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Aus der Deutschen Forschungsgemeinschaft

Ausschuss für Wissenschaftliche Bibliotheken und Informationssysteme (AWBI)

Am 20.04.2016 kam der Ausschuss für Wissenschaftliche Bibliotheken und Informationssysteme (AWBI) in neuer Zusammensetzung zu seiner Frühjahrssitzung in der Deutschen Zentralbibliothek für Wirtschaftswissenschaften in Hamburg zusammen. Dem AWBI gehören z.Zt. 14 Mitglieder an. Zum Januar 2017 ist eine Erweiterung auf 18 Mitglieder vorgesehen, um das thematische Spektrum der wissenschaftlichen Informationsinfrastrukturen sowie die unterschiedlichen Wissenschaftsbereiche umfänglich zu repräsentieren. Somit werden sowohl die Seite der Anbieter von Infrastrukturen als auch die Seite der Nutzerinnen und Nutzer vertreten. Die aktuelle Zusammensetzung des Ausschusses findet sich in der Tabelle am Ende des Artikels.

Die bisherigen vier Unterausschüsse des AWBI für Überregionale Literaturversorgung, Erschließung und Digitalisierung, Elektronische Publikationen sowie für Informationsmanagement wurden nicht neu berufen. An ihre Stelle tritt künftig eine flexiblere fachliche Substruktur. Vorgesehen ist, für definierte Aufgabenstellungen Expertenkommissionen und Ad-hoc-Arbeitsgruppen einzusetzen, Workshops und Expertengespräche anzustoßen oder Expertinnen und Experten in Sitzungen anzuhören.

Neben der abschließenden Bewertung einer Reihe von Anträgen sowie Berichten hat sich der AWBI mit folgenden Themen befasst:

Zwischenbilanz zu den Fachinformationsdiensten für die Wissenschaft (FID)

Im vergangenen Jahr konnte die auf drei Jahre angelegte Überführung der Sondersammelgebiete (SSG) in Fachinformationsdienste (FID) abgeschlossen werden. Daher hat der AWBI eine erste Zwischenbilanz zu den FID gezogen. Trotz der in der Natur der Sache liegenden unterschiedlichen Schwerpunktsetzung in der Förderung sind zwei zentrale Punkte als übergreifend für alle FID festzustellen: zum einen der verbesserte Zugang zu digitalen Medien, zum anderen der Dialog mit der Forschung. Gerade im zweiten Punkt ist gegenüber den SSG eine deutliche Verbesserung festzustellen, hier erfolgt inzwischen eine wesentlich engere Zusammenarbeit zwischen den Bibliotheken und den jeweiligen Fachcommunities. Dagegen erscheint es wichtig, Maßnahmen zu unternehmen, um den Zugang zu digitalen Angeboten noch deutlich zu verbessern. Um den Bibliotheken dafür mehr Geld zur Verfügung zu stellen und zusätzliche Anreize zu schaffen, ist eine Senkung des Eigenleistungsanteils an den Kosten für überregionale Lizenzen von 30% auf 15% sinnvoll. Zudem soll durch Rundgespräche die Vernetzung der FID-Bibliotheken untereinander sowie ihre Selbstorganisation gestärkt werden.

Im Juli 2016 hat sich auch der Hauptausschuss mit der Zwischenbilanz zu den FID befasst und den Vorschlägen des AWBI zugestimmt. Die Senkung der Eigenleistungsquote wird zum 1. Januar 2017 umgesetzt. 2018 steht die Entscheidung über die Zukunft der Förderung der FID an. Als Grundlage für diese Entscheidung soll das Programm in den kommenden zwei Jahren evaluiert werden. In diesem Zusammenhang ist in der Diskussion des AWBI betont worden, dass das Programm auf langfristige Ziele ausgerichtet ist und viele Vorhaben noch am Anfang stehen. Daher wird es bei der Beratung der Evaluierungsergebnisse nicht allein um die Leistungsfähigkeit der FID gehen, sondern auch um organisatorische und finanzielle Aspekte sowie um eine Differenzierung zwischen projektartiger Förderung und langfristiger Trägerschaft.

Pilotphasen zur Digitalisierung archivalischer Quellen, mittelalterlicher Handschriften und historischer Zeitungen

Zur Vorbereitung größerer Förderlinien wurden in Pilotphasen die organisatorischen, technischen und methodischen Rahmenbedingungen zur Digitalisierung archivalischer Quellen, mittelalterlicher Handschriften und historischer Zeitungen erarbeitet. Die inzwischen zu allen drei Pilotphasen vorliegenden Abschlussberichte werden von den zuständigen Gremien der DFG ausgewertet. Der AWBI hat die ersten Ergebnisse der Begutachtung zur Kenntnis genommen und eine Ad-hoc-AG zur Weiterentwicklung der DFG-Praxisregeln „Digitalisierung“ eingesetzt. Nach Vorliegen aller relevanten Informationen und der Schaffung der jeweils notwendigen Voraussetzungen können entsprechende Förderangebote ausgestaltet werden. Bis dahin können weiterhin keine Anträge zur Digitalisierung der jeweiligen Materialgruppen entgegen genommen werden. Hervorgebracht haben die Pilotphasen bereits Handreichungen für die Durchführung von Digitalisierungsvorhaben zu archivalischen Quellen und mittelalterlichen Handschriften.1

Erschließung und Digitalisierung forschungsrelevanter Sammlungen wissenschaftlicher Objekte

Im Rahmen des Workshops „Erschließung und Digitalisierung forschungsrelevanter Sammlungen wissenschaftlicher Objekte“ Ende Januar 2016 in Bonn waren die Bedarfe, Herausforderungen und Grenzen der Erschließung und/oder Digitalisierung wissenschaftlicher Objektsammlungen in ihrer Vielschichtigkeit erörtert worden, um Erkenntnisse für das mögliche künftige Förderhandeln zu gewinnen. Grundlage des Workshops waren die Ergebnisse und Erfahrungen der Projekte aus den beiden Ausschreibungen „Erschließung und Digitalisierung von objektbezogenen wissenschaftlichen Sammlungen“ (2011) und „Standardbildung zur Erschließung und/oder Digitalisierung von Objektgattungen in wissenschaftlichen Sammlungen“ (2013). Der AWBI hat sich die intensive Befassung mit dem Themenkomplex auf die Agenda gesetzt: Die im Workshop herausgearbeitete Relevanz der Standardisierung und Datenmodellierung sowie der Formen der Bereitstellung und Vernetzung wird bei der weiteren Ausgestaltung des Förderbereichs „Erschließung und Digitalisierung“ von Bedeutung sein.

Open-Access-Transformation

Die DFG hat eine von der Max-Planck-Gesellschaft initiierte „Expression of Interest“ zur großflächigen Open-Access-Transformation unterzeichnet. Vorgeschlagen wird von der Max-Planck-Gesellschaft, Mittel aus den Erwerbungsetats nicht mehr für die Lizenzierung digitaler Inhalte einzusetzen, sondern diese für die Finanzierung von Open-Access-Publikationskosten zu verwenden, um so die Open-Access-Transformation in der Breite voran zu bringen. Für die DFG stellt sich die Frage, was sie dazu beitragen und wie sie insbesondere die Universitäten dabei unterstützen kann. Da es sich um komplexe Fragestellungen handelt, die weit über eine Budgetumschichtung hinausgehen, hat sich der AWBI dafür ausgesprochen, entsprechende Vorschläge von einer Arbeitsgruppe entwickeln zu lassen.

Positionspapier „Die digitale Transformation weiter gestalten – Der Beitrag der Deutschen Forschungsgemeinschaft zu einer innovativen Informationsinfrastruktur für die Forschung“

Da die im Positionspapier von 2012 genannten Aufgaben weitgehend umgesetzt worden sind, hat der AWBI beschlossen, in einer erneuten Klausurtagung im Mai 2017 sich mit nun anstehenden Herausforderungen auseinanderzusetzen. Dabei sollen neben dem Förderportfolio und der Programmentwicklung die Wirkung und Nachhaltigkeit der Förderung sowie das Zusammenspiel mit anderen Akteuren auf nationaler und internationaler Ebene erörtert werden.

Gemeinsame Sitzung des Ausschusses für Wissenschaftliche Bibliotheken und Informationssysteme (AWBI) und der Kommission für IT-Infrastruktur (KfR)

Am Vortag seiner Sitzung hat der AWBI bereits zum zweiten Mal gemeinsam mit der Kommission für IT-Infrastruktur (KfR) der DFG zum Thema „Digitale Wissenschaft“ getagt. Darüber hinaus haben sich die Gremien mit den aktuellen Aktivitäten auf europäischer Ebene zu den beiden Themen Forschungsdaten und Open Science befasst. Zudem wurde von beiden Gremien die Vorbereitung einer Ausschreibung zur Nachhaltigkeit von Forschungssoftware beschlossen.

Zusammensetzung des Ausschusses für Wissenschaftliche Bibliotheken und Informationssysteme 2016/2017

Professor Dr. Jörg Bendix

Philipps-Universität Marburg

Fachgebiet Klimageographie und Umweltmodellierung

Dr. Klaus-Rainer Brintzinger

Ludwig-Maximilians-Universität München

Universitätsbibliothek

Dr. Marianne Dörr

Eberhard-Karls-Universität Tübingen

Universitätsbibliothek

Professor Dr. Martin S. Fischer

Friedrich-Schiller-Universität Jena

Institut für Spezielle Zoologie und

Evolutionsbiologie mit Phyletischem Museum

Professor Dr. Iryna Gurevych

Technische Universität Darmstadt

Fachbereich Informatik

Ubiquitous Knowledge Processing Lab

Professor Dr. Fotis Jannidis

Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Philosophische Fakultät I

Institut für Deutsche Philologie

Professor Dr. Gudrun Oevel

Universität Paderborn

Zentrum für Informations-Medientechnologien (IMT)

Dr. Kathrin Paasch

Universität Erfurt

Universitäts- und Forschungsbibliothek Erfurt/Gotha

Professor Dr. Barbara Pfetsch

Freie Universität Berlin

Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft

Dr. Veit Probst (Vorsitz)

Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

Universitätsbibliothek

Professor Dr. Ulrich Johannes Schneider

Universität Leipzig

Universitätsbibliothek

Katrin Stump

Technische Universität Braunschweig

Universitätsbibliothek

Dr. Marcus Stumpf

LWL-Archivamt für Westfalen Münster

Professor Dr. Peter Westhoff

Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

Institut für Entwicklungs- und Molekularbiologie der Pflanzen

Deutsche Forschungsgemeinschaft, Gruppe „Wissenschaftliche Literaturversorgungs- und Informationssysteme“ (LIS)

Zitierfähiger Link (DOI):http://dx.doi.org/10.5282/o-bib/2016H3S60-63

1 Vgl. Webseite der Gruppe LIS – Förderangebote in Vorbereitung, zuletzt geprüft am 05.08.2016, httphttp://www.dfg.de/foerderung/programme/infrastruktur/lis/lis_foerderangebote/foerderangebote_vorbereitung/index.html.

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