obib_2016-2_hohoff

Wissenschaftliche Bibliothekarinnen und Bibliothekare als Opfer der NS-Diktatur. Eine Übersicht über 250 Lebensläufe seit dem Jahr 1933

Teil 2: Emigration, Widerstand, Deportation und Gefangenschaft

Ulrich Hohoff, Universitätsbibliothek Augsburg

Zusammenfassung:

Bis heute ist nicht bekannt, wie viele Personen 1933 bis 1945 im Bibliothekswesen innerhalb des deutschen Machtbereichs Opfer der NS-Diktatur geworden sind. In zweijährigen Recherchen wurden 250 (vor allem wissenschaftliche) Bibliothekarinnen und Bibliothekare ermittelt, die in Deutschland, in Österreich und in den durch deutsche Truppen besetzten Ländern Opfer dieser Diktatur wurden. 89 von ihnen waren Mitglieder des Vereins Deutscher Bibliothekare (VDB).

Dieser zweite Teil der Dokumentation1 informiert eingangs über 131 Exilaufenthalte von Bibliothekarinnen und Bibliothekaren, die ab 1933 emigrieren mussten. Dann wird an 63 Kolleginnen und Kollegen erinnert, die Widerstand gegen die NS-Diktatur geleistet haben. Abschließend sind 52 Fälle der Deportation in ein Konzentrationslager oder ein Ghetto dokumentiert. Auch Überlebende und Remigranten werden verzeichnet. Zu diesen Themen waren bisher kaum Fakten bekannt.

Summary:

Up to now it hasn’t been known exactly how many librarians became victims of the Nazi regime between 1933 and 1945 in the area of German control. As a result of a two-year research, 250 (mostly academic) librarians were identified as victims of the regime in Germany, Austria and in the occupied countries. There were 89 members of the Association of German Librarians (VDB) among them. The second part of this documentation starts with 131 exiles of librarians who had to leave their country. It continues with a commemoration of 63 librarians resisting NS-dictatorship in their professional or private lives. The paper closes with a documentation of 52 cases of deportation to a Nazi concentration camp or a ghetto. Surviving persons and remigrants are also listed. Very few facts were known about these topics until today.

Zitierfähiger Link (DOI): http://dx.doi.org/10.5282/o-bib/2016H2S1-41
Autorenidentifikation:
Hohoff, Ulrich: GND 11170832X
Schlagwörter: Wissenschaftlicher Bibliothekar; Wissenschaftliche Bibliothekarin; Nationalsozialismus; Emigration; Widerstand; Deportation

2. Emigration

Ein Teil der Bibliothekarinnen und Bibliothekare, die in Deutschland, Österreich und den besetzten Ländern während der NS-Diktatur ihre Arbeit verloren, konnte emigrieren. Viele Einträge im „Lexikon deutscher wissenschaftlicher Bibliothekare 1925-1980“2 zu Bibliothekaren, die aus Deutschland vertrieben wurden, brechen mit der Entlassung ab dem Jahr 1933 ab. Das weitere Schicksal der ehemaligen Kolleginnen und Kollegen war den Bibliotheken, welche die Personaldaten für das Lexikon zur Verfügung stellten, sehr oft nicht bekannt; in vielen Fällen blieb es bis heute unbekannt.

2.1. Liste der Emigranten nach Zielländern

Die folgende längere Liste fasst Informationen über einzelne Emigranten der NS-Diktatur aus dem wissenschaftlichen Bibliothekswesen in kurzer Form zusammen. Dafür wurden vor allem Personenlexika und Forschungsbeiträge über diesen Personenkreis ausgewertet.

Das Alphabet der Exilländer bestimmt die Abfolge. Länder, die weniger als ein Jahr lang aufgesucht wurden, sind nicht aufgeführt, um die Liste nicht zu verlängern. Nach dem Namen des Emigranten bzw. der Emigrantin folgen das Geburtsjahr und die Bibliothek, in der sie vor der Emigration zuletzt tätig waren, dann das Jahr der Emigration und das Exilland. Falls weitere Informationen gefunden werden konnten, sind folgende Angaben enthalten: der Aufenthaltsort, die Aufenthaltsdauer, Stichpunkte zu bibliothekarischen bzw. beruflichen Tätigkeiten sowie zur weiteren beruflichen Entwicklung, das Sterbejahr und der Sterbeort.3 Nach der Liste der Exilländer folgen einige zusammenfassende Informationen.

Ägypten

Jan Pepino (geb. 1898, Einkaufshaus für Büchereien sowie Städtische Bücherhallen, Leipzig): 1934 Emigration aus Leipzig nach Ägypten. Dort bis 1939 Leiter der deutschen Buchhandlung in Kairo. 1939 in Griechenland; durch deutsche Besatzungstruppen an Deutschland ausgeliefert. Arbeit in einer Firma für Drucksachen und Büromaterial. Bei der Dienstverpflichtung zur Wehrmacht 1942 tauchte Pepino bis Kriegsende unter.

Argentinien

Paul Zech (geb. 1881, Berliner Stadtbibliothek): 1933 Emigration aus Berlin zu seinem Bruder nach Buenos Aires. Arbeit als freiberuflicher Schriftsteller. Redaktionsmitglied „Deutsche Blätter“ (Santiago de Chile). Zuwendungen durch Hilfsorganisationen in den USA. 1946 in Buenos Aires gestorben.

Australien

Wilhelm Rechnitz (geb. 1899, Universitätsbibliothek Leipzig): Internierung als feindlicher Ausländer in England (s. dort), 1940 Deportation nach Australien. 1943 bis 1952 Dozent und Bibliothekar an verschiedenen Colleges. Dann Priester der Church of England. Dienst auf australischen Inseln. Publikationen über indigene Sprachen. 1972 oder 1973 Rückkehr nach Brisbane. 1978 dort gestorben.

Belgien

Walter Gottschalk (geb. 1891, Preußische Staatsbibliothek, Berlin): 1939 Emigration aus Berlin nach Belgien zu Verwandten. Nach der Besetzung Belgiens durch deutsche Truppen 1941 Emigration in die Türkei (s. dort).

Ernst Honigmann (geb. 1892, Preußische Staatsbibliothek, Berlin): 1933 Emigration aus Berlin nach Brüssel. 1934 bis 1940 Institut de Philologie et d‘Histoire Orientales et Slaves der Université Libre de Bruxelles. 1940 durch deutsche Besatzungstruppen verhaftet und nach Südfrankreich deportiert. Von dort Emigration in die USA (s. dort).

Bulgarien

Heinrich Schneider (geb. 1889, Staatliche Bibliotheken Lübeck): 1933 Emigration aus Lübeck nach Bulgarien. 1933 bis 1934 Professor für deutsche Sprache und Literatur sowie Abteilungsleiter moderne Sprachen am American College, Sofia. 1936 Emigration in die USA (s. dort).

Chile

Ernst Vatter (geb. 1888, Völkerkundemuseum sowie Stadtbibliothek Frankfurt/Main): 1939 Emigration aus Frankfurt/Main mit der Familie (drei Generationen) nach Chile. Einstellung der wissenschaftlichen Arbeit. Weiteres nicht bekannt. 1948 in Limache gestorben.

Dänemark

Olga Hallervorden (geb. 1898, Stadtbibliothek Berlin-Wilmersdorf)4: 1933 Emigration aus Berlin nach Dänemark. Schreibkraft und Übersetzerin eines Pressebüros in Kopenhagen. Sekretärin der Emigrationsorganisation der KPD. 1937 Übersiedlung nach Spanien (s. dort).

Karl Raloff (geb. 1899): Der Journalist emigrierte 1933 aus Hannover nach Kopenhagen. 1936 bis 1940 dort als Leiter der Arbejderbevaegelsens Bibliotek og Arkiv (ABA) erstmals bibliothekarisch tätig. Mitarbeit in der Exil-SPD. Journalistische Arbeiten und Bücher gegen die NS-Diktatur. 1940 Flucht nach Schweden. 1940 bis 1942 als staatenloser Flüchtling in Kinnahult (Dänemark). Sprachlehrer, Kontorist, Lagerist. Ab 1943 wieder publizistisch aktiv, ab 1945 in Kopenhagen. Karriere als Journalist und Publizist. 1976 bei einem Besuch in Travemünde gestorben.

Deutschland

Amalie Rosenblüth (geb. 1892, Bibliothekarin und Dozentin am Philosophischen Institut der Universität Wien): 1942 Flucht nach Deutschland und Namenswechsel (Margarete Dengler, auch Dendler), um nicht erkannt zu werden.5 Im Jahr 1947 Übersiedlung in die USA; in den 1960er-Jahren Mitarbeiterin des Entwicklungspsychologen René A. Spitz, New York. 1979 in Washington gestorben.

England

Sylvia Balter (geb. 1902, Arbeiterbüchereien Wien): 1939 Emigration aus Wien nach England. Stelle als Haushälterin. Später Arbeit im Wissenschaftsverlag Pergamon Press bis zum Ruhestand. 1993 in North Walsham (Norfolk) gestorben.

Gertrud Bing (geb. 1893, Bibliothek Warburg, Hamburg): 1933 Emigration (mit der Bibliothek Warburg) aus Hamburg nach London. Dort Bibliothekarin der Bibliothek Warburg, zusätzlich Professorin für „History of the Classical Tradition“ an der London University. 1964 in London gestorben.

Hugo Botstiber (geb. 1875, ehemals Bibliothek der Gesellschaft der Musikfreunde, Wien): 1938 Emigration aus Wien nach England. Als Musikschriftsteller tätig. 1941 in Shrewsbury gestorben.

Fritz Brügel (geb. 1897, Sozialwissenschaftliche Studienbibliothek der Wiener Arbeiterkammer): 1940 Emigration aus Frankreich mit der Frau nach London. Dort Tätigkeit für die tschechische Exilregierung unter Jan Masaryk bis 1945; auch im „Free Austrian Movement“ aktiv. 1945 Rückreise nach Prag und Tätigkeit im tschechischen Außenministerium. Ab ca. 1950 erneut in London. 1955 dort gestorben.

Otto Erich Deutsch (geb. 1883, Bibliothek des Musikarchivs Anthony van Hoboken, Wien): 1938 Emigration aus Wien nach England. Dozent an der University of Cambridge. Arbeit am „British Union Catalog of Music Published before 1800“ und am Werkverzeichnis Franz Schubert. 1952 Remigration nach Wien. 1967 dort gestorben.

Emil Ettlinger (geb. 1872, Universitätsbibliothek Halle): 1939 Emigration aus Halle mit der Frau und dem Sohn nach England. Mehr nicht bekannt. 1944 im Exil gestorben.

Hugo Figulla (geb. 1885, Bibliothek des Seminars für orientalische Sprachen der Friedrich-Wilhelms-Universität, Berlin): 1938 Emigration aus Berlin nach London; dort Erschließung der Keilschriftsammlung in der Bibliothek des British Museum. 1969 in London gestorben.

Isidor Fischer (geb. 1868, Bibliothek der Gesellschaft der Ärzte, Wien): 1938 Emigration aus Wien nach England. Details nicht bekannt. 1943 in Bristol gestorben.

Otto Franke (geb. 1877, Bibliothek und Archiv des ZK der KPD, Berlin): 1939 Emigration aus Prag nach London. Mitarbeit im Freien Deutschen Kulturbund und in der „Landesgruppe deutscher Gewerkschafter in Großbritannien“. Remigration 1946 nach Niederlehme (Kreis Beeskow-Storkow). 1953 in Berlin gestorben.

Karl Geiringer (geb. 1899, Bibliothek, Archiv und Sammlungen der Gesellschaft der Musikfreunde, Wien): 1938 Emigration aus Wien nach London. Gastprofessor am dortigen Royal College of Music. Mitherausgeber des „Grove Dictionary of Music and Musicians“. 1940 Übersiedlung in die USA (s. dort).

Hans Goldschmidt (geb. 1879, Bibliothek des Reichsarchivs Potsdam): 1939 Emigration aus Potsdam nach London. Dort Mitarbeiter des Historikers George Peabody Gooch. 1940 bei einem Luftangriff auf London gestorben.

Paul Hirsch (geb. 1881, Musikbibliothek Paul Hirsch, Frankfurt/Main): 1936 Emigration aus Frankfurt/Main mit der Ehefrau nach Cambridge. Anschließend Transport der Bibliothek aus Frankfurt an die University of Cambridge. Musikwissenschaftliche und -historische Arbeiten. 1951 in Cambridge gestorben.

Harry Hochfelder (geb. 1914, Bibliothek der tschechischen Technischen Hochschule Prag): 1939 Emigration aus Prag nach London. 1940 bis 1941 Mitarbeit in der Londoner Vertretung für sudetendeutsche Flüchtlinge. 1941 bis Kriegsende Offizier der British Army. 1947 bis 1952 Beamter in der Control Commission for Germany, später im Department of Trade. Letzter bekannter Wohnort war 1978 Harrow. 1991 gestorben.

Hans Meier (geb. 1900, Bibliothek Warburg, Hamburg): 1933 Emigration (mit der Bibliothek Warburg) aus Hamburg nach London. Arbeit als Bibliothekar in der Warburg Bibliothek. Mit Fritz Saxl Erschließung astrologischer und mythologischer Handschriften. Tod 1941 bei einem Luftangriff in London.

Paul Kahle (geb. 1875, ehemals Bibliothek der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft, Halle; Orientalist in Bonn): 1939 Emigration aus Bonn mit der Familie nach England. Erschließung der Papyrussammlungen der Universitätsbibliothek Oxford und der Bibliothek des British Museum, London. Nach 1945 u.a. Gastprofessuren in Deutschland. Zahlreiche Publikationen. 1963 Remigration mit 88 Jahren nach Düsseldorf. 1964 in Bonn gestorben.

Miron Kantorowicz (geb. 1895, Bibliothekar des Sozialhygienischen Seminars der Friedrich-Wilhelm Universität Berlin)6: 1934 Emigration aus Berlin nach London. 1934 bis 1938 Statistiker in der Jewish Health Organisation of Great Britain und an der London School of Hygiene and Tropical Medicine, London University. 1938 Übersiedlung in die USA. Namensänderung in Myron K. Gordon. Langjährige Tätigkeit für die US Army. 1963 Ruhestand. Nach 1977 gestorben.

Ulrich Leo (geb. 1890, Stadtbibliothek Frankfurt/Main): 1936 Emigration aus Frankfurt/Main nach London. Mitarbeit am Novum Glossarium (Wörterbuch mittelalterliches Latein). 1938 Emigration nach Venezuela (s. dort).

Isaak Markon (geb. 1875, Bibliothek und Lesehalle der Deutsch-Israelitischen Gemeinde Hamburg): Emigration 1940 aus Amsterdam nach England. Dozent am Montefiore-College in Ramsgate. Judaistische Publikationen. 1949 dort gestorben.

Annelise Modrze (geb. 1901, Ausbildung Universitätsbibliothek Breslau und Preußische Staatsbibliothek, Berlin, bis 1933): 1934 Emigration nach England. Forschung an lateinischen Handschriften der Antike für E.(lias) A.(very) Lowe am Corpus-Christi-College der University of Cambridge sowie für Franz Cumont, Paris. 1935 Rückkehr nach Berlin wegen Erkrankung. 1938 dort gestorben.

Ernst Müller (geb. 1880, Bibliothek der Israelitischen Kultusgemeinde Wien): 1939 Emigration aus Wien nach London. Publikationen zur Kabbala, Beschäftigung mit Anthroposophie. 1954 dort gestorben.

Simon Rawidowicz (geb. 1897, Universitätsbibliothek der Friedrich-Wilhelms-Universität, Berlin): 1933 Emigration aus Berlin mit der Frau nach London. Dozent am Jews College, Forschung an der School of Oriental and African Studies und in der Bibliothek des British Museum. 1941 bis 1948 Professor am Hebrew Department der Leeds University. 1948 Übersiedlung in die USA. Dort zuletzt Professor for Jewish Studies, Brandeis University. Zahlreiche Publikationen. 1957 in Waltham/MA gestorben.

Wilhelm Rechnitz (geb. 1899, Universitätsbibliothek Leipzig): 1934 Emigration aus Leipzig nach England. Lehrer in Einrichtungen der Church of England (Cumberland, dann London). Katalogisierung von Handschriften Isaac Newtons. 1940 Internierung, dann Deportation nach Australien (s. dort).

Eduard Rosenbaum (geb. 1887, Commerzbibliothek, Hamburg): 1934 Emigration aus Hamburg mit der Familie nach London. 1934 bis 1935 Mitarbeiter der Werkausgabe von David Ricardo an der University of Cambridge. 1935 bis 1952 Acquisitions librarian der London School of Economics and Political Science. Vermittler zwischen England und Deutschland. 1979 in London gestorben.

Fritz Saxl (geb. 1890, Bibliothek Warburg, Hamburg): 1933 Emigration (mit der Bibliothek Warburg) aus Hamburg nach London. Arbeit als Bibliotheksleiter der Warburg Bibliothek. Organisation mehrerer Umzüge der Bibliothek. Ab 1944 auch Professor der Kunstgeschichte an der London University. 1948 in Dulwich (London) gestorben.

Walter Simon (geb. 1893, Universitätsbibliothek der Friedrich-Wilhelms-Universität, Berlin): 1936 Emigration aus Berlin nach London; die Familie kam nach. Dozent an der School of Oriental and African Studies. 1939 bis 1945 Sprachlehrer und Dolmetscher in der British Army. 1947 bis 1960 Professor für Sinologie an der London University. 1981 in London-Twickenham gestorben.

Friedrich Waismann (geb. 1896, Bibliothek des Philosophischen Instituts, Universität Wien): 1938 Emigration aus Wien nach England. Dozent für Wissenschaftsphilosophie an der University of Cambridge; ab 1939 erst Dozent, dann Professor für Mathematik und Philosophie an der Oxford University. 1959 in Oxford gestorben.

Estland

Lazar Gulkowitsch (geb. 1898, Bibliothek der Jüdischen Gemeinde Leipzig): 1933 Emigration aus Leipzig mit der Familie nach Estland. 1934 bis 1940 Professor für Hebräische Studien an der Universität Tartu. 1939 Gastprofessuren in Cambridge und den USA. 1940 Schließung des Seminars durch die Rote Armee und Entlassung. Nach dem Einmarsch der deutschen Truppen bei einem Massaker ermordet.

Frankreich

Fritz Brügel (geb. 1897, Sozialwissenschaftliche Studienbibliothek der Wiener Arbeiterkammer): 1938 nach dem Münchner Abkommen Emigration aus Prag mit der Frau nach Frankreich (Paris, später Le Lavandou in Südfrankreich). Nach der Besetzung Frankreichs durch deutsche Truppen 1940 Emigration des Ehepaares nach England (s. dort).

Peter Bultmann (geb. 1888, Städtische Bücherei und Lesehalle Dresden): 1938 Emigration aus Wien (s. Österreich) über Prag nach Frankreich. Betrieb eines Nachrichtenbüros in Paris. Internierung nach dem Einmarsch der deutschen Besatzungstruppen. 1942 im Lager Septfonds gestorben.

Michael Gorlin (geb. 1909, Slavist, Berlin): ca. 1933 Emigration nach Paris. 1934 bis 1941 am Institut d‘Études Slaves der Universität Paris erstmals als Bibliothekar tätig. Während der deutschen Besetzung im Mai 1941 Verhaftung durch die französische Polizei. Internierung im Lager Puthiviers. 1942 Verhaftung durch die deutschen Besatzer, Deportation (s. u. Kap. 4.1 Auschwitz).

Hans Huth (geb. 1892, Schlossbibliotheken der Familie Hohenzollern, Berlin): 1937 Emigration aus Potsdam nach Frankreich. Leiter der Privatbibliothek von James Hazen Hyde in Versailles. 1938 Emigration in die USA (s. dort).

Kathi Meyer-Baer (geb. 1892, Musikbibliothek Paul Hirsch, Frankfurt/Main): 1938 Emigration aus Frankfurt/Main mit der Familie nach Paris. Projektstelle in einer wissenschaftlichen Bibliothek (Näheres nicht bekannt). 1940 Emigration in die USA (s. dort).

Adolf Leo Oppenheim (geb. 1904, Bibliothek des Orientalischen Instituts, Universität Wien)7: 1938 Emigration nach Frankreich. Arbeit am assyriologischen Institut der Universität Paris. 1939 Internierung. 1941 Emigration mit der Frau in die USA (s. dort).

Josef Luitpold Stern (geb. 1886, Arbeiterbüchereien und Arbeiterhochschule, Wien): 1939 beim Einmarsch deutscher Besatzungstruppen Emigration aus Brünn nach Frankreich. Aufenthalt im Wiener Emigrantenkreis in Montauban. Internierung durch die Vichy-Regierung u.a. in den Lagern Clombes und Montargis. 1940 Emigration in die USA (s. dort).

Irland

Ludwig Bieler (geb. 1906, Österreichische Nationalbibliothek, Wien)8: Im Februar 1940 Emigration mit der Frau aus England nach Irland. 1940 bis 1946 Assistenzprofessor (Paleography and Early Medieval Latin) am University College Dublin. 1946 bis 1947 Archivar, National Library of Ireland, Dublin. 1947/1948 Gastprofessur für Klassische Philologie an der University of Notre Dame in South Bend/IN. Später Lecturer und ab 1960 Professor of Paleography and Late Classical Latin am University College, Dublin. 1981 in Dublin gestorben.

Italien

Rudolf Blum (geb. 1909, Ausbildung in Berlin 1934 abgelehnt): 1934 Emigration aus Berlin nach Italien. 1934 bis 1936 Scuola di Biblioteconomia e Archivistica, Florenz. 1935 zweite Promotion, Universität Florenz. 1936 bis 1943 Privatbibliothek Landau-Finaly, Florenz. 1946 Remigration nach Berlin. Bibliothekar in Ostberlin, dann an der Deutschen Bibliothek, Frankfurt/Main; 1964 bis 1974 dort Stellvertreter des Generaldirektors. 1998 in Großhansdorf bei Hamburg gestorben.

Meta Corssen (geb. 1894, Staatliche Öffentliche Bibliothek und Lesehalle Lübeck): 1934 Emigration aus Lübeck nach Italien. Dort Lehrerin bis 1943. Übersetzungen in die italienische Sprache. 1943 Remigration nach Lüneburg. Bis 1946 als Privatlehrerin tätig. 1946 bis 1953 Leiterin der Ratsbücherei Lüneburg. 1957 in Hamburg gestorben.

Aron Freimann (geb. 1871, Stadt- und Universitätsbibliothek Frankfurt/Main): 1933 Emigration aus Frankfurt/Main nach Italien, 1933 bis 1938 (mit Unterbrechungen) Arbeit an historischen Beständen der Bibliotheca Apostolica Vaticana, Rom. Ab 1937 Mitglied der Reichsvertretung der Juden in Deutschland. Freimann erhielt kein Visum und musste 1938 eine Professur in New York ablehnen. 1939 Emigration in die USA (s. dort).

Curt Glaser (geb. 1879, Staatliche Kunstbibliothek, Berlin): 1933 Emigration mit der Frau aus Berlin nach Italien. Aufenthalte in Ronco und in Ascona; zahlreiche Reisen. 1935 Rettung seiner privaten Bildersammlung (Edvard Munch) aus Berlin nach Zürich, wo er sie später zurücklassen musste. Im Mai 1941 Emigration mit der Familie nach New York (s. USA).

Helene Wieruszowski (geb. 1893, Universitätsbibliothek Bonn): 1937 Emigration aus Spanien nach Florenz. Forschungen zur Geschichte Italiens. 1938 Publikation der „Bibliografia Dantesca 1930-1937“. 1940 Emigration in die USA (s. dort).

Mexiko

Olga Hallervorden (geb. 1898, Stadtbibliothek Berlin-Wilmersdorf): 1939 Emigration aus dem Lager Rieucros mit dem Lebensgefährten Andreas Ewert nach Vera Cruz, Mexiko. Mitarbeit im „Bund Freies Deutschland“ mit Anna Seghers und weiteren Autoren. Arbeit als Übersetzerin. 1952 Remigration nach Berlin (DDR). Später u.a. Bibliothek der Hochschule der Deutschen Gewerkschaften, Bernau bei Berlin. 1978 in Bernau gestorben.

Niederlande

Isaak Markon (geb. 1875, Bibliothek und Lesehalle der Deutsch-Israelitischen Gemeinde, Hamburg): 1938 Emigration aus Hamburg nach Amsterdam. Mehr nicht bekannt. Bei der Besetzung durch deutsche Truppen 1940 Emigration nach England (s. dort).

Arthur Spanier (geb. 1889, Preußische Staatsbibliothek, Berlin): 1939 Emigration aus Berlin nach Amsterdam. Das Einreisevisum in die USA, um den Ruf an das Hebrew Union College in Cincinnati/OH anzunehmen, wurde nicht bewilligt. 1940 besetzten deutsche Truppen Amsterdam. Im Herbst 1942 Verhaftung und Deportation (s. Kap. 4.1, Bergen-Belsen).

Benno Ziegler (geb. 1891, Bayerische Staatsbibliothek, München; Staatsbibliothek Bamberg): Emigration aus München in die Niederlande. 1945 Remigration nach München. 1945 kurz Bayerische Staatsbibliothek, dann lange Jahre Referent für Musik im Bayerischen Ministerium für Unterricht und Kultus, München. 1965 dort gestorben.

Norwegen

Pavel Fraenkl (geb. 1904, Universitätsbibliothek der Masaryk Universität, Brünn): 1940 Emigration aus Brünn nach Norwegen mit einem Visum der Nansen-Hilfe. Nach der Besetzung Norwegens durch deutsche Truppen im August 1942 beim Versuch, nach Schweden zu fliehen, verhaftet; dann deportiert (s. Kap. 4.1, Grini).

Österreich

Peter Bultmann (geb. 1888, Städtische Bücherei und Lesehalle Dresden): 1935 Emigration mit der Familie aus Dresden nach Wien. Mitbegründer des „Rings Deutscher Jungkatholiken“. 1937 Versuch, einen „Christlichen Reichsbund für deutsche Freiheit“ zu gründen; im April Teilnehmer der Konferenz der „Deutschen Front gegen das Hitlerregime“ in Bratislava. Beim „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich 1938 Emigration mit der Familie nach Prag, dann nach Paris (s. Frankreich).

Robert Musil (geb. 1880, ehemals Bibliothek der Technischen Hochschule, Wien). 1933 Emigration mit der Frau aus Berlin nach Wien. Verbot seiner Bücher in Deutschland; Fortsetzung der Arbeit als Schriftsteller. 1935 Vortrag beim „Internationalen Schriftstellerkongress für die Verteidigung der Kultur“ in Paris. Nach dem „Anschluss“ Österreichs 1938 Emigration mit der Frau in die Schweiz (s. dort).

Palästina

Der Begriff „Palästina“ bezeichnet für den Zeitraum 1933-1945 jene Gebiete im Nahen Osten, die unter dem Mandat des Völkerbunds standen, welches Großbritannien ausübte. In unserem Zusammenhang ist jener Teil des Mandatsgebiets gemeint, aus dem 1948 der Staat Israel gebildet wurde.

Hanna Emmrich (geb. 1903, Staats- und Universitätsbibliothek Breslau): Vermutlich 1935 Emigration aus Breslau nach Palästina. Heirat mit Wechsel des Namens in Hanna(h) Oppenheimer. 1935 bis 1968 Jüdische Nationalbibliothek bzw. National- und Universitätsbibliothek, Jerusalem. Ab 1956 auch Aufbau der Bibliotheksschule. 1983 in Jerusalem gestorben.

Ernst Daniel Goldschmidt (geb. 1895, Preußische Staatsbibliothek, Berlin, Gesamtkatalog der Wiegendrucke): 1936 Emigration aus Berlin mit der Familie nach Jerusalem. 1936 bis 1962 Jüdische Nationalbibliothek bzw. National- und Universitätsbibliothek, Jerusalem: Abteilung Judaica, Musik­abteilung, Handschriftenabteilung, Einbandstelle. Zahlreiche hebraistische Publikationen. 1972 in Jerusalem gestorben.

Samuel Grünberg (geb. 1879, Bibliothekar und Dozent am Rabbinerseminar für das Orthodoxe Judentum, Berlin): 1936 Emigration aus Berlin nach Palästina. 1939 bis 1943 Leiter des Religious College in Tel Aviv, dann Leiter der Religionsbehörde von Tel Aviv-Jaffa. Publikationstätigkeit und ehrenamtliches Engagement. 1959 in Tel Aviv gestorben.

Abraham Meir Habermann (geb. 1901, Privatbibliothek von Salman Schocken, Berlin): 1934 Emigration aus Berlin nach Jerusalem. 1934 bis 1967 Direktor der Schocken-Library in Jerusalem und ihres Instituts zur Erforschung der hebräischen Poesie. Dozent und Professor für mittelalterliche Geistesgeschichte an der Universität Tel Aviv. Bedeutender Judaist. 1980 in Jerusalem gestorben.

Esriel Erich Hildesheimer (geb. 1901, Bibliothek des Rabbinerseminars für das Orthodoxe Judentum, Berlin): 1939 Emigration aus Berlin nach Palästina. Leiter der Judastic Rambam Library in Tel Aviv. 1999 in Petach Tikwa bei Tel Aviv gestorben.

Werner Kraft (geb. 1896, Vormals Königliche und Provinzialbibliothek, Hannover): 1933 Emigration aus Hannover mit der Familie nach Paris, 1934 von dort nach Jerusalem. 1937 bis 1942 Bibliothekar des französischen Kulturzentrums in Jerusalem. 1943 bis 1947 Mitarbeiter im Palestine Record Office, Jerusalem. 1947 bis t1956 Bibliothekar im Department of Antiquities des Government of Palestine, Jerusalem; dann freiberuflicher Schriftsteller. 1991 in Jerusalem gestorben.

Robert Lachmann (geb. 1892, Preußische Staatsbibliothek, Berlin, Musikabteilung): 1935 Emigration aus Berlin nach Palästina. Aufbau des Instituts zur Erforschung jüdischer Musik an der Hebräischen Universität Jerusalem. Einschlägige Publikationen. 1939 in Jerusalem gestorben.

Joseph/Josef Lin (geb. 1877, Jüdische Lesehalle und Bibliothek, Berlin): 1933 Emigration aus Berlin nach Palästina; die Familie kam 1934 nach. Betrieb eines Bauernhofes in Haifa; später Umzug in das Landesinnere. Todesdatum nicht bekannt.

Heinrich E. (Eliakim) Loewe (geb. 1869, Universitätsbibliothek der Friedrich-Wilhelms-Universität, Berlin): 1933 Emigration aus Berlin mit der Familie nach Palästina. 1933 bis 1948 Direktor der Stadtbibliothek Tel Aviv. 1950 Altersheim in Haifa. 1951 in Tel Aviv gestorben.

Joseph Meisl (geb. 1882, Bibliothekar und Generalsekretär der Jüdischen Gemeinde Berlin): 1934 Emigration aus Berlin nach Palästina. Mitbegründer der Jewish General Archives, Jerusalem (heute: Central Archives for the History of the Jewish People); Generaldirektor der Archive bis 1957. 1958 in Jerusalem gestorben.

Hermann (Hayyim) Pick (geb. 1879, Preußische Staatsbibliothek, Berlin): 1934 Emigration aus Wien nach Jerusalem. Seitdem Tätigkeit in der Jüdischen Nationalbibliothek bzw. National- und Universitätsbibliothek, Jerusalem. 1952 in Jerusalem gestorben.

Israel Abraham Rabin (geb. 1882, Bibliothek des Jüdisch-Theologischen Seminars – Hochschule für jüdische Theologie, Breslau): 1935 Emigration aus Breslau mit der Familie nach Palästina. Leiter der Mizrachi-Schule in Haifa. Publikationen, ehrenamtliches Engagement für den Zionismus. 1951 in Haifa gestorben.

Moses Rath (geb. 1887, Leiter der Bibliothek der Israelitischen Kultusgemeinde, Wien): 1938 Emigration aus Wien mit der Frau nach Palästina. Abteilungsleiter im Unterrichtsministerium. Tätigkeiten als Dozent; Titel Professor. 1968 in Tel Aviv gestorben.

Arthur Zacharias Schwarz (geb. 1880, Rabbiner in Wien, Mitarbeiter der Österreichischen Nationalbibliothek): 1939 Emigration aus Wien nach Palästina. Schwarz starb schon kurz nach der Ankunft an den Folgen der Folter durch die Gestapo in Wien.

Ephraim E. (Elimelech) Urbach (geb. 1912, Bibliothekar und Dozent am Jüdisch-Theologischen Seminar – Hochschule für jüdische Theologie, Breslau): 1938 Emigration aus Breslau nach Palästina. 1939 bis 1942 Lehrer am Gymnasia Ivrith, Jerusalem. 1942 bis 1945 Militärkaplan in der British Army. Später Mitarbeiter im Unterrichtsministerium. Lange Jahre Professor für den Talmud an der Hebräischen Universität Jerusalem; Präsident der Israelischen Akademie für Natur- und Geisteswissenschaften. Zahlreiche Publikationen. 1991 in Jerusalem gestorben.

Gotthold E. (Eliakim) Weil (geb. 1882, bis 1931 Preußische Staatsbibliothek, Berlin; Leiter der Orientalischen Abteilung und Professor für die Kunde des Islam an der Universität Frankfurt/Main): 1935 Emigration aus Frankfurt/Main nach Palästina. 1935 bis 1952 Direktor der Bibliothek der Hebräischen Universität Jerusalem und der Jüdischen Nationalbibliothek, die er zusammenführte. Professor für türkische und arabische Linguistik an der Hebräischen Universität Jerusalem. Publikationen und Texteditionen. 1960 in Jerusalem gestorben.

Bern(h)ard D. (Dov) Weinryb (geb. 1905, Bibliothek des Jüdisch-Theologischen Seminars – Hochschule für jüdische Theologie, Breslau): 1934 Emigration aus Breslau nach Palästina. 1935 bis 1936 Dozent für soziale Arbeit, Jerusalem. 1935 bis 1939 Dozent an der School of Social Work and Economics, Tel Aviv. 1939 Übersiedlung in die USA (s. dort).

Felix Weltsch (geb. 1884, National- und Universitätsbibliothek Prag): 1939 Emigration aus Prag nach Palästina. 1939 bis 1964 Jüdische Nationalbibliothek bzw. National- und Universitätsbibliothek, Jerusalem. Publikationen und Vorträge. 1964 in Jerusalem gestorben.

Curt David Wormann (geb. 1900, Stadtbücherei Berlin-Kreuzberg): 1934 Emigration aus Berlin mit der Frau nach Palästina. 1937 bis 1947 Stadtbibliothek Tel Aviv. 1947 bis 1968 Jüdische National- und Universitätsbibliothek, Jerusalem; ab 1952 Generaldirektor der Bibliothek. Gründer und langjähriger Dozent der dortigen Bibliotheksschule. Titel Professor. Ehrenämter in der UNESCO und in der IFLA. 1991 in Jerusalem gestorben.

Polen

Matthias Mieses (geb. 1885, ehemals Universitätsbibliothek Wien): 1939 Flucht nach Przemyśl (Galizien). Leben im Ghetto. Bei Auflösung des Ghettos 1943 Deportation (s. Kap. 4.2 Przemyśl).

Rumänien

Zofia Ameisenowa (geb. 1897, Jagiellonische Bibliothek, Krakau): 1939 nach der Besetzung Polens durch deutsche Truppen Emigration aus Krakau mit dem Gatten in die Ukraine. 1939 bis 1940 in Luzk. 1940 bis 1941 bei den Kosovo-Huzulen. Verhaftung. Leben im Ghetto. Flucht nach Bukarest. 1945 Remigration nach Krakau. Bibliothekarin und Kunsthistorikerin. Mehrere Bücher. 1967 in Nowa Huta (Krakau) gestorben.

Schweden

Ernst Alker (geb. 1895, Bibliotheksschule des Borromäusvereins, Bonn): 1934 Emigration aus Bonn nach Schweden. 1934 bis 1942 Lektor für Germanistik, Universität Lund, dann bis 1946 Handelshochschule Stockholm. Übersetzungen ins Deutsche. 1946 Übersiedlung in die Schweiz. Professor für Germanistik an der Universität Fribourg. Zahlreiche Publikationen. 1972 in Cademario gestorben.

Rafael Edelmann (geb. 1902, Königliche Bibliothek, Kopenhagen): Nach der Besetzung Dänemarks durch deutsche Truppen Emigration nach Schweden. 1943 bis 1945 in Stockholm; Berater der dänischen Exilregierung. 1945 Remigration nach Kopenhagen; Bibliothekar und Judaist. Ehrenamtliches Engagement für jüdische Bibliotheken in Europa. 1970 Übersiedlung nach Jerusalem. 1972 dort gestorben.

Walter Gross (geb. 1899, Stadtbücherei Berlin-Tempelhof): 1933 Emigration aus Berlin nach Schweden. Sprachlehrer, Journalist. Gründungsmitglied des freien deutschen Kulturbunds in Schweden. Mitglied der Exil-SPD. 1967 in Schweden gestorben.

Wanda Lanzer (geb. 1896, Sozialwissenschaftliche Studienbibliothek der Wiener Arbeiterkammer): 1939 Emigration aus Wien nach Schweden. Arbeit in den Archiven des Stockholmer Stadthauses; Kontakt zu weiteren Emigranten um Bruno Kreisky. 1945 in Sigtuna als Dolmetscherin und Betreuerin geretteter Personen aus Konzentrationslagern. 1949 bis 1964 Mitarbeiterin des „Arbetarrörelsens Arkiv“ (schwedische Arbeiterbewegung). 1964 Ruhestand und Remigration nach Wien und Mitarbeit in der Wiener Arbeiterkammer. 1980 dort gestorben.

Otto Lazar (geb. 1891, Bibliothek der Technischen Hochschule, Wien): ca. 1938 Emigration aus Wien nach Schweden. Details nicht bekannt. 1946 Remigration nach Wien. Wieder Bibliothekar und später Direktor der Bibliothek. 1956 Ruhestand. 1983 in Wien gestorben.

Schweiz

Edgar Breitenbach (geb. 1903, Stadtbibliothek Frankfurt/Main): 1933 bis 1934 unbezahlte Tätigkeit am Institut für Kunstgeschichte der Universität Basel; Aufbau der Bibliothek am Archiv für Schweizerische Kunstgeschichte. 1935 bis 1936 in London, dazwischen auch in Deutschland tätig. Arbeit an Kunstbüchern. 1937 Emigration in die USA (s. dort).

Günther Goldschmidt (geb. 1894, Universitätsbibliothek Münster): 1934 Emigration aus Münster in die Schweiz. 1935 bis 1949 Katalogisierung mittelalterlicher Handschriften der Universitätsbibliotheken Bern, Basel, Zürich und Genf für die Union Académique Internationale Bruxelles. 1949 Remigration nach Münster. Wieder Bibliothekar. Fachpublikationen, literarische Werke. 1959 Ruhestand. 1980 in Rom gestorben.

Hans Lindau (geb. 1875, Preußische Staatsbibliothek, Berlin): ca. 1933 Umzug von Berlin nach Offenburg. 1939 Flucht mit der Mutter nach Lausanne. Arbeit u.a. als Privatsekretär und als Korrektor. 1953 mit 78 Jahren Remigration nach Berlin. 1963 dort gestorben.

Robert Musil (geb. 1880, ehemals Bibliothek der Technischen Hochschule, Wien): Nach dem „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich 1938 Emigration mit der Frau aus Wien nach Zürich. Seine Bücher waren in Deutschland und Österreich verboten. 1939 Umzug nach Genf. Fortsetzung der Arbeit am Roman „Der Mann ohne Eigenschaften“. 1942 in Genf gestorben.

Max Pfannenstiel (geb. 1902, Universitätsbibliothek Freiburg/Br.): 1935 Emigration aus Freiburg/Br. nach Genf. 1935 bis 1938 an der Bibliothek des Völkerbunds Aufbau der Hygiene-Abteilung (später Bibliothek der WHO). 1938 Übersiedlung nach Ankara (s. Türkei).

Arno Schirokauer (geb. 1899, ehemals Deutsche Bücherei, Leipzig): 1933 Emigration mit der Familie aus Leipzig in die Schweiz. Er war unter anderem Rundfunkredakteur in Bern. 1935 Übersiedlung nach Florenz. 1937 bei einem Besuch in Deutschland Verhaftung und Deportation (s.u.). Dann Emigration in die USA (s. dort).

Franz Witek (geb. 1903, Österreichische Nationalbibliothek, Wien): ca. 1938 Emigration aus Wien in die Schweiz. Assistent im Fach Ethnologie an der Université de Fribourg, Mitarbeit im dortigen Museum. Einberufung zur Wehrmacht. Amerikanischer Kriegsgefangener. Nach 1945 als Pädagoge tätig; zuletzt Direktor eines Realgymnasiums in Bad Ischl. 1999 dort gestorben.

Serbien

Janko Glazer (geb. 1893, Studienbibliothek Maribor, Slowenien)9: Im Juli 1941 Emigration mit der Familie nach Aranđelovac, Serbien. 1944/1945 in Belgrad für die Partisanen Dokumentation der Zerstörung von Kulturschätzen Sloweniens. Im August 1945 Rückkehr nach Maribor. 1945 bis 1959 erneut Direktor der Bibliothek. Publikationen als Slavist und als Dichter. 1975 in Ruše bei Maribor gestorben.

Spanien

Olga Hallervorden (geb. 1898, Stadtbibliothek Berlin-Wilmersdorf): 1937 aus Kopenhagen Übersiedlung nach Spanien. Im Sanitätsdienst für die Internationalen Brigaden im Spanischen Bürgerkrieg. Sekretärin eines KPD-Politikers. 1939 in Frankreich interniert. Später Emigration nach Mexiko (s. dort).

Helene Wieruszowski (geb. 1893, Universitätsbibliothek Bonn): Ab 1933 Suche nach einer Stelle im Ausland. 1934 Emigration aus Bonn nach Spanien. 1934 einige Monate im Archivo de la Corona de Aragón. Ab 1936 Lektorin an der Universität Barcelona. 1937 im Spanischen Bürgerkrieg beschossen; anschließend Besuch in Deutschland und Emigration nach Florenz (s. Italien).

Tschechoslowakei

Fritz Brügel (geb. 1897, Sozialwissenschaftliche Studienbibliothek der Wiener Arbeiterkammer): Nach dem Februaraufstand 1934 Emigration aus Wien in die Tschechoslowakei. Legationsrat und Publizist in Prag. 1936 bis 1937 Reise in die UdSSR und Publikationen zu diesem Thema. Nach dem Münchner Abkommen 1938 Emigration mit seiner Ehefrau nach Frankreich (s. dort).

Otto Franke (geb. 1877, Bibliothek des Zentralkomitees der KPD, Berlin): 1938 Emigration aus Berlin in die Tschechoslowakei. Arbeit im Büro der Union für Recht und Freiheit, Prag. Kurz vor der Besetzung Prags 1939 Emigration nach England (s. dort).

Gerhard Hermann (geb. 1901, Stadtbibliothek Berlin-Friedrichshain): 1933 Emigration mit der Frau aus Berlin nach Prag. Tätigkeit als Journalist. Verbindung zu deutschen Widerstandsgruppen. 1939 und 1941 Verhaftung (s.u. Kap. 3.2 Tschechoslowakei); 1942 Prozess und Verurteilung zu einer Gefängnisstrafe.

Lubor Matouš (geb. 1908): Nach Misshandlungen durch die SS in Berlin 1933 Emigration nach Prag; dort 1933 bis 1938 erstmals Bibliothekar (Universitätsbibliothek der tschechischen Universität Prag). 1939 beim Einmarsch deutscher Truppen Emigration in die Türkei. Bei Kriegsausbruch Freiwilliger der tschechischen Auslandsarmee (in Frankreich); schwere Verwundung. 1945 Remigration nach Prag. Professor für Assyriologie an der Universität Prag. 1994 dort gestorben.

Joseph Luitpold Stern (geb. 1886, Arbeiterbüchereien und Arbeiterhochschule, Wien): 1934 nach dem Verbot der Arbeiterbüchereien Emigration aus Wien nach Prag. Dozent an der Masaryk-Universität Brünn. Vortragsreisen, u.a. in die USA und die Schweiz. Bei der Besetzung durch deutsche Truppen 1939 Emigration nach Frankreich (s. dort).

Türkei

Erich Auerbach (geb. 1892, Universitätsbibliothek und Universität Marburg; davor Preußische Staatsbibliothek, Berlin): 1936 Emigration aus Marburg in die Türkei; Frau und Sohn folgten. 1936 bis 1941 Professor für europäische Philologien; Leiter der Fremdsprachenausbildung an der Universität Istanbul. 1942 bis 1945 Arbeit am Buch „Mimesis“. 1947 Übersiedlung in die USA (s. dort).

Walter Gottschalk (geb. 1891, Preußische Staatsbibliothek, Berlin): Nach der Besetzung Belgiens durch deutsche Truppen 1941 Emigration in die Türkei (nach neueren Erkenntnissen evtl. im Auftrag der deutschen Regierung10). 1941 bis 1954 Professor für Bibliothekswissenschaft an der Universität Istanbul; gilt als Begründer der Bibliothekswissenschaft in der Türkei. Berater für das Erziehungsministerium. 1954 Ruhestand, Remigration nach Deutschland; als Orientalist tätig. 1974 in Frankfurt/Main gestorben.

Max Pfannenstiel (geb. 1902, Universitätsbibliothek Freiburg/Br.): 1938 Emigration aus der Schweiz in die Türkei; bis 1941 Direktor der Bibliothek des Höheren Landwirtschaftsinstituts, Ankara. 1942 Remigration; Universitätsbibliothek Erlangen. 1944 aus „rassischen“ Gründen als Beamter entlassen, doch weiter zum Bibliotheksdienst verpflichtet. Ab 1946 Professor für Geologie und Paläontologie an der Universität Freiburg/Br.; auch Rektor der Universität. 1976 dort gestorben.

Ungarn

Conrad H. Rawski (geb. 1914, Ausbildung an der Österreichischen Nationalbibliothek, Wien). Nach dem Anschluss Österreichs an das „Deutsche Reich“ 1938 Emigration aus Budapest nach Ungarn. 1938 bis 1939 Zusatzstudium an der Universität Budapest. 1939 Emigration in die USA (s. dort).

USA

Dina Abramowicz (geb. 1909, Zentralbibliothek YIVO-Institut, Vilnius): Nach Tätigkeit im Widerstand Bergung der Restbestände aus Vilnius; 1946 Emigration nach New York. 1946 bis 1947 Bibliothek des Smith College, New York. Dann Aufbau der Bibliothek am YIVO Institute for Jewish Research, New York: bis 1962 Mitarbeiterin und von 1962 bis 1987 Direktorin. Einige Publikationen. Ruhestand 1987 mit 78 Jahren; danach im Ehrenamt weiter tätig. 2000 in Manhattan gestorben.11

Berthold - bzw. Bertold - Altmann (geb. 1902, Deutsche Bücherei, Leipzig): 1939 Emigration in die USA. Bibliothekar der University of Chicago Library. 1944 Buchpublikation bei der Graduate Library School der University of Chicago. Unter Altmanns Namen erschienen Publikationen zur Geschichte der Juden und Freimaurer. Vermutlich 1977 gestorben.

Erich Auerbach (geb. 1892, Universitätsbibliothek und Universität Marburg; davor Preußische Staatsbibliothek, Berlin): 1947 Übersiedlung aus der Türkei in die USA. Professuren für Romanistik, zuletzt an der Yale University in New Haven/CT. Renommierter Romanist. 1957 in Wallingford/CT gestorben.

Fritz Bamberger (geb. 1902, Dozent und Bibliothekar der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums, Berlin): 1939 Emigration aus Berlin mit der Frau in die USA. Zeitschriftenherausgeber und Professor für jüdische Geschichte und Philosophie in New York. 1984 in New York gestorben.

Otto Bettmann (geb. 1903, Berliner Kunstbibliothek): 1935 Emigration aus Berlin nach New York. Gründung einer später berühmten Fotoagentur; Geschäftsmann. Zahlreiche Buchpublikationen. 1998 in Boca Raton/FL gestorben.

Edgar Breitenbach (geb. 1903, Stadtbibliothek Frankfurt/Main): 1937 Emigration aus London in die USA. 1937 bis 1941 Dozent für Kunstgeschichte in Oakland/CA. Diverse Brotberufe. Redakteur für deutschsprachige Radiosendungen in Washington. 1944 bis 1945 Office of War Information. 1945 Mitarbeiter der amerikanischen Militärverwaltung, Berlin. 1946 bis 1949 Central Art Collecting Point, München; Mitbegründer der Zentralbibliothek für Kunstgeschichte. Berater beim Aufbau der Amerika-Gedenkbibliothek, Berlin. 1956 bis 1973 Leiter der Prints and Photographs Division der Library of Congress, Washington. Mehrere Publikationen. 1977 bei Besuch in Hamburg gestorben.

Aron Freimann (geb. 1871, Stadtbibliothek Frankfurt/Main): 1939 Emigration aus Frankfurt/Main mit der Frau nach New York. 1939 Forschungsstipendium der American Academy of Jewish Research. Bis 1945 Bibliothekar in der Judaica-Abteilung der New York Public Library. Zahlreiche Publikationen. 1948 in New York gestorben.

Helmut Galliner (geb. 1910, Bibliothek der Jüdischen Gemeinde Berlin): Emigration aus Berlin in die USA. Später Bibliothekar am Leo-Baeck-Institute, New York; 1968 Ruhestand. 1979 in New York gestorben.

Karl Geiringer (geb. 1899, Gesellschaft der Musikfreunde, Wien): 1940 Emigration aus London in die USA. Professor für Musik an verschiedenen Universitäten; zuletzt an der University of California in Santa Barbara. President of the American Musicological Society. 1989 in Santa Barbara gestorben.

Curt Glaser (geb. 1879, Kunstbibliothek Berlin): 1941 Emigration aus Zürich mit der Familie nach New York. Vergebliche Versuche zur Anstellung als Bibliothekar. 1943 in Lake Placid/NY gestorben.

Gustav E. Gruenebaum (geb. 1909, Österreichische Nationalbibliothek, Wien): 1938 Emigration aus Wien nach New York. 1938 bis 1943 Professor for Arabic and Islamic Studies am Asia Institute, New York. Weitere Professuren, zuletzt am Near Eastern Center der University of California in Los Angeles. Zahlreiche Publikationen. 1972 in Los Angeles gestorben.

Ernst Honigmann (geb. 1892, Preußische Staatsbibliothek, Berlin): 1940 Emigration aus Brüssel in die USA. Details nicht bekannt. 1946 Remigration nach Brüssel; dort als Professor für Byzantinistik tätig. Publikationen. 1954 in Brüssel gestorben.

Hans Huth (geb. 1892, Schlossbibliotheken der Familie Hohenzollern): 1938 Emigration aus Frankreich nach New York; seine Frau folgte ihm. Dozent der New York University und der Yale University. 1939 bis 1944 National Parks Service. 1944 bis 1963 Kurator am Art Institute of Chicago; Ausbilder von Museumsfachleuten. Publikationen, Ausstellungen. 1977 in Carmel/CA gestorben.

Ulrich Leo (geb. 1890, Stadtbibliothek Frankfurt/Main): 1945 Emigration aus Caracas in die USA. 1945 bis 1948 Dozent in Oskaloosa/IA. 1948 Übersiedlung nach Kanada. Professor für Romanistik an der University of Toronto. Später Gastprofessor in Deutschland. 1964 in Toronto gestorben.

Clara Mackauer (geb. 1887, Bibliothek des Frankfurter Instituts für Sozialforschung): 1940 Emigration aus Frankfurt/Main mit dem Ehemann in die USA. 1942 Bibliothekarin am Pacific College in Newberg/OR. Späterer Wohnort vermutlich Chicago, wo ihr Ehemann an der Universität lehrte. 1982 in New York gestorben.

Hans Margolius (geb. 1902, Volksbüchereien in Berlin): 1939 Emigration aus Berlin in die USA nach Miami. Journalist und freiberuflicher Schriftsteller. 1944 bis 1945 Sprachlehrer an der School of Foreign Languages; Zeitungsredakteur; 1954 bis 1966 Bibliothekar an der University of Miami und in einer Firma; danach Universitätsdozent. Bücher zu Fragen der Ethik. 1984 in Miami gestorben.

Ernst Marx (geb. 1865, Bibliothek der Technischen Hochschule Stuttgart): 1941 Emigration mit der Familie aus Stuttgart in die USA. Näheres nicht bekannt. 1945 Unterstützer des Wiederaufbaus der Bibliothek in Stuttgart. 1949 in New York gestorben.

Kathi Meyer-Baer (geb. 1892, Musikbibliothek Paul Hirsch, Frankfurt/Main): 1940 Emigration aus Paris mit der Familie in die USA. 1941 bis 1942 Musikabteilung der New York Public Library; dann als Musikwissenschaftlerin und Musikhistorikerin freiberuflich tätig. Mehrere Buchpublikationen. 1977 in Atlanta gestorben.

Walter Nachod (geb. 1880, Oberschlesische Landesbibliothek, Ratibor): Emigration aus Ratibor in die USA. Zumindest 1941 Bibliothekar an der University of Santa Clara/CA. 1946 in Kalifornien gestorben.

Adolf Leo Oppenheim (geb. 1904, Bibliothek des Orientalischen Instituts, Universität Wien): 1941 Emigration mit der Frau aus Frankreich in die USA. 1941 bis 1942 Erschließung von Keilschrifttafeln in der New York Public Library (Wilberforce Eames Babylonian Collection). 1944 bis 1947 Assistenzprofessor für mesopotamische Sprachen und Kulturen am Asia Institute, New York. Ab 1947 Dozent, später Professor für Assyriologie an der University of Chicago. Zahlreiche Publikationen. 1974 in Chicago gestorben.

Conrad H. Rawski (geb. 1914, bis 1937 Österreichische Nationalbibliothek, Wien): 1939 Emigration aus Budapest in die USA. Dort Studium der Musikwissenschaft an der Harvard University; danach Lektor und Professor für Musikwissenschaft. Zuletzt ab 1965 Professor der School of Library Science, Case Western Reserve University in Cleveland/OH. Mehrere Buchpublikationen. Wohnort 1984: Cleveland. 2005 gestorben.

Arno Schirokauer (geb. 1899, ehemals Deutsche Bücherei, Leipzig; ab 1929 Rundfunkredakteur): 1939 Emigration mit der Familie aus Florenz in die USA. Stellen als Germanist an verschiedenen Universitäten; zuletzt Professor an der Johns-Hopkins-Universität in Baltimore. Zahlreiche Publikationen. 1954 in Baltimore gestorben.

Heinrich Schneider (geb. 1889, Staatliche Bibliotheken Lübeck): 1937 Emigration aus Sofia in die USA. Professor für Germanistik an verschiedenen Universitäten, zuletzt an der Harvard University. Zahlreiche Publikationen. 1972 in Kalifornien gestorben.

Magdalene Schoch (geb. 1897, Amerika-Bibliothek im Neuen Rechtshaus, Hamburg)12: 1937 Emigration aus Hamburg in die USA. 1938 bis 1943 Harvard University. 1946 bis 1966 Juristin im US-Justizministerium in Washington/DC. 1987 in Falls Church, Fairfax/VA gestorben.

Josef Luitpold Stern (geb. 1886, Arbeiterbüchereien und Arbeiterhochschule, Wien): 1940 Emigration aus Frankreich (s.o.) in die USA. Anstellung als Arbeiter. 1941 bis 1948 Sozialarbeiter und Lehrer. Mitarbeit im Aktionsausschuss der österreichischen Sozialdemokraten im US-Exil. 1948 Remigration nach Wien. Karriere in den Gewerkschaften. Publizist und Schriftsteller. 1966 in Wien gestorben.

Robert Ulich (geb. 1890, ehemals Bibliothekar an der Universitätsbibliothek Leipzig, dann Leiter der Hochschulabteilung im Sächsischen Ministerium für Volksbildung): 1934 Emigration aus Dresden mit der Frau in die USA. 1936 bis 1960 Professor für Philosophie und historische Pädagogik an der Harvard University. Zahlreiche Publikationen. 1970 Remigration nach Bayern. 1977 in Stuttgart gestorben.

Bern(h)ard D.(ov) Weinryb (geb. 1905, Bibliothek des Jüdisch-Theologischen Seminars – Hochschule für Jüdische Theologie, Breslau): 1939 Übersiedlung aus Israel in die USA. Tätigkeit als Lehrer, Dozent an Colleges, zeitweise Tätigkeit für das State Department. Zuletzt 1950 bis 1956 Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Columbia-Universität, New York, sowie für Geschichte an der Yeshiva University, New York. Zahlreiche Publikationen. 1982 in Philadelphia gestorben.

Helene Wieruszowski (geb. 1893, Universitätsbibliothek Bonn): 1940 Emigration aus Florenz in die USA. Dozentin im Fach Geschichte in Baltimore. Ab 1949 Professorin für Geschichte am City College, New York. 1962 bis 1966 Professorin der New School for Social Research, New York. Zahlreiche Publikationen. 1970 Remigration nach Europa. Wohnsitz bei Lugano; 1978 in Sorengo (Lugano) gestorben.

Venezuela

Ulrich Leo (geb. 1890, Stadtbibliothek Frankfurt/Main): 1938 Emigration aus London nach Venezuela. Bibliothek des Departemento de Estado, Caracas. 1940 Archivar der Postdirektion in Caracas. Arbeit als Publizist. 1945 Übersiedlung in die USA (s. dort).

2.2. Anmerkungen zur Emigration

Diese Angaben über emigrierte wissenschaftliche Bibliothekarinnen und Bibliothekare lassen sich kurz zusammenfassen. Die NS-Diktatur hat ab 1933 in der Wissenschaft in Deutschland, Österreich und den besetzten Ländern eine gewaltige Migrationswelle ausgelöst; sie erfasste auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Bibliotheken wissenschaftlicher Einrichtungen. Nach den vorstehenden Listen wurden mindestens 97 Bibliothekarinnen und Bibliothekare durch die NS-Diktatur dazu veranlasst, in ein fremdes Land zu flüchten; es waren 13 Frauen und 84 Männer. 68 Personen emigrierten erstmals aus Deutschland, 20 aus Österreich und neun aus den von deutschen Truppen besetzten Ländern. Es handelt sich, zumindest für die Bibliothekarinnen und Bibliothekare aus Deutschland, um die umfangreichste Emigrationsphase in der Geschichte ihres Berufes.

Ab dem Beginn des Zweiten Weltkriegs 1939 waren zahlreiche Emigranten in ihrem Exilland vor der NS-Diktatur nicht mehr sicher und mussten nochmals flüchten. Daher sind oben insgesamt 131 Exilaufenthalte dokumentiert. Von Ägypten bis Venezuela gab es 29 Zielländer für Emigranten aus dem Bibliothekswesen. Acht von ihnen liegen außerhalb Europas. Die meisten Exilaufenthalte sind für die USA mit 28, England mit 26 und Palästina mit 19 Aufenthalten zu verzeichnen. Auf die Zahl der Aufenthalte bezogen folgen Frankreich und die Schweiz mit je sieben sowie Italien, Schweden und die Tschechoslowakei mit je fünf Aufenthalten. Jeweils drei Bibliothekarinnen und Bibliothekare emigrierten in die Niederlande und in die Türkei. Die übrigen Länder waren Ziele für ein bis zwei Flüchtlinge.

Betrachtet man den Personenkreis, der in mehreren Exilländern lebte, so wird deutlich, dass die Emigranten zunächst bevorzugt in die Nachbarländer Deutschlands (Tschechoslowakei, Italien, Frankreich, Schweiz, Niederlande, Schweden) bzw. ihres Heimatlandes flohen. Als deutsche Truppen ab 1939 diese Länder besetzten, verloren die Emigranten auch ihre neue Heimat. Viele von ihnen suchten dann in den USA Sicherheit vor der NS-Diktatur. Sie fanden dort einen dauerhaften Wohnsitz und viele von ihnen wurden amerikanische Staatsbürger. Das Exilland Palästina dagegen nahm jüdische Bibliothekare als Flüchtlinge auf, die aus Deutschland und Österreich ohne Umweg emigrieren und sich eine neue Existenz aufbauen konnten.

Relativ viele emigrierte Bibliothekarinnen und Bibliothekare, insgesamt 40 Personen, konnten im Exil zumindest zeitweise in ihrem Bibliotheksberuf arbeiten. Ihre Arbeitsorte waren vor allem Spezialsammlungen handschriftlicher Materialien sowie Universitätsbibliotheken. Der Anteil an Emigranten, die im Bibliothekswesen arbeiteten, war in Palästina auffällig groß: elf von 19 Emigranten fanden dort eine dauerhafte Arbeitsstelle in einer wissenschaftlichen Bibliothek. Die drei größten Bibliotheken Israels, die heutige Jüdische National- und Universitätsbibliothek in Jerusalem und die Stadtbibliotheken von Tel Aviv und Haifa, hatten nach 1933 deutsche Emigranten als Direktoren und Abteilungsleiter. Sie alle kamen aus Berlin. Diese Entwicklung macht erneut das große Ausmaß deutlich, in dem die Spezialsammlungen zum Judentum in Deutschland damals das bibliothekarische Fachwissen verloren. Der Aufbau des wissenschaftlichen Bibliothekswesens in Palästina und später in Israel wäre ohne die Emigranten nicht möglich gewesen; er wurde auch entsprechend gewürdigt.13 Doch auch an anderen Orten nahmen Emigranten wieder verantwortungsvolle Posten in wissenschaftlichen Bibliotheken ein. Eine wichtige Stellung im Exilland hatte z.B. Edgar Breitenbach inne, der von 1956 bis 1973 die Erwerbungsabteilung der Library of Congress leitete; sie war damals die größte Bibliothek der Welt. Auch Eduard Rosenbaum nahm an der Bibliothek der London School of Economics eine herausgehobene Stellung ein.

Bibliothekare im Exil, die nicht in den Bibliotheksberuf gehen konnten oder wollten, nützten als berufliche Alternative ihre Erfahrungen im eigenen Wissenschaftsfach des Ursprungslandes; in der Regel hatten sie darin bereits einschlägig publiziert. Vor allem in jenen geisteswissenschaftlichen Fächern, in denen deutsche Gelehrte ein hohes internationales Ansehen genossen (Geschichte, Orientalistik, Philosophie, Kunstgeschichte, Germanistik), ließ sich in zahlreichen Fällen eine Universitätskarriere starten. So lehrten und forschten während des Zweiten Weltkriegs emigrierte Bibliothekarinnen und Bibliothekare aus Deutschland z.B. an US-Universitäten, die schon damals zur Weltspitze zählten, wie die Harvard University, die Yale University, die University of California am Standort Berkeley und die New School for Social Research in New York. Diese Personen nützten ihre neuen transatlantischen Verbindungen nach 1945 auch in erheblichem Ausmaß dafür, den Austausch von Wissen und Erfahrungen zwischen deutschen und US-amerikanischen Wissenschaftlern wieder in Gang zu bringen. Einige nahmen auch Gastprofessuren in der Bundesrepublik wahr.

In den Jahren des Zweiten Weltkriegs bestätigte es sich, dass ein persönliches Netzwerk und auch ein wenig Glück notwendige Voraussetzungen für solche Karrieren waren. Vor allem Bibliothekare, die bereits im Pensionsalter oder kurz davor waren, als sie in die Emigration gezwungen wurden, oder die mit der ganzen Familie flohen, erlebten den Aufenthalt im Ausland nicht als eine neue Chance, sondern als regelrechte Entwurzelung. Diese Probleme konnten sich bis zu einer Bedrohung der persönlichen Existenz auswachsen. Schon das tägliche Überleben in einer fremden Umgebung stellte oft extreme Anforderungen. Unter diesen Bedingungen war an ein Engagement in Bibliothek oder Wissenschaft oft nicht zu denken.

Neben den gelungenen Emigrationen steht eine Reihe von gescheiterten Versuchen, der NS-Diktatur zu entkommen. Sie ist für folgende Bibliothekarinnen und Bibliothekare belegt: Gerhard Alexander (Hamburg), Julien Cain (Paris), Alfred Hessel (Göttingen), Norbert Jokl (Wien), Severa Mendrochowicz (Wien), Leopold Moses (Wien), Helene Nathan (Berlin), Paul Ruben (Hamburg), Käthe Spiegel (Prag) und Moritz Stern (Berlin).

Als der Zweite Weltkrieg zu Ende war, gab es auch im Bibliothekswesen eine Reihe von Rückkehrern in das Ursprungsland. Die obige Liste weist 21 Remigranten auf; unter ihnen sind allerdings, wie schon Müller-Jerina feststellte „nur ganz wenige der aus Deutschland vertriebenen jüdischen Bibliothekare“.14 Die Remigranten und die Überlebenden im Heimatland konnten teilweise auf ihre früheren Posten zurückkehren. Eine kleinere Teilgruppe der Remigranten kehrte aber erst im hohen Alter und vermutlich aus persönlichen bzw. familiären Gründen zurück. Das Verhältnis zwischen den Remigranten und den Entlassenen, die im Lande blieben, einerseits zu den in der Dienststelle verbliebenen Kollegen andererseits wurde bisher nicht untersucht.

3. Widerstand

3.1. Widerstand in Deutschland

Bisher waren nur wenige Bibliothekare aus Deutschland namentlich bekannt, die der NS-Diktatur Widerstand entgegensetzten. Jan-Pieter Barbian führte 2010 fünf Namen von Volksbibliothekaren an, die aktiv Widerstand leisteten: Ernst Adler (Leipzig), Gottlieb Branz (München), Philipp Schaeffer (Berlin), Lotte Schleif-Bergtel (Berlin) und Arthur Werner.15 Schon früher finden sich in einem Aufsatz von Erwin Marks drei weitere Volksbibliothekare aus dem Widerstand in Berlin: Erich Schröter, Gerhard Hermann und Olga Hallervorden.16 Die Lebensläufe der hier untersuchten „Opfer“ zeigen, dass heute mehr Informationen über mehr Bibliothekare im Widerstand verfügbar sind. Dieser Fortschritt verdankt sich vor allem Arbeiten aus den letzten zehn Jahren. Auch die folgenden Angaben können nur ein Zwischenstand sein; denn die Akten bergen sicher weitere Fälle.

Welche Akte des Widerstands gab es unter wissenschaftlichen Bibliothekarinnen und Bibliothekaren? Hier sind Abstufungen erkennbar. Widerstand war zunächst einmal im beruflichen Alltag möglich.

Beispiele dafür finden wir schon unter den in Teil 1 geschilderten Entlassungsgründen. Es können Akte des Widerstands gewesen sein, wenn Bibliothekare den Diensteid auf Hitler verweigerten und damit ihre Entlassung riskierten (wie Marie Nörenberg in Berlin) und wenn sie trotz gegenläufiger Anweisung jüdische Benutzer weiterhin mit Literatur versorgten (wie Ilse Schunke in Bremen). Andere kauften weiterhin Literatur zu unterschiedlichen Weltanschauungen und arbeiteten sie ein (wie Hermann Stresau in Berlin und Ilse Schunke in Bremen). Sie ließen sich teilweise auch durch Hetzartikel der NS-Presse nicht davon abbringen (wie Clara Stier-Somlo in Kiel). Heinrich Auer (Caritas-Bibliothek, Freiburg) lehnte im Jahre 1933 die Aussonderung pazifistischer und marxistischer Werke für die „Bücherverbrennung“ ab. Er schickte dafür u.a. einen Packen Papier mit Ausgaben der NS-Zeitung „Völkischer Beobachter“ ein17, was natürlich ein Affront gegen die Machthaber war. Ein Kollege berichtete als Augenzeuge von der Bücherverbrennung in Freiburg: „Ein HJ-ler spießte den Packen auf seine Heugabel und freute sich an dem schönen Feuer.“18 Andere Bibliothekare machten neue NS-Literatur nur mit Verzögerung zugänglich (wie Georg Reismüller in München) oder beließen verbotene Werke in den Regalen einer öffentlichen Bibliothek (wie Helene Nathan in Berlin).

Nicht zu vergessen sind Rettungsaktionen an Bibliotheksbeständen wie jene von Erich Esriel Hildesheimer in Berlin, der nach der Schließung seiner Arbeitsstätte viele Bücher aus dem verschlossenen Gebäude in Sicherheit brachte. Aloys Ruppel von der Stadtbibliothek Mainz bewahrte ab 1933 verbotene Bücher aus der Stadtbibliothek bis zum Kriegsende in seinem eigenen Haus auf. Auch persönliche Äußerungen im dienstlichen Umfeld, die zur Entlassung führen konnten (wie bei Max Stefl in München) lassen sich unter diese Tätigkeiten im Beruf einordnen.

Eine weitere Stufe des Widerstands signalisiert persönlichen Widerstand gegen die NS-Herrschaft außerhalb des Berufs. Ein wichtiges Indiz dafür sind Äußerungen in der Öffentlichkeit. Hierzu können wir Dokumente über Bibliothekare aus dem kirchlichen Umfeld anführen.

Heinrich Auer (Zentralbibliothek der Caritas, Freiburg) hatte in Köln an einem Haus die Parole „Hitler verrecke, Deutschland erwache!“ gelesen; er wurde verhaftet, weil er sie dann vor anderen Menschen zitiert hatte.19 Der Priester Joseph Clauss (Wessenberg-Bibliothek, Konstanz) verlor wegen regimekritischer Äußerungen in der Öffentlichkeit seinen Posten als Bibliothekar. Sehr mutig vertrat Heinrich Ruster, ein entlassener Dozent der Bibliotheksschule des katholischen Borromäusvereins in Köln, seine Gegenposition zum Nationalsozialismus; drei Äußerungen seien hier zitiert. Am 5. August 1937 entstand in einem Bonner Restaurant eine Diskussion über weltanschauliche Fragen. Über Ruster wird berichtet: „Er disputierte lebhaft mit anderen Gästen über verschiedenartige Probleme, bis sich plötzlich die Diskussion auf die Einschätzung des ‚Führers‘ zuspitzte. Als einige Hitler mit dem Messias auf eine Stufe zu stellen suchten, geriet er in heftige Wut. Um der drohenden Verwischung der Grenzen zwischen Göttlichem und Menschlichem zu wehren, soll er in dieser Phase der sich steigernden Auseinandersetzung die Überhöhung Hitlers mit drastischen Worten verurteilt haben; mehrere Gäste zeigten ihn daraufhin umgehend an.“20 Ruster erhielt eine Gefängnisstrafe. Eine spätere Anzeige von 1940 beschuldigte ihn, „gehässige Kritik an den Maßnahmen des Führers und der Reichsregierung geübt zu haben“. Nach dem Beginn des Zweiten Weltkriegs erklärte er, es sei eine „Schande, dass unsre jungen Soldaten für den Führer bluten müssen“. Beide Male folgten wieder Verurteilungen zu Gefängnisstrafen.21

Diese Form des Widerstands gab es selbstverständlich in beiden christlichen Konfessionen. Als Beispiel aus der evangelischen Kirche sei der Archivar und ehemalige Bibliothekar Karl Heinrich Schäfer (Potsdam) erwähnt. Schäfer gab im Jahr der NS-Machtergreifung 1933 den Band „Christi Reich auf Erden“ heraus, dessen Titel eine programmatische Aussage darstellt; das Buch enthält Beiträge ranghoher Kirchenführer zu dem Thema. Er äußerte aber auch persönlich wiederholt scharfe Kritik am NS-Regime. 1934 kam die Entlassung, nachdem man ihn denunziert hatte: Er soll einen regimekritischen Witz erzählt haben. Nach 1940 wurde Schäfer zweimal wegen des Hörens feindlicher Rundfunksender und wegen „Zersetzungsarbeit“ verurteilt, später auch deportiert.

Eine weitere Stufe des Widerstands reicht über die Betätigung im persönlichen Umfeld hinaus. Zu ihr gehört z.B. die Mitwirkung in einer Widerstandsorganisation. Ilse Truöl ist dafür ein Beispiel. Sie konnte nach der Entlassung aus der Bibliothek der TU Dresden ab 1934 in der Sächsischen Landesbibliothek arbeiten. 1935 nahm Truöl an einem Treffen von Nazigegnern teil. Dort lernte sie den Publizisten und Kommunisten Vilmos Korn kennen, der im Untergrund lebte; sie heiratete ihn (mit Namensänderung zu Ilse Korn) und unterstützte ihn. Korn war Mitglied der Reichsleitung im „Kampfbund gegen den Faschismus“. Als die Korns 1938 eine Tochter bekamen, musste sie diese aus Sicherheitsgründen zu einer Pflegefamilie nach Hinterstein (Allgäu) geben, wo sie bis 1945 aufwuchs. Nach 1945 war Ilse Korn für einige Jahre entscheidend am Wiederaufbau des Bibliothekswesens in Sachsen beteiligt.

Ähnlich erging es Lotte Schleif aus Berlin. Sie leitete als Stadtbibliotheksrätin bis 1942 die Städtische Volksbücherei Nordmarkplatz in Prenzlauer Berg. Schleif wurde für die seit 1933 illegale KPD tätig, u.a. als Kurierin und als Fluchthelferin. In der Widerstandsarbeit lernte sie ihren Partner Rudolf Bergtel kennen, der 1939 noch rechtzeitig in die Schweiz fliehen konnte. Die Heirat fand aus Sicherheitsgründen erst nach Kriegsende statt. Lotte Bergtel-Schleif war Mitglied der Widerstandsgruppe um John Sieg in Berlin-Neukölln und später Mitglied der Widerstandsorganisation Gruppe Schulze-Boysen-Harnack (im NS-Jargon „Rote Kapelle“). 1942 wurde sie verhaftet. Sie gilt als die bekannteste Bibliothekarin im NS-Widerstand. In der Nachkriegszeit hatte sie dann einflussreiche Posten inne, u.a. zunächst als Referentin für öffentliche Bibliotheken beim Magistrat von Groß-Berlin und war anschließend Gründungsdirektorin der Berliner Bibliotheksschule, deren Wiederaufbau ihr zu verdanken ist.

1947 publizierte Bergtel-Schleif den Aufsatz „Möglichkeiten volksbibliothekarischer Arbeit unter dem Nationalsozialismus“. Sie wies auf das Versagen vieler Volksbibliothekare gegenüber dem NS-Staat hin und arbeite drei Verhaltensweisen heraus, zwischen denen Bibliothekarinnen und Bibliothekare sich in der NS-Zeit entscheiden mussten: den Wechsel in einen weniger exponierten Beruf, das Ausharren bzw. Abwarten auf ihrem Dienstposten und eine Mitarbeit im Widerstand. Die dritte Möglichkeit wertete die Autorin (ohne zu sagen, dass selbst diese gewählt hatte) als beglückende Aufgabe: „Es war der entsagungsvollste und zugleich beglückendste Weg. Hier war der Ausgleich gefunden, den die Volksbüchereiarbeit niemals zuließ. Die Büchereiarbeit selbst wurde zur Tarnung unter gleichzeitiger Benutzung jeder Chance zu individueller Resistenz. Diejenigen Berufskollegen, die diesen Weg in die ‚Dunkelheit‘, in die ‚zweite Existenz‘ gewählt haben, werden bestätigen, welch innere Befreiung diese Entscheidung mit sich brachte. Niemand, der im illegalen Kampf – und sei es als bescheidenstes Glied – gestanden hat, konnte jemals ganz der Verzweiflung anheimfallen, denn er sah und erlebte die besten Kräfte des Volkes. Er wußte, dass sich dieses Volk nicht restlos mißbrauchen ließ.“22

Berlin wurde das Zentrum des politischen Widerstands von Bibliothekaren gegen die NS-Diktatur.23 Hier arbeitete mit Philipp Schaeffer auch der wohl bekannteste Bibliothekar unter den Widerstandskämpfern gegen die NS-Diktatur. Der Orientalist Schaeffer hatte bis 1932 die Stadtbibliothek Berlin-Mitte geleitet. Schon seit 1926 war er Mitglied der KPD, ab 1933 wirkte er in der Bezirksleitung Berlin-Brandenburg der jetzt illegal gewordenen KPD mit.24 Schaeffer leitete dort die Studentengruppe „Rote Standarte“ und war in der Widerstandsgruppe „Rote Studenten“ aktiv. Seine Frau Ilse arbeitete dabei mit ihm zusammen. Sie verteilten Schriften des Widerstands und übten Einfluss auf Arbeitersportvereine und kulturelle Gruppen aus. Schaeffer wurde 1935 verhaftet und war mehrere Jahre in einem Zuchthaus gefangen. Danach wurde er nach 1940 ein Mitglied der bekannten Widerstandsorganisation Gruppe Schulze-Boysen-Harnack, für die er auch Lotte Bergtel-Schleif anwarb. Bei dem Versuch, ein verzweifeltes jüdisches Ehepaar vor dem Selbstmord zu retten, stürzte Schaeffer 1943 vom dritten Stockwerk eines Wohnhauses ab und verletzte sich schwer. Im selben Jahr wurde er mit anderen als Hochverräter verhaftet. Der Schriftsteller Günther Weisenborn war ebenfalls Mitglied dieser Widerstandsgruppe. Er schilderte 1948 in einem autobiographischen Buch Schaeffers Verhalten in der Gerichtsverhandlung, als der sich weigerte, andere Personen aus der Widerstandsgruppe zu verraten: „Er saß dort zehn Meter entfernt allein, ein Krüppel, dünn, hungernd, ein Mensch auf seinem Stuhl. Und er erhob sich mühsam und sprach sein ‚letztes Wort‘ zur Welt draußen: ‚Meine Herren, ich bin hier gefragt worden, warum ich diese Sache nicht angezeigt habe. Darauf muß ich Ihnen antworten: ich bin kein Handlanger der Polizei.‘ Und setzte sich. Er wußte, daß ihn draußen keiner hören würde. …“25 Schaeffer wurde zum Tode verurteilt und kurz darauf, wie weitere Mitglieder der Widerstandsbewegung Schulze-Boysen-Harnack, in Berlin-Plötzensee hingerichtet.

Von drei weiteren Bibliothekaren aus dem aktiven Widerstand der Linken in Berlin kann ich an dieser Stelle nur die Namen nennen. Es handelt sich um den Romanisten Gerhard Herrmann (bis 1933 Stadtbibliotheksrat in Berlin-Friedrichshain), um Erich Schröter (bis 1933 Stadtbücherei Berlin-Neukölln) und um den Bibliothekar der KPD, Otto Franke. Zur möglichen Beteiligung von Berliner Bibliothekaren am Widerstand in weiteren Kreisen der Gesellschaft (etwa Sozialdemokratie, Kirchen, Gewerkschaften) liegen noch keine Informationen vor.

Auch in Leipzig wirkte zumindest ein Bibliothekar am politischen Widerstand der Kommunisten mit. Ernst Adler (bis 1933 Deutsche Bücherei) war Mitglied der Widerstandsgruppe um Georg Schumann und Karl Jungbluth.26 Nach dem Krieg leitete er die Stadtbücherei Leipzig, baute später in Ostberlin das Zentralinstitut für Bibliothekswesen mit auf und war danach an der Universitätsbibliothek Jena tätig. Daneben gab es in Leipzig auch einen bürgerlichen Widerstandskreis um den 1937 zum Rücktritt gezwungenen Leipziger Oberbürgermeister Carl Friedrich Goerdeler (1884-1945). Zu diesem Kreis gehörte der bekannte Volksbibliothekar Walter Hofmann (Städtische Bücherhallen Leipzig, Institut für Leser- und Schrifttumskunde). Hofmann wurde daher „1937 im Zusammenhang mit dem Sturz des Leipziger Oberbürgermeisters Carl Goerdeler gezwungen, alle Ämter niederzulegen“.27 Der Goerdeler-Kreis war aber nicht auf Mitglieder in Leipzig beschränkt. Im Jahr 2004 wurde ein Brief von Christoph Weber (Direktor der Universitätsbibliothek Kiel, 1935 versetzt an die Universitäts­bibliothek Königsberg, 1943 abgeordnet zur Reichstauschstelle in Berlin) von 1946 gefunden. Weber schreibt darin, er sei seit 1942 in Königsberg Mitglied des Goerdeler-Kreises gewesen. Er habe sich auch zur Übernahme eines Regierungsamtes nach dem geplanten Umsturz bereit erklärt.28

Aus Hamburg ist eine Bibliothekarin einer wissenschaftlichen Spezialbibliothek bekannt, die sich dem Widerstand anschloss. Magdalene Schoch leitete die 1930 gegründete Amerika-Bibliothek im Neuen Rechtshaus; daneben lehrte sie als Juristin am Institut für Auswärtige Politik der Universität Hamburg. Schoch war eine treibende Kraft bei der Gründung der sogenannten Hamburger „Frauenfront“ gegen den Nationalsozialismus. Sie hielt, wohl 1932, eine Rede im Conventgarten gegen den Nationalsozialismus. Ihre Initiative verteilte auch Flugblätter gegen das Regime. Schoch weigerte sich auch, den Hitlergruß zu verwenden und jüdische Autoren nicht mehr zu zitieren; außerdem unterstützte sie jüdische Freunde und Sozialdemokraten.29

Beispiele für Aktivitäten von Sozialdemokraten im politischen Widerstand finden wir auch bei verfolgten Bibliothekaren aus Frankfurt/Main und München. In Frankfurt war Georg Weinreich (bis 1933 Senckenberg-Bibliothek) Mitglied einer Widerstandsgruppe gegen den Nationalsozialismus an seinem Heimatort Neu-Isenburg. Sie gehörte zur Widerstandsorganisation um den früheren hessischen Innenminister Wilhelm Leuschner; Details sind noch nicht publiziert. Weinreich kehrte wegen Erkrankung 1945 nicht mehr in den Dienst zurück.

München ist bisher die einzige Stadt, aus der Aktivitäten eines Gewerkschaftsbibliothekars im politischen Widerstand dokumentiert sind. Der 1933 entlassene Bibliothekar der Bibliothek des Gewerkschaftshauses, Gottlieb Branz, musste sich nach 1933 mit Hilfsjobs durchschlagen (u.a. als Vertreter für Zigaretten). Zusammen mit seiner Frau Lotte unternahm er Fahrten in die Tschechoslowakei, um Nachrichten und verbotene Literatur mit exilierten Sozialdemokraten vom SoPaDe-Grenzsekretariat unter der Leitung von Waldemar von Knoeringen auszutauschen.30 Sie leisteten auch Fluchthilfe. Außerdem baute Branz in München eine Widerstandsgruppe auf und arbeitete mit der marxistischen Widerstandsgruppe „Neu beginnen“ zusammen. Er wurde 1939 verhaftet und deportiert. Nach Kriegsende kehrte er in seinen Beruf zurück und wurde Direktor der Münchener Stadtbüchereien. Parallel dazu amtierte er als Vorsitzender der SPD-Fraktion im Münchner Stadtrat.

Bei den Aktivitäten deutscher Bibliothekare im Widerstand gegen die NS-Diktatur sollten wir jene Emigranten aus Deutschland nicht vergessen, die sich in ihrem Exil gegen den Nationalsozialismus und für die Rückkehr zur Demokratie in Deutschland engagiert haben. Edgar Breitenbach (früher Stadtbibliothek Frankfurt/Main) stellte sich in Washington dem Office of War Information der USA zur Verfügung. Ab 1945 war er Mitarbeiter der amerikanischen Militärverwaltung (OMGUS) an den Einsatzorten Berlin, München und Frankfurt/Main. Magdalene Schoch aus Hamburg war während des Krieges Mitarbeiterin des Office of Economic Warfare in Washington; sie arbeitete damals auch Richtlinien zur Abschaffung der NS-Gesetze in Deutschland aus.31 Der aus Prag nach London geflüchtete Harry Hochfelder (früher Universitätsbibliothek der Technischen Hochschule Prag) trat 1941 in die British Army ein, war mehrere Jahre für sie im Kriegseinsatz und wurde dort bei Kriegsende als Captain verabschiedet.

Aus Berlin floh Gerhard Herrmann 1933 nach Prag und aus Dresden Peter Bultmann 1935 nach Wien. Beide leisteten als Einzelperson Widerstand gegen die NS-Diktatur. Andere Emigranten engagierten sich dagegen in Exilorganisationen, die Emigranten aus dem Ursprungsland unterstützten. Beispiele dafür sind Olga Hallervorden und Otto Franke aus Berlin, Wanda Lanzer aus Wien und Karl Raloff aus Hannover. Olga Hallervorden etwa engagierte sich in Mexiko zusammen mit Anna Seghers und weiteren linken Schriftstellern im „Bund Freies Deutschland“. Otto Franke arbeitete in London im Freien Deutschen Kulturbund und in der „Landesgruppe deutscher Gewerkschafter in Großbritannien“ mit.

Die hier mitgeteilten Fakten reichen soweit, wie die Forschung über Bibliothekare im Widerstand zwischen 1933 und 1945 reicht; sie ist noch nicht sehr entwickelt. Immerhin wurde deutlich, dass für 34 Volksbibliothekare und wissenschaftliche Bibliothekare aus Deutschland Belege nachgewiesen sind, die ihren Widerstand gegen das Unrecht im NS-Staat im persönlichen, beruflichen oder politischen Umfeld dokumentieren.

3.2. Widerstand in Österreich und in den besetzten Ländern

Für Österreich konnte ich relativ wenige Quellen finden, die Aktivitäten der Bibliothekare im Widerstand belegen. Das hängt mit der Vorgeschichte zusammen. Eine wichtige Entwicklung im Vorfeld des „Anschlusses“ Österreichs an das Deutsche Reich von 1938 war die Zerstörung des Netzes der Arbeiterbüchereien aus dem „Roten Wien“. Das Dollfuss-Regime vollzog sie im austrofaschistischen Ständestaat bereits nach der Verstaatlichung der Büchereien von 1936.32 Der Leiter des Arbeiterbüchereiwesens in Wien, Josef Luitpold Stern, flüchtete bereits 1934 in die Tschechoslowakei. Ein typisches Schicksal eines Wiener Arbeiterbibliothekars ist jenes von Oscar Sternglas. Er war Jude, leitete seit 1912 die Zentralbibliothek der Arbeiterorganisationen des Bezirks Ottakring und arbeitete zugleich im Bezirksvorstand der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (SDAP) mit. Das Dollfuss-Regime löste die Partei 1934 auf. Daraufhin betrieb Oscar Sternglas mit seiner Frau vier Jahre lang eine private Leihbücherei. Er wurde nach dem „Anschluss“ 1938 als Jude verhaftet, nach Deutschland deportiert und nach langen Jahren in Lagerhaft 1942 ermordet.

Im Zuge meiner Recherchen fanden sich vier Männer und eine Frau, die als Bibliothekare am österreichischen Widerstand aktiv mitwirkten. In Wien war bis 1938 der aus Dresden emigrierte Peter Bultmann im christlichen Widerstand tätig. Sein Grazer Kollege Wolfgang Benndorf arbeitete Anfang 1945 zeitweise in der österreichischen Widerstandsbewegung in Wien (Gruppe O 5) mit. Nach dem Krieg wurde er in sein Amt als Direktor der Universitätsbibliothek Granz wieder eingesetzt. Auch der Heraldiker Hanns Jäger-Sunstenau (Bibliothek und Vorstandsmitglied der heraldischen Gesellschaft „Adler“, Wien) war 1944/1945 in Wien ein Mitglied der Widerstandsbewegung. Wanda Lanzer (Sozialwissenschaftliche Studienbibliothek der Wiener Arbeiterkammer) dagegen ist 1939 nach Schweden emigriert. Sie arbeitete im Stockholmer Rathaus als Archivarin und war unter emigrierten Sozialdemokraten um den späteren Kanzler Bruno Kreisky politisch aktiv.

Josef Hofinger (bis 1938 Studienbibliothek Linz) engagierte sich gegen Kriegsende als führendes Mitglied der österreichischen Widerstandsbewegung im Kreis Kitzbühel im politischen Widerstand. Von Mai bis Oktober 1945 war er Bürgermeister seines Geburtsortes St. Johann in Tirol. Er leitete den Wiederaufbaus der Marktgemeinde und fand dort Kunstschätze wieder, die deutsche Soldaten aus dem Kunsthistorischen Museum Wien gestohlen hatten. Nach dem Krieg arbeitete Hofinger in der Österreichischen Nationalbibliothek, leitete anschließend die Studienbibliothek Salzburg und war zuletzt Direktor der Universitätsbibliothek Innsbruck.

Der Widerstand in jenen Ländern, die ab 1939 durch deutsche Truppen besetzt wurden, lässt sich in wenigen Worten charakterisieren: In einer Reihe von besetzten Ländern leisteten einheimische Bibliothekare erheblichen Widerstand gegen die Besatzer aus Deutschland. Die folgende Liste nennt 24 als „Opfer“ ermittelte wissenschaftliche Bibliothekarinnen und Bibliothekare, die daran beteiligt waren. Auch wenn dies nur ein Ausschnitt des Gesamtgeschehens in den besetzten Ländern sein kann, wird aus ihm schon eine Fülle von Aktivitäten im Widerstand deutlich.33

Frankreich

Yvonne Oddon war die Bibliothekarin des Musée d’Ethnographie du Trocadéro (seit 1937: Musée de l‘Homme) in Paris. Sie hörte nach dem Einmarsch der deutschen Truppen 1940 in Paris eine Rundfunkrede von General de Gaulle, die sie veranlasste, mit Mitarbeitern des Museums im Juli 1940 die erste Résistance-Gruppe im besetzten Frankreich zu gründen. Daraus entstand ein weit verzweigtes Netzwerk des politischen Widerstands in Frankreich. Das Hauptziel Oddons und ihrer Mitstreiter war es, den Flüchtlingen und den im Widerstand aktiven Piloten zu helfen. Von Dezember 1940 bis März 1941 organisierte sie fünf Ausgaben der neuen Zeitschrift „Résistance“. Nach einer Denunziation wurde Oddon jedoch 1941 durch die Gestapo verhaftet und zum Tode verurteilt. Das Urteil wurde jedoch später abgemildert und Oddon wurde stattdessen deportiert (s.u. Kap. 4.1 Ravensbrück).

An der Universität Paris wurde der Slavist und Bibliothekar Boris O. Unbegaun wegen Tätigkeit in der Résistance im November 1943 durch die Gestapo verhaftet und deportiert.

In Paris existierte seit 1934 die „Deutsche Freiheitsbibliothek“. Sie war als Reaktion auf die Bücherverbrennungen in Deutschland 1933 als private Initiative deutscher exilierter Schriftsteller entstanden. Bekannte Autoren wie André Gide, Romain Rolland, Heinrich Mann und Herbert George Wells setzten sich für die Freiheitsbibliothek ein. Die Schriftsteller stellten ihre Werke kostenlos zur Verfügung. Die Initiative stieß auf großes Interesse und Unterstützung; der Generalsekretär der Freiheitsbibliothek, der Publizist Alfred Kantorowicz, machte sie international bekannt.34 1939 wurde die Bibliothek durch die Regierung Pétain geschlossen. 1940 wurde sie zerstört, vermutlich durch deutsche Truppen bei der Besetzung von Paris.

In Bordeaux war der Bibliothekar und spätere Schriftsteller Jean Cayrol ab 1941 in der Résistance aktiv (Gruppe von Gilbert Renault, genannt Colonel Rémy). 1942 wurde er verhaftet und zum Tod verurteilt. Das Urteil wurde dann korrigiert; Cayrol wurde stattdessen deportiert.

Kroatien

Matko Rojnić von der Universitätsbibliothek Zagreb arbeitete im Zweiten Weltkrieg zunächst in der Nationalen Befreiungsbewegung in Istrien und in der kommunistischen NOP in Zagreb mit. 1941 ließ das Ustascha-Regime ihn verhaften. Nach der Entlassung 1943 wurde er im Widerstand erneut aktiv (Sekretär der Befreiungsbewegung im X. Bezirk von Zagreb). Von Ende 1944 bis Kriegsende durfte er sein Haus nicht verlassen; danach war er Direktor der Bibliothek.

Litauen

Dinah Abramowicz (YIVO Bibliothek, Vilnius) schloss sich nach der Auflösung des Ghettos Wilna 1943 durch die Gestapo bis 1944 einer jüdischen Partisanengruppe an. Witold Nowodworski von der Universitätsbibliothek Wilna arbeitete in der Widerstandsgruppe „Vilnius AK“ gegen die deutschen Besatzer. Später diente er bis 1945 in der polnischen Armee.

Luxemburg

Pierre Frieden lehnte als Direktor der Nationalbibliothek in Luxemburg die Zusammenarbeit mit Nationalsozialisten ab und verlor deshalb seine Professur für Philosophie an der dortigen Universität. Ab September 1941 leitete er eine Widerstandsgruppe, die Deportierten und deren Familien half. Ende August/Anfang September 1942 stellte er sein Büro für einen Streik gegen die Zwangsrekrutierung der Bürger Luxemburgs zur Wehrmacht zur Verfügung und verfasste einen Protestbrief an die Besatzer. Daraufhin wurde er entlassen und für einige Monate deportiert. Nach der Rückkehr stand Frieden bis 1944 unter Hausarrest. Er arbeitete mit einer Widerstandsgruppe zusammen und gab eine illegale patriotische Zeitschrift heraus. Frieden wurde nach dem Krieg Minister und sogar Ministerpräsident von Luxemburg.35 Sein Mitarbeiter, der klassische Philologe Emile Lefort, weigerte sich 1940, den Treueeid auf Adolf Hitler abzulegen. Er baute in der Nationalbibliothek eine Widerstandsgruppe auf und schrieb unter seinem Decknamen „Montaigne“ französische Schriften und Chansons für die Résistance. Nach der Verhaftung 1944 wurde Lefort deportiert.36

Niederlande

Anna Adama van Scheltema-Kleefstra (Amsterdam) gelang es 1940, nach der Schließung ‚ihrer‘ Bibliothek am Internationalen Institut für Sozialgeschichte durch die Gestapo, für die Stadt Amsterdam ein ungewöhnliches Projekt in einer besetzten Stadt durchzuführen. Sie organisierte die Sicherung und Katalogisierung einer großen Sammlung aktueller holländischer Flugschriften und grauer Literatur, die die Bibliothek seit Mai 1940 gesammelt hatte. Das mutige Projekt sicherte auch Arbeitsplätze weiterer Kolleginnen.

Auch die traditionsreiche portugiesische Jüdische Gemeinde in Amsterdam erlebte die Schließung ihrer Bibliothek durch die Gestapo. Zwar hatte ihr Bibliothekar Jacob da Silva Rosa die wertvollsten Werke im Safe einer Bank versteckt. Die Besatzer fanden aber die Bestätigung über das Depositum. Da Silva Rosa und seine Frau wurden deportiert, die Bücherschätze nach Deutschland entführt.

Die Bibliotheca Rosenthaliana mit ihren hebräischen und jüdischen Schätzen ist die älteste und wertvollste Sondersammlung der Universitätsbibliothek Amsterdam. Sie wurde Ende 1940 durch die Gestapo geschlossen; der Leseraum mit den wertvollsten Materialien war versiegelt. Der Bibliothekar der Sammlung, Levie Hirschel, und der neue Direktor der Universitätsbibliothek, Herman de la Fontaine Verwey, entschlossen sich mutig dazu (vermutlich im November 1942), den Besatzern die wertvollsten Stücke zu entziehen. Dabei halfen ihnen zwei Umstände. Erstens trockneten die an den Türen angebrachten Siegel rasch aus. Bei den Gestapo-Kontrollgängen fielen sie zu Boden und wurden beim Hinausgehen durch neue ersetzt. Die beiden Bibliothekare hoben die alten unversehrten Siegel auf. Zweitens gab es nur einen handgeschriebenen aktuellen Kartenkatalog. Hirschel und Verwey entnahmen aus den Regalen die wertvollsten Handschriften, Inkunabeln und Bücher und stellten die Bände, die in den zuvor übervollen Regalen verblieben, lockerer auf. Die Karteikarten zu den entnommenen Stücken zogen sie aus dem Katalog. Dann versiegelten sie den Leseraum wieder und brachten die Schätze an einem sicheren Ort unter (Bunker der Universität in Castricum). Da die Kontrolleure der Räume einfache Soldaten ohne Kenntnis der Bestände waren, blieb die umfangreiche Entnahme unbemerkt. Ein halbes Jahr später, im Mai 1943, ließ der Einsatzstab von Reichsleiter Rosenberg dann die gesamte verbliebene Bibliothek verpacken und nach Deutschland abtransportieren.37

Polen

In Polen waren zahlreiche wissenschaftliche Bibliothekare im Widerstand tätig. In der Hauptstadt Warschau konnte Adam Lewak die Zusammenlegung ‚seiner‘ Tschechischen Nationalbibliothek mit der Universitätsbibliothek 1941 verhindern. Er ließ heimlich polnische Werke an polnische Leser ausgeben (Studierende an zwei Untergrunduniversitäten, Leser aus verschiedenen Leihbüchereien) und organisierte die Erhaltung der Bestände in polnischer Sprache, welche die Besatzer rigoros aussondern ließen, während des Krieges. Rund 20 Bibliothekare waren an diesen Aktionen beteiligt. Józef Grycz, der frühere Bibliotheksreferent des Bildungsministeriums in Warschau wurde 1940 als Direktor der Nationalbibliothek, die damals in „Deutsche Staatsbibliothek Warschau“ umbenannt wurde, eingesetzt. Er stand unter Polizeiaufsicht, arbeitete aber trotzdem mit Lewak zusammen und koordinierte in der Warschauer Untergrundorganisation die genannten Bibliotheksaktivitäten.38 Helena Wieckowska (Warschau) war ab 1939 für die Exilregierung in Polen tätig. Auch Adam Lysakowski (Wilna) arbeitete, nachdem die NS-Regierung die von ihm geleitete Universitätsbibliothek Wilna 1943 geschlossen hatte, ab 1944 in Warschau daran mit, nach dem Aufstand im Warschauer Ghetto das Bibliotheksgut der Nationalbibliothek zu retten. Jan Muszkowski (Warschau) dagegen tauchte nach der Schließung der von ihm geleiteten wertvollen Krasiński-Bibliothek durch die NS-Behörden in den Untergrund ab. Er wurde in Nordpolen in der Untergrundbewegung als Dozent tätig.

In der traditionsreichen Jagiellonischen Bibliothek Krakau konnten der Bibliotheksleiter, der Theologe Edward Kuntze, und seine Kollegin Helena Lipska die Aussonderung „deutschfeindlicher Literatur“ aus dem Bestand der Jagiellonischen Bibliothek verhindern.39 Kuntze arbeitete auch in dem 1941 gegründeten Ministerium für Unterricht und Kultur der polnischen Untergrundbewegung mit. Diese führte u.a. die Literaturversorgung der polnischen Bürger weiter, sammelte Literatur der Untergrundbewegung und plante für die Nachkriegszeit. Geraubte Kulturgüter wurden heimlich genauestens verzeichnet, geraubte Bibliotheken aus Polen wurden heimlich in der Bibliothek gelagert. Die Bibliothekare in Krakau sabotierten 1944 auch den Raub des Bestands an Bibliographien teilweise: Sie versteckten einen Teil der Bücher und füllten die Transportkisten stattdessen mit alten Zeitungen.

Tschechoslowakei

Gerhard Hermann aus Berlin arbeitete ab Ende 1933 als Journalist in Prag. Er nutzte vor und nach dem Einmarsch deutscher Truppen seine Verbindungen zu Widerstandsgruppen. Verhöre durch die Gestapo im Sommer 1939 überstand er und war anschließend sogar kurzzeitig bei der Wehrmacht angestellt. Seiner Verhaftung im Juli 1941 folgte die Verurteilung wegen antideutscher Äußerungen und wegen des Abhörens fremder Radiosender.

Mehrere wissenschaftliche Bibliothekare aus Prag beteiligten sich am Widerstand gegen die deutschen Besatzer. Zu ihnen gehörte Lubor Matouš von der Universitätsbibliothek Prag. Er trat bei Kriegsausbruch als Freiwilliger in die geheime tschechische Auslandsarmee (Landesverteidigung) ein und war in Frankreich eingesetzt. Der Direktor der Stadtbibliothek Prag Miloš (František) Jirko war Mitglied einer Widerstandsgruppe bis zur Verhaftung 1940. Die Leiterin der Musikbibliothek, Anna (Anička) Kvapilová,40 hielt konspirative Treffen der Widerstandsgruppe Úvod in ihrer Wohnung ab und wurde 1941 verhaftet. In der Tschechischen National- und Universitätsbibliothek im Prager Klementinum arbeiteten Jan Frček und Anna Zborilová, die sich 1939 dem Widerstand anschlossen. Beide wurden nach dem Attentat auf den Leiter des Reichssicherheitshauptamts, Reinhard Heydrich, 1942 in Prag durch die Gestapo verhaftet und ermordet.

In Olmütz/Olomuc leitete der marxistische Literaturwissenschaftler Bedřich Václavek die dortige Studienbibliothek. Er arbeitete von 1940 bis zu seiner Verhaftung 1942 im Untergrund gegen die Besatzer.41

Zum Widerstand in Konzentrationslagern und Ghettos vgl. Abschnitt 4.

4. Deportation

In diesem Abschnitt gebe ich einen Überblick über verfolgte Bibliothekarinnen und Bibliothekare, die als „Opfer“ der NS-Diktatur deportiert wurden. Sofern sie als Zwangsarbeit Bibliotheksarbeit zu verrichten hatten, wird dies näher erläutert.

4.1. Konzentrationslager

Die folgende Übersicht ist nach den Orten der Konzentrationslagern geordnet. Die Gefangenen sind in der Folge ihres Eintreffens im jeweiligen Lager aufgeführt. Folgende Angaben werden gemacht: Name der/des Gefangenen, letzter Ort des Bibliotheksdienstes (in Klammern), Jahr und Monat der Deportation, ggf. Jahr der Verlegung in ein anderes Lager oder Gefängnis, ggf. das Todesjahr. Falls vor einer Deportation bzw. Inhaftierung NS-Urteile vorlagen, sind möglichst auch die Anlässe der Verurteilung genannt. Bei Personen, die überlebten, sind Angaben zur Befreiung bzw. zur Flucht aus dem Lager enthalten. Die Sterbedaten wurden mit der Central Database of Shoah Victims’ Names (Opferdatenbank des Holocaust Research Institute in Yad Vashem, Israel) abgeglichen, die öffentlich zugänglich ist.

Auschwitz

Michael Gorlin (Paris) wurde im Mai 1942 durch deutsche Besatzungstruppen im Lager Puthiviers verhaftet und nach Deutschland deportiert. Er musste in einem Salzbergwerk in Schlesien arbeiten, wurde noch 1942 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Bedřich Václavek (Olmütz) wurde 1942 durch die Gestapo verhaftet und deportiert. Er kam in das Gefängnis Pankrác in Prag, wurde dann im Mai 1943 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Erich Guttmann (Breslau) wurde im März 1943, wohl von Berlin, nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Levie Hirschel (Amsterdam) wurde im November 1943 vom Durchgangslager Westerbork deportiert und im März 1944 in Auschwitz ermordet. Leopold Moses (Wien) wurde im Dezember 1943 aus Wien nach Auschwitz deportiert; das genaue Todesdatum ist nicht bekannt. Pavel Fraenkl (Brünn) wurde im Juni 1944 aus Deutschland in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert; im Januar 1945 durch die Sowjetarmee befreit. Er kehrte nach Norwegen zurück. Tobias Jakobovits (Prag) wurde im Oktober 1944 aus Theresienstadt nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.

Bergen-Belsen

Arthur Spanier (Berlin) wurde im September 1943 aus dem Durchgangslager Westerbork (Niederlande) in das Konzentrationslager Bergen-Belsen deportiert; im März 1944 dort ermordet.

Breslau-Dürrgoy

Ernst Moering (Breslau) wurde im Mai 1933 in das sogenannte „Privat-KZ“ des Breslauer SA-Obergruppenführers Edmund Heines deportiert. Entlassung am 3. Juni 1933. Moering tauchte dann unter.

Buchenwald

Arno Schirokauer (Leipzig) wurde im September 1938 aus dem KZ Dachau nach Buchenwald deportiert, wo er bis Dezember 1938 gefangen war. 1939 Emigration in die USA. Oscar Sternglas (Wien) wurde im September 1938 aus Wien nach Buchenwald deportiert, wo er bis März 1942 gefangen war; später in der Euthanasieanstalt Bernburg/Saale ermordet. Gottlieb Branz (München) wurde wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ im Oktober 1939 von München nach Buchenwald deportiert und war bis zur Befreiung durch US-Truppen im April 1945 dort gefangen. Er verrichtete Zwangsarbeit als Bibliothekar in der „Lagerbücherei“. Das war die gemeinsame Bücherei für die Häftlinge und ihre Bewacher; das Lagerkommando war dafür zuständig. Einige Lagerbüchereien in Konzentrationslagern wurden als Zentren des Widerstands der Häftlinge genutzt.42 Im April 1945 Mitarbeit am „Buchenwalder Manifest“, dann Rückkehr nach München. Boris O. Unbegaun (Paris) wurde im November 1943 wegen Tätigkeit in der Résistance verhaftet und dann nach Buchenwald deportiert. Befreiung im April 1945 durch US-Truppen, Rückkehr nach Frankreich. Julien Cain von der Französischen Nationalbibliothek (Paris) wurde im Januar 1944 vom Lager Romainville aus über Compiègne nach Buchenwald deportiert. Dort lebte er im „kleinen Lager“ bis zur Befreiung durch US-Truppen im April 1945 in Gefangenschaft. Er musste im Archiv des Lagers als Übersetzer arbeiten. 1946 Rückkehr nach Paris und Wiedereinsetzung in das Amt des Generaldirektors der Französischen Nationalbibliothek.

Dachau

Arno Schirokauer (Leipzig) wurde Im Herbst 1937, als er von Italien nach Deutschland kam, um seinen Pass erneuern zu lassen, in Leipzig verhaftet und später nach Dachau deportiert, wo er von Dezember 1937 bis September 1938 gefangen war; dann Transport nach Buchenwald (s.o.). Josef Bick (Wien) wurde am 1.4.1938 mit dem sogenannten „Prominententransport“ nach Dachau deportiert, wo er eine Woche gefangen war; dann Deportation nach Sachsenhausen (s.u.).

Heinrich Auer (Freiburg) wurde nach einer kritischen Äußerung über das Regime im Dezember 1942 in Freiburg verhaftet. Er verbrachte acht Monate in Untersuchungshaft; dann ohne Gerichtsverfahren – und trotz Erkrankung – deportiert; seit August 1943 „politischer Schutzhäftling“ (Nr. 50241). Er konnte in der Lagerbücherei arbeiten. Freundschaft mit einem Mitgefangenen, dem holländischen Journalisten Nico Rost. Im Lager hielt Auer auch Vorträge über Literatur aus Baden-Württemberg. Wie Nico Rost berichtet, war er dabei so ruhig und ausgeglichen, „als ob er in seiner Bibliothek in Freiburg wäre und nicht in der Hölle, die Dachau heißt“.43 Im April 1945 befreiten die US-Truppen Auer; er kehrte im Juli nach Freiburg/Br. und in das Bibliotheksamt zurück.

Grini

Pavel Fraenkl (Brünn) wurde im August 1942 in Norwegen verhaftet, als er nach Schweden fliehen wollte, und nach Grini bei Oslo deportiert, wo er bis zum Januar 1944 gefangen war.

Klooga

Herman Kruk (Wilna) wurde nach der Auflösung des Ghettos Wilna im September 1943 in das Konzentrationslager Klooga (Estland) deportiert, wo er bis August 1944 gefangen war.

Lagedi

Herman Kruk (Wilna) wurde im August 1944 vom KZ Klooga nach Lagedi (Estland) deportiert; dort im September 1944 ermordet.

Lichtenburg

Otto Franke (Berlin) wurde zwischen 1933 und 1935 vom KZ Sonnenburg nach Lichtenburg deportiert. 1935 schwer krank entlassen, kehrte er nach Berlin zurück.

Maly Trostinec (bei Minsk)

Norbert Jokl (Wien) wurde im März 1942 durch die Gestapo in Wien verhaftet und erst in ein Sammellager, dann im Mai 1942 nach Maly Trostinec bei Minsk deportiert und ermordet. Alexander Kristianpoller (Wien) wurde zur selben Zeit dorthin deportiert und ermordet.

Masseube

Ferdinand Rieser (Karlsruhe) wurde im März 1943 mit seiner Ehefrau vom Lager Nexon in das Camp de Masseube, Département Gers, verlegt. Sie verstarb im Oktober; Rieser verstarb nach der Bombardierung des Lagers im März 1944 im dortigen Hospital.

Mauthausen-Gusen

Jean Cayrol (Bordeaux) wurde als Mitglied der Résistance 1942 verhaftet, zum Tode verurteilt, später begnadigt und nach Österreich in das Konzentrationslager Mauthausen-Gusen deportiert. 1943 war er Zwangsarbeiter im Zwillingslager Gusen I (Steinbruch, Straßenbau, Eisenbahnschienen verlegen), später in der Gewehrfabrik Steyr-Daimler-Puch. 1945 Befreiung durch US-Truppen das Lager; Rückkehr nach Bordeaux. Avgust Pirjevec wurde als Leiter der Studienbibliothek Ljubljana im Herbst 1943 verhaftet, weil seine Kinder als Partisanen aktiv waren; er wurde nach Mauthausen, Nebenlager Gusen, deportiert, wo er im Dezember verstarb. Emile Lefort (Luxemburg) wurde 1944 vom Gefängnis Maitlingen bei Eisenach nach Mauthausen verlegt. Er starb im April 1945, kurz vor der Befreiung des Lagers, auf einem Todesmarsch.

Nexon

Ferdinand Rieser (Karlsruhe) wurde mit seiner Ehefrau im Oktober 1942 vom Lager Récébédou in das Camp de Nexon im Département Haute-Vienne verlegt, wo sie bis März 1943 gefangen waren.

Oranienburg

Otto Franke (Berlin) wurde als Mitglied des Widerstands im Juli 1933 in Berlin verhaftet und in das Konzentrationslager Oranienburg deportiert, wo man ihn schwer folterte. Später Deportation nach Sonnenburg.

Plaszow (bei Krakau)

Matthias Mieses (Wien) wurde im Februar 1944 aus dem Lager Szebnie (Distrikt Krakau) nach Plaszow bei Krakau verlegt. Er starb auf dem Transport in das Lager Gleiwitz (Außenlager von Auschwitz) im Januar 1945 an Erschöpfung.

Ravensbrück

Yvonne Oddon (Paris) wurde als Mitglied der Résistance nach Denunziation durch einen Mitarbeiter im Februar 1941 in Paris verhaftet. Nach Gefängnisaufenthalten in Cherche-Midi und Fresnes erhielt sie das Todesurteil; es wurde dann in 5 Jahre Zwangsarbeit umgewandelt. Im Anschluss an mehrere Gefängnisaufenthalte in Deutschland Deportation nach Ravensbrück im November 1944; 1945 durch das Rote Kreuz befreit; Rückkehr nach Paris. Anna Kvapilová (Prag) wurde als Mitglied einer Widerstandsgruppe im April 1941 in Prag verhaftet und im Herbst 1941 nach Ravensbrück deportiert. Sie leitete dort einen Frauenchor und konnte Volkslieder von Gefangenen aufzeichnen. 1945 Befreiung durch das Schwedische Rote Kreuz; Rückkehr nach Prag.

Récébédou (bei Toulouse)

Ferdinand Rieser wurde 1941 mit seiner Ehefrau vom Internierungslager Gurs nach Récébédou verlegt. Er baute im Lager zusammen mit ihr einen „Bibliotheksbetrieb mit gutem Erfolg“44 auf und war dort bis zum Oktober 1942 gefangen.

Riga

Kurt Wieruszowski (Berlin) wurde im Oktober 1942 von Berlin nach Riga deportiert und drei Tage später ermordet.

Sachsenhausen

Josef Bick (Wien) wurde im April 1938 aus dem KZ Dachau nach Sachsenhausen deportiert und war dort bis zum August 1938 gefangen; nach der Rückkehr nach Wien durfte er bis 1945 sein Haus nicht verlassen. Nach dem Krieg kehrte er in das Amt als Generaldirektor der Österreichischen Nationalbibliothek zurück. Arthur Spanier (Berlin) wurde im November 1938 nach Sachsenhausen deportiert, wo er bis zum Dezember 1938 gefangen war. Er kehrte nach Berlin zurück und emigrierte 1939 nach Amsterdam. Aleksander Birkenmajer (Krakau) wurde bei dem SS-Einsatz „Sonderaktion Krakau“ im November 1939 verhaftet und nach Sachsenhausen deportiert und gefoltert. Nach Interventionen für ihn wurde er im Oktober 1940 entlassen und kehrte nach Krakau zurück. Heinrich Ruster (Bonn) wurde spätestens im Februar 1942 nach Sachsenhausen deportiert und im Oktober 1942 dort ermordet. Noch im Januar 1945 deportierten die NS-Behörden Karl Heinrich Schäfer (Potsdam) im Alter von 73 Jahren nach Sachsenhausen. Er starb dort wenige Wochen später.

Sobibor

Jacob da Silva Rosa (Amsterdam) wurde deportiert und im Juni 1943 mit seiner Ehefrau in Sobibor ermordet. Jeremias Hillesum (Amsterdam) wurde deportiert und im Juli 1943 in Sobibor ermordet.

Sonnenburg

Otto Franke (Berlin) wurde zwischen 1933 und 1935 vom KZ Oranienburg nach Sonnenburg deportiert und dort gefangen gehalten.

Steinbruch am Bug

Alfred Kittner (Czernowitz) wurde im Sommer 1942 mit seiner Ehefrau aus dem Ghetto Czernowitz nach Transnistrien deportiert. Zwangsarbeit im KZ Steinbruch am Bug, dann Gefangenschaft in den Lagern Tschetwertenowka, Demidowka und Obowka. Kittner wurde im Frühjahr 1944 durch die Sowjetarmee befreit und kehrte nach Czernowitz zurück.

Theresienstadt (Konzentrationslager und Ghetto)

Jenny Wilde (Berlin) wurde zu Beginn der 1940er-Jahre im Alter von über 75 Jahren nach Theresienstadt deportiert. Sie musste dort Zwangsarbeit als Bibliothekarin leisten. Wilde wurde im Mai 1945 durch die Sowjetarmee befreit und kehrte nach Berlin zurück. Berthold Kronthal (Breslau) wurde im August 1942 im Alter von 82 Jahren von Breslau nach Theresienstadt deportiert; er verstarb dort im September 1942. Moritz Grünebaum (Wien) wurde im August 1942 aus Wien nach Theresienstadt deportiert und starb dort Ende Dezember 1942. Berthold Reiche (Berlin) wurde im September 1942 im Alter von 77 Jahren von Berlin nach Theresienstadt deportiert; er verstarb dort im Oktober 1942. Tobias Jakobovits (Prag) wurde am Ende der Arbeiten für ein „Jüdisches Zentralmuseum“ Prag im Jahr 1943 nach Theresienstadt deportiert; im Oktober 1944 nach Auschwitz deportiert und ermordet. Gerhard Alexander (Berlin) wurde noch im Februar 1945 nach Theresienstadt deportiert. Im Mai 1945 Befreiung durch die Sowjetarmee; im Juni Rückkehr nach Hamburg, dann Bibliothekar in der Universitätsbibliothek Hamburg.

Emil Utitz war Philosophieprofessor in Prag; in der Gefangenschaft musste er Zwangsarbeit als Bibliothekar leisten. Utitz wurde im Juli 1942 nach Theresienstadt deportiert. Dort leitete er als ‚prominenter Gefangener‘ die „Ghettozentralbücherei“ (im November 1942 eröffnet) und die weiteren Büchereien bis zum Kriegsende und hielt Vorträge. Die Hauptbibliothek umfasste 1945 noch rund 100.000 Bände.45 Utitz wurde 1945 befreit und kehrte nach Prag zurück. Hugo Friedmann war ein Industrieller aus Wien. Im Oktober 1942 wurde er aus Wien nach Theresienstadt deportiert. Auch Friedmann musste in Theresienstadt als Bibliothekar arbeiten und wurde stellvertretender Oberbibliothekar der „Ghettozentralbücherei“. Er hielt auch kulturelle Vorträge und verfasste einen Bericht über die Bibliothek. 1944 umfasste der Buchbestand 160.000 bis 200.000 Bände. Im September 1944 wurde Friedmann nach Auschwitz deportiert, dann kurz vor Kriegsende nach Kaufering (Außenlager des KZ Dachau), wo er im Januar 1945 verstarb.46

Peter Bultmann starb 1942 in einem KZ in den französischen Pyrenäen. Vermutlich starben auch Richard Czwiklitzer (Wien) und Karl Arthur Kolischer (Wien) in Konzentrationslagern; die Sterbeorte sind nicht bekannt.

Insgesamt wurden 41 Bibliothekare und drei Bibliothekarinnen in ein Konzentrationslager verschleppt. Von diesen KZ-Häftlingen überlebten 17 die Lager und konnten in ihr Ursprungsland zurückkehren.

4.2. Ghettos

Während des Zweiten Weltkrieges sind Bibliothekarinnen und Bibliothekare in folgende Ghettos deportiert worden:47

Czernowitz

Alfred Kittner (Czernowitz) musste 1941 bis 1942 dort mit seiner Ehefrau leben. Im Sommer 1942 Deportation in das KZ Steinbruch am Bug.

Ghetto im Kosovo („bei den Huzulen“, Ort nicht bekannt)

Zofia Ameisenowa (Krakau) musste 1941 bis 1942 mit ihrem Ehemann, der Arzt war, dort leben.

Izbica (Polen)

Marianne Schmidl (Wien) wurde im April 1942 von Wien in das Transitghetto Izbica in Polen deportiert; vermutlich wurde sie bald darauf ermordet.

Litzmannstadt / Lodz

Julius Hanauer (Frankfurt/Main) wurde im Oktober 1941 von Frankfurt nach Litzmannstadt (Lodz) deportiert und dort im April ermordet. Käthe Spiegel (Prag) wurde im Oktober 1941 von Prag nach Lodz deportiert. Ihr Todesdatum ist nicht bekannt.

Przemyśl

Matthias Mieses (Wien) floh 1939 aus Wien in seine Geburtsstadt Przemyśl und musste dort im Ghetto leben. Bei der Auflösung des Ghettos wurde er 1943 in das Lager Szebnie (bei Krakau) deportiert, später in das KZ Plaszow (s.o.).

Wilna

Hermann Kruk (Warschau) wurde im Juni 1941 in Wilna in das Ghetto deportiert. Er initiierte und leitete die später berühmt gewordene Ghettobibliothek, gründete das Museum sowie das Archiv und arbeitete an den „Ghetto-Nachrichten“ mit. Ab 1942 musste er Zwangsarbeit für den Einsatzstab Rosenberg leisten. Ein Jahr nach der Gründung umfasste die Bibliothek 39.000 Bände und 10 bis 15 Mitarbeiter. Mitarbeit in der Widerstandsgruppe des Ghettos. Bei der Auflösung des Ghettos im September 1943 durch die Gestapo wurde Kruk in das KZ Klooga deportiert.48 Dinah Abramowicz (Wilna) arbeitete von 1941 bis 1943 in der Bibliothek des Ghettos mit Kruk zusammen. Sie sollte 1943 ebenfalls deportiert werden, konnte aber fliehen und untertauchen.

Von den acht Bibliothekarinnen und Bibliothekaren, die gezwungen wurden, in Ghettos zu leben, haben nur zwei die NS-Diktatur überlebt. Darüber hinaus ist zu bedenken, dass wissenschaftliche Bibliothekarinnen und Bibliothekare auch in Gefängnisse, Zuchthäuser, Internierungslager oder Euthanasieanstalten verbracht und dort gefangen gehalten wurden. Bisher sind 43 Orte und 49 Fälle bekannt, in denen „Opfer“ aus dem Bibliothekswesen eingesperrt wurden (und teilweise auch den Tod fanden).

5. Fazit

Diese Dokumentation über wissenschaftliche Bibliothekarinnen und Bibliothekare als Opfer der NS-Diktatur bezieht neben den Personen aus Deutschland erstmals auch solche aus Österreich und aus den besetzten Ländern mit ein. Das Ergebnis zeigt, dass die Berufsgruppe in Deutschland, Österreich und in den besetzten Ländern weitaus mehr Opfer der NS-Diktatur aufweist als bisher bekannt. Zumindest auf Deutschland bezogen handelt es sich um die größte Zahl an Entlassungen, Verfolgungen und Migrationen in der Geschichte der Bibliotheken. Die Verfolgung der Berufsgruppe aus rassistischen und ideologischen Motiven hatte außerdem eine räumliche Dimension, die sich auf viele Länder Europas erstreckte.

Von den 243 in Teil 1 erwähnten – zumeist wissenschaftlichen – Bibliothekarinnen und Bibliothekaren, die ab 1933 entlassen oder in der Berufsausübung erheblich behindert wurden, haben 168 Personen den Zweiten Weltkrieg überlebt (davon 21 Frauen). 67 Verfolgte haben ihn nicht überlebt (davon acht Frauen); in acht Fällen ist das Todesjahr unklar. Von den verfolgten Bibliothekaren in Deutschland konnten 103 überleben; 41 starben bis zum Kriegsende. In Österreich haben 35 Bibliothekare den Krieg überlebt, 17 dagegen nicht. In den besetzten Ländern überlebten 31 Personen bis zum Kriegsende, neun starben vorher. Hinzu kommt, dass 31 verfolgte Bibliothekare im ersten Jahrzehnt nach dem Krieg (1945 bis 1955) gestorben sind, teilweise auch wegen gesundheitlicher Schäden aus der Verfolgung (durch Folter, Lagerhaft etc.).

Die NS-Diktatur vertrieb wissenschaftliche Bibliothekarinnen und Bibliothekare, die in dieser Dokumentation genannt sind, aus ihrem Bibliotheksberuf, in dem sie zum großen Teil über Jahrzehnte hin gearbeitet hatten. Ebenfalls jahrzehntelang wurde nach 1945 über die meisten Opfer der NS-Diktatur in wissenschaftlichen Bibliotheken geschwiegen. Selbst Personen, die nach 1945 in den Bibliotheksberuf zurückkehrten, haben sich zumeist nicht über die Ereignisse zwischen 1933 und 1945 geäußert.

Heute werden allmählich immer mehr Fakten über die Opfer zugänglich. Daher sollten wir das seinerzeit durch die NS-Behörden erzwungene Schweigen über die verfolgten Bibliothekarinnen und Bibliothekare nicht fortsetzen. Die Opfer unter den wissenschaftlichen Bibliothekarinnen und Bibliothekaren haben es verdient, dass wir sie heute wieder als Berufskolleginnen und -kollegen dieser Jahre anerkennen und uns mit ihnen beschäftigen.

Wegen der Forschungslage und der hohen Anzahl an Betroffenen stellen die hier präsentierten Fakten einen Zwischenstand dar. Er sollte aber genügend Informationen und Anhaltspunkte bieten, um das Interesse an weiteren Schicksalen und weiteren Nachforschungen zum Thema zu wecken. Recherchen sind vor allem in den Archiven der hier genannten Länder und in Nachlässen notwendig. Auch Untersuchungen über Bibliothekarinnen und Bibliothekare, die in dieser Arbeit nicht im Mittelpunkt standen (Bibliothekare aus öffentlichen Bibliotheken, Bibliothekare aus wissenschaftlichen Bibliotheken ohne ein Fachstudium) sind ein Desiderat.

Eine Publikation mit rund 250 Lebensläufen der verfolgten wissenschaftlichen Bibliothekarinnen und Bibliothekare ab dem Jahr 1933 ist in Vorbereitung. Sie soll die Form eines Personenlexikons haben und wird weitere Details zu den Personen enthalten. Dazu gehören etwa genauere Angaben zur bibliothekarischen Tätigkeit vor der Entlassung sowie die Lebensumstände nach der Entlassung und im Exil. Das Lexikon wird auch weitere Themen dokumentieren, z.B. die Querverbindungen zwischen Personen, ihre Mitwirkung in Fachgremien und an bibliothekarischen bzw. wissenschaftlichen Projekten, Fakten aus dem privaten Umfeld und ggf. die eigene Forschungs- und Publikationstätigkeit. Außerdem ist die bibliothekarische Karriere jener Bibliothekarinnen und Bibliothekare, die als „Opfer“ die NS-Diktatur überlebt haben, in den Jahrzehnten nach 1945 dokumentiert. Zu jedem Opfer wird das Lexikon spezifische Quellen, die für die Recherchen hilfreich waren und weitergehende Informationen enthalten, nachweisen. Außerdem werden Angaben zur Personalbibliographie, zu autobiographischen Dokumenten der Betroffenen und zum Aufbewahrungsort ihres Nachlasses gemacht.

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1 Teil 1 dieser Dokumentation: Ulrich Hohoff, „Wissenschaftliche Bibliothekarinnen und Bibliothekare als Opfer der NS-Diktatur. Eine Übersicht über 250 Lebensläufe seit dem Jahr 1933. Teil 1: Die Entlassungen,“ o-bib 2, Nr. 2 (2015): 1–32, http://dx.doi.org/10.5282/o-bib/2015H2S1-32.

2 Alexandra Habermann, Frauke Klemmt und Rainer Siefkes, Hrsg., Lexikon deutscher wissenschaftlicher Bibliothekare 1925-1980. Zeitschrift für Bibliothekswesen und Bibliographie, Sonderband 42 (Frankfurt/Main: Vittorio Klostermann, 1985).

3 Details zur Flucht, zum Leben im Exilland und zu den Versuchen, dort beruflich Fuß zu fassen, sind hier aus Platzgründen ausgespart. Das von mir vorbereitete Personenlexikon der verfolgten Bibliothekare (s. unten Abschnitt 5) wird sie enthalten.

4 Hallervorden (1898-1978) wurde 1933 entlassen. Sie ist in Teil 1 noch nicht erwähnt.

5 Vgl. den Lebenslauf nach Ilse Korotin, „,(…) vorbehaltlich eines jederzeit zulässigen Widerrufes genehmigt‘. Ausgrenzung und Verfolgung jüdischer Wissenschaftlerinnen und Bibliothekarinnen,“ in Österreichische Bibliothekarinnen auf der Flucht – verfolgt, verdrängt, vergessen?, hrsg. Ilse Korotin (Wien: Praesens, 2007), 104–114.

6 Kantorowicz (1895-1977) wurde 1933 entlassen. Er ist in Teil 1 noch nicht erwähnt.

7 Oppenheim (1904-1974) wurde 1938 entlassen; er ist in Teil 1 noch nicht erwähnt.

8 Bieler (1906-1981) wurde 1938 entlassen. Er war Mitglied des VDB und in Teil 1 noch nicht erwähnt.

9 Glazer (1893-1975) wurde 1941 entlassen. Er ist in Teil 1 noch nicht erwähnt.

10 Vgl. hierzu Arnold Reisman, „Walter Gottschalk. A Pioneer of Modern Library Science and His Interactions with Albert Einstein During the Nazi Era,” Covenant. Global Jewish Magazine 3, Nr. 1 (2009), Article 5, zuletzt geprüft am 15.01.2016, http://www.covenant.idc.ac.il/en/vol3/issue1/Walter_Gottschalk_A_Pioneer_of_Modern.html

11 Ihre Verdienste würdigt u.a. Joseph Berger, „Dina Abramowicz, 90, Librarian an Yiddish Expert, Dies,“ The New York Times, April 9, 2000: 39, zuletzt geprüft am 30.10.2015, http://www.nytimes.com/2000/04/09/nyregion/dina-abramowicz-90-librarian-and-yiddish-expert-dies.html.

12 Schoch (1897-1987) wurde 1937 entlassen. Sie war Mitglied des VDB und in Teil 1 noch nicht erwähnt.

13 Die Aufbauarbeit der Emigranten hat Dov Schidorsky, Hebräische Universität Jerusalem, näher untersucht: Dov Schidorsky, „Germany in the Holy Land. Its Involvement and Impact on Library Development in Palestine and Israel,” Libri 49, Nr. 1 (1999): 26–42, http://dx.doi.org/10.1515/libr.1999.49.1.26.

14 Alwin Müller-Jerina, „Schicksale jüdischer VDB-Mitglieder im Dritten Reich,“ in Verein Deutscher Bibliothekare 1900-2000. Festschrift, hrsg. Engelbert Plassmann und Ludger Syré (Wiesbaden: Harrassowitz 2000), 120.

15 Jan-Pieter Barbian, Literaturpolitik im NS-Staat. Von der ‚Gleichschaltung‘ bis zum Ruin (Frankfurt/M: Fischer Taschenbuch Verlag, 2010), 444.

16 Erwin Marks, „Bibliothekare im Widerstand,“ Laurentius. Von Menschen, Büchern und Bibliotheken 12 (1995), 72–87.

17 Hans-Josef Wollasch, „Heinrich Auer (1884-1951), Bibliotheksdirektor beim Deutschen Caritasverband, als politischer Schutzhäftling Nr. 50421 im Konzentrationslager Dachau,“ in Sociale Gerechtigkeit und christliche Caritas. Leitfiguren und Wegmarkierungen aus 100 Jahren deutscher Caritasgeschichte, hrsg. Hans-Josef Wollasch (Freiburg im Breisgau: Lambertus, 1996), 268.

18 Persönliche Erinnerung des Bibliothekars Hermann Rolfes, zitiert bei Wollasch, ebd.

19 Wollasch, Heinrich Auer, 279.

20 Das Zitat und weitere Informationen über Ruster bei Helmut Moll, „Den Widerstand mit dem Tod bezahlt. Katholiken unter Hitlers Terror im Euskirchener Raum,“ in Euskirchen im 20. Jahrhundert. 700 Jahre Stadt Euskirchen 1302-2002, hrsg. Stadt Euskirchen (Euskirchen: Stadt Euskirchen, 2002), 239–260 (v.a. Abschnitt B.1: Schriftsteller Heinrich Ruster).

21 Ebd.

22 Lotte Bergtel-Schleif, „Möglichkeiten volksbibliothekarischer Arbeit unter dem Nationalsozialismus“ (1947). Zitat nach dem Nachdruck in Leidenschaft und Bildung. Zur Geschichte der Frauenarbeit in Bibliotheken, hrsg. Helga Lüdtke (Berlin: Orlanda Frauenverlag, 1992), 130. Hervorhebung im Original.

23 Ausführlicher zum Widerstand in Berlin Ulrich Hohoff, „Berliner Bibliothekarinnen und Bibliothekare als Opfer der NS-Diktatur. Eine Recherche über 51 Lebensläufe seit dem Jahr 1933“, in Festschrift für Daniela Lülfing zum 65. Geburtstag, hrsg. Barbara Schneider-Kempf und Martin Hollender, Beiträge aus der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz 50 (Berlin: Staatsbibliothek zu Berlin Preußischer Kulturbesitz, 2015), 144–147.

24 Zu Schaeffer vgl. Hans Coppi (junior), „Philipp Schaeffer. Orientalist, Bibliothekar, Widerstandskämpfer,“ Internationale wissenschaftliche Korrespondenz zur Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung 41, Nr. 3 (2005): 366–386.

25 Günther Weisenborn, Memorial (Berlin: Aufbau-Verlag, 1948), 117. Im selben Jahr erschien eine Parallelausgabe im Rowohlt Verlag, Hamburg.

26 „Ernst Adler zum 70. Geburtstag“. Namentlich nicht gezeichneter Artikel in Der Bibliothekar (Leipzig) 22 (1968): 1043–1044.

27 Peter Vodosek, „Innovation und Ideologie. Walter Hofmann und sein Lebenswerk in Dresden-Plauen und Leipzig,“ Lifelong education and libraries 6 (2006): 9–29, zuletzt geprüft am 15.12.2015, http://hdl.handle.net/2433/43566.

28 Brief vom 12.7.1946 an den Kurator der Universität Münster (Universitätsarchiv Münster, Kurator PA Nr. 7342); zitiert nach Laurenz Bösing, „Christoph Weber,“ in Sammlung unitarischer Lebensbilder, hrsg. Wolfgang Burr, Unitarische Lebensbilder 3 (Siegburg: Schmitt 2004), 140. Für den Hinweis auf die Publikation danke ich Herrn Kollegen Bösing.

29 Zu Schochs Rolle im Widerstand vgl. Rainer Nicolaysen, „Für Recht und Gerechtigkeit. Über das couragierte Leben der Juristin Magdalene Schoch (1897-1987),“ in Zeitschrift des Vereins für Hamburgische Geschichte 92 (2006): 124–125.

30 Details in dem autobiographischen Bericht von Lotte Branz, „Kurierfahrten über die Grenze,“ in „Halts Mauls, sonst kommst nach Dachau!“ Frauen und Männer aus der Arbeiterbewegung berichten über Widerstand und Verfolgung unter dem Nationalsozialismus, hrsg. Sabine Asgodom (Köln: Bund-Verlag, 1983), 13–22.

31 Nicolaysen, „Für Recht und Gerechtigkeit“, 132.

32 Diese Entwicklungen sind gut erforscht. Alfred Pfoser, Literatur und Austromarxismus (Wien: Löcker, 1980), 85–245. Gisela Kolar, Ein „Vorspiel“: Die Wiener Arbeiterbüchereien im Austrofaschismus (Wien, Diplomarbeit an der Universität Wien: 2008).

33 In osteuropäischen Ländern, vor allem zu Polen und der Tschechoslowakei, existiert zu unserem Thema Forschungsliteratur in der Landessprache. Es wäre wichtig, sie auch in deutscher Sprache zugänglich zu machen.

34 Kantorowicz hielt z.B. in London einen Vortrag, der auch gedruckt wurde: Why a Library of the Burned Books? (London: Library of the Burned Books 1934; 18 S.).

35 André Grosbusch, „La patrie et l’Europe selon Pierre Frieden,“ Forum für Politik, Gesellschaft und Kultur 247/248 (2005): 51–56, zuletzt geprüft am 17.05.2016, https://www.forum.lu/article/la-patrie-et-leurope-selon-pierre-frieden/.

36 Robert Barroux, „Emile Lefort,“ Bibliothèque de l’école des chartes 106, Nr. 2 (1946): 420–422.

37 Herman de la Fontaine Verwey, „The Bibliotheca Rosenthaliana during the German Occupation,” in Omnia in Eo. Studies in Jewish Books and Libraries in Honor of Adri Offenberg Celebrating the 125th Anniversary of the Bibliotheca Rosenthaliana in Amsterdam, hrsg. Irene E. Zwiep, Emile Schrijver, F. G. Hoogewoud u.a., Studia Rosenthaliana 38/39 (Louvain: Peeters, 2006), 64–66.

38 Tim Larson, „Józef Gryscz (1890-1954). An Appreciation,“ in Books, Bibliographies and Pugs. A Festschrift to Honor Murlin Croucher, hrsg. Gregory C. Ference und Bradley L. Schaffner, Indiana Slavic Studies 16 (Bloomington: Slavica Publishers, 2006), 131–144, zuletzt geprüft am 15.01.2016, https://scholarworks.iu.edu/dspace/bitstream/handle/2022/963/Jozef+Grycz+paper+for+Scholarworks.pdf?sequence=1

39 Details bei Marek Sroka, „The University of Cracow Library under Nazi Occupation: 1939-1945,“ Libraries & Culture 34, Nr. 1 (1999): 1–16, zuletzt geprüft am 19.05.2016, http://www.jstor.org/stable/25548685.

40 Kvapilová (1905-1992) wurde 1941 entlassen. Sie ist in Teil 1 dieser Dokumentation noch nicht erwähnt.

41 Václavek (1897-1943) wurde 1940 entlassen. Er ist in Teil 1 dieser Dokumentation noch nicht erwähnt.

42 Zu diesem Bibliothekstyp vgl. Torsten Seela, Bücher und Bibliotheken in nationalsozialistischen Konzentrationslagern. Das gedruckte Wort im antifaschistischen Widerstand der Häftlinge. Beiträge zur Bibliothekstheorie und Bibliotheksgeschichte 7 (München, London, New York, Paris: K. G. Saur, 1992). Zu Branz S. 187, zur Entwicklung der Lagerbüchereien S. 79–91, und zu Lagerbüchereien, die zum Widerstand beitrugen, S. 110–115.

43 Nico Rost, Goethe in Dachau. Aus dem Holländischen von Edith Rost-Blumberg (München: Weismann, 1949), 115. Näheres zu Auers Haftzeit bei Wollasch, „Heinrich Auer“ (wie Anm. 17), 260–304.

44 Rainer Fürst: „Bibliotheksdirektor Ferdinand Rieser (1874-1944). Vom Schicksal eines badischen Beamten im Großherzogtum, in der Republik und unter der nationalsozialistischen Diktatur,“ Badische Landesbibliothek Karlsruhe: Magazin 1996, H. 1: 20.

45 Utitz berichtet in seinem Buch Psychologie des Lebens im Konzentrationslager Theresienstadt (Wien: Sexl, 1948) auf S. 29 ff. über die Büchereiarbeit.

46 Margit Werner, „Ex Bibliotheca Hugo Friedmann Vindobonensis – eine Spurensuche,“ in Geraubte Bücher – die
Österreichische Nationalbibliothek stellt sich ihrer NS-Vergangenheit
, hrsg. Murray G. Hall u.a. (Wien: Österreichische Nationalbibliothek, 2004), 149-158, hier: 158.

47 Theresienstadt ist hier nicht erwähnt (s. aber 4.1); es war beides: Konzentrationslager und Ghetto.

48 Über Kruks Bibliotheksarbeit im Ghetto berichtete Kornelia Richter als erste in Deutschland: „Hermann Kruk und die Bibliothek des Wilnaer Ghettos,“ Zentralblatt für Bibliothekswesen 104 (1990): 15–19.

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