obib_2015-4_6-4_Schreiber

Nachlassverzeichnisse im Netz

Ein Projekt der Bayerischen Staatsbibliothek

Maximilian Schreiber, Bayerische Staatsbibliothek

Zusammenfassung:

Nachlässe rücken in der wissenschaftlichen Forschung immer mehr in den Fokus, wie etwa die stark gestiegenen Nutzerzahlen der Bayerischen Staatsbibliothek (BSB) über die letzten Jahre hinweg deutlich zeigen. Umso wichtiger ist insbesondere für Bibliotheken mit umfangreichen und fachlich breit gestreuten Nachlassbeständen eine möglichst genaue Erschließung im Internet, um der wissenschaftlichen Forschung einen schnellen Zugriff auf diese unikalen Materialien zu ermöglichen. Bei der digitalen Bereitstellung und vernetzten Erschließung verfolgt die BSB mit ihren rund 1.100 Nachlässen eine doppelte Strategie. Einerseits wird versucht, ausgewählte Nachlässe im Verbundsystem Kalliope zu katalogisieren. Andererseits werden die Erschließungsdaten zu den bereits erschlossenen und den erst grob geordneten Nachlässen, die in Form von hand- oder maschinenschriftlichen Listen sowie als Wordlisten vorliegen, digitalisiert und über den Bibliothekskatalog online zur Verfügung gestellt, um den Nutzern die Möglichkeit zu geben, sich so über die vorhandenen Bestände zu informieren. Wie dieses Projekt genau durchgeführt wurde, ist Gegenstand des Artikels.

Summary:

Special collections and personal papers are becoming more and more important for academic research, as is shown clearly by the increasing usage numbers at the Bavarian State Library (BSB) over the last couple of years. Especially for libraries with extensive and manifold collections of estates, it is important to present these unique materials in a well-indexed manner on the internet, in order to give the scientific community easy access. The Bavarian State Library, which keeps more than 1.100 estates of personal papers, pursues a double strategy: On the one hand, selected estates are fully cataloged in the database “Kalliope”. As this procedure is likely to take a long time, the library on the other hand has been digitizing older hand- or typewritten lists with information about the personal papers, and presents this data together with Word doc lists via the Online Catalogue. The paper explains how this project was planned and implemented.

Zitierfähiger Link (DOI): http://dx.doi.org/10.5282/o-bib/2015H4S257-267
Autorenidentifikation:
Schreiber, Maximilian: GND 133105512
Schlagwörter:
Nachlässe; Autographen; Online-Verzeichnis; Digitalisierung

Ein Student der Geschichtswissenschaften soll eine Bachelorarbeit über den Historiker und Schriftsteller Ferdinand Gregorovius, besonders bekannt durch seine Geschichte der Stadt Rom im Mittelalter (erschienen 1859–1872), verfassen. Selbstverständlich wird er seine Recherche bei der Suchmaschine Google beginnen und sich wahrscheinlich mit den Ergebnissen der ersten beiden angezeigten Trefferseiten zufrieden geben, bevor er im Anschluss auch Bibliothekskataloge und Fachdatenbanken zu Rate zieht.

Drei Einträge der ersten Seite seiner Trefferliste führen auf den in der Bayerischen Staatsbibliothek (BSB) liegenden Nachlass und dessen Verzeichnis, so dass der Student bereits an dieser Stelle mit Primärquellen konfrontiert wird, die er in seine Recherchen einbeziehen könnte.

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Einmal führt aus dem Eintrag zu Ferdinand Gregorovius in der deutschsprachigen Wikipedia1 unter der Rubrik „Weblinks“ ein Verweis zum OPAC der BSB: Hier kann das Verzeichnis zum Nachlass als PDF-Datei aufgerufen und heruntergeladen werden.

Ein weiterer Treffer leitet den Nutzer direkt auf die Homepage der BSB, zu einer Unterseite2 im Bereich der Nachlässe, die alle Nachlässe der BSB nach den Namen der Nachlasser aufführt. Von dort wird wieder in den OPAC verlinkt: Der Nachweis des Nachlasses und des den Nachlass erschließenden Verzeichnisses ist der zentrale Anker, der aus vielen anderen Kontexten heraus mit einem persistenten Link angesteuert werden kann.

Der dritte Treffer weist den Weg zum Nachlass über den Umweg der „Deutschen Biographie“3. Der Eintrag zu Gregorovius in der Neuen Deutschen Biographie4 führt über den Link „Weitere Angebote“5 zum Eintrag zu Gregorovius in Kalliope6, der zentralen Datenbank für Nachlässe und Autographen in Deutschland, und von dort wieder in den OPAC.

1. Nachlässe in wissenschaftlichen Bibliotheken: Nachweis im Netz?

Nachlässe werden in der Forschung immer stärker genutzt. Die Bearbeitung von Primärquellen wie Briefwechsel, Tagebücher, Werkmanuskripte, wissenschaftliche Sammlungen, Fotografien oder Lebensdokumenten nimmt bei der Erstellung von Forschungsarbeiten besonders im Bereich der Geisteswissenschaften einen immer größeren Raum ein. So hat sich in der BSB die Benutzung im Bereich der Nachlässe und Autographen seit 2000 fast verdoppelt.7

Die Benutzung dieser unikalen Materialien wird allerdings dadurch erschwert, dass ein großer Teil der Nachlässe in deutschen wissenschaftlichen Bibliotheken8 einerseits nur teilweise erschlossen ist und andererseits die erschlossenen Materialien oft nur „offline“ in handschriftlichen oder maschinenschriftlichen Listen sowie als elektronische Text- oder Tabellendokumente vorliegen und damit nicht im Netz recherchierbar sind.

Tiefenerschlossen, etwa in der Form, dass alle Materialien aus Nachlässen in Kalliope oder einer hauseigenen, online zugänglichen Spezial-Datenbank erfasst sind, ist nur ein kleiner Teil der in deutschen wissenschaftlichen Bibliotheken lagernden Bestände.

Doch was für alles heute gilt, gilt auch für den Nachweis von Nachlässen: Informationen, die nicht im Netz zu finden sind, existieren für viele Nutzerinnen und Nutzer nicht.

Die maschinenlesbare Umsetzung der Nachweisinstrumente ist also unabdingbar, da – wie die ARL, die nordamerikanische Association of Research Libraries, bereits im Jahr 2003 in einer Untersuchung festgestellt hat – analoge Ressourcen wie Zettelkataloge oder hand- und maschinengeschriebene Repertorien im Internetzeitalter von den meisten Nutzergruppen nicht mehr verwendet werden.9 Was nicht im Netz über Bibliothekskataloge oder Suchmaschinen zu finden ist, wird von einem großen Teil der Bibliotheksbenutzer, gerade von den jüngeren Gruppen, nicht mehr wahrgenommen. Positiv formuliert bedeutet damit eine Online-Bereitstellung der Findmittel und die Indexierung der Bestände über Suchmaschinen auch die Gewinnung neuer Nutzergruppen wie Studierende (Bachelor/Master), Genealogen oder Journalisten durch komfortablere Recherchemöglichkeiten sowie allgemein eine weltweite Sichtbarmachung der Bestände.10

Da die meisten Nutzerinnen und Nutzer ihre Suche nicht über selbst in Fachkreisen wenig bekannte zentrale Datenbanken wie Kalliope beginnen, ist es wichtig, sie auch da abzuholen, wo deren Recherche beginnt: Suchmaschinen wie Google oder Onlinenachschlagewerke wie Wikipedia.

2. Ausgangslage in der Bayerischen Staatsbibliothek

Die BSB besitzt mit fast 1.100 Nachlässen, die vom 15. Jahrhundert bis in die jüngste Gegenwart reichen, ihren 350 nachlassähnlichen Sammlungen (Fasciculi Germanici) sowie mit ihren mehr als 37.000 Autographen, einen reichen Fundus solcher primärer Forschungsquellen. Die Nachlässe enthalten vor allem Korrespondenzen, Werkmanuskripte, Lebensdokumente, Fotografien und zum Teil umfangreiche wissenschaftliche Sammlungen.

Die BSB sammelt in gezielter Auswahl Nachlässe und Autographen auf vielen Gebieten des wissenschaftlichen, künstlerischen und öffentlichen Lebens11: So stehen die Nachlässe der Schriftsteller Ludwig Heinrich Christoph Hölty, Johann Heinrich Voß, August Graf von Platen, Paul Heyse, Adalbert Stifter, Georg von der Vring, Georg Britting, Oskar Maria Graf, Heinz Piontek neben denen von bildenden Künstlern wie Peter von Cornelius, Wilhelm von Kaulbach, Karl Spitzweg, Joseph Stieler, Johann Martin von Wagner, Hans von Marees, Alfred Kubin und berühmten Komponisten12 wie Orlando di Lasso, Richard Wagner, Richard Strauss, Hans Pfitzner, Alban Berg, Werner Egk, Ermanno Wolf-Ferrari und Karl Amadeus Hartmann.

Reich ist der Bestand an Nachlässen von Wissenschaftlern, vor allem aus den geisteswissenschaftlichen Disziplinen: In diesem Bereich finden sich Nachlässe von Historikern, Archäologen, Philologen (Sammelschwerpunkt Klassische Philologen), Theologen, Philosophen, etwa von Aventinus, Friedrich Thiersch, Ferdinand Gregorovius, Franz Schnabel, Paul Wolters, Friedrich Klingner, Wolfgang Schadewaldt, Karl Vossler, Johann Andreas Schmeller, Ignaz von Döllinger, Romano Guardini, Franz von Baader, Max Scheler, Oswald Spengler und Heinz Friedrich.

Die Erschließung dieser Materialien erfolgt nach den „Regeln zur Erschließung von Nachlässen und Autographen (RNA)“.13 Der Erschließungsstand dieser zahlreichen und teilweise sehr umfangreichen Nachlässe ist sehr heterogen. Gerade die älteren Bestände und die Fasciculi Germanici sind relativ gut erschlossen, meist in ausführlichen handschriftlichen, maschinenschriftlichen oder gedruckten Verzeichnissen, teilweise sind die Briefe auch in Kalliope nachgewiesen.14 Ebenso ist die Autographensammlung dort in weiten Teilen nachgewiesen.15 Viele der Nachlässe aber, die seit den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts erworben wurden – seit dieser Zeit hat sich die Zahl der Bestände mehr als verdoppelt – sind aber erst in geringerer Tiefe erschlossen. Manche sind erst in Teilen oder, abgesehen von einer groben Bestandbeschreibung, noch gar nicht näher bearbeitet.

Im Bereich der Erschließung finden sich hier Listen in den verschiedensten Formen, von handschriftlichen und schreibmaschinenschriftlichen Dokumenten bis hin zu umfangreichen Word-Listen oder sogar gedruckten Verzeichnissen.

Sehr unterschiedlich ist die Behandlung der in den Nachlässen enthaltenen Briefe: Manche Verzeichnisse listen keine Korrespondenzpartner auf, manche nennen nur die Namen der Briefpartner, manche enthalten weitergehende Informationen wie die Anzahl der Briefe, die Orte der Entstehung und die Laufzeit der Korrespondenz.

Ein Nachweis in Kalliope, der über den reinen Bestandsnachweis des Nachlasses hinausgeht, ist bei den so erschlossenen Nachlässe nur sehr selten zu finden.

Ausnahmen bilden etwa die Nachlässe der Klassischen Philologen Bruno Snell, Wolfgang Schadewaldt und Helmut Berve, die im Zuge eines DFG Projektes von 1996 bis 1998 erschlossen wurden. Hier finden sich ca. 7.000 Aufnahmen in Kalliope.

Da in absehbarer Zeit eine vollständige Erschließung der Nachlässe, hier besonders der Korrespondenz, angesichts der Masse – allein bei der Korrespondenz in den seit den 1970er Jahren erworbenen Nachlässen ist von zig-tausenden nicht nachgewiesenen Briefe auszugehen – und des fehlenden Personals, das von der zunehmenden Benutzung stark beansprucht wird, nicht erreichbar sein wird, hat sich die BSB entschlossen, in einem ersten Schritt alle verfügbaren Verzeichnisse, auch die zu den erst in Teilen erschlossenen Nachlässen, zu digitalisieren und online zu stellen.

3. Digitalisierung, Katalogisierung und Digitale Bereitstellung der Nachlassverzeichnisse

Ziel der Aktion war der Nachweis der digitalisierten Verzeichnisse über den Bayerischen Verbundkatalog B3Kat und (daraus abgeleitet) den lokalen OPAC der BSB, da so auch über bestehende Schnittstellen ein Tansfer der Daten in die nationalen und internationalen Nachweisinstrumente wie den Karlsruher Virtuellen Katalog KVK, den Worldcat, das Cerl Portal (Consortium of European Research Libraries), Malvine (Suchmaschine zu Autographen- und Nachlassbeständen in Europa) und Europeana stattfindet. Auch werden die Daten des lokalen OPAC durch Google bis auf die Einzeltrefferanzeige indexiert, so dass eine Recherche direkt in den OPAC der BSB führen kann.

Am Anfang stand die Digitalisierung von ca. 12.000 maschinenschriftlichen und etwa 2000 handschriftlichen Seiten. Bei Verzeichnissen, die bereits in Form von Wordlisten vorlagen, musste lediglich eine Umwandlung in das PDF-Format durchgeführt werden.

Für noch nicht vollständig erschlossene oder kleinere Nachlässe (Verzeichnisse unter 25 Seiten) wurden dann aus den Images der Verzeichnisse PDFs erstellt. Diese PDFs wurden dann über einen Publikationsserver (Repository) der BSB hochgeladen, die so entstandene URN diente als Grundlage für die Katalogisierung.

Die Seiten der Verzeichnisse von endgültig erschlossenen und im Umfang größeren Nachlässen wurden als Images digitalisiert, über das Münchner Digitalisierungszentrum bereitgestellt und mit Strukturdaten, also einem digitalen Inhaltsverzeichnis, versehen. Bei beiden Wegen ist die Langzeitarchivierung gewährleistet.

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Dem Verzeichnis vorangestellt findet sich bei beiden Lösungen eine kurze Übersicht mit Hinweisen zum Umfang des Bestandes und zum Stand der Erschließung sowie zum Stand der Erschließung in Kalliope und zu den Benutzungsmodalitäten.

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Nachdem die Verzeichnisse nun digital vorlagen und über eine URN aufgerufen werden konnten, erfolgte die Katalogisierung des Nachlasses und des Nachlassverzeichnisses im bayerischen Verbundkatalog B3Kat. Hier wurde für jeden Nachlass eine Aufnahme in der Struktur eines mehrbändigen Werkes aufgenommen. Die übergeordnete Einheit beschreibt den Nachlass als Ganzes. Als 0. Band wird das Repertorium verzeichnet und durch die Katalogisierung der URN die Verlinkung angezeigt. Sollte das Verzeichnis etwa im Zuge einer verbesserten Erschließung überarbeitet werden, wird einfach die neue Version des PDFs im Publikationsserver (Repository) der BSB hochgeladen und die aktuelle URN hier katalogisiert.

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Von Vorteil bei der Erfassung im Bibliothekssystem ist die Verwendung von Normdaten. Über die GND-Verknüpfung wird der Nachlasser eindeutig identifiziert und kann auch über die verschiedenen Verweisungsformen der Schreibweise seines Namens gefunden werden.

Weitere „Bände“ der Katalogaufnahme werden angelegt, um die Metadaten der digitalisierten Teile des Nachlasses wiederzugeben, in unserem Beispiel des Nachlasses von Gregorovius etwa die gesamten Skizzenbücher, die im Zuge des DFG-Projektes „Archicon“ digitalisiert wurden.16 Dies entspricht dem an der BSB üblichen Verfahren, bei vorhandenen digitalen Inhalten mehrbändige Katalogaufnahmen anzulegen.

Im Jahr 2015 stehen die Verzeichnisse von ungefähr 500 Nachlässen online zur Verfügung. Wie bereits am Anfang des Artikels gezeigt wurde, wird über diverse Verlinkungen aus anderen Kontexten auf den Katalogeintrag die Findbarkeit des Nachlasses und seiner Verzeichnung deutlich erhöht. So wird aus dem biografischen Eintrag zum Nachlasser in der deutschsprachigen Wikipedia ebenso verlinkt wie von der Nachlass-Namensliste auf der Homepage der BSB. Zentral ist auch die Verlinkung aus der Datenbank Kalliope. Hier wird der Link im Bereich der Bestandsnachweise händisch eingetragen, also an der Stelle, an der der Nachlass als gesamte Einheit nachgewiesen wird. Auch in Kalliope wird mit der GND gearbeitet, so dass der Name des Nachlassers in allen Schreibvarianten gesucht und gefunden werden kann.

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4. Ausblick

Diesem ersten Schritt eines verbesserten Onlinenachweises der Nachlässe der BSB muss nun die genaue Verzeichnung der Einzeldokumente in Kalliope folgen. Besonders der Nachweis der Korrespondenzen unter der Verwendung von Normdaten wie der GND muss das Ziel vernetzter Erschließungsarbeit sein. Nur so können die Briefe von einer Person in den vielen Nachlässen, die sich in den verschiedensten Institutionen befinden, überhaupt recherchiert werden. Insgesamt sind aktuell in dieser Datenbank über 18.900 Bestände aus über 950 Institutionen mit insgesamt über 2,4 Millionen Verzeichnungseinheiten online.17

Die Möglichkeiten des neuen Kalliope-OPAC bieten hier große Vorteile. So lassen sich etwa persönliche Korrespondenznetzwerke sehr anschaulich darstellen.

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Die Erfassung der Bestände in einem solchen nationalen Rechercheinstrument bietet einen großen Vorteil gegenüber der Katalogisierung der Daten in eigenen lokalen Datenbanken, in denen nur die eigenen Bestände nachgewiesen sind, ohne dass eine umfassende Recherche etwa zu Personen in möglichst vielen Gedächtnisinstitutionen möglich wäre. Alternativ lassen sich natürlich Schnittstellen zu Kalliope entwickeln, deren Entwicklung (Mapping der Felder, technische Umgebung) und Betrieb aber kosten- und betreuungsintensiv sind.

Bei der Priorisierung der Erschließung in Kalliope sind Briefe aus den genannten Gründen auf jeden Fall vorranging zu behandeln. Werkmanuskripte18, persönliche Dokumente, Fotos oder wissenschaftliche Sammlungen sind in der Datenbankverzeichnung nachrangig zu behandeln, da diese Materialien auch in Onlineverzeichnissen gut recherchiert und gefunden werden können: Werkmanuskripte von Gregorovius etwa werden die Nutzerinnen und Nutzer mit Sicherheit im Nachlass von Gregorovius vermuten und suchen.

Allerdings lässt sich eine Erschließung dieser Menge von Dokumenten nur in Zusammenarbeit mit wissenschaftlichen Forschungsprojekten und mit dem Einsatz von Drittmitteln bewerkstelligen, da bei den meisten wissenschaftlichen Bibliotheken das Personal für die anstehende Erschließungsarbeit fehlt. Dazu müssen in Zusammenarbeit mit Fachwissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern thematische Schwerpunkte gebildet werden, um dann die Tiefenerschließung als Voraussetzung für eine wissenschaftliche Bearbeitung des Bestandes zu beantragen.

Literaturverzeichnis

Hidden Collections, Scholarly Barriers: Creating Access to Unprocessed Special Collections Materials in North America´s Research Libraries. A White Paper for the Association of Research Libraries Task Force on Special Collections. 6. Juni 2003. http://www.arl.org/storage/documents/publications/hidden-colls-white-paper-jun03.pdf (20.09.2015).

Lamble, Jeanette: Staatsbibliothek zu Berlin: Start der Datenbank Kalliope: http://Kalliope.staatsbibliothek-berlin.de. In: Bibliotheksdienst 36 (2002), H. 7, S. 927–931.

3 Vgl. http://www.deutsche-biographie.de/ (20.09.2015). Die Deutsche Biographie ist mit etwa 26.500 Artikeln das größte biographische Lexikon für den deutschsprachigen Raum.

7 Siehe die Jahresberichte der Bayerischen Staatsbibliothek seit dem Jahre 2000.

8 Es geht hier vornehmlich um Bestände in wissenschaftlichen Bibliotheken. Spezialinstitute wie Literaturarchive, etwa in Marbach, führen oft eigene Spezialdatenbanken und können die Erschließung mit einschlägiger personeller Ausstattung zeitnah bewerkstelligen.

9 Hidden Collections, Scholarly Barriers: Creating Access to Unprocessed Special Collections Materials in North America´s Research Libraries. A White Paper for the Association of Research Libraries Task Force on Special Collections. 6. Juni 2003, S. 4. http://www.arl.org/storage/documents/publications/hidden-colls-white-paper-jun03.pdf (20.09.2015).

10 Ebd., S. 6.

11 Einen Gesamtüberblick bietet eine Liste auf der Webseite der BSB unter http://www.bsb-muenchen.de/Nachlaesse-nach-Berufen-geordn.2257.0.html (20.09.2015).

12 Die Musikautographen der Komponisten befinden sich in der Musikabteilung der BSB.

14 Durch die Konvertierung der seit 1966 geführten Zentralkartei der Autographen (ZKA), die auch von der BSB umfassend beliefert wurde, in den zentralen Onlineverbundkatalog „Kalliope“ Anfang der 2000er Jahre sind die Briefe aus vielen älteren Nachlässen in Kalliope nachgewiesen. Die Briefe der Fasc.germ. sind vollständig nachgewiesen. 2012 wurde zudem eine lokale Spezialdatenbank der BSB für Autographen und Nachlässe in Kalliope überführt. Zu „Kalliope“ vgl. Lamble, Jeanette: Staatsbibliothek zu Berlin: Start der Datenbank Kalliope: http://Kalliope.staatsbibliothek-berlin.de. In: Bibliotheksdienst 36 (2002), H. 7, S. 927–931).

15 Die Reihe der alten Autographen ist ganz, die Reihe der Neuen Autographen bis zum Buchstaben H in Kalliope nachgewiesen.

18 Eine Ausnahme bildet der Fall, dass Werkmanuskripte anderer Autoren, die man nicht im Nachlass vermuten würde, sich hier befinden. Diese sollten dann auch vorrangig in Kalliope nachgewiesen werden.

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