starken Orientierung der Comic-Produktion – gerade auch der großen Medienkonzerne wie Disney oder Marvel – an regionalen Märkten: Hier ist die Zuordnung und ggf. die Aufstellung von Primärliteratur nach einem klaren Regionalprinzip, dem zufolge alles beim jeweiligen Erscheinungsland gebündelt wird, für die systematisierenden Bibliothekar/inn/e/n sehr von Vorteil und ermöglicht eine eindeutige Zuordnung auch für Laien. Von Nachteil ist, dass Übersetzungen ggf. nicht beim Original verortet sind, eine Frage, die jede Bibliothek letztlich für sich selbst klären sollte.

5.3. Schlüssel für Primärliteratur

Eine andere Frage, die zu klären war und die oben schon angedeutet wurde: Was macht man mit dem in den Philologien gängigen Autorenprinzip? Eignet sich dies auch für die Aufstellung bzw. Systematisierung von Comics? Was passiert z.B. mit Fanfiction, aus der ggf. später eigenständige Publikationen entstehen?16

Neben Comics, deren Texte und Bilder von ein und derselben Person geschrieben und gezeichnet werden, gibt es zahlreiche Comics, bei denen zwei oder mehr Beteiligte in die Text- und Bildgestaltung involviert sind. Schnell würde sich beim Autorenprinzip die Frage stellen, welche der beteiligten Personen bevorzugt zu berücksichtigen sei. Dieses Problem wird im Antrag mit der nachstehenden vierteiligen Schlüsselung gelöst. Verwendet werden Schlüssel für Anthologien, für Serien nach Titeln, für Werke mit abgeschlossenem Charakter von ein bis zwei Autor/inn/en sowie für Alben oder mehrbändige Werke mit mehr als zwei oder wechselnden Beteiligten.

+0 Anthologien

Unter Anthologien würde man z.B. die im Stuttgarter Verlag Panini Comics erschienene Joker-Anthologie „Die grössten Schurkenstücke des Verbrecherclowns“ oder die Batman-Anthologie „20 legendäre Geschichten über den Dunklen Ritter“ aufstellen.17

+1 Serien nach Titeln

Klassische amerikanische Mainstream-Heft-Serien wie „Archie, Action Comics oder The Amazing Spider-Man“ würde man theoretisch unter dem Serientitel aufstellen/klassifizieren, da sie über die Jahrzehnte von hunderten verschiedener Künstler/innen bearbeitet wurden. In der Praxis vermeiden allerdings viele Bibliotheken den Erwerb der dünnen, vom Comicbibliothekar der MSU, Randy Scott, „Floppys“ genannten Hefte und würden sie auch ungern in Freihand aufstellen. Sie bevorzugen in der Erwerbung und für die Freihandaufstellung die zu „Trade Paperbacks“ (TPB) gebundenen Sammelbände, die dann doch wieder häufig von ein bis zwei Personen hauptsächlich verantwortet wurden und oftmals sogar einen eigenen „story arc“ verfolgen. Hier muss man entscheiden, ob man wie gerade beschrieben verfahren will, oder ob man solche TPBs mit +3 klassifiziert (siehe unten). Schließlich ist auch der Fall denkbar, dass die Schöpfer/innen so prominent und wichtig sind, die Geschichte so herausragend ist, dass die Klassifizierung des TPBs sogar bei +2 Sinn machen könnte.

+2 Werke mit abgeschlossenem Charakter von ein oder max. zwei Personen

Als Beispiel für Werke mit abgeschlossenem Charakter von ein oder max. zwei Personen kann z.B. die neun Bände umfassende britische Reihe Preacher genannt werden, sofern man die Urheberschaft der Coverillustrationen durch Glenn Fabry vernachlässigt. Die Reihe ist von dem Autor Garth Ennis und dem Zeichner Steve Dillon kooperativ entwickelt worden. Hier stellt sich die Frage der Vercutterung (Autorschaft oder Gestaltung), die jede Bibliothek für sich entscheiden muss.

+3 Alben oder Mehrbändige Werke mit mehr als zwei oder wechselnden Beteiligten

Bis vor kurzem hätte man die Reihe um den Gallier Asterix unter den Werken von max. zwei Personen aufgestellt, da diese aus der Feder von zwei Beteiligten stammte, dem Autor René Goscinny und dem Zeichner Albert Uderzo. Durch den Wechsel der Autorschaft 2013, als der Autor Jean-Yves Ferri und der Zeichner Didier Conrad den Band „Astérix chez les Pictes“ veröffentlichten, wechselten die Beteiligten, insofern müsste man heute die Notation AP 89348 - AP 89351 Frankreich > AP 89351 Alben oder Mehrbändige Werke mit mehr als zwei oder wechselnden Beteiligten vergeben.

6. Schlussbemerkung

Der zum Zeitpunkt des Vortrags auf dem 6. Leipziger Bibliothekskongress 2016 noch in Abstimmung befindliche Antrag wurde mittlerweile in der Neumeldungsliste 57 angenommen und ist seit 15.06.2016 in der RVK-Online nutzbar.

Die Vielfalt der Comicproduktion und ihre unterschiedliche stilistische und kulturelle Ausprägung in einer Klassifikation abzubilden stellt eine Herausforderung dar. Diese ist auch mit diesem Ansatz nicht völlig gelöst: Verschiedene Stile lassen sich im Primärbereich nicht unterscheiden, die Vercutterungs­frage nach Autor/inn/en oder Künstler/innen und die Zuordnung oder getrennte Aufstellung von Übersetzungen bleiben jeder Einrichtung selbst überlassen. Im Vergleich zu vorher gibt es aber nun endlich eine Möglichkeit innerhalb der am weitesten verbreiteten wissenschaftlichen Klassifikation des deutschsprachigen Raumes, die vielfältige Sekundärliteratur zum Themenbereich differenziert aufzustellen und die nationalen Produktionen voneinander zu trennen und repräsentativ zu bündeln.

Im Retrieval bietet der neue Systemabschnitt mannigfaltige Möglichkeiten, Primär- und Sekundärliteratur zu filtern. Wenn man weiterhin berücksichtigt, dass Comics verstärkt in der verbalen Sacherschließung verschlagwortet werden, lässt sich konstatieren, dass die deutschsprachige Inhaltserschließung für das Medium Comic damit Anschluss an internationale Standards und Lösungen gefunden hat. Allen daran Beteiligten und insbesondere den Regensburger Kolleginnen möchten wir für die konstruktive Zusammenarbeit danken.

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1 Der Comic-Begriff wird in diesem Aufsatz als Oberbegriff für alle Formen sequentiellen Erzählens mit Bild und Text benutzt, siehe Scott McCloud, Understanding Comics: The Invisible Art, (New York: Harper Perennial, 1994). Zur Problematisierung der Bezeichnung Graphic Novel vgl. Lars von Törne, „Vom Türöffner zur Streitaxt,“ in Der Tagesspiegel online, 04.07.2014, zuletzt geprüft am 22.07.2016, http://www.tagesspiegel.de/kultur/comics/graphic-novels-vom-tueroeffner-zur-streitaxt/10144890.html.

2 Zur Veröffentlichungsgeschichte von Persepolis vgl. M. Keith Booker, Comics Through Time: A History of Icons, Idols, and Ideas (Westport, CTA: Greenwood, 2014), 1679-1680.

3 Ole Frahm, „Weird Signs. Comics as Means of Parody,“ in Comics and Culture. Analytical and Theoretical Approaches to Comics hrsg. Anne Magnussen und Hans-Christian Christiansen, (Kopenhagen: Museum Tusculanum Press, 2000), 177.

4 „Arbeitsstelle für Graphische Literatur (ArGL),“ zuletzt geprüft am 09.04.2016, https://www.slm.uni-hamburg.de/imk/forschung/arbeitsstellen-zentren/argl.html.
„Comic-Archiv des Instituts für Jugendbuchforschung,“ zuletzt geprüft am 09.04.2016, https://www.uni-frankfurt.de/54085409/Comic-Archiv.
„DFG-Forschergruppe 1091 „Ästhetik und Praxis populärer Serialität,“ zuletzt geprüft am 09.04.2016, http://www.popularseriality.de/.
„Nachwuchsgruppe „Hybride Narrativität,“ zuletzt geprüft am 09.04.2016, https://blogs.uni-paderborn.de/graphic-literature/.
„Bremer Institut für transmediale Textualitätsforschung,“ zuletzt geprüft am 09.04.2016, http://www.fb10.uni-bremen.de/bitt/.
„Bonner Online-Bibliographie zur Comicforschung,“ zuletzt geprüft am 10.04.2016, https://www.germanistik.uni-bonn.de/institut/abteilungen/abteilung-fuer-neuere-deutsche-literaturwissenschaft/abteilung/personal/trinkwitz_joachim/bobc.

5 Matthias Harbeck, Das Massenmedium Comic als Marginalbestand im deutschen Bibliothekssystem? Analyse der Sammlungsstrategien und -absprachen in wissenschaftlichen und öffentlichen Bibliotheken, Berliner Handreichungen zur Bibliotheks- und Informationswissenschaft 253 (Berlin: Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft der Humboldt-Universität zu Berlin, 2009), 75. - Indra Heinrich, „BAM! BANG! BOOM! Superhelden an der Staatsbibliothek,“ SBB aktuell (Blog), 28. Dezember 2015, zuletzt geprüft am 10.04.2016, http://blog.sbb.berlin/superhelden-an-der-staatsbibliothek/. Bereits vorher hat die Staatsbibliothek zu Berlin Comics über die Kinder- und Jugendbuchabteilung erworben.

6 „Comics lesen in der Instituts-Bibliothek. Neue Comic-Sammlung des John-F.-Kennedy-Instituts der Freien Universität eröffnet am 25. November,“ Pressemitteilung der Freien Universität Berlin Nr. 400/2014 vom 18.11.2014, zuletzt geprüft am 10.04.2016, http://www.fu-berlin.de/presse/informationen/fup/2014/fup_14_400-eroeffnung-comicsammlung-keith-knight.

7 Clemens Schwender und Doreen Grahl, „Bildergeschichten zwischen Anfeindung, Anerkennung und Missachtung. Die Darstellungsform Comics aus Sicht der historischen Kommunikationsforschung,“ in Historische Perspektiven auf den Iconic Turn. Die Entwicklung der öffentlichen visuellen Kommunikation, hrsg. Stephanie Geise et al. (Köln: Herbert von Halem Verlag, 2016), 235.

8 Manga führen eine Klassifikation für Comics vor einige grundsätzliche Probleme: Ursprünglich waren sie ein rein japanisches Kulturgut, wenngleich mit transkulturellen Einflüssen. Inzwischen gibt es beinahe überall auf der Welt Mangaka, das sind Künstler/innen, deren Stil und Erzählstoffe sich am japanischen Mainstream-Manga orientieren. Begreift man nun Manga als eigenes Medium, dem Comic zwar anverwandt, aber mit einer eigenen visuellen Sprache, die sich von den Erzähltypen der Comics unterscheidet? Oder sind sie nur ein eigener Stil? Dagegen spricht die außerordentliche Varianz der Erzählweisen der japanischen Manga z.B. zwischen vielen Werken Jirō Taniguchis und erfolgreichen Reihen wie Masashi Kishimotos und Miyuki Tsujis Naruto. Aufstellungstechnisch würde eine Trennung von Comics und Manga oftmals Sinn machen, da Manga (wenn man von den Magazinen, in denen sie ursprünglich zuerst erscheinen, absieht) in der Regel als kleinformatige Taschenbücher erscheinen und kompakt aufzustellen wären. Auch die Communities sind derzeit noch oft getrennt. Aber gerade in Ländern wie Deutschland oder den USA verwischen die Grenzen zwischen den Communities und Stilen – wo sollte man solche Erzeugnisse einordnen, trennte man zwischen Comics und Manga? Das Standardwerk zur Einführung in den komplexen Bereich der Manga ist: Jaqueline Berndt, Phänomen Manga: Comic-Kultur in Japan (Berlin: be.bra, 1995).

9 „Comicbibliothek Renate,“ zuletzt geprüft am 20.04.2016, http://www.renatecomics.de/sites/about.htm.
„Michigan State University Library. Comic Art Collection,“ zuletzt geprüft am 20.04.2016, http://comics.lib.msu.edu/aboutcom.htm.
„WebDewey Search,“ zuletzt geprüft am 20.04.2016, http://deweysearchde.pansoft.de/.

10 Auge Lorenz, E-Mail an Matthias Harbeck, 20.06.2016.

11 Zur DDC vgl. z.B. Vanda Broughton, Essential Classification (London: Facet Publishing, 2015), 199-217.

12 Die DDC bzw. die anwendenden Bibliotheken klassifizieren Graphic Novels in der Praxis durchaus auch mit Notationen aus dem Bereich der Philologien (800), vgl. dazu die entsprechenden „Discussion papers,“ zuletzt geprüft am 21.07.2016, https://www.oclc.org/dewey/discussion.en.html.

13 „Web Dewey,“ zuletzt geprüft am 01.07.2016, http://dewey.org/webdewey/standardSearch.html (Zugang nur mit Lizenz möglich).

14 Matthias Harbeck und Michael Franke, „KNAX und YPS in der RVK: Ein Baum für Comic Strips, Comics und Graphic Novels“ (Vortrag gehalten auf dem Anwendertreffen der Regensburger Verbundklassifikation, Regensburg, 11. und 12. November 2014), zuletzt geprüft am 04.07.2016, http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:355-epub-340347.

15 Rafael Ball, „RVK – Ein Instrument für die Zukunft“ (Vortrag gehalten auf dem Anwendertreffen der Regensburger Verbundklassifikation, Regensburg, 29. November 2012), zuletzt geprüft am 12.07.2016, https://mediathek.uni-regensburg.de/playthis/51f676bddf0041.92521021, ca. 13te Min.

16 Gerade im Manga-Bereich, aber auch bei anderen Comic- und auch Literaturformen, ist die so genannte Fanfiction/Fan-Art ein wichtiger werdendes Phänomen (beim Manga „Dōjinshi“ genannt), das sich mittlerweile nicht nur im Internet niederschlägt, sondern auch in Printpublikationen widerspiegelt. Einige ehemalige Dōjinshi-Schöpfer/innen sind so erfolgreich geworden, dass sie mittlerweile in etablierten Verlagen publizieren können.

17 „Joker-Anthologie: die grössten Schurkenstücke des Verbrecherclowns,“ zuletzt geprüft am 12.07.2016, http://www.paninishop.de/artikel/joker-anthologie.
„Batman-Anthologie: 20 legendäre Geschichten über den Dunklen Ritter,“ zuletzt geprüft am 12.07.2016, http://www.paninishop.de/artikel/batman-anthologie.