obib_2015-4_2-2_Eckart-Sträter

Zehn gute Gründe für eine systematische Zusammenarbeit von Bibliotheken und Volkshochschulen

Wolfgang Eckart, Bildungscampus Nürnberg
Elisabeth Sträter, Bildungscampus Nürnberg

Zusammenfassung:

Anhand von 10 Thesen wird vorgestellt, warum die engere Zusammenarbeit von Volkshochschulen und öffentlichen Bibliotheken sinnvoll ist und letztlich beide Einrichtungen stärkt. In Nürnberg hat die Stadt neue Wege beschritten, indem sie ihre Stadtbibliothek und die Volkshochschule (Bildungszentrum) organisatorisch zusammengefasst hat. Beide Einrichtungen haben unterschiedliche Kernkompetenzen, aber auch viele Gemeinsamkeiten. Beide verstehen sich als Bildungs- und Kulturorte, beide befördern das Lernen im Lebenslauf u.v.a.m.
Der Vortrag geht sowohl auf Erfahrungen als auch auf Herausforderungen mit der neuen Organisationsform ein. Zudem werden zukünftige Entwicklungsperspektiven in der kommunalen Bildungslandschaft aufgezeigt.

Summary:

The ten arguments put forward in this presentation illustrate why a closer cooperation between community education centres and public libraries makes sense and, ultimately, strengthens both institutions. The City of Nuremberg has ventured onto new paths by consolidating the organisation of the municipal library and the community education centre (Bildungszentrum). Both institutions have different core competencies, but also many similarities. Both see themselves as places of education and culture, both promote lifelong, continuing education and much more.
The presentation elaborates on both the experiences and the challenges that come along with the new form of organisation. The speakers also highlight the future development perspectives for the community education infrastructure.

Zitierfähiger Link: http://dx.doi.org/10.5282/o-bib/2015H4S34-42
Autorenidentifikation:
Sträter, Elisabeth: GND 1025266080
Eckart, Wolfgang: GND 103157770X
Schlagwörter: Kooperation Volkshochschule und Bibliothek; Bibliotheksmanagement; Kommunale Bildungslandschaften; Kundenmanagement; Lebenslanges Lernen

1. Der Bildungscampus

Mit der Gründung des Bildungscampus Nürnberg im Jahr 2011 hat die Stadt Nürnberg neue Wege beschritten, indem sie ihre Stadtbibliothek und das Bildungszentrum (Volkshochschule) organisatorisch zusammengeführt hat. Das Hauptziel des Zusammenschlusses ist es, einen gemeinsamen Campus für Bildung, Medien, Information und Kultur zu schaffen. Im Fokus stehen die Förderung, Begleitung und Unterstützung der Bürgerinnen und Bürger beim Lernen im Lebenslauf. Der Bildungscampus orientiert sich am Grundgedanken der sog. „Bildungsketten“: Bildungsbiographien entwickeln sich an unterschiedlichen Bildungs-, Kultur- und Lernorten.

Durch inhaltliche Verzahnung und systematische Kooperation unter dem organisatorischen Dach des Bildungscampus werden Angebote und Dienstleistungen sinnvoll aufeinander abgestimmt, so dass ein Mehrwert für Kundinnen und Kunden entsteht, indem sie Angebote von Medien, Informationen, kursförmigem Lernen, Lern- und Bildungsberatung „aus einer Hand“ bekommen.1

2. Die Einrichtungen

2.1. Die Stadtbibliothek

Die Stadtbibliothek Nürnberg übernimmt als großstädtisches Bibliothekssystem mit einer Zentralbibliothek, sechs Stadtteilbibliotheken und zwei Fahrbibliotheken die Versorgung der Bürgerinnen und Bürger mit einem vielseitigen und aktuellen Angebot, bestehend aus mehr als 900.000 Medien.

Die Bestände der Stadtbibliothek Nürnberg reichen bis in das Jahr 1370 zurück. Sie zählt damit zu den ältesten kommunalen Bibliotheken im deutschsprachigen Raum. Erstmals in ihrer 650-jährigen Geschichte wurden mit dem Bezug des neuen Gebäudes in zentraler Innenstadtlage die drei ehemaligen zentralen Bibliotheken (die frühere Zentralbibliothek, die Musikbibliothek als zweitgrößte in Bayern und die Historisch-Wissenschaftliche Stadtbibliothek (mit orts- und landeskundlichen Sammlungen sowie umfangreichen Altbeständen) unter einem Dach vereint.

Leseförderung, die herausragende Zusammenarbeit mit den Nürnberger Schulen und die interkulturelle Bibliotheksarbeit zählen seit vielen Jahren zu den Aufgabenschwerpunkten.

Die Stadtbibliothek ist Treffpunkt, Lernort und Ort kreativer Freizeitgestaltung für alle Generationen und Bevölkerungsgruppen. Sie unterstützt bei der Alltagsbewältigung und schafft Zugänge zur „Erlebniswelt Literatur“. Mit ihrem digitalen Medienangebot und dessen Vermittlung spielt sie eine gestaltende Rolle für den gesellschaftlichen Wandel. Knapp eine Million Besucherinnen und Besucher werden jährlich gezählt.

Nach dem Prinzip „Freier Zugang zu Information und Bildung“ bietet sie als derzeit einzige Großstadtbibliothek in Deutschland eine kostenlose Medienerstentleihung an.2 Die Stadtbibliothek leistet damit einen wichtigen Beitrag zu Integration und Inklusion. Zudem bewahrt sie gemeinsam mit den Archiven und Museen das kulturelle Erbe der Stadt Nürnberg.

2.2. Bildungszentrum und Planetarium

Das Bildungszentrum ist die kommunale Weiterbildungseinrichtung der Stadt Nürnberg und die zweitgrößte Volkshochschule in Bayern. 1965 wurde aus der Volkshochschule, die 1921 als eigenständige kommunale Institution gegründet worden war, das Bildungszentrum.

Das Bildungszentrum versteht sich als Haus der Bildung sowie als Lern-, Kultur- und Kommunikationsort und folgt einem öffentlichen, gesetzlich verankerten Bildungsauftrag, Bildung und lebensbegleitendes Lernen für alle Bürgerinnen und Bürger Nürnbergs zu bieten. Das umfangreiche Angebot gliedert sich in die Bereiche Gesellschaft und Kultur, Gesundheit, Beruf und Karriere, Sprachen, Grundbildung und Planetarium. Unterstützt wird die Arbeit der Fachteams durch die Projekteagentur des Bildungscampus, die durch die Akquise von Drittmitteln Innovationen und Angebote für spezifische Zielgruppen erleichtert.

Das Programm umfasst jährlich rund 6.500 Veranstaltungen. Das Bildungszentrum versteht sich als Ort des gesellschaftlichen Dialogs und als Forum für den Diskurs über relevante Themen des Zusammenlebens in der Stadt, so zum Beispiel mit der Reihe „Nürnberger Stadtgespräch“. Es engagiert sich in der verständlichen Vermittlung von Wissenschaft und Forschung ebenso wie als Ort der kritischen Auseinandersetzung mit deren Folgen für Mensch und Natur. Das Bildungszentrum greift die zunehmende Digitalisierung des Lernens und der Bildung aktiv auf, sieht aber zugleich das bleibende Bedürfnis der Menschen nach realer Begegnung. Das Lernen in sozialen Kontexten bleibt deshalb seine Stärke.

Die Veranstaltungen werden von 90 hauptberuflichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern organisiert sowie von rund 1.000 freiberuflichen Kursleiterinnen und Kursleitern durchgeführt. Zu den Besonderheiten zählt u.a. der 2009 gegründete südpunkt in der Nürnberger Südstadt, in dem lebenslanges Lernen mit beruflicher Weiterbildung, einer Stadtteilbibliothek und kultureller Begegnung vernetzt wird.

Im Jahr 2004 ist das Bildungszentrum für sein Qualitätsmanagement mit dem Zertifikat „Committed to Excellence“ ausgezeichnet worden. Mit Erfolg hat sich die Einrichtung 2014 einer Rezertifizierung unterzogen: Als zweite deutsche großstädtische Volkshochschule hat das Bildungszentrum die Qualitätsstufe „Recognised for Excellence“ (4 stars) erreicht. Die Zertifizierung erfolgte nach den Standards der „European Foundation for Quality Management“ (EFQM).

Das Nicolaus-Copernicus-Planetarium, seit 1994 dem Bildungszentrum zugeordnet, steht innerhalb des Bildungscampus − neben den umfangreichen Sachliteratur-Beständen der Stadtbibliothek − für den MINT-Bereich (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik). Die ca. 900 Veranstaltungen pro Jahr werden von ca. 70.000 Menschen aller Altersgruppen besucht. Ihr Ziel ist es, Wissenschaft und Forschung als spannende und kulturell wertvolle Aktivitäten menschlichen Handelns zu vermitteln. Im Planetarium ergänzen sich spielerische Unterhaltung und substanzielle Belehrung. Vormittagsvorführungen für Schul- und Kindergartenkinder, Konzerte, Live-Vorführungen und kulturelle Veranstaltungen ergänzen das Angebot. Seit der Gründung des Bildungscampus 2011 finden im Planetarium noch stärker als früher interdisziplinäre Veranstaltungen wie Vorträge und Workshops statt, die mit dem Angebot der Stadtbibliothek und dem Kursangebot des Bildungszentrums ineinandergreifen. Als Tor zur künftigen Wissenschaftsmeile und als Ort der Wissenschaftskommunikation sucht das Planetarium verstärkt die Zusammenarbeit mit den Hochschulen in der Stadt Nürnberg.

Der Bildungscampus Nürnberg stellt durch den organisatorischen Zusammenschluss beider Einrichtungen eine sehr weitreichende Kooperation von Stadtbibliotheken und Volkshochschulen dar. Darüber hinaus gibt es selbstverständlich auch andere Formen einer systematischen Zusammenarbeit von Bibliotheken3 und Volkshochschulen, die wir im Folgenden anhand von 10 guten Gründen beschreiben.

3. Zehn Gründe für die Zusammenarbeit von Bibliotheken und Volkshochschulen

Bibliotheken, Volkshochschulen und Bildungszentren sind kommunale Zentren für Information, Wissen und Weiterbildung

Bibliotheken und Volkshochschulen haben viele Gemeinsamkeiten: Beide verstehen sich als Bildungs- und Kulturorte; beide sind Zentren des öffentlichen Lebens in einer Stadt, in Stadtteilen sowie in Gemeinden. Außerdem sind sie elementare Bestandteile der kommunalen Bildungslandschaft. Sie tragen zur Grundversorgung der Bevölkerung durch ein breit gefächertes Bildungs-, Lern- und Medienangebot für teilweise identische Zielgruppen bei. Sie sind nicht kommerzialisierte (Lern-)orte und ermöglichen den Zugang zu Information, Wissen, (Weiter-)Bildung und Kultur. Interessant − und doch überraschend: In Nürnberg waren die Leitbilder beider Einrichtungen fast identisch. Hieraus resultierend gibt es seit Februar 2015 ein gemeinsames Leitbild für den Bildungscampus.4

Bibliotheken, Volkshochschulen und Bildungszentren sind wichtige Instrumente der kommunalen Bildungspolitik

Der Ausgangspunkt für Bildungsprozesse in den verschiedenen Lebensphasen ist immer der Ort bzw. die Region, in der die Menschen leben. Hier, in ihrem konkreten Lebensumfeld, in ihrer Stadt, werden die Weichen gestellt für Bildungserfahrungen und Bildungsverläufe. Hier entscheidet sich Erfolg oder Misserfolg von Bildung. Hier werden die Grundlagen für berufliche Perspektiven, gesellschaftliche Teilhabe und gleichzeitig die Zukunftsfähigkeit einer Region gelegt.

Es hat sich eingebürgert, als Leitidee für diese Sichtweise von „kommunalen bzw. regionalen Bildungslandschaften“ zu sprechen. Diese Idee geht davon aus, dass es nicht die einzelne Institution wie Schule, Hochschule, Bibliothek oder Volkshochschule ist, die maßgeblich das Bildungsverhalten prägt, sondern die Vielfalt der unterschiedlichen Lern- und Kulturorte einer Stadt bzw. Region. Je besser diese zusammenarbeiten, desto größer ist die Chance für erfolgreiche Bildungsprozesse. Die Schlüsselfragen dabei sind: Wie gelingt es, durch sinnvolle und systematische Kooperation das lebenslange Lernen der Bürgerinnen und Bürger einer Region wirksam zu unterstützen? Was müssen Institutionen tun − und wie müssen sie sich ggf. verändern −, um solche „Bildungsketten“ erfolgreich zu begleiten? Leben die Menschen in einer Umgebung, die sie anregt, neue Erfahrungen zu machen und sich vielseitig weiterzubilden?

Für diese Bildungsziele stehen öffentliche Bibliotheken und Volkshochschulen. Sie sichern ein wohnortnahes, breitgefächertes Angebot und reagieren mit spezifischen Programmangeboten auf die Bedarfe vor Ort. Als Beispiele mögen die kommunalen Aktivitäten zur Alphabetisierung und Grundbildung dienen, die strategisch geplant und klug aufeinander abgestimmt entwickelt werden sollten. Um die Gestaltungsmöglichkeiten effizient zu nutzen, wird ein vernetztes, aufeinander abgestimmtes Paket aus Angeboten der beiden Einrichtungen entwickelt.

Bibliotheken, Volkshochschulen und Bildungszentren kümmern sich um zentrale Themen der Städte und Gemeinden

Themen wie Zuwanderung und Integration, aktuell insbesondere der große Andrang der Flüchtlinge und Asylbewerberinnen und Asylbewerber, stellen die Kommunen vor große Herausforderungen. Auch Themen wie der Fachkräftemangel, die deutliche Zunahme von Älteren sowie der Umwelt- und Klimaschutz und der Erhalt der Lebensqualität bewegen eine Stadt wie Nürnberg.

Der Bildungscampus Nürnberg greift Themen wie diese proaktiv auf und bringt sich so in die Diskussionen der Stadtgesellschaft ein. Er bietet ein Forum für die Debatten um unterschiedliche Denkweisen und Konzepte, bezieht aber auch Position, wenn es um Grundwerte geht, wie zum Beispiel in der Flüchtlingsfrage. Vor allem aber will er zu Lösungen gesellschaftlicher Problemlagen beitragen.

Als große öffentliche Bildungs- und Kultureinrichtung ist der Bildungscampus gefordert, hier Verantwortung zu übernehmen und konkrete, bedarfsorientierte Angebote zu entwickeln. Sein Ziel ist es, die Flüchtlinge, die in den Erstaufnahmeeinrichtungen auf ihre Bescheide warten, zu unterstützen. Ziel ist es aber auch, nachhaltige Bildungswege zu fördern, denn Bildung ist und bleibt der Schlüssel zur Integration: Spracherwerb, Verständnis für Werte, Kultur und Gesellschaft der neuen Heimat, Qualifizierung für Beruf und Arbeitswelt. Dies können Bibliotheken und Volkshochschulen gemeinsam leisten, sei es durch spezifische Medienangebote („Medienkisten“ in der Herkunftssprachen), sei es durch Maßnahmen zur sprachlichen Erstförderung.

Bibliotheken, Volkshochschulen und Bildungszentren sind kommunale Marktplätze für Ideen und kreative Köpfe

Bibliotheken und Volkshochschulen sind Treffpunkte und Kommunikationsorte für Menschen aller Generationen und sozialer Schichten. Sie bieten eine hohe Aufenthaltsqualität mit zahlreichen Arbeitsplätzen und Gruppenräumen an und ermöglichen durch gemütliche Lounges mit bequemen Sitzmöbeln eine Wohlfühlatmosphäre. Sowohl Volkshochschulen als auch Stadtbibliotheken entwickeln sich mehr und mehr zu innovativen Bürgerforen,5 die lebenslanges Lernen ermöglichen, als Treffpunkt oder „Bühne“ fungieren und durch die Inspiration und Partizipation ermöglicht werden.

Auch der Bildungscampus wird künftig eine intermediäre Funktion bei der Daseinsvorsorge zwischen Politik, Verwaltung und Bürgerinnen und Bürgern wahrnehmen. In den Einrichtungen des Bildungscampus können Aktivitäten, die sonst nirgends in der Stadt einen Platz haben, stattfinden.

Volkshochschulen und Stadtbibliotheken greifen aktuelle Themen und langfristige Trends auf. Im Bildungscampus gibt es eine sog. „Profil-AG“, in der gemeinsame Schwerpunktthemen (oftmals Länder) festgelegt werden. So fanden im Jahr 2014 erfolgreiche „Nordische Wochen“ mit 27 Kooperationsveranstaltungen statt. Beginnend mit einer Podiumsdiskussion, reihten sich Lesungen bekannter Autorinnen und Autoren, Sprachschnupperkurse, Ländervorträge, Konzerte und eine Ausstellung aneinander. Im Jahr 2015 gibt es den Schwerpunkt „Osteuropa“ und für 2016 lautet das Schwerpunktthema „Amerika, Amerika“. Ein weiteres Beispiel gelungener Zusammenarbeit ist die Veranstaltungsreihe „Literatur ohne Grenzen“, in der fremdsprachige Autorinnen und Autoren zu Gast im Bildungscampus sind. Während diese von der Stadtbibliothek eingeladen werden und ihre Werke in der Originalsprache vorlesen, trägt das Bildungszentrum zu den Veranstaltungen durch die Gewinnung einer Kursleiterin oder eines Kursleiters für die Übersetzung bei.6

Bibliotheken, Volkshochschulen und Bildungszentren denken und handeln nicht in Zuständigkeiten, sondern in Verantwortung für Bürgerinnen und Bürger

Bei diesem Gedanken steht der lernende Mensch im Mittelpunkt, nicht die Institution. Leitbild ist die Bildung als vernetztes System. Deshalb orientieren sich die Angebote beider Einrichtungen am Bedarf von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen; sie kooperieren zielgruppenbezogen – auch mit anderen Akteuren der kommunalen, regionalen und überregionalen Bildungs- und Kulturlandschaft. Um noch mehr Menschen zu erreichen und damit ihre Reichweite bei der Bürgerschaft zu erhöhen, können sie die traditionell getrennten Kundengruppen Schritt für Schritt zusammenführen und damit wechselseitig voneinander profitieren.

Für den Bildungscampus ist unter dem Aspekt eines gemeinsamen Kundenmanagements die „Bildungscampus-Card“ ein wichtiges Instrument. Diese Karte, die zum 1. Januar 2015 eingeführt wurde, gilt als Ausweis für die Stadtbibliothek, als Jahreskarte für das Planetarium, und sie bietet Kostenvorteile bei verschiedenen Einzelveranstaltungen und Workshops des Bildungszentrums.7 Ihre Einführung verfolgt das Ziel, den Anteil gemeinsamer Kundinnen und Kunden zu erhöhen.

Bibliotheken, Volkshochschulen und Bildungszentren sind Bildungslotsen und begleiten beim Lernen im Lebenslauf

Bildungswege werden immer flexibler und individueller, Lerninhalte sind via Internet zunehmend überall verfügbar. Damit sind auch die Lernorte kaum noch festgelegt, sondern zunehmend frei wählbar. Auch die Welt der Medien wird zunehmend komplexer: Mit dem Internet und den „sozialen Netzwerken“ sind nicht nur neue technische Möglichkeiten entstanden, sondern auch ein neuer Umgang mit Informationen, Wissen und Kommunikation.

Beratung und Unterstützung als „Navigationshilfe“ für den Einzelnen werden deshalb immer wichtiger. Zudem eröffnen beide Institutionen den Weg zu digitalen Lebenswelten und vermitteln Medien- und Informationskompetenz.

In gemeinsam organisierten, innovativen Lernzentren lernen Bürgerinnen und Bürger mithilfe vom Lernbegleiterinnen und Lernbegleitern, erfolgreicher zu lernen. Individuelle Lernberatung ermöglicht es allen, ihren eigenen Lernweg zu finden. Eine qualifizierte Bildungsberatung sowie die Beratung zur Anerkennung von im Ausland erworbenen Qualifikationen und Abschlüssen schaffen Perspektiven für die eigene berufliche Laufbahn.

Bibliotheken, Volkshochschulen und Bildungszentren unterstützen individuelle Bildungswege ein Leben lang

Steht das Lernen im Lebenslauf aller Menschen im Fokus, dann müssen sich Bildungs- und Kultureinrichtungen besser vernetzen. Zudem gilt es, mehr Menschen für das Lernen zu gewinnen, gerade auch diejenigen, die von traditionellen Bildungseinrichtungen wie Schule und Hochschule kaum noch erreicht werden.

Öffentliche Bibliotheken und Volkshochschulen begleiten die Bürgerinnen und Bürger in ihrer ganzen Lebensspanne, vom Kleinkind bis ins hohe Alter. Sie ermöglichen es, Bildungsabschlüsse nachzuholen, mit Veränderungen im Beruf Schritt zu halten, Übergänge zu meistern, nach Familienzeiten wieder einzusteigen und die erworbenen Kompetenzen durch anerkannte Zertifikate nachzuweisen. Sie erweitern damit die persönlichen und beruflichen Kompetenzen. Durch die Zusammenarbeit von Volkshochschule und Bibliothek werden die unterschiedlichen Kernkompetenzen beider Einrichtungen gebündelt und die Angebote aufeinander abgestimmt.

Bibliotheken, Volkshochschulen und Bildungszentren sprechen Zielgruppen an, die besonderen Förderbedarf haben

Unter dem Aspekt einer systematischen Kooperation ist es sinnvoll, Zielgruppen mit Förderbedarf gemeinsam anzusprechen und institutionsübergreifende Angebote zu machen, z.B. im Bereich „Deutsch als Fremdsprache“.

Der Bildungscampus Nürnberg versteht sich inzwischen als Zentrum für Grundbildung und Inklusion. Die Integration von Zuwanderern bildet einen wichtigen Schwerpunkt. Beispielsweise werden alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer von Integrationskursen des Bildungszentrums durch die Stadtbibliothek geführt. In der Stadtbibliothek richtet sich der Bestandsaufbau zunehmend am Kursangebot des Bildungszentrums aus. So stehen in der Stadtbibliothek 4.500 Medien zum Deutschlernen und als Wörterbücher in mehr als 70 Sprachen bereit. Im Bildungszentrum gab es im Jahr 2014 insgesamt 4.547 Kursteilnahmen in „Deutsch als Fremdsprache“ und knapp 6.700 Prüfungen für Integrationskurse.

Bibliotheken, Volkshochschulen und Bildungszentren erreichen mehr Menschen, wirtschaften effizienter und erhöhen ihr Gewicht in der Kommune

In Zeiten knapper öffentlicher Kassen ist ein erfolgreiches Arbeiten immer schwieriger. Durch eine systematisch abgesicherte Zusammenarbeit und kluge Koordination lassen sich Doppelangebote vermeiden, können Verwaltungskosten gesenkt und Synergien im Personalbereich genutzt werden. Vor allem ist es sinnvoll, die Ressourcen in der Verwaltung und in der Öffentlichkeitsarbeit zu bündeln. Durch eine gemeinsame Pressearbeit, gemeinsame Werbung, gemeinsame Kampagnen und durch ein abgestimmtes Zielgruppenmarketing können mehr Menschen angesprochen, neue Zielgruppen erreicht und die Wahrnehmung in Öffentlichkeit und Politik insgesamt verbessert werden.

Der Bildungscampus gibt die Zeitschrift „Treffpunkt Bildungscampus“ mit aktuellen Bildungsthemen heraus. Das Magazin erscheint zweimal im Jahr als Beilage des sog. „Sonntagsblitzes“, der in einer Auflagenhöhe von 275.000 an alle Nürnberger Haushalte verteilt wird.

Ein anderes Beispiel für Synergien, insbesondere für die Stadtbibliothek, ist die Nutzung der gemeinsamen Projekteagentur, die für die Beantragung von Projekten zuständig ist. So ist das Ausfüllen der Anträge für das Projekt „Lesen macht stark: Lesen und digitale Medien“8 für das Bibliothekspersonal ohne entsprechende Fachkompetenz sehr aufwändig und kompliziert. Durch das Knowhow der ursprünglich beim Bildungszentrum angesiedelten Projekteagentur konnten die Anträge für die Bibliothek problemlos bearbeitet werden.

Bibliotheken, Volkshochschulen und Bildungszentren folgen, wenn sie sich eng verbinden, einer europäischen Entwicklung

Die enge Verzahnung von Bildungs- und Kultureinrichtungen liegt national und international im Trend. Immer mehr öffentliche Bibliotheken, Volkshochschulen und weitere Bildungs- und Kultureinrichtungen werden unter einem realen oder einem organisatorischen Dach zusammengeführt. Insbesondere bei Bauten wie dem Wissensturm in Linz, dem südpunkt in Nürnberg, dem Bildungsforum Potsdam, dem Haus der Bildung in Bonn und künftig bei dem geplanten Bildungshaus in Wolfsburg9 achten die Kommunen darauf, neuartige Formen der Zusammenarbeit verschiedener Einrichtungen zu gewährleisten.

Vorbild für viele dieser Zusammenschlüsse sind die Idea Stores in London, die aus einer Krise der dortigen Bibliotheken entstanden sind und es sich zum Ziel gemacht haben, ihre Angebote noch konsequenter auf die Bedürfnisse der Bevölkerung auszurichten und multifunktionale Gebäude einzurichten, bei denen Angebote zur Erwachsenenbildung ganz gezielt einbezogen werden.10

Damit rückt im europäischen Kontext der sog. „Learning Centres“11 die Aufgabe in den Blick, durch gemeinsam abgestimmte, wohnortnahe Angebote bildungsferne Bevölkerungsgruppen besser zu erreichen.

Literaturverzeichnis

Dogliani, Sergio: Innovation an den Bedürfnissen der Bevölkerung ausrichten: Die Idea Stores in London. In: Olaf Eigenbrodt; Richard Stang (Hg.): Formierung von Wissensräumen. Optionen des Zugangs zu Information und Bildung, Berlin/Boston: de Gruyter Saur, 2014, S. 124–137.

Eckart, Wolfgang: Der Bildungscampus Nürnberg. Ein Beitrag zur Gestaltung kommunaler Bildungslandschaft. In: Timm Feld u.a. (Hg.): Engagierte Beweglichkeit. Weiterbildung in öffentlicher Verantwortung. Festschrift für Klaus Meisel, Wiesbaden: Springer VS, 2013, S. 49–67.

Klemm, Ulrich: VHS als bürgerschaftlicher Ort der Daseinsvorsorge Präsentation. Sächsischer Volkshochschulverband, 26.–28.11.2014. http://www.vhs-leipzig.de/fileadmin/user_upload/ak_gvhs/Klemm_Erwachsenenbildung_2025.pdf (10.11.2015).

Rabofski, Birgit u.a.: Information Innovation Inspiration: Das Bildungshaus in Wolfsburg als neuer Prototyp eines Zentrums für lebenslanges Lernen. In: Olaf Eigenbrodt; Richard Stang (Hg.): Formierung von Wissensräumen. Optionen des Zugangs zu Information und Bildung, Berlin/Boston: de Gruyter Saur, 2014, S. 138–147.

Schuld, Knud: Die Bibliothek als innovative Bürgerplattform. In: BuB − Forum Bibliothek und Information 67 (2015), H. 4, S. 206–210.

Stang, Richard; Hesse, Claudia (Hg.): Learning Centres. Neue Organisationskonzepte zum lebenslangen Lernen in Europa, Bielefeld: Bertelsmann, 2006.

1 Eckart, Wolfgang: Der Bildungscampus Nürnberg. Ein Beitrag zur Gestaltung kommunaler Bildungslandschaft. In: Timm Feld u.a. (Hg.): Engagierte Beweglichkeit. Weiterbildung in öffentlicher Verantwortung. Festschrift für Klaus Meisel, Wiesbaden: Springer VS, 2013, S. 49–67.

2 Es fallen ausschließlich Service- und Versäumnisgebühren an. Vgl. auch: http://www.nuernberg.de/internet/stadtbibliothek/satzung.html (8.11.2015).

3 Im Wesentlichen sind es öffentliche Bibliotheken.

5 Vgl. hierzu: Schuld, Knud: „Die Bibliothek als innovative Bürgerplattform. In: BuB − Forum Bibliothek und Information 67 (2015), H. 4, S. 206–210, und Klemm, Ulrich: VHS als bürgerschaftlicher Ort der Daseinsvorsorge Präsentation. Sächsischer Volkshochschulverband, 26.-28.11.2014. http://www.vhs-leipzig.de/fileadmin/user_upload/ak_gvhs/Klemm_Erwachsenenbildung_2025.pdf (10.11.2015).

6 Ein weiterer Kooperationspartner dieser Reihe ist das Interkulturbüro des KuF (Amt für Kultur und Freizeit der Stadt Nürnberg).

9 Rabofski, Birgit u.a.: Information Innovation Inspiration: Das Bildungshaus in Wolfsburg als neuer Prototyp eines Zentrums für lebenslanges Lernen. In: Olaf Eigenbrodt; Richard Stang (Hg.): Formierung von Wissensräumen. Optionen des Zugangs zu Information und Bildung, Berlin/Boston: de Gruyter Saur, 2014, S. 138–147.

10 Dogliani, Sergio: Innovation an den Bedürfnissen der Bevölkerung ausrichten: Die Idea Stores in London. In: Eigenbrodt; Stang (wie Anm. 9), S. 124–137.

11 Stang, Richard; Hesse, Claudia (Hg.): Learning Centres. Neue Organisationskonzepte zum lebenslangen Lernen in Europa, Bielefeld: Bertelsmann, 2006.

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